Eda Gregr
20.06.2016 um 23:09

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

20. Juni 2017

Papst Franziskus @Pontifex_de
Das Universum ist mehr als ein wissenschaftliches Problem; es ist ein freudvolles Geheimnis, Ausdruck von Gottes Liebe zu uns.

„Das Universum ist mehr als ein wissenschaftliches Problem“. Damit ist wohl gemeint, dass das Universum mehr zu bieten hat, als die Wissenschaft zu erklären vermag1.
Das Universum ist also die grosse Bühne, auf der sich Wundersames ereignet.

Mit Hilfe der Wissenschaft durchschauen wir indessen nach und nach die Tricks, die dahinter stecken. Vieles von dem, was früher unbegreiflich war, haben wir inzwischen begriffen.
Wie viel von den, was noch immer unbegreiflich ist, auf immer unbegreiflich bleiben wird, wissen wir nicht. Und wir wissen auch nicht, ob der unbegriffene Rest am Ende unbegreiflich bleiben wird aufgrund unserer beschränkten Zeit und Fähigkeiten oder weil es da einfach nicht mit rechten Dingen zugeht, was der einzige Grund ist, warum etwas prinzipiell nicht verstanden werden kann.
Der Papst geht offensichtlich davon aus, dass ein Teil auf ewig2 ein Mysterium bleiben wird. Nicht etwa, weil er Gründe dafür hätte, dass zu glauben, denn wir haben noch nie etwas beobachtet3, was nicht mit rechten Dingen zugegangen wäre, sondern weil er es glauben will.

Hinzu kommt, dass die Religionen eine gewisse Reputation darin haben, Fragestellungen, welche vermeintlich Unbegreifliches begreiflich machen könnten, sicherheitshalber zu unterbinden. Zum Wohl des allgemeinen Seelenheils wohlgemerkt, denn aus dem Verschwinden des Unerklärlichen könnte man nur allzu leicht auf das Nichtvorhandensein des Unerklärlichen schliessen. Und das, obwohl es ja einen sehr überzeugenden Grund dafür gibt, dass es das Unerklärliche tatsächlich gibt: der Papst wünscht es sich so sehr. Und wer sind wir, ihm diesen Wunsch auszuschlagen?
Natürlich verbieten Religionen nicht die Wissenschaft. Es ist nur so, das das Seelenheil Priorität hat. Wenn die Erforschung (und Enträtselung) der Wundersamkeit des Universums den Glauben4 stärkt, sehr gut, wenn es ihn jedoch zersetzt, ist die Ignoranz ein Segen. Zu welcher Kategorie Sie gehören, erfahren Sie bei Ihrem zuständigen Priester5.

Da ist aber noch was anderes. Der Weltraum, aus dem das Universum besteht, versucht uns zu töten!

Und selbst zuhause kommen wir nur mit einer stattlichen Portion Glück über die Runden: wenn Global Killer uns verfehlen, sich keine Supernovas in unserer Nachbarschaft ereignen und wir nicht zufälligerweise einer hypergalaktischen Umgehungsstrasse im Weg stehen.
Das Universum, die freudvolle Bühne, ist ein Minenfeld.
Die hübsche Anordnung von Landminen und deren elegante Bauweise macht sie nicht wirklich zu einem Liebesbeweis.

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Es ist das gleiche Problem wie Krokodile, Vulkane und HIV. Ziemlich tödlich. Ausdruck von Gottes Liebe für uns. Amen?

