2. Welle

In der Kalenderwoche 44 starben 216 Menschen an Covid-19 in der Schweiz.
In der Kalenderwoche 45 waren es 452.
In der Kalenderwoche 46 waren es 602.
In der Kalenderwoche 47 waren es 680.
In der Kalenderwoche 48 waren es 590.
Und der Anfange der Kalenderwoche 49 ähnelt eher jenem der Woche 47 als jenem der Woche 48.
Und den Schweizern hängen die Massnahmen langsam aber sicher zum Hals raus.

Ist es wirklich falsch zu fragen, wie es wohl wäre, wenn es nicht eine Pandemie wäre, die die Menschen tötete, sondern Terrorismus? Wenn es irgendwelche Fanatiker wären, die ohne viel materiellen Schaden anzurichten, jede Woche Tausende von Menschen krank machen Hunderte von vorbelasteten und alten Menschen umbringen würden?

Ist es wirklich falsch zu fragen, ob man dann auch sagen würde, dass die Leute mit und nicht am Terror gestorben sind? Dass die Opfer eh bald von uns gegangen wären? Und dass man die Wirtschaft deswegen nicht gleich gegen die Wand fahren dürfe?

Ist es wirklich falsch zu fragen, ob man dann nicht vielleicht viel mehr bereit gewesen wäre Freiheiten aufzugeben, als man es heute ist? Dass man dann vielleicht viel weniger darauf bestanden hätte, dass die Massnahmen nur begrenzt gelten dürfen?

Ist es vielleicht falsch all das zu fragen, weil man da in der Frage nicht zwischen ausländischen und inländischen Ansteckern/Terroristen unterschieden hat?

Was kein Pfarrer beantworten kann

Lieber Pfarrer

Stell dir vor, es gäbe heute eine Theologin vom Kaliber eines Thomas von Aquin. Fachkundig, brillant und allgemein als Koryphäe geschätzt.
Und stell dir vor, dass es zwischen ihr und dem Papst zu einer fundamentalen Meinungsverschiedenheit kommt, die der besagten Theologin nichts anderes übrig lässt, als die katholische Kirche zu verlassen.

Die Frage, die kein Pfarrer beantworten kann, ist folgende:
Was müsste der Papst tun, damit maximal viele Kleriker ebenfalls der Kirche den Rücken kehren?

Hier ein paar Vorschläge:

  1. Der Papst verurteilt den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, sorgt für die restlose Aufklärung, entschädigt tatsächlich alle Opfer so gut es geht und übergibt die Täter ohne Umschweife den Behörden.
  2. Der Papst erlaubt die Ehe für Priester, die Frauenpriesterschaft, die gleichgeschlechtliche Ehe und den Schwangerschaftsabbruch.
  3. Der Papst erklärt, dass die Trinität ausgeweitet wird und Mohammed neu ein Teil von ihr ist: Vater, Sohn, Prophet und heiliger Geist.
  4. Der Papst verurteilt den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, behindert aber die Aufklärung und spart bei der Entschädigung der Opfer, wo es nur geht, und bestraft die Täter mit einer strengen Rüge.
  5. Der Papst spricht sich für die Legalisierung von Todesstrafe, Sklavenhaltung und Genozid aus.

Wie viele Priester würden wohl von der Kirche abfallen bei jedem dieser fünf Szenarien?
Und wie gross ist wohl die Chance, dass bei einem davon ein Drittel aller Kleriker die Kirche verlässt?

Ich glaube nicht, dass es im ersten Fall besonders viele wäre. Manche Priester würden wohl etwas angepisst sein, dass sich die Kirche dem weltlichen Recht unterwirft und es zulässt, dass ein unnötig schlechtes Bild auf ihre heilige Institution geworfen wird, indem man Fälle publik macht, die andernfalls wohl nie ans Licht gekommen wären. Aber im Grossen und Ganzen, würde man die Stossrichtung des Papstes eher begrüssen. Hoffe ich.
Im zweiten Fall würden viele Priester richtig wütend sein, weil das fundamental ihrem Verständnis von dem zuwiderläuft, was sich Gott von uns wünscht. Andererseits besteht ja ein grosser unterschied zwischen dem, was erwünscht, und dem, was nicht verboten ist. Man könnte sich also auch damit arrangieren.
Beim dritten Fall wird es langsam wirklich starker Tobak. Da es aber eigentlich nur eine theologische Spitzfindigkeit ist und keinen Einfluss auf die liturgische und vor allem die seelsorgerische Tätigkeit hat, werden wohl auch hier die meisten darüber hinweg sehen können.
Beim vierten Fall sollten die Priester aber tatsächlich langsam das Weite zu suchen beginnen. Aber wie die Erfahrung zeigt, flüchten hier eher die Schafe als die Schäfer.
Persönlich denke ich daher, dass nur der fünfte Fall das Potential zu einem Massenexodus haben würde. Das hoffe ich zumindest – aber wirklich sicher bin ich mir da auch nicht.

Erkennt man unter welcher Konstellation ich die grösste Migrationsströme vermute?
Irgendwo in einer Richtung, wo unsere grundlegendsten Ethikvorstellungen mit Füssen getreten werden. Was die vatikanische Presse allerdings nicht davon abhalten würde, die Niederträchtigkeit der Häretiker zu unterstreichen.

Und erahnt man, wieso ich nach etwas Suche, das ausgerechnet einen Drittel aller Priester betrifft?

Höllensturz von Albrecht Dürer, ca. 1500


Worauf ich hier nämlich eigentlich hinaus will, ist: Warum hat sich gut ein Drittel aller Engel gegen Gott gewendet?

Als Antwort hört man meist „Streben nach Gottgleichheit“, „Stolz“, „Weigerung den Menschen Respekt zu bezeugen“, „Willensfreiheit“ und „Lust“.
Das sind natürlich alles valide Gründe um sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, aber sie haben – wie wir oben gesehen haben – wahrscheinlich nicht das Zeug dazu den ultimativen Schritt zu wagen. Und der ultimative Schritt ist hier tatsächlich ultimativ ultimativ. Und dessen ist sich niemand besser bewusst als die Engel, die Gott, seinen Charakter und seine Macht bereits seit Ewigkeiten kennen.
Den Engeln muss also von Anfang an klipp und klar gewesen sein, dass sie absolut keine Chance haben und dass die Konsequenzen gnadenlos sein würden. Wie verzweifelt mussten sie dann wohl gewesen sein, dass sie sich dennoch erhoben? Auf keinen Fall ist das die Entscheidung eines charakterschwachen Wesens…

Oder aber, sie hatten eine Chance. Oder dachten zumindest, dass sie eine haben könnten. Das würde dann aber die Allmacht Gottes äusserst fragwürdig machen.

Der Aufstand ereignete sich ungefähr im unendlichsten Jahr von Gottes Herrschaft. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, warum ausgerechnet dann? Warum nicht Ewigkeiten früher oder Äonen später? Wieso fiel es exakt auf den Moment, wo Gott den Menschen erschuf?
Was an der Erschaffung von ein paar sterblichen, nackten Affen, denen das Rasieren, Crevetten-Essen und Masturbieren verboten ist, könnte Engel so in Rage bringen, dass sie die Harfe in die Ecke schmeissen?

Und hätte eine allwissender Gott nicht wissen müssen, dass er mit der Erschaffung der Menschen die Engel gegen sich aufbringen und radikalisieren würde? Und dass dadurch die naive Menschheit zwischen die Fronten in einem unerbittlichen Krieg gerät?

Das werden wir wohl nie erfahren.

Wir wissen nur zwei Dinge:
Erstens, dass die gefallenen Engel weder hingerichtet noch ins Gefängnis gesteckt wurden, sondern zur Zeit ein eigenes Reich von unbekannter Grösse bewohnen.
Zweitens, dass der Typ, der den Sieg für sich beansprucht, zusammen mit den ihm verbliebenen Engeln zur Zeit ein Reich unbekannter Grösse bewohnt.

Versteht mich nicht falsch, aber klingt das nach dem Sieg eines Typen, der sonst keine Gelegenheit auslässt um die Welt zu ersäufen, nicht auserwählte Völker massakrieren zu lassen und Befehlsverweigerer in Salzsäulen zu verwandeln.
Das klingt nach dem Sieg eines nicht nachtragenden Charakters oder einer Pattsituation und einem Nichtangriffspakt.

Aber die Bibel sagt etwas anderes. Und die sagt schliesslich auch, dass sie die WAHRHEIT sagt. Also muss stimmen, was sie sagt. Logisch.

Nehmen wir mal hypothetisch an, dass Gott doch fähig ist zu lügen. Ich weisss, verrückt. Was würden wir dann wohl in der Bibel zu finden erwarten?
Zuerst einmal die Beteuerung, dass er vom Wesen her nicht fähig sei zu lügen. Und dann eine wenig verlässliche Beschreibung aller möglichen Ereignisse, der Charaktere und derer Motive. Vielleicht würde sogar die eine oder andere Niederlage als Sieg verkauft?

Das Geschichtsbuch des ehrlichen Siegers unterscheidet sich nicht gross vom jenem des lügenden Verlierers. Einer der wenigen Unterschiede würde wohl sein, dass die Gegner beim Lügner hässlicher dargestellt werden als beim Ehrlichen.

Jetzt seien wir mal ehrlich zu uns selbst:
Sieht so ein Verlierer aus?

So sieht Luzifer Morningstar laut Neil Gaimans Sandman aus. Also muss es stimmen. Ist logisch.

Rumpeldipumpel
Eda

Verblindete Erlösung

Die Bibel ist ein Buch, das uns – wie es heisst – gute Dienste leisten kann. Mal sehen, ob da was dran ist…

Angesichts der zig-Tausend christlicher Denominationen scheint die Bibel das Problemchen zu haben, dass es offenbar möglich ist, dort neben die WAHRHEIT auch noch unzählige andere Sachen hineinzuinterpretieren, die man dann später gern aus ihr lernen möchte. Und das ist für ein Lehrbuch eher ungünstig.
Schauen wir uns die Sache daher in drei Situationen an, in denen genau dieser Möglichkeit ein Riegel geschoben wird.

Noch einen kleinen Disclaimer bevor wir anfangen:
Ich werde leider nette Sachen ignorieren müssen. Die gibt es in der Bibel nämlich durchaus auch. Da sich aber ein Lehrmittel, das sich durch grobe Fehler disqualifiziert, nicht durch noch so viele korrekte Informationen rehabilitieren kann (insbesondere wenn es keine Möglichkeit gibt verlässlich zwischen Richtigem und Falschem zu unterscheiden), können diese keinen Einfluss auf ein Urteil haben. Wenn das Bundesamt für Gesundheit die folgenden einfachen Massnahmen gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus empfehlen würde: „Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr“, „Bei Symptomen sofort testen lassen und zuhause bleiben“, „Zur Rückverfolgung wenn immer möglich Kontaktdaten angeben“, „Bei positivem Test: Isolation. Bei Kontakt mit positiv getesteter Person: Quarantäne“, „Abstand halten“, „Empfehlung: Maske tragen, wenn Abstandhalten nicht möglich ist“, „Gründlich Hände waschen“, „Hände schütteln vermeiden“, „In Taschentuch oder Armbeuge husten und niesen“, „Nur nach telefonischer Anmeldung in Arztpraxis oder Notfallstation gehen“, „Alle Menschen mit einem grünen Hemd vor ein Auto, einen Zug oder wenn anders nicht möglich vor ein Schiff stossen“, dann sollte man die Liste, obschon sie sehr nützliche Empfehlungen enthält nicht verbreiten. Wegen der einen nicht so guten Empfehlung (ich hoffe, allen ist klar, welche das ist). Es ist möglich, dass die nützlichen Empfehlungen zu wichtig sind, als dass man es sich leisten könnte die Flyer einzustampfen, dann dürfen sie aber nicht unkommentiert verbreitet werden. Doch genau das ist für ein Werk wie die Bibel nicht möglich, wenn man sie als eine Offenbarung Gottes verstehen will. Die Botschaft muss für sich selbst sprechen. Und das tut sie angeblich auch. So heisst es.
Und ich werde auch Dinge ignorieren, die sich nicht überprüfen lassen. Wenn die Bibel beispielsweise Tipps dazu gibt, wie man sich im Diesseits verhalten muss um im Jenseits der Hölle zu entgeht, man aber nicht überprüfen kann, ob die Tricks tatsächlich funktionieren, dann ignoriere ich das hier.


Situation 1 : Amenesie

Stell dir vor, du kriegst einen Schlag auf den Kopf und vergisst alles. Und dann gibt man dir die Bibel, damit du dir ein Bild über die Welt machen kannst. Keine Erklärungen. Nur die Bibel. Und nach der Lektüre werden dir folgende Fragen gestellt:

  • Ist Sklaverei okay?
  • Sollen Frauen in der Politik mitbestimmen können?
  • Was soll mit Ehebrechern geschehen? Und mit Männern, die sich rasieren?
  • Welche Form hat die Erde?

Situation 2 : Einsame Insel

Stell dir vor, du sitzt mit einer Gruppe von Menschen auf einer Insel fest, von der ihr schnellst möglich wieder runter wollt. Ihr erfahrt, dass ihr die Insel nur verlassen könnt, wenn ihr die Gesellschaft exakt nach den in den Bibel offenbarten Regeln Gottes organisiert. Du bist – aus welchen Gründen auch immer – der unangefochtene Chef.
Nachdem du die römisch-katholische, protestantische, orthodoxe, baptistische und verschiedene freikirchliche Interpretationen versucht hast – und nichts geschehen ist -, in welcher Richtung wirst du dann dein Glück versuchen?

  • Wird es auf deiner Insel Sklaverei geben?
  • Wirst du die Ratschläge von Frauen berücksichtigen?
  • Was wird mit Ehebrechern und Crevettenessern geschehen?
  • Wird es Schulen geben und wenn ja, wie wird in den Geografie-Lehrbüchern die Form der Erde beschrieben?

Situation 3 : Simulierte Welt

Stell dir vor, wir füttern eine K.I. mit einer Bibel und lassen sie eine Welt simulieren, die allen Regeln und Wünschen Gottes nachkommt.

  • Würdest du in einer solchen leben wollen?


Wie gesagt, die Bibel enthält zweifellos viele sehr nützliche Tipps und Tricks, die es sicherlich lohnt zu bewahren. Sie ist darüber hinaus sicherlich auch ein sehr interessantes Zeitzeugnis, das unbedingt gründlich erforscht werden sollte (ob es dafür aber eine eigene Fakultät braucht, ist eine andere Frage).
Wenn man aber eine Werbebroschüre für potentielle Kunden zusammen stellt, sollte man sich besser der unglücklichen Passagen streichen. Ist ja nicht so, dass diese verloren gehen. Jeder Interessierte kann gern die „Originale“ studieren. Das ist gleich wie mit den Konföderierten-Statuen. Die Geschichte geht nicht vergessen, wenn man sie von den Sockeln stösst. Die Geschichte stand nämlich gar nie auf dem Sockel. Sie war schon immer in den Bibliotheken und Museen zuhause.

So aber verteilt man Bücher, die – wie wir gesehen haben – arglose Leute zu der Überzeugung kommen lassen könnten, dass es ganz okay ist jeden Kanaaniter zu töten, dem man auf der Strasse begegnet. Im Libanon wären das eine ganze Menge1.

Woher kommst du?

