Speck als Lackmustest

Für die Moral braucht es keinen Gott. Und Jesus ist der Beweis dafür.

Wenn ein Christ vor einer Entscheidung steht, fragt er sich, wie sich wohl Jesus an seiner Stelle entschieden hätte, und versucht dann entsprechend zu handeln.

Wenn die Moral in Gott gründete und dieser jene im alten Testament klip und klar formulierte1, dann sollte man doch eigentlich annehmen, dass Jesus sich vor jeder Entscheidung (rhetorisch) fragte, was wohl das alte Testament2 dazu sagt, und dann entsprechend handelte.
Als (Mit-)Autor des alten Testaments verstand er zweifellos besser als jeder andere, warum die Regeln genau so gestaltet waren3, das ändert aber nichts an dem, was geboten und was verboten ist.
Von daher braucht es Jesus als moralischen Kompass eigentlich gar nicht, weil jede seiner Entscheidungen genau dem entspricht, was auch das alte Testament verlangt. Man könnte ihn höchsten in Fällen konsultieren, welche im alten Testament nicht explizit geregelt wurden4.

Erste Randnotiz: Neue moralische Fragestellungen ergeben sich – wie mir scheint – nur im Kontext technischer Entwicklungen5. Ich will die technische Entwicklung der zwölf Jahrhunderte zwischen Moses und Jesus nicht klein reden, aber ich denke nicht, dass die Ausbeute an neuen moralischen Problemen auch nur ein Bruchteil von dem war, mit was wir in den – sagen wir mal – letzten 300, 100 oder auch nur 50 Jahren Jahren konfrontiert worden sind.
Von daher war die Ankunft von Jesus in einer Zeit, wo das meiste noch beim Alten war, vielleicht nicht gerade optimal gewählt um die Moral (zum letzten Mal) klarzustellen, resp. nachzujustieren.

Ausser natürlich, wenn sich Jesus doch nicht an die Regeln des alten Testaments gehalten hat6 und die Moral, die wir von ihm lernen, eine (gänzlich?) andere ist7.

Da Jesus mit Gott irgendwie identisch ist, würde das bedeuten, dass seine Moral („andere Backe“), obwohl es eine andere ist als im alten Testament („Backe um Backe“ 8), das gleiche Fundament hat. Jenes Fundament, welches den Atheisten angeblich fehlt und was dazu führt, dass sie etwas, das sie heute für moralisch richtig halten, morgen vielleicht schon als moralisch verwerflich betrachten9.
Doch wie wir sehen, schützt auch ein stabiles Fundament nicht davor, dass etwas heute gut und morgen böse ist10.

Zweite Randnotiz: Da es offenbar theoretisch möglich ist, dass etwas, wofür man früher in die Hölle kam, einen heute in den Himmel bringt, stellt sich mir die Frage, wie es sich wohl anfühlt, für etwas im Himmel zu sein, für das ein anderer in der Hölle sitzt? Oder noch schlimmer umgekehrt. Ist das vergleichbar erhebend/frustrierend wie wenn man im Flieger sitzt und erfährt, wieviel der Sitznachbar für den gleichen Flug bezahlt hat?

Ein Problem ist das nicht zwingend, denn als Gott hat er jedes Recht, die Regeln, wann immer er will, nach belieben zu ändern ohne sich dafür den Vorwurf der Beliebigkeit gefallen lassen zu müssen11.


Quod licet Iovi, non licet bovi


Okay. Hat was…

Speck

Als Jesus vor dem Frühstück-Buffett stand und überlegte, ob er Speck nehmen soll, was wäre noch mal seine Antwort gewesen?

Das heisst natürlich nicht, dass eine andere Antwort zwingend falsch ist. Nicht alle Fragen haben nur eine richtige Antwort. Aber – nun ja – es ist nicht das, was Jesus gemacht hätte…

Und zu behaupten, dass er es heute so machen würde… Ich weiss nicht. Nimmt man sich da nicht etwas zu viel heraus? Ich meine, er wird sich doch was dabei gedacht haben, als er damals die Gesetze erliess. Und ich wüsste nicht, dass er mal erklärt hätte, was genau. Und ohne das zu wissen, ist es doch eher schwierig zu beurteilen, ob sich die Ausgangssituation wirklich dermassen geändert hat, dass eine Neubeurteilung der Gesetze gerechtfertigt wäre12. Sich einfach darauf zu verlassen, dass er schon widersprechen wird, wenn man etwas falsch angeht, halte ich für ein bisschen riskant. Insbesondere da er nicht gerade bekannt dafür ist, irregeleiteten religiösen Moralvorstellungen öffentlich oder deutlich genug zu widersprechen.13
Dann kann man auch gleich darauf verzichten sich vorzustellen, was Jesus an meiner Stelle getan hätte14.

Und überhaupt, intendierte Moral anhand von gezeigtem Verhalten abzuleiten, ist nicht ganz unproblematisch. Wer weiss, ob man das Augenmerk auf das richtige Detail gewendet hat? Vielleicht wollte Jesus, als er der älteren Dame über die Strasse half, uns nicht zeigen, dass man hilfsbereit sein soll, sondern dass sich bei jeder Gelegenheit in der Nase popeln lässt.

Göttliche Zeichen

Während ich einen Text schreibe, in dem ich mich über Gott und Jesus lustig mache, fällt meine Tochter um und schlägt sich das Knie blutig.
Ist das eins jener Zeichen Gottes, von denen Christen so oft sprechen, weil es sie angeblich wieder auf den rechten Weg führt?
Oder wäre es dann ein Zeichen, wenn sie umgefallen wäre und sich auf wundersame weise nichts getan hätte?1

Hej Eda, besinne dich…
oder deinen Kindern könnte was passieren…
Gott

Egal ob Gott meiner Tochter ein Bein stellt oder sie nicht rettet, wenn er es sonst getan hätte. Es sind Mafia-Methoden.

Und wie geht man damit um?
Man gehorcht natürlich und nennt sie Die Liebe Camorra und verteidigt deren Tugendhaftigkrit gegen jeden Angriff. Vorzugsweise mit Weihwasser.

Bigger on the Inside


Wir haben hier eine eigene TARDIS in Adliswil.
Aber irgendetwas stimmt nicht…
Schaut euch mal die Puppe unter dem „K“ an…
Das ist der Stoff aus dem Albträume sind.
Ganz besonders wenn er in der TARDIS sitzt.

Meine gotteslästerlichen Gedanken im Wandel der Zeit

Lieber Herr Pfarrer

Falls Sie meine Beträge hier auf dem DisOrganizer verfolgt haben, ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass ich hier Sachen schreibe, die mir noch vor ein paar Jahren ziemlich viel Ärger eingebrockt und mich während dem Rest der letzten 2000 Jahre wohl Kopf und Kragen gekostet hätten.

Ich weiss, lieber Herr Pfarrer, dass Sie – obwohl Sie mit meinen Ansichten nicht übereinstimmen und sich hie und da durch meine Äusserungen wahrscheinlich wirklich verletzt fühlen – niemals meinen Tod dafür fordern würden1.

Aber sind Sie sich im Klaren darüber, dass Sie es früher (allein von Berufs wegen) mit Vehemenz getan hätten?

Oder hätten Sie sich schützend vor mich gestellt?
Und sich damit gleichsam zu mir aufs Schafott gestellt?

Gab es eine Zeit und einen Ort, wo die Kirche das Sagen hatte und ich meine gotteslästerlichen Äusserungen nicht mit dem Leben bezahlt hätte?

Wenn ja, wann und wo war das? Und warum hat sich das dann wieder geändert?
Wenn nein… Macht Sie das nicht stutzig?

Es grüsst herzallerliebst
Eda

The Good Place

The Good Place

Man stelle sich vor, dass durch ein Versehen zwei Menschen verwechselt werden und der jeweils falsche in den Himmel und in die Hölle kommt.

Ziemlich übel Sache… Und in Anbetracht der Zustände in der Hölle und dem (schwachen?) Charakter des zu unrecht „Beförderten“1, ist es wenig wahrscheinlich, dass dieser die Sache richtig zu stellen geneigt ist. Während dem fälschlicherweise in der Hölle Geschickten einfach kein Glaube geschenkt wird – weil wahrscheinlich jeder Hölleninsasse davon überzeugt ist, diese Qualen nicht verdient zu haben.

Ist so ein Versehen überhaupt möglich?
Natürlich nicht, schliesslich ist Gott allwissend2.

Können wir das aber auch irgendwie kontrollieren? Ich meine, die Konsequenzen sind zu grausam um sich darüber nicht absolute Gewissheit zu verschaffen.

Vielleicht eine Art Bewährungsausschuss, wo jeder Insasse der Hölle regelmässig3 seinen Fall vortragen kann?
Wobei dieser Ausschuss natürlich aus anderen Leuten bestehen sollte als jenen, die das Urteil verhängt haben (Gott, Jesus und der heilige Geist?).

Natürlich würde Gott niemals (absichtlich) einen Fehler seinerseits zu vertuschen versuchen4, schliesslich ist er lieb, aber trotzdem, sicher ist sicher. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel!

 

Weil ein einziger Sünder,
selbst der harmloseste,
in der Hölle unendlich viele mehr Leid erfährt
als alle Menschen
und alle Tiere
und alles andere
seit dem Anbeginn der Zeiten
zusammengenommen.
Einfach weil die Hölle ewig währt.

Erbe aus der Zeit vor der Wiedergeburt

Ray Comfort verteidigte am 24. Mai 2015 mit diesem Tweet seinen Freund Josh Duggar, dem unter anderem vorgeworfen wird als Jugendlicher mehrere Mädchen sexuelle missbraucht zu haben.
Zu den Taten will ich nichts sagen, mich interessiert hier lediglich die Art und Weise, wie Comfort als Christ an die Sache heran geht.

Comfort betrachtet die (christliche) Wiedergeburt als eine Art von Flucht aus Las Vegas, wo die Sünden, die dort begangen wurden, auch bleiben.

Okay. Nehmen wir also an, dass die (christliche) Wiedergeburt für einen Gläubigen tatsächlich ein so welterschütterndes Ereignis ist, dass sämtliche Charaktereigenschaften völlig umgekrempelt werden. Und dass demzufolge Neigungen, die früher womöglich zu Verbrechen geführt haben könnten, jetzt einfach nicht mehr vorhanden sind1.

Hätte sich Josh Duggar dann aber nicht während oder kurz nach seiner Wiedergeburt den Behörden und der Öffentlichkeit stellen müssen?

Ich meine, von ihm geht jetzt keine Gefahr mehr aus, klar, doch ist es nicht das Ding der Christen Busse zu tun? Sprich, um Verzeihung für ihre Verbrechen zu bitten?

