Eda Gregr
17.06.2016 um 10:30
Purgatorius

Purgatorius

Hühner sind ja mehr oder weniger direkte Nachfahren vom Tyrannosaurus, der seinerzeit über Äonen hinweg unseren niedlichen Vorfahren Purgatorius terrorisierte. Und das schlechte Gewissen ob all dem Leid, das der Tyrannosaurus seinem Futter zugefügt hat, liegt den Hühnern sicherlich noch schwer auf der Seele1.
Ist es da nicht unsere heilige Pflicht als moralische Wesen ihnen den karmischen Ausgleich zu ermöglichen? Wie lange also dürfen wir Nachfahren des Purgatorius die Nachfahren des Tyrannosaurus fressen, bis wir quitt sind?

Fleischfressen ist eine Eigenschaft, welche, weil ethisch problematisch, lieber beseitigt werden sollte. Wenn ich in der Biologie eine bestimmte genetisch bedingte Eigenschaft loswerden will, lasse ich die Träger dieser Eigenschaft keinen Nachwuchs bekommen. Das kann ich tun, indem ich den Träger vor der Fortpflanzung esse, ihn von der Fortpflanzung abhalte oder seine Nachkommen fresse. Alles worauf es ankommt, ist, dass die entsprechenden Gene aus dem Pool verschwinden.
Daher ist es doch nur logisch, dass, wenn wir die genetisch bedingten, ethisch fragwürdigen Tyrannosaurus-Eigenschaften loswerden wollen, wir die Träger der entsprechenden Gene, also die Nachkommen des Tyrannosaurus, durch Verzehr aus dem Verkehr ziehen2.

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Eda Gregr
26.11.2014 um 23:33

Gott sei die Basis der Moral.
Das lass ich mal so stehen und ignoriere das Euthyphron-Dilemma.
Das heisst, Gott offenbart/bestimmt, was gut und was böse ist.

Kriegt man das aber auch ohne einen Gott hin? Zu wissen, was richtig und falsch ist?
Jap. Und zwar indem wir die Konsequenzen unseres Handeln überdenken und abzuschätzen versuchen, ob damit jemandem geschadet wird. Und wenn dies geschieht, dann ist die Handlung ethisch falsch. Es kann manchmal in einem Masse gerechtfertigt sein, dass man es schon wieder als ethisch richtig bezeichnen kann. Jemanden gegen seinen Willen in ein dunklen Raum zu sperren, schadet ihm, doch wenn es die Strafe für eine Verfehlung ist und sowohl er, als auch andere daraus etwas lernen und Verfehlungen dieser Art in Zukunft unterlassen, dann ist es trotzdem ethisch richtig. Die Verfehlung mit Peitschenhieben zu ahnden, was dem Übertäter ebenfalls schadet, kann aufgrund der übertriebenen Schwere die Bestrafung wieder ethisch falsch machen.

Die Frage ist, wie wägt man den Schaden der einen gegen den Vorteil der anderen ab?
Und die Antwort ist verblüffend einfach: Wenn man den gleichen Vorteil auch mit etwas weniger Schaden hätte erzielen können, dann ist jedes mehr an Schaden als das absolute Minimum ethisch falsch.

Von Gott keine Spur. Und von Anarchie auch nicht.

Dass die Mehrheit der Bevölkerung aus welchen Gründen auch immer trotzdem für das Auspeitschen ist, macht es nicht moralisch richtig. Eine moralische Umpolung findet nur dann statt, wenn man feststellt, dass die positiven Konsequenzen die negativen doch überwiegen (oder umgekehrt).

Was ist also nach dieser Ansicht die Basis der Moral? Unsere Vernunft!

Klar, es kann vernünftig sein in einer gewissen Situation unmoralisch zu handeln, dadurch wird die Handlung aber nicht moralisch. Und das wissen wir.

Im Grund ist das schlicht und ergreifend die Goldene Regel:

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Jeder Christ wird darin natürlich sofort Jesus Gebot der Nächstenliebe erkennen. Ganz zurecht sogar.
Doch das gilt auch für das Mitglied so gut wie jeder anderen Gesellschaft, denn die Goldene Regel ist weit verbreitet. Und das schon lange bevor Jesus sie auf dem Berg predigte.

Nun könnte man einwenden, dass der liebe Gott die Goldene Regel weit gestreut hätte und daher von ihr auch die Heiden profitieren konnten.

Kriegt man das aber auch ohne Gott hin? Dass die Goldene Regel sich einfach so entwickelt und verbreitet?
Jap. Und zwar durch die Evolution, die ein Verhalten entsprechend der Goldenen Regel begünstigt. Sich egoistisch zu verhalten lohnt sich vielleicht auf kurze Sicht, doch wenn ein solches Verhalten bekannt wird, kriegt man den Zorn der Gruppe zu spüren. Dieser Umstand bildet einen deutlichen Selektionsdruck.
Und so kommt es, dass sich der Mensch so entwickelt hat, dass die Empathie völlig automatisch Hilfsreaktionen triggert.

 

Was in der Moral mit Gott geht, geht also auch ohne ihn.
Und da irgendwie die Evidenzen für seine Existenz verschollen sind, denke ich, ist es nicht völlig abwegig, sich mit dem ohne ihn zufrieden zu geben.

 

Und auf die Weise fährt man wahrscheinlich sogar noch viel besser:

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Eda Gregr
16.11.2014 um 10:44

Das Alternative News Network WorldTruth.TV hat auf seiner Facebook Seite  unter dem Titel If The Theory of Evolution Were True das folgende Bild auf Facebook gepostet:

Der Leitgedanke zum Beitrag war der folgende:

 To be intelligent means,… one has to ask intelligent questions!!!

Ich ringe nun schon seit mehren Tagen mit der Frage, ob WorldTruth.TV und damit auch dieser Beitrag Satire ist – auf der Webseite stehe ein paar dermassen absurde Verschwörungstheorien, dass man kaum glauben mag, dass das wirklich jemand ernst nehmen kann. Doch zumindest die Kommentarschreiber scheinen dies tatsächlich zu tun.

Für mich ist der Leitgedanke mit der im Bild aufgeworfenen Frage ein eindeutiges Ironie-Signal, denn obgleich es angeblich keine dummen Fragen gibt, kommt diese doch sehr, sehr nahe dran.
Es leben derzeit zwar durchaus Millionen von Menschen auf der Welt, doch von den affenähnlichen Wesen ganz links nicht einer – genauso wenig wie (richtig erkannt) von den vier Herren dazwischen.
Das Wesen ganz links, das wie ein Schimpanse aussieht und vor 5-7 Millionen Jahren lebte, ist laut der dem Bild zugrunde liegenden Theorie – der Evolution – , vom Schimpansen genetisch ungefähr gleich weit entfernt wie vom Menschen. Dass die äusserliche Ähnlichkeit zwischen Schimpanse und dem gemeinsamen Vorfahren grösser ist als zwischen dem Menschen und dem gemeinsamen Vorfahren, verdankt sich allein der gleichen Lebensweise und sollte uns dabei nicht täuschen.

Wenn also jemand behauptet, dass es vom Gesellen links heute noch Millionen gibt, dann weiss er nicht wovon er spricht. Und das ist ist in der Regel keine sehr gute Voraussetzung für intelligente Fragen.

Aber eben, vielleicht ist das auch nur Satire.
Hoffentlich.
Allerdings wirft das die Frage auf, was Satire alles darf?
Natürlich alles.
Gehört zu allem auch das argumentative Arsenal der Gegner zu füllen?