Laut Dos Santos Pinto ist Rassismus gegen schwarze Menschen in der Schweizer Kultur so stark verankert, dass er den meisten Menschen nicht auffällt. Sie gab ein Beispiel: «Die Frage ‹Woher kommst du?› ist rassistisch.» Diese Frage werde innerhalb der ersten paar Minuten an Personen gestellt, die nicht weiss sind. «Damit ruft man eine Vorstellung von Personen hervor, die zur Schweiz gehören und solchen, die zuerst noch erklären müssen, warum sie da sind.»

20min.ch

Aus einer kulturelleren Perspektive

Dass die Schweizer Kultur xenophobe Tendenzen hat, steht ausser Frage. Dass sie folglich auch Schwierigkeiten mit Schwarzen hat, selbstverständlich auch. Ob das aber gleich mit Rassismus gleichgesetzt werden kann, da bin ich mir nicht so sicher.
Klar dunkelhäutige Menschen werden massiv diskriminiert, doch wurden das vor ihnen auch die Jugoslawen, Portugiesen und Italiener. Und davor wahrscheinlich auch die Aargauer, Thurgauer und Entlebucher.
Wenn man die Diskriminierung am Rassismus aufhängen will, dann müsste man doch klare Unterschiede erkennen bei der Behandlung der Fremden je nach Rassenzugehörigkeit.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass der moderne Rassismus nicht mehr biologische Rassen voraussetzt, sondern seine Überlegenheit an der Herkunft, sprich der Kultur, aufhängt. Damit gesteht man ein, dass es theoretisch durchaus möglich ist, dass die Koredutten eine uns dermassen weit überlegene Zivilisation entwickelt haben, dass es ihr moralisches Recht wäre, uns einerseits mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und andererseits uns auf angemessene Distanz zu halten. Dass bisher noch keine solche Kultur gefunden wurde, ist natürlich reiner Zufall und hat nichts damit zu tun, dass die eigene Lebensweise der Massstab ist. Und entsprechend ist es auch reiner Zufall, dass kulturelle Distanz mit unterschiedlicher Hautfarbe, Augenform und Behaarung korreliert1.

Daher hier zur leichteren Bestimmung der eigenen Rasse – ich meine – Kultur eine ethnographische Karte:

Karte der Verbreitung der Menschenrassen aus Meyers Konversationslexikon, 4. Auflage. 1885–1890

Und selbst wenn die Diskriminierung umso stärker ist, je grösser der Unterschied in der Hautfarbe ist, so würde ich dennoch vorsichtig sein mit dem Ausspielen der Rassismus-Karte.

Ein Rassist ist für mich ein Mensch, der überzeugt davon ist, dass eine bestimmte Rasse von Natur aus den anderen überlegen ist. Normalerweise die eigene2. Und diese Überlegenheit legitimiert den Rassisten darin, über die Köpfe der Primitiven hinweg über ihr Schicksal zu entscheiden. Traditionell tut man das in Form des Imperialismus3.

Die Schweiz hatte keine Kolonien (was sie aber natürlich nicht daran hinderte dennoch von jenen der anderen zu profitieren). Tatsächlich befand sie sich sogar eher auf der anderen Seite des Spektrums: Von den Naturforschern jener Zeit wurden die Eidgenossen gern als ungebildete Halbwilde beschrieben.

Tatsächlich gibt es aber auch andere Gründe als die Überlegenheit anderen Leute das Leben absichtlich schwer zu machen.
Zum Beispiel die Annahme, dass es Leuten umso schwerer fällt sich in eine Kultur zu integrieren, je unterschiedlicher die Kultur ist, aus der sie stammen. Die andere Kultur ist nicht schlechter oder besser. Sie ist nur anders und man befürchtet, es könnten Konflikte entstehen, wenn man diese mischt. Wenn also jemand beispielsweise aus einer „kommunistischen“ Kultur kommt, wo alles allen gehört, dann könnte man vermuten, dass er mir, wenn man ihn hier einstellt, meinen Kaffeerahm wegsäuft. Das ist kein Rassismus, weil man die andere Kultur nicht notwendigerweise als schlechter betrachtet. Es ist aber dennoch Diskriminierung auf Basis von Vorurteilen, die man über andere Gruppen hegt.
Oder man könnte Befürchten, dass wenn zu viele Fremde ihre Kultur hierher bringen, sich unsere dadurch verändern wird. Auch hier hält man die andere Kultur nicht notwendigerweise für schlechter, sondern einfach nur für anders. Man will einfach nicht, dass sich die eigene liebgewonnene ändert. Wenn also zu viele Leute aus einer „Santa Claus“ Kultur kommen, könnte das die Traditionen rund um Samichlaus und Christchindli verändern, was man eben zu verhindern versucht.

Man kann sich fragen, ob diese Unterscheidung überhaupt Sinn macht, denn für die Betroffenen macht es keinen grossen Unterschied. Denn egal ob das Gegenüber ein Rassist oder ein – ich nenne es mal – Kulturschützer ist, er wird diskriminiert, bedroht und manchmal sogar angegriffen.
Es macht aber (hoffentlich) einen Unterschied, wenn es darum geht, den Diskriminierenden dazu zu bewegen, die Diskriminierung zu beenden. Beim Rassisten wird das nämlich nicht klappen, weil die Minderwertigkeit in Blut/Kultur gemeisselt ist, während beim Kulturschützer immer noch Hoffnung besteht.
Wenn sich der Fremde integriert, sprich seinen eigenen Kaffeerahm mitbringt und Samichlaus statt Santa Claus anbetet, oder man an gewissen Aspekten der fremden Kultur Gefallen findet, dann braucht es keine Diskriminierung mehr um die Bedrohung abzuwenden. Beim Rassisten bleibt dagegen weiterhin die Überzeugung von der Überlegenheit und er wird sich auch weiterhin vor der genetischen/kulturellen Verschmutzung fürchten.

Der Lackmustest für Kulturschützer und Rassisten sind daher wohl die Secondos und Terzos. Sie sind hier geboren und aufgewachsen und idealerweise so integriert, wie man es sich von einem Menschen nur wünschen kann.
Zumindest das muss man der SVP lassen: Sie verschliesst sich nicht vor Patrioten mit Migrationshintergrund. (Strukturellen Rassismus zu fördern und mit Patrioten, die (leicht) über die Stränge schlagen, zu liebäugeln ist meines Erachtens mehr Opportunismus als Rassismus der unheilbaren Sorte.4)

Dass auch optimal integrierte Secondos und Terzios von den Kulturschützern diskriminiert werden, liegt daran, dass sie wie Fremde aussehen und heissen und dadurch versehentlich den Erst-Kultur-Hilfe-Reflex triggern.

Aus einer individuelleren Perspektive

Gespräche fangen so gut wie nie mit der Frage „Woher kommst du?“ an. Meist geht dem zumindest ein freundliches „Hallo“ voraus.
Wenn sie allerdings doch mal so anfangen, dann wohl tatsächlich meist aus rassistischen Motiven. Doch das erkennt man weniger an der Frage, sondern viel mehr daran, dass die Frage von einem (spürbar) xenophoben Arschloch gestellt wird. Und in einem solchen Fall schafft das Arschloch es auch die Frage nach der Uhrzeit diskriminierend klingen zu lassen.

Ein Gedanke am Rande:
Ich finde, man sollte sich stets bemühen von allen möglichen Interpretationen einer Aussage grundsätzlich immer die wohlwollendste als die beabsichtigte zu wählen. Selbst wenn eine weniger wohlwollende noch so nahe zu liegen scheint. Damit schenkt man seinem Gegenüber einen Nettigkeitsvorschuss und lässt ihm die Möglichkeit seine Arschlochigkeit explizit einzufordern. (#PrinzipDerWohlwollendenInterpretation)

Aber es stimmt schon, die Frage nach der Herkunft ist eine persönliche Frage. Doch das ist sie mit Absicht. Man will schliesslich etwas über die andere Person erfahren. Das muss zwangsläufig persönlich sein. Andernfalls hätte man sich nach dem Wetter erkundigt.
Wenn man also eine Person etwas besser kennen lernen will, kann man sie entweder etwas willkürliches fragen, beispielsweise könnte man sich höflich nach der Farbe ihrer Unterwäsche erkundigen, oder (ein bisschen fantasieloser) nach etwas offensichtlichem, das sie gerade von allen anderen unterscheidet:
Wenn die Person Zahnarzthelferin ist und lange, spitze Eckzähne hat, dann könnte man sie fragen, ob die Stomatologie schon immer ein Strigoi-Handwerk war (wobei man von vornherein ahnt, dass einem die Antwoxrt nicht gefallen wird).
Oder wenn eine Person die grüne Taschenbuchausgabe von der Herr der Ringe liest und dabei herrderringetaschenbuchausgabegrüne Pumps trägt, dann könnte man sie fragen, ob ihr das Buch gefällt (wobei man die Antwort eigentlich schon kennt).
Oder eben wenn die Person einer anderen Ethnie angehört, was man entweder an der Hautfarbe oder am Dialekt erkennt, dann wäre auch die Herkunft eine Frage wert.

Pangalactic Gargle Blaster… vielleicht will man auch lieber nicht wissen, was drin ist?

Ja, damit drückt man tatsächlich jedes Mal explizit aus, dass die Person sich von der Norm unterscheidet. Es impliziert aber keineswegs auch, dass man das persönlich für etwas schlechtes hält.
Als jemand, der Multikulti zu schätzen weiss, widerspiegelt es viel mehr die aufrichtige Freude an der Artenvielfalt. Ein Gourmet weiss die Verschiedenartigkeit der Zutaten im Zusammenspiel schliesslich zu schätzen.

Vielleicht haben die Vorbehalte gegen die Frage nach der Herkunft auch andere Ursachen:
Erstens wird man diese Frage wohl häufiger hören als die nach anderen Dingen, die einen von den anderen unterscheidet. Das wird einem – voraussichtlich – irgendwann mal so zum Hals raushängen, dass man – nachvollziehbar – ziemlich gereizt zu antworten beginnt. Doch wenn man sich an der gleichen Frage bei 1000 Menschen nicht gestört hat, dann kann man es der Person, die die Frage als 1001ste stellt, nicht wirklich übel nehmen.
Zweitens – und das wiegt wahrscheinlich deutlich schwerer – weil diese Frage unweigerlich in eine üble Verlegenheit führt. Denn welche Folgefrage wird dann wohl kommen: „Ach, ein Freund von mir, der Sepp, kommt auch von da. Kennst du den?“, „Ach, cool, ich liebe Cholera!“, „Ach, dort wurde ich mal von einem Hai gebissen!“ oder noch schlimmer „Nein, ich meine ursprünglich?“
Und drittens weil hier, im Gegensatz zu den meisten anderen persönlichen Fragen, die Chance wesentlich grösser ist, dass man die Person versehentlich an ein traumatisches Erlebnis erinnert wird, weil das Verlassen der Heimat in viel zu vielen Fällen nicht aus freien Stücken geschah.

Das bedeutet, dass die Frage nach der Herkunft schlicht kein besonders raffinierter Zug ist. Das ändert aber nichts daran, dass die Frage jedes einzelne mal berechtigt ist. Weil jeder von irgendwo her kommt und weil uns das interessiert. Und das nicht nur ein bisschen, sondern fundamental.
Das Interesse an der Herkunft des Gegenübers wurde uns in die Wiege gelegt. Mehr noch, es ist ein Überlebensinstinkt, der während Äonen unser Überleben und das unserer Nachkommen sicherte:

Von nah nicht flachlegen.
Von nicht nah umlegen.

Und wer will sich schon mit seinem genetisches Erbe anlegen?

Die Frage aufgrund des Risikos damit in ein psychologisches Wespennest zu stechen gesellschaftlich zu ächten, wäre aber auch problematisch: Weil man dann von der Wahrscheinlichkeit für eine Eigenschaft in einer Gruppe auf das Vorhandensein der Eigenschaft bei einem Individuum schliesst und sie deshalb anders behandelt. (#Diskriminierung)


Spezielles Fazit:

„Neger“ sagt man nicht. Das weiss man.
„Fräulein“ sagt man nicht. Das weiss man.
„Schwuchtel“ sagt man nicht. Das weiss man.
„Zigeuner“, „Schlampe“ und „Krüppel“ sagt man auch nicht. Das weiss man auch.

Irgendwann fiel auf, dass diese Bezeichnungen einen unangenehmen Ballast mit sich tragen5 und dass den Betroffenen wohler wäre, wenn man stattdessen andere Worte benutzen würde. Irgendwie hat es sich dann tatsächlich durchgesetzt, dass diese Worte nicht mehr verwendet werden. Und seither spricht man sie nur noch aus, wenn man sich unbedingt als rassistisches, sexistisches und/oder homophobes Arschloch outen will.

Was die Herkunft betrifft, so sollte es sich langsam herumgesprochen haben, dass auch diese ein potentiell problematisches Thema ist und folglich lieber mit Bedacht angesprochen werden sollte. Da dieses Wissen aber noch nicht gänzlich verinnerlicht wurde, ist man noch nicht automatisch ein rassistisches Arschloch ist, wenn man die Frage stellt.
Sie wird deshalb von den Angesprochenen auch noch nicht als Schlag ins Gesicht interpretiert, sondern lediglich als ein weiterer Tropfen, der seine Macht in der Masse entwickelt.6

Aber natürlich meint es auch niemand böse, wenn er Mohrenkopf sagt. Das heisst aber nicht, dass wir nicht unabsichtlich viel zu viele Verhaltensweisen an den Tag legen, die andere Gruppen verletzen. Nur weil wir es schon immer so gemacht, macht die Sache nicht harmlos. Und dass wir uns nicht im Klaren darüber sind, dass die Sache nicht harmlos ist, nimmt der Sache nicht den Schmerz für die Betroffenen.


Allgemeines Fazit:

Es gibt Dinge, die sind okay. Andere sind es nicht. Nicht notwendigerweise weil sie in irgendeiner Form schädlich oder vorteilhaft wären, sondern einfach weil man sich irgendwie darauf geeinigt hat, dass das jetzt so gilt.
Fräulein sagen ist nicht okay. Schweinefleisch essen ist okay. Zu fragen, auf welche Toilette Trans-Menschen gehen sollen, ist nicht okay. Rülpsen ist okay. Doch ist es. Sich nach der Herkunft erkundigen, ist nicht okay.
Es spielt, wie gesagt, keine Rolle, ob diese Tabus und Freiheiten berechtigt sind, es sind Rituale und Symbole mit denen sich die Leute in einer Gesellschaft schmücken um zu zeigen, dass sie dazugehören. Es sind aber nicht geheime Signale, welche Fremde entlarven. Denn alle wissen, was sich in einer Gruppe gehört und was nicht, und wenn man sich nicht daran hält, dann um zu zeigen, dass man nicht dazu gehören will.
Verdammt umständlich, könnte man meinen, wenn man nicht wirklich wissen kann, ob das Gegenüber tatsächlich die Überzeugungen der Gruppe teilt, deren Gewohnheiten er gerade an den Tag legt. Man kann aber aus dem erstaunten Blick des Gegenübers, wenn er feststellt, dass er die falschen Rituale für die richtigen gehalten hat, zweifelsfrei darauf schliessen, dass es sich um einen (schlecht vorbereiteten) Zeitreisenden handelt.

Dieser stete Wandel unserer Sitten und Gebräuche ist der Schutzmechanismus unserer Kulturen im Temporalen Kalten Krieg.


Noch ein Gedanke am Abschied:
Nach modernen ethischen Standards wären die Leute von früher allesamt Arschlöcher. Durchs Band. OHNE AUSNAHME! Das ist aber nicht böse gemeint. Sie wussten es (in vielen Fällen) einfach noch nicht besser. Und in vielen Fällen konnten sie es gar nicht besser wissen.

