Offener Brief an die katholische Kirche

Liebe katholische Kirche

Ist es richtig, dass ihr es als eine eurer Hauptaufgaben betrachtet, möglichst viele Seelen zu retten? Und dass ihr jede Unternehmung unterlassen werdet, wenn durch diese langfristig weniger Seelen gerettet werden sollten?
Und gehe ich recht in der Annahme, dass die Kriterien, die entscheiden, wann eine Seele gerettet wird, sich im Laufe der Zeit nicht ändern? Schliesslich gab es meines Wissens seit einiger Zeit kein Update mehr für die Bibel, euer Seele-Rettungs-Handbuch. Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann laufen die Kriterien irgendwo entlang der Linie, ob man Jesus als Erlöser akzeptiert hat?
Und könnte man sagen, dass nach eurem eigenen Verständnis der von der katholischen Kirche empfohlene Weg, von allen der erfolgversprechendste ist? Andernfalls würdet ihr doch sicher umschwenken auf einen erfolgversprechenderen Kurs, nicht wahr?

Wie erfolgreich wart ihr denn im Laufe der Geschichte?
Wie viele eurer Schäfchen haben es wohl eurer Ansicht nach in den Himmel geschafft?
Kriegt ihr heute prozentuell mehr Seelen in den Himmel als – sagen wir mal – vor 100, 200, 500, 1000, 1500, 2000 Jahren? Schliesslich haben sich eure Methoden massiv gewandelt im Laufe der Zeit.
Und wie standen die Chancen für Nicht-Katholiken in den verschiedenen Epochen in den Himmel zu kommen?

Klar, sowas ist schwer abzuschätzen, doch ihr müsst zumindest eine grobe Vorstellung haben. Wie könntet ihr sonst wissen, ob all die Verbesserungen, die ihr eingeführt habt, die erwünschte Wirkung zeigen?

Ich habe mal ein bisschen recherchiert. Im Jahr 1910 waren also etwa 34.8% der Weltbevölkerung Christen und im Jahr 2010 nur noch 32.8%1. Wenn ihr den Prozentsatz der geretteten Schäfchen in eurer Herde in dieser Zeit nicht gesteigert habt, dann macht ihr einen schlechten Job2.

Und habt ihr ihn gesteigert?
Um wie viel?
Wenn ich es richtig gerechnet habe, müsstet ihr unter der (hypothetischen) Annahme, dass 1910 10% eurer Schäfchen gerettet wurden, es inzwischen auf mehr als ca. 11% geschafft haben3. Ansonsten wäre der Anteil an geretteten Seelen global gesunken. Im Fall von 20% geretteten Schäfchen 1910, müsstet ihr jetzt ca. 21.5% sein. Und bei 90% geretteten Schäfchen 1910, bei ca. 95.5%.
Und? Habt ihr es geschafft?

Aber selbst wenn ihr es nicht geschafft habt und heute mehr Seelen zur Hölle fahren als jemals zuvor, so ist das natürlich kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Schliesslich verdanken die wenigen, die es noch schaffen, es eurem Weg. Das tun sie doch, oder?

Wie sah es aber in den Jahrhunderten davor aus? In der Zeit, als man noch nicht ungestraft ans Bein der Kirchen pinkeln konnte?

Kamen beispielsweise zur Zeit der Inquisition mehr eurer Schäfchen in den Himmel als unmittelbar davor?
Oder als heute?
Und wenn ja, sehnt ihr sie zurück?

Und was geschah eigentlich, wenn ihr euch mal versehentlich verrannt habt? Sowas kann passieren. Irgendwie versteht man was falsch und gibt den Schäfchen irrtümlich einen Auftrag, der Gott massiv missfällt. (Sowas kann passieren. Jeder macht mal Fehler.)
Da der Auftrag von euch kommt (einer durch und durch vertrauenswürdigen Organisation) und eure Schäfchen es nachweislich nicht besser wissen können, kann Gott sie zur Hölle fahren lassen? Euch schon, denn ihr hättet es besser wissen müssen, aber auch all die Menschen, denen ihr mehr oder weniger absichtlich die Bildung vorenthalten habt, die es ihnen überhaupt erst ermöglicht hätte das selbst zu beurteilen?
Das kann ich mir nicht vorstellen. So fies kann kein allgütiger Gott sein…
Insofern vermute ich, dass eure schändlichste Zeit vielleicht auch jene war, in der am meisten Seelen gerettet wurden.
Wäre es da nicht eure moralische Pflicht, wieder unmoralisch zu werden?

Oder ist euch die Quote der geretteten Seelen egal und alles was zählt, ist, dass Jesus nicht vergessen geht?
Heute 90% von 10 Milliarden Seelen zu retten wäre sicherlich nett, wenn es aber in einer fernen Zukunft eine Undezilliarde Seelen geben wird, dann ist es selbstredend um Grössenordnungen wichtiger, dass Jesus auch dann noch mitmischt. Man muss schliesslich Prioritäten setzen. Koste es was es wolle.

Mit fre­undlichen Grüssen
Eda Gregr

CSI Oerlikon: Der Samichlaus

Ist der Samichlaus wirklich lieb?
Klar, er bringt doch Geschenke.


»Timeo Danaos et dona ferentes«


Mit Geschenken ist es aber bekanntlich so eine Sache…
Lassen wir uns also nicht von der sympathischen Erscheinung und dem guten Ruf des populären Bartträgers täuschen und schauen uns die Fakten an.

Es scheint mindestens zwei kulturabhängige Varianten zu geben:

Der eine ist ein fetter Kerl (Samichlaus), der am Abend mit einem Assistenten (Schmutzli) in fremde Wohnungen eingeladen wird, wo er gegen Rezitation von Gedichten und dergleichen Geschenke verteilt.
Und der andere ist ein fetter Kerl (Santa Claus), der in der Nacht ungesehen in fremde Wohnungen einbricht und statt Fingerabdrücken Spielsachen hinterlässt. Diesen gibts auch in der pausbackigen Variante (Christkind) – bis auf das Aussehen des (nicht gesehenen) Einbrechers bleibt der Coup derselbe.

Aufhorchen lassen sollten einen in der ersten Variante der Sack und die Fitze vom Schmutzli. Instrumente der Folter, wie es scheint.
In den Sack, da kommen aber nicht etwa die bösen Kinder rein. Nein, so wird auf Nachfrage versichert, da sind die Geschenke für die lieben Kinder drin.
Und die Fitze sei nicht zum Züchtigen der bösen Kinder, sondern um sich den Schnee von den Schuhen zu putzen.
Die Erklärung mit dem Sack muss man gelten lassen, schliesslich eignet sich ein solcher tatsächlich etwa gleich gut zum Geschenke, wie zum Kinder reinstecken. Aber die Sache mit dem Schuheputzen bleibt verdächtig. Denn wenn der Schmutzli sich die Schuhe putzen will, wieso bringt er dann nicht eine Schuhputzmaschine mit? Wieso ein Utensil, das man – wie alle Kinder sehr wohl wissen – notfalls auch zum Züchtigen verwenden kann? Etwas, wozu sich eine Schuhputzmaschine nicht im Geringsten eignet.
Und wenn eine Schuhputzmaschine zu sperrig ist, wieso lässt er die Fitze nicht draussen stehen? Wieso muss er sie unbedingt mit rein bringen?
Das ist wie wenn ein Cowboy einem zu versichern versucht, dass man sich vor ihm nicht zu fürchten brauche, weil er mit dem Revolver bloss Nägel einschlage – wobei in diesem Fall immerhin die Zielgenauigkeit immer schlechter wird, je länger man die Knarre als Hammer benutz.

Verdächtig ist bei der ersten Variante darüber hinaus, dass der Samichlaus mit seinem Insiderwissen durchaus die Kinder überrascht – jedoch nie die Eltern! Das sollte doch eigentlich stutzig machen, oder?

Der folgende Punkt ist wohl weniger kriminalistisch als viel mehr pädagogisch problematisch, soll aber dennoch nicht unerwähnt bleiben: Der Samichlaus erzählt dem Kindern, die offenbar ALLE – und zwar ohne Ausnahme – Probleme mit dem Zimmeraufräumen haben, dass auch er Probleme mit dem Zimmeraufräumen hat. Er erzählt, dass da der Schmutzli wesentlich disziplinierter sei. Hallo? Ich finde es ja bewundernswert, dass der Samichlaus sich sein kindlichen Gemüht bewahrt hat, aber inwiefern soll das die Kinder motivieren im nächsten Jahr das Zimmer besser aufzuräumen? Sie wollen doch nicht als Schmutzli enden – Nichts für Ungut! – als Handlanger ohne jegliche Chance auf Beförderung.

Die zweite Variante unterscheidet sich von der ersten lediglich dadurch, dass der „Geschenkbringer“ nicht gesehen wird. Schwierigkeiten mit Outfits, Accessoires und fragwürdigen Aussagen bleiben uns dankenswerterweise erspart. Wir können uns also dem eigentlichen Problem zuwenden, welches allen Varianten gemeinsam ist:

Ein Kerl, der in alle Wohnungen der Welt in einer einzigen Nacht einzusteigen vermag, muss die Zeit selbst manipulieren können. Mit Geschwindigkeit allein ist das nämlich nicht zu schaffen. Da würden die Renntiere nämlich wegen des Luftwiderstand in Flammen aufgehen.
Und wenn er die Zeit nach belieben laufen lassen kann, was wenn er das Spielzeug nicht bringt, sondern holt? Das perfekte Verbrechen! Er beklaut Kinder und niemand merkts, weil diese vor Freude strahlen.