Ach, das hat er  getan?
Er bat Jesus um Vergebung und Jesus reinigte ihn von seinen Sünden.
Und damit ist die Sache für Josh Duggar und Ray Comfort gegessen?
Wenn Jesus eine Sünde verziehen hat, dann ist sie ein für allemal getilgt. Und Beschwerden seitens der Opfer, dass der Täter auf diese Weise viel zu einfach davongekommen sei, ist schnöde, unchristliche Rachsucht – und so gar nicht kompatibel mit dem Hinhalten der anderen Wange – und wird kategorisch als Kritik, sprich als Sünde2 betrachtet. Denn mehr als aufrichtiges Bereuen und Beten kann man von niemandem verlangen. Oder besser: Von allen Möglichkeiten der Verbrechenssadisfaktion und -prophylaxe sind Bereuen und Beten →nachweislich← die mit Abstand wirksamsten – und freiheitsschonensten.

 

Was ich mich frage, ist, gibt es eine Statistik darüber, was Ray Comfort & Co in ihren wilden Jahren vor der (christlichen) Wiedergeburt so alles angestellt haben? Wurden Leute umgebracht? Bananen geklaut? Zum hohen Lied der Liebe masturbiert?
Wie gross wohl der Schaden für die Wirtschaft sein mag durch nicht einklagbare, weil von Jesus bereits verziehene Delikte?

id, quo nihil maius cogitari potest

Gottesbeweis von Anselm von Canterbury
Anselm von Canterbury in seinem eigenen Siegel

Nehmen wir einfach mal an, dass der ontologische Gottesbeweis gültig ist. Ich wüsste nicht wie das gehen sollte, aber das tut hier nichts zur Sache. Gottes Wege sind unergründlich und genauso die Beweise, die seine Existenz belegen.

Wir wissen also, dass es einen Gott gibt und dass dieser, weil darüber hinaus nichts grösseres gedacht werden kann, notwendigerweise allwissend, allmächtig und allgütig ist. Und wir wissen, dass dieser Gott irgendwann mal alles ins Rollen gebracht hat.

Und wir wissen aufgrund von (unergründlich) rationalen Argumenten, dass unsere Welt intelligent designt ist.

Und wir wissen ebenfalls aufgrund von Gründen, dass Jesus der Sohn jenes intelligenten Designers ist, der die Welt und Adam und Eva und die Sintflut erschaffen hat.

Was wir jedoch nicht wissen, ist, wie schwer es ist, eine Welt und Adam und Eva und die Sintflut zu erschaffen.

Wir wissen aber, dass wir selbst dafür nicht wissend und mächtig und gütig genug sind.

Wir wissen aber nicht, ob man dafür wirklich das ganze Allwissen und die ganze Allmacht und die ganze Allgüte bis zum letzten Löffel ausschöpfen muss. Sprich wir wissen nicht, ob auch ein von Gott erschaffenes Wesen mit freiem Willen in der Lage sein könnte, eine Welt zu erschaffen, deren Bewohner einen freien Willen haben1.

Ich wüsste aber nicht, was dagegen sprechen könnte2.

Dann bräuchte…
der Schöpfer unserer Welt nicht zwangsläufig … nett? … zu sein.

Er könnte in echter Mistkerl sein, der die Welt als Folterkammer erschaffen hat, um sich an unserem Leid zu erfreuen. Und er könnte als sein eigener Sohn auf die Welt gekommen sein um sicherzustellen, dass wir ihn dafür auch noch lieben. Und als Bonus sozusagen um seine masochistischen Triebe zu befriedigen.

 

Eine Frage aber bleibt: Was denkt sich wohl der allwissende, allmächtige, allgütige erste Beweger dabei, wenn er die Menschen sieht, wie sie ihren sadistischen Schöpfer anbeten, statt sich gegen ihn zu stellen?

Ist es das Christentum wirklich wert, dafür verfolgt zu werden?

Im Kloster Einsiedeln veranstaltete die Hilfsorganisation «Kirche in Not» ein Risotto-Essen mit anschliessener Podiumsdiskussion und kath.ch berichtete darüber. Die Botschaft war klar:

Das Christentum ist die am meisten gefährdete Religion.
kath.ch auf fb

Steht das Christentum kurz vor dem Aussterben?

Wohlgemerkt, dass das Christentum offenbar auf der Liste der gefährdeten Arten steht, heisst nicht, dass es bereits vom Aussterben bedroht ist. Das heisst lediglich, dass die Gefahr besteht, dass es in absehbarer Zeit vom Aussterben bedroht sein könnte. Denn:

Weltweit werden 200 Millionen Christen verfolgt!
kath.ch

Wenn all diese Christen massakriert würden, was der Umstand, dass sie verfolgt werden, durchaus in Aussicht zu stellen scheint, wäre das natürlich eine humanitäre Katastrophe sonder gleichen, den 1. Platz unter der Weltreligionen würde es das Christentum (mit aktuell ca. 2.3 Mia Anhängern) aber nicht kosten.
Ja selbst wenn sich diese 200 Millionen statt sich dem Märtyrertod hinzugeben auf die Seite des Zweitplatzierten (dem Islam mit aktuell ca. 1.6 Mia Anhängern) schlagen würden, änderte das nichts an der Pole-Position des Christentums.
Das klingt jetzt nicht danach, dass das Christentum in absehbarer Zeit vom Aussterben bedroht sein wird. Ist es wirklich gefährdet, weil es immer schlimmer wird, oder ist es einfach nur ein interessantes Thema für die Medien?

Roberto Simona, Islamexperte von «Kirche in Not» und Kardinal Gerhard Müller sprachen klar von einer «Verschlimmerung der Situation für Christen» und wiesen dabei auf das Beispiel Irak hin. […] So lebten im Jahr 2003 rund 1,5 Millionen Christen im Irak. Heute dürften es nur noch zwischen 250’000 und 350’000 sein. Gezeigt wurden Bilder von Häusern in der christlichen Ninive-Ebene, die durch die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zerstört wurden.
kath.ch

Ist die Entwicklung in einem Gebiet, das vom IS heimgesucht wird, wirklich repräsentativ für die globale Entwicklung des Christentums?
Sind dort nicht alle Formen von Andersdenken akut vom Aussterben bedroht?
Den Christen geht es dort zweifellos übel. Aber nicht weil sie Christen sind, sondern weil sie nicht die richtige Art Muslime sind.

Das ist etwa genauso eine Christenverfolgung wie es die Spanische Grippe war. Ja, Christen sind an ihr gestorben, sehr wahrscheinlich sogar mit Abstand am meisten, doch nicht, weil es der Influenzavirus besondern auf Christen abgesehen hätte, sondern weil es einfach von den Christen am meisten gab.

Das Christentum ist also die am meisten verfolgte und dadurch gefährdete Religion im Irak!

Was verstehen wir hier eigentlich unter Verfolgung?

Wenn man den Irak und den IS als Beispiel nimmt, dann klingt Verfolgung wie ethnische Säuberung. Wenn man sich aber die Quelle anschaut, welcher mit grösster Wahrscheinlichkeit die Zahl der verfolgen Christen entnommen wurde, den Weltverfolgungsindex von Open Doors, dann sieht es aber auf einmal nicht mehr so düster aus:

Open Doors folgt einem weiten Verständnis des Begriffs „Christenverfolgung“. Danach herrscht Verfolgung nicht nur, wenn der Staat Einzelne oder ganze Gruppen von Christen wegen ihres Glaubens einsperrt, verletzt, foltert oder tötet, wie es in vielen Ländern Realität ist. Verfolgung herrscht auch dann, wenn Christen aufgrund ihres Glaubens beispielsweise ihre Arbeit oder ihre Lebensgrundlage verlieren, wenn Kinder aufgrund ihres Glaubens oder des Glaubens ihrer Eltern keine oder nur eine schlechte Schulbildung bekommen oder Christen aufgrund ihres Glaubens aus ihren angestammten Wohngebieten vertrieben werden. Ebenso verhält es sich, wenn es Christen nicht erlaubt ist, Kirchen zu bauen oder sich auch nur privat zu versammeln, wenn die Registrierung einer christlichen Gemeinde oder Organisation nur unter schikanösen Bedingungen oder auch gar nicht möglich ist. Auch wenn es Andersgläubigen gesetzlich oder zumindest gesellschaftlich nicht erlaubt ist, zum Christentum zu konvertieren und sich zum christlichen Glauben zu bekennen – wenn Gläubige also mit Konsequenzen für Familie, Besitz, Leib und Leben rechnen müssen – spricht Open Doors von Christenverfolgung.
Definition von „Christenverfolgung“

Demzufolge wird man auch verfolgt, wenn man bloss diskriminiert wird. Man darf mich nicht falsch verstehen, jemanden aufgrund seiner Religion zu diskriminieren ist genau so inakzeptabel wie jemanden aufgrund seines Geschlechts, seiner Hautfarbe oder seiner sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Aber es ist nicht ganz das, was man sich vorstellt, wenn man das Schreckgespenst einer Verfolgung heraufbeschwört.
Aber okay, wer sind wir, das Leid, welches verschiedene Menschen erfahren, gegeneinander abwägen zu wollen. Verfolgt wird, wer sich verfolgt fühlt. Punkt.

Von Christenverfolgung kann aber dennoch nur dann gesprochen werden, wenn diese gezielt als diese verfolgt (oder diskriminiert) werden, während alle anderen Gruppen mehr oder weniger in Ruhe gelassen werden.

Auch davon gibt es noch mehr als genug auf der Welt. In gewissen Ländern besteht genauso eine Aversion gegen Christen wie sie (bei uns) gegen Juden und Muslime vorhanden ist1.

Doch nicht mal überall, wo gezielt das Christentum verfolgt wird, kann man guten Gewissens von Christenverfolgung sprechen. Wenn beispielsweise  Kirchen abgerissen werden und der Bau von neuen verboten ist, so kann man das, entgegen der Ansicht von Open Doors, noch nicht notwendigerweise eine Christenverfolgung bezeichnen.
Kirchen sind nämlich immer auch politische Institutionen und sowas kann einer Regierung leicht mal ein Dorn im Auge sein. Die Frage ist daher allein, ob die Menschen in der Ausübung ihrer Religion im privaten Rahmen behindert werden und ob ihnen im alltäglichen Leben Nachteile daraus entstehen, wenn man weiss, dass sie Christen sind.
Kirchen zu bauen und sich zu organisieren, ist sicherlich ein Menschenrecht. Einer Gruppe dieses Recht aus Gründen der NATIONALEN SICHERHEIT2 zu verwehren ist aber nicht zwingend eine Einschränkung der Religionsfreiheit. Insbesondere dann nicht, wenn diese Möglichkeit auch anderen Gruppen aus dem gleichen Grund verboten ist.

Klar, Christen bauen ihre Kirchen nur um Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu verkünden und haben nicht die geringste Absicht ins politische Geschehen einzumischen. Ich weiss das. Aber vielleicht ist es noch nicht ganz bis zu den Despoten durchgedrungen.

Aber es stimmt schon. Der Umstand, dass man der grössten Religion angehört, lindert nicht das Leid, welches einem zugefügt wird von jenen, die denken dass man dennoch falsch liegt. Die Menschen leiden und man muss ihnen helfen.
Dass manche Christen  das Leiden geniessen, ändert nichts daran!

Warum entziehen sie sich nicht einfach der Verfolgung?

