Pontifex-Dialoge: Dunkelheit und Hass

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

30. September

Papst Franziskus @Pontifex_de
Wo wir Hass und Dunkel sehen, wollen wir ein wenig Liebe und Hoffnung bringen, um der Gesellschaft ein menschlicheres Antlitz zu geben.

Dieser Tweet ist gleich in zwei Richtungen zynisch.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Steht auf Hass und Dunkelheit nicht die Hölle? Also noch viele mehr vom gleichen?

Wenn ich Hass und Dunkel verbreite, dann brauche ich mir nicht grosse Hoffnungen zu machen, dass mir die Hölle erspart bleiben wird. Ein Ort, wo ich noch mit viel mehr Hass und Dunkel überschüttet werde.
Andererseits besteht aber die Aussicht, dass mir Gott trotz allem verzeihen wird, wie uns der Papst in einem anderen Tweet versichert hat, und diese verbreitet Hoffnung nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Übeltätern. Was für den letzteren allerdings nicht unbedingt eine Motivation ist aufzuhören.
Viel wichtiger aber ist, dass, wo Hass und Dunkel herrscht, es das nicht tut, weil jemand es so will, sondern weil jemand keinen anderen Weg als diesen sieht. Es ist also ein Ort der Verzweiflung, wo andere Leute mitgerissen werden.
Es gibt sicher böse Menschen, die Freude dran haben, Böses zu tun. Doch es braucht diese nicht um Böses in der Welt geschehen zu lassen. Es reicht, wenn man ein Ziel hat, welches bedauerlicherweise Opfer verlangt.
Wieviel und welche Art von Opfer gerade noch akzeptierbar sind, müssen indessen Legislative, Exekutive und Judikative beantworten.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Wäre Handeln nicht effektiver? Nicht die Hoffnung macht ein menschliches Antlitz, sondern die Umsetzung der Menschenrechte.

Wenn ich irgendwo Unrecht geschehen sehe, dann ist hinzugehen und mitfühlend zu lächeln zwar nett gemeint, aber ob es wirklich hilft, wage ich zu bezweifeln. Leuten die Hoffnung auf bessere Zeiten zugeben ist nett, die besseren Zeiten sofort beginnen lassen, ist wesentlich besser.
Problematisch ist noch folgendes: Es gibt eine Hoffnung, die mich motiviert etwas zu verändern. Und es gibt eine Hoffnung, die mich motiviert die Umstände in Aussicht auf ein bessere Zukunft ohne Murren zu ertragen. Auf welche dieser beiden Arten haben sich die Religionen wohl spezialisiert? Und ist es wirklich die, die unsere Welt besser gemacht hat?

Geholfen wird den Unterdrückten nicht, indem man ihnen Hoffnung macht, sondern indem man den Unterdrückern die Schranken weist. Ausser natürlich, wenn man den Unterdrückten Hoffnung macht indem man den Unterdrückern die Schranken weist. Danach klang der Tweet vom Papst aber nicht wirklich.

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