Dafür spricht, dass er es oft ungesehen zu machen versucht, weil das seltsame umgekehrte Rückwärtslaufen ihn wohl verraten würde, und dass die Geschenke von den Eltern bezahlt werden.

Und selbst wenn der Samichlaus kein Dieb ist, so schmückt er sich doch mit fremden Federn!
Ich finde es übrigens bezeichnend, wie bereitwillig Menschen ihre Verdienste sich von einer höheren Instanz, wie Gott oder hier dem Samichlaus, abspenstig machen lassen. Sie finden es völlig okay, wenn man sich bei der imaginären Gestallt bedankt, statt bei ihnen. Wodurch sie eigentlich nicht mehr zu unterscheiden sind von einem willenlosen Werkzeug eben jenes „Wohltäters“…

Eins muss man dem diebischen, zurück durch die Zeit reisenden Samichlaus aber lassen. Er nimmt von den reichen Kindern mehr als von den armen.

 

Fazit

Entweder ist der Samichaus ein Dieb, der Kinder bestiehlt und dies dadurch vertuscht, dass er es rückwärts durch die Zeit tut. Oder er ist ein Wohltäter, der denen, die mehr haben, mehr gibt, als denen, die es nötiger hätten.

Fluch oder Segen Digitalisierung – die Kirchen müssen sich anpassen

Im kath.ch-Blogbeitrag über Kommunikation in der Kirche vom 24.11.2017 fordert der Autor von kirchlichen Institutionen, dass sie sich verändern müssen um die Gläubigen in der digitalen Welt von morgen noch erreichen zu können.

Hm… Wird man denn in Zukunft offline nicht mehr erreichbar sein?
Werden die Gläubigen nicht mehr wie in den letzten 2000 Jahren über Bibel, Gottesdienst und Missionsarbeit auf der Bahnhofstrasse angesprochen werden können?

Die kirchlichen Institutionen verkneifen es sich, uns beispielsweise auf dem Klo anzusprechen. Dabei wäre das ein idealer Ort um über die existentielle Fragen zu kontemplieren. Sie könnten diesen Ort der Stille und Insichversunkenheit zu einem Ort machen, der die Menschen sachte zu den „richtigen“ Antworten lenkt. Doch das tun sie nicht. Sie lassen dem Menschen seine Privatsphäre und vertrauen darauf, dass er auch ohne diese Hilfe an diesem Ort zu Gott finden wird.
Oder es ist ihnen einfach noch nicht eingefallen, dass Sanitärinstallation ein ebenso vielversprechender Seelenfänger sein könnte wie Kindergärten oder Krankenhäuser: Wenn das Klo überläuft, ruft man den Pfarrer! Das hätte wirkliches Potential! Man erreicht den Menschen in einer Krisensituation und die Dankbarkeit ist geradezu garantiert. Und wenn gerade keine Krisensituation besteht und er seine Ruhe geniesst, dann erinnert ihn die Ruhe daran, wem er diese verdankt. Und überhaupt, was zeigt besser Nächstenliebe und Bescheidenheit als in der Scheisse seiner Mitmenschen herumzustochern? Jetzt wo die Exkremente nicht mehr einfach auf die Strasse geschüttet werden, brauchen die Füsse auch nicht mehr so oft gewaschen werden: Sanitärreparatur ist das moderne Equivalent der Fusswaschung!

Wie gesagt, die kirchlichen Institutionen könnten überall versuchen uns anzusprechen versuchen. Doch sie tun es nicht.
Wieso verkneifen sie es sich dann nicht auch in der digitalen Welt?
Ist es der Zyniker in mir, der da einen Hintergedanken wittert?

Das Perfide an der digitalen Welt (von heute) ist, dass jemanden über soziale Medien zu erreichen nie nur ein Überreichen von (hoffentlich) verlässlichen Informationen ist. Es ist immer auch ein Mitgestalten seiner Filterblase: Sich auf Facebook für eine Sache zu interessieren, führt – den Algorithmen1 sei dank – schnell dazu, dass man online nur noch diese Sachen sieht und allmählich alle kritische Stimmen verstummen.

Könnten kirchliche Institutionen vielleicht genau damit liebäugeln?
Wenn sich soziale Medien dazu eignen Flat-Earther, Impfgegner und Islamisten zu radikalisieren2, wieso sollte man dann auf diese Weise nicht auch das römisch-katholische Christentum stärken können?

Soziale Medien sind für Ideologie-Verkäufer wahre Goldgruben. Schmeiss jemanden rein und er wird zum Fundamentalisten. Man muss lediglich dafür sorgen, dass er es in der gewünschten Weltanschauung wird. Und genau dafür braucht es die im kath.ch-Blogbeitrage geforderten neuen Fertigkeiten, die in den kirchlichen Institutionen verankert sein müssen.

Die digitale Welt (von morgen) funktioniert vielleicht ganz anders.
Sollten die kirchlichen Institutionen vielleicht ein Interesse daran haben, diese mitzugestalten? Dafür zu sorgen, dass es auch in Zukunft noch Filterblasen gibt?

Hinzu kommt, dass soziale Medien eine Art von Zensur sind. Während in den ersten Tagen des Internets 10 Millionen Menschen mit 10 Millionen Megaphonen alles, was ihnen beliebte in die Welt hinausposaunten, tun es heute 10 Milliarden Menschen mit 10 Megaphonen. Sie schreien zwar noch immer alles, was sie wollen, hinten rein, doch vorne kommt dank der Algorithmen nur raus, was der Konsument hören will – wodurch die Ansteckungsgefahr von Blasphemie elegant gebannt wäre.

Oder sollen kirchlichen Institutionen gar ein eigenes soziales Medium / Megaphon aufbauen?
Wenn es sich jemand leisten kann in diesem Markt gross einzusteigen, dann der Vatikan.
Er könnte vielleicht sogar Facebook und Google kaufen…

Der liebe allmächtige liebe Gott und die Katzenlady

Nehmen wir einfach mal an, das Universum wurde von einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen und intelligentem und in keinster Weise eifersüchtigen, kleinlichen, ungerechten, nachtragenden, rachsüchtigen, blutrünstigen, frauenfeindlichen, homophoben, rassistischen, kinds- und völkermörderischen, ekligen, grössenwahnsinnigen, sadomasochistischen, launisch-boshaften Designer erschaffen. Einem lieben Gott also, der wirklich alles in seiner Macht Stehende tut, um seinen Auserwählten den Himmel auf Erden zu bereiten.
Und da dieser Gott allmächtig ist, kriegt er den Himmel auf Erden auch hin. Weil ab einem bestimmten Level an Macht es nicht mehr eine Frage des Versuchens ist, sondern des Tuns oder des nicht Tuns – und im Fall der Allmacht ist dieses Level an Macht sicherlich erreicht.

Ist da aber nicht ein bisschen zu viel Leid und Schmerz für die Menschen in der Welt für einen Himmel auf Erden?
Schwer zu sagen. Vielleicht ist das ja das absolute Minimum an Leid und Schmerz, das überhaupt möglich ist in einer Welt, wo die Menschen einen freien Willen haben.
Die einen sagen, genau so sei es, die anderen sagen „Mumpitz“.

Da uns (zur Zeit noch) die Möglichkeit fehlt das nachzuprüfen1, empfiehlt es sich anders an die Sache ran zu gehen. Und zwar mit der Katzenlady und ihren Büsis.

KatzenladyDie Katzenlady liebt ihre Katzen. Sie tut alles für sie. Sie hegt sie und pflegt sie und füttert sie mit KitKat und leckeren Babies.
Aus der Sicht der Katzen ist die Katzenlady liebevoll und fürsorglich. Dass dafür süsse Babies verfüttert werden, ist zwar traurig, doch leider unumgänglich in der einen Welt, die Katzen ein absolutes Maximum an Genuss und Wohlbefinden ermöglichen soll.
Als liebevoll und fürsorglich werden die Eltern der Babies die Katzenlady wahrscheinlich nicht bezeichnen – auch wenn sie nicht bestreiten können, dass Katzen diese Art von Futter sowohl schmeckt als auch gut bekommt.

Was wenn wir gar nicht die Lieblinge Gottes sind?
Was wenn wir nicht die Katzen sind, sondern die Babies?

Statt uns irgendeinen Grund aus den Fingern zu saugen, der erklären könnte, inwiefern es den Menschen auf lange Sicht zugute kommt, wenn ihre Babies von Katzen verspeist werden, können wir uns auch einfach mal umsehen und schauen, welche Lebewesen frei von Sorgen sind und bereits den Himmel auf Erden geniessen? Und welchen Lebewesen der ganze Ärger, zu dem uns die Katzenlady zum Wohl ihrer Lieblinge angestachelt hat, zugute kommt?

Ratten? Kakerlaken? Bazillen? …

Und erst seit wir entgegen der ausdrücklichen Warnung der Repräsentanten der Katzenlady selbst angefangen haben Katzenlady zu spielen, hat die Glückssträhne der Auserwählten einen Dämpfer erhalten.