Der Papst sieht das Universum als eine Herausforderung. Die Konfrontation mit ihm lässt uns gleichermassen intellektuell wie spirituell wachsen. Und eine spannende, knifflige Herausforderung ist durchaus etwas, was ein liebender Vater seinem Kind bieten würde. Bloss dass ein Scheitern lieber nicht den Tod (und ewige Höllenqualen) nach sich ziehen sollte. Und selbst nur so zu tun, als ob ein Scheitern tödlich wäre, ist nicht unproblematisch, wenn man nicht will, dass das Kind ein Trauma davon trägt.
Zur spannenden und kniffligen (und tödlichen) Herausforderung des liebenden Vaters scheinen folgende Extras zu gehören: Man muss sich beim Ergründen der Geheimnisse des Universums gegen die Angriffe der Vertreter des Vaters behaupten, von denen man weiss, dass sie in der Vergangenheit ziemlich grausam mit Leuten umgegangen sind, die sich gegen sie zu behaupten versuchten. Obwohl nur die wissenschaftliche Methode verlässliche Ergebnisse liefert, ist man verpflichtet auch andere Methoden zu benutzen und deren Ergebnisse zu akzeptieren. Man weiss nicht, ob die Vorbilder, die man hat, im Sinne des Vaters erfolgreich waren oder gescheitert sind. Und der Vater schreckt nicht vor Gewalt und Bildern auf Toastbroten zurück um einen gutgemeinte Hinweise zu geben.

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Zeitbomben als Ausdruck von Gottes Liebe, auf dass es vielleicht einem von uns gelingt, sie zu entschärfen.

So ein Szenario ist nur dann ein Beweis für die Liebe Gottes, wenn ich allein das Versuchsobjekt bin und alle anderen Statisten. Dann haben die anderen vor mir, die die Zeitbombe zu entschärfen versuchten, nämlich nicht einfach Pech gehabt, sondern sie waren Teil einer Inszenierung, die mich in die richtige „Stimmung“ versetzte innerhalb der Herausforderung, an der ich wachsen soll.

Dies zeigt übrigens wieder einmal, dass Computerspiele in der Theologie noch immer nicht die Beachtung finden, die sie eigentlich verdienen. Computerspiele als ein Abbild dessen, was uns die Religionen als göttlichen Plan verkaufen wollen: Wir werden in eine Welt geschleudert, in der wir uns behaupten und aus der wir erfolgreich entkommen müssen. Und Freud und Leid und Tod im Spiel sind nur zu unserer Unterhaltung ausserhalb des Spiels da. Gruselige Zombies sind ein Liebesbeweis der Entwickler an den Käufer.
Und im Multiplayer-Modus: Indem der Erfolg des einen Spielers den des anderen einschränken kann, entsteht eine Selektion, wo es Gewinner und Verlierer gibt. Und ob es diese Linie gibt und wo sie liegt gänzlich in der Macht des Spiel-Designers. Dieser kann dann gern noch ein Feature einbauen, welches den Spieler, wenn er nicht erfolgreich ist, auch ausserhalb des Spiels tötet. Doch dann sollte er die Entscheidung, ob man das Spiel spielen will, dem Spieler überlassen. Andernfalls kommt er wohl nicht damit durch, dass er das Spiel aus Liebe für die Spieler entwickelt hat:
Wenn du dir wünschst Russisch Roulett zu spielen, dann kann es ein Akt der Liebe sein, dir den Revolver zu geben.
Wenn du es aber nicht spielen willst, dann ist es kein Akt der Liebe, dir den Revolver zu geben und dich zu zwingen abzudrücken.

Mit dem Wechseln von Diesseits- und Jenseitsperspektive machen uns die Apologeten nur kirre. Doch unter dem Strich bleibt, dass entweder die Regeln gelten, die in den heiligen Büchern stehen, dann ist Gott ein alles andere als liebenswürdiger Kerl. Oder es gelten eigentlich andere Regeln, doch dann ist Gott nicht das, was über ihn in den heiligen Büchern steht.

Überlegt euch mal, was Lara Croft über den Designer ihrer liebevoll kreierten Weltdenkt. Ist es das gleiche wie der Tomb Raider Spieler?


Disclaimer: Diesen Artikel habe schneller geschrieben als sonst üblich, deshalb hat’s vielleicht ein paar mehr nicht ganz nachvollziehbare Gedankensprünge. Sollte Klärungsbedarf bestehen, werde ich mich gern nochmal dahinter klemmen.