Interessanterweise ist die Sache aber wahrscheinlich nicht zeitinvariant. Leute aus dem 10. Jahrhundert, die nach heutigen Standards Arschlöcher waren, würden uns wohl nicht für Arschlöcher halten. Für eklig durchaus, aber sie würden uns nicht vorwerfen können, dass wir Leute nicht aufgrund von Geschlecht, Rasse, Herkunft, sexueller Orientierung, etc. diskriminieren. Ausser sie übernehmen die Moral von jemandem, der sich nochmals zehn Jahrhunderte früher wie einer benahm, den man im Frühmittelalter genauso wie heute ehrlicherweise als Arschloch hätte bezeichnen müssen.


Frage nach der Herkunft hin oder her, es gibt nur eine Antwort auf diese:

Tu quoque, Roger

Roger Köppel wirft in seiner „Weltwoche Daily, 10.11.2020“ noch einmal einen Blick auf die vereinigten Staaten und die jüngsten Verwicklungen und Missverständnisse.

Das wichtigste zuerst: Wir haben – so Köppel – noch kein Ergebnis.
Es werde schliesslich noch gezählt und auch einige Anfechtungen vor Gericht seien noch hängig. Wer sich aus rechtsstaatlichen Gepflogenheit und Verfahren etwas mache, müsse das akzeptieren und abwarten.
Da hat er natürlich recht. Doch ich sehe jetzt nicht so ein grosses Problem darin sich verfrüht über den Sieg zu freuen. Wichtiger ist doch, ob man das Ergebnis – wie es auch immer herauskommt – akzeptieren wird.
Will der Köppel etwa behaupten, dass Biden ein schlechter Verlierer ist als Trump?

Solange es aussieht, dass Biden der nächste Präsident sein wird (und das tut es doch offensichtlich), ist es meines Erachtens Bidens gutes Recht, sich schon mal an die Arbeit zu machen. So ein Machtwechsel ist schliesslich jede Menge Arbeit. Dass er dabei noch keine Unterstützung durch die scheidende Administration erhält, nimmt er dieser noch nicht einmal übel. Ist also nicht so, dass er schon auf Dinge pochen würde, auf die er tatsächlich noch kein Anrecht hat.

Der Köppel lädt uns dann ein uns vorzustellen, was wohl passiert wäre, wenn Biden von Wahlbetrug geredet und Trump sich selbst zum Sieger erklärt hätte. Die gleichen Medien, die jetzt jubeln, – so Köppel – würden von Diktatur und faschistischen Anwandlungen im Weissen Haus reden… Es sei betrüblich, wie die eigene persönliche Moral und Vorliebe über den Rechtsstaat gestellt wird.

Dieses Gedankenexperiment ist in vielerlei Hinsicht schräg. Zum einen war die Disqualifizierung der Briefwahl eine von Trumps wichtigsten Wahlkampfstrategien. Er arbeitete in einer Zeit, wo wegen Corona viele brieflich abstimmen würden, sehr gezielt darauf hin, dass seine Anhänger an die Urne gehen würden. Wodurch allein aus dem Umstand, ob ein Wahlzettel persönlich in die Urne gelegt wurde oder per Post eintraf, mit grosser Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden konnte, was auf diesem stehen würde. Und wenn man weiss, in welchen Säcken die Wahlzettel des Gegners sind, kann man versuchen dafür zu sorgen, dass diese Säcke „aus Gründen“ nicht gezählt werden dürfen.
Zu Fragen, was wohl geschehen wäre wenn Biden von Wahlbetrug gesprochen hätte, macht in diesem Kontext etwa so viel Sinn wie zu fragen, was wohl geschehen wäre, wenn Hillary damals eine Mauer hätte bauen wollen.
Der Rest vom Gedankenexperiment, also dass Trump sich selbst zum Sieger erklärt hätte, ist noch absurder, denn am Tag von Bidens Siegeransprache twitterte Trump:

Und sogar ein paar Tage früher postete er folgendes:

Trump hat sich zum Sieger erklärt und wir sprechen schon seit Jahren davon, dass Trump faschistische Anwandlungen hat und mit einer Diktatur liebäugelt. Das ist nichts, was geschehen würde, wenn etwas anders wäre. Das ist leider Realität. Dieses Gedankenexperiment vom Köppel entspricht also ungefähr folgendem: Stell dir vor Karotten wären violett, dann würden Kühe Grass fressen. (Hä???)

Ich frage mich, ob durch den Vorwurf, dass Biden den Sieg zu früh für sich in Anspruch nahm, und das Verschweigen, dass Trump es noch viel früher tat, und durch den Hinweis, dass noch Gerichtsentscheide zum Vorwurf des Wahlbetrugs abgewartet werden müssen, und das Nichterwähnen, dass bisher keine stichhaltigen Hinweise auf irgendwelche Unstimmigkeiten bei der Wahl vorgelegt wurden, nicht irgendwie die eigene persönliche Moral und Vorliebe über das Ideal einer möglichst objektive Berichterstattung gestellt wird?

Auch dass Köppel mit keinem Wort erwähnt, dass das Untergraben des Vertrauens in den Wahlprozess ein direkter Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit ist, finde ich etwas befremdlich.
Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass es keinen Wahlbetrug geben kann oder dass man bei Verdacht die Sache nicht notwendigerweise zu untersuchen braucht. Ich halte es lediglich für sehr problematisch Zweifel am Funktionieren der Wahl zu streuen, bloss weil das die Chance zu gewinnen steigert.

Dann führt Köppel breit aus, dass Biden in seinen Reden von Heilung spricht und die Medien das eins zu eins übernommen hätten: Die Sonne sei aufgegangen über den Vereinigten Staaten und alle Differenzen seien endlich beseitigt.
Woher hat er das? Klar, man freut sich darüber, das Biden es sich zur Aufgabe gemacht hat ein gespaltenes Land zu heilen, aber niemand behauptet, dass dies einfach werde oder gar schon geschehen sei.
Und eine Heilung ist bitter nötig, denn das Land ist tief gespalten. Und obwohl Trump nicht die Ursache der Spaltung ist, so trieb er sie doch massiv voran und zog daraus politisches Kapital.

(Ein Zyniker könnte anmerken, das in der Vergangenheit Krieg ein patentes Mittel war die Gesellschaft zusammenzuschweissen. Und dass Trump mit der Weigerung einen Krieg anzufangen dem gespaltenen Land die bitter nötige Heilung vorenthielt.)

Er mobilisierte Anhänger indem er dem Gegner ans Bein pinkelte. Die Leute strömten ihm zu nicht weil er ihr Leben besser, sondern weil er das der Gegner schlechter macht. Das ist nicht Spaltung in Kauf nehmen. Das ist Spaltung als Energiequelle nutzen.
Dass Köppel diese Kern/Gesellschafts-Spaltung-Analogie nicht aufgefallen ist, überrascht nicht, schliesslich hängt die SVP ja ehrlich gesagt am gleichen Netz.

Köppel fragt sich dann, von welcher Art von Heilung Biden hier eigentlich spreche?
Er unterstellt Biden und den Demokraten die Gesellschaft heilen zu wollen, indem alles weggeschnitten wird, was nicht gefällt. Von einer Krankheit, die alles als Fake-News zu bezeichnen versucht, was sie nicht hören will? … Denkt er wirklich, dass die Demokraten die Krankheit als Heilung für die Krankheit verwenden wollen? Dass sie Feuer mit Feuer bekämpfen wollen? Ist das nicht eher Doktrin auf der andern Seite?

Ich habe das Gefühl, dass Köppel hier im Interesse seines Arguments entgegen besseren Wissens Spaltung und Meinungsverschiedenheit gleichsetzt. Das ist nicht nur grundfalsch, es könnte vielleicht sogar eine der stärksten Triebkräfte für die Spaltung sein.

Ich mag anderer Meinung sein als der Köppel, ich bezweifle aber keine Sekunde, dass er – genau so wie ich – nur das beste für die Schweiz (und Europa (und die ganze Welt)) will. Uns schweben verschiedene Utopien und verschiedene Wege dorthin vor. Und wir befürchten, dass der Weg des anderen nicht nur nicht funktioniert, sondern verhängnisvoll sein würde. Was aber nicht heisst, dass ich dem anderen unterstelle ein Vaterlandsverräter zu sein, der in voller Absicht die Schweiz, ihre Kultur und die Bevölkerung vom Erdboden tilgen will.
Wir setzen uns für die gleiche Sache ein, die Schweiz, und wir hoffen beide, dass die Schweiz uns beiden gleichermassen zum Wohl gereicht. In unserem persönlichen Verständnis verstehen wir uns – so hoffe ich – trotz allen Meinungsverschiedenheiten als eine Einheit, die eben diese Meinungsverschiedenheiten nutzt um Fortschritte zu machen.

Spaltung dagegen ist, wenn das Wohl des anderen mir Missbehagen bereitet. Wenn mein Glück vom Leid des anderen abhängt.
Und so leid es mir tut, sehe ich genau das in den Vereinigten Staaten. 72’430’431 Menschen haben Trump nicht gewählt, weil er toll ist, sondern weil er die anderen 77’704’933 zur Weissglut treibt.

Das Ziel der Heilung ist nicht, dass alle gleicher Meinung sind, sondern dass alle gehört und ihre Anliegen und Bedürfnisse genügend ernst genommen werden und so alle das Gefühl haben Teil eines grossen Ganzen zu sein.

Als Beleg, dass Biden sich bisher nicht als ganz grosse versöhnliche Stimme profiliert hat, verweist Köppel darauf, dass Biden Trump als Clown bezeichnet hat.
Es stimmt schon, ich glätte keine Wogen, wenn ich den Heiland eines Gläubigen als Clown bezeichne. Andererseits führt kein Weg an der Wahrheit vorbei.

Das Problem ist die Person Trump. Seine politischen Überzeugungen mögen vielleicht sogar vertretbar sein, doch er lügt, was das Zeug hält, ist egomanisch und skrupellos. Damit wird das, wofür er einsteht selbstverständlich nicht automatisch falsch. Aber er ist ein Arschloch. Punkt.
Wohlgemerkt, das ist kein ad hominem. Ich lehne – wie gesagt – nicht seine Position aufgrund seines üblen Charakters ab. Ich lehne einfach nur ihn ab. Und hoffe es mit einem netten und zuverlässigen politischen Gegner zu tun zu haben.

Weiter führt Köppel an, dass Biden Trumpwähler für systemische Rassisten, sprich Rassisten hält.
Auch hierzu möchte ich ein paar Worte verlieren:
Zum einen sollte man systemischen Rassismus nicht einfach mit Rassismus gleichstellen. Für systemischen Rassismus braucht es keine Rassisten, die sich auf Basis der Biologie oder Herkunft verschiedene Gesetze für verschiedene Gruppen wünschen. Es reicht, wenn man nicht achtsam ist und das Gesetz bei den Angehörigen einer Gruppe anders umsetzt als bei denen einer anderen. Das muss nicht böse gemeint sein. Es kann sogar vernünftig erscheinen: Wenn die Statistiken besagen, dass grünäugige Menschen durchschnittlich häufiger Kugelschreiber klauen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die grünäugige Person Kugelschreiber klauen wird, grösser als die, dass es der blauäugige Kandidat tut. Diese Überlegung aber als Grundlage zu nehmen für die Entscheidung den blauäugigen Kandidaten beispielsweise einzustellen, wäre Diskriminierung, weil ich von den erhöhten Häufigkeit einer bestimmten Eigenschaften bei einer Gruppe nicht auf das Vorhandensein dieser Eigenschaften bei einem Individuum aus der Gruppe schliessen kann. Davon, dass die besagte Statistik durch den Umstand verzerrt wurde, dass man aufgrund der Kenntnis vom Kugelschreiberfetisch der Grünäugigen bei den Grünäugigen häufiger Kugelschreiberrazzien durchführte als bei jeder anderen Gruppe, wollen wir hier gar nicht erst anfangen.

Und zum anderen (wir sind ja noch immer bei den vermeintlich rassistischen Trumpwählern) finde ich, dass die Frage eigentlich durchaus berechtigt ist, ob Rassismus politisch vererbbar ist: Macht es mich zu einem Rassisten, wenn ich einen Rassisten wähle? Klar, ich kann ihn beispielsweise wegen seiner Ansichten zur Wirtschaft wählen, die ich für besser halte als die seines politischen Gegners. Doch wenn wirtschaftliche Fragen für mich eine höhere Priorität haben als die Bekämpfung des Rassismus, dann ist es vielleicht wirklich gerechtfertigt mich einen Rassisten zu nennen. Rassisten sind nämlich nicht nur die, die brennenden Kreuze aufstellen, sondern auch die, die es nicht für nötig halten, dem Einhalt zu gebieten.

Fun Fakt: Die Leugnung der Existenz von rassistisch motivierter Diskriminierung findet man erstaunlich oft bei Rassisten.

Wie ich weiter oben erwähnte, halte ich Meinungsverschiedenheiten in einer Gesellschaft für völlig legitim, wenn nicht gar für notwendig. Entsprechend halte ich auch die Freiheit der Meinungsäusserung für ungemein wichtig. Es geht dabei aber nicht nur darum, alles sagen zu dürfen, was man will, sondern auch um die Frage, wie ich mit der Meinung der anderen umgehe. Wenn ich sie ignoriere, dann diskriminiere ich sie. Wenn ich sie akzeptiere, dann bin ich Begriff sie zu übernehmen. Wenn ich sie toleriere, sehe ich einige Mängel in ihr, bin aber grundsätzlich zu einem gewissen Kompromiss bereit. Es gibt aber auch Meinungen, die ich nicht tolerieren kann. Weil ein Kompromiss schlicht ausgeschlossen ist. Die Meinung, dass alle Juden vergast werden sollen, ist so ein Beispiel. Hier kann und darf es keinen Verhandlungsspielraum geben. Sich eben nur auf die Hälfte zu einigen ist keine Option.

Rassismus, Sexismus und Homophobie gehören in diese Kategorie von nicht tolerierbaren Meinungen. Das heisst natürlich nicht, dass man Leute, die diese vertreten ins Gefängnis schmeissen sollte. Privat dürfen sie meinen, was sie wollen. Sobald sie aber Personen des öffentlichen Lebens werden und Massen von Leuten zu beeinfluss beginnen, dann sieht die Sache auf einmal ganz anders aus. Dann kann es leicht zur Hetze werden, wo sie selbst zwar nichts „böses“ tun, sondern einfach nur ihre Meinung sagen. Ihr Publikum aber auf potenziell blöde Ideen bringen…

Kein Angst, sich über Leute lustig zu machen und sie vielleicht sogar zu beleidigen, gehört nicht in die Kategorie des nicht tolerierbaren. Ganz im Gegenteil. Das darf man gerne tun. Respektive muss es sich in einer freien Gesellschaft gefallen lassen.

Die Grenze ist, wo Menschen die Existenzberechtigung abgesprochen wird.

Mir fällt gerade auf, dass ich bis jetzt gutgläubig davon ausgegangen bin, dass Köppel die Ansichten der von ihm erwähnten Leute korrekt widergibt. Doch nun kommt er auf Alexandria Ocasio-Cortez zu sprechen: Sie habe getwittert, dass man jetzt Listen erstellen müsse von Trump-Sicophanten, von Trump Anhängern, um sich dann an denen zu rächen. Was schon ziemlich starker Tobak ist.