 

***

 

 

Wie der Himmel auf Erden aussehen könnte, weiss ich nicht.
Ich weiss nur, das die Welt, wie sie sich uns zeigt, nicht der Himmel auf Erden für die Menschen ist. Dafür hat es hier zu viel Leid und Schmerz.
Ich weiss nicht, ob eine Welt mit Menschen mit freiem Willen und ohne Leid und Schmerz überhaupt möglich ist.
Ich weiss nur, dass uns die Religionen im Jenseits ein Leben ohne Leid und Schmerz in Aussicht stellen. Dass nach ihrer Ansicht eine Welt ohne Leid und Schmerz also möglich sein müsste.
Ob es in jener Welt den freien Willen noch gibt, weiss ich hingegen nicht.
Ich weiss, dass Engel gegen Gott rebelliert haben sollen.

Ich ahne aber, dass man selbst den heiligsten Menschen, um ihn himmeltauglich zu machen, irgendwie körperlich oder geistig kastrieren müsste.

Hell’s Grannies

Darf man einer zwielichtigen Organisation anzugehören?
Wenn man selbst nichts zwielichtiges macht?

Nehmen wir als Beispiel die Hell’s Grannies. Ihnen wird Streitsucht und Vandalismus nachgesagt – obwohl davon in ihren Satzungen nirgends die Rede ist. Einmal im Jahr veranstalten sie – was dagegen durchaus in ihren Satzungen steht – eine Love Ride, wo sie behinderten Kinder mit einem Ausritt auf ihren schweren Bikes eine unglaublich grosse Freude machen.
Wenn meine Grossmutter sich nun den Hell’s Grannies anschliesst um etwas nettes für behinderte Kinder zu tun, ist das gut oder schlecht?
Was man den Hell’s Grannies nachsagt, hält sie für nicht tolerierbar, doch da sie die einzigen sind, die mit Motorrädern philantropisch arbeiten, bleibt ihr schlicht und ergreifend nichts anderes übrig als sich ihnen anzuschliessen, und damit das Untolerierbare irgendwie doch zu tolerieren. Zu ihrer Verteidigung, sie hat versucht selbst eine Love Ride zu organisieren, doch mit nur einem einzigen Töff ist es nun mal nicht das gleiche Glücksgefühl, wie wenn hunderte von schweren Maschinen gemeinsam durch die Gegend donnern.
Und wenn sie eine Hell’s Grannie wird, kann sie ja vielleicht von innen heraus was ändern…

Aber darf sie den Hell’s Grammies beitreten? Ich meine juristisch betrachtet.

Laut Strafgesetzbuch ist eine Organisation dann kriminell zu betrachten, wenn sie nicht davor zurückschreckt verbrecherische Mittel einzusetzen um ihre Ziele zu erreichen. Und eine Beteiligung an einer solchen ist strafbar.

Be­tei­li­gung an / Unterstützung ei­ner kri­mi­nel­len Or­ga­ni­sa­ti­on (Art. 260­ter Ziff. 1 Abs. 2 StGB)

1. Wer sich an einer Organisation beteiligt, die ihren Aufbau und ihre personelle Zusammensetzung geheim hält und die den Zweck verfolgt, Gewaltverbrechen zu begehen oder sich mit verbrecherischen Mitteln zu bereichern,
wer eine solche Organisation in ihrer verbrecherischen Tätigkeit unterstützt,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.

2. Der Richter kann die Strafe mildern, wenn der Täter sich bemüht, die weitere verbrecherische Tätigkeit der Organisation zu verhindern.

Sind die Hell’s Grannies eine kriminelle Organisation? (Und soll sie auf Strafmilderung hoffen?)
Einzelne ihrer Mitglieder waren in Verbrechen verwickelt. Das allein hat noch nichts zu bedeuten. Das trifft auf jede Organisation zu.
Die Organisation hilft solchen Mitgliedern. Auch daran ist noch nichts auszusetzen. In einer Gemeinschaft steht man sich bei. In guten wie in schlechten Tagen.
Die Organisation versucht die Verfehlungen ihrer Mitglieder zu vertuschen… Stop, jetzt wird es interessant: Selbst wenn sie gesetzlich vielleicht nicht verpflichtet ist, Straftaten, von denen sie Kenntnis hat, zu melden, so ist es doch etwas anderes, wenn man sich allein schon die Furcht vor der Organisation zunutze macht um jene umzustimmen, die vielleicht bereit wären Anzeige zu erstatten.

Das ist übel. Aber erfüllt es die Kriterien einer kriminellen Organisation?
Was wenn eine Organisation nur ihre finanzielle Struktur geheim hält, nicht aber die personelle Zusammensetzung?
Und wenn sie nicht den Zweck verfolgt, Gewaltverbrechen zu begehen und die Praxis sich mit verbrecherischen Mitteln zu bereichern (nach eigenen Angaben) längst aufgegeben hat?
Wenn sie sich einzig darauf beschränkt, ihre fehlbaren Mitglieder vor dem Zugriff der Justiz zu bewahren?

Ist eine Organisation, die straffällige Mitglieder deckt, eine kriminelle Organisation?
Und selbst wenn sie es nicht ist und es demzufolge auch nicht illegal wäre, sich einer solchen anzuschliessen: Sollte man sich einer solchen Organisation anschliessen wollen?
Weil welches Zeichen sendet man dann wohl mit der Mitgliedschaft aus?
Denn nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen…

 

 

Die Sache ist aber leider noch etwas komplizierter: Dass Unrecht wegen der Vertuschung nicht gesühnt wird, liegt in der einen Waagschale. In der anderen aber liegt hier die von den behinderten Kindern geraubte Freude, wenn es keine Love Ride mehr gibt, weil die Hell’s Grannies aufgelöst wurden.
Was ist uns wichtiger? Eine Verurteilung, welche das geschehene Leid nicht mehr ungeschehen machen kann oder das Kinderlachen?

Oder sollte man vielleicht auch das Leid berücksichtigen, welches durch Ereignisse entsteht, welche aufgrund der Vertuschung nicht verhindert wurden?

Und wie sicher sind wir uns eigentlich, dass sich die Love Ride nicht vielleicht doch von einer anderen Organisation organisieren liesse?

 

 

Es wurde schon klar, dass ich nicht wirklich von meiner Grossmutter sprach?
Und auch nicht von den Hell’s Grannies?

Frage(n) an einen Pfarrer

Wirst du im Himmel glücklich sein?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich nicht dort bin?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich gerade unsagbare Qualen erleide?

Was müsste ich im Leben angestellt haben, damit dir der Umstand, dass ich eine Ewigkeit in der Hölle schmore, nicht den Tag verdirbt?
Jemanden umgebracht? Viele umgebracht? Sehr viele grausam umgebracht? Kinder missbraucht? Etwas gestohlen? Schweinefleisch gegessen? Masturbiert? Mich rasiert? Nicht an die Existenz Gottes geglaubt – sei es aus Trotz oder weil mir einfach die Gründe dafür nicht gut genug erschienen?

Hat Gott hierbei die gleiche Toleranzgrenze wie du?
Und was wenn nicht?

Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel die Fähigkeit genommen wird, dir über mich in der Hölle Gedanken zu machen?
Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel egal ist, ob ich in der Hölle bin?
Ist es okay für dich, wenn du nicht weisst, dass ich in der Hölle bin?

Würdest du für mich gegen das Urteil ankämpfen und wenn nötig gegen Gott rebellieren?

Cherry Picking

Das Buch der Liebe

Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Wasch dir vor dem Essen die Hände. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich werde dir den Bauch aufschlitzen und dir deine Eingeweide herausreissen, wenn du mich nicht liebst. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich.

Ein Gedankenexperiment: Man lege „Das Buch der Liebe“ (siehe oben) zwei Leuten vor. Nennen wir sie Christian und Christoph. Auf die Frage, ob sie einen repräsentativen Satz nennen können, antworten sie folgendes:

Christian: „Ich liebe dich.“
Christoph: „Ich werde dir den Bauch aufschlitzen und dir deine Eingeweide herausreissen, wenn du mich nicht liebst.“

Welcher der beiden hat recht und wer cherrypickt?

Die überwiegende Mehrheit der Sätze entspricht tatsächlich exakt jenem vom Christian. Allerdings ist der Satz von Christoph nicht einfach ein anderer etwas seltenerer Satz. Er lässt uns alle anderen Sätze auf einmal ganz anders sehen. Es geht im Buch der Liebe zwar immer noch um Liebe, aber ich sollte es vielleicht lieber nicht mehr meiner Liebsten zum Valentinstag schenken…

 

 

Da ist aber noch ein anderer Satz: „Wasch dir vor dem Essen die Hände.“
„Das Buch der Liebe“ muss zwar eindeutig als ein verstörendes Werk betrachtet werden muss, von dem man besser die Hände lässt. Doch das ändert nichts daran, dass es durchaus richtig ist, sich die besagten Hände vor dem Essen zu waschen.
Bedeutet das, dass es doch ein Buch ist, das man verschenken kann? Und sogar nicht nur zum Valentinstag. Ich meine, die Anweisung sich die Hände zu waschen, kann einem schliesslich buchstäblich das Leben retten.
Ist vielleicht dieser Satz der repräsentativste? Weil nützlichste. Und alle anderen die gecherrypickten?

