Eda Gregr
23.11.2017 um 14:00

Nehmen wir einfach mal an, das Universum wurde von einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen und intelligentem und in keinster Weise eifersüchtigen, kleinlichen, ungerechten, nachtragenden, rachsüchtigen, blutrünstigen, frauenfeindlichen, homophoben, rassistischen, kinds- und völkermörderischen, ekligen, grössenwahnsinnigen, sadomasochistischen, launisch-boshaften Designer erschaffen. Einem lieben Gott also, der wirklich alles in seiner Macht Stehende tut, um seinen Auserwählten den Himmel auf Erden zu bereiten.
Und da dieser Gott allmächtig ist, kriegt er den Himmel auf Erden auch hin. Weil ab einem bestimmten Level an Macht es nicht mehr eine Frage des Versuchens ist, sondern des Tuns oder des nicht Tuns – und im Fall der Allmacht ist dieses Level an Macht sicherlich erreicht.

Ist da aber nicht ein bisschen zu viel Leid und Schmerz für die Menschen in der Welt für einen Himmel auf Erden?
Schwer zu sagen. Vielleicht ist das ja das absolute Minimum an Leid und Schmerz, das überhaupt möglich ist in einer Welt, wo die Menschen einen freien Willen haben.
Die einen sagen, genau so sei es, die anderen sagen „Mumpitz“.

Da uns (zur Zeit noch) die Möglichkeit fehlt das nachzuprüfen1, empfiehlt es sich anders an die Sache ran zu gehen. Und zwar mit der Katzenlady und ihren Büsis.

KatzenladyDie Katzenlady liebt ihre Katzen. Sie tut alles für sie. Sie hegt sie und pflegt sie und füttert sie mit KitKat und leckeren Babies.
Aus der Sicht der Katzen ist die Katzenlady liebevoll und fürsorglich. Dass dafür süsse Babies verfüttert werden, ist zwar traurig, doch leider unumgänglich in der einen Welt, die Katzen ein absolutes Maximum an Genuss und Wohlbefinden ermöglichen soll.
Als liebevoll und fürsorglich werden die Eltern der Babies die Katzenlady wahrscheinlich nicht bezeichnen – auch wenn sie nicht bestreiten können, dass Katzen diese Art von Futter sowohl schmeckt als auch gut bekommt.

Was wenn wir gar nicht die Lieblinge Gottes sind?
Was wenn wir nicht die Katzen sind, sondern die Babies?

Statt uns irgendeinen Grund aus den Fingern zu saugen, der erklären könnte, inwiefern es den Menschen auf lange Sicht zugute kommt, wenn ihre Babies von Katzen verspeist werden, können wir uns auch einfach mal umsehen und schauen, welche Lebewesen frei von Sorgen sind und bereits den Himmel auf Erden geniessen? Und welchen Lebewesen der ganze Ärger, zu dem uns die Katzenlady zum Wohl ihrer Lieblinge angestachelt hat, zugute kommt?

Ratten? Kakerlaken? Bazillen? …

Und erst seit wir entgegen der ausdrücklichen Warnung der Repräsentanten der Katzenlady selbst angefangen haben Katzenlady zu spielen, hat die Glückssträhne der Auserwählten einen Dämpfer erhalten.

 

***

 

 

Wie der Himmel auf Erden aussehen könnte, weiss ich nicht.
Ich weiss nur, das die Welt, wie sie sich uns zeigt, nicht der Himmel auf Erden für die Menschen ist. Dafür hat es hier zu viel Leid und Schmerz.
Ich weiss nicht, ob eine Welt mit Menschen mit freiem Willen und ohne Leid und Schmerz überhaupt möglich ist.
Ich weiss nur, dass uns die Religionen im Jenseits ein Leben ohne Leid und Schmerz in Aussicht stellen. Dass nach ihrer Ansicht eine Welt ohne Leid und Schmerz also möglich sein müsste.
Ob es in jener Welt den freien Willen noch gibt, weiss ich hingegen nicht.
Ich weiss, dass Engel gegen Gott rebelliert haben sollen.

Ich ahne aber, dass man selbst den heiligsten Menschen, um ihn himmeltauglich zu machen, irgendwie körperlich oder geistig kastrieren müsste.

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Eda Gregr
22.11.2017 um 09:45

Darf man einer zwielichtigen Organisation anzugehören?
Wenn man selbst nichts zwielichtiges macht?

Nehmen wir als Beispiel die Hell’s Grannies. Ihnen wird Streitsucht und Vandalismus nachgesagt – obwohl davon in ihren Satzungen nirgends die Rede ist. Einmal im Jahr veranstalten sie – was dagegen durchaus in ihren Satzungen steht – eine Love Ride, wo sie behinderten Kinder mit einem Ausritt auf ihren schweren Bikes eine unglaublich grosse Freude machen.
Wenn meine Grossmutter sich nun den Hell’s Grannies anschliesst um etwas nettes für behinderte Kinder zu tun, ist das gut oder schlecht?
Was man den Hell’s Grannies nachsagt, hält sie für nicht tolerierbar, doch da sie die einzigen sind, die mit Motorrädern philantropisch arbeiten, bleibt ihr schlicht und ergreifend nichts anderes übrig als sich ihnen anzuschliessen, und damit das Untolerierbare irgendwie doch zu tolerieren. Zu ihrer Verteidigung, sie hat versucht selbst eine Love Ride zu organisieren, doch mit nur einem einzigen Töff ist es nun mal nicht das gleiche Glücksgefühl, wie wenn hunderte von schweren Maschinen gemeinsam durch die Gegend donnern.
Und wenn sie eine Hell’s Grannie wird, kann sie ja vielleicht von innen heraus was ändern…

Aber darf sie den Hell’s Grammies beitreten? Ich meine juristisch betrachtet.

Laut Strafgesetzbuch ist eine Organisation dann kriminell zu betrachten, wenn sie nicht davor zurückschreckt verbrecherische Mittel einzusetzen um ihre Ziele zu erreichen. Und eine Beteiligung an einer solchen ist strafbar.

Be­tei­li­gung an / Unterstützung ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on (Art. 260­ter Ziff. 1 Abs. 2 StGB)

1. Wer sich an einer Organisation beteiligt, die ihren Aufbau und ihre personelle Zusammensetzung geheim hält und die den Zweck verfolgt, Gewaltverbrechen zu begehen oder sich mit verbrecherischen Mitteln zu bereichern,
wer eine solche Organisation in ihrer verbrecherischen Tätigkeit unterstützt,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.

2. Der Richter kann die Strafe mildern, wenn der Täter sich bemüht, die weitere verbrecherische Tätigkeit der Organisation zu verhindern.

Sind die Hell’s Grannies eine kriminelle Organisation? (Und soll sie auf Strafmilderung hoffen?)
Einzelne ihrer Mitglieder waren in Verbrechen verwickelt. Das allein hat noch nichts zu bedeuten. Das trifft auf jede Organisation zu.
Die Organisation hilft solchen Mitgliedern. Auch daran ist noch nichts auszusetzen. In einer Gemeinschaft steht man sich bei. In guten wie in schlechten Tagen.
Die Organisation versucht die Verfehlungen ihrer Mitglieder zu vertuschen… Stop, jetzt wird es interessant: Selbst wenn sie gesetzlich vielleicht nicht verpflichtet ist, Straftaten, von denen sie Kenntnis hat, zu melden, so ist es doch etwas anderes, wenn man sich allein schon die Furcht vor der Organisation zunutze macht um jene umzustimmen, die vielleicht bereit wären Anzeige zu erstatten.

Das ist übel. Aber erfüllt es die Kriterien einer kriminellen Organisation?
Was wenn eine Organisation nur ihre finanzielle Struktur geheim hält, nicht aber die personelle Zusammensetzung?
Und wenn sie nicht den Zweck verfolgt, Gewaltverbrechen zu begehen und die Praxis sich mit verbrecherischen Mitteln zu bereichern (nach eigenen Angaben) längst aufgegeben hat?
Wenn sie sich einzig darauf beschränkt, ihre fehlbaren Mitglieder vor dem Zugriff der Justiz zu bewahren?