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Eda Gregr
25.10.2014 um 10:40

Auf der Wissensseite des Tagesanzeigers vom 18.10.2014 führte Dominik Osswald ein Interview mit Christoph Egeler, seineszeichens Psychologe und designierter Leiter des VBG, über die Verträglichkeit von Glaube und Wissenschaft.

Das ist ein interessantes und wichtiges Thema und ich schätze, die Antwort wird wohl lauten, dass sie sich schon irgendwie vertragen – zumindest, wenn man sich an der Heilgeschichte erfreut und die Geschichten nicht allzu wörtlich nimmt. Dann sind es nämlich Nonoverlapping Magisteria und man hat jeweils Ruhe vom anderen. Nun ja, zumindest vorläufig, denn wie beispielsweise Sam Harris in seinem Buch The Moral Landscape: How Science Can Determine Human Values und in gekürzter Form in seinem TED-Talk Science can answer moral questions darlegt, könnte die Wissenschaft uns durchaus helfen ethische Fragen zu beantworten – doch damit würde sie das das letzte Reservat der Religionen betreten.

Andererseits können die Religionen auf eine lange Tradition der „Seelsorge“ zurückblicken, was sicherlich ein wertvoller Fundus ist, wenn es darum geht, wie man Menschen helfen kann. Insofern droht ihnen, denke ich, vorerst kein ernsthafte Gefahr. Diese Vermutung bestätigt sich auch durch die vielen gläubigen Wissenschaftler.
Man darf mich hier aber nicht falsch verstehen. Die Bestätigung kommt nicht durch die Selbsteinschätzung der gläubigen Wissenschaftler, die keinen Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft sehen – denn, den sehen auch Leute wie der Kreationist Ken Ham oder der Relativitätleugner Georg Todoroff nicht. Die Bestätigung kann nur durch Peers erfolgen, die beurteilen können, ob die Arbeit der Gläubigen durch ihren Glauben in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Von daher ist es etwas fragwürdig, dass die Medien zu dieser Frage nur Gläubige (und Atheisten) zu Wort kommen lassen, die ein persönliches Interesse daran haben, dass die Antwort so oder so rauskommt. Kein sehr sauberes Vorgehen.
Wissenschaftler mit einer neutraleren Gesinnung wären da wesentlich besser geeignet.

Kommen wir nun aber zu besagtem Interview.

Christoph Egeler gibt sich von Anfang an versöhnlich und erklärt, dass sich Glaube und Wissenschaft eigentlich gut verstehen. Doch…

„Ich höre schon ab und zu von Studenten, dass ein Dozent eine bissige Bemerkung zum Glauben macht. Im Stil: «Es soll ja noch solche geben, die glauben, dass…» Sie stellen somit Gläubige als naiv dar, was unüberlegt ist und für mich eine unzulässige Grenzüberschreitung der eigenen Kompetenz darstellt.“

Es werden hier nur die Gläubigen als naiv dargestellt, die … tatsächlich glauben. Eine Pauschalisierung sehe ich hier keine direkte.
Da gewisse Glaubensgemeinschaften … direkt propagieren oder deren Gültigkeit zumindest nicht kategorisch ausschliessen und da es daher tatsächlich solche gibt, die glauben, dass …, ist die bissige Bemerkung rein informativ zu verstehen. Dass sie sie bissig formulieren ist vielleicht nicht nett, aber angesichts der Grösse an Naivität, die notwendig ist, um zu glauben, dass …, durchaus nachvollziehbar.

Dass diese Dinge an Egeler herangetragen werden verdankt er allerdings weniger seiner Funktion als Psychologe, als der er im Artikel vorgestellt wird, sondern vielmehr als Leiter des Bereichs Studium im christlichen Verein VBG.

Wir veranstalten immer wieder Podiumsdiskussionen. (…) Letztmals stellten wir die Frage: «Hat die Wissenschaft Gott abgeschafft?» (…) Es gab gute Argumente von beiden Seiten.

Ein Gedankenexperiment: Wir haben eine Podiumsdiskussion, wo auf der einen Seite A vertreten wird und auf der anderen Seite B. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Anhänger von A die Argumente für A für gut halten und die Anhänger von B die Argumente für B – sonst wären sie nicht Anhänger von A, resp. B.
Im Falle guter Argumente der Gegenseite braucht es ohne Zweifel eine gehörige Portion intellektueller Redlichkeit um offen anzuerkennen, dass diese tatsächlich gut sind, doch heisst das nicht, dass wenn man die Argumente der Gegenseite nicht als gut anerkennt, dass man dann automatisch unter mangelnder intellektueller Redlichkeit leiden würde. Die Argumente der Gegenseite können auch tatsächlich schlecht gewesen sein.
Wenn Egeler also beiden Seiten gute Argumente attestiert, dann heisst das im Angesicht der Tatsache, dass er ein vehementer Verfechter der einen Position ist, dass die andere Seite gute Argumente hat. Nicht aber, dass dies auch für die eigene Seite gilt. Das kann, wie schon weiter oben gezeigt, nur einer beurteilen, der kein existentielles Interesse an der Gültigkeit von Egeleres Position hat.

Ein konkretes Beispiel: Wenn ein Kritiker der Relativitätstheorie mit einem Physiker diskutiert, dann macht seine Beurteilung des Gesprächs, dass beide Seiten gute Argumente vorbrachten, seine Position nicht wirklich stärker.
Wenn auch für einen Aussenstehenden es so aussehen mag, dass wenn ein Physiker mit einem Kritiker der Relativitätstheorie ein ernsthaftes Fachgespräch führt, dass dann wohl etwas an der Kritik dran sein wird. Was zum einen natürlich überhaupt nicht stimmen muss und zu anderen vom Kritiker geplant ist.

Für mich hat die Wissenschaft Gott nicht abgeschafft.

Dann ist ja gut, denn genau so funktioniert die Wissenschaft. Ach ja, gibt es Eulen?

Und dann Peng die Frage, ob Egeler nicht an die Evolution glaubt… (was als an einen studierten Menschen gerichtete Frage in unseren Breitengraden schon etwas seltsam anmutet.)

Doch. Aber begrenzt. Zum Beispiel: Was war ganz am Anfang? Das ist für mich eine Frage, die die Wissenschaft nie wird klären können. Sie hat Theorien dafür entwickelt, wie die Entwicklung fortlief – die Bibel hat damit auch kein Problem. Im Schöpfungsbericht steht: «Die Erde soll Leben hervorbringen.» Diese Formulierung lässt meiner Meinung nach die Evolution durchaus zu. Ich kenne viele gläubige Christen, auch Naturwissenschaftler, die ihren Glauben problemlos mit der Evolution verbinden.

