Missionieren ist Völkermord an den Toten

Die Wikipedia sagt uns über den Völkermord: Gekennzeichnet ist er durch die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“.

In der Regel erreicht man das, indem man die Mitglieder der Gruppe tötet, doch es geht auch anders – zumindest was die nationalen und religiösen Komponenten betrifft.

Man erkennt den Genozid an einer Menge Massengräber und einem deutlichen Bruch in der Kulturgeschichte. Wenn man die Massengräber aber mal ausser Acht lässt, dann wird es schwierig zu unterscheiden, ob in einem bestimmten Gebiet ein Völkermord oder eine Missionierung gewütet hat. Die Kultur ist danach nicht mehr die gleiche wie davor.

(Eine ganze Gruppe zu sterilisieren, sie aber noch bis ans Ende ihrer Tage ihre Kultur weiter leben zu lassen, wäre ebenfalls ein Genozid – jedoch einer ohne Massengräber.)

Das heisst, je nach dem, ob ich den Bruch vor oder nach der letzten Generation der alten Kultur lege, ist es ein Völkermord oder eine Missionierung. Im einen Fall hat man die Lebenden getötet und im anderen Fall gewissermassen die Toten.

Wenn man nämlich davon ausgeht, dass ein Volk eine Gemeinschaft von Menschen ist, die sich darüber einig sind aufgrund ihrer Kultur ein Volk zu sein, dann würden die Leute der vergangenen Kultur sich trotz gemeinsamer Ethnie und Sprache nicht mehr dem gleichen Volk zugehörig fühlen wie die Leute der neuen Kultur, denn alles, an was sie glaubten, hat dort keine Gültigkeit mehr.

Jede Veränderung der Kultur ist der Tod eines Volkes und die Geburt eines neuen. Das klingt natürlich wesentlich drastischer als es wirklich ist, denn das braucht keine Leben zu kosten. Vielmehr ist es einfach der natürliche Lauf der Dinge.
Doch wenn man hingeht und die Kultur vorsätzlich verändert, dann ist es Mord.

Eine Antwort auf „Missionieren ist Völkermord an den Toten“

  1. Der Papst antwortete mit einem Tweet knapp eine Stunde später: „Die Kirche ist missionarisch. Christus sendet uns aus, die Freude des Evangeliums in die ganze Welt hinauszutragen.“

    Das ist die typische Antwort in solchen Belangen: Wenn Jesus es sagt, dann ist es schon okay.

    Unter den Antworten zu diesem Tweet springen mir vor allem zwei ins Auge:

    @7GHunter7 : @Pontifex_de Es gibt einen grossen Unterschied zwischen der Verbreitung des Evangeliums und dem Aufzwingen unseres Glaubens.

    Klingt danach, als sei das eine Frage des Marketings, gewisse Formen sind okay, Nippelzwicker dagegen gehen zu weit.

    @woerterfall 34m : @Pontifex_de In den meisten Beziehungen versteht man den Anderen völlig falsch. So geht es auch der Kirche mit Jesus.

    Ist immer wieder lustig zu sehen mit wievielen Leuten und Gruppen dieser Jesus ne Beziehung hat. Und jeder und jede weiss genau, was dieser will. Er ist ein notorischer Unterdempantoffelpolygam.

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