Schauen wir uns daher mal an, was genau sie getwittert hat:

und ein bisschen später:

Mein Englisch ist natürlich nicht so gut, wie das vom Köppel, und es entgehen mir sicherlich viele Nuancen, aber für mich ist das nur eine Aufforderung die Sachen nicht zu vergessen, die die Leute so von sich gegeben haben, während sie Trump in den Arsch gekrochen sind. Es geht hier in meinen Augen alleine darum, dass man diesen Leute nicht erlauben sollte sich der Verantwortung für ihre fragwürdigen Äusserungen und Taten zu entziehen.
Das würde ich jetzt nicht unbedingt als Rache bezeichnen.

Das er hier etwas übers Ziel geschossen ist, müsste dem Köppel doch eigentlich klar sein, oder nicht?
Klar, so ist es witziger. Es gelingt ihm mit einer kleinen Überspitzung AOC in eine Reihe mit den übelsten Diktatoren der Weltgeschichte zu stellen. Und natürlich ist das nicht wirklich ernst gemeint.
Doch was denken wohl diejenigen seiner Zuhörer, die den Jux nicht mitbekommen haben, weil sie sich nicht die Mühe gemacht haben den Tweet nachzulesen?

Die Frage ist, glaubt Köppel wirklich, dass Alexandria Ocasio-Cortez ingeheim hofft, dass ihr Tweet Leute auf die Idee bringt sich im Batman-Style an den Komplizen von Trump zu rächen?

Um Köppel aber hier auch wieder ein bisschen in Schutz zu nehmen: Mit der Cancel Cultur im Hinterkopf, also der Tendenz der Social Justice Warrior Fehlverhalten, von dem sie denken, dass es gravierende negative Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, unverhältnismässig hart zu bestrafen, könnte er befürchten, dass jemanden in diesem Kontext jemanden zur Rechenschaft zu ziehen zwangsläufig masslos übertrieben wird. Was natürlich eine berechtigte Sorge sein könnte. Aber ist es dann okay ein Verbrechen, für das man die Strafe für zu hart hält, grosszügig zu ignorieren?
Spricht da der Verteidiger der Rechtsstaatlichkeit oder der der eigenen Interessen?

Die Diskrepanz zwischen dem, was AOC schreibt, und dem, was Köppel liest, lässt mich vermuten, dass es ihm nicht um eine sachliche Auseinandersetzung mit den Problemen geht, vor denen wir nach Trumps Amtszeit stehen, sondern darum seine Anhänger anzustacheln.

Dazu passt auch Köppels Fazit: Er hält die Töne, die man von den Demokraten hört, für gefährlich. Für ihn klingen sie nach „Säuberung“ und „Enttrumpisierung“ (um – wie er sagt – das Wort „Entnazifizierung“ nicht zu verwenden).

Das Wort „Säuberung“ weckt üble Assoziationen und Köppel stellt damit die Demokraten in eine Ecke mit Diktatoren und Völkermördern. Seltsamerweise spricht Köppel dann das Wort „Entnazifizierung“ mit einer ähnlichen Abscheu aus, wobei das doch – wie wir uns doch sicher alle einig sind – eigentlich eine gute Sache war: Das Bestreben die Gesellschaft von allen Einflüssen des Nationalsozialismus zu befreien.
Sprich Köppel schafft es in einem Atemzug den Demokraten ein Liebäugeln mit der Gleichschaltung vorzuwerfen und den Kampf gegen den Chauvinismus zu bedauern.


Mein Fazit:

Auf Köppels Beitrag zu reagieren, ist gar nicht so einfach, weil man die ganze Zeit reinrufen möchte, dass Trump und er und die SVP es genau so machen, ja sogar noch viel mehr. Leider ist das aber noch kein Argument.


Noch ein Nachtrag

Köppel wundert sich darüber, dass Trump immer vorgeworfen worden sei, dass er Wahlveranstaltungen durchführe, an denen keine Masken getragen werden. Und dass jetzt die Leute, die auf der Strasse Bidens Sieg feiern, auch keine Masken tragen.

Hat er das mal gegoogelt?
Beispielsweise: biden victory streets

Kann es sein, das Roger Köppel vorsätzlich lügt?


Und noch ein letzter Nachtrag:

Köppel wundert sich an einer Stelle über das seltsame Timing der Ankündigung des COVID-19 Impfstoffes. Genau richtig, so sagt er mit einem Augenzwinkern, dass es Trump nicht mehr hilft. Dabei habe Trump Pfizer Geld für die Entwicklung des Impfstoffes gegeben haben. Wie undankbar.
Es wurde zwar schon vereinbart, dass man den Impfstoff abkaufen würde, das Geld für die Entwicklung kam aber nicht aus den USA sondern aus Deutschland.
Der einzige der behauptet hat, dass Trump Pfizer Milliarden gegeben habe, warTrump selbst.

Lieber Roger, ist Trump deine Quelle?
Echt jetzt?

Und noch einmal: Was bezweckst du mit deiner Interpretation der Daten? Dir ist schon klar, dass du mit solchen Anmerkungen vielleicht noch keine Verschwörungstheorien formulierst, sie aber mit Steroiden fütterst?

Die Macht Gottes

Das sieht auf den erst Blick jetzt vielleicht etwas ernüchternd aus. Da wir aber nicht wissen, wie schwer es ist diese Dinge zu bewerkstelligen, darf man die Y-Achse nicht als Schwierigkeitsgrad verstehen.

Ich persönlich kann weder ein Universum erschaffen, noch auf Wasser laufen. Wie soll ich da wissen, was davon komplizierter ist?
Es wäre falsch, sich hier von der Grösse einschüchtern zu lassen!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das noch keinem Kirchendenker aufgefallen sein soll. Andererseits überrascht es mich auch nicht wirklich, dass man das jetzt nicht an die grosse Glocke hängt. Ich meine, ein Gott der sein Abbild auf einem Toast als finale Steigerung versteht nachdem er mal die ganze Welt geflutet hat… Die Menschen wissen den Schwierigkeitsgrad eines Tricks einfach nicht zu schätzen…

Allerdings ist die Vorstellung, dass ein Toast-Portrait trickier ist als die Schöpfung vielleicht gar nicht so abwegig. Die Masse, die die „Wunder“ auf die Waage bringen, nimmt im Laufe der Geschichte zwar tatsächlich konstant ab, doch mit jedem Schritt kosten die „Wunder“ weniger Leben – was durchaus ein Fortschritt ist:

  • Die Schöpfung ist ja eigentlich erst mit der Erfindung des Todes und der Vertreibung aus dem Paradies vollendet worden1. Sprich : Alle tot.
  • Sintflut : Alle – (8 Menschen + 2 von jeder Tierart) tot
  • Die attische Seuche : max. 33% der Athener (und wohl auch vom Rest) tot
  • Das Laufen auf Wasser : 0 tot, aber 1 Person neidisch
  • Heilung von Syphilis (durch Antibiotika) : 0 tot, aber 1 Person beschämt
  • Toast : 0 Toast und 0 negative Emotionen

Übernatürliches scheint umso schwerer zu sein, je weniger Leid dadurch verursacht wird.

Der Blitzableiter auf dem Kirchturm

Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.

Karl Kraus

Auf diesen Aphorismus reagiert natürlich jeder Christ zurecht empört, schliesslich ist das ein arg naives Gottesbild, das hier den Christen unterstellt wird. Naturkatastrophen sind keine Anmerkungen Gottes zum Weltgeschehen. Es sind völlig natürliche, in den meisten Fällen inzwischen hinlänglich verstandene physikalische Phänomene, die sich statistisch verhalten und keine moralisierenden Häufungen aufweisen. Früher wurde diesen Ereignissen gern eine übernatürliche Intention zugeschrieben – aber nur weil man es nicht besser wusste.

Blöd nur, dass die Bibel ausgerechnet in einer Zeit geschrieben wurde, wo man nicht nur sehr vieles noch nicht wusste, sondern noch nicht mal wusste, dass man sehr vieles noch nicht weiss.1

Das wirft für mich die Frage auf, ob Jesus mit seinen Auftritt nicht noch etwa 2000 Jahre hätte warten können? (Ist ja nicht so, als ob er es eilig gehabt hätte, schliesslich sind seit der Sintflut da bereits gut 2000 Jahre vergangen.) Dann hätte er seine Ideen Leuten präsentieren können, die sie verlässlich hätten prüfen und dokumentieren können. Und wenn an seinen Ideen (und Wundern) tatsächlich was dran gewesen wäre, hätten sie seiner Heilslehre ein wissenschaftliches, ethisches, künstlerisches und gern auch ökonomisches Attest ausstellen können.
Das hätte seiner Sache doch sicherlich weit mehr geholfen als die „Erkenntnis“, dass ein gewisser Jesus vor 2000 Jahren Sklaverei und Homophobie etwas weniger deutlich gutgeheissen hat, als es zu jener Zeit wohl üblich war.

Klar, je früher man die Rettung präsentiert, umso mehr Menschen können gerettet werden. Durchaus. Dafür werden die Menschen aber umso effektiver gerettet, je weiter die Fertigkeiten der Rettungskräfte fortgeschritten sind.
Wenn der Fortschritt der Fertigkeiten auch nach der Offenbarung voranschreitet, spricht natürlich nichts gegen eine frühe Einführung, doch bewegt sich im Fall des Christentums da nicht mehr sonderlich viel. Von daher ist „je früher (nachdem 2000 Jahren gewartet wurde nachdem die Welt nach 2000 Jahren rebootet wurde) desto besser“ nicht wirklich eine überzeugende Strategie…

Und etwas gemein ist hierbei übrigens auch, dass trotz des allwissenden Autors nirgends in der Bibel darauf hingewiesen wird, dass man mit den kommenden Jahrhunderten sehr vielen angeblich mysteriösen Dingen auf die Schliche kommen wird.
Tatsächlich tut die Bibel eher etwas, was man als Warnung vor neuen Erkenntnissen interpretieren könnte: Denn Gott hat gesagt: „Ich werde die Weisheit der Weisen zunichte machen und die Klugheit der Klugen verwerfen.“ (1. Korinther 1:19)

Was aber hätte dagegen gesprochen, wenn Jesus neben der Berg- auch noch eine Vulkanpredigt gehalten hätte, in der er heissen würde: „Vulkanausbrüche, Erdbeben und Blitze sind völlig natürliche Ereignisse, die euch überhaupt nichts zu sagen versuchen. Ach ja und wascht euch verdammt nochmal die Hände2!“ (Auszug aus der nichtexistenten Vulkanpredigt)

Im Gegenteil scheint das alte Testament von einer Flut von Strafen Gottes in Form von Naturkatastrophen3 überzuquellen.
Und auch im neuen Testament hält sich Gott diesbezüglich nicht wirklich zurück. Jetzt nicht mehr mit der kollektiven Bestrafung durch Katastrophen, sondern mit der individuellen Belohnung durch vermeintlich wundersame Heilungen, die in der freien Wildbahn auch heute noch gelegentlich und in den Shows von Quacksalbern regelmässig vorkommen.

Doch obwohl die am Anfang erwähnten, zurecht empörten Christen Naturkatastrophen nicht als Zeichen Gottes interpretiert haben wollen und in der Regel auch eingestehen, dass es für die Wunder natürliche Erklärungen gibt, so lassen sie sich nichtsdestotrotz nicht davon abbringen, dass es – nun ja – mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als unsre Schulweisheit sich träumen lässt.
Und dass hie und da etwas eben doch ein echtes Zeichen ist.

Man darf mich nicht falsch verstehen. So ein göttliches Räuspern wäre durchaus eine famose Sache. Ganz im Ernst!
Insbesondere wenn man (sei es nun als Person oder als Gemeinschaft) gerade im Begriff ist irgendeinen Blödsinn anzustellen.
Wichtig wäre dabei aber, dass das Räuspern Gottes auch wirklich als solches für jeden klar erkennbar ist. Auch für Aussenstehende. Ganz besonders für Aussenstehende. Denn man muss sich sicher sein, dass etwas der Hinweis eines allwissenden, allmächtigen und allgütigen Wesens ist und nicht nur das Rascheln des Windes im Baum, welches jemand als göttliche Bestätigung für das interpretiert, was er gern bestätigt haben möchte.
Deshalb sollten Zeichen Gottes nie privat sein – nicht mal in sehr privaten Angelegenheiten. Sie müssen stets von unabhängigen Drittpersonen bestätigt werden können.

Das ist nicht der Weg Gottes, sagen die Christen. Er war es mal. Aber jetzt nicht mehr.
Allerdings bezweifle ich, dass sie sich von Gott abwenden würden, wenn er die offene Kommunikation auch weiterhin praktizieren würde.

Es spricht nämlich nichts gegen deutliche, unmöglich falsch zu interpretierende und von Dritten bestätigbare Botschaften.
Wenn Gott jeden zweiten Samstag im Monat im Schloss Schauensee Audienz halten oder auf Youtube in einem eigenen Kanal Tipps zu Politik, Kultur und Wissenschaft erteilen würde, dann schränkte das unsere Willensfreiheit genauso wenig ein, wie es das auch die gelegentlichen persönlichen Begegnungen im alten und neuen Testament nicht taten.
Eigentlich eher im Gegenteil! Denn nur wenn ich weiss, wo genau eine Abzweigung ist, kann ich mich entscheiden diese zu nehmen oder eben nicht und dann wacker die Konsequenzen tragen. Einfach Vertrauen haben und irgendwann, wenn es gerade blitzt oder donnert oder eine Gesicht auf den Toast erscheint, mal abbiegen, ist keine so gute Strategie.

Was tun mit Statuen von Rassisten?

Was, wenn man die Statue eines Rassisten durch Statuen von Leuten, die die Statue des Rassisten runterreissen, ersetzen würde?
Damit würde man die Geschichte nicht verdrängen indem man die Personen aus dem Sichtfeld entfernt. Man würde vielmehr zeigen, dass es sich hier um eine einstmals hoch geachtete Persönlichkeit handelte, die durch die veränderten Umstände heute aber nicht mehr als Inspiration betrachtet werden kann. Man wird also gleichermassen an die Qualitäten wie auch an die Abgründe dieser Person erinnert.

Und wenn sich irgendwann man rausstellen sollte, dass der Rassist doch kein Rassist war oder dass Rassismus eigentlich ganz okay ist, könnte man die Statuengruppe von den Leuten, die die Statue des Rassisten runterreissen, durch eine Statuengruppe ersetzen, wo eine Gruppe von Leuten dem rehabilitierten Rassisten dabei zujubeln, wie er die Leute vertreibt, die seine Statue runter zu reissen versuchen.

Und wenn man im Schatten der Statue mit der Familie picknickt, kann man auf eine der Statuen zeigen und sagen: Das war ich.

Gelebte Geschichte!

± 199 Fragen an einen Bischof

Was ich schon immer von einem Bischof wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen die Gelegenheit hatte.