Wie kann man begrenzt an Evolution glauben? Sind die von der Evolution postulierten Mechanismen mächtig genug um aus dem ersten Leben die bestehende Artenvielfalt hervorzubringen oder bracht es eine mehr oder weniger starke Hilfeleistung von aussen? Das ist ja dasselbe, wie begrenzt schwanger sein!
Der Anfang ist kein Problem der Evolution, denn der fällt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich. Mit dem Anfang beschäftigt sich die Abiogenese – die Evolution setzt erst dort ein, wo schon was vorhanden ist, das sich verändern und entwickeln kann. Wenn man sich ein Urteil über die Gültigkeit der Evolution machen können will, sollte soviel an Kenntnis eigentlich schon vorhanden sein.
Und selbst wenn man die Entstehung des Lebens der Evolution hinzurechnet, so lässt sich nichtsdestotrotz daraus, was man sich etwas nicht vorstellen kann, nicht schliessen, dass dieses deshalb auch unmöglich ist!
Die Abiogenese hat ein paar vielversprechende Ansätze, doch selbst wenn sie noch völlig im Dunkeln tappen würde, wäre die einzig wissenschaftlich valide Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Lebens: Wir wissen es nicht. Was allerdings nicht heisst, dass man dann jedes beliebige Hirngespinst ernst nehmen müsste. Will Egeler da Gott ins Spiel bringen, braucht er zumindest ein paar vielversprechende Ansätze, die diese Möglichkeit nahelegen.

Nicht uninteressant ist übrigens auch, dass Egeler den zweiten Teil des Bibelverses unterschlug: „ein jedes nach seiner Art“ – was ja in der Regel als sehr deutliches Votum gegen die Makro-Evolution interpretiert wird.

Wie ich schon sagte, ich will gar nicht bestreiten, dass viele Naturwissenschaftlerchristen kaum Probleme haben, ihren Glauben mit der Evolution zu verbinden. Bloss nicht so!

Der nächste Punkt ist auch lustig. Oben entdeckte Egeler Gott dort, wo die Wissenschaft etwas nie wird klären können, wo sie nicht weiter weiss…

Ich glaube nicht an einen Lückenbüsser-Gott, der nur dann zum Zug kommt, wenn die Wissenschaft nicht mehr weiterweiss, also immer kleiner wird, je mehr man weiss. Gott ist immer gleich gross. Nur weil die Wissenschaft nachvollziehen kann, wie gewisse Dinge funktionieren, ändert das nichts am Schöpfer. Schauen Sie Ihr iPhone an, mit dem Sie unser Gespräch aufzeichnen: Angenommen Sie wüssten haargenau, wie dort drin alles funktioniert – wäre Steve Jobs für sie dann kleiner oder gar überflüssig?

Die meisten Christen stellen sich gegen die Vorstellung eines Lückenbüsser-Gottes. Doch irgendwie kaufe ich es ihnen nie ab, denn genau darauf läuft es trotz aller Bemühungen immer hinaus. Sie suchen nach Unerklärtem und erklären, dass es nie erklärt werden könnte und daher nicht ohne sowas wie intelligenten Designer möglich sei.
Wenn man sich aber gegen den Gott der Lücken wehrt, sollte die eigentliche Frage lauten, ob man je Ereignisse Gott zugeschrieben hat, von denen man überzeugt war, dass sie auf völlig natürlich Weise erklärbar sind oder es schon bald sein würden? Zum Beispiel, dass der Apfel wegen Gott vom Baum fällt – nur wenige Gläubige würden sich nicht daran stören, dass Gottes Handeln in diesem Fall in Form der Flugbahn sehr genau vorhersehbar ist.
Leute, die eine solche Position von einem Gott, der den Dingen freien Lauf lässt, ernsthaft vertreten sind eher, die von Egeler später erwähnten Deisten, die aber, wie er sehr genau bemerkt, nicht an einen personalen Schöpfer und an die Offenbarung durch Jesus glauben und daher auch nicht seinen Reihen zugerechnet werden können. Diese Deisten sind in ihren Antworten zu Fragen über die Welt in der Regel von Agnostikern und Atheisten nicht wirklich zu unterscheiden.

Gott ist also immer gleich gross.
Das ist meines Erachtens eine ziemlich seltsame Vorstellung. Wenn der Bauer früher alles von Hand machen musste und heute der grösste Teil von Maschinen übernommen wird, dann hat das nichts mit Grösse zu tun sondern nur mit der Frage, wie viel der Bauer tut. Niemand würde je behaupten, dass ein Bauer mit Maschinenpark kleiner sei.
Indem die Wissenschaft zeigt, was alles von allein geht, schmälert sie nicht die Grösse Gottes, sondern nur seine Notwenigkeit an den verschiedenen Punkten, von denen man vorher meinte, sie bedürften seiner Führung.
Statt der Vorstellung, dass Gott vor 10’000 Jahren mächtig viel zu tun hatte und vor 6’000 einen Wutausbruch hatte, schreibt man ihm heute nur noch eine Handvoll kleiner subtiler Eingriffe zu. Mit Grösse hat das nichts zu tun.
Allerdings darf gefragt werden, wie schwer es ist, diese kleinen Eingriffe vorzunehmen. Für mich ist es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, doch für ein ein klitzklein wenig transzenteres Wesen als mich ist das vielleicht das reinste Kinderspiel… Insofern ist der einzige Grund zu glauben, dass Gott gross ist, der, dass er selbst von sich sagt, dass er gross ist. Das aber nur am Rande.

Das Beispiel mit Steve Jobs finde ich etwas verwirrend. Es unterschlägt, dass da eine gehörige Portion Glück im Spiel war. Der Erfolg des iPhones ist nicht die Technik, sondern das Verlangen der Kunden. Wenn man dieses so verstanden hätte, wie man es Steve Jobs zuschreibt, dann hätte es ein anderer getan und Steve Jobs würde in diesem Vergleich nie aufgetaucht sein.
Zu diesem Thema empfehle ich die Lektüre des Buches Everything is Obvious: Why Common Sense is Nonsense von Duncan J. Watts und will gar nicht weiter darauf eingehen.

Gleichzeitig ist es ein starkes Argument für Gott, dass man heute an einem Punkt ist, wo man zwar vieles bis zum Urknall zurückverfolgen kann, dann aber zum breiten Konsens gelangt, dass irgendwo am Anfang etwas stehen muss, das wir nicht ergründen können.

Die Wissenschaft hofft zwar, alles mal ergründen zu können, notwendig ist das für ihr Selbstverständnis jedoch nicht. Von einem breiten Konsens, dass es irgendwo was gibt, das sich nicht ergründen lässt, kann jedoch nicht die Rede sein. Dies mag die persönliche Ansicht einer grossen Mehrheit der Wissenschaftler sein, doch kann man aus Dingen, die man nicht weiss, keine Schlüsse ziehen. Auch nicht nicht darauf, ob man sie immer nicht wissen wird.

Und damit kommen wir zur letzten Frage, wo er auch die Deisten erwähnt. Ob die Wissenschaft gläubiger ist, als sie sich gibt?

Sie ist ehrlich genug, um ihre Grenzen zu kennen. Der Glaube an eine höhere Macht ist weit verbreitet, auch unter Wissenschaftlern. Man nennt das «Deismus». Für gläubige Christen ist das zwar eine zu unscharf definierte Position – wir glauben an einen personalen Gott als Schöpfer und an die Offenbarung durch Jesus. Aber im Grunde ist man sich einig, dass nicht Materie und Energie allein zum komplexen Leben geführt haben können. Einstein, Newton, Planck, um nur ein paar wenige zu nennen, waren alle zumindest «Deisten».

Nein, man ist sich bestenfalls einig, dass man nicht versteht, wie sich aus Materie und Energie komplexes Leben hat entwickeln können. Das heisst, man weiss nicht, ob Materie und Energie allein ausreichten oder ob noch etwas mehr notwendig war. Jesus oder Deismus können einem als Antwort erscheinen und man kann gern hoffen, dass sie das ist. Das ändert aber nichts daran, dass man im Grunde nichts weiss, weil es keinen Grund gibt anzunehmen, dass diese Hypothesen gültig sind. Sie erklären nichts besser.