Ist eine Organisation, die straffällige Mitglieder deckt, eine kriminelle Organisation?
Und selbst wenn sie es nicht ist und es demzufolge auch nicht illegal wäre, sich einer solchen anzuschliessen: Sollte man sich einer solchen Organisation anschliessen wollen?
Weil welches Zeichen sendet man dann wohl mit der Mitgliedschaft aus?
Denn nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen…

 

 

Die Sache ist aber leider noch etwas komplizierter: Dass Unrecht wegen der Vertuschung nicht gesühnt wird, liegt in der einen Waagschale. In der anderen aber liegt hier die von den behinderten Kindern geraubte Freude, wenn es keine Love Ride mehr gibt, weil die Hell’s Grannies aufgelöst wurden.
Was ist uns wichtiger? Eine Verurteilung, welche das geschehene Leid nicht mehr ungeschehen machen kann oder das Kinderlachen?

Oder sollte man vielleicht auch das Leid berücksichtigen, welches durch Ereignisse entsteht, welche aufgrund der Vertuschung nicht verhindert wurden?

Und wie sicher sind wir uns eigentlich, dass sich die Love Ride nicht vielleicht doch von einer anderen Organisation organisieren liesse?

 

 

Es wurde schon klar, dass ich nicht wirklich von meiner Grossmutter sprach?
Und auch nicht von den Hell’s Grannies?

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Eda Gregr
07.10.2017 um 12:37

Schon mal gegen eine ganze Stadt gespielt?
Velo-Roulette bietet dir die Gelegenheit eine ganze Stadt herausfordern.

Spielregeln

Starte irgendwo, warte bis ein Velofahrer vorbeikommt und folge ihm (idealerweise mit dem Velo) so lange, bis er einen Verstoss gegen die Strassenverkehrsordnung begeht. Dann warte auf den nächsten vorbeifahrenden Velofahrer.

Ziel des Spiels

Irgendwo ankommen.
Wenn du es nicht schaffst, hat sie Stadt gewonnen.

Anzahl, Alter und Uniformen der Mitspieler

Man kann es alleine spielen oder auch in der Gruppe.
Wenn man mit einer grösseren Gruppe einer Person folgt, könnte das diese etwas verunsichern und zu einem vorschnellen Regelverstoss verleiten.
Vom Alter her. Nun ja. Man sollte Velofahren können. Und sehr, sehr lange weg bleiben dürfen.
Polizeiuniformen sind verboten!

Trivia

Zürich hat noch nie verloren.

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Eda Gregr
04.10.2017 um 08:40

Wirst du im Himmel glücklich sein?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich nicht dort bin?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich gerade unsagbare Qualen erleide?

Was müsste ich im Leben angestellt haben, damit dir der Umstand, dass ich eine Ewigkeit in der Hölle schmore, nicht den Tag verdirbt?
Jemanden umgebracht? Viele umgebracht? Sehr viele grausam umgebracht? Kinder missbraucht? Etwas gestohlen? Schweinefleisch gegessen? Masturbiert? Mich rasiert? Nicht an die Existenz Gottes geglaubt – sei es aus Trotz oder weil mir einfach die Gründe dafür nicht gut genug erschienen?

Hat Gott hierbei die gleiche Toleranzgrenze wie du?
Und was wenn nicht?

Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel die Fähigkeit genommen wird, dir über mich in der Hölle Gedanken zu machen?
Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel egal ist, ob ich in der Hölle bin?
Ist es okay für dich, wenn du nicht weisst, dass ich in der Hölle bin?

Würdest du für mich gegen das Urteil ankämpfen und wenn nötig gegen Gott rebellieren?

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Eda Gregr
02.10.2017 um 23:52

Die ein klitzekleines bisschen identitäre Vloggerin Lauren Southern meint in einem ihrer Youtube-Beiträge, dass an Trumps Bedenken, dass nach Lees Statue schon bald auch jene von Washington und Jefferson drankommen könnten, durchaus was dran sei, schliesslich hätten alle Menschen gute und schlechte Seiten. Und wenn man alle Statuen von Leuten abreissen würde, die Dreck am Stecken hatten, bliebe wohl keine mehr übrig. Die Idee von Denkmälern sei aber, die Leute daran zu erinnern, dass man aus der Geschichte lernen kann. Und das hätten wir bitter nötig.
Dem will ich gar nicht widersprechen. Es fragt sich nur, welche Lektion die Geschichte für einen bereit hält im Fall der Statue eines Südstaatengenerals?
(Und ob einem die wirklich in den Sinn kommt, wenn man in ihrem Schatten picknickt und/oder demonstriert?)

General Robert Edward Lee war ein hervorragender Stratege und Taktiker, der es regelmässig schaffte mit deutlich unterlegenen Kräften seinen Gegnern das Leben schwer zu machen. Seine Schlachten werden noch heute in Militärakademien als Fallbeispiele durchgenommen und seine Büste verdient an einem Ort, der Leichenberge zu schätzen weiss, sicherlich einen Ehrenplatz…

Es mag vielleicht noch okay sein, sich bei einem Picknick unter einem Denkmal über die hohen Verluste der Bolschewiken, Charlies, Krauts und Tommies zu amüsieren und sich dabei überlegen zu fühlen – sowas stärkt das nationale Selbstbewusstsein. Doch wenn die Toten Landsleute waren – und diese sich für nachweislich die bessere Sache eingesetzt haben, dann sollte man sich im Interesse eines harmonischen Zusammenlebens mit der Euphorie vielleicht lieber etwas zurückhalten.

Als Faustregel für Statuen könnte also gelten: An öffentlichen Plätzen lieber Statuen nur von jenen, die auf der siegreichen und/oder der moralisch richtigen Seite standen.

So zeigen Statuen von Siegern Stärke und Entschlossenheit, indem sie ein mahnender Finger für all jene sind, die mit dem Gedanken liebäugeln, irgendetwas mit Gewalt erzwingen zu wollen.
Und Statuen von Märtyrern zeigen Charakter1, weil sie uns daran erinnern, dass uns auch die drohende Niederlage nicht davon abhalten soll, das richtige zu tun.

Die Sache ist aber die, dass der Umstand, dass ein General, der vor 150 Jahren einen aussichtslos erscheinenden Krieg allein dank seines überragenden strategischen Geschicks gewann2 und damit die Zukunft des Landes massgeblich beeinflusst hat, zwar Geschichtsenthusiasten in Erregung versetzt, davon abgesehen aber nichts mehr bedeutet. Die Stärke und Entschlossenheit und auch der Charakter mögen vor 150 Jahren beeindruckend Gewesen sein, doch braucht davon in der Zwischenzeit nicht viel übrig geblieben sein.
Sicher, die Welt sähe heute anders aus, wenn er verloren3 hätte, aber das täte sie auch, wenn Jakob Jucker am 3. Juli 1863 Kohlsuppe gegessen hätte. (#Butterflyeffect)
Andererseits, er war ein Held und als ein solcher verdient er es, dass man sich seiner erinnert. Nicht weil er ohne Fehl und Tadel war, sondern weil er seinen Fehlern zum Trotz Grosses vollbrachte. (#Inspiration)

Bevor man aber eine Statue des Helden errichtet, sollte man sich vergewissern, dass er das Grosse schon aus den richtigen Gründen getan hat.
So wirft beispielsweise der Umstand, dass jemand die Sklaverei nur abschaffte, weil er bei einer Wette verloren hat, ein etwas schräges Licht auf unseres Helden.

Bei Washington, der als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee die Britten besiegte und in seiner Funktion als erster Präsident vor allem um innenpolitische Stabilität bemüht war, ist der Besitz von Sklaven noch kein so grosser Anachronismus.
Bei Jefferson jedoch, der sich neben der Trennung von Religion und Staat, der föderalen Struktur der Vereinigten Staat auch sehr deutlich für die Freiheit des Einzelnen einsetzte, passt das nicht mehr zusammen. In einem solchen Fall sendet eine Statue tatsächlich sehr gemischte Signale aus, welche nicht umkommentiert gelassen werden sollten. Was jedoch auch eine Chance ist, denn um wie viel lehrreicher ist ein Denkmal, wenn man sich beim Betrachten desselben bewusst würde, dass selbst ein so intelligenter Menschen wie Jefferson einen so massiven Widerspruch zu seinen eigenen Prinzipien nicht bemerken wollte. (#Demut)

Ein Frage am Rande: Was wenn man die Skulptur eines berüchtigten Rassisten nimmt und auf einem Sockel mit der Inschrift „Hoch lebe die Multikulti!“ stellt?4
Die Statue würde Rassisten anlocken und der Sockel sie vertreiben. Ignorieren geht nicht. Und sich bei einem (teil-)demolierten Denkmal zu treffen ist auch komisch.