Kurzer Nachtrag. Als Antwort auf den Tweet den Papst postete Mathilde Hei das Bild einer Galaxie mit dem Kommentar: „Es ist prachtvoll. Gott ist das Zentrum!“

Das Universum hat kein Zentrum.
Das auf dem Bild ist eine Galaxie, von denen es Abermillionen gibt.
Und das in der Mitte der Galaxie ist ein schwarzes Loch.
Soviel zur Freude die Geheimnisse des Universums zu enthüllen.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
29.01.2014 um 11:27

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

29. Januar 2014

Der Vatikan wollte den päpstlichen Twitter-Account @Pontifex wegen des Schwalls von Beleidigungen zeitweise wieder schließen. (kath.net)

Wie es scheint, werden die Reaktionen auf die päpstlichen Tweets doch gelesen. Dann sind meine Pontifex-Dialoge also doch ein Dialog!
Ich frage mich, ob Celli die erwähnte Vulgarität und Grobheit auch in meinen Antworten gefunden zu haben glaubt? Christen sind in diesen Dingen ja ziemlich dünnhäutig, allein schon die Erwähnung, dass man nicht glaubt, dass es einen Gott gibt, bereitet manch einem schon fast physische Schmerzen.

Wenn sich die Kirche gegen die Homosexualität und andere abnorme Praktiken stellt, dann tut sie das nicht, weil sie etwas gegen Homosexuelle hätte, sondern um die Kinder, die Ehe und den Fortbestand der Zivilisation zu schützen.
Persönlich halte ich diese Argumentation für nicht haltbar, aber okay. Was mir aber nicht einleuchtet, ist, dass man, diese mediale Ansteckung akzeptierend, sich nichtsdestotrotz entscheidet den Twitter-Account offen zu behalten. Wenn allein schon das Bild zweier sich sich küssender Männer die sensiblen Sprösslinge schwul machen kann, dann sollte man doch annehmen, dass Kritik und Vulgarität auch schwere Schäden anrichten können?

Ich nehme an, dass auch Gott angesichts der gelegentlichen Shitstorms, die über die Jahrhunderte hinweg sicherlich immer mal wieder über die Gebets-Hotline zu ihm hochgeschwappt sind, darüber nachdachte die Leitung zu kappen. Und ich frage mich, ob ihm nicht irgendwann einmal der Kragen geplatzt ist, so wie seinerzeit als er sich entschloss die ganze Welt zu ersäufen und es tatsächlich auch tat.
Würden wir überhaupt etwas merken? Ohne diese Aussage von Celli, hätten wir auch keinen Grund anzunehmen, dass der Dialog wirklich in beide Richtungen fliesst.
Die Ironie an der Sache ist, dass die Gläubigen in einem späteren päpstlichen Tweet durchaus eine Antwort auf ihre Gedanken zum ursprünglichen Tweet erkennen können, was ihnen den Eindruck eines realen Zwiegesprächs vermittelt.

Die Analogie zwischen Gebet und Tweets an den Papst ist wirklich frappierend. Ein Va­ter­un­ser ist hier ein­fach ein Ret­weet und das Amen ein Fa­vo­rit. Und der Empfänger ärgert sich über die Vulgarität und Kleingeistigkeit und stellt sich taub.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
13.11.2013 um 22:48

Kranke und Behinderte sollen sich nach den Worten von Papst Franziskus nicht für ihre Lage schämen. Für die Kirche und ihre Gläubigen seien sie eine „spirituelle Ressource“, sagte Franziskus am Samstag vor Betroffenen und Helfern in der Audienzhalle im Vatikan. Denn in ihnen zeige sich zum einen der leidende Christus, zum anderen ermögliche die Hilfe für die körperlich Bedürftigen, das Evangelium zu leben. „Schämt euch nicht dafür, ein wertvoller Schatz der Kirche zu sein“, so der Papst. Er kritisierte ein soziales und kulturelles Klima, in dem körperliche Mängel lediglich als Problem wahrgenommen und versteckt würden. (kath.net, 10. November 2013)