Es fällt auf, dass Egeler gern die persönliche Meinung der Wissenschaftler zu einem wissenschaftlichen Konsens macht. Das ist aber genau so wenig gültig, wie aus dem (fiktiven) Umstand, dass alle Wissenschaftler Vegetarier sind zu schliessen, das die Wissenschaft vegetarisch ist. Daher würde im Grund auch keiner der betreffenden Wissenschaftler sagen, dass er aus seinem Feld der Expertise klare Evidenzen hat, die seine diesbezügliche Meinung zwingend machen würden. Es ist eine persönliche Meinung, eine Hoffnung, ein Glaube.


Konklusion: Würden Egelers Peers seine Aussagen hier unterschreiben?

  • Seine professionellen aus der Psychologie nicht, denn seine Aussagen beispielsweise über die Gültigkeit der Evolution fällt ganz und gar nicht in deren Zuständigkeitsbreich.
  • Seine spirituellen aus der Religion schon, weil sie glauben dennoch mitreden zu können.

An welchen Egeler war das Interview also gerichtet?


Fazit:

Was genau hat Christoph Egeler auf der Wissensseite des Tagesanzeigers zu suchen?

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Eda Gregr
24.10.2014 um 09:22

GottVor 2000 Jahren war es noch einfach zu glauben.

Nicht nur, weil Gott damals dauernd irgendwelchen Menschen erschien und ihnen allerlei Anweisungen gab.
Ich meine, es dürfte einem ziemlich schwer fallen, die Existenz Gottes zu bezweifeln, wenn er einen jeden Samstag morgen aus dem Bett klingelt, oder?

Nein, vor 2000 Jahren war es noch einfach zu glauben, weil man überall das Handeln Gottes sah:
Wenn beim Nachbarn der Blitz einschlug, dann war es klar, dass das die Strafe Gottes war.
Man wusste schliesslich, was der auf dem Kerbholz hatte, und dass es höchste Zeit war, dass er mal seine verdiente Abreibung bekam.
Was man hingegen nicht wusste, war, dass Blitze völlig natürliche und durchaus vorhersagbare Phänomene sind. (Wohlgemerkt vorhersagbar in einem naturphilosophischen Sinn und nicht in einem moralischen!)
Und was man auch nicht wusste, war, dass uns die selektive Wahrnehmung einen Streich spielen kann, wenn wir irgendwo einen Akt der Gerechtigkeit zu entdecken glauben.

Zur Illustration: Wenn sich zwei Pixel zufällig über einen nicht allzu grossen Bildschirm bewegen, dann glauben wir schnell mal zu erkennen, dass der eine dem anderen hinterher jagt. Wir interpretieren das in die Situation hinein und empfinden sogar Empathie für den Verfolgten. Wir können gar nicht anders.
Unser Gehirn wurde im Lauf der Evolution genau darauf optimiert: Muster zu erkennen – und zwar lieber mal eins zu viel als ein zu wenig.

Das heisst, dass wenn ein Blitz ins Nachbarshaus einschlägt, dann hat das nichts damit zu tun, dass dieser eine Woche zuvor meine Katze überfahren hat. Und doch werde ich ein freudiges Gefühl der Genugtuung verspüren. Daran ändert auch nichts, dass ich ganz genau weiss, dass der Blitz den vermeintlichen, karmischen Ausgleich auch dann vollzogen hätte, wenn es jede beliebige andere Person erwischt hätte. Weil ich je nach dem, ob ich der Person was Gutes oder Übles wünsche, nach Guten oder Üblem als Folge des Blitzes Ausschau gehalten hätte. Und irgendwas hätte sich schon finden lassen. Garantiert!

Es gibt also offensichtlich keinen Ort auf der Welt, wo ein Blitz einschlagen könnte, wo er unserem spontanen Instinkt nach nicht etwas zum Guten wenden wird. Wenn das mal kein Beweis für die Liebe Gottes ist…
(Theoretisch wäre natürlich auch möglich, nach Folgen Ausschau zu halten, die das karmischen Ungleichgewicht verstärken und damit die Verschlagenheit des transzendenten Widersachers belegen, doch aus einem unergründlichen Grund zieht man es offenbar vor, diese Variante nur auf Ereignisse zu beschränken, wo Menschen die Finger im Spiel hatten.)

Heute wissen wir, dass wir für eine richtige Einschätzung dessen, ob etwas eine Strafe oder Belohnung ist, dem Ort, wo der Blitz eingeschlagen ist, alle anderen Orte entgegen stellen müssen, wo er genauso gut hätte einschlagen und mindestens genauso viel Gutes hätte verursachen können. Wir wissen, dass der Umstand, dass sich ein Ereignis ereignet, dessen Wahrscheinlichkeit sich ereignen zu können in keinster Weise beeinflusst.
Doch obwohl wir all das heute wissen, leitet uns unser Gefühl trotzdem immer mal wieder in die Irre!
Wohin musste einen das Gefühl erst geführt haben, als man all das noch nicht wusste?

Wenn etwas aussieht, als ob jemand dahinter steckt, man aber keinen blassen Schimmer hat, wie es tatsächlich funktionieren könnte, wie soll man da auf die Idee kommen, dass da doch niemand dahinter steckt?
Ausgeschlossen ist es nicht.
Eine sorgfältige Statistik beispielsweise würde keine Muster erkennen lassen, die man eigentlich erwarten müsste, wenn wirklich jemand dahinter stecken würde.
Oder man könnte auch die Überzeugung auf die Probe stellen, indem man die Lehre, die man aus der vermeintlichen Strafe gezogen hat, umgekehrt umsetzt und das nächste Gewitter abwartet.

Wie gesagt, vor 2000 Jahren war es noch einfach zu glauben.
Man konnte Gott sogar auf die Probe stellen: Man betete mal provokativ zu einem anderen Gott und prompt jagte der einzig wahre Gott einem den Mossad auf den Hals. Oder man konnte das auserwählte Volk in eine ausweglose Situation bringen, aus der Gott es dann mit einem Wunder wieder herausführte.
Heute geht das nicht mehr.

Okay, manche Christen sagen, man könne Gott auch heute noch auf die Probe stellen. Man müsse es sogar. Man müsse sich ihm bloss anvertrauen und man würde die Antwort erkennen.
Erinnert mich an die Sache mit dem Blitz. Bei einem Test sagt man das Ergebnis voraus und schaut, ob es dann auch so rauskommt. Hier schaut man sich die Ergebnisse an und überlegt sich, welches davon den Test beantwortet.
Erinnert mich an Bad Pharma… #AllTrials

 

Eigentlich lustig, dass fundamentale Gläubige sich lieber von der Intuition leiten lassen, die ein Produkt der Evolution ist, und sich gegen die Vernunft auflehnen, die in gewisser Weise die Evolution überwunden hat.

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Eda Gregr
31.08.2014 um 14:46

Auch wenn es die christlichen Apologeten inbrünstig verkünden und ihre Schäfchen es begeistert wiederholen: das Akzeptieren der Evolution ist nicht gleich Atheismus.

  • Die Mehrheit der Christen vertritt die Evolution.
  • Die Mehrheit jener, die die Evolution vertreten, sind Christen.
  • Die Mehrheit jener, die die Evolution ablehnen, sind Anhänger anderer Religionen.