 

 

Vielleicht hilft uns ein Blick in den Kirschbaum aller Bücher weiter:

Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Matthäus 7,15–20

Im „Buch der Liebe“ ist die Liebeserklärung eindeutig das Schafskleid und durch das Bauchaufschlitzen wird der inwendige Wolf entlarvt. Und die Fäule der Frucht ist die Furcht, die einen beschleicht, wenn einem klar wird, dass es sich um eine obsessive Liebe handelt.
Ergo ist das „Buch der Liebe“ ein fauler Baum.
Aber die Sache mit dem Händewaschen ist eindeutig eine gute Frucht.
Also ist es ein guter Baum, weil ein fauler Baum nicht gute Fürchte bringen kann…

Der Rückschluss von der Qualität einer Frucht auf die Qualität des Baumes ist nicht ganz unproblematisch. Wenn alle bisher getesteten Früchte eines Baumes sich als faul erwiesen, erhöht das zwar die Wahrscheinlichkeit, dass auch die nächste zu testende Frucht faul ist, es macht es aber keineswegs notwendig. Das wäre ein Fehlschluss (ein so genanntes argumentum ad arborem).

Was faule Früchte sind, ist klar. Für die kann es aber verschiedene Ursachen haben:
Wenn es eine Baumkrankheit ist, welche alle Früchte faul werden lässt, dann ist es wohl schon ein fauler Baum und der hat dann wohl nur faule Früchte.
Wenn es aber eine Krankheit ist, die nur die Früchte befällt und sich allein über diese ausbreitet, dann ist es trotz der faulen Früchte offensichtlich kein fauler Baum. Denn er wird das nächste Jahr wieder gute Früchte tragen.
Wenn man die Krankheit nicht kennt, kann man aus der blossen Existenz von faulen Früchten keine Rückschlüsse auf die Gesundheit des Baumes ziehen.

Wohlgemerkt, in beiden Fällen kann es Sinn machen, den Baum auszureissen. Selbst dann wenn nur die Früchte faul sind. Dies kann nötig sein um die Fäule daran zu hindern auch noch die Früchte auf anderen Bäumen zu befallen.

Diese Vorstellung, dass ein Baum ausschliesslich gute oder faule Früchte tragen kann, ist absurd. Eine echt faule Frucht.
Da wollen wir lieber nicht der Empfehlung folge leisten, die uns die Bibel gibt für den Fall, wenn wir irgendwo faule Früchte finden…

Frohe Ostern!

Jesus ist also für unsere Sünden gestorben. Nun ja, nicht so richtig. Er war vielleicht klinisch, aber noch nicht so richtig mause tot. Am Montag kam er ja wieder zurück. Er hat ein Wochenende für unsere Sünden geflatlinert geopfert.
Aber nicht einfach irgendein Wochenende – das muss man ihm schon lassen -, sondern das Osterwochende! Er verzichtete für unsere Sünden auf das Ostereiersuchen1! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das für die Sünden anderer das getan hätte…

Man darf mich nicht falsch verstehen, ich bin gern bereit jemandem seine Sünden zu verzeihen, ich würde es mich lediglich nicht besonders viel kosten lassen, es tun zu dürfen.

Das hängt aber vielleicht auch davon ab, was es zu verzeihen gilt…
Ich habe auf die Schnelle vier(einhalb) Sünde-Archetypen identifiziert:

Typ 1

Wenn einer manchmal masturbiert, sich rasiert oder Helene Fischer hört und jetzt deswegen (mir gegenüber???2) ein schlechtes Gewissen hat, dann werde ich ihm erklären, A) dass ich das nicht wissen will und B) dass man sich dafür nicht zu schämen braucht. Und wenn er dennoch drauf besteht, werde ich es ihm gern verzeihen. Und wenn es ihm nur dann die erwünschte Erleichterung verschafft3, wenn ich das Verzeihen durch ein Opfer besiegle, dann werde ich (stirnrunzelnd) vielleicht auf das Bier verzichten, das ich ohne diese Episode ohnehin nicht getrunken hätte4. Ein grösseres Opfer werde ich aber höchstwahrscheinlich nicht erbringen.
Theoretisch könnte ich natürlich das Trinken des Biers als etwas furchtbares darstellen und den Humpen dann (angeblich) angewidert runterschütten, doch das erscheint mit nicht ganz ehrlich. Nichtsdestotrotz sollte man, wenn jemand „gern“ für die Sünden anderer leidet, vielleicht mal fragen, ob er es nicht auch ohne die Sünden „gerne“ tut.

Typ 2

Wenn einer mich belogen, betrogen oder bestohlen hat und jetzt deswegen mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, so werde ich ihm gern verzeihen, nachdem er alles wieder gut gemacht hat und mich davon zu überzeugen vermochte, dass er so etwas nie wieder weder mir noch irgend jemand anderem antun wird. Dass ich ihm verzeihe, bedeutet, dass ich in Zukunft diese „Jugendsünde“ nicht mehr in meine Erwägungen mit einbeziehen werde – er soll sich aber hüten, sowas nochmals zu tun.
Wenn ich das Verzeihen (ob nun auf sein oder mein Drängen hin) mit einem Opfer meinerseits kombiniere, …

… dann wirft das ein sehr, sehr seltsames Licht auf MICH!

Hier wieso: Man stelle sich vor, ein Kind stellt was an und der Vater bestraft und verzeiht. Unter welchen mysteriösen Umständen könnte es da nötig sein, dass der Vater den Akt des Verzeihens mit einem schmerzlichen Opfer seinerseits kombiniert?
Nur unter denen, dass der Vater traditionell etwas später das Kind für den gleichen Blödsinn nochmals bestraft und ihm danach erneut verzeiht. Und dann etwas später das Kind nochmals für den ursprünglichen Blödsinn bestraft und ihm dann verzeiht…

Das Opfer macht nämlich nur Sinn, wenn ich vergesslich bin und das SM-Ritual dafür sorgen soll, dass ich es ganz sicher nie wieder vergesse!

Typ 2a

Und wenn dieser Kerl von eben (der mir hoch und heilig versprochen hat, nie wieder jemanden zu belügen, zu betrügen oder zu bestühlen) jemanden belügt, betrügt, bestielt oder gar umbringt und mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, weil er seinen Eid gebrochen hat, dann werde ich ihm erklären, dass meine Absolution allein nicht ausreicht um wieder ein reines Gewissen zu haben. Dafür braucht es das Okay eines jeden Betroffenen und je nach Art des Verbrechens auch das der Polizei. Und das völlig ungeachtet dessen, ob ich prominent bin oder mir während des Verzeihens in den Finger geschnitten habe.

Nun ja, wenn ich mir in den Finger schneide, fluche ich für gewöhnlich. Wenn ich in einem solchen Moment jemandem grossherzig seine Fehler verzeihe, dann wäre das schon auch denkwürdig.
Andererseits stellt sich hier die alte Frage, wie weit man Aussagen Glauben schenken darf, wenn sie in einem psychologischen Ausnahmezustand formuliert wurden wie jenem, in dem man sich befindet, wenn einem der Finger blutet (geschweige denn wenn man gerade an einem Kreuz hängt)?


Wir wissen, dass Dinge, die unter Folter gesagt werden, weniger der Wahrheit entsprechen als viel mehr dem, was der Folterknecht hören will. Kreuzigung ist Folter. Wie glaubwürdig ist dann wohl das „Ich sterbe für eure Sünden“?

Gibt es nicht einen anderen Weg, als das Okay von allen Betroffenen einzuholen? Das Problem ist, vielleicht ist eins der Opfer ein sturer Bock, der mehr an Wiedergutmachung verlangt als ihm eigentlich zusteht. Kann eine Drittperson hinzugezogen werden? Oder ein Experte?

Ausschliessen möchte ich hier explizit einen naturwissenschaftlichen Experten. Wenn ein Neurochirurg belegen kann, dass eine Handlung beispielsweise allein auf das Vorhandensein eines Tumors zurückzuführen ist, dann kann diese Erkenntnis das „Verbrechen“ durchaus verzeihen. Dass ihm die Opfer böse sind, ist dann in etwa so sinnvoll, wie wenn sie dem Hagelsturm böse sind, der ihnen das Auto perforiert hat.
Natürlich werden die Opfer dennoch rachsüchtig sein und der Täter dennoch ein schlechtes Gewissen haben, von der ethischen und moralischen Seite her ist die Sache aber eigentlich erledigt.

Analog kann man auch überrissene Wiedergutmachungsforderungen zurückweisen, wenn die naturwissenschaftlichen Experten nachweisen können, dass diese pathologische Ursachen haben.

Kann eine Ethikkommission oder ein Priester (oder ein Gott) die Aufgabe des Verzeihens statt der Geschädigten übernehmen?
Ich hege da so meine Zweifel.
Ich will ja nicht bestreiten, dass man Vergebung „outsourcen“ kann, sprich dass man das Urteil eines Pfarrers darüber, ob man jemandem in einem konkreten Fall verzeihen sollte, übernehmen kann. Andererseits hat der Pfarrer aber kein Recht das Verzeihen einzufordern. Er ist also bestenfalls ein Berater.
Wenn ein Übeltäter dank der Absolution eines Pfarrers wieder ein gutes Gewissen hat, obschon die Opfer es ihm noch nicht verziehen haben, dann hat der Pfarrer seine Kompetenz überschritten.