Man könnte natürlich auch gleich Statuen von „Bösewichten“ aufstellen. Als Mahnmal für die dunkeln Abgründe der menschlichen Existenz. Als Erinnerung an die allzu leichte Verführbarkeit.
Hier muss man aber höllisch aufpassen, dass da nichts verwechselt werden kann. Es besteht nämlich die akute Gefahr, dass man den Verführer versehentlich für den Helden hält – so wurde er ja überhaupt erst zum „Bösewicht“. Respektive weniger versehentlich, dass man die Stärke des bösen Herrschers für eine bessere Führung als die Milde des netten Herrschers hält.

In meinen Augen könnte ein unverwechselbares Mahnmal beispielsweise eine Szene darstellen, in der ein Herrscher ein Massaker an wehrlosen Menschen anstellt. Was könnte daran nicht als Warnung vor skrupellos machthungrigen Herrschern verstanden werden? Als eine Aufforderung sich solchen Menschen entgegen zu stellen, in welcher Form sie auch auftauchen mögen.

 

Narmer-Palette,
gefunden in Hierakonpolis,
Prädynastische Periode, um 3000 v. Chr.

 

Wenn man sich aber die Narmer-Palette anschaut, dann wird genau das Massaker an wehrlosen Menschen als eine bewundernswertes Symbol der Macht benutzt.
Was mich abstösst, kann andere also durchaus auch anziehen.

 

Robert E. Lee Statue in Charlottesville

 

Wofür also steht die Statue von Robert E. Lee und wie kann man sie interpretieren?

Er hat zwar Schlachten gewonnen, den Krieg aber verloren. Sie steht also nicht zum Andenken daran, dass der Süden Siegertypen hervorbringt.
Er hat auch nicht für die gute Sache gekämpft. Er kämpfte für das Recht der Staaten, Bundesgesetze, die ihnen nicht passen, nicht umsetzen zu müssen5 oder andernfalls die Union verlassen zu dürfen. Und das Gesetz, das er aus Prinzip nicht übernehmen konnte/wollte, war die Abschaffung der Sklaverei – obwohl er diese privat eigentlich für eine üble Sache hielt, die sich – wie er überzeugt war – früher oder später von alleine erledigen würde. Die Statue steht also nicht dafür, dass sich eine Demokratie nicht von einer Minderheit erpressen lassen darf.
Sie steht demzufolge auch nicht für die Einheit der Nation.
Und auch nicht dafür, dass einem weder Wirtschaft noch Stolz im Weg stehen sollen, wenn es darum geht die Sklaverei abzuschaffen.
Die Statue glorifiziert aber auch nicht die Sklaverei – zumindest nicht für die, die sich gegen deren Entfernung wehren – zumindest nicht notwendigerweise. Ich denke nämlich nicht, dass sich heute noch irgendwer die Sklaverei zurückwünscht. Apartheid durchaus, aber nicht die Sklaverei. Schliesslich speisst sich der Rassismus heute in vielen Fällen aus der Verzweiflung der Arbeitslosigkeit. Da wünscht man sich weniger Leute, die einem die Arbeit wegnehmen, nicht billigere.
Die Statue steht auch nicht für eine Gesinnung, „deren Fundament auf der großen Wahrheit ruht, dass der Neger dem weißen Mann nicht gleichwertig ist“6 – auch wenn jene, die sich gegen deren Entfernung wehren, in einer überwiegenden Mehrheit diese teilen.

Sie steht für die Souveränität und den Stolz der Staaten. Dafür, dass die Minderheit sich nicht um die Marschrichtung der Mehrheit zu scheren braucht.
Sie steht für die Freiheit ein Rassist sein zu dürfen.
Sie könnte auch für das Recht auf Abtreibung und die Homoehe stehen, wenn die Südstaaten gegen den Willen der Nordstaaten diese hätten legalisieren wollen. Doch das taten sie (zufälligerweise) nicht und deshalb scharen sich heute Faschisten um das Denkmal und protestieren aus Liebe zur „westlichen Kultur“ gegen Juden, LGBT, Abtreibung und Rassenvermischung.

Es ist die Statue eines bemerkenswerten Mannes, der in einer schwierigen Zeit die – aus heutiger Sicht – genau falschen Entscheidungen traf. Was eigentlich ein guter Grund wäre für ein Mahnmal mit einer sehr ausführlichen Beschreibung der Umstände. So eins mit Seiten und Buchdeckeln drumrum vielleicht.
Es sind nicht Statuen, welche die Geschichte bewahren, sondern Bücher!
Statuen nieder zu reissen, lässt uns die Geschichte noch lange nicht vergessen, geschweige denn zerstören.
Im Gegenteil neigen Statuen eher dazu die Geschichte zu verzerren. Sie stellen die Helden als letztendliche Sieger dar.
Und Statuen reduzieren die Geschichte. Sie machen uns bloss darauf aufmerksam, dass es da mal einen Robert E. Lee gab. Was es mit ihm auf sich hatte, wird aber der Recherchefähigkeit oder der Fantasie des Betrachters überlassen.
Ist eine solche Verzerrung und Reduktion nicht viel eher eine Zerstörung der Geschichte?

Was zerstört die Geschichte wohl mehr? Keine Statue oder eine Hollywoodverfilmung der Geschichte?

Und so will ich auch mit Lauren Southerns Worten enden:

Destroy history and you will lose your sense of it,
Lose your sense of history and you’ll blindly repeat it.

Was wir um jeden Preis nicht mehr wiederholen wollen, ist der Aufstieg des Faschismus.
Dessen erster Schritt der Schutz der westlichen Kultur ist.
Für den sich die Identitären und Lauren Southern so engagiert einsetzen.

 

Aber seien wir ehrlich. Eigentlich geht es hier gar nicht um die Statue.
Nicht denen, die verhindern wollen, dass sie abgerissen wird, denn diesen geht es um den Schutz der „westlichen Kultur“, für die Lee nicht wirklich ein Vorreiter war.
Und auch nicht denen, die verhindern wollen, dass verhindert wird, dass sie abgerissen wird, denn diesen geht es darum, die Idee von der bedrohten „westlichen Kultur“ als eine faschistische blosszustellen, welches darauf ausgelegt ist die Menschenrechte auszuhebeln.
Die Statue ist lediglich der Ort, wo die Kameras stehen.

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Eda Gregr
09.09.2017 um 19:07

Das Buch der Liebe

Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Wasch dir vor dem Essen die Hände. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich werde dir den Bauch aufschlitzen und dir deine Eingeweide herausreissen, wenn du mich nicht liebst. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich.

Ein Gedankenexperiment: Man lege „Das Buch der Liebe“ (siehe oben) zwei Leuten vor. Nennen wir sie Christian und Christoph. Auf die Frage, ob sie einen repräsentativen Satz nennen können, antworten sie folgendes:

Christian: „Ich liebe dich.“
Christoph: „Ich werde dir den Bauch aufschlitzen und dir deine Eingeweide herausreissen, wenn du mich nicht liebst.“

Welcher der beiden hat recht und wer cherrypickt?

Die überwiegende Mehrheit der Sätze entspricht tatsächlich exakt jenem vom Christian. Allerdings ist der Satz von Christoph nicht einfach ein anderer etwas seltenerer Satz. Er lässt uns alle anderen Sätze auf einmal ganz anders sehen. Es geht im Buch der Liebe zwar immer noch um Liebe, aber ich sollte es vielleicht lieber nicht mehr meiner Liebsten zum Valentinstag schenken…

 

 

Da ist aber noch ein anderer Satz: „Wasch dir vor dem Essen die Hände.“
„Das Buch der Liebe“ muss zwar eindeutig als ein verstörendes Werk betrachtet werden muss, von dem man besser die Hände lässt. Doch das ändert nichts daran, dass es durchaus richtig ist, sich die besagten Hände vor dem Essen zu waschen.
Bedeutet das, dass es doch ein Buch ist, das man verschenken kann? Und sogar nicht nur zum Valentinstag. Ich meine, die Anweisung sich die Hände zu waschen, kann einem schliesslich buchstäblich das Leben retten.
Ist vielleicht dieser Satz der repräsentativste? Weil nützlichste. Und alle anderen die gecherrypickten?