 
Unter Christen verstehe ich hier all jene, die an Jesus glauben. Also alle Anhänger der über 40’000 christlichen Denominationen.
Und zu jenen, die die Evolution ablehnen, zähle ich abgesehen von den Junge-Erde-Kreationisten auch die Anhänger des Intelligent Designs.

Nun werden die „richtigen“ Christen natürlich einwenden, dass meine Definition eines Christen völlig falsch sei, weil – nun ja – man beispielsweise die Katholiken nicht ernsthaft als Christen bezeichnen könne. Und die machen tatsächlich einen grossen Teil (ca. 1.1 Milliarden) der von mir erwähnten Christen (ca. 2.1 Milliarden) aus. Man könnte natürlich statt dessen die Definition durch eine ersetzen, die den „richtigen“ Christen behagt, doch würde man damit das ganze Christentum auf die relativ kleine Gruppe der Kreationisten beschränken und mir zu allem Überfluss die Pointe vermasseln.
Damit könnte ich wohl leben, wenn nicht gleichzeitig die anderen „richtigen“ Christen einwenden würden, dass sie in Tat und Wahrheit die „richtigen“ Christen sein und die angeblich „richtigen“ Christen bloss eine Horde von verblendeten Idioten sei, die die Bibel nicht richtig zu lesen verstünde, was aber selbstverständlich nicht heisst, dass sie sie nicht von ganzen Herzen lieben würden!

Natürlich würde sich kein Christ darauf festnageln lassen, dass seine Interpretation garantiert richtig ist. Er wird es für durchaus möglich halten, dass er sich im einen oder anderen Punkt irrt und dass eine andere Gruppe diesen vielleicht besser verstanden hat. Keiner von uns ist schliesslich frei von Fehlern… Aber das sind ja nur Details, im Grossen und Ganzen sind sich alle Christen ja einig… Ausser natürlich mit den Katholiken!

Doch das Problem ist, je versöhnlicher man gegenüber den Häretikern ist und es toleriert, dass sie sich selbst Christen nennen, umso dreister lügen die Apologeten, wenn sie behaupten, dass Evolution = Atheismus sei.

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Eda Gregr
26.08.2014 um 20:41

twitter_default_eggSeit einigen Tagen führe ich mit einem gewissen Schmidt ‏@Witschi1982 auf Twitter eine Diskussion über Gott und die Welt. Er ist ein angehender Zeuge Jehowas, der seine gesamte Weisheit exklusiv aus der Bibel bezieht, und ich ein störrischer, alter Atheist, der einfach jeden Mist zu lesen und glauben versucht, wenn es nur von einem weissbekittelten, zerzausthaarigen Wissenschaftler stammt.

Etwas erschwerend ist, dass Schmidts Tweets für mich persönlich bestimmt sind und er sie daher früher oder später immer alle löscht. So dass oft nur ein Fragment – oder man könnte auch sagen die Essenz – des Arguments übrig bleibt:

Schmidt ‏@Witschi1982
@meskinaw sein Krampf
12:45 – 26. Aug. 2014

Wenn ich mich recht erinnere, wollte er damit sagen, dass ich noch so viel von Darwin, Hawking, Kepler und Curie lesen kann, es sei alles doch nur ein Murks.

Da auf Twitter der Raum sehr begrenzt ist, möchte ich dir, Schmidt, hier die Gelegenheit geben, deine Argumente ausführlich darzulegen:

  1. Wie entstand die Erde? Und inwiefern wird das von der Wissenschaft gestützt?
  2. Wieso stimmt die Evolution nicht?
  3. Wie alt ist die Erde ungefähr? Eher in der Region von 10’000 Jahren oder eher in der von 4 bis 5’000’000’000 Jahren? Wie viele Nullen ungefähr?

Und beleg es, wo möglich mit den entsprechenden Quellen.

Vielen Dank, ich freue mich schon auf deine Ausführungen im Kommentarbereich.
Kannst gern auch Freunde zum Beantworten der Fragen einladen.

 

Nachtrag, 27.8.2014: Inzwischen hat den Account das gleiche Schicksal ereilt wie die Posts. Er wurde gelöscht. Schade, dass Schmidt lieber diesen Weg begeht, als sich mit seinen eigenen Überzeugungen auseinander zu setzen. Offenbar ist nicht nur der Kontakt mit Ungläubigen gefährlich, sondern bereits das explizite Aussprechen der eigenen Überzeugungen – wohl weil dann offensichtlich wird, dass sie nichts taugen.

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Eda Gregr
26.03.2014 um 13:52

In einem früheren Post habe ich schon mal auf eine Twitter-Breiteseite von Oro Oro reagiert. Und auch heute gibt’s so manches richtig zu stellen.

Oros Ausgangspunkt war, dass man beispielsweise in der Schönheit die Intelligenz, die hinter der Schöpfung steckt, erkennen könne. Ich versuchte in 140 Zeichen zu erklären, dass es durchaus Dinge gibt, die intelligent designt aussehen, doch dass es dazu keines intelligenten Schöpfers bedarf, sondern dass die Mechanismen der Evolution mächtig genug sind, dies so hinzukriegen. Ein sehr starkes Indiz dafür ist, dass es neben den intelligent designt aussehenden Dingen auch sehr unintelligent designt aussehende Dinge gibt in der Natur. Und das ist genau das, was man entsprechend der Evolutiontheorie zu finden erwarten würde.

Oro Oro @Orooro3
Und doch es ist ein design wo eine Intelligenz dahinter steckt. Wie eine Zelle sich entwickelt usw… Es trefff Inteligenz zu Schönheit.

(Orotographie habe ich wieder so belassen, wie sie war, um nicht womöglich hineinzuinterpretieren, was da gar nicht steht.)

Wieso beschränkt sich die Argumentation immer auf die Schönheit? Es gibt auch sehr hässliche und grausame Dinge – und damit meine ich jetzt irgendwelche Krankheiten oder menschgemachten Perversionen, sondern ganz normale und gesunde Lebewesen, wie beispielsweise den Nacktmull (Heterocephalus glaber) oder die Schlupfwespe (Ichneumonidae).
Wenn man die Schönheit als Indiz für einen intelligenten Designer nimmt, dann unterstellt man diesem einen Sinn für Ethik und Ästhetik, welche sich jedoch längst nicht durch die gesamte Schöpfung ziehen.

Dass wir etwas als schön erachten, hat nichts mit der Sache selbst zu tun, sondern allein damit, wie wir zu dieser Sache stehen und wie die Evolution uns geformt hat, damit wir adäquat darauf reagieren.
Insofern deutet nichts darauf hin, dass die Sachen designt wurden, damit sie uns gefallen. Und allein das wäre ein Indiz für einen Designer.

Und das ist bewunderlich wie das passiert ist.

Daraus, was du dir nicht vorstellen kannst, folgt nicht, dass es auch unmöglich ist.

Es lässt einen staunen, darin stimme ich überein. Doch mich motiviert es, dem auf den Grund zu gehen. Andere wollen das Gefühl des Staunens aber lieber nicht durch Analysen zerstören und so begnügen sie sich mit der erst besten Erklärung.

Nämmlich die wahrscheinlichkeit dass es Leben gibts wie wir sie kennen genau so gross ist als wäre ein Jumbojet auf die Erde absturze, und durch ein wirbelsturm wird er wieder gebaut. Also, matematisch ein sehr lange Ziffer. Also, das letzte hat ein astronom und physiker gesagt die Atheist ist. Trotzdem wollte er zeigen wie das schwer ist mit diesem beispiel. Er ist trotzdem Atheist geblieben, aber hat das trotzdem gesagt.