Gerhard Pfister hat schon recht, wenn er sagt:

Wir machen uns viel zu wenig bewusst, dass das christlich geprägte3 Modell des Rechtstaates, das den Bürgern Religions- und Meinungsfreiheit gewährt, nicht das Regelmodell eines Staates auf der Welt ist, sondern das absolute Ausnahmemodell!

Die Frage ist, wie können wir Leuten konkret helfen, die unsere Hilfe dringend brauchen und in einem Land leben, wo die Menschenrechte unserer Ansicht nach4 mit Füssen getreten werden?

Wir können die mit Waffen beliefern. Oder mit Gebeten. Aus dass sie sich erheben und der Tyrannei ein Ende setzen.

Allerdings gilt für einen Christen stets das folgende Prinzip:

1 Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. 2 Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen. 3 Denn die Gewalt haben, muss man nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten. 4 Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut. 5 Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. 6 Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. 7 So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.
Römer 13

Da die Regierung selbst in den üblen Ländern von Gott eingesetzt ist5, kann ein Christ einem anderen schwerlich empfehlen sich den Gesetzen zu widersetzen. Geschweige denn ihm die dafür nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Sei es nun in Form von Waffen oder Ziegelsteinen oder Gebeten6.

Darauf kann man natürlich erwidern:

29 Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Apostelgeschichte 5

Jetzt müsste man nur noch wissen, wann das Gesetz des Landes dem Gesetz Gottes widerspricht…
Doch selbst dann sollen wir die Regierungsautorität akzeptieren, schliesslich haben Petrus und die Apostel die Strafe akzeptiert (und genossen):

40 und riefen die Apostel herein, schlugen sie und geboten ihnen, sie sollten nicht mehr im Namen Jesu reden, und ließen sie gehen.
41 Sie gingen aber fröhlich von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um Seines Namens willen Schmach zu leiden,
Apostelgeschichte 5

Es ist aber natürlich nicht jedermanns Sache fröhlich „um Seines Namens willen Schmach zu leiden“. Die, die es tun, verdienen unseren Respekt.
Ich bin mir aber nicht so sicher, was ich von Leuten halten soll, die fröhlich andere „um Seines Namens willen Schmach leiden“ lassen.

Von daher ja, die Gesetze Gottes stehen über den Gesetzen der Länder. Aber da die Regierung und deren Gesetze von Gott eingesetzt sind, kann das Befolgen von diesen nicht falsch sein.
Wenn Organisationen wie «Kirche in Not» den Christen im Irak Hoffnung machen indem sie die auf Anordnung von der „Regierung“ zerstörten Häuser wieder aufbauen, so agieren sie offen gegen die Obrigkeit.

Klar, die Zustände sind inakzeptabel, aber sie sind von Gott angeordnet. Das heisst nicht, dass man nichts tun kann. Das heisst, dass man es richtig angehen muss. Indem man die Obrigkeit zum Umdenken bewegt. Und nicht indem man wie die CIA die Untertanen zur Revolte führt.

Darf man sich da über die Zurückhaltung wundern, wenn es darum geht Kirchen-Bauprojekte zu bewilligen?

Warum empfehlen der Papst und «Kirche in Not» den Christen im Irak, die sich durch ihre Religionszugehörigkeit in akuter Lebensgefahr befinden, nicht einfach zum (richtigen) Islam zu konvertieren?
Dadurch stirbt dort eine christliche Kultur, die dort seit Jahrtausenden heimisch ist, was schade ist. Doch das tut sie auch, wenn die Menschen, welche diese Kultur leben, umgebracht werden.
Sollte uns dann die diesseitige Unversehrtheit der Menschen nicht wichtiger sein als ihr jenseitiges Seelenheil?

Die Verbreitung der grossen Religionen verdankt sich ja nichts anderem als dem Umstand, dass ganze Völker gezwungen wurden sich zu bekehren. Wenn es für die Kirchen okay war, wenn Leute unter Druck zum Christentum konvertieren, warum ist es dann nicht okay, wenn sie unter Druck vom Christentum weg konvertieren?

 

Man darf mich nicht falsch verstehen. Es gibt durchaus Dinge, für die es sich zu kämpfen und Opfer zu bringen lohnt. Dazu gehört sicherlich auch die Religionsfreiheit.
Aber für eine konkrete Religion?

Lasst sie nach Lourdes pilgern!

80 Schweizer Soldaten als Pilger in Lourdes

Laut KBM pilgern die Soldaten nach Lourdes um dort zu beten,
dass man NIE einen Krieg erleben und NIE töten muss.
IAC fragt, wie oft denn das schon geklappt habe mit dem Beten.
KBM hat bisher nicht geantwortet. Wohl weil sie noch zählt.

 

Wenn das wirklich funktionieren sollte, dann wäre es doch einen Versuch wert? Ich meine, eine Welt OHNE Krieg und OHNE Töten ist doch toll! Oder?

Es wäre denkbar, dass das Pilgern und Beten die Soldaten in einer Art und Weise verändert, dass sie mitten im Schlachtgetümmel ihre Waffen niederlegen um dem sinnlosen Morden ein Ende zu setzen. Das wäre denkbar und sicherlich äusserst christlich.
Auf diese Weise würde zwar tatsächlich weniger getötet, aber leider nicht ein Krieg verhindert. Denn über den entscheiden andere.
Allerdings ist das ohne Zweifel ein sichere Strategie die Schlacht zu verlieren, was wiederum eine bewährte Art ist Kriege zu beenden.
Von daher könnte da tatsächlich was dran sein.

Wenn dieser Ausgang allerdings ein realistischer wäre, bezweifele ich, dass die Generalität die Pilgerfahrt erlauben würde.

Vielleicht kommt der Friede aber auch zustande, weil Gott höchstselbst die Strippen ziehen wird. Nach all den Jahrhunderten der Zurückhaltung bewegen erst die Gebete von 80 Soldaten in Lourdes den Allmächtigen zum Handeln…

Das sind zwar keine 80 Soldaten, sondern etwa 16 Feuerwehrleute, aber man erkennt schon worauf es hinaus läuft… Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn diese Mannsbilder in die Knie gehen und so richtig leidenschaftlich zu beten beginnen, dass dann nie wieder ein Haus brennen wird1.
Das Problem aber ist, dass ich bezweifle, ob es die RICHTIGE Art von Frieden sein wird, wenn Gott sie einführt. Gott hat da nämlich gewisse Vorurteile gegenüber Andersdenkenden und es ist daher anzunehmen, dass der von ihm geschenkte Frieden wohl ein sehr christlicher sein wird, der gänzlich ohne beispielsweise Andersgläubige und Atheisten2 auskommen wird.
Und wollen wir das wirklich? Ist es uns das wirklich wert für den Frieden alle Andersdenkenden zu beseitigen? Wird man diese Art von Frieden nicht im Himmel noch lange genug ertragen müssen?

Okay, okay, es geht nicht darum die Andersdenkenden zu beseitigen, sondern darum sie zu überzeugen. Doch selbst wenn einem das allein mit Argumenten gelingen würde, hätte man dann das Andersdenken nicht dennoch beseitigt? Und würde das nicht zu einer massiven Reduktion der kulturellen Artenvielfalt führen? Man bedenke nur, was Gott im Laufe der Geschichte so alles missfiel und was ihm noch so alles zu missfallen einfallen könnte… Wollen wir das wirklich?

Oder beten die Soldaten dafür, dass Gott sich ändert? Dass er einen Frieden stiftet, wo es keinen Unterschied macht, ob man Jesus als einzigen Weg akzeptiert oder nicht, wo es egal ist, ob jemand sich rasiert, masturbiert oder abortiert?
Ich hege da meinen Zweifel.

Grundsätzlich frage ich mich sogar, ob Gottes es überhaupt gutheissen würde, wenn die Menschheit den Weltfrieden hinkriegt3? Als Gott im alten Testament noch wesentlich direkter die Politik seines Volkes mitbestimmte, führte er keine Gesetze ein, die eine friedliebende, gerechte Gesellschaft organisieren sollten, welche nie in irgendwelche Konflikte hineingezogen würde. Und die durch ihr Vorbild auch ihre Nachbaren dazu inspirieren sollte, friedliebende und gerechte Gesellschaften zu werden.
Meines Wissens wird nirgends in der Bibel der andauernde Friede als anzustrebender Idealzustand beschrieben. Das mag ein hübscher Nebeneffekt davon sein, wenn man sich an Gottes Regeln (welche das auch immer sein mögen) hält und Jesus als den einzigen Weg zu Gott akzeptiert, ein offizielles Ziel im Sinne eines göttlichen Auftrags ist es aber nicht.

Ich glaube, die Soldaten sind einfach gerne Christen, die es geniessen zusammen zu pilgern und zu beten. Das kann man ihnen nicht verdenken, manchen Leuten macht sowas wirklich Spass. Und das ist auch okay so.
Klar sie beten für Frieden, aber das ist eher sowas wie ein Mantra das man bei solchen Gegelenheiten eben inbrünstig runterleiert. Wirklich ernst meinen sie es nicht, denn sonst würden sie den Erfolg ihres Handelns evaluieren und wenn nötig modifizieren. Wenn es wirklich darum geht Leute zu retten, reicht es nicht einfach anzunehmen, dass das, was man tut, auch wirklich funktioniert. Man muss schon kontrollieren und optimieren.

Eine Frage ist aber noch offen: Dass die Generalität es nicht verbietet, weil sie nicht befürchten auf einmal Amish-Berserker in ihren Reihen zu haben, wissen wir, doch warum – zum Teufel – erlaubt sie es?

Amisch-Berserker
Ein Amisch-Berserker

Generäle sicherten sich seit jeher die Unterstützung der Religion, denn nichts vertreibt die lästigen Skrupel im Krieg besser als die Gewissheit im Auftrag des Herren unterwegs zu sein.
Und mit so einer Pilgerfahrt nach Lourdes füllt man seine Karma-Reserven üppig auf, so dass man in der nächsten Schlacht so richtig die Sau rauslassen kann. Man hat mit dem Beten schliesslich seine Schuldigkeit für den Weltfrieden getan.

Fun Fact: Der wohl berühmteste Wallfahrtsort der Welt, der am meisten Pilger angezogen hat, war zweifellos Jerusalem.

Warum genau soll man diese 80 Soldaten nicht Kreuzritter nennen?

Noch eine schelmische Frage am Rande:  Wie gehen eigentlich „Wahre Christen“ mit den Wundern von Lourdes um? Ihr wisst schon, jene Christen, die die katholische Kirche mit ihrer Verehrung von Maria für schrecklich irregeleitet halten. Nichts gegen Maria, sie war sicherlich eine tolle Frau, sie ist ihrer Ansicht nach aber einfach kein Weg um sich bei Gott Gehör zu verschaffen. Was also halten „Wahre Christen“ von den Wundern in Lourdes?
Wenn im Namen von Maria Wunder vollbracht werden, dann müsste das sowas wie das Legen einer falschen Fährte sein, die die Menschen auf völlig absurde Ideen bringt, wer im Himmel das letzte Wort hat. Und sowas würde Gott doch niemals tun, oder?
Sind die Wunder in Lourdes nach Ansicht der „Wahren Christen“ dann gar nicht Gotteswerke? Sondern die des Teufels, der mit diesen guten Taten einen Keil in die Christen-Gemeinde rammen will?