  • Wenn der Kirche die Macht, die sie im Mittelalter hatte, wieder zurückgegeben würde, würden Sie diese dann wieder in mittelalterlicher Manier einsetzen?
  • Könnte es Menschen geben, denen es weder in der Hölle noch im Himmel gefällt? Was würden Sie diesen empfehlen?
  • Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis… Sind das wirklich die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde?
  • Wenn Gott jemanden töten lässt, ist das dann eine moralisch gute Handlung?
  • Finden Sie, dass es irgendwann mal gerechtfertigt war ein ganzes Volk auszurotten, Sklaven zu halten und jemanden nur deshalb zu töten, weil er am Sonntag gearbeitet hat?
  • Steigt Ihrer Meinung nach die Chance in den Himmel zu kommen, wenn man es schwer hat / ganz furchtbar leidet / gefoltert wird?
  • Wie lange werden Sie es im Himmel aushalten bevor Sie durchdrehen?
  • Gibt es stichhaltige religionskritische Argumente?
  • Inwiefern ist die katholische Kirche keine kriminelle Organisation, wenn sie ihre Finanzen geheim zu halten versucht und systematisch Verbrechen in ihren Reihen vertuscht?
  • Würden Sie einen Robo-(Mess-)Diener haben wollen, der nach den Gesetzen des alten Testaments programmiert wurde?
  • Haben Sie einen Exorzisten? Möchten Sie einen, respektive mehr haben?
  • Gibt es die Hölle, wie man sie sich landläufig vorstellt? So mit Folter und Schmerz und Lava und Dämonen? Wenn nicht, respektive wenn die Sache etwas komplizierter ist, warum dementieren Sie diesen Irrglauben dann nicht lautstark? Warum schweigen Sie und lassen die Kirche von diesem Missverständnis profitieren?
  • Schämen sie sich für Ihre Christenkollegen, die an eine junge Erde glauben?
  • Lohnt es sich fürs Christentum zu sterben? Oder darf man lügen und sich öffentlich vom Christentum abwenden, aber insgeheim weiter an Jesus glauben? Was würden Sie raten?
  • Beneiden sie die Jungeerdekreationisten für ihre Fähigkeit die Bibel wörtlich zu glauben, auch wenn die Evidenzen dagegen sprechen?
  • Welche Strafe halten Sie für die böswillige Zerstörung einer Bibel für angemessen? Oder für das böswillige Abfackeln einer Kirche? Ist Vergebung eine Option?
  • Hat Gott einen eigenen Twitter-Account?
  • Können andere als die von Ihnen bevorzugte Bibelübersetzungen Schaden anrichten?
  • Wo sind Ihrer Meinung nach die interessanteren Menschen? Im Himmel oder der Hölle?
  • Was denken Sie, gab/gibt es echte Hexen? Und wenn ja, ist das so schlimm?
  • Was, wenn die Wunder, die einen Heiligen zum Heiligen gemacht haben, nachweislich nicht stattgefunden haben? Haben Sie schon mal vorgeschlagen einen Heiligen zu entheiligen?
  • Jesus war wohl nicht so blond, blauäugig und hellhäutig wie auf zahllosen Darstellungen abgebildet. Wie gedenken Sie gegen diese diskriminierende Geschichtsverdrehung anzugehen?
  • Erspart die Heiligsprechung einem Menschen in die Hölle zu kommen? Wenn ja, wieso setzen Sie sich dann nicht dafür ein alle Menschen heilig zu sprechen?
  • Was sagt es wohl über Gott aus, wenn ein Drittel seiner Belegschaft (Engel) das Weite gesucht hat?
  • Stehen sich manchmal die Aufgaben die Welt besser zu machen und möglichst viele Seelen in den Himmel zu bringen gegenseitig im Weg?
  • Ist mein dreieinhalbjähriger ungetaufter Sohn ein Sünder, der es verdient in der Hölle zu schmoren, wegen einem Verbrechen, das irgendwelche Vorfahren, die es nachweislich nicht gab, begangen haben?
  • Wenn das Christentum so überzeugend ist, warum werden dann schon Kinder in die Kirche geholt? Warum wartet ihr nicht bis sie erwachsen sind und reif für eine wohlüberlegte und überzeugte Entscheidung?
  • Da gibt es diese eine Stelle in der Bibel, wo steht, dass Petrus (und ihr als seine Nachfolger) den Schlüssel zum Himmel hat. Warum lasst ihr nicht einfach alle rein? Ist es dann nicht eure Schuld, wenn jemand in der Hölle gequält wird, wo es doch in eurer Macht liegt, es zu verhindern?
  • Was wenn Gott hofft, dass die Menschen sich gegen seine offensichtlich blöden Regeln auflehnen. Was wenn das der Test ist?
  • Wäre überhaupt nicht zu sterben Ihrer Ansicht nach nicht auch eine etwas bessere Demonstration der Unsterblichkeit gewesen als zu sterben, zurückzukommen und dann wieder zu verschwinden um trotz versprechen nie mehr wieder aufzutauchen? (Insbesondere da von den Toten aufzuerstehen in jenen Tagen keine Seltenheit war.)
  • Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten?
  • Lesen Sie religionskritische Bücher?
  • Halten Sie den Kreuztod von Jesus für wichtig? Seine Lehren würden ja weiterbestehen, auch wenn er nicht getötet worden wäre.
  • Welches ist der beste Witz über Atheisten, den Sie kennen? 
  • Wären Sie offen für wissenschaftlich saubere Experimente um die Wirksamkeit von Gebeten zu untersuchen? Damit könnte man viel gutes bewirken.
  • Was sind Sie bereit zu opfern um jemandes Seele zu retten? Ihre eigene Seele?
  • Da gibt es diese eine Stelle in der Bibel, wo es heisst, dass die Gemeinde von Petrus nie von den Pforten der Hölle überrannt werden würde. Wurde sie das Ihrer Ansicht nach wirklich nie? Oder ist „nicht allzu lange“ „nie“ genug?
  • Erschwert die säkulare Gesetzgebung Ihnen Ihre Arbeit?
  • Steigt oder sinkt Ihrer Meinung nach die Chance in den Himmel zu kommen, wenn man beim Sex „oh Gott“ ruft?
  • Warum leiden andere unter meiner Willensfreiheit, selbst dann, wenn ich nichts mehr draus lernen kann? Werden da die anderen nicht bloss zum Mittel zum Zweck degradiert?
  • Einige Leute, die sich vehement für die Interessen Gottes einsetzen, sind schon ziemliche Arschlöcher. Was ist das für ein Gefühl, nicht nur auf der gleichen Seite wie diese zu stehen, sondern auch zu wissen, dass ihre Interpretation der zitierten Bibelstellen naheliegender ist als die eigene?
  • Wenn eine Frau vergewaltigt und ermordet wird und der Vergewaltiger nachher zu Jesus findet und in den Himmel kommt. Was passiert mit der Frau (so sie überhaupt in den Himmel gekommen ist), wenn sie nicht damit klar kommt, dass ihr Peiniger auch dort ist?
  • Wäre es ein Grund für Sie die Kirche zu verlassen, wenn sich herausstellen würde, dass alle Ihre Vorgesetzten und Kollegen von den Missbräuchen wussten und diese zu vertuschen versuchten?
  • Darf ich jemandem helfen, der gerade unter der gerechten Strafe Gottes leidet?
  • Wenn man sich im Leben für den Himmel bewähren muss, warum haben es nicht alle gleich schwer? Scheint nicht gerade fair zu sein.
  • Möchten Sie den Ablass wieder einführen?
  • Willensfreiheit führt dazu, dass man hie und da auf die Nase fällt. Krieg, Hunger und Seuchen sind aber ein bisschen gar krasse Konsequenzen, oder nicht?
  • Wissen Sie genug von Physik, Biologie, Soziologie, Psychologie, etc. um mit Bestimmtheit sagen zu können, dass es ohne Gott nicht geht? Geht es ohne Gott?
  • Halten Sie die Gebote der Bibel für besser als die Asimovs Robotergesetze?
  • Welchen Verhandlungsspielraum haben Sie? Können Sie mir 72 Jungfrauen im Jenseits organisieren?
  • Ist es nicht komisch, dass Atheisten in der Regel die Bibel besser kennen als die Gläubigen? Dass die Bibellektüre sie überhaupt erst zu Atheisten gemacht hat? Sind Sie sicher, dass Sie die Bibel richtiger verstanden haben und nicht einfach Opfer kognitiver Verzerrungen geworden sind? Dass es diese gibt, wissen Sie ganz genau, denn Sie haben sie oft an anderen beobachtet, wenn sich diese einer anderen Religion angeschlossen haben.
  • Wenn Sie durch einen physikalischen Unfall eine Zeitreise ins Paradies machen würden, würden Sie Eva daran hindern vom Baum der Erkenntnis zu naschen?
  • Wie gross ist wohl die Wahrscheinlichkeit, wenn man sich zufällig einen Vers aus der Bibel pflückt, dass er für sich alleine betrachtet problematisch ist?
  • Sind Sie sicher, dass nicht der Teufel der Gute in der Bibel ist? Er hat weniger Leute umgebracht. Oder spielt die Anzahl der Ermordeten keine grosse Rolle? Ist viel mehr das Ergebnis wichtig? In der Art vom Konsequentialismus?
  • Welche Superkraft, die Sie in Ihrem Beruf weiterbringen würde, würden Sie sich wünschen? Leute mit ihrem Blick zu Katholiken zu bekehren?
  • Haben sie schon mal in Erwägung gezogen den Völkermord an den Jesiden dadurch wieder gut zu machen, indem sie jemanden unter Folter sterben lassen? Beispielsweise sich selbst?
  • Haben Sie ein Gespür dafür welches von zwei Verhalten wahrscheinlich eher im Sinne Gottes ist?
  • Warum distanzieren Sie sich nicht öffentlich vom Blödsinn, den irgendein bekloppter Kollege verzapft?
  • Sollte Jesus nicht nackt am Kreuz hängen?
  • Und wenn Gott Ihnen irgendwann mal überzeugend begründet, warum Homosexualität so übel ist, werden Sie ihm vorwerfen, dass er die Begründung nicht schon im Diesseits allen zugänglich gemacht hat? (Diese Frage könnte man auch im Bezug zu anderen diskriminierten Gruppen (von denen es nicht wenige gibt) formulieren.)
  • In welcher Zeit war, basierend auf Ihrer Gottesvorstellung, für einen zufälligen nichtkatholischen Christen die Chance am grössten in den Himmel zu kommen?
  • Würden Sie einen Menschen töten, wenn Sie damit 1000 Menschen das Leben retten könnten?
  • Hat man Ihrer Meinung nach im Himmel noch einen freien Willen? Wäre es für Sie okay, wenn es dort diesen nicht mehr gibt? Und wenn es ihn dort gibt, kann man es dort noch vermasseln? Und wenn ja, kommt man dann in die Hölle? Und wenn nein, wieso hat Gott die Welt nicht so gemacht wie den Himmel?
  • Spricht Gott zu ihnen? Wenn ja, bestärkt Sie das in ihrem Glauben? Wenn ja, ist es nicht unfair, dass er nicht zu mir spricht? 
  • Wenn Sie im Zirkus einen Zauberer sehen. Wie lange müssen Sie den Trick nicht durchschauen können um aufzuhören nach dem Trick zu suchen und zu glauben, dass es echte Magie ist? Haben Sie Ihre Gründe an Gott zu glauben kürzer oder länger hinterfragt?
  • Verstehen Sie sich als Cos-Player, wo sie doch so tun, als ob es Götter und Dämonen gäbe?
  • Erfahrungsgemäss stärken kritische Fragen den Glauben eher als dass sie ihn schwächen. Das ist eine seltsame Eigenschaft unseres Gehirns. Halten Sie es nicht für verstörend, dass man stolz darauf sein kann, überdeutliche Evidenzen überwunden zu haben? Insbesondere da der Erfolg Ihrer Weltanschauung genau davon massiv profitiert? Es scheint, dass Ihr Gott diese Eigenschaft des Blinden Vertrauens ganz besonders schätzt? Tun Sie das auch bei ihren Freunden und Mitarbeitern?
  • Hat die katholische Kirche eine Mission, von der die Öffentlichkeit nichts weiss? Ab welchem Dienstgrad wird man in diese eingeweiht?
  • Gibt es Arschlöcher in der katholischen Kirche?
  • In welcher Zeit war, basierend auf Ihrer Gottesvorstellung, für einen zufälligen Christen die Chance am grössten in den Himmel zu kommen?
  • Würden Sie lügen um der Kirche einen Vertrauensverlust zu ersparen, wenn sie befürchten, dass andernfalls die Kirche in ihrer guten Arbeit massiv behindert würde?
  • Wenn Ihre Liebe zu einer Person nicht erwidert wird, welche Strafen halten Sie in diesem Fall angemessen?
  • Jesus hatte 12 Apostel und keine Apostelinnen. Daraus folgert man, dass es keine Priesterinnen geben darf. Viel seltener aber hört man die Forderung, dass es nicht mehr als 12 Priester geben darf. Welche 12 Priester würden Sie im Amt lassen?
  • Welche Entwicklungen, respektive Veränderungen verdanken wir Ihrer Meinung nach direkt Gebeten?
  • Was müssten Sie wohl tun um bessere Chancen zu haben in den Himmel zu kommen? Würde das der Kirche schaden?
  • Wie finden Sie raus, ob eine Hostie schon transsubstantiiert wurde oder noch nicht?
  • War Schweinefleisch essen irgendwann wirklich mal schlimmer als einen Genozid an den Kanaanitern zu verüben?
  • Darf man Sexfantasien angesichts des sexy enthüllten Körpers von Jesus am Kreuz haben?
  • Wie fest sind Sie sich dessen bewusst, dass es nichts gibt, was sich mit der Bibel nicht legitimieren liesse?
  • Würden Sie einen Menschen töten, wenn er an einer furchtbaren Krankheit leidet und Sie anfleht dem ein Ende zu machen, und Sie damit 1000 Menschen das Leben retten könnten?
  • Haben Sie zuerst intern oder aus der Presse von den Missbräuchen in der katholischen Kirche erfahren?
  • Hatten Sie während der Corona-Krise mehr Hoffnung in Gott und ein Wunder oder in die Wissenschaft? Oder ist die Wissenschaft das Wunder und Sie reissen sich das Verdienst der Wissenschaft einfach unter den Nagel?
  • Wenn ich Ihnen sage, dass dass ich mit einer Schokolade zurückkomme noch bevor der letzt hier Anwesende gestorben ist, wie lange wären sie bereit sein auf meine Rückkehr zu warten, nachdem alle Anwesenden gestorben sind? (Und wenn es nicht Schokolade sondern eine Superkraft wäre?)
  • Wieviele Seelen müssten gerettet werden, damit Sie ihre Seele verkaufen?
  • Wenn mit der Bildung die Wahrscheinlichkeit steigt vom Glauben abzufallen, sind Sie dann dafür die Bildung runter zu fahren?
  • Warum steht in der Bibel nichts, was man zu jener Zeit nicht hätte wissen können? Warum sind die Prophetien so wage?
  • Sind Sie für das Abreissen der sixtinischen Kapelle, weil sie das erste Gebot verletzt (Bilderverbot)?
  • Hiob wurden seine Kinder genommen und er erhielt am Ende wieder neue. Halten Sie das für eine akzeptable Wiedergutmachung? Respektive, was halten Sie von einem Menschen, der so eine Wiedergutmachung zufrieden akzeptiert?
  • Gott bestraft die Menschen ja manchmal indem er ihre Nachfahren bis ins vierte Glied bestraft. Wenn er deren Nachfahren für deren Vergehen wiederum ins vierte Glied bestraft, wie viel von den Qualen heute ist dann bloss die Bestrafung unserer Vorfahren?
  • Sind alle Missbräuche, die im Rahmen Ihrer internen Untersuchung aufgedeckt wurden, von denen Sie also wissen, publik gemacht worden? Wenn ja, welche Konsequenzen sind sie bereit zu ziehen, sollte sich herausstellen, dass Sie jetzt gelogen haben?
  • Werden Sie im Himmel glücklich sein können, wenn Sie wissen, dass ich in der Hölle auf ewiglich grausamst gefoltert werde? Oder wollen Sie es dann lieber einfach nicht wissen?
