Gibt es atheistische Abtreibungsgegner?

Ethische Fragen sind meist Fragen, bei denen einem keine der Antworten wirklich behagt.
Religionen neigen dazu, Handlungen unabhängig von den Konsequenzen zu bewerten.
Eine Abtreibung ist eine traurige Sache. Es ist das Töten eines Lebens und das Leben soll bewahrt werden. Darin sind sich sowohl Gegner wie auch Befürworter eigentlich einig. Die Befürworter wollen es lediglich nicht verbieten. Im Gegensatz zur „religiösen“ Moralvorstellung, spielen bei diesen die Konsequenzen einer Handlung nämlich ganz wesentlich mit in deren Beurteilung. Natürlich muss das Leben geschützt werden, doch ist die Frage immer, um welchen Preis.

Wenn man sich mit Abtreibungsgegnern über die Gründe ihrer kompromisslosen Ablehnung selbst in sehr krassen Fällen unterhält, dann ist es immer eine Mischung aus dem Widerwillen vor dem Eingriff selbst und der Möglichkeit einer Fehleinschätzung, sei es nun vom Arzt über den Zustand des Kindes oder von der Mutter über das zu erwartende Schicksal. Über diese Schwelle der Empörung kommt man in der Regel nicht hinaus.
Es mag pietätlos erscheinen, doch diese Einwände lassen sich biologisch und ethisch belegt relativieren. So läuft es dann auf das fast schon biblisch anmutende Schlagwort: Abtreibung ist Mord hinaus. Eine Position, die, wie oben gezeigt, den Aspekt der Konsequenzen ausser Acht lässt und deshalb meines Erachtens eine vergleichsweise schwache argumentative Stütze darstellt. Ausser sie wird von Gott höchst selbst getragen. Doch mit dem Fremdgehen, das Gott ja ebenfalls nicht gutheisst in seinen 10 Geboten, haben wir uns inzwischen auch insofern arrangiert, dass wir es zwar nicht toll finden, es aber auch nicht mehr verbieten und unter Strafe stellen wollen.

Wenn man mal die emotionale Polemik aussen vor lässt, scheint es so, dass sich die Abtreibungsablehung hauptsächlich aus der religiösen Tradition speisst. Oder gibt es auch atheistische Abtreibungsgegner, die ihre Position sachlich darlegen können ?

2 Antworten auf „Gibt es atheistische Abtreibungsgegner?“

  1. Ich bin atheistische Abtreibungsgegnerin und überzeugt davon, dass meine Einstellung nichts mit den bekannten Religionen zu tun hat. Ich habe meine eigene Religion bzw. Überzeugung, und die sagt ganz klar: Abtreibung ist Mord, denn das Leben beginnt mit der Zeugung. Abtreibung führt zu endlosen Verstrickungen und oft lebenslangen Schuldgefühlen. Mord ist nie eine Lösung, es gibt genug Alternativen!

  2. Liebe Kristen. Vielen Dank für deine Anmerkung.
    Abtreibung ist sicherlich in der Hinsicht Mord, als es sich um eine vorsätzliches Tötungsdelikt, dem gesellschaftlich (und individuell) ein besonderer Unwert zugeschrieben wird (in Anlehnung an die Wikipedia-Definition).
    Dem wird kaum einer widersprechen. Ich habe dies auch zu unterstreichen versucht, indem ich sehr klar erwähnte, dass es eine sehr traurige Entscheidung ist, vor die niemand gern gestellt wird. Die Frage ist aber, ob man es verbieten soll? Die Abtreibung als Mord zu deklarieren legt das zwar nahe, verlangt es aber nicht zwangsläufig. Wie siehst du das? Soll Abtreibung verboten und bestraft werden? Und wenn ja, wie?

    Du schreibst, dass Abtreibung zu endlosen Verstrickungen führt. Das müsstest du schon etwas spezifizieren.
    Dass es zu lebenslangen Schuldgefühlen führt, hast du dagegen selbst mit dem Wort „oft“ relativiert.
    Und selbst wenn dem so ist, ist das ein Grund sie zu verbieten? Die Alternative wird ja auch begleitet von endlosen Verstrickungen. Und es gilt die beiden Optionen gegeneinander abzuwägen, resp. abwägen zu dürfen.

    Ich bezog mich deshalb auch auf die schlimmsten aller Möglichkeiten, wenn ich die Kompromisslosigkeit in Frage stelle. Vergewaltigungen zum Beispiel. Oder der Verlust des Lebens der Mutter, wenn der Fötus Kind nicht abgetrieben wird. Oder die Abtreibung von massiv behinderten, nicht lebensfähigen Fötus. Auch in diesen Fällen lehnst du die Abtreibung kategorisch ab? Und bist bereit die Betroffenen zu bestrafen?

    Mein wichtigster Punkt ist, dass Atheisten in der Regel die Konsequenzen von Handlungen gegeneinander abwägen und eher nicht auf Absolute wie „Du musst…“ oder „Du darfst nicht…“ zurückgreifen. Denn wie soll man das begründen? Woher nimmst du die Gewissheit, dass Mord nie eine Lösung ist? Ist wirklich kein Szenario denkbar, mit dem man mit einem Mord die bessere Variante erreicht?

    Statistiken zeigen, dass es dort am wenigsten Abtreibungen gibt, wo sie erlaubt ist. Wohl weil wo sie erlaubt ist, ein offener Dialog über Sexualität und Verhütung möglich ist. Und wo sie verboten wird, dies in der Regel aus religiösen Gründen geschieht, welche ohnehin ein Problem mit einem offenen Dialog über Sexualität und Verhütung haben.
    Die Variante, dass sie aus nichtreligiösen Gründen verboten wird, würde wohl den Dialog nicht behindern. Das wäre schon mal interessant. Aber würde man es nicht trotzdem als einen Eingriff in die Selbstbestimmung einer Frau über ihren Körper interpretieren müssen? Den Religionen ist das egal. Dir auch? Wie rechtfertigst du, dass der Staat bestimmen soll, dass er der Frau vorschreiben kann, was sie mit ihrem Körper tun darf?

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