Doch keine Bange, liebe „Wahre Christen“, ein edler Ritter in Rollkragenpulli und beigem Sakko eilt zur Hilfe und weist statistisch nach, dass der Teufel, der Meister der Täuschung, selbst hier ohne Nettigkeiten die Leute in die Irre zu führen versteht:

The spontaneous remission rate of all cancers, lumped together, is estimated to be something between one in ten thousand and one in a hundred thousand. If no more than 5 percent of those who come to Lourdes were there to treat their cancers, there should have been something between 50 and 500 ‚miraculous‘ cures of cancer alone. Since only three of the attested 65 cures [accepted by the R C Church as miraculous cures] are of cancer, the rate of spontaneous remission a Lourdes seems to be lower than if the victims had just stayed at home.
Carl Sagan, The Demon-Haunted World p. 221

Warum ist ein Christ gegen Sterbehilfe?

Ich fragte in einer Diskussion über Sterbehilfe den linientreuen Katholiken MS1, warum er gegen diese ist. Seine Antwort halte ich für symptomatisch.

Ausgangspunkt der Diskussion war der folgende Kommentar von ihm:

MS : Mit Selbstmorden a la Exit hat die Kirche zu recht nichts zu tun und lehnt sie ab, da sie im klaren Widerspruch zum christlichen Glauben und den Geboten Gottes steht.
Angebote wie die von Exit welche den Selbstmord verherrlichen und als legitime ja gar wünschenswerte und angeblich würdevolle Option zu sterben darstellen gefährden das Seelenheil der Menschen verführen eine erschreckend Grösse Anzahl Menschen Selbstmord zu begehen.
Aus diesem Grund kann sowas als gläubiger Christ nicht gutheissen.

Sterbehilfe steht im Widerspruch zum Willen Gottes und ein gläubiger Christ darf sie deshalb gern so wenig gutheissen, wie er will. Eine komplett andere Sache ist jedoch, ob er sie demzufolge auch anderen zu verbieten dürfen glaubt? (Das Muster ist bekannt: Ein gläubiger Christ kann die Homosexualität nicht gutheissen, deshalb darf sie keiner praktizieren. Egal ob nun Christ oder nicht.)
Es ist möglich, dass es gute Gründe gegen die legale Sterbehilfe gibt. Wenn man mir diese zeigt und mir die Gelegenheit bietet, diese zu prüfen, und ich sie für überzeugend erachte, werde ich mich sehr gerne für ein entsprechendes Verbot aussprechen. Eine Zusicherung, dass ein unsichtbarer Mann im Himmel im Besitz der Gründe ist, reicht mir jedoch nicht.
Dass Sterbehilfeorganisationen den Selbstmord verherrlichen (und damit wohl populär machen) sollen, kommt mir arg übertrieben vor. Sie vertreten aber sicherlich die Meinung, dass es würdevoller ist selbstbestimmt aus dem Leben zu treten als als fahler Schatten seiner selbst unter Schmerzen dahin zu vegetieren. Und dem neige ich eigentlich zuzustimmen.

btw. Ich frage mich, wie populär das Christentum heute wohl wäre, wenn Jesus nicht in der Blüte seiner Jahre sondern altersschwach und ein bisschen senil gestorben wäre? Wie ein normaler Mensch eben. Er wäre dann nicht gekommen um für unsere Sünden zu sterben, sondern bloss um uns zu informieren, dass Gott uns unsere Sünden verziehen hat und jetzt ein neuer Bund gilt.
Ich schätze, das Christentum wäre bestenfalls eine kleine, kuriose jüdische Sekte.
Halbnackt ans Kreuz genagelt zu werden, ist nämlich sexy. Und es bediente und befeuerte Freude am eigenen Martyrium, welche im Christentum ja sehr ausgeprägt ist. Eine Neigung übrigens, die politisch äusserst vorteilhaft ist, weil es dem Leid die Notwenigkeit nimmt, an der Ursache etwas ändern zu wollen.
Hinzu kommt, dass das Jesus genug Zeit gegeben hätte alle seine Gedanken so zu formulieren, dass unterschiedliche Interpretationen weitgehend ausgeschlossen wären.

btbtw. Ich frage mich, als wie erfolgreich ein jeder Christ das Christentum einschätzen würde, wenn es von allen Christen seit jeher genau so verstanden worden wäre, wie er es versteht?
Die Gräuel der Kirchen in der Vergangenheit lehnt nämlich jeder ab, denn sie entsprechen nicht dem, was man denkt, was Jesus im Sinn gehabt hatte, allerdings ist nicht zu leugnen, dass diese fehlgeleiteten Christen früherer Zeiten damit das Christentum in die Welt getragen und erfolgreich gemacht haben, wie es auf eine liebenswürdige Art nie gegangen wäre.

Ob eine liberale Suizid-Handhabung jedoch tatsächlich zu mehr „unnötigen“ Suiziden führt, wie MS vermutet, müsste erst noch belegt werden. Schauen wir uns also die Daten an.

Die folgende Grafik habe ich zum Thema Alterssuizid auf der Webseite von Swiss Medical Forum gefunden. Sie zeigt die Suizidrate in der Schweiz von 1880 bis 2014. Auf der Webseite des Forum für Suizidprävention und Suizidforschung Zürich findet man die gleiche Grafik, allerdings nur bis 2010, wo der Aufwärtstrend gerade noch nicht eingesetzt hat. Dort wird erklärt, dass der unerwartete Rückgang seit den 1980er Jahren wahrscheinlich auf die Entwicklung und Verschreibung neuer Psychopharmaka sowie auch auf die besser Ausbildung von Medizinern und Therapeuten zurückzuführen sei, vor allem aber auf Umstand, dass Menschen mit psychischen Beschwerden zunehmend Hilfe in Anspruch nehmen. Sprich der zunehmend offene Umgang mit psychischen Problemen.

 

Bild-Quelle: SMF

Die Trendwende um 2010 herum von einem Plateau zu einer deutlichen Zunahme geht offensichtlich alleine auf die Sterbehilfe zurück, weil der Trend der nichtassistierten Suizide weiter kontinuierlich sinkend ist. Das heisst, dass eine grosse Zahl derer, die die Sterbehilfe in Anspruch nehmen, andernfalls wohl keinen Suizid begangen hätten. Von daher ist an der Aussage, dass Exit & Co Leute zum Selbstmord „verführen“, schon etwas dran.
Wenn man sich allerdings die Altersverteilung der Suizide anschaut und insbesondere, welche Altersgruppen den assistierten Suizid in Anspruch nehmen, dann lässt das vermuten, dass dies vor allem dann geschieht, wenn die Menschen ohnehin schon im Sterben liegen.

 

Bild-Quelle: SMF

Das wird auch durch die Richtlinien der Sterbehilfe-Organisationen bestätigt, die als Voraussetzung für die Sterbebegleitung die folgenden Voraussetzungen nennen: Urteilsfähigkeit und hoffnungslose Prognose oder unerträgliche Beschwerden oder unzumutbare Behinderung oder anhaltendes psychisches Leiden. Ob diese Punkte im konkreten Fall zu lax kontrolliert werden, darüber lässt sich streiten, festhalten muss man aber, dass man sich nicht einfach aus einer spontanen Laune heraus einen Exit buchen kann.

btw. Wenn Exit & Co also tatsächlich erfolgreich den Selbstmord verherrlichen und populärer machen würden, sollte der Trend dann nicht nur bei den assistierten Suiziden, sondern auch bei den jüngeren Jahrgängen und den nicht assistierten nach oben gehen?

btbtw. Ausser natürlich die Massnahmen und Medikamente sind so gut, dass der Trend eigentlich noch viel steiler nach unten gehen müsste. Doch das müsste man erst noch irgendwie belegen.

Die Menschen, welche die Sterbehilfe in Anspruch nehmen, liegen also offenbar im Sterben. Wenn sich jemand für den Freitod entscheidet statt für ein langes Dahinsiechen, dann würde ich das nicht unbedingt als einen Erfolg einer Verherrlichung des Suizids oder eine Verführung zum Selbstmord betrachten, denn hier wird nicht mehr sondern schneller gestorben.

Und wenn alles, was die Sterbehilfeorganisationen leisten, nur verkürztes Leiden ist, dann kann schnell der Verdacht aufkommen, dass Christen nur deshalb gegen den Freitod sind, weil dadurch auf der Welt weniger gelitten wird – was wir btw. schon immer vermutet haben.

Anyway. Gott mag es nicht und für einen Christen ist das Grund genug es abzulehnen.

EG : In einem säkularen Staat haben die Wünsche Gottes nichts zu suchen. Wenn man für oder gegen etwas ist, muss man es rational begründen.

[…]

EG : Die Frage ist nicht, ob ein Land die Sterbehilfe verbietet, sondern warum es das tut. Wenn es das tut, weil es Gott es verbietet, dann ist das problematisch, weil das nicht rational ist (weil für andersgläubige nicht notwendigerweise nachvollziehbar). Wenn es das aus rationellen Gründen tut, dann ist das okay.
Und zum Punkt, wo es um die Gefühlskälte in der Schweiz geht, präsentiert sogar MS den Punkt: „Es mag Dinge Situationen und Handlungen geben für die man Verständnis entwickeln kann.“
Sterbehilfe wird aus Mitleid geleistet. Von daher ist diese ultimative Geste des Mitgefühls vielleicht nicht das optimale Beispiel dafür, wie arm an Menschlichkeit die Schweiz ist ;)
[…]
Die Frage ist, warum MS gegen die legale Sterbehilfe ist. Wobei  in der Begründung kein Verweis auf Gott enthalten sein sollte.

Und jetzt geht es los. Hier kommt die Antwort.
DIE Antwort um genau zu sein:

MS : „In eineme säkularen Staat“? Als ob das in irgendeiner Form eine bessere Erklärung ware als „Gott sagt“.

„In einem säkularen Staat“ ist keine Erklärung für irgend etwas, sondern der Rahmen, welcher gewisse Arten von Erklärungen toleriert und andere nicht.
Die Schweiz ist ein säkularer Staat, das heisst Staat und Religion sind getrennt.
Manche meinen, noch lange nicht genug.
Andere dagegen, das sein nicht gut.

Ich nehme an2, MS will damit sagen, dass ein rationeller Grund nicht zwangsläufig ein besseres Ergebnis hervorbringt als ein theologischer. Das mag schon stimmen3, aber ein rationelles Argument spricht alle gleichermassen an, während dies bei „Gott sagt“ nur für einen Teil gilt, der darüber hinaus noch massiv schrumpft je spezifischer man wird, welchen Gott man konkret meint.