Ich habe mal mit einem Pfarrer gesprochen, der mir erklärte, dass es auch schon vorgekommen sei, dass er beispielsweise das vom reuigen Beichtling entwendete Geld anonym wieder zurück gegeben habe. Für den Pfarrer war das okay. Und der Dieb hat die Absolution erhalten.
Aber ist das wirklich okay?
Ich will ja nicht bestreiten, dass der Beichtling seine Lektion gelernt hat und die Gefahr für alle Zukunft gebannt ist. Ich will auch nicht ausschliessen, dass die ganze Angelegenheit bereinigt werden kann, ohne dass das Opfer überhaupt merkt, dass es ein Opfer war. Doch um das beurteilen zu können, braucht es eine naturwissenschaftliche Expertise im Sinne von, dass sie nachvollzieh- und von Peers bestätigbar ist. In diesem Moment vom heiligen Geist beseelt zu sein, reicht nur, wenn es dafür ein naturwissenschaftliches Attest gibt.

Zurück zu den Leuten, die mir gegenüber ein schlechtes Gewissen haben.

Typ 3

Wenn einer nicht glaubt, was ich behaupte, und es sich dann als wahr erweist, und er jetzt deswegen (mir gegenüber) ein schlechtes Gewissen hat, dann sollte ich ihm ehrlicherweise zugestehen, dass in diesem Fall das schlechte Gewissen wohl eher ich haben sollte, weil ich es nicht geschafft habe, es ihm auf eine für ihn verständliche und nachvollziehbare Weise zu präsentieren. Oder aber dass ich (oder jemand anders) in der Vergangenheit vorsätzlich (!) so viel Mist verzapft habe, dass er es inzwischen für eine sicherere Strategie hält, nichts mehr zu glauben. In diesem Fall ist ein Opfer in Form einer Bestrafung meinerseits und ein Verzeihen ihm gegenüber durchaus angebracht, lediglich sollte nicht der Eindruck entstehen, dass er irgendwas falsch gemacht hat.

Typ 4

Und auch wenn einer das von mir in ihn gesetzte Vertrauen nicht erfüllt und jetzt deswegen (mir gegenüber) ein schlechtes Gewissen hat, ist das eigentlich mein Problem und nicht seins. Vorausgesetzt, dass der Vertrauensmissbrauch nicht von der Art ist, wie es beispielsweise der Fall ist, wenn ich jemandem meine Blumen über die Ferien zum Hüten gebe und er sie jämmerlich vertrocknen lässt – denn das gehört in die Belogen-, Betrogen- und Bestohlen-Kategorie. Sondern ich meine damit das Vertrauen, das ich in einen Pudel beim Hunderennen setze, der dann aber nicht gewinnt und dann, ob meiner Enttäuschung über sein lausiges Abschneiden, ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hat. Dass der Hund ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hat, hat in einem solchen Fall aber weniger mit seiner Schuld zu tun als vielmehr mit meiner Fähigkeit ihn zum Sündenbock zu machen. Er konnte ja unmöglich wissen, dass ich wollte, dass ausgerechnet er gewinnt.
Wenn ich es ihm zu verstehen gegeben hätte, hätte er meine Erwartungshaltung richtig stellen (oder mich belügen) können. Aber so ist mein Verzeihen ihm gegenüber schlicht heuchlerisch und mein theatralisches Opfer soll mich insgeheim lehren in Zukunft die Finger von Hunderennen zu lassen.

Fazit

Wenn das Leiden auf Seiten des Vergebenden stattfindet, dann ist was faul. Punkt.
Wenn man masochistische Neigungen hat, darf man es aber gern so praktizieren, besondere Dankbarkeit sollte man für diese Geste aber nicht erwarten.

Ob eine Gesellschaft netter zueinander wird, wenn man sich während dem Akt des Verzeihens in den Finger schneidet, bezweifle ich, möchte es aber ohne eine entsprechende Studie nicht kategorisch ausschliessen. Ansätze für eine Studie in diese Richtung kann man im Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche sehen, wenn dort auch etwas durcheinander kam und der Sünder statt des Jesus-Stellvertreters zur Kasse gebeten wurde.

Ehrlich gesagt, bezweifle ich sogar, dass die noble Geste von Jesus am Kreuz funktioniert hat. Er hat sehr gelitten. Das schon. Es ist aber nicht so, dass uns diese von da an nicht mehr weiter nachgetragen werden. Schliesslich ist die Geburt von Kindern noch immer schmerzhaft – hab ich mir sagen lassen.

Ich meine, wenn ein Kind ungehorsam ist und der Vater zur Strafe seinem Teddybären den Arm ausreisst. Dann kann das eine „gerechte“ Strafe sein5. Und wenn das Kind dem Bären den Arm mühselig wieder annäht, dann kann es noch immer ein Teil der „gerechten“ Strafe sein, wenn er der Vater dem Bären den Arm erneut ausreisst. Zumindest so lange, bis der Vater erklärt, dass die Schuld beglichen und dem Kind vorziehen ist.
Dann wird der Bär gezeichnet sein von der langen Periode der Strafe. Und unter Umständen wird das Spiel mit ihm beeinträchtigt sein. Das sind nun mal die Konsequenzen der Strafe. Doch der Vater sollte dann – verdammt nochmal – nicht damit fortfahren dem Bären den Arm auszureissen!

Eine Frage an Katholiken, Evangeliken und all die anderen Theoliken

Jan Žižka
Jan Žižka z Trocnova, der bedeutendst Heerführer der Hussiten

Hus, Luther, Zwingli, Calvin & Co stänkerten gegen die Kirche und lösten mit der Reformation eine Lawine aus, welche Europa in Schutt und Asche legen sollte.

Die Meinungsverschiedenheiten über das, was die Kirche tun und lassen sollte, führten zu Kriegen und kosteten Millionen von Menschen das Leben. Und selbst wenn man der Meinung sein sollte, dass die Kriege nichts mit der Kirche zu tun hatten, so bleiben noch immer die katholische Inquisition und ihre Pendants der anderen Konfessionen, welche sich zumindest darin einig waren, dass die Anhänger kleinerer Gruppen wie der Täufer konsequent ermordet werden müssen.

War es das wert?
Hat es sich gelohnt, die vielen (oder wenigen) Menschen umzubringen? Sei es um sie am Ausüben ihrer Religion zu hindern oder um selbst nicht deren Religion (oder auch nur Teile davon) übernehmen (oder sehen) zu müssen? Bestand da wirklich kein Raum für Koexistenz und Kompromisse?

Klar, Gott will nicht, dass man anders an ihn glaubt. Aber will er das wirklich sogar noch weniger, als dass Menschen leiden und sterben?

Die Frage geht an alle Anhänger von friedliebenden Religionen.
Wäre es einem friedliebenden Gott nicht lieber, wenn man zu einem falschen Gott betet, als wenn man sich die Köpfe einschlägt, um nicht zum falschen Gott beten zu müssen?

Die heiligen Texte sprechen da eine klare Sprache, aber das ist „natürlich“ nicht das was sie meinen.

Wieso nicht um des Friedens willen einfach die andere Religion übernehmen? Ganz nach dem Motto: Der Klügere gibt nach.
Klar, wenn die andere Religion dann irgendwann doch verlangt, dass ich jemandem den Kopf einschlage, weil er nicht zum gleichen Gott betet wie ich, dann ist es offensichtlich nicht eine friedliebende Religion. Und dann darf ich selbstverständlich gern den Leuten, die mich zwingen, anderen den Kopf einzuschlagen, den Kopf einschlagen, um niemandem den Kopf einschlagen zu müssen.

 

Ich bin Atheist, weil die Christen es mir erlauben.
Wenn sie mich fürs Nichtglauben bestrafen könnten, würde ich alles tun, was sie verlangen – ausser jemanden für Nichtglauben zu bestrafen.
Ich mache mich über das Christentum lustig, weil die Christen es mir erlauben.
Wenn sich mich für meine Spässe bestrafen könnten, würde ich die Klappe halten – ausser wenn sie jemanden für Spässe bestrafen wollen.

Wollen mich die Christen für mein Nichtglauben und meine Spässe bestrafen können?
Sie würden nicht mit der Kalberei ihrer Religion konfrontiert werden und sie bräuchten nicht zu fürchten, dass ihre Kinder die Kalbereien ihrer Religion als solche erkennen würden.
Würde es das wert sein, mich dafür leiden zu lassen?
Findet ein friedliebender Gott es okay, wenn ich nur zwischen schweigen und leiden wählen kann?

Jesus im anderen Hosenbein der Zeit

Ob die Geschichte des Abendlandes blutiger verlaufen wäre, wenn Jesus uns nicht geboten hätte dem Ohrfeiger die andere Backe hin zu halten, sondern ihm stattdessen den Kopf ab zu schlagen?
Ian Hazelwood, Philosoph

Nop
Milton Flannan, Experimental-Zeitreisender

Was wenn sich Jesus durch ein Wurmloch beim Masturbieren beobachten liesse? Welchen Einfluss hätte das auf die christliche Einschätzung der Selbstbefriedigung?
Oder wenn man ihn mit Judas vögeln gesehen hätte? Wäre Homosexualität dann okay?