Das ist der berühmte Tornado in the Junkyard von Fred Hoyle, dem legendären britischen Astronomen und Mathematiker, der in so gut wie jedem Thema, mit dem er sich beschäftigt hat, monumental falsch lag. Tatsächlich formulierte er dieses Argument gegen die Abiogenese und nicht etwa gegen die Evolution, wie dies später die Kreationisten in verschiedenen Varianten taten.
Wir sprechen also konkret von folgender Stelle:

A junkyard contains all the bits and pieces of a Boeing 747, dismembered and in disarray. A whirlwind happens to blow through the yard. What is the chance that after its passage a fully assembled 747, ready to fly, will be found standing there? So small as to be negligible, even if a tornado were to blow through enough junkyards to fill the whole Universe.
The Intelligent Universe, p.19

Diese Analogie hinkt allerdings gewaltig, denn sie stellt keine brauchbare Repräsentation davon dar, wie die Evolution funktioniert. Und insofern sind auch die Schlüsse betreffend der Wahrscheinlichkeit schlicht und ergreifend unbrauchbar.

In folgenden drei Punkten unterscheidet sich der Tornado in the Junkyard von den tatsächlichen Mechanismen der Evolution:

  1. In der Evolution ist nicht, wie hier, der reine Zufall am Werk. Die Variationen, zwischen denen die natürliche Selektion ausliest, sind bis zu einem gewissen Grad zufällig, doch die natürliche Selektion selbst ist alles andere als Zufall. Während der Tornado beliebige Teile zusammen setzt und wieder auseinander reisst, sorgt die natürliche Selektion dafür, dass die nützlichen Verbindungen bestehen bleiben.
  2. Die Evolution macht viele, kleine Schritte, während der Tornado alles auf einmal zustande bringen will. In der Evolution ist eine Generation von der nächsten kaum zu unterscheiden. Beim Tornado hier besteht zwischen dem Endprodukt und dem Ausgangsprodukt allerdings keine Ähnlichkeit.
  3. Die Evolution plant nicht. Beim Tornado wird impliziert, dass es nur ein Möglichkeit gibt, die Teile sinnvoll zusammen zu setzen, nämlich als Boeing 747, und entsprechend unwahrscheinlich ist das Ergebnis. Wenn allerdings beliebige nützliche Konstruktionen wofür auch immer als Ergebnis akzeptiert werden, dann sinkt die Unwahrscheinlichkeit massiv.

.
Wie gesagt, Hoyle hat es als Argument gegen die Abiogenese formuliert, wo die Punkte 1 und 2 zwar weitgehend wegfallen, als ganzes aber nichtsdestotrotz am Punkt 3 scheitert.
Meines Wissens hat Hoyle die Panspermie-These vertreten, wonach das Leben von anderswo auf der Erde „gepflanzt“ wurde. Das verschiebt das Problem der Abiogenese zwar nur, doch die Existenz eines Gottes macht dies noch keineswegs notwendig.

Ein Hinweis auf einen intelligenten Designer ist diese Analogie also nicht.

Im Eisen und andere Matherie wie Helium oder Kupfer oder Ammoniak findt mann nichts das uns zeigt das dass zur leben werden kann.

Müsste man das denn?
Die Frage ist doch nicht, ob Legosteine wissen (resp. wir erkennen), was aus ihnen mal tatsächlich gebaut wird, sondern ob das Legosystem mächtig genug ist, um damit eine Burg oder ein Flugzeug zu bauen. Und ja, das ist es.

Viele leute glauben an Gott und das ist auch kein Unsinn, im Gegenteil, es ist eine logische Gedanke.

Viele Leute glauben auch an die Zahnfee, an die Astrologie und daran, dass Elvis noch lebt. Und das alles ist durchaus Unsinn.
Echt, es ist absolut kein Problem an Unsinn zu glauben.
Und es ist auch kein allzu grosses Problem, sehr viele Leute an Unsinn glauben zu lassen.

Und ausgehend von einer Prämisse wie, dass intelligent designt aussehende Dinge nur intelligent designt sein können, mag es zwar durchaus die logische Konklusion sein, dass es sowas wie einen Gott geben muss. Doch da die Prämisse nachweislich falsch ist, ist die Konklusion nicht mehr zwingend wahr.

Ob unsere Seele nach dem Tode weiter leben wird wiesen wir nicht, und fallls es möglich ist, kann man sagen… Das würde auch ohne Gott gehen, oder?

Die Existenz einer vom Körper unabhängigen Seele ist sehr zweifelhaft.
So gut wie alle Phänomene im Zusammenhang mit der Seele, konnten bisher auf natürliche Weise erklärt werden. Es besteht also keine Notwenigkeit deren Existenz vorauszusetzen.
Doch selbst die unsterbliche Seele als ein natürliches Phänomen entdeckt würde, so wäre das kein Indiz für einen Gott der in die Entwicklung der Welt eingreift (und sich an Homosexualität stört).

Die Wissenschaft weiss nur einen kleinen Bruch von Alles.

Die Wissenschaft ist keine Sammlung von Wissen, sondern eine Methode, die es uns ermöglicht falsches Wissen zu entlarven – aber geschenkt, dem Sinn nach stimmt es.

Der Clou ist aber, dass zwar die Modelle, die die Wissenschaft im Moment für genau hält, sich mit grösster Wahrscheinlichkeit irgendwann als sehr ungenau herausstellen werden, doch dass die Modelle, die die Wissenschaft als zu ungenau identifiziert hat, für immer zu ungenau bleiben werden.
Und das ist eben leider verheerend für viele religiös inspirierte Ansichten.

Es gibts mehr Hinweisen daß es einen Gott existiert als das Gegenteil.

Welche das wohl sein mögen?
Jedes bisher vorgebrachte Indiz hat sich bei genauerer Betrachtung in Luft aufgelöst.

Oder machen viele Halbwahrheiten zusammengesetzt eine ganze Wahrheit?

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Eda Gregr
16.03.2014 um 18:33

Briefly stated, the Gell-Mann Amnesia effect is as follows. You open the newspaper to an article on some subject you know well. In Murray’s case, physics. In mine, show business. You read the article and see the journalist has absolutely no understanding of either the facts or the issues. Often, the article is so wrong it actually presents the story backward—reversing cause and effect. I call these the „wet streets cause rain“ stories. Paper’s full of them.
In any case, you read with exasperation or amusement the multiple errors in a story, and then turn the page to national or international affairs, and read as if the rest of the newspaper was somehow more accurate about Palestine than the baloney you just read. You turn the page, and forget what you know.
Michael Crichton

Evolutionsbiologen wollen herausgefunden haben, warum Menschen klüger sind als Affen. „Was sie von den Affen unterscheidet ist, dass sie imitieren und dadurch viel schneller lernen können“, sagte Esther Herrmann vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
Dass sie imitieren und dadurch auch viel schneller lernen, stimmt schon, doch dass sie deshalb auch klüger wären, darf bezweifelt werden.
Affen imitieren nicht so viel wie Menschen, jedoch nicht weil sie die dafür erforderliche kognitive Kapazität nicht hätten, sondern weil sie aus den Fehlern der anderen lernen und sich hüten, von unzuverlässigen Primaten irgendwelche Kenntnisse und Gewohnheiten zu übernehmen.