 

 

Vielleicht hilft uns ein Blick in den Kirschbaum aller Bücher weiter:

Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Matthäus 7,15–20

Im „Buch der Liebe“ ist die Liebeserklärung eindeutig das Schafskleid und durch das Bauchaufschlitzen wird der inwendige Wolf entlarvt. Und die Fäule der Frucht ist die Furcht, die einen beschleicht, wenn einem klar wird, dass es sich um eine obsessive Liebe handelt.
Ergo ist das „Buch der Liebe“ ein fauler Baum.
Aber die Sache mit dem Händewaschen ist eindeutig eine gute Frucht.
Also ist es ein guter Baum, weil ein fauler Baum nicht gute Fürchte bringen kann…

Der Rückschluss von der Qualität einer Frucht auf die Qualität des Baumes ist nicht ganz unproblematisch. Wenn alle bisher getesteten Früchte eines Baumes sich als faul erwiesen, erhöht das zwar die Wahrscheinlichkeit, dass auch die nächste zu testende Frucht faul ist, es macht es aber keineswegs notwendig. Das wäre ein Fehlschluss (ein so genanntes argumentum ad arborem).

Was faule Früchte sind, ist klar. Für die kann es aber verschiedene Ursachen haben:
Wenn es eine Baumkrankheit ist, welche alle Früchte faul werden lässt, dann ist es wohl schon ein fauler Baum und der hat dann wohl nur faule Früchte.
Wenn es aber eine Krankheit ist, die nur die Früchte befällt und sich allein über diese ausbreitet, dann ist es trotz der faulen Früchte offensichtlich kein fauler Baum. Denn er wird das nächste Jahr wieder gute Früchte tragen.
Wenn man die Krankheit nicht kennt, kann man aus der blossen Existenz von faulen Früchten keine Rückschlüsse auf die Gesundheit des Baumes ziehen.

Wohlgemerkt, in beiden Fällen kann es Sinn machen, den Baum auszureissen. Selbst dann wenn nur die Früchte faul sind. Dies kann nötig sein um die Fäule daran zu hindern auch noch die Früchte auf anderen Bäumen zu befallen.

Diese Vorstellung, dass ein Baum ausschliesslich gute oder faule Früchte tragen kann, ist absurd. Eine echt faule Frucht.
Da wollen wir lieber nicht der Empfehlung folge leisten, die uns die Bibel gibt für den Fall, wenn wir irgendwo faule Früchte finden…

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Eda Gregr
01.08.2017 um 09:33

Jesus ist also für unsere Sünden gestorben. Nun ja, nicht so richtig. Er war vielleicht klinisch, aber noch nicht so richtig mause tot. Am Montag kam er ja wieder zurück. Er hat ein Wochenende für unsere Sünden geflatlinert geopfert.
Aber nicht einfach irgendein Wochenende – das muss man ihm schon lassen -, sondern das Osterwochende! Er verzichtete für unsere Sünden auf das Ostereiersuchen1! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das für die Sünden anderer das getan hätte…

Man darf mich nicht falsch verstehen, ich bin gern bereit jemandem seine Sünden zu verzeihen, ich würde es mich lediglich nicht besonders viel kosten lassen, es tun zu dürfen.

Das hängt aber vielleicht auch davon ab, was es zu verzeihen gilt…
Ich habe auf die Schnelle vier(einhalb) Sünde-Archetypen identifiziert:

Typ 1

Wenn einer manchmal masturbiert, sich rasiert oder Helene Fischer hört und jetzt deswegen (mir gegenüber???2) ein schlechtes Gewissen hat, dann werde ich ihm erklären, A) dass ich das nicht wissen will und B) dass man sich dafür nicht zu schämen braucht. Und wenn er dennoch drauf besteht, werde ich es ihm gern verzeihen. Und wenn es ihm nur dann die erwünschte Erleichterung verschafft3, wenn ich das Verzeihen durch ein Opfer besiegle, dann werde ich (stirnrunzelnd) vielleicht auf das Bier verzichten, das ich ohne diese Episode ohnehin nicht getrunken hätte4. Ein grösseres Opfer werde ich aber höchstwahrscheinlich nicht erbringen.
Theoretisch könnte ich natürlich das Trinken des Biers als etwas furchtbares darstellen und den Humpen dann (angeblich) angewidert runterschütten, doch das erscheint mit nicht ganz ehrlich. Nichtsdestotrotz sollte man, wenn jemand „gern“ für die Sünden anderer leidet, vielleicht mal fragen, ob er es nicht auch ohne die Sünden „gerne“ tut.

Typ 2

Wenn einer mich belogen, betrogen oder bestohlen hat und jetzt deswegen mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, so werde ich ihm gern verzeihen, nachdem er alles wieder gut gemacht hat und mich davon zu überzeugen vermochte, dass er so etwas nie wieder weder mir noch irgend jemand anderem antun wird. Dass ich ihm verzeihe, bedeutet, dass ich in Zukunft diese „Jugendsünde“ nicht mehr in meine Erwägungen mit einbeziehen werde – er soll sich aber hüten, sowas nochmals zu tun.
Wenn ich das Verzeihen (ob nun auf sein oder mein Drängen hin) mit einem Opfer meinerseits kombiniere, …

… dann wirft das ein sehr, sehr seltsames Licht auf MICH!

Hier wieso: Man stelle sich vor, ein Kind stellt was an und der Vater bestraft und verzeiht. Unter welchen mysteriösen Umständen könnte es da nötig sein, dass der Vater den Akt des Verzeihens mit einem schmerzlichen Opfer seinerseits kombiniert?
Nur unter denen, dass der Vater traditionell etwas später das Kind für den gleichen Blödsinn nochmals bestraft und ihm danach erneut verzeiht. Und dann etwas später das Kind nochmals für den ursprünglichen Blödsinn bestraft und ihm dann verzeiht…

Das Opfer macht nämlich nur Sinn, wenn ich vergesslich bin und das SM-Ritual dafür sorgen soll, dass ich es ganz sicher nie wieder vergesse!

Typ 2a

Und wenn dieser Kerl von eben (der mir hoch und heilig versprochen hat, nie wieder jemanden zu belügen, zu betrügen oder zu bestühlen) jemanden belügt, betrügt, bestielt oder gar umbringt und mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, weil er seinen Eid gebrochen hat, dann werde ich ihm erklären, dass meine Absolution allein nicht ausreicht um wieder ein reines Gewissen zu haben. Dafür braucht es das Okay eines jeden Betroffenen und je nach Art des Verbrechens auch das der Polizei. Und das völlig ungeachtet dessen, ob ich prominent bin oder mir während des Verzeihens in den Finger geschnitten habe.

Nun ja, wenn ich mir in den Finger schneide, fluche ich für gewöhnlich. Wenn ich in einem solchen Moment jemandem grossherzig seine Fehler verzeihe, dann wäre das schon auch denkwürdig.
Andererseits stellt sich hier die alte Frage, wie weit man Aussagen Glauben schenken darf, wenn sie in einem psychologischen Ausnahmezustand formuliert wurden wie jenem, in dem man sich befindet, wenn einem der Finger blutet (geschweige denn wenn man gerade an einem Kreuz hängt)?


Wir wissen, dass Dinge, die unter Folter gesagt werden, weniger der Wahrheit entsprechen als viel mehr dem, was der Folterknecht hören will. Kreuzigung ist Folter. Wie glaubwürdig ist dann wohl das „Ich sterbe für eure Sünden“?

Gibt es nicht einen anderen Weg, als das Okay von allen Betroffenen einzuholen? Das Problem ist, vielleicht ist eins der Opfer ein sturer Bock, der mehr an Wiedergutmachung verlangt als ihm eigentlich zusteht. Kann eine Drittperson hinzugezogen werden? Oder ein Experte?

Ausschliessen möchte ich hier explizit einen naturwissenschaftlichen Experten. Wenn ein Neurochirurg belegen kann, dass eine Handlung beispielsweise allein auf das Vorhandensein eines Tumors zurückzuführen ist, dann kann diese Erkenntnis das „Verbrechen“ durchaus verzeihen. Dass ihm die Opfer böse sind, ist dann in etwa so sinnvoll, wie wenn sie dem Hagelsturm böse sind, der ihnen das Auto perforiert hat.
Natürlich werden die Opfer dennoch rachsüchtig sein und der Täter dennoch ein schlechtes Gewissen haben, von der ethischen und moralischen Seite her ist die Sache aber eigentlich erledigt.