Jetzt kommt erstmal eine Liste von Klarstellungen

1. Geht es hier um was die Menschen glauben zum Thema Leben und Sterben und nicht um den Staat.

Ich bin mir nicht so sicher, ob es einen Unterschied gibt zwischen dem was die Menschen im Plural über das Thema „Leben und Sterben“ denken und dem, wie der Staat dazu steht. Zumindest sollte es idealerweise möglichst deckungsgleich sein, weil man andernfalls die Gesetze für ungerecht halten würde. Und da wir in einer Demokratie leben, liegt es durchaus in unserer Macht die Gesetze so zu gestalten, dass sie die Mehrheit für mehr oder weniger gerecht hält.
So oder so, die Frage, auf welche MS antworten soll, lautet, welche rationellen Argumente es gegen die Sterbehilfe gibt, so dass es gerechtfertigt wäre, diese zu verbieten. Wie die Menschen für sich damit umgehen wollen, ist dabei völlig unerheblich.

2. Geht es um den Sinn des Lebens..:Darum den Sinn im Leben zu erkennen egal in welcher Situation..egal ob gesund, krank…egal ob mit Schmerzen oder ohne…egal ob heilbar oder unheilbar krank.

Der Sinn des Lebens kann eine Person durchaus in der Entscheidung beeinflussen, ob sie die Sterbehilfe in Anspruch nehmen will, doch ich wüsste nicht, inwiefern das in dieser Diskussion relevant ist. Sofern man nicht davon ausgeht, dass es einen einzigen für alle gültigen Sinn des Lebens gibt und man im Besitz der Kenntnis von diesem ist und man deshalb das Recht, nein, die Plicht hat, den Leuten vorzuschreiben, was sie auf Grund dessen tun und nicht tun dürfen. So nach dem Motto: „Der Sinn des Lebens ist Jesus in seinem Martyrium nachfolgen, deshalb ist der Suizid, der dieses verkürzt, niemandem gestattet!“

Suizid-Gedanken, Absichten und Selbstmord sind Ausdruck von Hoffnungslosigkeit, Angst, Resignation, bei gewissen Leuten so scheint es von Feigheit, Verlust von Perspektive bzw. Unfähigkeit einen Sinn zu erkennen und ja oft Krankheit.

Natürlich ist die Planung eines (assistierten) Suizids Ausdruck von Hoffnungslosigkeit, Angst und Resignation. Genau darum geht es ja. Man ist zur Überzeugung gelangt, dass man nicht weiter kämpfen will. Man kann es feige nennen, wenn man will, das ändert aber nichts daran, dass diese Entscheidung von niemand anderem getroffen werden kann.
Sofern man sich – wie oben beschrieben – nicht im Besitz der Kenntnis des für alle gültigen Sinns des Lebens befindet. Denn dann kann man anhand dieses so ziemlich jeden Lebensaspekt aller Menschen bestimmen.

3. Sterbehilfe ist es einen Menschen egal wie schwierig es sein mag bis zu seinem natürlichen Tod zu begleiten, beizustehen und allfällige Schmerzen und zu liedern.

Auch, aber nicht nur. Hilfe braucht nicht notwendigerweise einen guten Ausgang zu haben. Man kann auch jemandem helfen sein Bein zu brechen – wobei hier natürlich vorausgesetzt wird, dass er es will – aus welchen Gründen auch immer.

Hier könnte man aber auch fragen, warum die Schmerzen lindern? Auch die haben schliesslich einen gottgegebenen Sinn… Es heisst doch sinngemäss: Gott bürdet uns nicht mehr auf, als wir zu ertragen fähig sind. Und nicht: Gott bürdet uns nicht mehr auf, als wir mit einer Dosis Morphium zu ertragen fähig sind.

4. Was Exit und co tun ist Beihilfe zum Selbstmord. Dafür das Wort Sterbehilfe zu benutzen ist reiner Euphemismus

So kann man es sehen.
Wobei bei einem Mord eigentlich jemand aus niederen Motiven gegen seinen Willen stirbt, was hier aber nachweislich nicht der Fall. Von daher halte ich den Begriff Mord im Zusammenhang mit Suizid für ein etwas irreführendes, vorverurteilendes Wort. Das mag früher okay erschienen sein (vgl. Eselsbegräbnis), aber heute? Was spricht gegen den Begriff Totschlag?

5. Beihilfe zum Selbstmord zu leisten als noble Geste bzw. ultimative Geste des Mitleids zu verkaufen verzerrt die Wahrheit…den es ist nichts anderes als das Richtige aus falschen Gründen tun…wobei das Richtige das Mitleid wäre und der falsche Ausdruck dieses Mitleids Beihilfe zum Selbstmord zu leisten und die Unterstützung von Exit und co.

Meint er hier wirklich, dass das Richtige aus den falschen Gründen zu tun, falsch sei?
Ich halte ein solches Richtiges zwar für nicht nachhaltig, weil es aus den falschen Gründen geschah, aber ich ziehe es dennoch immer dem Falschen vor.
(Beihilfe zum Selbst-)Mord ist eine Tat und Mitleid ein Grund. Dass MS es umgekehrt zu interpretieren versucht, um nicht schreiben zu müssen: „Das Falsche aus den richtigen Gründen tun.“, kann ich allerdings nachvollziehen, denn idealerweise sollte es eigentlich gar nicht möglich sein mit guten Gründen etwas falsches zu tun. Sowas kann nur passieren, wenn die Gründe nicht zu den Fakten passen und man irgendwas übersehen hat.

Und jetzt kommen endlich die langersehnten rationalen Argumente(?)

Rationale Argumente?

Was wäre das in Ihren Augen?
-> Leid der Angehörigen und Freunde über den oft unbegreifenbaren Selbstmord eines Angehörigen oder nahen Freundes oder eines Partners/Partnerin?

Ja, das ist ein Argument.
Das Traumatische am Selbstmord für die Angehörigen ist in der Tat, dass es unbegreifbar ist.
Mit einem assistierten Selbstmord hat man aber die Gelegenheit den Hinterbliebenen seine Entscheidung zu erklären und sich von ihnen zu verabschieden, weil man eben nicht befürchten muss, sie würden einen rechtskräftig davon abhalten. (Und selbst wenn der Patient sich das nicht traut und die Angehörigen damit überrascht, dann hat er es doch stellvertretend der Sterbehilfeorganisation erklärt, die ohne eine rationale Erklärung nicht aktiv geworden wären.)
Man wird vielleicht nicht damit einverstanden sein, weil man noch Hoffnung hatte, umbegreifbar ist die Entscheidung aber nicht. Ganz im Sinne, wie es MS weiter oben ausgeführt hat: „Es mag Dinge Situationen und Handlungen geben für die man Verständnis entwickeln kann.“
Von daher ist dieser Punkt wohl doch kein Argument, weil er von falschen Voraussetzungen ausgeht.

Hinzu kommt, und das wird sich in seinen weiteren Ausführungen durchziehen, dass MS keinen Unterschied zu machen scheint zwischen den Selbstmorden, welche von Sterbehilfeorganisationen unterstützt werden (nachweislich hoffnungslose Fälle nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand) und solchen, sie aus eine verzweifelten Situation heraus begangen werden ohne vorher Hilfe in Anspruch genommen zu haben (hoffnungslose Fälle nach persönlicher Einschätzung).

-> Kosten für die Gesellschaft wenn jemand Selbstmord begeht anstelle weiterhin einen Beitrag zu leisten?

Leute, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen, sind tödlich kranke Patienten, die eine „hoffnungslose Prognose oder unerträgliche Beschwerden oder unzumutbare Behinderung oder anhaltendes psychisches Leiden“ haben. Also Leute die, vielleicht abgesehen von einem spirituellen, keinen wirtschaftlichen Beitrag mehr für die Gesellschaft zu leisten vermögen.
Wie gesagt, man kann der Meinung sein, dass Leiden heilsam sein kann für einen selbst und für jene, die es mitansehen müssen. Dem will ich auch gar nicht widersprechen. Allerdings ist dem ab einem gewissen Punkt das Nichtleiden dennoch vorzuziehen. Wir wollen schliesslich Leute nicht Leiden lassen nur damit wir was draus lernen, oder?

Ich denke es ist der Gesellschaft mehr gedient, wenn man in Suizidprävention und Palliativ care investiert.

Das eine schliesst das andere ja nicht aus.
Wobei hier vielleicht nach der interessante Effekt erwähnt werden sollte, dass das Wissen um die Möglichkeit, dass man „problemlos“ das Leben würdevoll beenden kann, wenn man nicht mehr kann, vielen Leuten Mut und Kraft zum Weiterkämpfen gibt. Seine Sehnsucht nach der Erlösung in einem frühzeitigen Tod nicht aussprechen zu dürfen, weil das als etwas unmoralisches betrachtet würde, führt dagegen zu einer Isolation, welche alles viel schlimmer machen kann. Ein offener Dialog mit allen Optionen kommt jedem zugute. Doch dieser ist nur möglich, wenn alle Optionen auch legal sind.

Seit es Exit, Dignitas und co gib, hat der Suzid/die Akzeptanz von Suizid stark zugenommen und die Leute so scheint es haben verlernt des Tod als normalen und natürlich Teil des Lebens anzunehmen und man bringt sich lieber präventiv vorher selbst um statt sich mit Alterbeschwerden oder Krankheit zu arrangieren:

„Neuchâtel, 11.10.2016 (BFS) – Im Jahr 2014 wurden in der Schweiz 742 Fälle von assistiertem Suizid verzeichnet, 26 Prozent mehr als im Vorjahr und zweieinhalbmal so viel als noch 2009. Die Betroffenen waren zu 94 Prozent über 55-jährig und litten in den allermeisten Fällen unter einer schwerwiegenden, zum Tod führenden Krankheit. Die Suizidzahlen ohne Sterbehilfe sind seit mehreren Jahren stabil: 2014 haben sich 1029 Personen das Leben genommen. Dies sind die neuesten Ergebnisse des Bundesamts für Statistik (BFS), das hierzu zum zweiten Mal einen Bericht vorlegt.“

Dass die Akzeptanz an etwas, das nicht falsch ist, stark zugenommen hat, ist doch was gutes. Dass die Akzeptanz von Ausländern, berufstätigen Frauen, Homosexuellen und unverheirateten Eltern zugenommen und deren Diskriminierung abgenommen hat, ist doch was gutes?
Wahrscheinlich nicht in den Augen von allen…
Und der Zeitungsausschnitt bestätigt übrigens meine Position. Es sind alte Menschen mit einer schwerwiegenden, zum Tode führenden Krankheit. Sprich (nochmals), sie verkürzen lediglich das Leid. Von negativen Folgen für die Gesellschaft steht hier nichts.
Und ich finde es eigentlich ganz okay zu verlernen, wie man leidet.

Suizidprävention erscheint mir doch wesentlich besser als Sterbefantasien zu bedienen und aus dem Tod ein Geschäft zu machen in dem man ähnlich wie bei einer Luxusreise im luxuriös abtritt oder gar sowas draus macht wie David Goodall.

Wieso sollen der Abschied und der Tod nicht schön gestaltet werden dürfen?
Aber dass es potentiell gefährlich ist, aus dem Tod ein Geschäft zu machen, stimmt. Da ist die Politik tatsächlich in der Pflicht das adäquat zu regeln. Das ist aber ein altes Problem, welches genauso bei der Medizin besteht.