Ich meine, wenn einer ne Kokusnuss mit seinem Schädel zu öffnen versucht, soll ich dann wirklich seinem Versuch mit einem Stöckchen Ameisen aus einer Höhle zu pullen allzu viel Aufmerksamkeit schenken? Okay, in diesem Fall wäre es das vielleicht keine schlechte Idee gewesen, doch wie gross mag wohl die Chance sein, dass ein und der selbe Primat nach der ersten die zweite Strategien entwickelt?
Ich persönlich versuche nur von denen zu lernen, die eine tadellose Reputation haben. Und von denen auch nur das, worin sie eine tadellose Reputation haben. Doch damit scheine ich – wie der Gell-Mann Amnesie Effekt nahelegt – aktiv gegen meine menschliche Natur anzukämpfen. Leider viel zu oft erfolglos, wie ich zu meinem Bedauern eingestehen muss.

Man meckert, wo man was davon versteht, lehrt aber nichts draus und glaubt alles andere. Wenn jeder nach dieser Strategie vorgeht, dann entwickelt das eine ungeheure Eigendynamik und stellt – neben der Pornografie – wahrscheinlich die treibende Kraft des Internets (und wahrscheinlich der ganzen Zivilisation) dar.

Wir haben die Digitaluhr erfunden, die Schimpansen nicht. Welche der beiden Varianten aber das Ergebnis der anspruchsvolleren kognitive Leistung ist, würde ich nicht vorschnell beantworten.
Es ist schliesslich nicht ausgeschlossen, dass der Weg, den der dümmere einschlägt, am Ende der ist, der weiter führt.

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Eda Gregr
11.02.2014 um 15:05

If all we are is a product of this random mutation process, then where does morality come from? Where does hope come from? Where does love come from? Where does anything that makes us a human being really come from?
irgendwo aus den Tiefen des Netzes

Dormaalocyon latouri

Selbst die hartnäckigsten Kreationisten akzeptieren Wandel. Sie haben kein Problem damit, dass der Afghanische Windhund und der Prager Rattler einen gemeinsamen Vorfahren haben (Bello, Noahs Hund) und dass auch die Schottische Faltohrkatze und die Ägyptische Mau einen gemeinsamen Vorfahren haben (Muezza, Mohammeds Katze). Was sie jedoch einfach nicht wahr haben wollen, ist, dass auch Bello und Muezza einen gemeinsamen Vorfahren haben (Dormaalocyon latouri).
Doch aus dem Selbstverständnis einer Ägyptischen Mau besteht ein fundamentaler Unterschied zur Schottischen Faltohrkatze und obgleich sie die gemeinsame Herkunft durchaus akzeptieren wird, wird sie sich fragen, woher all das kommt, was eine Ägyptische Mau zu einer Ägyptischen Mau macht.

Die Antwort ist verblüffend einfach: Es entstand nach und nach! Die Ur-Ur-Urgrossmutter der Ägyptischen Mau war noch eine Ägyptisches Miau (?).
Moral kommt von einer etwas schwächeren Moralfähigkeit. Hoffnung von einer etwas schwächeren Hoffungfähigkeit. Liebe von einer etwas schwächeren Liebesfähigkeit. Alles, was uns zu Menschen macht, von etwas, was uns noch nicht ganz so gut zu Menschen machte.

Vielleicht fusst das fundamentale Missverständnis der Kreationisten darin, dass sie einen fortwährenden Zerfall dessen sehen, was uns zu Menschen macht. Wir verlieren unsere Liebes-, Hoffung- und Moralfähigkeit. Adam und Eva waren perfekt und seither geht es einfach bachab mit der Menschheit – wie man es angeblich sehr gut in der Tagespresse beobachten kann.
Tatsächlich deutet viel mehr darauf hin, dass der Trend genau in die entgegengesetzte Richtung läuft und wir als Gesellschaft – trotz vieler bedauernswerter Rückschläge – es doch irgendwie richtig angestellt haben und offensichtlich unsere Moral-, Hoffung- und Liebesfähigkeit nach und nach verbessert haben.

 

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Eda Gregr
27.01.2014 um 14:06

Warum erfüllt es manche Leute mit Entsetzen, dass wir von Affen abstammen könnten?
Was ist schlimm dran einen Bettler, Henker oder Rechtsanwalt unter den Ahnen zu haben?
Wollen wir nicht besser sein als unsere Vorfahren ?
Wollen wir nicht für unsere Nachfahren, dass sie besser sind als wir?

Was ist da als so schlimm dran Scheisse werfende Verwandte zu haben?
Haben wir die nicht so oder so?

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Eda Gregr
21.01.2014 um 11:45
Entroskop 2

Entroskop : Entropie normal

Die Vertreter des Intelligent Design können nicht glauben, dass allein die natürlichen Mechanismen all die komplexen Strukturen, denen wir überall in der Natur begegnen, erzeugt haben können. Mal abgesehen davon, dass man daraus, dass man sich nicht vorstellen kann, wie etwas natürlich hätte entstehen können, nicht folgt, dass es demzufolge natürlich nicht entstanden sein kann (argumentum ad ignorantiam), müssten die Momente, in denen diese komplexen Strukturen übernatürlich entstanden sind, aussergewöhnlich aussergewöhnlich gewesens ein.

Da die Vertreter des Intelligent Design sich nicht über das Wesen des Designers äussern können und wollen, brauchen diese Strukturen nicht notwendigerweise übernatürlich entstanden zu sein, bloss irgendwie von ausserhalb des Systems induziert. Doch das ändert nichts daran, dass der Moment und Ort der Entstehung des neuen Designs eine markante Anomalie in der Entwicklung darstellt.

Und ich behaupte, dass sich solche Anomalien – so wirklich von Aussen rumgepfuscht wurde – irgendwie aufspüren lassen müssten.

Die einfachste Möglichkeit eines Designs wäre wohl, dass ein Ausserirdischer wie Slartibartfast auf die Erde kam und erkannte, dass die Entwicklung irgendwie ins Stocken geraten ist und einfach nicht weiter kommt. Und statt dass er sich an die oberste Direktive der Sternenflotte hält, konstruiert er hilfsbereit, wie er ist, kurzentschlossen einen Flagellanten-Motor (sic!), setzt ihn ein und überlässt die Evolution wieder sich selbst. Nun ja, zumindest fast, denn es braucht wohl noch für eine gewisse Zeit lang metaphorische Stützräder, denn das Leben kann manchmal grausam sein und ganz tolle Ideen einfach unter einem grossen Felsbrocken begraben.

Anomalien welcher Art wäre in diesem Fall zu erwarten? Man würde Überbleibsel von Warp-Signaturen im Orbit finden können. Fussabdrücke, Latrinen oder zumindest Transporter-Rückstände am Ort des Geschehens.
Und wenn es etwas göttlichere Wesen gewesen wären, die bloss lokal die Naturgesetze ausser Kraft gesetzt hätten, um die Evolution gleich einer Kugel sicher durch eine zu holprige Kugelbahn zu steuern, dann hätte auch das Spuren Spuren hinterlassen: Einen Falz in der Raumzeit, Diskrepanzen in parallelen Lichtstrahlen oder krumme Bananen.