Schon seit jeher haben die Kirchen an den Kranken und Siechen ihre Barmherzigkeit zur Schau gestellt, soweit also nichts neues. Sich um einen Hilfsbedürftigen zu kümmern, bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass man nicht überzeugt davon sein kann, dass die betreffende Person aus eigenem Verschulden in diese Situation gekommen ist, und dass man sowohl die Situation als auch das Verschulden nicht verurteilen kann.
Ärzte haben keine Mühe damit: Wenn ein bei einer Schiesserei verwundeter Verbrecher ins Spital eingeliefert wird, wird er wie jeder andere behandelt, selbst wenn die Chirurgen seine Tat klar ablehnen. Auf die Wunde angesprochen, werden die Ärzte allerdings wohl kaum sagen, dass der Verbrecher sich für diese Schämen sollte. Eher dafür, was er angestellt hat, damit er sie erhielt.
Wenn also Franziskus sagt, der Behinderte soll sich nicht für seine Behinderung schämen, dann heisst das noch lange nicht, dass sie nicht trotzdem eine gerechte Strafe Gottes ist.
Auch heute noch werden nämlich Naturkatastrophen und Krankheiten als Strafe Gottes interpretiert. Von den Kirchen vielleicht nicht mehr so deutlich, doch distanzieren sie sich davon auch nicht explizit. Kein Wunder also, dass da eine latente Neigung sich zu schämen bestehen bleibt, wo man doch das Zeugnis einer Sünde auf dem eigenen Körper geschrieben steht.

Wäre den Kranken und Behinderten da nicht mehr gedient, wenn der Papst ein für alle Mal verkünden würde, dass Naturkatastrophen und Krankheiten keine Strafen Gottes seien?

Da ist aber noch was anderes, was mich fast noch mehr stört:
Ein „wertvoller Schatz der Kirche“ zu sein… stösst nur mir das sauer auf? Ein Schatz ist doch etwas, das mir etwas anderes begehrenswertes ermöglicht: Ein Schatz ist ein Mittel zum Zweck. Und das wird vom kategorischen Imperativ explizit abgelehnt: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloss als Mittel brauchest.“ (aus Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten)
Behinderte sind Ressourcen, die es den Gläubigen erlauben ihr Soll an Barmherzigkeit zu erreichen und damit dem himmlich Vater zu gefallen?

Was wäre wenn die Medizin alle Behinderungen und Krankheiten besiegen würde? Die Kirche wäre um Möglichkeiten gebracht das Evangelium zu leben…
Ist das der Grund, wieso die Kirchen sich heute gegen Stammzellenforschung und in der Vergangenheit gegen jeden medizinischen Meilenstein gestellt haben? Sehen sie ihren Schatz schrumpfen?

Körperliche Mängel sind eben doch ein Problem, allein schon deshalb, weil wir einerseits als Individuen und als Gesellschaft uns bemühen diese zu Verhindern, und weil wir andererseits denen die sie haben, ein möglichst unbeschwertes Leben ermöglichen wollen. Beides lässt sich auf vielerlei Weise bewerkstelligen. Manchmal erfolgreicher, manchmal weniger.
Daran scheint der Papst hier aber kein grosses Interesse zu haben. Für ihn sind körperliche Mängel eher eine Chance. Ihm geht es darum das Evangelium zu leben und den Gläubigen die Möglichkeit zu bieten ihre Barmherzigkeit unter Beweis zu stellen. Wo ist da die Motivation etwas zu verändern?

Ein moderner Heiliger in spe könnte da glatt auf die Idee kommen, sich zum Wohl der Menschheit zu verstümmeln.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
01.10.2013 um 09:05

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

30. September

Papst Franziskus @Pontifex_de
Wo wir Hass und Dunkel sehen, wollen wir ein wenig Liebe und Hoffnung bringen, um der Gesellschaft ein menschlicheres Antlitz zu geben.