Analog kann man auch überrissene Wiedergutmachungsforderungen zurückweisen, wenn die naturwissenschaftlichen Experten nachweisen können, dass diese pathologische Ursachen haben.

Kann eine Ethikkommission oder ein Priester (oder ein Gott) die Aufgabe des Verzeihens statt der Geschädigten übernehmen?
Ich hege da so meine Zweifel.
Ich will ja nicht bestreiten, dass man Vergebung „outsourcen“ kann, sprich dass man das Urteil eines Pfarrers darüber, ob man jemandem in einem konkreten Fall verzeihen sollte, übernehmen kann. Andererseits hat der Pfarrer aber kein Recht das Verzeihen einzufordern. Er ist also bestenfalls ein Berater.
Wenn ein Übeltäter dank der Absolution eines Pfarrers wieder ein gutes Gewissen hat, obschon die Opfer es ihm noch nicht verziehen haben, dann hat der Pfarrer seine Kompetenz überschritten.

Ich habe mal mit einem Pfarrer gesprochen, der mir erklärte, dass es auch schon vorgekommen sei, dass er beispielsweise das vom reuigen Beichtling entwendete Geld anonym wieder zurück gegeben habe. Für den Pfarrer war das okay. Und der Dieb hat die Absolution erhalten.
Aber ist das wirklich okay?
Ich will ja nicht bestreiten, dass der Beichtling seine Lektion gelernt hat und die Gefahr für alle Zukunft gebannt ist. Ich will auch nicht ausschliessen, dass die ganze Angelegenheit bereinigt werden kann, ohne dass das Opfer überhaupt merkt, dass es ein Opfer war. Doch um das beurteilen zu können, braucht es eine naturwissenschaftliche Expertise im Sinne von, dass sie nachvollzieh- und von Peers bestätigbar ist. In diesem Moment vom heiligen Geist beseelt zu sein, reicht nur, wenn es dafür ein naturwissenschaftliches Attest gibt.

Zurück zu den Leuten, die mir gegenüber ein schlechtes Gewissen haben.

Typ 3

Wenn einer nicht glaubt, was ich behaupte, und es sich dann als wahr erweist, und er jetzt deswegen (mir gegenüber) ein schlechtes Gewissen hat, dann sollte ich ihm ehrlicherweise zugestehen, dass in diesem Fall das schlechte Gewissen wohl eher ich haben sollte, weil ich es nicht geschafft habe, es ihm auf eine für ihn verständliche und nachvollziehbare Weise zu präsentieren. Oder aber dass ich (oder jemand anders) in der Vergangenheit vorsätzlich (!) so viel Mist verzapft habe, dass er es inzwischen für eine sicherere Strategie hält, nichts mehr zu glauben. In diesem Fall ist ein Opfer in Form einer Bestrafung meinerseits und ein Verzeihen ihm gegenüber durchaus angebracht, lediglich sollte nicht der Eindruck entstehen, dass er irgendwas falsch gemacht hat.

Typ 4

Und auch wenn einer das von mir in ihn gesetzte Vertrauen nicht erfüllt und jetzt deswegen (mir gegenüber) ein schlechtes Gewissen hat, ist das eigentlich mein Problem und nicht seins. Vorausgesetzt, dass der Vertrauensmissbrauch nicht von der Art ist, wie es beispielsweise der Fall ist, wenn ich jemandem meine Blumen über die Ferien zum Hüten gebe und er sie jämmerlich vertrocknen lässt – denn das gehört in die Belogen-, Betrogen- und Bestohlen-Kategorie. Sondern ich meine damit das Vertrauen, das ich in einen Pudel beim Hunderennen setze, der dann aber nicht gewinnt und dann, ob meiner Enttäuschung über sein lausiges Abschneiden, ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hat. Dass der Hund ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hat, hat in einem solchen Fall aber weniger mit seiner Schuld zu tun als vielmehr mit meiner Fähigkeit ihn zum Sündenbock zu machen. Er konnte ja unmöglich wissen, dass ich wollte, dass ausgerechnet er gewinnt.
Wenn ich es ihm zu verstehen gegeben hätte, hätte er meine Erwartungshaltung richtig stellen (oder mich belügen) können. Aber so ist mein Verzeihen ihm gegenüber schlicht heuchlerisch und mein theatralisches Opfer soll mich insgeheim lehren in Zukunft die Finger von Hunderennen zu lassen.

Fazit

Wenn das Leiden auf Seiten des Vergebenden stattfindet, dann ist was faul. Punkt.
Wenn man masochistische Neigungen hat, darf man es aber gern so praktizieren, besondere Dankbarkeit sollte man für diese Geste aber nicht erwarten.

Ob eine Gesellschaft netter zueinander wird, wenn man sich während dem Akt des Verzeihens in den Finger schneidet, bezweifle ich, möchte es aber ohne eine entsprechende Studie nicht kategorisch ausschliessen. Ansätze für eine Studie in diese Richtung kann man im Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche sehen, wenn dort auch etwas durcheinander kam und der Sünder statt des Jesus-Stellvertreters zur Kasse gebeten wurde.

Ehrlich gesagt, bezweifle ich sogar, dass die noble Geste von Jesus am Kreuz funktioniert hat. Er hat sehr gelitten. Das schon. Es ist aber nicht so, dass uns diese von da an nicht mehr weiter nachgetragen werden. Schliesslich ist die Geburt von Kindern noch immer schmerzhaft – hab ich mir sagen lassen.

Ich meine, wenn ein Kind ungehorsam ist und der Vater zur Strafe seinem Teddybären den Arm ausreisst. Dann kann das eine „gerechte“ Strafe sein5. Und wenn das Kind dem Bären den Arm mühselig wieder annäht, dann kann es noch immer ein Teil der „gerechten“ Strafe sein, wenn er der Vater dem Bären den Arm erneut ausreisst. Zumindest so lange, bis der Vater erklärt, dass die Schuld beglichen und dem Kind vorziehen ist.
Dann wird der Bär gezeichnet sein von der langen Periode der Strafe. Und unter Umständen wird das Spiel mit ihm beeinträchtigt sein. Das sind nun mal die Konsequenzen der Strafe. Doch der Vater sollte dann – verdammt nochmal – nicht damit fortfahren dem Bären den Arm auszureissen!

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Eda Gregr
12.07.2017 um 13:24

Albert Pfisters „Abendstimmung mit Pilatus“ – dieses Bild hing im Seminarraum

Ist es nicht seltsam, wenn man im Kurs So schreibt man heute den Rat bekommt, auf Passivsätze, Substantivketten, Adjektive, tote Verben und Kursiva zu verzichten, weil sie heutzutage eine wahre Plage seien?

Ich will ja nicht bestreiten, dass diese Undinge den Lesefluss behindern und jeder Text von ihrer Abwesenheit nur profitieren kann, das ändert aber nichts daran, dass die meisten Leute heute genau diese Undinge verwenden, ergo man heute so schreibt. Insofern hätte der Titel der Veranstaltung eigentlich eher lauten sollen: So schreibt man hoffentlich morgen oder So sollte man heute lieber nicht mehr schreiben oder – idealerweise – So schreibt man lesefreundlich.

Als Schreiber von Mails und anderem ist mir allerdings noch wichtiger als die Lesefreundlichkeit, dass möglichst viel vom Geschriebenen hängen bleibt. Also dass der Angeschriebene zum korrekten Zeitpunkt am korrekten Ort mit den korrekten Dokumenten erscheint.
Ich will ja nicht bestreiten, dass unverstehbare Texte das nicht hinkriegen, doch wenn ich die Wahrscheinlichkeit, dass etwas hängen bleibt, durch den einen oder andern Holperer steigern kann, dann werde ich den Text holpern lassen.

Ob man einen Text lesefreundlich gestalten soll, ist eine ästhetische Frage.
Ob er nachhaltig ist dagegen eine empirische.

Wäre es da nicht eine gute Idee, mal zu untersuchen wie holperflüssig ein Text sein muss, damit ein Text so verstanden wird, wie der Autor es beabsichtigt?
Insbesondere bevor man Leute lehrt, wie man schreiben soll?