Entroskop 1

Entroskop : Entropie verringert

Und selbst wenn die Natur lediglich so eingerichtet wäre, dass sie in ausweglosen Situationen die Wahrscheinlichkeitsverteilungen geschickt verbiegt, so liesse sich auch das relativ einfach feststellen, indem die Natur in eine ausweglose Situation bringt und dabei das Entroskop beobachtet.
Ein Entroskop ist ein ein je zur Hälfte mit Reis und Linsen gefülltes, fest verschraubtes Marmeladenglas, welches, wenn geschüttelt, dadurch, dass Linsen und Reis schön getrennt sind, ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass der „Intelligente Designer“ in der Nähe ist.

Oder Aornis Hades.

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Eda Gregr
01.01.2014 um 15:00

Ein netter Versuch, doch er baut auf einem naiven und völlig verzerrten Wissenschaftsbild auf, bei dem nur etwas als verstanden erklärt werden darf, wenn es auch nachgebaut wurde.
Insofern ist dieser Witz symptomatisch dafür, dass man etwas ablehnt, was man gar nicht verstanden hat.

Gibt es christliche Comedy, die sich über Atheisten, Evolution und die naturalistische Wissenschaft lustig macht?
In der die Themen, auf die gezielt wird, auch richtig und nicht nur als verzerrte Karikaturen dargestellt werden?

Da haben es die religionskritischen Comedians natürlich wesentlich einfacher, denn da die Ansichten der Christen alles andere als einheitlich sind, gibt es tatsächlich für jeden denkbaren Blödsinn eine Gruppe, die genau diesen glaubt (und aus der Bibel begründet).

Da bieten die Atheisten wesentlich weniger Angriffsfläche. Sie glauben einfach nicht an die Existenz Gottes und alles andere, was sie womöglich vielleicht doch glauben, ist allein ihrer persönlichen Beklopptheit geschuldet und hat mit dem Atheismus per se nichts zu tun. Und man kann sich ja nicht über eine Gruppe lustig machen allein aufgrund einer individuellen Idiotie eines ihrer Mitglieder.
Die Evolution gibt da schon wesentlich mehr her, denn hier gibt es durchaus einen positiv formulierbaren Grundkern, dem alle „Evolutionisten“ zustimmen würden. Also quasi sowas wie Dogmen. Beispielsweise, dass sich die Arten im Laufe der Zeit ändern, dass dies über sehr lange Zeiträume geschieht oder dass Menschen und Affen einen  gemeinsamen Vorfahren hatten. Dies als Dogmen zu bezeichnen ist aber insofern etwas problematisch, zum einen, weil diese Ansichten durch zahlreiche Belege gestützt werden, und zum anderen, weil man im Grunde augenblicklich bereit wäre, sie über den Haufen zu werfen, wenn die Evidenzen dies verlangen würden.
Dass man sich in Detailfragen, also beispielsweise ob der erwähnte Vorfahre eher auf blonde oder brünette Vorfahrinnen gestanden hat, nicht einig ist, schmälert in keinster Weise den inneren Zusammenhalt dieser Community. Denn obgleich man die These seines Gegenübers für löchrig hält, wird man nicht zögern, seine Position zu übernehmen, wenn die Löcher erst gestopft sind.

Wie will man sich über die Evolution lustig machen, wenn ein „Evolutionist“ seine These nur als einen kleinen Puzzlestein versteht, der – sollte er sich als falsch erweisen – am grossen Bild nichts ändern wird.
In der Religion verhält es sich etwas anders, womöglich weil es ein Puzzle mit wesentlich weniger Teilen ist. Details wiegen hier entsprechend schwerer und selbst die Antwort auf die Frage, ob Noah Blondinen oder Brünette bevorzugt hat, kann ohne weiteres moralische Konsequenzen in Form von Scheiterhaufen haben.

Ich sage nicht, dass das Christentum mit dem Humor auf Kriegsfuss stehen würde. Es gibt wunderbare Witze und Cartoons, die sich über die Tücken des christlichen Lebens lustig machen. Doch man begegnet kaum dem Humor als Waffe um fundamentale Überzeugungen zu hinterfragen.

Seltsam, dass Religionen umso mehr den Humor als Waffe verpönen, je weniger sie Hemmungen haben wirkliche Waffen in die Hand zu nehmen.

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Eda Gregr
04.12.2013 um 19:00

Im Garten Eden gab es keinen Tod. Und wenn man davon ausgeht, dass mit dem Sündenfall die Sexualität kam, dann auch keine Fortpflanzung.

„Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.“
(Gen 1:28)

Doch wie soll das gehen?
Wie sollen sich Adam und Eva mehren und die Erde füllen ohne miteinander zu poppen?

Okay, dann hat es die Fortpflanzung eben doch gegeben im Garten Eden. Warum sonst hätte Gott sonst von allen Tieren zwei verschiedenen Geschlechts erschaffen? Wenn die Fortpflanzung nicht vorgesehen war, dann wären auch die geschlechtliche Differenz nicht nötig gewesen und der Gefährte Adams hätte nicht notwenigerweise eine Frau zu sein brauchen – Männer verstehen sich ja auch untereinander zu unterhalten … wenn nicht sogar viel besser.
Und mal abgesehen davon gab es da ja überall Früchte, von denen sich alle Menschen und Tiere ernährten. Früchte, die Teil der Reproduktionszyklus sind.

Aber den Tod gab es nicht, soviel steht mal fest, oder? Jap, bloss mal abgesehen von dem, was die Pflanzen ereilte, die im Früchtestadium verzehrt wurden. Pfff, aber was ist schon der Tod einer Pflanze? Die leidet ja nicht, oder?

Wie dem auch sei, Fakt ist, dass zumindest Menschen und Tiere nicht starben. Es kann ja nicht für alle ein Paradies gewesen sein. Doch wenn sich die Tiere und Menschen getreu Gottes Anweisung munter gemehrt hätten ohne je den Nachfahren durch das eigene Ableben Platz zu machen, dann wäre selbst bei der moderatesten Reproduktionsrate früher oder später der Garten Eden aus allen Nähten geplatzt. Davon, dass es bald mal nichts mehr zu futtern gab, ganz zu schweigen.
Was passiert mit Tieren und Menschen im Paradies, die nichts zu essen kriegen? Verhungern können sie ja nicht. Ob das aber auf die Stimmung schlägt? Und wenn man bis in alle Ewigkeit eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse dahinvegetieren muss, hat auch das keinen Einfluss aufs Gemüt? Wird man erst stinkig, wenn man von der Frucht der Erkenntnis gegessen hat?
In dem Fall verstehe ich, wieso Gott es Adam und Eva vorsorglich verbot, von dieser zu kosten.

Die Streifen vom Tiger dienen der Tarnung. Wozu war das gut im Garten Eden? Wäre das nicht ein ungerechter Vorteil beim Versteckspielen? Aber vielleicht veränderten sich die Tiere ja beim Auszug aus dem Paradies. Und die Streifen, Krallen und die scharfen Zähne entwickelten erst an der Pforte… Genauso wie die Hörner, das Wehrsekret von Stinktieren und die etwas eklige Eigenschaft gewisser Tiere den Tod anderer Arten für die eigene Fortpflanzung zu nutzen.

Wie sahen dann aber Adam und Eva im Paradies aus? Wenn die Geburt erst nach der Vertreibung schmerzhaft wurde, was ja eine Folge des Missverhältnisses zwischen Kopfgrösse und Geburtskanal ist, dann muss das Verhältnis vorher ein anderes gewesen sein. Entweder ein kleinerer Kopf (bei Adam und Eva) oder ein breiteres Becken (zumindest bei Eva).

Vitruvianische Eva

Vielleicht wurden wir ja für die Erbsünde nicht nur bestraft?

 

 

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