Dieser Tweet ist gleich in zwei Richtungen zynisch.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Steht auf Hass und Dunkelheit nicht die Hölle? Also noch viele mehr vom gleichen?

Wenn ich Hass und Dunkel verbreite, dann brauche ich mir nicht grosse Hoffnungen zu machen, dass mir die Hölle erspart bleiben wird. Ein Ort, wo ich noch mit viel mehr Hass und Dunkel überschüttet werde.
Andererseits besteht aber die Aussicht, dass mir Gott trotz allem verzeihen wird, wie uns der Papst in einem anderen Tweet versichert hat, und diese verbreitet Hoffnung nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Übeltätern. Was für den letzteren allerdings nicht unbedingt eine Motivation ist aufzuhören.
Viel wichtiger aber ist, dass, wo Hass und Dunkel herrscht, es das nicht tut, weil jemand es so will, sondern weil jemand keinen anderen Weg als diesen sieht. Es ist also ein Ort der Verzweiflung, wo andere Leute mitgerissen werden.
Es gibt sicher böse Menschen, die Freude dran haben, Böses zu tun. Doch es braucht diese nicht um Böses in der Welt geschehen zu lassen. Es reicht, wenn man ein Ziel hat, welches bedauerlicherweise Opfer verlangt.
Wieviel und welche Art von Opfer gerade noch akzeptierbar sind, müssen indessen Legislative, Exekutive und Judikative beantworten.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Wäre Handeln nicht effektiver? Nicht die Hoffnung macht ein menschliches Antlitz, sondern die Umsetzung der Menschenrechte.

Wenn ich irgendwo Unrecht geschehen sehe, dann ist hinzugehen und mitfühlend zu lächeln zwar nett gemeint, aber ob es wirklich hilft, wage ich zu bezweifeln. Leuten die Hoffnung auf bessere Zeiten zugeben ist nett, die besseren Zeiten sofort beginnen lassen, ist wesentlich besser.
Problematisch ist noch folgendes: Es gibt eine Hoffnung, die mich motiviert etwas zu verändern. Und es gibt eine Hoffnung, die mich motiviert die Umstände in Aussicht auf ein bessere Zukunft ohne Murren zu ertragen. Auf welche dieser beiden Arten haben sich die Religionen wohl spezialisiert? Und ist es wirklich die, die unsere Welt besser gemacht hat?

Geholfen wird den Unterdrückten nicht, indem man ihnen Hoffnung macht, sondern indem man den Unterdrückern die Schranken weist. Ausser natürlich, wenn man den Unterdrückten Hoffnung macht indem man den Unterdrückern die Schranken weist. Danach klang der Tweet vom Papst aber nicht wirklich.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
26.09.2013 um 12:09

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

26. September

Papst Franziskus @Pontifex_de
Gottes Vergebung ist stärker als alle Sünde.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Warum also die ganze Moral?

Wenn die Vergebung stärker ist als alle Sünden, dann muss man sich doch fragen, wieso es überhaupt eine Moral gibt? Insbesondere diejenige, die sich auf unsere Aktivitäten im Schlafzimmer bezieht!
Okay, vielleicht habe ich auch etwas missverstanden. Vergebung ist doch, dass man mir meine Missetaten verzeiht und von den angedrohten Konsequenzen absieht, oder? Ich meine, wenn mich ein Polizist dabei erwischt, wie ich die Strasse bei rot überquere, und er mir sagt, dass er mir verzeiht, dann kann ich doch davon ausgehen, dass ich keine Busse zahlen muss, oder? Und wenn er mir die Busse aufbrummt und ich sie begleiche, dann gibt es nichts mehr zu verzeihen, denn ich habe meine Schuldigkeit getan, oder?