 

In Ermangelung solider empirischer Daten will mal ein bisschen spekulieren:

Der confirmation bias lässt uns Texten spontan mehr Glauben schenken, wenn sie verständlich und gut leserlich geschrieben sind, während bei unverständlichen und schwer zu entziffernden Texten sofort der Skeptiker übernimmt.
Das heisst, Widersprüche zu bereits gefassten Meinungen werden im Fall eines ansprechend abgefassten Textes mit grösserer Wahrscheinlichkeit einfach überlesen. Und das bedeutet, dass Lesefreundlichkeit durchaus auf Kosten der Nachhaltigkeit gehen kann.

Das heisst umgekehrt, wer eine möglichst kritische Auseinandersetzung mit seinen Texten will – also beispielsweise Wissenschaftler -, sollte sie schwer lesbar gestalten. Und intuitiv erscheint mir eine kritische Auseinandersetzung mit einem Text eine mehrversprechende1 Strategie als ein nettes Happy-Reading.
Von daher ist auch Fachchinesisch nicht etwa Snobismus, sondern eine Qualitätssicherungsmassnahme. Wobei hier noch zwei wichtige Einschränkungen zu beachten sind:
– Schwer lesbar ist das eine, Mehrdeutigkeit und Missverständlichheit etwas ganz anderes. Letzteres darf ein Text nie und nimmer sein!2
– Und schwer lesbar sollte es vor allem für das interessierte Publikum sein, nicht jedoch ausschliesslich für unbeteiligte Laien – weil dann ist es sehr wohl Snobismus.

 

Wie gesagt, es ist ein schönes Gefühl einen gut geschriebenen Text zu lesen. Das erspart einem aber nicht notwendigerweise, dass man später alles falsch macht. Dann wird man frustriert sein, aber die Schuld dafür in der Regel nicht dem Text geben.
Wenn der Text jedoch holprig geschrieben ist, ist man wütend während des Lesens. Und der Umstand, dass man alles richtig gemacht hat, hellt die düstere Stimmung bezüglich des Textes später nicht wirklich auf, weil man sich nicht bewusst ist, dass man es eben gerade nur deshalb richtig gemacht hat, weil man wütend war.
Zweifellos eine Zwickmühle mit lauter falschen Schuldzuweisungen. Da gilt es geschickt abzuwägen…

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Eda Gregr
10.07.2017 um 16:30

Am 22. Juni 2017 habe ich exklusiv über den Baum berichtet, dessen Zapfen Einstein auf die Idee mit der (speziellen) Relativitätstheorie hätte bringen können. Und heute wird der Baum untersucht. Kann das ein Zufall sein?

Wer will einen Einsteinschen Zapfen Bruder kaufen?
Wer weiss, wie sich der Preis entwickeln wird, wenn erst die Ergebnisse der Untersuchung publiziert werden?

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Eda Gregr
09.07.2017 um 23:00

Da sind diese drei Mädchen, Cleo, Emma und Rikki, die sich nach einem astrologischen Zwischenfalls in einem Kratersee, jedesmal wenn sie mit Wasser in Kontakt kommen, in Meerjungfrauen verwandeln. Abgesehen von dieser Eigenschaft, die es ihnen verunmöglicht je wieder Geschirr zu spülen, verfügt jede von ihnen neu auch über eine besondere Fähigkeit: Cleo kann Wasser verformen, Emma es gefrieren und Rikki es erhitzen.
Und nun verbringen sie ihre Zeit damit in Anwesenheit anderer Wasser zu meiden, zu pubertieren und hie und da eine Schildkröte zu retten1.

Und das, während sie mit ihren Fähigkeiten genau so gut Dürren beenden, Energieengpässe beheben und den Klimawandel abwenden könnten! Was für eine grausame Verschwendung…

Ihre grösste und einzige Sorge gilt dem nicht entdeckt werden. Klar, für Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten besteht immer die Gefahr, dass sie sich irgendwann auf einem Sezier-Tisch wiederfinden und irgendwelche Behörden, Konzerne, Verbrechersyndikate oder traditionelle chinesische Mediziner dabei ertappen, wie sie aus ihren Eingeweiden Profit zu schlagen versuchen. Schliesslich vermögen diese Meerjungfrauen Dinge zu tun, für die eigentlich Unmengen an teurer Energie nötig wären.
Doch selbst in diesem Worst-Case-Szenario werden die Erkenntnisse mit der Zeit durchsickern2 und der Welt damit einen wesentlich grösseren Dienst erweisen, als wenn die Fähigkeiten geheim gehalten und lediglich zur Vertuschung eben jener Fähigkeiten eingesetzt werden. Vielleicht mal abgesehen von der TMC, denn die ist weniger daran interessiert, sich die zugrundeliegenden Mechanismen zunutze zu machen, als viel mehr die Mädels zu Pillen zu verwursten und als Potenzmittel zu verkaufen3.
Für viel wahrscheinlicher halte ich jedoch, dass solche „Mutanten“ von Instituten untersucht werden würden, die ihre Vorgehensweisen von Ethikkommissionen absegnen lassen müssen. Und dass diese Ethikkommissionen ihren Namen auch wirklich verdienen. Das heisst nicht, dass am Ende nicht irgendwelche skrupellosen Geschäftsleute durch windige Tricks sich die ganzen Patente unter den Nagel reissen, doch das hindert uns zumindest nicht daran – im Austausch gegen horrende Lizenzgebühren – die Welt dennoch zu retten.

Ein Gedanke am Rande: Diese optimistische Einschätzung, nämlich dass das Studium der Mädels ihnen kein Leid zufügen würde, leite ich übrigens aus folgender Überlegung ab: Seinen Profit steigern kann man nicht nur damit, dass man die Konkurrenz madig macht, sondern noch viel mehr, indem man sich deren Know how einverleibt. Wenn die Magie (=Esoterik) also tatsächlich funktioniert, dann liesse sich die Wirkung eines schulmedizinischen Medikaments in jeder beliebige Richtung enorm optimieren, wenn man am Ende der Produktionskette einen Alternativmediziner (gern auch gegen dessen Willen) die Präparate segnen (oder was auch immer) liesse. Eine „Investition“, der die Pöse Pharma unmöglich widerstehen könnte. Dass dies aber offenbar nicht gemacht wird, schliesse ich aus der Abwesenheit von Verschwörungstheorien, die das mysteriöse Verschwinden von Wunderheilern, Wahrsagern und Wünschelrutengängern thematisieren.
Okay, das Fehlen der entsprechenden Verschwörungstheorien könnte natürlich auch daran liegen, dass jene, die Verschwörungstheorien verbreiten, die das thematisieren, von geheimen Organisationen mundtot gemacht werden – was dann allerdings wohl auch zur Folge hätte, dass dieser Artikel hier nie von irgendwem gelesen wird…

Ich finde es schade, dass in so vielen Geschichten die Wissenschaft als eine Gefahr für Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten betrachtet wird. Und im Fall von H2O ganz besonders, weil die einzige Person, welche die Meerjungfrau in ihr Geheimnis einweihen, der Klassenkamerad und Wissenschafts-Nerd Lewis ist, welcher die Verwandlung mit wissenschaftlichen Methoden4 zu ergründen und behandeln versucht – man wäre als theoretisch in der richtigen Richtung unterwegs gewesen.
Man könnte den Drehbuchautoren anrechnen, dass sie die Mädels erst gar nie in den Fokus von Wissenschaftlern und skrupellosen Geheimbehörden und Verbrechensyndikaten kommen lassen und sich damit die unweigerlichen Verfolgungsjagden und grausame unterirdischen Laboratorien ersparen, schliesslich ist es ja eine Teenie-Serie mit weiblichem Zielpublikum. Andererseits passieren durchaus Dinge, die jeden vernünftigen Menschen stutzig machen und die Polizei alarmieren lassen würden: Ich will hier nicht spoilern, aber wenn ein Mädchen (sich in einer Juice-Bar mit Wasser bekleckert und dann – um die sich 10 Sekunden später erfolgende Verwandlung zu verheimlichen -) vom Balkon ins Hafenbecken stürzt, dann sollte es die Gäste doch eigentlich schon stutzig machen, wenn das Mädchen nicht mehr auftaucht.