Im übrigen sehe ich nicht ein warum Christen ihren Glauben an Gott verleugnen sollten und rein säkulare Argumente liefern müsse um Atheisten von ihren ethisch und moralischen Positionen zu überzeugen. Als ob deren Weltbild das einzige richtige wäre.. Damit wird doch im Klartext Religion, Glaube und Gott jede relevanz abgesprochen. Dazu kommt noch, dass es Ziel des Christentums ist Nicht-Gläubige von der Existenz Gottes zu überzeugen und dass kann man eben nicht wenn man sich selbst zensiert und so tut als zähle Glaube an Gott nicht. Wenn man nicht von seiner eigenen Botschaft überzeugt ist hat diese auch keine Kraft.

Ich finde es bezeichnend, dass rationale Argumente zu liefern als ein Akt der Verleugnung des Christentums betrachtet wird!
Rationale Argumente müssen gebracht werden, weil die theologischen die Nichtchristen nicht überzeugen. Und wir wollen doch überzeugen und nicht bevormunden, oder?
Niemand hindert irgendjemanden daran zu glauben, was er will. Und auch nicht daran, jeden von der Existenz Gottes zu überzeugen. Man darf lediglich keine Gesetze erlassen, welche den Glauben an Gott vorschreiben. Das verlangt die Trennung von Religion und Staat. Man darf die Macht des Staates nicht einsetzen um eine Religion zu propagieren.

Von einer Zensur kann also keine Rede sein. Ihr werdet höchsten ausgelacht. (Das ist unser Evangelium und das werden wir doch auch verkünden dürfen ;)

Was ist das für eine Gesellschaft, die den Tod entweder verleugnet oder vor dem Leben davonläuft?

Inwiefern ist Sterbehilfe eine Verleugnung des Todes? Eine Verleugnung der Existenzberechtigung des Leidens vielleicht, aber ganz sicher nicht des Todes.
Und das Leben, vor dem man beim (assistierten) Suizid davonläuft, ist ein unerträgliches Leben. Man läuft also nicht vor dem Leben, sondern vor dem Leid davon.
Es ist eine Gesellschaft, welche den Leuten nicht vorschreibt, was sie zu tun uns lassen haben. Und das ist doch eigentlich gut.

Wahre Würde ist die positive Annahme des Lebens und des Todes auch in schwierigen Situationen und nicht das krankhafte Festhalten an einer illusionären Kontrolle über das Leben und den Tod. Angst ist ein schlechter Ratgeber.

Würde. Ja, die darf nicht unerwähnt bleiben.
MS versucht sich hier an einer Definition. Ich würde zwar eine vorziehen, die den Besitz einer einzigartigen Seinsbestimmung und den von allen Unterscheidungsmerkmalen unabhängigen Wert hervorhebt, aber ich kann mit dieser leben.

Ich kann aber nicht nachvollziehen, wie aus diesem Verständnis von Würde eine Ablehnung des Suizids abgeleitet werden soll. Indem ich das Leben und den Tod annehme und die Grenzen des Kontrollierbarkeit akzeptiere, gebe ich doch nicht meine Freiheit ab, über mein Leben zu bestimmen? Ich weiss, Christen sehen das Leben als ein Geschenk Gottes, für das es in seinem Sinne zu sorgen gilt. Doch ich sehe das nicht so. Aus meiner Sicht gehört mein Leben mir und es steht mir frei damit umzugehen, wie ich will. (Wobei ich aber schon auch noch eine gewisse Verantwortung meinen Mitmenschen gegenüber habe, was meinen Spielraum beträchtlich einschränkt.)
Und ja, Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ob er in der Entscheidung zum assistierten Suizid viel zu sagen hat, wage ich zu bezweifeln, schliesslich sind es rationale Argumente, welche vorgebracht werden müssen. Und die sind im Gegensatz zu theologischen relativ befreit von der Angst.
Wenn man wegen der angedrohten Hölle vom Suizid zurückschreckt, ist das nicht eine sehr viel mehr von Angst geleitete Entscheidung?

Unsere Gesellschaft insbesondere die Befürworter von „Freitod“ geben da ein völlig falsches Beispiel…ein weiterer Grund warum ich gegen Sterbehilfe a la Exist bin.

Befürworter vom Freitod zeigen in der Tat, dass man selbstbestimmt in den Tod gehen kann. Dass das ein schlechterer Tod ist, als ein erlittener, müsste erst noch gezeigt werden. Ob nun für die Gesellschaft oder für den Toten selbst.

Hoffnung und Sinn ist besser als Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit.

Durchaus. Aber es gibt einen Punkt, ab dem Hoffnung und Sinn nur noch Illusionen sind. Und sollte man Illusionen nicht vermeiden?

Im übrigen ist Suzid was komplett irrationales..

Ein Mensch ist krank ohne Chance auf Genesung und leidet unerträglich Schmerzen. Der Suizid bringt Erlösung. Was ist daran irrational?
Nur ein Wunder könnte hier noch was ändern. Ist auf ein Wunder zu hoffen rational?

ebenso irrational ist es etwas kontrollieren zu wollen das man nicht kann.

Aber hier kann man es ja gerade kontrollieren. Ich kann bestimmen, wann genug ist, wann ich den Kampf beenden will.

Selbstmord ist doch nur die Reaktion auf etwas Unkontrollierbares und der fehlgeleitete Versuch die Kontrolle wieder zu erlangen.

Man mag es für fehlgeleitet halten, weil man das Leiden dem Tod vorzieht, aber es ist nicht bloss der Versuch die Kontroll wieder zu erlangen, es ist die Kontrolle tatsächlich zu besitzen.

Also ist ein Selbstmord nie ein Freitod.

Was wäre denn ein Freitod, wenn nicht ein Tod für den man sich furchtlos, selbstbestimmt entscheidet?

Wahre Souveränität und Würde ist doch die Situation anzunehmen wie sie nun mal ist und nicht von ihr davon zu rennen und sich von ihr sein Leben bestimmen zu lassen bzw. in diesem Fall sich von ihr sein Leben nehmen zu lassen. Der Tod kommt schon ganz von alleine und wenn er kommt, dann kommt er eben.

Wegrennen, das Erfolgsrezept von Doctor Who

Das ist die Meinung von MS. Und die darf er ruhig haben. Sie ist aber nicht überzeugend, weil er nicht dargelegt hat, warum davonrennen nicht auch eine souveräne und würdevolle Reaktion auf eine Situation sein kann. Wenn ich fortrennen will, dann sollte es mir frei stehen, es zu tun.

Als Christ weiss und glaub ich, dass der Tod nicht das Ende ist sondern nur ein Übergang in neues ewiges Leben ist.

„25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ Johannes 11, 25-25

Nein, das glaube ich nicht.

Und ich glaube auch nicht, dass hier ein Punkt gegen die legale Sterbehilfe gemacht wurde. MS hat deutlich gezeigt, dass Suizid aus der Perspektive seiner Weltanschauung ein Akt der Feigheit ist. Er hat aber nicht gezeigt, warum Feigheit und Fluchthilfe strafbar sein sollten.

Was genau hat eigentlich die Theologie an der Universität zu suchen?

Theologische Fakultät der Universität Zürich

Ich will der Theologie keineswegs ihre Existenzberechtigung absprechen. Wenn Leute Lust haben, sich mit dieser zu beschäftigen, sollen sie es gerne tun. An der Universität hat sie als eigenständige Disziplin aber ebenso wenig etwas verloren wie die Astrologie.

Sich mit den Texten des Alten und Neuen Testaments befassen, um die in den biblischen Texten enthaltenen Konzeptionen in literarischer, religions-geschichtlicher und theologisch-hermeneutischer Hinsicht präzise beschreiben und analysieren zu können1, kann man auch in den Sprach- und Literaturwissenschaften. Wenn die es mit dem Gilgamesch Epos, Homer, der Aeneis, dem Nibelungenlied, der Edda,  den Canterbury Tales, Gargantua und Patagruel, Don Quijote, Willhelm Tell und und Game of Thrones hinkriegen, dann sollten sie es auch mit der Bibel schaffen2.

Nach der Geschichte des Christentums in seinen unterschiedlichen Kontexten, nach der Geschichte von Denken, Glauben und Frömmigkeit und dem Niederschlag der christlichen Tradition in Politik, Ethik, Kunst, usw.3 kann man auch in der Geschichte, Soziologie, Politologie, Ethik und Kunstgeschichte fragen.

Die dogmatischen Zusammenhänge und die ethischen Implikationen der in der Tradition vertretenen Theologien und ihre gegenwärtige Relevanz in ökumenischer und gesellschaftlicher Verantwortung4 können auch die Sozialwissenschaften und die Philosophie untersuchen. Es ist schliesslich der Job dieser Disziplinen nach der Relevanz von allem möglichen Ideen für die Gegenwart zu fragen.

Mit den Mustern rationaler Argumentation, die sich im Laufe der Geschichte der Philosophie in Auseinandersetzung mit anderen Bereichen der Kultur entwickelt haben5, befasst sich die Philosophie.

All die in diesen Fächern angebotenen Veranstaltungen hätten genauso gut auch in den Fächern anderer Fakultäten angeboten werden können. Und viele dieser Fächer werden auch tatsächlich von anderen Faktultäten crossgelistet – von daher ist es tatsächlich nur eine administrative Frage, wer für sie zuständig ist.

Die Praktische Theologie kann demgegenüber nicht anderswo angesiedelt werden. Denn ihre Kernaufgabe ist die Reflexion einer zeitgemässen und sachgerechten Kommunikation des Evangeliums in der Gegenwartskultur6.
Genauso wie in der Medizin durchaus ebenfalls viele Fächer anderswo aufgehängt sein könnten – ich denke da beispielsweise an die Pharmakologie, die auch in der Chemie, oder die Anatomie, die in der Biologie angeboten werden könnte -, bleibt die Fragestellung, wie man die Erkenntnisse der Medizin konkret auf den Menschen anwendet, das, was die Medizin ausmacht. Analog eben auch bei der Theologie, wie man das Evangelium an den Mann bringt. Oder bei der Astrologie, wie man dem Kunden etwas verkauft.

Allerdings ist die Astrologie inzwischen ja kein Disziplin mehr, die an der Universität angeboten wird. Weil die Grundlage, dass es einen Zusammenhang zwischen astronomischen Ereignissen und irdischen Vorgängen gibt, schlicht und ergreifend wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Demgegenüber hilft Aspirin gegen Kopfweh. Und bei einer Blinddarmoperation ist die Sterblichkeit unter 0.1%. Das bedeutet, dass die Grundlagen der Medizin offenbar zumindet halbwegs solide sind.

Wie steht es um die Basis des Evangeliums? Weder die Existenz des dort beschriebenen Gottes, noch die des dort in Aussicht gestellten gloriosen Lebens nach dem Tod konnte bewiesen werden, geschweige denn dass das akzeptieren des einen tatsächlich zum Eintritt ins andere führt.
Dass das Evangelium einen wertvollen Beitrag für das Wohl der Menschen leisten kann, mag schon stimmen7, doch das könnte auch für die Astrologie gelten. Kurz, das ist irrelevant.