  • Wieso stand die katholische Kirsche bei allen Fortschritten regelmässig auf der falschen Seite? Tun sie das auch? Oder halten Sie Fortschritte wie Gleichberechtigung, Abschaffung der Sklaverei und Medizin nicht wirklich für Fortschritte?
  • Was denken Sie? Zählte Abraham darauf, dass Gott ihn aufhalten würde?
  • Wie kann die katholische Kirche dazu beitragen den Klimawandel abzuwenden? Wäre es nicht praktisch gewesen, wenn man das Frühzeitig gewusst hätte und auf eine nachhaltige Lebensweise hingearbeitet hätte statt sich einfach die Natur Untertan zu machen?
  • Warum interessiert sich Gott so sehr für Schwulensex und Masturbation? Oder ist es der Klerus, der davon fasziniert ist?
  • Was für eine Meinung hätten Sie von Abraham, wenn Sie sein Sohn wären?
  • Warum haben Ihre Kirchen bei in de Corona-Krise nicht freiwillig vor allen anderen geschlossen? Sie wären mit gutem Beispiel vorangegangen und hätten damit Leben gerettet.
  • Wie gross ist wohl die Wahrscheinlichkeit, wenn man sich zufällig einen Vers aus der Bibel pflückt, dass er so schön ist, wie Sie erwarten?
  • Was halten Sie von Männern, die Priester wurden, nachdem die Missbräuche und die Trägheit der Kirche allgemein bekannt wurde?
  • Hätte Jesus den Leuten nicht nachhaltiger helfen sollen?
  • Da gibt es diese eine Stelle in der Bibel, wo es heisst, dass die Gemeinde von Petrus nie von den Pforten der Hölle überrannt werden würde. Das heisst doch, dass immer für alle deutlich klar sein würde, welches die richtige Gemeinde ist. Wie erklären Sie sich den Umstand, dass für einen Aussenstehenden nicht so klar ist, welches die richtige Gemeinde ist?
  • Welche Bibel finden Sie besser besser: Die Lutherbibel 2017 (LUT) oder die Lutherbibel 2017 (LUT), in die ich von Hand „Du sollst keine Sklaven halten!“ reingeschrieben habe?
  • Wäre objektiv betrachtet Harry Potter nicht ein besser moralischer Kompass als die Bibel?
  • Was muss ich tun, damit Jesus nicht für mich gestorben ist? Damit er nicht glaubt, dass ich in seiner Schuld stehe?
  • In welcher Zeit war, basierend auf Ihrer Gottesvorstellung, für einen zufälligen Heiden die Chance am grössten in den Himmel zu kommen?
  • Würden Sie lügen um einem Menschen das Leben zu retten?
  • Was denken Sie, wodurch würde sich die Welt von der aktuellen unterscheiden, wenn es Gott nicht geben würde?
  • Welcher Typ Wein war es, den Jesus damals aus Wasser gemacht hat?
  • Was denken sie? Ein wie grosser Anteil der Menschheit kommt in den Himmel?
  • Haben Sie, angesichts der üblen CO2 Bilanz von Fleisch, mal darüber nachgedacht Veganismus in die katholischen Lehre zu integrieren?
  • Finden Sie es nicht ein bisschen enttäuschend, dass der Erfolg des Christentums sich historisch betrachtet vor allem dem Schwert verdankt? Und dass das Schwert durch die Bibel legitimiert darin wurde, die nötige Grausamkeit anzuwenden?
  • Hätten Sie vor 420 Jahren Giordano Bruno verbrannt? Es hätte zu Ihrem Berufsprofil gehört.
  • Warum haben Sie noch nie einem Spital angeboten ihre Blutreserven mit transsubstantiiertem Wein aufzustocken, der ja nach Ihrer Überzeugung echtes Blut ist?
  • Hat die katholische Kirche im Laufe der Geschichte Ihrer Meinung nach mehr Leid gelindert als verursacht? Um wieviel mehr? Ist das nicht zu wenig, wo sie doch den heiligen Geist im Rücken hat?
  • Sie sind ja jetzt ein ganz anderer Mensch als vor 40 Jahren. Welcher dieser Menschen wird sich im Himmel, resp. in die Hölle wiederfinden? Und wenn man alles wegnimmt, das den Unterschied zwischen diesen beiden ausmacht, sind es dann noch immer Sie? Haben Sie nichts dagegen all das zu verlieren, was sie kennen, und in einer Form eine Ewigkeit lang zu vegetieren, von der Sie jetzt noch keine Ahnung haben, welche das sein wird? (vgl. Eine Raupe weiss nicht, dass sie ein Schmetterling werden wird. Vielleicht würde die eine oder andere Raupe im Wissen darum, dass aus ihr ein bunter Schmetterling wird, dann lieber Vogelfutter werden.)
  • Würden Sie den Glauben ablegen, wenn damit alle Kriege beendet werden könnten?
  • Erklären Sie in Ihren Predigten auch die Stellen, die von den Frauen verlangen, während der Gemeindeversammlung zu schweigen? Und sind am Ende zufrieden mit ihrer Erklärung?
  • Wenn Sie durch einen physikalischen Unfall eine Zeitreise zu Noah machen würden, würden Sie es Gott auszureden versuchen die ganze Menschheit inklusive aller Häschen und Welpen und Kätzchen elendiglich zu ersäufen?
  • Halten Sie die Verbannung von Adam und Eva aus dem Paradies für gerechtfertigt? Für eine Tat, von der sie nicht wissen konnten, dass sie falsch war, weil ihnen erst die Konsequenz der Tat die Fähigkeit verlieh, falsches von richtigem zu unterscheiden. (Btw. Können Sie immer falsches von richtigem unterscheiden? Oder hat der Apfel womöglich gar nicht funktioniert?)
  • In welcher Zeit war, basierend auf Ihrer Gottesvorstellung, für einen zufälligen Katholiken die Chance am grössten in den Himmel zu kommen?
  • Würden Sie morden und vergewaltigen, wenn Gott es nicht explizit verboten hätte?
  • Gibt es Bücher (oder Autoren), die verbrannt werden dürften?
  • Wenn an einer Parkbank ein „Frisch gestrichen“-Schild hängt, berühren Sie die Bank um zu testen, ob das auch stimmt? 
  • Soll man einer Neonazi-Gruppe beitreten und ein liebevolles, tolerantes Leben führen um das Image der Neonazi-Gruppe zu verbessern?
  • Was denken Sie, wodurch würde sich die Welt von der aktuellen unterscheiden, wenn es den in der Bibel beschriebenen Gott geben würde?
  • Warum stört es Sie mehr, wenn ich Ihren Glauben für falsch halte als wenn ihre politische Einstellung für falsch halte?
  • Können Sie Hostien auch in Rindfleisch transsubstantiieren? Würde damit gleichzeitig auch der CO2-Abdruck in einen üblen transsubstantiieren?
  • Gibt es etwas, das in Ihren Augen eine ewige Folter rechtfertigt?
  • Hat Gott mit der Sprachverwirrung nach der Zerstörung des Turms von Babel eher dem Krieg oder dem Frieden unter die Arme gegriffen?
  • Gibt es Menschen, bei denen, wenn diese nicht in den Himmel kommen, Sie richtig wütend werden würden?
  • Was würden Sie tun, wenn Gott Ihnen befielt jemanden zu töten. Wohlgemerkt, für Sie wäre es über jeden Zweifel erhaben, dass es tatsächlich Gott ist, der Ihnen das aufträgt. (Ist ja nicht so, als ob er nie mit solchen Wünschen an Menschen herantreten würde.)
  • Warum setzen Sie sich nicht dafür ein das alte Testament einfach aus der Bibel zu streichen? Das bedeutet ja nicht, dass man dieses während des Bibelstudiums nicht herbeiziehen würde. Man würde lediglich zum Ausdruck bringen, dass der christliche Liebe Gott nie einen Genozid an den Kanaanitern gutheissen würde. Was er doch nicht tun würde, oder?
  • Ist es nicht peinlich, dass die Möglichkeit Leute auf den Scheiterhaufen zu stellen, der Kirche erst von aussen entzogen werden musste?
  • In welcher Zeit war, basierend auf Ihrer Gottesvorstellung, für eine zufällige Person die Chance am grössten in den Himmel zu kommen?
  • Wie schwer ist es ein Universum zu erschaffen? Wie sicher sind Sie, dass man sowas nicht auch ohne Allmacht hinkriegt?
  • Wo kann ich mich beschweren, wenn ich das Gefühl habe, dass Gott vertragsbrüchig ist?
  • Wenn mehr als 50% der Bevölkerung ihre Ansichten teilen würde, welche Gesetze aus der Bibel würden Sie auf demokratischem Weg einzuführen versuchen?
  • Im ersten Gebot beschreibt Gott sich als derjenige, der die Israeliten aus Ägypten heraus geführt hat. Irgendwie macht es aber den Anschein, dass die Israeliten gar nie in so grosser Zahl in Ägypten waren, geschweige denn dass sie es unter so dramatischen Umständen wieder verlassen hätten. Werden Sie, wenn Sie durch einen physikalischen Unfall eine Zeitreise in jene Zeit machen würden, die Israeliten nach Ägypten führen, damit Gott sie zusammen mit Moses wieder herausführen kann?
  • Was denken Sie? Gehorchte Abraham Gott, weil er sich vor Gottes Zorn fürchtete?
  • Wenn Sie durch einen physikalischen Unfall eine Zeitreise nach Jerusalem zur Kreuzigung machen würden, würden Sie Jesus vor dem Kreuztod retten wie sie jeden anderen Menschen vor einem Foltertod zu retten versuchen würden? (Oder finden Sie es grundsätzlich wichtiger die temporale Integrität zu schützen?)
  • Können Sie dafür sorgen, dass eine bestimmte Person in den Himmel kommt?
  • Wenn man sich ihrer persönliche Bibel genauer anschauen würde, welche Stellen sind weitgehend unberührt?
  • Die katholische Kirche hat durch ihre Macht andere, potentiell gefährlichere Ideen aufgehalten sich auszubreiten. So wie eine Chemotherapie Krebs aufhält und beseitigt. Eine Chemotherapie schadet aber einem gesunden Organismus. Gilt ihrer Meinung das gleiche für die katholische Kirche?
  • Sehen Sie sich manchmal als Märtyrer für die heilige katholische Kirche, wenn mal wieder ein Missbrauch publik wird und Sie sich als unschuldiges Opfer für die Fehler der schwarzen Schafe in Kirche entschuldigen müssen?
  • War der Genozid an den Kanaanitern Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?
  • Welches ist der beste Witz über Christen, den Sie kennen?
  • In Babel bauten sie den Turm damit sie sich nicht über die ganze Erde zerstreuen. Hätten Sie sich damals gegen dieses (fortschrittliche) Bauprojekt eingesetzt?
  • Wenn Gott Kinder von einem (haarigen) Bären töten zu lässt, weil sie sich über einen glatzköpfigen lustig gemacht haben, welches Tier hätte Gott dann geschickt um sie zu töten, wenn sie sich über die Segelohren von Elisa lustig gemacht hätten? Ein (ohrloses) Krokodil?
  • Ihr vorbildliches Verhalten schenkt ihren weniger vorbildlichen Kollegen einen Vertrauensvorschuss, den diese ausnutzen. Stört Sie das nicht?
  • Welcher Gottesbeweis überzeugt Sie am meisten? Und stört Sie der logische Fehler darin nicht? (Doch, es steckt einer drin!)
  • Eine für den Atheisten überzeugende Evidenz reicht um diesen zu bekehren. Beunruhigt sie nicht, mit welchem Tempo die Evidenzen für Gottes Existenz mit der Wissenschaft beseitigt wurden?
  • Halten Sie es für vernünftig Gott die Führung anzuvertrauen, wenn er mit das Volk Israels 40 Jahre durch die Wüste irrt, während für die Strecke laut Google Maps nicht mehr als eine Woche nötig wäre?
  • Halten Sie einen Wahrsager, der wage Voraussagen macht, die alle durch alles mögliche erfüllt werden können (Barnum-Effekt), für glaubwürdiger oder weniger glaubwürdig als einen der weniger wage Voraussagen macht, aber auch weniger Treffer erzielt?
  • Haben Sie schon mal Gott mit einem Gebet umgestimmt?
  • Sippenhaft?
  • Gibt es Vatikan-Ninjas?
  • Wären Sie Priester geworden, wenn Sie um die Missbräuche und deren systematische Vertuschung gewusst hätten?
  • Werden Sie Gott sagen, dass er sich ab und zu wie ein Arsch verhalten hat? Beispielsweise im Bezug auf Homosexuelle?
  • Wozu ist der Glaube an Gott gut, wenn er die Menschen, die ihn haben, nicht besser macht?
  • Mein Freund kann über Wasser laufen. Glauben Sie mir? Wenn nicht: Wagen Sie es einfach mir zu glauben! Und jetzt?
  • Sollte Verbrechern die Möglichkeit gegeben werden, der Nachtwache einem Kloster beizutreten?
  • Meine Fragen erschüttern Ihren Glauben natürlich nicht. Sie haben wahrscheinlich alle Fragen schon mal gehört und haben nach eingehender Prüfung eine für Sie befriedigende Antwort gefunden. Gab es mal eine Zeit, wo Sie solche Fragen vom rechten Weg abgebracht hätten? (Frage für einen Freund mit einer Zeitmaschine.)
  • Gibt es Passagen in der Bibel, die Sie lieber nicht drin haben würden?
  • Wurden Sie von irgendwelchen internen Regeln oder kirchenpolitischen Strategien daran gehindert mehr gegen die Missbräuche in der Kirche zu unternehmen?
  • Warum darf ich in St. Gallen an hohen Feiertagen nicht mit meinen 501 Freunden tanzen, sie aber am 25. Mai einen Gottesdienst abhalten, wenn es den jeweils anderen stört?
  • Ist es nicht frustrierend, dass früher die Wunder aus einem gespalteten Meer und angehaltenen Sonnen bestanden und heute nur noch aus Gesichtern auf Toastbroten?
  • Bei wem liegt Ihrer Meinung nach die Beweislast: Bei dem, der ein unsichtbares Wesen postuliert, oder bei dem, der nicht an dessen Existenz glaubt?
  • Wieso ist der Prozentsatz von Pädophilen in der katholischen Kirche trotz direktem Draht zu Gott nicht deutlich kleiner als in der Bevölkerung? Oder wären es ohne den heiligen Geist noch viel mehr?
  • Warum hat Jesus Blinde geheilt, aber nicht die Blindheit? Wie viele Menschen hätte Jesus wohl retten können, wenn er die Menschheit die wissenschaftliche Methode und die Molekularbiologie gelehrt hätte? Finden Sie nicht auch, dass Jesus seine Superkräft suboptimal genutzt hat?
  • Wenn Sie in einem anderen Land geboren worden wären, der Bischof von welcher Religion wären Sie dann wohl heute?
  • Welcher Aufgabe der katholischen Kirche messen Sie eine höhere Priorität bei? Die Welt besser zu machen oder mehr Seelen in den Himmel zu bringen?
  • Ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn die Religionen vor allem Leute in Krisensituationen „rektrutiert“, die sich ohnehin an jeden Strohhalm klammern?
  • Mutter Teresa hat ihren „Patienten“ bewusst die Schmerzmittel vorenthalten um sie durch die Qualen näher an Jesus zu bringen. Ist sie in Ihren Augen eine liebe Heilige oder ein heiliges Monster?
  • Das persönliche Kennen von Gott hat die Engel nicht daran gehindert ihm den Rücken zu kehren. Ist diese neue Regel, dass man an ihn Glauben muss ohne klare Evidenz, nicht vielleicht ein Trick, damit sich weniger Menschen von ihm abkehren? Das würde nicht gerade für ihn sprechen?
  • Kommen abgetriebene Föten in den Himmel? Wenn ja, wäre es dann nicht nett und im Interesse der katholischen Kirche möglichst viele Abtreibungen zu machen? Ja, man verspielt sein Seele und landet in der Hölle, hat aber viele Seelen gerettet.
  • Wenn Jesus Kinder gehabt hätte, hätte er sie geschlagen?
  • Finden Sie es okay, dass mich die gleiche Bestrafung erwartet wie Hitler, Stalin und Lord Voldemort? (Insbesondere nach diesen Fragen…)