Ich bin mir ziemlich sicher, man hätte schnell Bibelverse zur Hand, welche genau das schon seit jeher gemeint haben – bloss dass die Heilige Schrift bedauerlicherweise all die Jahre nicht gut genug gelesen wurde.
Das liesse sich sogar testen: Man nehme einen Theologen, setze ihn ein bisschen unter Drogen, präsentiere ihm gefälschte Evidenzen für die gelebte Homosexualität von Jesus sowie eine Bestätigung vom Papst höchstselbst, dass dies inzwischen allseits akzeptiert sei, und dann gibt man dem Theologen den Auftrag, er möge doch bitte einschlägige Bibel-Zitate suchen, die das erwähnen und gutheissen.

Kann Jesus überhaupt etwas moralisch verwerfliches anstellen? Ich meine natürlich nicht, dass er irgendwie mental programmiert ist, dass er beispielsweise Schweinefleisch nicht sehen kann, oder dass er aus einem Material besteht, durch welches Schweinefleisch einfach durchfällt. Das wäre zwar auch eine Möglichkeit, aber ich meine, dass Schweinefleisch, wenn er es isst, augenblicklich aufhört per se unrein zu sein. Wodurch er quasi der König Midas der Moral ist.

Die Verfluchung des Feigenbaums wäre ein anderes Beispiel. Bloss weil man hungrig ist und ein Feigenbaum aussererhalb der Erntezeit keine Früchte trägt, ist kein guter Grund diesen verdorren zu lassen. Und doch hat es Jesus getan. Und ich habe von niemandem gehört, der je Schwierigkeiten bekommen hätte, weil er einen Feigenbaum verflucht hat.

Im Beispiel, das ich mir etwas genauer ansehen will, geht es darum, dass man Jesus für seine Unnachgiebigkeit bewundert, es aber meines Erachtens genauso für dein Nachgeben hätte tun können.

Die Versuchung Jesu

Da gibt es doch diese Episode, wo Jesus für 40 Tage in die Wüste geht und dort vom Satan versucht wird. (Davon, dass niemand dabei war, der hätte bestätigen können, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat und dass es da nicht noch ein paar weitere Versuchungen gab, denen Jesus nicht widerstand, soll hier nicht die Rede sein.)

Satan empfahl dem hungrigen Jesus, seine göttliche Macht zu nutzen und Steine zu Brot zu machen und damit seinen Hunger zu stillen (Davon, ob es auch dann eine Versuchung ist, wenn Jesus zu so etwas gar nicht in der Lage ist1, soll uns hier auch nicht interessieren.). Jesus tat es nicht2. Was aber wäre gewesen, wenn er getan hätte? Man hätte gejauchzt: Halleluja, ein Wunder! Und auf den Einwand, er habe dem Feind zugehört und eigennützig gehandelt, hätte man gekontert: Es ist gut, mit dem Feind zu reden. Das ist Nächstenliebe… Hat sich eigentlich schon mal jemand überlegt, ob die „Versuchung“ nicht vielleicht ein Angebot Satans war, sich mal zusammen an einen Tisch zu setzen und bei einem Schluck Wein (wenn schon dann schon!) zu überlegen, ob sich nicht irgendwo einen Kompromiss finden liesse, mit dem alle Seiten leben können, welches Jesus aber schnöde ausschlug?

Dann fragte Satan Jesus, wie sie so oben auf dem Tempel stehen, ob er als Sohn Gottes sich nicht von Engeln runter bringen lassen könne? (Wer noch nie nach einer durchzechten Nacht an einem völlig verrückten Ort aufgewacht ist, werfe den ersten Stein!) Jesus will  nicht3. Was aber wäre gewesen, wenn er es getan hätte? Auch hier hätte man gejauchzt: Halleluja, ein Wunder! Wie in der Schrift prophezeit, befielt er seinen Engeln, ihn auf ihren Händen zu tragen, damit sein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Und zuletzt schlägt Jesus auf einem sehr hohen Berg4, das Angebot aus die Weltherrschaft anzutreten. Was aber wäre geschehen, wenn er sie übernommen hätte? Im alten Testament wird prophezeit, dass er Herrscher über die Welt werden würde. Und die Christen sind ohnehin überzeugt, dass er es ist. Von daher hätte es keinen Unterschied gemacht.
Wenn da nicht die Sache mit dem Niederwerfen gewesen wäre. Was wäre gewesen, wenn er sich niedergeworfen hätte? Halleluja, er zeigt Bescheidenheit und Demut. Ein König kniet nieder bei deiner Krönung.
Und das mit dem Anbeten? Hm… Es wäre ein unbequemer Kompromiss, welcher symbolisiert, dass ein König sich auch manchmal die Hände schmutzig machen muss um gutes zu tun. Doch indem er es offen tut, steht er dafür gerade. Nicht so geheime Vereinbarungen hinter verschlossenen Türen. Es ist kein Zuckerschlecken ein König zu sein. Und überhaupt, was wäre die Alternative? Soll der Gute Mann wegen einer Formalität die Herrschaft einem Strümper überlassen und damit die Welt vor die Hunde gehen lassen?

Wir sehen also: Alles wird gut, wenn Jesus es tut.

Quantitätstheorie der Unmoral

Wenn Masturbation auf einmal nicht mehr übel ist, welche theologischen Konsequenzen hätte das? Kommt einem Religion mit einer stetig schrumpfenden Zahl an Sünden zurecht? Oder ist da mehr dran?
Ich habe da eine Theorie: die Quantitätstheorie der religiösen Unmoral. Dieser zufolge braucht eine Religion immer eine kritische Masse an unmoralischen Handlungen, welche sicherstellt, dass man sich nie ganz sicher sein kann, wie es um das eigene Seelenheil bestellt ist. Religionen sind Schlepperbanden, welche die Schäfchen retten. Und das Geschäft funktioniert umso besser, je weniger man weiss, wo die Grenzen liegen5. Deshalb poppt für jedes rehabilitierte Gräuel irgendwo ein neues auf.
Es ist natürlich nicht so, dass der Papst über den Stand der Sünden Buch führt und systematisch neue einführt. Das geschieht ganz von alleine, wenn das Dogma „Wir alle sind Sünder“ ist. Wenn man Sünder sein will und einem die Sünden ausgehen, gewichtet man die übrigen neu oder schämt sich (und andere) eben für was anderes.

Andersrum

Sich verführen zu lassen ist doof und kann einen schnell mal das ewige Leben kosten6. Man kann sich allerdings auch von der anderen Seite verführen lassen (siehe Bild links) und damit gewinnt man das ewige Leben7. Verführung ist also nur dann verdammenswürdig, wenn Jesus im anderen Hosenbein der Zeit8 steckt.

Bei den Versuchungen oben verkniff sich Jesus Wunder.
Bei anderen Gelegenheiten vollbrachte er sie durchaus. Obgleich auch dort galt, dass man nicht vom „Brot“ allein lebt („Brot“ kann hier für alles stehen, was sich mit einem Wunder in Ordnung bringen lässt) und dass man Gott nicht auf die Probe stellt (ein Wunder ist nichts anderes). Hätte er sich die vollbrachten Wunder nicht konsequenterweise auch verkneifen müssen? (Die Sache sähe natürlich ganz anders aus, wenn er die Versuchungen deshalb ausgeschlagen hätte, weil er keine Wunder für sich selbst vollbring will. Doch genau das wird nicht angeführt… Sollte einen das nicht stutzig machen?)

Aber eben, es ist egal, in welchem Hosenbein der Zeit Jesus steckt, es ist immer das richtige.

Wenn ich etwas für ethisch richtig halte und das Gegenteil davon tue, dann ist das böse.
Wenn Jesus etwas für moralisch richtig hält und das Gegenteil davon tut, dann ist das immer noch gut. Weil er es tut9.
Die Konsequenzen können aber verschieden sein. Auf der einen Seite könnte der Himmel auf Erden stehen und auf der anderen Nordkorea. Beides unausweichliche Folge der Vorbildfunktion seiner Taten. Und doch ist Jesus lieb und alles was er macht, moralisch spiegelniegel.

Die Nächstenliebe, der alte Bastard

Die Liebe ist etwas wunderbares. *seufz*
Doch wenn man versehentlich die falschen Werte vertritt, kann es auch übel ins Auge gehen…

Es gibt verschiedene Arten von Liebe. Wenn man als Liebender jedoch von einer wichtigen Sache um Grössenordnungen mehr versteht als der Geliebte, dann haben wir es ganz klar mit einer Art von Elternliebe zu tun, bei welcher der Liebende eine Verantwortung dem Geliebten gegenüber übernimmt, die er einem Fremden gegenüber so nicht hätte.

Deshalb hält der Wahre Christ schliesslich auch dem Fremden die andere Wange hin (Matthäus 5,39), während er beim Sohn seine Liebe mit der Rute praktiziert (Sprüche 13,24).