Wie es jetzt also aussieht, finanzieren wir mit der Theologie einer Organisation die Ausbildung ihres Personals und die Entwicklung einer Strategie die Weltherrschaft zu übernehmen. Eine sehr hübschen und lieben Weltherrschaft, wohlgemerkt. Eine frei von Zwang und Angst und Homosexualität.

Dennoch, irgendwie geht es nicht auf. Eine säkulare Gemeinschaft kann nicht guten Gewissens eine Theologische Fakultät unterhalten.

Was also stellen wir mit der Theologie an?

Ich habe eine Lösung.
Eine wirklich gute.
Und die werde ich hier bald vorstellen.

Lot und seine Töchter

Erst eine kurze Zusammenfassung:

Gott informiert Abraham darüber, dass ihm die Zustände in Sodom und Gomorra nicht gefallen und er also die beiden Städte vom Erdboden tilgen will. Abraham gelingt es darauf in zähen Verhandlungen von Gott die Zusage zu erhalten, dass er die Orte verschonen wird, wenn sich dort 10 gerechte Menschen finden lassen.
Also schickt Gott zwei Engel nach Sodom um sich da mal ein bisschen umzusehen. Lot empfängt die beiden am Tor und komplimentiert sie zu sich nach hause, weil es angeblich für zwei so stattliche Burschen des Nachts in der Stadt nicht sicher sei.
Dort angekommen bewirtet er sie und wäscht ihnen wahrscheinlich auch die Füsse und als es dann Zeit wird ins Bett zu gehen, kommen alle Männer der Stadt zu Lots Haus und fordern von diesem die beiden Gäste zu einem kleinen Fick hinauszuschicken. Lot begibt sich dann vor die Tür und versucht mit dem Mob zu verhandeln. Er bietet ihm statt der Engel seine beiden jungfräulichen Töchter an. Eine Einigung ist nicht möglich und es kommt zu einem Handgemenge, aus dem Lot nur dank der Hilfe der beiden Engel entkommt, die dazu kurzerhand alle Anwesenden blenden.
Die beiden Engel informieren darauf Lot, dass er seine Sachen packen und mit allen, die zu ihm gehören, die Stadt verlassen soll, weil sie diese zerstören werden. Also begibt sich Lot zu den Verlobten seiner Töchter und erklärt ihnen den Sachverhalt, diese glauben es ihm aber nicht nicht.
Am nächsten Morgen drängen die beiden Engel die Familie zum Aufbruch. Doch da Lot zu zögern scheint, packen sie die Eltern und die Töchter und werfen sie eigenhändig aus der Stadt. Zum Abschied erklären sie ihnen, sie sollen unbedingt so schnell wie möglich ins Gebirge gehen und auf dem Weg dorthin aber auf gar keinen Fall stehen zu bleiben oder sich umzudrehen.
Lot wendet ein, dass er aber statt ins Gebirge viel lieber in die Stadt Zoar gehen möchte. Die Engel gewähren ihm den Wunsch.
Und tatsächlich, sobald Lot die Stadt betritt, lässt Gott Feuer und Schwefel über Sodom und Gomorra regnen und vernichtet die ganzen Städte und das umliegende Land und alles was drauf kreucht und fleucht.

Lots Frau aber schaut zurück und erstarrt zur Salzsäule.

Und da es ihm in Zoar irgendwie unheimlich wird, zieht Lot mit seinen beiden Töchtern weiter ins Gebirge, wo sie es sich in einer Höhle gemütlich machen. Weil weit und breit kein anderen Mann zu finden ist, machen die Töchter ihren Vater betrunken und lassen sich von ihm in zwei aufeinanderfolgenden Nächten schwängern.
Und die Ältere gebiert Moab, den Stammvater der Moabiter, und die Jüngere Ben-Ammi, den der Ammoniter.

Und jetzt ein paar Fragen:

Ein allmächtiger, allwissender, allgütiger Gott fällt den knallharten Entschluss eine Stadt und alle ihre Bewohner zu vernichten und lässt sich dann von einem Papaschlumpf dergestalt umstimmen, dies nur dann zu tun, wenn sich dort keine 50 Gerechten finden lassen? Und dann lässt er sich von 50 auf 45, dann auf 40, dann auf 30, dann auf 20, dann auf 10 herunterhandeln? Und wer weiss, wie es noch weiter gegangen wäre, wenn Gott da nicht einfach weglaufen wäre.
Dass sich am Ende nur 4 Leute, resp. 3 Leute und eine Salzsäule, finden liessen, die es wert sind gerettet zu werden, lässt es zwar so aussehen, als hätte sich der ursprünglich Wille Gottes am Ende doch durchgesetzt, das ändert aber nichts daran, dass er lausig gefeilscht hat.
Und es wirft die Frage auf, ob das wirklich alle Gerechten von Sodom waren? Man kann nämlich nicht gerade behaupten, die Suche wäre systematisch gewesen.

Und wie kommen eigentlich die Leute von Gomorra dazu umgebracht zu werden, nur weil die beiden Engel in Sodom nicht genug Gerechte fanden?

Die beiden Engel sollten in der Nacht durch Sodom spazieren und nach gerechten Menschen Ausschau halten. Stattdessen verbrachten sie den ganzen Abend bei Lot und schlugen sich die Bäuche voll. Ist das keinem aufgefallen? So findet man keine Gerechten.

Und was haben die Engel eigentlich angestellt, dass die männliche Bevölkerung so scharf auf sie war? Wird da nicht etwas verschwiegen?
Mir kommt da spontan der unwiderstehliche John Travolta alias Michael in den Sinn.

Und was ist das für ein Mensch, der einem Mob seine Töchter anbietet? Einem Mob, der offensichtlich Interesse an Männern hat. Wäre da nicht eine andere Person im Haushalt gewesen, die dem Geschmack der Menge besser entsprochen hätte? Eine, die er sogar rechtmässiger hätte anbieten können?
War das wirklich eine so noble Geste, wenn er wusste, dass seinen Töchtern unter diesen Umständen gar keine Gefahr droht? War es nicht viel mehr leichtsinnig, weil er die Sache mit einem solchen Vorschlag eher eskalieren lässt.

Wie es heisst, ist auch Lot ein Fremder in der Stadt.
Wieso ist er überhaupt in eine solche Stadt gezogen? Wieso hat er sie nicht längst schon wieder verlassen? Und wieso hat es seine Töchter zwei Sodomiten versprochen?
Das alles spricht weniger für einen gerechten, fürsorglichen Vater, als viel mehr für jemanden, der erkannt hat, dass sich in einem Sündenpfuhl bessere Geschäfte machen lassen.

Wenn er neu in der Stadt ist, wie vertraut ist Lot dann wohl mit den örtlichen Gebräuchen? Könnte er versehentlich selbst den ganzen Konflikt entfacht haben, indem er den hiesigen Brauch Gäste mit einem fröhlichen Akt der Kopulation willkommen zu heissen rüde ausgeschlagen hat? Sprich das falsche Gastrecht angewendet hat?
In abgeschiedenen Gemeinschaften kann es Sinn machen, den Gästen die eigene Frau anzubieten um so den Genpool wieder ein bisschen aufzufrischen. Vielleicht verhielt es sich in Sodom ähnlich und ein Ablehnen, was eine potentielle Gefahr für die Gesundheit der Gemeinschaft bedeuten würde, musste als böswilliger Affront interpretiert werden.
Ich unterstütze solche Bräuche nicht. Leute aber, die solche praktizieren, brauchen deswegen aber noch lange nicht böse sein. Schliesslich hegen sie damit keine niederträchtigen Absichten.

Wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, ich solle Zürich verlassen, weil es morgen in einem Feuerregen untergehen wird, dann werde ich auch lachen und es nicht glauben. Wenn ich jedoch ein paar Minuten vorher erblindet wäre, nachdem ich ein bisschen zu frech eine fremde Person angeflirtet habe, dann würde ich sicherlich nicht lachen.
Die Verlobten von Lots Töchtern waren im Mob, weil alle männlichen Bewohner der Stadt in diesem Mob waren,  und mussten demzufolge geblendet worden sein. Wieso glaubten sie Lot also nicht? Und selbst wenn sie ihm nicht glaubten, hätten sie die Schwiegerfamilie in spe dennoch begleiten können – insbesondere da sie ja jetzt blind waren.
Sie wären also gerettet worden, wenn sie nur ein bisschen rationaler gewesen wären. Dann wären also auch Leute aus dem Mob gerettet worden. Also wären sie auch gerecht gewesen? Ist Gerechtigkeit anstecken? Meint hier Gerechtigkeit das gleiche wie heute?
Damit wären es dann 6 Gerechte in Sodom gewesen. Nur eine Verhandlungsrunde von einer General-Amnestie entfernt. Haarscharf würde ich sagen. Kein Präzedenzfall auf den man stolz sein sollte.

Der Vater zieht in eine fragwürdige Nachbarschaft, verlobt seine Töchter mit stadtbekannten Vergewaltigern und bietet sie am Ende sogar dem Mob an und die Töchter, die lieber ihren Vater abfüllen um sich von ihm schwängern zu lassen als als alte Jungfern zu sterben. Sind die wirklich okay in den Augen Gottes? Okay in einer Art und Weise in der die Mutter nicht okay ist?

Erst wird die Mutter gerettet, dann wird sie Opfer von zusätzlich hinzugefügten Regeln. Wie verlässlich ist das Urteil Gottes? Er hat offenbar das Recht jederzeit neue Bedingungen aufzustellen.

Was hat Lots Frau eigentlich gesehen, als sie zurück geschaut hat? Warum war es überhaupt verboten? Wurde sie getötet, weil sie etwas sah, das sie nicht sehen sollte? Welches Geheimnis vertuscht ihr Tod?

Gibt es unabhängige Zeugen, die die in der Bibel beschriebenen Ereignisse bestätigen können?
War vielleicht die Mutter eine Zeugin, die sich nicht einschüchtern liess? Musste sie deshalb eliminiert werden?

Waren zum Zeitpunkt als Sodom zerstört wurden, keine Touristen und Händler zugegen, die es auch verdient hätten gerettet zu werden?

Sollte Sodom nicht auch durch den Regenbogenbund vor Feuer geschützt sein? Das klingt, als habe sich hier Gott aus einem Vertrag gemogelt.

Nicht mal Säuglinge waren unschuldig genug um gerettet zu werden?

Wieso sind Lots Töchter in einer solch verruchten Stadt eigentlich noch Jungfrauen?

Und last but not least: Ist Füssewaschen in Sodom das gleiche wie anderswo?

#IchFragJaNur

Von Abschreckung und Sexsklavinnen

The Story of Moses and the Midianites von Barbara Griffiths

Ich meiner ersten „Wie Viele Verse“-Challenge ging es um Genozid und Sexsklavinnen im alten Testament und dabei stellte sich mir die Frage, warum nur die jungfräuliche Mädchen „verschont“ wurden? Ist es nicht Verschwendung von wertvoller Sklaven-Arbeitskraft? Das klingt so gar nicht nach einem für seinen Geiz bekannten Volk…

Ein Zyniker könnte vermuten, damit niemand merkt, wie schlechte Liebhaber die auserwählten Männer sind?