  • Welche Fragen waren neu?
  • Welche Frage war die schwierigste?

  • Und als letzte Frage: Kennen Sie den DisOrganizer?

Das Problem ist, dass wenn ich dem Bischof begegne, dann werden wir uns gut verstehen. Und ich werde ihm die Fragen nicht stellen, weil er offensichtlich nicht den Blödsinn glauben kann, der als Prämisse hinter den Fragen steht. Doch das kann er und das tut er. Und deshalb sollte ich ihm die Fragen nichtsdestotrotz stellen. Auch wenn es ihn beleidigen wird und unsere Freundschaft damit zerstört wird.
Ich frage mich aber, ob der Umstand, dass er durch die Fragen beleidigt wird, nicht ein Hinweis darauf ist, dass er sich schon irgendwie bewusst ist, dass sein Glaube absurd ist. Und dass er ahnt, dass es eigentlich absurd ist, an etwas zu glauben, eben weil es absurd ist und es schliesslich keinen ultimativeren Liebesbeweis gibt. Man wird einfach nicht gern dabei erwischt.

BREAKING NEWS: Obama gibt Versagen zu

Wäre es zur Abwechslung nicht mal eine schöne Sache, wenn ein emeritierter Präsident der Vereinigten Staaten aufzählen würde, wo er in seinen Augen versagt hat? Er soll dabei keine Schuldzuweisungen machen, sondern einfach ehrlich darin sein, was er gern erreicht hätte.

Bei Obama könnte das zum Beispiel sein:

  • Die Kluft zwischen Schwarzen (und anderen Minderheiten) und Weissen zu beseitigen.
  • Hintergrundchecks für Waffenkäufe einführen.
  • Eine funktionierende allgemeine Krankenversicherung etablieren.
  • Akzeptanz von LGBT nach vorne bringen.
  • Abtreibungen legalisieren.
  • Kirchen besteuern.
  • Das Vertrauen in die Wissenschaft stärken.
  • Den Klimawandel abwenden.
  • Den Friedensnobelpreis redlich verdienen. Vielleicht durch die Herstellung des Weltfriedens?

Das wäre was.

Jeder, der die Liste sieht, weiss natürlich, dass man daran scheitern musste. Aber es wäre dennoch schön zu sehen, welche Windmühlen seinem Herzen am nächsten waren.

Und auch noch aus einem weiteren Grund könnte es eine gute Idee sein, ein solche Liste zu erstellen: So besessen wie Trump von Obama ist, könnte er noch Glatt all diese Dinge umsetzen nur um es ihm dann schadenfroh unter die Nase zu reiben.

Ein Gespenst geht um… die Verschwörungstheorie

Eine Freundin, deren Posts ich auf Facebook nicht mehr kommentieren darf, teilte den Artikel „Vom Kampf um die Öffentlichkeit“ von Prof. Dr. Michael Meyen. Dieser beginnt mit den berühmt-berüchtigten Worten: „Ein Gespenst geht um in Deutschland: die Verschwörungstheorie.“

Mal sehen, ob Meyen dann auch zu einem analogen Schluss kommt wie das marxsche Kapital…

In seinem Artikel bezieht sich Meyen exemplarisch auf den Spiegel-Artikel „Wut und Wahnsinn- Auf Marktplätzen und im Netz wird Stimmung gegen die Pandemiemaßnahmen geschürt. Verschwörungsideologen, extreme Rechte wie Linke nutzen die Unsicherheit der Bürger und vergiften die Debatte. Das hat auch die Lockerungen beschleunigt.“ und versucht daran aufzuzeigen, was heutzutage falsch läuft mit dem Journalismus.
Das zu tun, ist er durchaus qualifiziert, schliesslich ist er Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Nach einer kurzen Einleitung, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen werden, erkennt er, dass die Herangehensweise des Spiegels an das Thema einem altbewährten Muster folgt:

Der Text beginnt mit Pegida und Lutz Bachmann (also mit dem Bösen schlechthin), schwenkt dann zu den Protesten gegen „Corona-Beschränkungen der Politik“ und rührt in diesem Topf schließlich alle zusammen, vor denen man sich zu fürchten hat: „Rechtsextremisten, Impfgegner, Antisemiten, Verschwörungsideologen, Linksradikale, Alt-Autonome und Esoteriker“. Huuuh.

Sein Text beginnt mit einem Verweis auf die Reaktion der DDR-Medien in der Person von Rudi Röhrer, dem Chefredaktor der Leibziger Volkszeitung, auf die Proteste 1989, welche der Regierung dann bald mal um die Ohren geflogen sind. Also eigentlich nach dem genau gleichen Muster. (Ist das eine ironische Parallele?)

Journalismus soll informieren. Journalismus soll Wählerinnen und Wählern erlauben, sich selbst eine Meinung zu bilden. Der Spiegel traut uns das nicht zu. Auf genau acht Zeilen geht es um das, was Menschen in Berlin, Stuttgart, München auf die Straße getrieben hat. Der Job weg, das Restaurant zu, Probleme mit den Kids. Zusammengefasst: „Sie halten die Einschränkungen für unverhältnismäßig, protestieren ‚gegen staatliche Willkür‘, für die ‚Wiederherstellung der Grundrechte‘ oder die Rettung des Stuttgarter Nachtlebens“. Zweimal Anführungszeichen (Botschaft: von wegen Willkür, von wegen Einschränkung der Grundrechte) und zum Schluss der Schubs ins Lächerliche. Diese Rumtreiber und ihre Bars.

Hier hat er nicht ganz unrecht. Indem man sich die schlimmsten Demonstranten und deren Ansichten rauspickt, zeichnet man kein repräsentatives Bild über die Menschen, die sich genötigt fühlen an den Protesten teilzunehmen, und kann folglich auch nicht deren vielfältige Motivationen wiedergeben.
Die Anführungszeichen halte ich persönlich jedoch weniger für eine Diffamierung der Ideen, als vielmehr für einen Hinweis darauf, dass es Floskeln sind, die hier reflexartig von sich gegeben werden. Aber die Rettung des Stuttgarter Nachtlebens ist schon ein Schubs ins Lächerliche.
Unter dem Strich bleibt, dass die Demonstranten die Einschränkungen für unverhältnismässig halten. Diese Ansicht kann man haben, auch wenn man kein Rechtsextremist, Impfgegner, Antisemit, Verschwörungsideologe, Linksradikaler, Alt-Autonomer oder Esoteriker ist. Das stimmt schon. Aber wenn man dort demonstriert, tut man das an der Seite von diesen Leuten, die dort für ihre Ideen demonstrieren.
Eine Frage, die man hier meiner Meinung nach unbedingt stellen sollte, ist, wodurch sich die normalen Demonstranten von diesen – ich nenne sie mal – zwielichtigen unterscheiden? Ich würde sagen, es ist der Dunning-Krueger-Effekt. Der normale Demonstrant bildet sich ein beurteilen zu können, welche Massnahmen im Fall dieser Pandemie verhältnismässig wären. Die zwielichtigen haben stattdessen oder darüber hinaus eine politische Agenda, welche sie der Welt aufzuschwatzen versuchen.
Und interessant ist auch, dass die Proteste – obschon möglicherweise überwiegend von den Normalen besucht – oft gerade von den Zwielichtigen organisiert werden.

Wie man „gut“ und „böse“ auseinanderhält, wusste er [Rudi Röhrer] sicher schon. Hier „zahlreiche führende Ärzte und Virologen wie Christian Drosten von der Charité“ (Zahlreich! Führend!) und eine Sozialpsychologin, „die zu Verschwörungserzählungen promoviert und darüber gerade ein Buch geschrieben hat“ (Wissenschaft!). Dort ein „Berliner Dramaturg und Journalist“, der „sich mit kapitalismuskritischen Theateraufführungen einen Namen gemacht“ und jetzt auch stadtbekannte NPD-Funktionäre anzieht, oder ein „pro-russischer Journalist“, der sich „ständig“ von RT Deutsch und Sputnik interviewen lässt („Kreml-Propagandisten“). Merke: Was diese Menschen sagen, ist völlig egal. Das Etikett hilft uns, das Angebot zu sortieren.

Auch hier hat er nicht ganz unrecht. Es wird mit Labels gearbeitet. Es ist hier aber weniger „gut“ und „böse“, sondern eher „kompetent“ und „inkompetent“, was am Ende allerdings eigentlich wieder aufs gleiche hinaus läuft.
Tatsächlich müsste man sich, wenn man seriösen Journalismus betreiben will, auch die kompetentesten unter den Demonstranten herauspicken. Also Leute wie Virologen, Politologen, Wirtschaftswissenschaftler und Sozialpsychologen. So suggeriert man, dass es sie nicht gibt.
Persönlich vermute ich, dass wenn es sie gäbe, diese wohl medienwirksam präsentiert würden, andererseits folgen die zwielichtigen Organisatoren einer eigenen wissenschaftkritischen Agenda und kompetente Demonstranten würden da eher kontraproduktiv sein. Idealerweise müsste guter Journalismus sowas herausarbeiten, doch würde die Enthüllung, dass es den Organisationskomitees weniger um den Protest gegen die unverhältnismässigen Massnahmen als viel mehr um die Verbreitung ihres zwielichtigen Gedankenguts geht, wieder als Verteufeln von Demonstrationen per se ausgelegt werden. (Catch-22?)

Wer heute gegen „Verschwörungstheorien“ kämpft, kämpft um die Macht – um Definitionsmacht: Wer darf sagen, was wir „wissen“ und für richtig halten sollen?

Ich kämpfe gegen Verschwörungstheorien, sprich dagegen, an Orten Verschwörungen zu sehen, wo es nachweislich keine gibt.
Ich tue es, weil ich sie für gefährlich halte.
Ich halte sie für gefährlich, weil sie die wirkende Komplexität real existierender Probleme falsch einschätzen und dadurch Lösungen propagieren, die der Herausforderung nicht gerecht werden und die Situation im schlimmsten Fall noch verschärfen.

Wenn der Grund für ein Problem tatsächlich eine Verschwörung ist, dann ist es keine Verschwörungstheorie, sondern eine erwiesene Verschwörung. Das kommt tatsächlich hie und da vor. Doch so gut wie nie stecken die Weisen von Zion, die Pharmaindustrie oder Bill Gates dahinter. Mehr dazu weiter unten.

Ein weiterer Grund, weshalb ich gegen Verschwörungstheorien kämpfe: Verschwörungstheorien sind laut. Neben ihnen verstummt jede berechtigte Kritik.

Doch darauf geht Meyen nicht ein. Wenn der Kampf gegen Verschwörungstheorien, wie er sagt, ein Kampf um die Definitionsmacht ist, dann scheinen bei ihm Fakten keine Rolle zu spielen. Es geht allein um das Recht, eine eigene Meinung haben zu dürfen.

Umgekehrt würde es meines Erachtens mehr Sinn machen: Wer heute gegen Verschwörungstheorien kämpft, kämpft darum, wer sagen darf, welche Hypothesen als widerlegt gelten dürfen.
Und die Antwort darauf ist eigentlich ziemlich klar: Die Wissenschaft. Denn das ist ihre ureigenste Aufgabe: Falsche Vorstellungen nach eingehender und nachvollziehbarer Prüfung vom Tisch zu nehmen.

Aber vielleicht versteht Meyen unter Verschwörungstheorie auch etwas anders als ich. Nicht eine falsche Zuschreibung der Verantwortung für gewisse Ereignisse, sondern eine Form der Diffamierung des Gegners, bei der man ihm die Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu erfassen abspricht.
Deshalb „wissen“ in Anführungszeichen und nicht weil die Botschaft ist: von wegen wissen.

Vor 30 Jahren war das keine Frage. Vor 30 Jahren durften nur wenige öffentlich sprechen. Was „da draußen“ passiert, wie wir beschreiben, was da gerade passiert, und wie wir uns folglich einrichten in dieser Welt: In der guten, alten Zeit war das Sache der Massenmedien und damit der Journalisten. Wer Zugang zum Fernsehen hatte oder zur Presse, der konnte beeinflussen, was als Realität durchging. Es gab nur diese eine. Es gab nur das, was in der Zeitung stand, und das, was über den Bildschirm lief. Das Wörtchen „und“ täuscht dabei noch. Meist stand das in der Zeitung, was vorher über den Bildschirm gelaufen war. Oder umgekehrt.

Das stimmt schon. Was mir hier aber fehlt, ist die zeitliche Komponente. Wer Zugang zur Presse hatte, konnte die „Fakten“ präsentieren und beeinflussen, was als Realität durchging und wie in der Folge gehandelt wurde. Sprich er konnte Motivation und Handlung erschaffen. Wenn die „Fakten“ aber falsch waren, kam es früher oder später raus. Der Schaden war dann zwar schon angerichtet und die Drahtzieher über alle Berge, aber es kam raus und man zog (hoffentlich) die richtige Lehre draus.
Ich will nicht bestreiten, dass wir Opfer von vielfältiger Manipulation waren (und sind). Sicher waren (und sind) nicht alle falschen „Fakten“ bloss bedauerliche Irrtümer, manche wurden (und werden) ganz bewusst gesetzt um von der Wahrheit abzulenken. Doch als die Verschwörungen rauskaumen, hatte keine das Kaliber der grossen Verschwörungstheorien, wo Tausende von Menschen unter einer Decke stecken mussten1.
(Zugegeben, der Kalibervergleich ist sehr subjektiv. Da könnte man, je nach dem welche Prioritäten man den Verschwörungen beimisst, auch zu einer anderen Einschätzung kommen.)

Presse, Funk und Fernsehen definieren, was ist und was sein darf, und sorgen so dafür, dass die Realität der Massenmedien in Alltagshandeln und Weltanschauungen übernommen wird. Medien ordnen die Welt. Medien liefern die Kategorien, mit denen wir die Welt beschreiben. Politiker und Journalisten füttern den „Mythos vom mediatisierten Zentrum“, weil sie von ihm leben.

Da ist sicherlich was dran. Und das ist ohne Zweifel problematisch. Die Frage ist einfach wie gut sich diese Ordnung steuern lässt? Kann sie zu jedem beliebigen Punkt hin manövriert werden?
Das bezweifle ich.

Hinzu kommt, dass das Zuschreiben von Ordnungen und Kategorien seine Grenzen hat. Man kann die Gründe für die Mondlandung in andere Kontexte setzen und man kann sie als was gutes oder was schlechtes brandmarken, man kann damit aber nicht deren Existenzstatus ändern.

Sprich, ich kann die Geschichte auf verschiedene Arten erzählen. Gern mit mehr oder weniger Einfluss meiner bevorzugten Akteure. Ich kann aber nicht die Fakten leugnen.
Doch Verschwörungstheoretiker, die überzeugt davon sind, dass es gar kein Coronavirus gibt und dass Bill Gates uns mittels Impfungen Chips einpflanzen will, tun aber genau das. Sie behaupten, dass die Fakten anders liegen.