Wenn ich Rauchen für schädlich halte, werde ich es nur dann allgemein zu verbieten versuchen, wenn es auch für mich als Unbeteiligten schädlich ist und/oder wenn ich fürchten muss, dass ich später für die Kosten werde aufkommen müssen. Sollte Passivrauchen jedoch auf wundersame Weise weder schädlich noch störend sein und sollten durch den verfrühten Tod der Raucher die Kosten im Gesundheitswesen angenehm sinken und es allgemein keine negativen Folgen für die Gesellschaft haben, dann habe ich als rationaler Mensch eigentlich keine Gründe mehr den Leuten das Rauchen auszureden. Ausser ich bin ein empathischer, netter Mensch. Dann werde ich es ihnen zwar trotz des für mich daraus resultierenden wirtschaftlichen Nachteils ausreden, aber ich werde nicht versuchen, ihnen das Nichtrauchen per Gesetz aufzuzwingen. Weil ich als empathischer, netter Mensch ihre Meinung, auch wenn ich sie für falsch halte, respektiere und überzeugt davon bin, dass niemand das Recht hat anderen seinen Willen aufzuzwingen.
Wenn ich Rauchen für schädlich halte und meinen Sohn dabei erwische, wie er eine Zigarette pafft, dann ist es mir egal, ob Passivrauchen weder schädlich noch störend ist. Und es ist mir egal, ob Rauchen die Gesundheitskosten sinken lässt. Und ganz besonders egal ist mir, ob man als empathischer netter Mensch eigentlich kein Recht hat jemandem seinen Willen aufzuzwingen. Ich werde ihm in seine Angelegenheiten reinreden. Und zwar sehr deutlich.

Beim Thema Rauchen gibt es Studien, die meine Position stützen. Beim Thema Masturbation fehlen jedoch Studien, welche die Schädlichkeit belegen. Und wenn ich meine ganze Macht einsetze um die von mir geliebten Personen von dieser meiner festen Überzeugung nach verheerenden Beschäftigung abzuhalten, kann ich damit einen beachtlichen Schaden anrichten. Wohlgemerkt, ich bin nicht naiv, ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass ich mit meinen masturbationsverhindernden Massnahmen den Betroffenen ein gewisses Leid bereite, doch bin ich felsenfest überzeugt davon, dass es deutlich kleiner ist als das Leid, welches das Masturbieren verursacht hätte. Bloss dass ich damit nicht recht habe und das vermeintlich kleinere von zwei Übeln das einzige Übel ist.

Das ist zwar traurig für die Betroffenen, doch sind es wenigstens nur relativ wenige Menschen, deren Wohl mir wichtiger ist als mein eigenes und für die ich demzufolge eine Verantwortung trage, welche ihre Selbstbestimmung jederzeit ausser Kraft zu setzen vermag.
Ausser natürlich ich bin von Nächstenliebe erfüllt, dann ist keiner vor meinem Besserwissen sicher…

Mit der Nächstenliebe verlegt man sich von der anderen Wange zur Rute.

Stoppt ALLE Kriege !!

 

ALLE Kriege stoppen??
Geht das überhaupt?

Aufhören die Anderen umzubringen. Das ist machbar. Sogar ziemlich schnell. Einfach die Waffen nicht mehr benutzen. Und diese – nur für alle Fälle – in die (dafür vorgesehenen Recycling-)Tonnen werfen. Dafür braucht es keine 365 Tage.
Aufhören die Anderen umbringen zu wollen. Das ist der schwierige Teil.

Selbst wenn wir das Problem, dass womöglich zu viel geschehen ist, um dem Anderen einfach so verzeihen zu können, beiseite lassen, so bleibt doch die Meinungsverschiedenheit bestehen, welche – weil sie nicht auf eine für alle Seiten akzeptable Weise aufgelöst werden konnte – überhaupt erst zum Krieg geführt hat. Die Meinungsverschiedenheit kann darüber bestehen, wem ein gewisser Landstrich gehört, wieviel ein verzweifelt benötigtes Produkt kosten darf, welchen Gott man anbeten soll oder ob man eine unbeliebte Bevölkerungsgruppe einfach eliminieren kann.
Ich will nicht bestreiten, dass man sich in viel zu vielen Fällen nicht genug Mühe gegeben hat, einen Kompromiss zu finden. Manchmal gibt es allerdings auch keinen Raum für Kompromisse. Wenn ein Land alle Juden vernichten will, dann ist auch selbst nur die Hälfte nicht akzeptabel.

Oder vielleicht doch?
Die Organisation, in welcher der Freund, der am 1. Januar auf Facebook den Aufruf alle Kriege zu stoppen gepostet hat, als Funktionär tätig ist, hält beispielsweise den an den Amalekitern verübten Genozid für okay. Und diese Organisation wird gemeinhin als Hüter der Moral des Abendlandes betrachtet! Was dann wohl heisst, dass wenn es darum geht eine verfahrene Meinungsverschiedenheit beizulegen, der moralisch akzeptable Handlungsspielraum erstaunlich gross sein kann…

Wenn wir also den Krieg mit dem IS beenden wollen, welche Kompromisse sind wir bereit dafür einzugehen?
Opfern wir die Frauen- und die Schwulenrechte?
Kein Problem. Die sind dem Hütern der Moral eh schon lange ein Dorn im Auge.
Übernehmen wir Sharia und den Wahabismus?
Sharia okay, schliesslich umfasst sie mehr oder weniger die gleichen Regeln, wie sie auch im Handbuch jener Organisation zu finden sind. Aber zum Islam konvertieren? Ausgeschlossen! Nicht mal wenn sich damit ein Blutbad verhindern liesse! Oder vielleicht sogar eben gerade deshalb nicht, weil es ein Blutbad verhindern würde? Nichts unterstreicht schliesslich Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit besser der geschundene, blutige Körper eines Märtyrers.

Von daher bin ich mir – ehrlich gesagt –  nicht ganz sicher, wie ernst das mit dem Frieden gemeint ist. Getötete Missionare heilig zu sprechen, erscheint mir nicht gerade förderlich für den bitter nötigen Dialog, wenn diese von der anderen Seite als Provokateure betrachtet werden.

Nun ja, vielleicht sollten wir uns lieber nicht an Religionen orientieren, wenn wir Kriege beenden wollen. Schliesslich verdankt sich ihr kompromissloses Einstehen für den Frieden weniger ihrer Menschenliebe, als viel mehr dem Umstand, dass man es ihnen seit der Aufklärung einfach nicht nicht mehr erlaubt, offen zur Gewalt aufzurufen…

 

ALLE Kriege stoppen??
Klar! Aber zu welchem Preis?

Es gibt bekanntlich Dinge, die man nicht tolerieren darf.
Darin sind sich alle einig. Nicht ganz so einig sind sich alle jedoch darin, welche Sachen das konkret sind, die nicht toleriert werden dürfen. Das unterscheidet sich von „Kultur“ zu „Kultur“. Was dem einen bis zum äussersten schützenswert erscheint, mag für den anderen bis zum äussersten nicht tolerierbar sein.
Und da gibt es schnell mal keinen Spielraum für Kompromisse.

Allerdings – quasi als Silberstreifen am Horizont – neigen die Menschen im grossen und ganzen zum Prinzip „Leben und Leben Lassen“. Wenn man sie nicht zum Gegenteil anstachelt (sei es aus wirtschaftlichen, folkloristischen oder religiösen Gründen), ist es ihnen eigentlich ziemlich egal, was die Anderen treiben.
Die Anderen sind übrigens alle, die nicht zur Familie gehören. Und das ist im übertragenen Sinn die dunkle Wolke vor dem Silberstreifen am Horizont, denn die Anderen können das eine oder andere moralisch nicht so gefestigte Familienmitglied auf doofe Gedanken bringen. Und in einem solchen Fall muss man aktiv werden. Dass Fremde den Weg zur Hölle beschreiten, ist zwar bedauerlich, aber sie sind frei, es zu tun. Wenn aber einem Schutzbefohlenen eine solche Gefahr droht, sieht die Sache gaaanz anders aus…

Um alle Kriege zu stoppen, muss man alle auf die gleiche Seite kriegen. Man muss dazu nicht in jedem Punkt einer Meinung sein, aber die Spielräume für Kompromisse der Meinungen müssen eine Schnittfläche haben.
Ich mag mich irren, aber mir scheint es plausibel, dass dafür Meinungen prädestiniert sind, die einen grossen Spielraum für Kompromisse haben. Und auch wenn Religionen selbst den Genozid an von Gott gehassten Völkern zu akzeptieren bereit sind, denke ich, dass sie grundsätzlich zu eher engen Spielräumen neigen…

 

ALLE Kriege stoppen??
Indem wir diesen Auftrag nicht nur liken, sondern teilen! ♥♥♥

Ich nehme an, weil einen Facebook-Posts zu teilen wesentlich schneller den Frieden herbeiführt als wenn man ihm bloss likt. Wohl weil Teilen eine christliche Tugend ist?
Ich frage mich, über welchen Mechanismus das funktionieren soll?
Wenn der Post ein simples Rezept für ein waffenzersetzendes Gas enthalten würde, könnte ich es mir vorstellen.
Oder wenn das Bild mittels neurolinguistischer Programmierung die Aggressivität beim Betrachter nachhaltig senken könnte.
Aber einfach durch das Teilen eines Mems, dem wir eh alle eigentlich grundsätzlich zustimmen? Wohlgemerkt, das Mem enthält nicht den geringsten Anhaltspunkt darüber, wie man das konkret bewerkstelligen soll. Auf die übliche Weise, also dass man den Krieg ein für alle Mal zu beenden gedenkt, indem man ihn gewinnt, funktioniert es ja offensichtlich nicht so gut.