Ich verlange ja nicht, dass alle Bücher und Serien wissenschaftlich sauber sein sollen, alles was ich mir wünsche, ist, dass sie es verdammt nochmal sind! Wenn sie Kindern vorgesetzt werden, dann müssen  sie genauso qualitativen Mindestanforderungen erfüllen wie Nahrungsmittel und Spielzeuge. Wir schützen sie vor der Darstellung von Sex und Gewalt, die es in unserer Welt durchaus gibt, stören uns aber nicht daran, wenn man einen auf die Erde zustürzenden Kometen (eine durchaus reale Gefahr) mit Magie abwendet? Was nehmen die Kinder davon mit? Auf jeden Fall nicht, dass sie Ingenieure werden sollen, die an der Asteroidenabwehr arbeiten sollen.

Das heisst natürlich nicht, dass man nicht wissenschaftlich unplausible Elemente in die Abenteuer integrieren darf. Nur zu. Doch diese sollten spezifisch, als solche erkennbar und quasi die Prämissen der Geschichten sein und nicht lediglich ein Hilfsmittel, das man aus dem Ärmel zieht, um einer brenzligen Situation zu entkommen.

Ein paar Beispiele zur Illustration:
In „Star Trek“ ist eine der Prämissen das Beamen. Man anerkennt deren physikalische Problematik und löst sie mit dem Heisenbergkompensator. Umgekehrt stellt man sich aber auch allen Konsequenzen, die sich daraus voraussichtlich ergeben werden5. Das ist okay.
In „Harry Potter“ dagegen benutzt Hermine im dritten Buch/Film einen Zeitumkehrer. Zweifellos eine originelle Idee, doch wurde vorher oder nachher nie irgendwo erwähnt, dass nicht nur die Wahrnehmung der Zeit durch Magie manipulierbar ist, sondern auch die Richtung. Was insofern wichtig gewesen wäre, weil man mit einem solchen Apparat in der Zeit zurück hätte reisen und Tom Riddle daran hindern können, mit dem Unfug überhaupt erst anzufangen. Klar, geklappt hätte das natürlich nicht, was aber nicht heisst, dass man es nicht dennoch versucht haben würde. Unter dem Strich hätte die Geschichte ganz anders aussehen müssen. Denn Zeitreisen, wenn es sich dabei nicht zum ein zufälliges, nicht reproduzierbares Phänomen handelt, spielen IMMER die Hauptrolle. Von daher ist der Zeitumkehrer in Harry Potter ganz und gar nicht okay.
Im „Per Anhalter durch die Galaxis“ verstehen sich alle Spezies im Universum dank des Babelfisches. Das ist okay.
In „Game of Thrones“ ist die Mauer so gross, dass sie ihr eigenes Gewicht unmöglich tragen kann. Es ist Magie im Spiel, welche aber irgendwie niemand so richtig im Griff hat. Das ist zwar keine befriedigende Erklärung, aber zumindest ist die Frage noch irgendwie offen und es ist möglich, dass sie noch beantwortet wird. Das ist zumindest solala.

Dagegen, dass es in H20 Meerjungfrauen gibt, die über Wasserkräfte verfügen, habe ich nichts. Das ist die Prämisse der Geschichte. Dass sie sich weigern damit zum Arzt zu gehen, weil sie eine falsche Vorstellung davon haben, was dieser mit ihnen anstellen will, kann ich auch noch akzeptieren – wünschte mir aber, dass diese verzerrte Weltbild thematisiert würde. Was jedoch nicht geht, ist, dass die Menschen um die Mädchen herum so bescheuert sind und nicht merken, dass die Gesetze der Physik gerade komplett ausser Kraft sind. Das heisst nicht, dass es nicht eine plausible Erklärung für die um sich greifende Bescheuertheit in der Nähe von magischen Wesen im Allgemeinen und Meerjungfrauen im speziellen geben könnte, doch die müsste genau die präsentiert werden.
Und wenn man das nicht tut, sollte man nicht senden dürfen.

Das ist keine Zensur.
Zumindest genausowenig, wie es Zensur gegenüber der Spielzeugindustrie ist, wenn man ihnen nicht erlaubt selbstentzündbare Babyspielzeuge auf den Markt zu bringen.

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Eda Gregr
28.06.2017 um 09:07
Jan Žižka

Jan Žižka z Trocnova, der bedeutendst Heerführer der Hussiten

Hus, Luther, Zwingli, Calvin & Co stänkerten gegen die Kirche und lösten mit der Reformation eine Lawine aus, welche Europa in Schutt und Asche legen sollte.

Die Meinungsverschiedenheiten über das, was die Kirche tun und lassen sollte, führten zu Kriegen und kosteten Millionen von Menschen das Leben. Und selbst wenn man der Meinung sein sollte, dass die Kriege nichts mit der Kirche zu tun hatten, so bleiben noch immer die katholische Inquisition und ihre Pendants der anderen Konfessionen, welche sich zumindest darin einig waren, dass die Anhänger kleinerer Gruppen wie der Täufer konsequent ermordet werden müssen.

War es das wert?
Hat es sich gelohnt, die vielen (oder wenigen) Menschen umzubringen? Sei es um sie am Ausüben ihrer Religion zu hindern oder um selbst nicht deren Religion (oder auch nur Teile davon) übernehmen (oder sehen) zu müssen? Bestand da wirklich kein Raum für Koexistenz und Kompromisse?

Klar, Gott will nicht, dass man anders an ihn glaubt. Aber will er das wirklich sogar noch weniger, als dass Menschen leiden und sterben?

Die Frage geht an alle Anhänger von friedliebenden Religionen.
Wäre es einem friedliebenden Gott nicht lieber, wenn man zu einem falschen Gott betet, als wenn man sich die Köpfe einschlägt, um nicht zum falschen Gott beten zu müssen?

Die heiligen Texte sprechen da eine klare Sprache, aber das ist „natürlich“ nicht das was sie meinen.

Wieso nicht um des Friedens willen einfach die andere Religion übernehmen? Ganz nach dem Motto: Der Klügere gibt nach.
Klar, wenn die andere Religion dann irgendwann doch verlangt, dass ich jemandem den Kopf einschlage, weil er nicht zum gleichen Gott betet wie ich, dann ist es offensichtlich nicht eine friedliebende Religion. Und dann darf ich selbstverständlich gern den Leuten, die mich zwingen, anderen den Kopf einzuschlagen, den Kopf einschlagen, um niemandem den Kopf einschlagen zu müssen.

 

Ich bin Atheist, weil die Christen es mir erlauben.
Wenn sie mich fürs Nichtglauben bestrafen könnten, würde ich alles tun, was sie verlangen – ausser jemanden für Nichtglauben zu bestrafen.
Ich mache mich über das Christentum lustig, weil die Christen es mir erlauben.
Wenn sich mich für meine Spässe bestrafen könnten, würde ich die Klappe halten – ausser wenn sie jemanden für Spässe bestrafen wollen.

Wollen mich die Christen für mein Nichtglauben und meine Spässe bestrafen können?
Sie würden nicht mit der Kalberei ihrer Religion konfrontiert werden und sie bräuchten nicht zu fürchten, dass ihre Kinder die Kalbereien ihrer Religion als solche erkennen würden.
Würde es das wert sein, mich dafür leiden zu lassen?
Findet ein friedliebender Gott es okay, wenn ich nur zwischen schweigen und leiden wählen kann?

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Eda Gregr
27.06.2017 um 23:19

Früher schrieb man offenbar:

Er mähte den Rasen, und sie kochte das Mittagessen.
(mit Komma)

und:

Es ist eine Tatsache, dass er den Rasen mähte und sie das Mittagessen kochte.
(ohne Komma)

Kommaregeln scheinen sich früher nicht nach Chomskys Universalgrammatik gerichtet zu haben!

Ich bin empört!
(Mein Bürokollege übrigens auch.)

Wenn das kein Grund ist, das Rumfummeln an der Geschichte zu erlauben, …
dann weiss ich auch nicht …

 

.
.  .  .
.  .  .  .  .
.  .  .
.