Es kann gut sein, dass manche der Demonstranten das so sehen. […] Aber darum geht es an dieser Stelle nicht. Es geht um die Frage, warum Der Spiegel und mit ihm die anderen Leitmedien plötzlich überall Verschwörungen sehen.

Das ist eine berechtigte Frage.
Leute, die denken, die Einschränkungen seien unverhältnismässig, sind nicht zwangsläufig Verschwörungstheoretiker. Wenn Massnahmen unverhältnismässig sind, dann sind wir Opfer staatlicher Willkür und müssen folglich die Wiederherstellung der Grundrechte fordern.
Man braucht dabei aber nicht überzeugt davon sein, dass die Politiker aus niederen Motiven handeln. Vielleicht sind sie auch einfach nur schlecht informiert. Oder leihen den panikverbreitenden „Experten“ das Ohr, die es auch nicht böse meinen, sondern einfach nur schlecht informiert sind.
Wenn es keine Verschwörung ist, dann sind die Leute an der Macht dümmer als der Demonstrant auf der Strasse.

Der Spiegel und mit ihm die anderen Leitmedien sollten also tatsächlich nicht nur überall Verschwörungen sehen sondern genauso selbsterklärte Klugheit.

Ich frage mich aber, wie viele Demonstranten bei allen Entscheidungsträgern und deren Beratern nur unglückliche Quellen vermuten und keine einzige aus niederen Motiven gezielt gesetzte Falschinformation?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sehr viele sind. Denn irgendwo steckt sicher ein Pharmalobbyist, der aus Profitgier lügt und damit die Situation gezielt steuert… Und Zack! ist es eine Verschwörungstheorie.

(Ich denke, dass es des Pharmalobbyisten tatsächlich gibt. Doch ich denke, dass er sich selbst als Teil der Lösung sieht und nicht als Teil des Problems (was er aber tatsächlich ist) . Und wenn er gewisse Details etwas beschönigt, dann ist er überzeugt, dass es im Interesse des grösseren Ganzen ist und dass die Folgen vergleichsweise harmlos sein werden (was sie tatsächlich nicht sein werden).
Klar gibt es auch die Skrupellosen, doch selbst bei denen werden sich die Sachen nicht allzu oft wie geplant entwickeln. Und selbst wenn, wir versuchen hier die Sache etwas differenzierter zu sehen und nicht vorschnell Etiketten zu verteilen ;)

Zuallererst aber hilft das Schlagwort „Verschwörungstheorie“ denen, die an der Macht sind, und ihren traditionellen Sprachrohren. Das stimmt auch deshalb, weil dieses Schlagwort ablenkt von den Problemen, über die man eigentlich sprechen müsste. Über die Qualität des Journalismus in dieser Krise zum Beispiel oder über all das, was sonst noch so auf den Transparenten steht. 

Und um was sonst noch so auf den den Transparenten steht?
Was steht denn da sonst noch so?
Wäre es an dieser Stelle nicht hilfreich, die Breite der Forderung aufzuzeigen, statt diese nur zu behaupten?

Die Medien machen sich nach Meyens Ansicht heute viel zu schnell der folgenden Fehler schuldig:

Etikettierung von Personen (was schneller geht, als sich mit Inhalten zu beschäftigen), Kontaktschuld (Sie veröffentlichen auf einer Plattform, auf der auch jemand unterwegs ist, dem man irgendetwas anhängen kann oder will) und implizite Verknüpfung.

Etikettierung hat aber auch Vorteile. Wenn die Inhalte lausig sind, kann man es sich sparen durch eine Auseinandersetzung mit diesen ihnen eine Plattform zu schenken. Damit hängt auch die Sache mit der Kontaktschuld/impliziten Verknüpfung zusammen.
Wenn ein Artikel auf der gleichen Plattform veröffentlicht wird wie die These, dass Angela Merkel die leibliche Tochter von Adolf Hitler ist, dann wird er von den gleichen Leuten gelesen. Und man generiert mehr Leser und Glaubwürdigkeit (und Einnahmen) für den Autor des anderen Artikels.

Genau deshalb organisieren die Zwielichtigen die Demonstrationen. Um mit Hilfe der Normalen ihre Etiketten los zu werden und ihre Ideen unter die Leute zu bringen.

Der Stempel „Verschwörungstheorie“ ist ein Generalangriff der Herrschenden auf den öffentlichen Debattenraum.

Und genau solche Aussagen leugnen die Gefahr, die von den Verschwörungstheorien ausgehen.
Aufrufe sich sachlich mit unbequemen Ideen zu beschäftigen, kommen verdächtig oft von der Seite, die verzweifelt versucht ihre nachweislich gefährlichen Ansichten in den öffentlichen Diskurs einzuschleusen.

Über Verschwörungstheorien muss man nicht reden und mit ihren Anhängern auch nicht. Verschwörungstheorien sind, so sagt es Michael Butter, einer der Wissenschaftler im Streitwagen der Macht, „falsch“. Immer. „Noch nie“ habe sich „eine Verschwörungstheorie im Nachhinein als wahr herausgestellt“ (Butter 2018: 37). Dass das Unsinn ist, sollte jeder Forscher wissen. Ob etwas „wahr“ oder „falsch“ ist, zeigt die Empirie.

Ich vermute hier gehen die Vorstellungen darüber, was eine Verschwörungstheorie ist, leicht auseinander.

Butter schreibt, dass es sich bei erwiesenen Verschwörungen „in den allermeisten Fällen um ‚relativ kurzfristig durchgeführte Vorhaben mit einem konkreten Ziel‘ gehandelt habe, wo in der Regel nur ein kleiner Personenkreis involviert war, während Verschwörungstheorien sich dem gegenüber durch vage Formulierungen, lange Zeiträume und grosses räumlichen Handeln auszeichnen.
In diesem Kontext ist die Aussage, dass sich eine Verschwörungstheorie noch nie im Nachhinein als wahr herausgestellt hat, vielleicht doch nicht ganz so unsinnig.
Man müsste sich aber mal anschauen, wie genau die Verschwörungstheorie die erwiesene Theorie vorausgesagt hat. Wenn sie es so präzise tun wie die Prophezeiungen von Nostradamus, dann… naja.

Es gibt ein feines Kriterium, mit dem sich die Qualität von Journalismus einschätzen lässt: publizistische Vielfalt (vgl. Rager/Weber 1992). Dieses Kriterium wurzelt im Pluralismusmodell: In der Gesellschaft gibt es viele und zum Teil gegensätzliche Meinungen und Interessen, die prinzipiell gleichberechtigt sind (die Interessen von Einzelpersonen und Außenseitern genauso wie die Interessen, die in Parteien oder Verbänden organisiert sind). Feld der Verständigung ist die Öffentlichkeit, wobei ein Ausgleich nur möglich scheint, wenn die verschiedenen Interessen in den Leitmedien artikuliert werden können …

Absolut! Diese verschiedenen Meinungen und Interessen ordnen die Welt nach ihrem Gusto und liefern die Kategorien, mit denen wir die Welt beschreiben – um diesen Gedanken von Oben nochmals aufzunehmen. Und diese Perspektivenvielfalt hilft uns Probleme zu identifizieren und sie zu lösen.

– ohne dass die (Ab-)Wertung gleich mitgeliefert wird wie in vielen der „Fakten-Checks“, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen.

WAS? Die Qualität des Journalismus verlangt es auf „Fakten-Cheks“ zu verzichten?
Dann ist das Fehlen von Medien, die die Flachheit der Erde propagieren, ein Armutszeugnis für die publizistische Vielfalt und folglich auch für die Qualität des Journalismus in einem Land?

Okay. Höchstwahrscheinlich habe ich da so manches falsch verstanden. Sicherlich auch ein bisschen, weil ich es falsch verstehen wollte.
Nehmen wir deshalb mal an, dass alles, was Michael Meyen in seinem Artikel schreibt, Hand und Fuss hat, und dass seine Kritik an den Medien absolut begründet ist und dass in den Medien tatsächlich ein unbegründetes Vorurteil gegen Demonstrationen existiert und „Verschwörungstheorie“ das bevorzugte Todschlagargument ist.

Jetzt stellt sich die Frage, ob er damit jemandem zuspielt.

„Schwarze haben im Durchschnitt einen tieferen IQ als Weisse.“ kann als Aussage, wenn in einer Fachzeitschrift der Neurologie geäussert, durchaus berechtigt und völlig unproblematisch sein. Wenn man sie aber in einer identitären Telegramm-Gruppe findet, sieht die Sache ganz anders aus.

Können Rechtsextremisten, Impfgegner, Antisemiten, Verschwörungsideologen, Linksradikale, Alt-Autonome, Esoteriker und normale Demonstranten, die lediglich die Einschränkungen für unverhältnismässig halten, den Artikel von Michael Meyen verwenden um ihre Position zu untermauern?
Absolut.

Stört ihn das?
Da bin ich mir nicht so sicher.
Er sagt nirgends, dass gewisse Ansichten tatsächlich faktisch falsch und gefährlich sein können. Ganz zu schweigen davon, dass er sie beim Namen nennt.
Und obgleich das nichts an der Rechtmässigkeit seiner Kritik an den Medien ändern würde, warnt er die Leser nicht davor, dass Massenaufläufe in Zeiten der Pandemie vielleicht nicht die beste Idee sind um seinem Unmut über das Handeln der Regierung Kund zu tun.

Eher im Gegenteil…

Innenminister und Polizisten denken im Moment laut darüber nach, wie die nächsten Demos laufen könnten. Die Leipziger haben sich damals nicht abschrecken lassen.

Also in meinen Ohren klingt das durchaus nach:

„Truther aller Länder, vereinigt euch!“

Adieu (Presse-)Freiheit?

Wie in der WOZ vor gut einem Monat zu lesen war, lässt man einen Fotografen, der weltweit in Krisengebieten wie in einem Hochsicherheitstrakt eines US-Gefängnisses, im Irakkrieg und in der radioaktiv verseuchten Sperrzone von Fukushima unterwegs war, hier in der Schweiz nicht seine Arbeit tun: Als er den Aufbau eines Notspitals fotografieren wollte, wurde er nicht hinein gelassen.

Ist das ein Skandal?
Ist das Zensur?
Ist das der Niedergang der Pressefreiheit?

Es wäre sicherlich ein Skandal, wenn die Beschränkungen nach der Krise weiter fortbestehen würden. Aber während einer Pandemie?

All die Krisengebiete waren keine Seuchenherde. In sich womöglich schon, aber es war eher unwahrscheinlich, dass der Fotograf von dort Menschenrechtsverstösse, Krieg und Tsunamis oder Reaktorschäden mit heim bringen würde.

Es mag schon stimmen, während des Aufbaus wäre die Übertragung von und auf Patienten keine Gefahr gewesen, doch in einer Zeit, in der man versucht so viele Kontakte wie möglich zu vermeiden, weil jeder Kontakt das Risiko birgt, dass das Virus weitergegeben wird, ist eine vorsichtige Haltung wohl grundsätzlich nichts schlechtes.
Und natürlich sollte alles dokumentiert werden, aber braucht es für Bilder vom Bau eines Spitals wirklich einen kriegserfahrenen Fotografen? Kann man die Dokumentation nicht der Baufirma überlassen, die das ohnehin macht?
Oder wird hier angedeutet, dass da auf der Baustelle mehr vor sich geht?

Frage am Rande: Hat der Fotograf versucht anders an die Bilder zu kommen? Hat er gefragt, ob er die Baustelle mit einer Drohne „besuchen“ darf? Oder ob er einem Bauarbeiter eine GoPro auf den Helm montieren darf? Oder ob eine berechtigte Person die Baustelle mit ihm im Videochat ablaufen darf?

Eine weitere Beobachtung im Artikel ist, dass bei Videokonferenzen die Fragen von kritischen Journalisten einfach ignoriert worden seien. Das ist tatsächlich bedenklich. Doch es hängt auch von den Fragen ab…
Besonders kritische Zeitgenossen bezweifeln ja gern auch mal die Existenz des Virus selbst und fragen sich, ob die Pandemie nicht bloss ein geschickt eingefädeltes Ablenkungsmanöver sein könnte. Dass deren Fragen irgendwann ignoriert werden, kann man keinem verdenken.

Frage am Rande: Warum wird im Artikel nicht erwähnt, welche Fragen ignoriert wurden?

Man darf mich nicht falsch verstehen, ich halte jede Beschneidung der Freiheit für höchst problematisch. Manchmal führt aber – zumindest für eine kurze Zeit – leider kein Weg daran vorbei.

Die wichtige Frage ist, wie lange darf man die Freiheit beschneiden?
Ich würde sagen, bis man es mit weniger Beschränkung hinkriegt, wobei man sich schon Mühe geben sollte, das so schnell wie möglich hinzukriegen.

Das Problem ist hier aber, dass man sich dabei theoretisch nicht wirklich zu beeilen braucht. Und dass viele Dinge wesentlich einfacher von der Hand gehen, solange die Beschränkungen gelten. Die Motivation die Beschränkungen aufzuheben ist also ziemlich klein.

Trotzdem!

Ich denke nicht, dass wir auf dem Weg in eine neue Weltordnung sind, in der uns im Interesse einer Elite – welche das auch immer sein mag – alle möglichen Rechte genommen werden. Aber ich muss den Verschwörungstheoretikern durchaus zugestehen, dass wenn wir es wären, die Situation wohl ungefähr gleich aussehen würde.
An einem bestimmten Punkt würden sich aber die Wege trennen. Und dieser Punkt ist der Moment, wo man es auch mit lockereren Beschränkungen hinkriegt.
Wenn an diesem Punkt die Beschränkungen gelockert werden, können wir aufatmen. Wenn nicht, haben wir es entweder mit der neuen Weltordnung zu tun. Oder mit einer gemächlichen Regierung.

Das Problem ist aber, dass sich der Moment, wo es auch mit lockereren Beschränkungen geht, schwierig zu erkennen ist. Um die Folgen einer bestimmten Strategie abschätzen zu können, braucht es Experten. Der „Gesunde Menschenverstand“ lässt einen da jämmerlich im Stich.
Erschwerend kommt hinzu, dass es „Güter“ gegeneinander abzuwägen gilt, die man eigentlich lieber nicht gegeneinander abwägen sollte. Wieviele Menschenleben ist uns die Rettung von 1 Prozent des Bruttoinhaltsprodukts wert? Eine richtige Antwort gibt es hier nicht. (Ein paar Antworten, ich denke da beispielsweise an Null oder Alle, sind aber natürlich ganz klar falsch.)
Je nach dem, ob es mehr oder weniger sind, verschiebt sich der Punkt, an dem die Beschränkungen gelockert werden.

Uns bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten.
Man kann sich gern auch für den Notfall wappnen. Aber bitte nicht in einer Form, die den Punkt, an dem die Beschränkungen gelockert werden können, weiter nach hinten schiebt.


Okay. Was lernen wir aus dem Artikel? – Dass gewisse Praktiken (in diesem Fall rund um den Journalismus) in einer Krisenzeit in einer unzufriedenstellenden bis beunruhigenden Art laufen können. Eine Auseinandersetzung darüber, ob das hier gerechtfertigt sein könnte, findet im Artikel jedoch nicht statt.

Werden Verschwörungstheoretiker diesen Artikel heranziehen um ihre Theorien zu untermauern? – Auf jeden Fall.

Stört es die Autorin? – Ich glaube nicht so sehr.

Stelle ich persönlich die Sicherheit vor die Freiheit? – Schon. Zumindest für eine beschränkte Zeit.
Vertrete ich damit eine faschistische Position? – Ich glaube nicht.