Also durchs Teilen/Liken! Was sowas wie Beten ist: Man unterstreicht dadurch seinen dringenden Wunsch und hat das Gefühl etwas Gutes getan zu haben ohne dabei selbst aktiv werden zu müssen.
Allerdings… Teilen/Liken wird im Gegensatz zum Beten nachweislich erhört!
Nicht von den Kriegstreibern (zu denen wir mit unseren wirtschaftlichen Interessen eigentlich auch selbst gehören.) Auch nicht von Gott. Aber durchaus von den Algorithmen… Und die antworten sogar. (Noch) nicht indem sie den gewünschten Frieden herstellen, dafür aber indem sie uns mehr von solchem Zeug und dazu passender Werbungen zeigen…

 

Aber okay, stoppen wir ALLE Kriege!!
Wir haben 365 Tage Zeit dafür.
Wieso nicht 234 Tage?
Oder 42?

#EatTogether

Zusammen essen bringt die Menschen zusammen.
Und jetzt sage einer die Speisevorschriften der verschiedenen Religionen erschweren das rein zufällig.

Dass man etwas nicht mag, ist ja okay, schliesslich sind die Geschmäcker verschieden, aber es nicht mal probieren zu dürfen, ist eine sehr bewusst nicht überwindbare Abgrenzung.

 

Die Sünde, der Hass und der Glaube

Wie Gott und die Gläubigen in seinem Schlepptau den Sünder lieben und die Sünde hassen, so liebe ich die Gläubigen und hasse den Glauben.

Ich bin neugierig, wie Gläubige auf sowas reagieren?
Verstehen sie den Angriff auf das, was sie glauben, auch als Angriff auf die, die sie sind?
Nicht doch, oder?

Wenn einer meinen Atheismus für falsch hält, dann lässt mich das ziemlich kalt. Meine Ansichten über die Existenz Gottes stehen schliesslich zur Diskussion und ich halte es für durchaus möglich (wenn auch nicht für sehr wahrscheinlich), dass sie nicht stimmen. Ich bin also offen für Argumente.
Wenn einer meinen Atheismus sogar hasst, … Kann man eine Idee wie den Atheismus überhaupt hassen? Man kann sie für bescheuert, ja sogar für brandgefährlich halten und man kann ES hassen, wenn sie einem dauernd unter die Nase gerieben wird. Aber die Idee selbst hassen? Wenn sie niemand vertritt, dann könnte sie einem doch eigentlich ziemlich egal sein. Nur indem jemand eine Idee umzusetzen versucht, kann sie überhaupt erst gefährlich werden. Dafür braucht es also erst mal jemanden. Hasse ich dann aber wirklich die Idee? Und nicht viel eher den Menschen, der die Idee vertritt, weil er die Idee vertritt? Ist nicht der Mensch, der versucht die Idee umzusetzen, der eigentliche Gehasste, den ich in meinem Hass als Rache für das zugefügte Leid vernichten will? Natürlich brauche ich die Person deswegen nicht gleich umzubringen. Es reicht sie zu „kastrieren“, sprich ihr die Möglichkeit zu nehmen die verhasste Idee weiter zu verbreiten. Allerdings ist eine um eine Idee beraubte Person nicht mehr die gleiche Person. Unter dem Strich dürfte es also nahezu unmöglich sein, den Hass gegenüber einer Idee von der Person, die diese vertritt, trennen zu wollen. Aber egal. Wir praktizieren Nächstenliebe und mit der ist alles möglich…
Wenn also einer meinen Atheismus hasst, weil er diesen für eine Gefahr für seinen Glauben hält, dann ändert auch das nichts an meiner Haltung. Höchstens, dass ich bei einer Diskussion mit ihm ausserhalb seiner Steinwurfdistanz zu bleiben versuchen werde.
Wenn einer meinen Atheismus hasst, weil ich wegen diesem unschuldige Babies zur Frühstück esse, dann … hm … ernsthaft?

Wenn allerdings einer Doctor Who für Mumpitz hält, dann lässt das – unter der (durchaus plausiblen) Voraussetzung, dass die Qualität von Doctor Who objektiv gegeben ist – nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist er ausgesprochen blöd, weil er die objektive Grandiosität nicht erkennt. Oder ich bin ausgesprochen blöd, weil ich nachweislichen Mumpitz für Grandiosität halte. Meine Überzeugung, dass Doctor Who grandios ist, steht nämlich nicht zur Debatte.
Selbstverständlich fühle ich mich nicht beleidigt, wenn jemand sagt, dass Doctor Who doof sei. Wieso sollte ich, schliesslich ist seine Aussage viel mehr ein Coming-Out in Sachen Blödheit. Und das kann man keinem Menschen übel nehmen.
Anders sähe die Sache vielleicht aus, wenn ich leise(!) Zweifel an der Qualität der Serie hegen würde (welch absurder Gedanke!), dann wäre eine Kritik an ihr selbstverständlich Salz in einer offenen Wunde. Und da könnte man wohl mit der Zeit schon ein bisschen aggressiv werden…
Interessanterweise bräuchte ich mir der Zweifel noch nicht mal wirklich bewusst zu sein. Ich kann überzeugt sein, dass mein Glaube felsenfest sei. Es reicht, wenn meine aus der Serie abgeleiteten Erwartungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Oder nur in mühseliger Interpretation mit ihr in Übereinstimmung gebracht werden können. Allerdings würde die Enttäuschung, dass die Sache nicht von Anfang an so formuliert wurde, wie ich es mit Hilfe von rhetorischen Tricks zum Ausdruck zu bringen versuche, mehr als wett gemacht durch den Effekt, dass die mentale Anstrengung, die ich in diese Verteidigung gesteckt habe, mich umso mehr an deren Wahrheitsgehalt glauben lässt. Vom Zweifeln ist im Fall des nicht bewussten Zweifels also weit und breit nichts zu sehen. Nur die gerechte Wut könnte einen stutzig machen…

Und wenn einer Vanille-Eis besser findet als Schokoladen-Eis, dann ist mir auch das egal, weil es Geschmacksache ist und ich weiss, das Geschmäcker verschieden sein können und folglich zu verschiedenen Priorisierungen von Eissorten führen.

Wir haben es also mit drei Arten von Ideen zu tun:

  1. Ideen, deren objektiver Wahrheitsgehalt noch nicht endgültig bestimmt ist. (z.B. Der gemeinsame Vorfahre von Elefant und Fledermaus lebte vor 90 Millionen Jahren.)
  2. Ideen, deren objektiver Wahrheitsgehalt endgültig bestimmt ist. (z.B. Elefanten sind grösser als Fledermäuse.)
  3. Ideen, die keinen objektiven Wahrheitsgehalt haben. (z.B. Elefanten sind schöner als Fledermäuse.)

Die Wissenschaft macht es sich einfach und steckt alle Ideen in die erste Kategorie.
Die Religion macht es sich auch einfach und steckt alle Ideen in die zweite.

Ich neige natürlich sehr zur Vorgehensweise der Wissenschaft, doch ich muss durchaus eingestehen, dass das nicht immer unproblematisch ist.
Alles für noch offen zu halten, ist nicht ideal, weil es für ein harmonisches Zusammenleben schon etwas Stabilität braucht. Man sollte sich darauf verlassen können, dass Regeln und Werte auch morgen noch gelten. Allerdings ist es schon auch nicht schlecht, wenn nachweislich üble Regeln und Werte es übermorgen nicht mehr tun.
Wenn man stattdessen alles in die zweite Kategorie steckt, dann können Regeln und Werte gar nicht nachweislich übel sein. Denn der einzige Grund, dass sie gerechtfertigterweise in der zweiten Kategorie sind, kann nur sein, dass sie von einem vertrauenswürdigen und unfehlbaren Wesen offenbart wurden1. Und wenn die Regeln und Werte optimal sind, dann werden sie auch das gewünschte Ergebnis 2 herbeiführen. Allerdings nur dann, wenn sich auch wirklich alle dran halten3.
Und wenn man weiss, welches der richtige Weg ist, dann ist kein Opfer zu gross, diesen durchzusetzen, weil egal wie gross das Opfer ist, wenn täglich 380’000 Menschen geboren werden, dann hat man das Leid ziemlich schnell amortisiert. Zur Illustration (und als als Demonstration, dass diese Art von Denken Gott nicht fremd ist): Während der Sintflut sind schätzungsweise 10 Millionen Menschen samt ihrer unverbesserlichen (?) Lasterhaftigkeit von der Erde getilgt worden. Denn ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen und soll abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Damit wird Platz für besseres gemacht. Und die „Verluste“ hätte man heute in knapp einem Monat wieder drin. Und natürlich kann man Menschenleben einfach so gegeneinander abwägen, schliesslich ersetzte Gott die sieben Söhne und drei Töchter von Hiob, die er sterben liess um Satan irgend etwas zu zeigen, durch neue sieben Söhne und drei Töchter.

Das heisst, auch wenn Gott die Sünde hasst und den Sünder liebt, so bekämpft er die Sünde, indem er die Sünder über die Klinge springen lässt, weil damit verhindert wird, dass sie mit der sündigen Idee weitere Menschen zu Sündern machen.

Wie man es auch dreht und wendet, die Deontologie ist eben doch konsequentialistisch – bloss dass man das Abwägen und Beurteilen der Konsequenzen „beyondsourct“.