 

Aber natürlich muss man geschickt rumfummeln!
Meist passiert gar nicht: Beispielweise war der Strategie, einen Kampfroboter durch die Zeit zu schicken um eine Schlüsselperson zu ermorden und damit der Geschichte eine neue Wendung zu geben, bisher noch nie Erfolg beschieden (Terminator). Und selbst der Versuch, einen Ingenieur ins Mittelalter zu schicken um eine steamgepunkte Renaissance zu ermöglichen, hinterliess keinen bleibenden Eindruck (Ein Yankee am Hofe des König Artus).
Manchmal schiesst man aber auch weit übers Ziel hinaus: Als beispielsweise ein viktorianischer Gentleman in einer fernen Zukunft die Hübschen rettete, indem er die Hässlichen massakrierte, beraubte er die Hübschen ihrer Lebensgrundlage und musste für sie die Zivilisation mit all den damit verbundenen Mühen komplett neu aufgleisen (Die Zeitmaschine). Oder weil mal ein Teenager durch die Zeit stolperte und seiner Mutter den Kopf verdrehte, landete ein Trump im Weisse Haus (Zurück in die Zukunft).

Grundsätzlich gilt, dass wenn man die Leute „austauscht“, dass sich nichts gross ändert. Für eine andere Zukunft bedarf es nicht anderer Leute, sondern anderes Denken!
Technologie beeinflusst das Denken (The Medium is the Message). Das tut sie allerdings nur, wenn sie noch irgendwie fassbar ist. Entzieht sie sich zu sehr dem Verständnis der Benutzer, wird es zur Magie. Ich denke da beispielsweise an den Cargo-Kult in Melanesien, aber eigentlich auch an die Mehrheit der iPhones-User, wo die Leute die Bedienungsrituale ausführen, dann aber bloss enttäuscht, nicht aber gross überrascht sind, wenn das Resultat ein gänzlich anderes ist als erhofft.
Sprache beeinflusst das Denken!
Was liegt dann näher, als Linguisten durch die Zeit zu schicken um die Dinge gerade zu biegen? Sie ändern die Sprache und damit das Denken. Und wer würde schon im Rat für deutsche Rechtschreibung, in der Académie française oder in der Redaktion des Oxford English Dictionary Zeit-Agenten vermuten?

Rat für deutsche Rechtschreibung

Rat für deutsche Rechtschreibung

 Académie française

Académie française

Natürlich ist die Macht dieser Institutionen nicht verborgen geblieben. Man vermutet schon länger, dass beispielsweise politische Korrektheit, welche zu einem bestimmten Grad auch von diesen „Sprachpolizisten“ abgesegnet wurde, ein Manipulationswerkzeug ist. Was man jedoch nicht bedacht hat, ist, dass wenn jemand die Folgen eines „Eingriffs“ abzuschätzen fähig ist, dann Zeitreisende. Wenn man sich also gegen die politische Korrektheit auflehnt, dann weil sie es so wollen…

Mir ist kein Zeitreise-Science-Fiction-Werk bekannt, in dem diese Möglichkeit ausgelotet würde. In Arrival ist Amy Adams alias Dr. Louise Banks zwar Linguistin und irgendwie geht es da auch ums Zeitreisen, doch es besteht keine Verbindung zwischen diesen beiden Dingen. Was dem Grundgedanken, dass man die Geschichte durch Tweaken der Sprache nachhaltig verbessern kann, noch am nächsten kommt, ist Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit, wo mit Hilfe von granatenstarker Musik ein globales Umdenken eingeleitet wird, welches dann zu einer Welt voller Wasserrutschen führt.

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Eda Gregr
22.06.2017 um 07:12

Sind zwei Äpfel vom selben Baum Brüder?

Der Legende nach war es ein Apfel, der Isaak Newton auf den Kopf fiel und ihn damit auf die Idee mit der Schwerkraft brachte. War der Apfel ein Ausnahmetalent oder hat es die ganze Familie1 drauf?

Eine ähnliche Legende über Einstein und speziell über die Relativitätstheorie gibt es zwar nicht, doch ich weiss, dass zu der Zeit als diese in ihm reifte, gleich neben dem Gebäude, in dem er lehrte, ein Mammutbaum stand. Und er steht dort noch heute. Und ein Bruder des Zapfens, der Einstein seinerzeit auf die richtige Spur hätte gebracht haben können, liegt nun vor mir auf dem Tisch.

EinsteinZapfen

Will ihn jemand kaufen?

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Eda Gregr
18.06.2017 um 13:26

bike to work logoIm Juni fahre ich jeden Tag mit dem Velo zur Arbeit. Ich habe es auch schon im April und im Mai gemacht und ich beabsichtige es auch im Juli und August zu tun, doch für meine Leistung im Juni habe ich die Chance einen FLYER Flogo, ein Wellnesswoche im FidazerHof oder einen von weiteren über 1’698 fantastischen Preisen im Gesamtwert von über CHF 104’551 zu gewinnen.
Das ist übrigens der 7. von 10 Gründen, die auf der Webseite aufgeführt werden, warum man beim bike to work teilnehmen soll. Alle anderen Gründe sind nicht so sehr an die Aktion geknüpft sondern eher ans Velofahren selbst.

Serotonin und Dopamin (Punkt 1) wird schliesslich nicht nur dann ausgeschüttet, wenn man bei bike to work mitmacht – glaube ich. Und vermutlich sind auch der Aufbau von Fitness (Punkt 2) und der Abbau von Stress (Punkt 3) nicht von der Teilname an dieser Aktion abhängig.

Wenn es aber ums Sparen von Geld geht (Punkt 4), dann könnte bike to work entgegen seines Versprechens einen eher teuer zu stehen kommen – vorausgesetzt man gewinnt nicht einen der wertvolleren Preise – was ich eh nie tue… Wenn man nämlich nur den einen Monat mit dem Velo statt mit der ÖV zu Arbeit fährt, dann wird man sein Abo für diese Zeit wohl eher nicht zurückgeben. Damit spart man also nicht beim Transport, sondern bezahlt für den Verschleiss am Velo und für ein paar andere Dinge, wie wir gleich sehen werden.

Der Grund, der mir persönlich am meisten am Herzen liegt, ist die Sache mit der Umwelt (Punkt 5). Bis zum jetzigen Zeitpunkt (16.6.2017) habe ich 76 km zurückgelegt und damit angeblich 11 kg CO2 gespart. Das ist toll. Ich frage mich aber, ob diese Zahl auch berücksichtigt, dass ich aufgrund der zusätzlichen Anstrengung beim Trampeln wesentlich häufiger atme und damit mehr CO2 ausstosse, dessen Kohlenstoff ich über mehr Nahrung zu mir genommen habe, für welche ich mehr Geld ausgeben musste und für deren Produktion aller Wahrscheinlichkeit nach mehr CO2 drauf ging. Und dass ich jetzt mehr schwitze und trinke, insbesondere mehr Bier, welches auch nicht gratis ist, allerdings zwar meines Wissens in der Produktion mehr oder weniger CO2-neutral – nicht aber in Transport und – ganz wichtig – Kühlung. Und darüber, ob Bier auf lange Sicht gesund ist, streiten sich die Geister (sprich die Tschechen gegen den Rest der Welt.) Und dass ich mich und meine Kleider öfters wasche, geht ebenfalls ins Geld und  CO2.
Und das alles während meine S-Bahnen und Trams ungerührt getreu ihrem Fahrplan ihre Runden ziehen…

Es fördere den Teamgeist (Punkt 6) und es mache Spass den gemeinsamen Erfolg zu feiern. Mag sein, aber ich sage nur Bier…

Man komme seltener zu spät (Punkt 8), weil man von Verspätungen nicht betroffen ist. Also für mich als begeisterten Pendlerleser ist das eher ein Negativpunkt. Ich muss jetzt nicht nur die fehlende Pendlerlesezeit nachholen sondern auch diese gelegentlichen Verspätungslesebonizeiten. Nicht selten auf dem Klo bei künstlicher Beleuchtung.

Aber das Erlebnis geniessen kann man (Punkt 9), das stimmt. Weil ich Angst davor haben, dass die bike to work-App mir sagt, dass ich gestern schneller war als heute, wähle ich während diese Monats für jeden Arbeits- und Heimweg einen anderen Streckenverlauf. Und es ist tatsächlich wirklich schön auf diese Weise immer wieder neue Quartiere (und Kneipen) zu entdecken.
Dass die App es offenbar gar nicht drauf hat, meine Leistungen über den Monat hinweg zu analysieren und mich damit zu demütigen, sei mal dahingestellt.

Und zu guter Letzt appelliert bike to work tatsächlich an den Hipster in mir (Punkt 10). Velofahren ist nämlich im Trend, heisst es da, – sei es mit einem farbenfrohen Fixie, einem schnellen Renner oder einem gemütlichen Beach-Cruiser. Die können mich mal!

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