Ne, so einfach ist das natürlich nicht:
„Gott vergibt dir alle deine Sünden, doch du wirst trotzdem in der Hölle schmoren, weil du es dir selbst so ausgesucht hast.“

Gottes Vergebung ist höllisch stark. Doch um von ihr Gebrauch machen zu können, muss ich sie annehmen. Das macht noch Sinn. Doch ich muss sie noch hier annehmen, bevor ich leibhaftig vor ihm stehe und seine ganze göttliche Pracht gewahr werde.
Auf den Polizisten übertragen heisst das, dass ich die Vergebung des Polizisten annehmen muss, bevor ich merke, dass er mich erwischt hat. Sobald ich ihn sehe ist es zu spät.
Eine seltsame Bedingung. Diese beinhaltet zweierlei. Zum einen, dass ich mir meiner Schuld bewusst bin. Und zum anderen, dass ich an die Existenz Gottes glaube. Etwas verzwickter wird die Sache allerdings durch den Umstand, dass nicht an die Existenz Gottes zu glauben, selbst eine Sünde ist. Und wenn man der Bibel glauben will, sogar die schlimmste von allen. Doch da Gottes Vergebung auch hier stärker ist, ist er gewillt mir diese zu verzeihen. Sofern ich die Bedingung erfülle. Wenn das mal kein Teufelskreis ist…

Ist aber eine an Bedingungen geknüpfte Vergebung wirklich eine Vergebung? Sind die Bedingungen nicht eine Art Strafe? Allein schon sich einzugestehen, dass man einen Fehler gemacht hat, und das daraus resultierende schlechte Gewissen stellen eine Form von psychologischer Sanktion dar. Doch ich empfinde Masturbation und Homosexualität nicht als etwas schlechtes, wofür man ein schlechtes Gewissen haben sollte. Insofern bin ich mir keiner Schuld bewusst. Und so dürfte es mir auch schwer Fallen die Vergebung Gottes dafür anzunehmen. Zumindest nicht bevor er vor mir erscheint und mich darauf aufmerksam macht, dass dies ganz üble Sachen sind. Doch dann ist es ja leider zu spät.

Was im Tweet wie eine Freikarte für den Himmel aussieht, entpuppt sich als heisse Luft.
Wenn uns allen der Himmel aber doch gewiss sein sollte, dann waren der freie Wille und all die Gebote und Verbote die reinste Zeitverschwendung und all das Grauen auf der Welt einfach nur sinnlos.
Ich möchte nicht im Himmel sein, wenn das rauskommt…

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
15.09.2013 um 14:20

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

15. September

Papst Franziskus @Pontifex_de
Das eigene Glück darin zu suchen, materielle Dinge zu besitzen, ist ein sicherer Weg, um nicht glücklich zu sein.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Inwiefern ist der Papst ein Experte in der Glücksforschung? Ohne Belege sind das nur nette, aber billige Kalendersprüche.

Das hat der Klerus drauf. Wann immer irgendwo eine Diskussion zu ethischen Fragen geführt wird, werden irgendwelche Priester als Experten eingeladen. Dabei ist die einzige Qualifikation, welche sie vorweisen können, der Umstand, dass sie sich schon seit eh und je als Experten ausgegeben haben.
Sie mögen durch ihr Studium der heiligen Schrift besser wissen, was Gott von uns will. Doch heisst das nicht, dass dies automatisch auch das ethisch richtige ist.
Nach der Kosmologie der Gläubigen spielt sich das relevante Glück ohnehin erst im Jenseits ab. Und folglich droht bei den diesseitigen Glücksmomenten stets die Gefahr den Menschen auf den falschen Weg zu bringen. Von daher würde ich Geistliche nicht wirklich als Autoritäten in Sachen Glücksforschung betrachten und entsprechend ihren Aussagen eher den Status von Binsenwahrheiten und Kalendersprüchen zusprechen.

Ich verbleibe mit einem Zitat zum Thema Glück des im Jahre 2002 heilig gesprochenen Josemaria Escriva:
„Ich nenne dir die wahren Schätze (=Glück?) des Menschen auf dieser Erde, damit du sie dir nicht entgehen lässt: Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis.“
(Materieller Besitz ist da aber tatsächlich nicht dabei ; )

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
07.09.2013 um 13:31

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

7. September

Papst Franziskus @Pontifex_de
Betet um Frieden!