Ich denke, es ging um Abschreckung.

Indem man ihnen ihren schlimmsten Albtraum in Aussicht stellt, schüchtert man seine Feinde effektiv und nachhaltig ein. Und der ultimative Albtraum in einer patriarchalen, von weiblicher Reinheit besessenen Gesellschaft dürfte tatsächlich sein, wenn man die Stammhalter umbringt und die Mädchen vergewaltigt.
Ein Volk zu versklaven ist übel, doch wie die Juden aus eigener Erfahrung wissen, kann sowas nach 400 Jahren auch wieder vorüber sein. Vernichtetes Leben und verlorene Unschuld lassen sich dagegen nicht mehr wiederherstellen.
Die Vergewaltigung von Sklavinnen ist daher kaum ein bedauerliches Verfehlen von einzelnen notgeilen Sklavenhaltern, sondern Programm. Schliesslich will man als Kultur ein Exempel statuieren, welches die zukünftigen Widersacher immer vor Augen haben.

Völkermord und Vergewaltigung sind vielleicht eine erfolgversprechende Strategie, wenn es darum geht die Nachbaren zu unterdrücken, nicht jedoch wenn das Ziel andauernder Friede mit diesen ist. (Und das ist doch das eigentlich Ziel, oder?)
Das wusste man vielleicht damals nicht.
Das wissen wir aber heute.
Und das hätte auch Gott wissen müssen als er Moses den Genozid an den Midianiter befahl. Ca. 1500 Jahre bevor er mit der Nächstenliebe eine nachweislich bessere Strategie einschlug1!

Wieso, zum Teufel, hat das so lange gedauert?
Warum hätte Jesus nicht gleich statt Moses kommen können? Oder zumindest kurz nach diesem? Oder vor diesem? Lange vor Moses, gleich nach der Sintflut! Gott hätte die 10 Gebote (und die Nächstenliebe und die andere Backe) auch gleich Noah mitgeben können. Auf diese Weise wäre auch sichergestellt worden, dass alle sie erhalten.

Oder mussten die Menschen erst noch eine Entwicklung (Evolution;) durchmachen, bevor sie die andere Wange hinzuhalten fähig wurden?

Okay. Ja. Es ist möglich, dass anderthalb Jahrtausende vor Christus die Zeit für gewisse Ideen noch nicht reif war2

Impfungen und bedingungsloses Grundeinkommen vielleicht.
Aber auch Nächstenliebe?

Hätte die Idee von der Nächstenliebe3 wirklich nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt auf  fruchtbaren Boden stossen und ihren Siegeszug antreten können?
Wirklich wirklich nicht?
Denn wenn es möglich gewesen wäre, dann war es in höchstem Masse unmoralisch gewesen, die Idee nicht schon früher zu offenbaren. Weil dadurch unzähligen Menschen unsägliches Leid erspart geblieben wäre.
Und wenn es tatsächlich nicht möglich war… Gibt es überhaupt ein „Geht nicht!“, wenn die Idee von einem allmächtigen lieben Gott und seiner unbesiegbaren Armee, die – wohlgemerkt – nicht mal vor Genozid und Sexsklavinnen zurückschreckt, präsentiert wird? Welcher Skeptiker könnte solchen Evidenzen wohl allzu lange widerstehen?

Okay, hier stellt sich die Frage, ob die Vertreter opponierender Ideen wussten, dass ihnen eine Armee mit der Unterstützung des einen, allwissenden und allmächtigen Gottes gegenüber stand?
Wussten die Midianiter (zumindest so lange, bis sie alle ohne Gnade niedergemacht wurden), dass sie nicht verloren haben, weil sie zahlenmässig, kriegstechnisch oder taktisch unterlegen waren, sondern weil der allgütige Gott die andere Seite tatkräftig unterstützt hat?

Das sollte man doch meinen, denn was nützt es einem Gott einer Seite zu helfen, wenn die andere es nicht erkennt? Ein Sieg ist schliesslich kein Hinweis auf göttliche Intervention. Wenn die anderen es nicht merken, dann kann er es sich auch gleich sparen. Sowas fördert nur Extremismus und Terrorismus. (Und das liegt doch nicht in seinem Interesse, oder?)
(ODER?)

Wie viele Verse : Genozid

Ein Spielchen gefällig?
Ich gebe einen Bibelzitat vor, welches von einem Laien in der Regel falsch interpretiert wird, und du musst die Sache allein mit Bibelversen klar stellen.
Wie viele sind dazu mindestens nötig?

Ich wähle aus dem alten Testament:

Den Krieg gegen die Midianiter

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Übe Rache für die Israeliten an den Midianitern, und danach sollst du versammelt werden zu deinen Vätern. 3 Da redete Mose mit dem Volk und sprach: Rüstet unter euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken. […] 7 Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. […Gewaltorgie…] 9 Und die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie 10 und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer. 11 Und sie nahmen die ganze Beute und alles, was zu nehmen war an Menschen und Vieh, 12 und brachten’s zu Mose und zu Eleasar. […] 14 Und Mose wurde zornig über die Anführer des Heeres [..] 15 und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen und Mädchen leben lassen? […] 17 So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die schon einen Mann erkannt und bei ihm gelegen haben; 18 aber alle Mädchen, die noch nicht bei einem Mann gelegen haben, die lasst für euch leben. […Putzorgie…] 25 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 26 Nimm die gesamte Beute an Menschen und Vieh auf. […Verwaltungsorgie…] 31 Und Mose und der Priester Eleasar taten, wie der HERR es Mose geboten hatte. 32 Und die sonstige Beute, die das Kriegsvolk gemacht hatte, betrug 675000 Schafe, 33 72000 Rinder, 34 61000 Esel; 35 an Frauen aber 32000, die noch nicht bei einem Mann gelegen hatten. […Buchhaltungsorgie…] 54 Und Mose und der Priester Eleasar nahmen das Gold von den Hauptleuten über Tausend und über Hundert und brachten es in die Stiftshütte, dass der HERR der Israeliten gedenke.
4. Mose 31LUT 20171

Die spontane, aber falsche Interpretation

Gott befielt Moses den Genozid an den Midianitern und überlässt die Jungfrauen den Juden als Sexsklavinnen.

Diese Interpretation müsste eigentlich deshalb falsch sein, weil man sowas nicht von einer netten Gottheit/Persönlichkeit zu hören erwarten würde. Insbesondere nur ein paar Kapitel nachdem diese sich vertraglich dazu verpflichtet hatte, in Zukunft davon abzusehen die Menschen und alles lebendige Getier mit Sintfluten heimzusuchen. Ich will nicht behaupten, dass ein Heer, das sich über ein Land ergiesst und alles gnadenlos vernichtet, mit einer (Sint-)Flut zu vergleichen ist, eine gewisse metaphorische Parallele ist jedoch nicht abzustreiten. Für die Midianiter muss es sich auf jeden Fall ziemlich zynisch angehört haben…

Ein Genozid war es. Es wurde nämlich nicht nur eine Familie oder ein Land aufgelöscht, sondern ein ganze Ethnie bestehend aus fünf separaten Völkern/Stämmen, welche je einen eigenen König hatten. Und die aller Wahrscheinlichkeit nach miteinander immer mal wieder im Krieg waren. Denn warum sonst hätten sie fünf Könige gehabt?
Eine Familie umbringen, kann Sinn machen, wenn man beispielsweise ein Exempel statuieren will. Es gibt zweifellos pädagogisch bessere Wege, aber okay.
Auch ein Volk ausmerzen, kann Sinn machen, wenn sich bei diesem beispielsweise eine irre Idee eingenistet hat. Wie zum Beispiel die Demokratie.
Aber mehrere untereinander verfeindete Völker, denen nur gemeinsam ist, dass sie einen gemeinsamen Stammvater haben? Das ist ein ganz anderes Kaliber an Dreistigkeit und ganz eindeutig Genozid. Dass da womöglich auch auswärtige Händler und Touristen über den Jordan gingen, ändert daran nichts.

Und die Jungfrauen waren als Sexsklavinnen gedacht. Warum sonst wäre es so wichtig, dass sie noch bei keinem Mann gelegen haben? Wenn es nur um „gewöhnliche“ Sklavenarbeit geht, dann spielt Geschlecht und sexuelle Erfahrung doch keine Rolle. Höchstens das Alter könnte ein Indiz für Aufmüpfigkeit sein?
Oder sollte auf diese Weise bloss sichergestellt werden, dass garantiert kein reinrassiger Midianiter mehr zur Welt kommen kann?

Nun denn, das Spiel ist eröffnet.

PS. Ich habe bei dem Zitat ein paar Auslassungen […] vorgenommen, weil sie meines Erachtens nicht direkt mit dem von mir beabsichtigten Punkt zu tun haben. Zur Illustration habe ich farblich markiert, was genau ich übersprungen habe und welches Thema es behandelte:


Ich möchte an dieser Stelle der Vollständigkeit halber dennoch kurz skizzieren, worum es in den ausgelassenen Passagen ging (heller schattiert sind Stellen, die zum Thema gehören, aber nicht ausgelassen wurden):

(gelb) ohne hier für mich relevantes Thema

Zur Gewaltorgie (rot): 
Erst wird gesagt, dass alles, was männlich war, getötet worden sei – wozu eigentlich auch männliche Kinder, Rinder und die zwittrige Hirse gehören müssten – und dann werden hier noch ein paar Männer namentlich genannt, die dabei getötet wurden (konkret die Namen der fünf Könige). Das ist doppeltgemoppelt. Föllerei sozusagen. Und als solches selbstredend eine Orgie.
Interessanterweise blieben aber die Buben trotz der Erklärung, dass alles, was männlich war, am Leben. Die galten (damals?) offensichtlich noch nicht als männlich. Das kann ich irgendwie nachvollziehen, schliesslich sind sie noch nicht geschlechtsreif, aber es wäre schon nicht schlecht, wenn man das mal deutlich aussprechen würde – das würde dann auch ein ganz neues Licht auf christliche Homophobie und Pädophilie werfen.

Zur Putzorgie (blau):
Hier erklärt Gott den Menschen wie was (spirituell) zu reinigen ist. Dieser Teil nimmt (erfreulicherweise?) mehr Platz in Anspruch als die Gewaltorgie.
Interessant finde ich aber schon, dass man sich nach einem von Gott aufgetragenen Gemetzel (spirituell) reinigen muss.

Zur Verwaltungsorgie (grün):
Hier tobt sich der Autor darüber aus, wie die Beute verteilt werden solle (in etwa im gleichen Präzisionsgrad wie bei der Putzorgie).

Zur Buchhaltungsorgie (orange):
Hier wird aufgezählt, was alles erbeutet wurde und wer wie viel wovon erhielt. Das ist der bei weitem ausführlichste Teil dieses Kapitels und wie es scheint der krönende Abschluss eines erfolgreichen Genozids.