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Wie genau soll das Beten für Frieden Frieden machen? Beeinflusst mein Beten das Denken eines anderen? Lässt es Gott was tun?

Die Situation um Syrien spitzt sich mehr und mehr zu und der Papst ruft per Twitter dazu auf für Frieden zu beten. Das ist ja eigentlich nett gemeint, doch wieviel mag das helfen? Selbst wenn alle Katholiken simultan für Frieden beten, wird das wohl kaum die Kriegsparteien in Syrien zum Umdenken bringen und wohl auch nicht die ausländischen Mächte, die über das für und wider einer militärischen Intervention nachdenken – ist ja nicht so, dass sie es um jeden Preis wollen würden. Und selbst wenn sie doch wollen würden, wieso sollte sie der Fakt, dass 1.2 Milliarden Katholiken synchron miteinander beten,  sie die Meinung ändern lassen?
Oder wird da etwa eine höhere Macht heraufbeschworen? Wird Gott endlich aktiv? Wird er den Freien Willen ignorieren und im Denken von ein paar Leuten herumpfuschen? Oder wird er vom Himmel herunterkommen und sich zwischen die Kriegsparteien stellen?

Wie gesagt, dazu aufzurufen, dass alle gemeinsam für den Frieden beten, ist eine nette Geste. Und ich würde ein 7-jähriges Mädchen zu einer solchen Idee auch beglückwünschen. Doch der Papst? Das Oberhaupt einer der grössten Glaubensgemeinschaften?
Klingt für mich, ehrlich gesagt, eher nach Trittbrettfahren. Wenn die Sitation sich beruhigt, dann dank den Gebeten. Und wenn sie eskaliert, dann hat man wenigstens das möglichste getan.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
02.09.2013 um 18:31

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

2. September

Pope Francis ‏@Pontifex
War never again! Never again war!

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex „War never again!“ Nobody disagrees with that, the question is how to get there and how many wars are required to achieve it.
@Pontifex „War never again!“ Are you really sure about that? Without war you will lose all your believers to atheism.
@Pontifex „War never again!“ Isn’t that a massiv cutback on free will?
@Pontifex „War never again!“ War is bad, but just a matter of years, wouldn’t it be better to shut down hell first, which lasts much longer?
@Pontifex „War never again!“ Most wars have religious causes, so shuting down your company would probaly be a pretty good move.
@Pontifex „War never again!“ Nice words, but what are you planing to DO? With your power and connections you should ACT not just talk.

Dieser naive Pauschalaufruf gegen den Krieg vom Papst, löste, wie man sieht, bei mir eine ganze Tirade aus.

Auf den Kommentar, dass die Religionen im Friedensfall ihre Lämmer wohl an den Atheismus verlieren würden, antwortete eine Katholikin empört, dass ich nicht für andere sprechen solle, denn sie und ihr Haus wird dem Herren dienen. (in Anlehnung an Josua 24:15)

Einen wesentlich längeren Schlagabtausch folgte dem Kommentar, dass die meisten Kriege religiöse Gründe hätten. Von daher vielleicht hier ein paar erklärende Worte.
Natürlich stecken hinter so gut wie allen Kriegen wesentlich profanere Gründe als religiöse, nichtsdestotrotz wird die Religion stets bemüht diese zu legitimieren und damit die Leute zu mobilisieren. Und insofern tragen Ideen, die sich instrumentalisieren lassen stets auch eine gewisse Mitschuld an dem, was sich daraus entwickelt hat. Und das insbesondere bei weltanschaulichen Konzepten, denn die sagen im Gegensatz zu wissenschaftlichen Konzepten nicht, wie es ist, sondern, wie es sein soll.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
26.03.2007 um 10:31

Durch die Kraft meines Glaubens und die Gnade Gottes verwandelt sich das Wesen der Urheberschaft dieses Beitrages von meiner in jene von Benedikt XVI.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +