Eda Gregr
23.05.2017 um 21:43

Ob die Geschichte des Abendlandes blutiger verlaufen wäre, wenn Jesus uns nicht geboten hätte dem Ohrfeiger die andere Backe hin zu halten, sondern ihm stattdessen den Kopf ab zu schlagen?
Ian Hazelwood, Philosoph

Nop
Milton Flannan, Experimental-Zeitreisender

Was wenn sich Jesus durch ein Wurmloch beim Masturbieren beobachten liesse? Welchen Einfluss hätte das auf die christliche Einschätzung der Selbstbefriedigung?
Oder wenn man ihn mit Judas vögeln gesehen hätte? Wäre Homosexualität dann okay?

Ich bin mir ziemlich sicher, man hätte schnell Bibelverse zur Hand, welche genau das schon seit jeher gemeint haben – bloss dass die Heilige Schrift bedauerlicherweise all die Jahre nicht gut genug gelesen wurde.
Das liesse sich sogar testen: Man nehme einen Theologen, setze ihn ein bisschen unter Drogen, präsentiere ihm gefälschte Evidenzen für die gelebte Homosexualität von Jesus sowie eine Bestätigung vom Papst höchstselbst, dass dies inzwischen allseits akzeptiert sei, und dann gibt man dem Theologen den Auftrag, er möge doch bitte einschlägige Bibel-Zitate suchen, die das erwähnen und gutheissen.

Kann Jesus überhaupt etwas moralisch verwerfliches anstellen? Ich meine natürlich nicht, dass er irgendwie mental programmiert ist, dass er beispielsweise Schweinefleisch nicht sehen kann, oder dass er aus einem Material besteht, durch welches Schweinefleisch einfach durchfällt. Das wäre zwar auch eine Möglichkeit, aber ich meine, dass Schweinefleisch, wenn er es isst, augenblicklich aufhört per se unrein zu sein. Wodurch er quasi der König Midas der Moral ist.

Die Verfluchung des Feigenbaums wäre ein anderes Beispiel. Bloss weil man hungrig ist und ein Feigenbaum aussererhalb der Erntezeit keine Früchte trägt, ist kein guter Grund diesen verdorren zu lassen. Und doch hat es Jesus getan. Und ich habe von niemandem gehört, der je Schwierigkeiten bekommen hätte, weil er einen Feigenbaum verflucht hat.

Im Beispiel, das ich mir etwas genauer ansehen will, geht es darum, dass man Jesus für seine Unnachgiebigkeit bewundert, es aber meines Erachtens genauso für dein Nachgeben hätte tun können.

Die Versuchung Jesu

Da gibt es doch diese Episode, wo Jesus für 40 Tage in die Wüste geht und dort vom Satan versucht wird. (Davon, dass niemand dabei war, der hätte bestätigen können, dass es sich tatsächlich so zugetragen hat und dass es da nicht noch ein paar weitere Versuchungen gab, denen Jesus nicht widerstand, soll hier nicht die Rede sein.)

Satan empfahl dem hungrigen Jesus, seine göttliche Macht zu nutzen und Steine zu Brot zu machen und damit seinen Hunger zu stillen (Davon, ob es auch dann eine Versuchung ist, wenn Jesus zu so etwas gar nicht in der Lage ist1, soll uns hier auch nicht interessieren.). Jesus tat es nicht2. Was aber wäre gewesen, wenn er getan hätte? Man hätte gejauchzt: Halleluja, ein Wunder! Und auf den Einwand, er habe dem Feind zugehört und eigennützig gehandelt, hätte man gekontert: Es ist gut, mit dem Feind zu reden. Das ist Nächstenliebe… Hat sich eigentlich schon mal jemand überlegt, ob die „Versuchung“ nicht vielleicht ein Angebot Satans war, sich mal zusammen an einen Tisch zu setzen und bei einem Schluck Wein (wenn schon dann schon!) zu überlegen, ob sich nicht irgendwo einen Kompromiss finden liesse, mit dem alle Seiten leben können, welches Jesus aber schnöde ausschlug?

Dann fragte Satan Jesus, wie sie so oben auf dem Tempel stehen, ob er als Sohn Gottes sich nicht von Engeln runter bringen lassen könne? (Wer noch nie nach einer durchzechten Nacht an einem völlig verrückten Ort aufgewacht ist, werfe den ersten Stein!) Jesus will  nicht3. Was aber wäre gewesen, wenn er es getan hätte? Auch hier hätte man gejauchzt: Halleluja, ein Wunder! Wie in der Schrift prophezeit, befielt er seinen Engeln, ihn auf ihren Händen zu tragen, damit sein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Und zuletzt schlägt Jesus auf einem sehr hohen Berg4, das Angebot aus die Weltherrschaft anzutreten. Was aber wäre geschehen, wenn er sie übernommen hätte? Im alten Testament wird prophezeit, dass er Herrscher über die Welt werden würde. Und die Christen sind ohnehin überzeugt, dass er es ist. Von daher hätte es keinen Unterschied gemacht.
Wenn da nicht die Sache mit dem Niederwerfen gewesen wäre. Was wäre gewesen, wenn er sich niedergeworfen hätte? Halleluja, er zeigt Bescheidenheit und Demut. Ein König kniet nieder bei deiner Krönung.
Und das mit dem Anbeten? Hm… Es wäre ein unbequemer Kompromiss, welcher symbolisiert, dass ein König sich auch manchmal die Hände schmutzig machen muss um gutes zu tun. Doch indem er es offen tut, steht er dafür gerade. Nicht so geheime Vereinbarungen hinter verschlossenen Türen. Es ist kein Zuckerschlecken ein König zu sein. Und überhaupt, was wäre die Alternative? Soll der Gute Mann wegen einer Formalität die Herrschaft einem Strümper überlassen und damit die Welt vor die Hunde gehen lassen?

Wir sehen also: Alles wird gut, wenn Jesus es tut.

Quantitätstheorie der Unmoral

Wenn Masturbation auf einmal nicht mehr übel ist, welche theologischen Konsequenzen hätte das? Kommt einem Religion mit einer stetig schrumpfenden Zahl an Sünden zurecht? Oder ist da mehr dran?
Ich habe da eine Theorie: die Quantitätstheorie der religiösen Unmoral. Dieser zufolge braucht eine Religion immer eine kritische Masse an unmoralischen Handlungen, welche sicherstellt, dass man sich nie ganz sicher sein kann, wie es um das eigene Seelenheil bestellt ist. Religionen sind Schlepperbanden, welche die Schäfchen retten. Und das Geschäft funktioniert umso besser, je weniger man weiss, wo die Grenzen liegen5. Deshalb poppt für jedes rehabilitierte Gräuel irgendwo ein neues auf.
Es ist natürlich nicht so, dass der Papst über den Stand der Sünden Buch führt und systematisch neue einführt. Das geschieht ganz von alleine, wenn das Dogma „Wir alle sind Sünder“ ist. Wenn man Sünder sein will und einem die Sünden ausgehen, gewichtet man die übrigen neu oder schämt sich (und andere) eben für was anderes.

Andersrum

Sich verführen zu lassen ist doof und kann einen schnell mal das ewige Leben kosten6. Man kann sich allerdings auch von der anderen Seite verführen lassen (siehe Bild links) und damit gewinnt man das ewige Leben7. Verführung ist also nur dann verdammenswürdig, wenn Jesus im anderen Hosenbein der Zeit8 steckt.

Bei den Versuchungen oben verkniff sich Jesus Wunder.
Bei anderen Gelegenheiten vollbrachte er sie durchaus. Obgleich auch dort galt, dass man nicht vom „Brot“ allein lebt („Brot“ kann hier für alles stehen, was sich mit einem Wunder in Ordnung bringen lässt) und dass man Gott nicht auf die Probe stellt (ein Wunder ist nichts anderes). Hätte er sich die vollbrachten Wunder nicht konsequenterweise auch verkneifen müssen? (Die Sache sähe natürlich ganz anders aus, wenn er die Versuchungen deshalb ausgeschlagen hätte, weil er keine Wunder für sich selbst vollbring will. Doch genau das wird nicht angeführt… Sollte einen das nicht stutzig machen?)

Aber eben, es ist egal, in welchem Hosenbein der Zeit Jesus steckt, es ist immer das richtige.

Wenn ich etwas für ethisch richtig halte und das Gegenteil davon tue, dann ist das böse.
Wenn Jesus etwas für moralisch richtig hält und das Gegenteil davon tut, dann ist das immer noch gut. Weil er es tut9.
Die Konsequenzen können aber verschieden sein. Auf der einen Seite könnte der Himmel auf Erden stehen und auf der anderen Nordkorea. Beides unausweichliche Folge der Vorbildfunktion seiner Taten. Und doch ist Jesus lieb und alles was er macht, moralisch spiegelniegel.

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Eda Gregr
07.05.2017 um 01:30

Die Liebe ist etwas wunderbares. *seufz*
Doch wenn man versehentlich die falschen Werte vertritt, kann es auch übel ins Auge gehen…

Es gibt verschiedene Arten von Liebe. Wenn man als Liebender jedoch von einer wichtigen Sache um Grössenordnungen mehr versteht als der Geliebte, dann haben wir es ganz klar mit einer Art von Elternliebe zu tun, bei welcher der Liebende eine Verantwortung dem Geliebten gegenüber übernimmt, die er einem Fremden gegenüber so nicht hätte.

Deshalb hält der Wahre Christ schliesslich auch dem Fremden die andere Wange hin (Matthäus 5,39), während er beim Sohn seine Liebe mit der Rute praktiziert (Sprüche 13,24).

Wenn ich Rauchen für schädlich halte, werde ich es nur dann allgemein zu verbieten versuchen, wenn es auch für mich als Unbeteiligten schädlich ist und/oder wenn ich fürchten muss, dass ich später für die Kosten werde aufkommen müssen. Sollte Passivrauchen jedoch auf wundersame Weise weder schädlich noch störend sein und sollten durch den verfrühten Tod der Raucher die Kosten im Gesundheitswesen angenehm sinken und es allgemein keine negativen Folgen für die Gesellschaft haben, dann habe ich als rationaler Mensch eigentlich keine Gründe mehr den Leuten das Rauchen auszureden. Ausser ich bin ein empathischer, netter Mensch. Dann werde ich es ihnen zwar trotz des für mich daraus resultierenden wirtschaftlichen Nachteils ausreden, aber ich werde nicht versuchen, ihnen das Nichtrauchen per Gesetz aufzuzwingen. Weil ich als empathischer, netter Mensch ihre Meinung, auch wenn ich sie für falsch halte, respektiere und überzeugt davon bin, dass niemand das Recht hat anderen seinen Willen aufzuzwingen.
Wenn ich Rauchen für schädlich halte und meinen Sohn dabei erwische, wie er eine Zigarette pafft, dann ist es mir egal, ob Passivrauchen weder schädlich noch störend ist. Und es ist mir egal, ob Rauchen die Gesundheitskosten sinken lässt. Und ganz besonders egal ist mir, ob man als empathischer netter Mensch eigentlich kein Recht hat jemandem seinen Willen aufzuzwingen. Ich werde ihm in seine Angelegenheiten reinreden. Und zwar sehr deutlich.

Beim Thema Rauchen gibt es Studien, die meine Position stützen. Beim Thema Masturbation fehlen jedoch Studien, welche die Schädlichkeit belegen. Und wenn ich meine ganze Macht einsetze um die von mir geliebten Personen von dieser meiner festen Überzeugung nach verheerenden Beschäftigung abzuhalten, kann ich damit einen beachtlichen Schaden anrichten. Wohlgemerkt, ich bin nicht naiv, ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass ich mit meinen masturbationsverhindernden Massnahmen den Betroffenen ein gewisses Leid bereite, doch bin ich felsenfest überzeugt davon, dass es deutlich kleiner ist als das Leid, welches das Masturbieren verursacht hätte. Bloss dass ich damit nicht recht habe und das vermeintlich kleinere von zwei Übeln das einzige Übel ist.

Das ist zwar traurig für die Betroffenen, doch sind es wenigstens nur relativ wenige Menschen, deren Wohl mir wichtiger ist als mein eigenes und für die ich demzufolge eine Verantwortung trage, welche ihre Selbstbestimmung jederzeit ausser Kraft zu setzen vermag.
Ausser natürlich ich bin von Nächstenliebe erfüllt, dann ist keiner vor meinem Besserwissen sicher…

Mit der Nächstenliebe verlegt man sich von der anderen Wange zur Rute.

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Eda Gregr
15.04.2017 um 15:35

 

ALLE Kriege stoppen??
Geht das überhaupt?

Aufhören die Anderen umzubringen. Das ist machbar. Sogar ziemlich schnell. Einfach die Waffen nicht mehr benutzen. Und diese – nur für alle Fälle – in die (dafür vorgesehenen Recycling-)Tonnen werfen. Dafür braucht es keine 365 Tage.
Aufhören die Anderen umbringen zu wollen. Das ist der schwierige Teil.

Selbst wenn wir das Problem, dass womöglich zu viel geschehen ist, um dem Anderen einfach so verzeihen zu können, beiseite lassen, so bleibt doch die Meinungsverschiedenheit bestehen, welche – weil sie nicht auf eine für alle Seiten akzeptable Weise aufgelöst werden konnte – überhaupt erst zum Krieg geführt hat. Die Meinungsverschiedenheit kann darüber bestehen, wem ein gewisser Landstrich gehört, wieviel ein verzweifelt benötigtes Produkt kosten darf, welchen Gott man anbeten soll oder ob man eine unbeliebte Bevölkerungsgruppe einfach eliminieren kann.
Ich will nicht bestreiten, dass man sich in viel zu vielen Fällen nicht genug Mühe gegeben hat, einen Kompromiss zu finden. Manchmal gibt es allerdings auch keinen Raum für Kompromisse. Wenn ein Land alle Juden vernichten will, dann ist auch selbst nur die Hälfte nicht akzeptabel.

Oder vielleicht doch?
Die Organisation, in welcher der Freund, der am 1. Januar auf Facebook den Aufruf alle Kriege zu stoppen gepostet hat, als Funktionär tätig ist, hält beispielsweise den an den Amalekitern verübten Genozid für okay. Und diese Organisation wird gemeinhin als Hüter der Moral des Abendlandes betrachtet! Was dann wohl heisst, dass wenn es darum geht eine verfahrene Meinungsverschiedenheit beizulegen, der moralisch akzeptable Handlungsspielraum erstaunlich gross sein kann…

Wenn wir also den Krieg mit dem IS beenden wollen, welche Kompromisse sind wir bereit dafür einzugehen?
Opfern wir die Frauen- und die Schwulenrechte?
Kein Problem. Die sind dem Hütern der Moral eh schon lange ein Dorn im Auge.
Übernehmen wir Sharia und den Wahabismus?
Sharia okay, schliesslich umfasst sie mehr oder weniger die gleichen Regeln, wie sie auch im Handbuch jener Organisation zu finden sind. Aber zum Islam konvertieren? Ausgeschlossen! Nicht mal wenn sich damit ein Blutbad verhindern liesse! Oder vielleicht sogar eben gerade deshalb nicht, weil es ein Blutbad verhindern würde? Nichts unterstreicht schliesslich Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit besser der geschundene, blutige Körper eines Märtyrers.

Von daher bin ich mir – ehrlich gesagt –  nicht ganz sicher, wie ernst das mit dem Frieden gemeint ist. Getötete Missionare heilig zu sprechen, erscheint mir nicht gerade förderlich für den bitter nötigen Dialog, wenn diese von der anderen Seite als Provokateure betrachtet werden.

Nun ja, vielleicht sollten wir uns lieber nicht an Religionen orientieren, wenn wir Kriege beenden wollen. Schliesslich verdankt sich ihr kompromissloses Einstehen für den Frieden weniger ihrer Menschenliebe, als viel mehr dem Umstand, dass man es ihnen seit der Aufklärung einfach nicht nicht mehr erlaubt, offen zur Gewalt aufzurufen…

 

ALLE Kriege stoppen??
Klar! Aber zu welchem Preis?

Es gibt bekanntlich Dinge, die man nicht tolerieren darf.
Darin sind sich alle einig. Nicht ganz so einig sind sich alle jedoch darin, welche Sachen das konkret sind, die nicht toleriert werden dürfen. Das unterscheidet sich von „Kultur“ zu „Kultur“. Was dem einen bis zum äussersten schützenswert erscheint, mag für den anderen bis zum äussersten nicht tolerierbar sein.
Und da gibt es schnell mal keinen Spielraum für Kompromisse.

Allerdings – quasi als Silberstreifen am Horizont – neigen die Menschen im grossen und ganzen zum Prinzip „Leben und Leben Lassen“. Wenn man sie nicht zum Gegenteil anstachelt (sei es aus wirtschaftlichen, folkloristischen oder religiösen Gründen), ist es ihnen eigentlich ziemlich egal, was die Anderen treiben.
Die Anderen sind übrigens alle, die nicht zur Familie gehören. Und das ist im übertragenen Sinn die dunkle Wolke vor dem Silberstreifen am Horizont, denn die Anderen können das eine oder andere moralisch nicht so gefestigte Familienmitglied auf doofe Gedanken bringen. Und in einem solchen Fall muss man aktiv werden. Dass Fremde den Weg zur Hölle beschreiten, ist zwar bedauerlich, aber sie sind frei, es zu tun. Wenn aber einem Schutzbefohlenen eine solche Gefahr droht, sieht die Sache gaaanz anders aus…

Um alle Kriege zu stoppen, muss man alle auf die gleiche Seite kriegen. Man muss dazu nicht in jedem Punkt einer Meinung sein, aber die Spielräume für Kompromisse der Meinungen müssen eine Schnittfläche haben.
Ich mag mich irren, aber mir scheint es plausibel, dass dafür Meinungen prädestiniert sind, die einen grossen Spielraum für Kompromisse haben. Und auch wenn Religionen selbst den Genozid an von Gott gehassten Völkern zu akzeptieren bereit sind, denke ich, dass sie grundsätzlich zu eher engen Spielräumen neigen…

 

ALLE Kriege stoppen??
Indem wir diesen Auftrag nicht nur liken, sondern teilen! ♥♥♥

Ich nehme an, weil einen Facebook-Posts zu teilen wesentlich schneller den Frieden herbeiführt als wenn man ihm bloss likt. Wohl weil Teilen eine christliche Tugend ist?
Ich frage mich, über welchen Mechanismus das funktionieren soll?
Wenn der Post ein simples Rezept für ein waffenzersetzendes Gas enthalten würde, könnte ich es mir vorstellen.
Oder wenn das Bild mittels neurolinguistischer Programmierung die Aggressivität beim Betrachter nachhaltig senken könnte.
Aber einfach durch das Teilen eines Mems, dem wir eh alle eigentlich grundsätzlich zustimmen? Wohlgemerkt, das Mem enthält nicht den geringsten Anhaltspunkt darüber, wie man das konkret bewerkstelligen soll. Auf die übliche Weise, also dass man den Krieg ein für alle Mal zu beenden gedenkt, indem man ihn gewinnt, funktioniert es ja offensichtlich nicht so gut.

Also durchs Teilen/Liken! Was sowas wie Beten ist: Man unterstreicht dadurch seinen dringenden Wunsch und hat das Gefühl etwas Gutes getan zu haben ohne dabei selbst aktiv werden zu müssen.
Allerdings… Teilen/Liken wird im Gegensatz zum Beten nachweislich erhört!
Nicht von den Kriegstreibern (zu denen wir mit unseren wirtschaftlichen Interessen eigentlich auch selbst gehören.) Auch nicht von Gott. Aber durchaus von den Algorithmen… Und die antworten sogar. (Noch) nicht indem sie den gewünschten Frieden herstellen, dafür aber indem sie uns mehr von solchem Zeug und dazu passender Werbungen zeigen…

 

Aber okay, stoppen wir ALLE Kriege!!
Wir haben 365 Tage Zeit dafür.
Wieso nicht 234 Tage?
Oder 42?

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Eda Gregr
17.02.2017 um 10:03

Zusammen essen bringt die Menschen zusammen.
Und jetzt sage einer die Speisevorschriften der verschiedenen Religionen erschweren das rein zufällig.

Dass man etwas nicht mag, ist ja okay, schliesslich sind die Geschmäcker verschieden, aber es nicht mal probieren zu dürfen, ist eine sehr bewusst nicht überwindbare Abgrenzung.

 

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Eda Gregr
20.01.2017 um 00:16

Wie Gott und die Gläubigen in seinem Schlepptau den Sünder lieben und die Sünde hassen, so liebe ich die Gläubigen und hasse den Glauben.

Ich bin neugierig, wie Gläubige auf sowas reagieren?
Verstehen sie den Angriff auf das, was sie glauben, auch als Angriff auf die, die sie sind?
Nicht doch, oder?

Wenn einer meinen Atheismus für falsch hält, dann lässt mich das ziemlich kalt. Meine Ansichten über die Existenz Gottes stehen schliesslich zur Diskussion und ich halte es für durchaus möglich (wenn auch nicht für sehr wahrscheinlich), dass sie nicht stimmen. Ich bin also offen für Argumente.
Wenn einer meinen Atheismus sogar hasst, … Kann man eine Idee wie den Atheismus überhaupt hassen? Man kann sie für bescheuert, ja sogar für brandgefährlich halten und man kann ES hassen, wenn sie einem dauernd unter die Nase gerieben wird. Aber die Idee selbst hassen? Wenn sie niemand vertritt, dann könnte sie einem doch eigentlich ziemlich egal sein. Nur indem jemand eine Idee umzusetzen versucht, kann sie überhaupt erst gefährlich werden. Dafür braucht es also erst mal jemanden. Hasse ich dann aber wirklich die Idee? Und nicht viel eher den Menschen, der die Idee vertritt, weil er die Idee vertritt? Ist nicht der Mensch, der versucht die Idee umzusetzen, der eigentliche Gehasste, den ich in meinem Hass als Rache für das zugefügte Leid vernichten will? Natürlich brauche ich die Person deswegen nicht gleich umzubringen. Es reicht sie zu „kastrieren“, sprich ihr die Möglichkeit zu nehmen die verhasste Idee weiter zu verbreiten. Allerdings ist eine um eine Idee beraubte Person nicht mehr die gleiche Person. Unter dem Strich dürfte es also nahezu unmöglich sein, den Hass gegenüber einer Idee von der Person, die diese vertritt, trennen zu wollen. Aber egal. Wir praktizieren Nächstenliebe und mit der ist alles möglich…
Wenn also einer meinen Atheismus hasst, weil er diesen für eine Gefahr für seinen Glauben hält, dann ändert auch das nichts an meiner Haltung. Höchstens, dass ich bei einer Diskussion mit ihm ausserhalb seiner Steinwurfdistanz zu bleiben versuchen werde.
Wenn einer meinen Atheismus hasst, weil ich wegen diesem unschuldige Babies zur Frühstück esse, dann … hm … ernsthaft?

Wenn allerdings einer Doctor Who für Mumpitz hält, dann lässt das – unter der (durchaus plausiblen) Voraussetzung, dass die Qualität von Doctor Who objektiv gegeben ist – nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist er ausgesprochen blöd, weil er die objektive Grandiosität nicht erkennt. Oder ich bin ausgesprochen blöd, weil ich nachweislichen Mumpitz für Grandiosität halte. Meine Überzeugung, dass Doctor Who grandios ist, steht nämlich nicht zur Debatte.
Selbstverständlich fühle ich mich nicht beleidigt, wenn jemand sagt, dass Doctor Who doof sei. Wieso sollte ich, schliesslich ist seine Aussage viel mehr ein Coming-Out in Sachen Blödheit. Und das kann man keinem Menschen übel nehmen.
Anders sähe die Sache vielleicht aus, wenn ich leise(!) Zweifel an der Qualität der Serie hegen würde (welch absurder Gedanke!), dann wäre eine Kritik an ihr selbstverständlich Salz in einer offenen Wunde. Und da könnte man wohl mit der Zeit schon ein bisschen aggressiv werden…
Interessanterweise bräuchte ich mir der Zweifel noch nicht mal wirklich bewusst zu sein. Ich kann überzeugt sein, dass mein Glaube felsenfest sei. Es reicht, wenn meine aus der Serie abgeleiteten Erwartungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Oder nur in mühseliger Interpretation mit ihr in Übereinstimmung gebracht werden können. Allerdings würde die Enttäuschung, dass die Sache nicht von Anfang an so formuliert wurde, wie ich es mit Hilfe von rhetorischen Tricks zum Ausdruck zu bringen versuche, mehr als wett gemacht durch den Effekt, dass die mentale Anstrengung, die ich in diese Verteidigung gesteckt habe, mich umso mehr an deren Wahrheitsgehalt glauben lässt. Vom Zweifeln ist im Fall des nicht bewussten Zweifels also weit und breit nichts zu sehen. Nur die gerechte Wut könnte einen stutzig machen…

Und wenn einer Vanille-Eis besser findet als Schokoladen-Eis, dann ist mir auch das egal, weil es Geschmacksache ist und ich weiss, das Geschmäcker verschieden sein können und folglich zu verschiedenen Priorisierungen von Eissorten führen.

Wir haben es also mit drei Arten von Ideen zu tun:

  1. Ideen, deren objektiver Wahrheitsgehalt noch nicht endgültig bestimmt ist. (z.B. Der gemeinsame Vorfahre von Elefant und Fledermaus lebte vor 90 Millionen Jahren.)
  2. Ideen, deren objektiver Wahrheitsgehalt endgültig bestimmt ist. (z.B. Elefanten sind grösser als Fledermäuse.)
  3. Ideen, die keinen objektiven Wahrheitsgehalt haben. (z.B. Elefanten sind schöner als Fledermäuse.)

Die Wissenschaft macht es sich einfach und steckt alle Ideen in die erste Kategorie.
Die Religion macht es sich auch einfach und steckt alle Ideen in die zweite.

Ich neige natürlich sehr zur Vorgehensweise der Wissenschaft, doch ich muss durchaus eingestehen, dass das nicht immer unproblematisch ist.
Alles für noch offen zu halten, ist nicht ideal, weil es für ein harmonisches Zusammenleben schon etwas Stabilität braucht. Man sollte sich darauf verlassen können, dass Regeln und Werte auch morgen noch gelten. Allerdings ist es schon auch nicht schlecht, wenn nachweislich üble Regeln und Werte es übermorgen nicht mehr tun.
Wenn man stattdessen alles in die zweite Kategorie steckt, dann können Regeln und Werte gar nicht nachweislich übel sein. Denn der einzige Grund, dass sie gerechtfertigterweise in der zweiten Kategorie sind, kann nur sein, dass sie von einem vertrauenswürdigen und unfehlbaren Wesen offenbart wurden1. Und wenn die Regeln und Werte optimal sind, dann werden sie auch das gewünschte Ergebnis 2 herbeiführen. Allerdings nur dann, wenn sich auch wirklich alle dran halten3.
Und wenn man weiss, welches der richtige Weg ist, dann ist kein Opfer zu gross, diesen durchzusetzen, weil egal wie gross das Opfer ist, wenn täglich 380’000 Menschen geboren werden, dann hat man das Leid ziemlich schnell amortisiert. Zur Illustration (und als als Demonstration, dass diese Art von Denken Gott nicht fremd ist): Während der Sintflut sind schätzungsweise 10 Millionen Menschen samt ihrer unverbesserlichen (?) Lasterhaftigkeit von der Erde getilgt worden. Denn ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen und soll abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Damit wird Platz für besseres gemacht. Und die „Verluste“ hätte man heute in knapp einem Monat wieder drin. Und natürlich kann man Menschenleben einfach so gegeneinander abwägen, schliesslich ersetzte Gott die sieben Söhne und drei Töchter von Hiob, die er sterben liess um Satan irgend etwas zu zeigen, durch neue sieben Söhne und drei Töchter.

Das heisst, auch wenn Gott die Sünde hasst und den Sünder liebt, so bekämpft er die Sünde, indem er die Sünder über die Klinge springen lässt, weil damit verhindert wird, dass sie mit der sündigen Idee weitere Menschen zu Sündern machen.

Wie man es auch dreht und wendet, die Deontologie ist eben doch konsequentialistisch – bloss dass man das Abwägen und Beurteilen der Konsequenzen „beyondsourct“.

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Eda Gregr
02.10.2016 um 01:27

Dass die katholische Kirche im finsteren Mittelalter nicht wirklich ein Lichtlein der Hoffnung war, bestreitet wohl niemand. Inzwischen nicht mal die katholische Kirche selbst.
Ob damals die A2H-Bilanz1 aber übler war als heute, dazu will sich irgendwie niemand äussern. Natürlich kann man das nicht wissen, nichtsdestotrotz richtet man als eine religiöse Institution seine Handlungen danach aus den A2H-Wert möglichst hoch zu schrauben. Und alle Empfehlungen (heute sind Befehle nicht mehr so populär) der Kirchen zielen genau darauf ab. Insofern sollten der Klerus schon eine sehr genaue Vorstellung haben, unter welchen Umständen der A2H rauf und unter welchen er runter geht.
Auf jeden Fall würde sicherlich jeder Theologe zustimmen, dass mit der Einführung des Christentums in Saudi-Arabien, die A2H-Bilanz Saudi Arabiens sicherlich steigen wird.

Da im Mittelalter die Kirche fast allmächtig war und da ihr nie etwas mehr am Herzen lag als das Seelenheil seiner Schäfchen2, sollte man doch eigentlich davon aus gehen, dass die A2H-Bilanz damals vorzüglich war.

Es ist natürlich auch gut möglich, dass die Vorstellungen darüber, was den A2H-Wert nach oben treibt, damals nicht korrekt waren. Sei es aufgrund von bedauerlichen Fehlschlüssen, einem Pakt mit dem Teufel oder kaltschnäuzigem Kalkül. So oder so sollte das eigentlich egal gewesen sein, denn im Angesicht der übermächtigen Position der Kirche sowohl in weltlicher wie auch in geistiger Hinsicht, konnte der liebe Gott es den Schäfchen unmöglich übel nehmen, wenn sie sich nach den Vorgaben der Kirche richteten, von welchen die Menschen nur annehmen konnten, dass sie die seinen waren.

Vor allem die Vorstellung, dass es kaltschnäuziges Kalkül war, fasziniert mich. Wohl wissend, dass der richtige Weg zu Gott über Friede, Freude, Eierkuchen geht, entschloss sich die Kirche ein Schreckensherrschaft zu etablieren, die mächtig genug ist, die frohe Botschaft in die ganze Welt zu tragen, sie dort zu durchzusetzen und gleichzeitig sich gegen innere wie äussere Feinde zu behaupten. Was sie die Menschen lehrten und was sie sie machen liessen, war eine Perversion des christlichen Gedankens, aber genau so brachten sie maximal viele Seelen in den Himmel, weil der Glaube an Jesus als Minimalbedingung für den Einlass in den Himmel vorhanden war und für alles andere der Klerus die Verantwortung übernahm. Eigentlich unglaublich selbstlos.

Ein Pakt mit dem Teufel ist dagegn unwahrscheinlich, weil auf diese Strategie überdurchschnittlich viele Seelen in den Himmel schwemmte3. Und bedauerliche Fehlschlüsse werden es wohl eher nicht gewesen sein, weil solche kaum langfristige Erfolge verbuchen werden. Der Erfolg des Christentum ist indessen unbestreitbar:

Aktuelle Verbreitung des Christentums

weltkarte christentum

Entstanden ist das Christentum in Jerusalem und verbreitete sich von dort erst im Nahen Osten und kurz darauf über Rom im Römischen Reich. Diese Ausbreitung verdankte sich anfangs noch der Überzeugungskraft der Worte. Später dann, als das Christentum zur Staatsreligion Roms wurde, wurde mehr und mehr der Gladius zum überzeugendsten Argument fürs Christentum.
Da fragt man sich doch glatt, an wie vielen von den Orten, wo heute inbrünstig Hymnen gesungen werden, die Ureinwohner wohl „liebenswürdig“ in die christliche Gemeinschaft aufgenommen wurden?

liebenswuerdig

Und genau hier liegt das Dilemma der modernen Kirchen: Auf der einen Seite verurteilen sie die Methoden der katholischen Kirche im finsteren Mittelalter, auf der anderen Seite aber beneidet man sie um ihren Erfolg. Und um ihre Fähigkeit ihren Willen kompromisslos durchzusetzen. Jeder, der es besser weiss, bedauert nicht die Möglichkeit zu haben, seine Ideen ohne lästige Kompromisse umsetzen zu können…

Der Vatikan würde die Macht – so sie ihm wieder zurück gegeben würde – natürlich nicht mehr in mittelalterlicher Manier nutzen.
(Obwohl bisher jeder, dem solche Macht gegeben wurde, sie früher oder später immer in mittelalterlicher Manier genutzt hat.)
Er würde sich auf die Kernelemente des Christentum konzentrieren: Jesus, die Nächstenliebe und das Leid. Ja das Leid! Weil durch das Leid eine besondere Nähe zu Jesus Christus erfahrbar ist. Schmerzen und Leid sind nämlich positiv zu bewerten. Das sagte Mutter Teresa. Und die muss es wissen, schliesslich ist sie eben erst heilig gesprochen worden. Und zwar genau für ihre Aufopferung für Leidende. Sowas meinte auch der Heilige Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, der Gründer von Opus Dei, als er Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis… die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde nannte.

Ich frage mich, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn man jemandem die absolute Macht gibt, der Leid als einen vielversprechenden Weg betrachtet? Würde er seinen Gegnern böswillig das Leid vorenthalten?

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Eda Gregr
01.10.2016 um 12:50

Islam ist eine Religion, die auf Freiheit beruht. Es gibt keine Obermoslem. Es gibt keinen Moslem, der einem anderen Moslem sagen dürfte, wie er seine Religion zu praktizieren hat. Jeder muss aufgrund seiner Vernunft selber entscheiden, wie er denkt, was er sagt und wie er handelt. (…) Und es steht auch den Eltern nicht zu zum Beispiel den Kindern zu befehlen, ihr habt zu fasten oder ihr habt zu beten, weil das Gebet dann vollkommen ungültig ist. Es muss aus innerem Antrieb, aber immer aufgrund der Freiwilligkeit erfolgen und der Islam kennt eine zentrale Aussage im Koran: Es gibt keinen Zwang in der Religion. Das ist verbindlich für alle Muslime.
Farhad Afshar, im Club am 12.7.2016 25:38 zum Thema Religion: Toleranz ohne Grenzen? 

Das klingt doch schon mal gar nicht schlecht. Man könnte zwar darüber streiten, ob die Kinder je auf die Idee kommen würden zu fasten und zu beten, wenn die Eltern sie nicht vorher irgendwie auf die Idee gebracht hätten. Und ob sie dem Beispiel des Propheten folgen würden, wenn die Eltern sie nicht auf die Idee gebracht hätten, dass alles andere gefährlich und verdammenswert ist.
Ich meine, ich habe auch meine Helden, denen ich nacheifere. Deswegen werde ich aber nicht jeden ihrer Spleens imitieren.

Es fragt sich aber auch, ob eine nett gemeinte Empfehlung wie

Es ist besser, dass einer von euch mit einem Eisenstachel in den Kopf gestochen wird, als das er eine Frau berührt, die er nicht berühren darf.

nicht einen gewissen Erwartungsdruck aufbaut? Der Grund, warum man den Eisenstachel vorziehen soll, ist natürlich, dass die weibliche Berührung den Mann erregen und damit zu allem möglichen Blödsinn verführen kann. Dieser Blödsinn ist das Problem, das mit allen Mitteln vermieden werden soll, nicht die Berührung selbst. Doch da der Blödsinn bei muslimischen Männern offenbar unausweichlich ist, wenn sie erst mal geil sind, muss eben die Geilheit mit allen Mitteln unterbunden werden.

Ich meinte eigentlich Fenchel in Leggings und nicht Fenchel auf Leggings – aber wahrscheinlich kommt es aufs gleiche raus.

Da haben wir Männer im Westen es schon besser. Wir brauchen nur kurz an Fenchel in Leggings zu denken und schon ist tote Hose1.

Solchen Empfehlungen setzen Rolligkeit mit einer tickenden Zeitbombe gleich. (Und um eine Bombe zu entschärfen würde selbst ich mir mit einem Eisenstachel in den Kopf stechen. Jeder Mensch mit einem Fünkchen Anstand würde das tun. Zumindest vorsichtig.) Damit wird Angst geschürt und die möglichen Konsequenzen einer weiblichen Berührung werden als fürchterlich gefährlich dargestellt. Doch das Problem ist, dass wo die Angst lauert, in der Regel nicht viel Freiheit herrscht.

Wenn er den Zwang aus der religiösen Empfehlung hätte heraushalten wollen, hätte der Prophet eher verkünden sollen, dass es besser sei ein Schokoladeneis zu essen als einer fremden Frau die Hand zu geben. Damit hätte er recht gehabt, es hätte den gleichen Anit-Wuschelig-Effekt und das, ohne damit irgendwem eine Heidenangst einzujagen.

Nur so nebenbei bemerkt, diese drakonische Praxis ist auch dem Christentum nicht unbekannt:

Wenn di dein zesms Aug strauchen laasst, naacherd reiß s aus und schmeiß s wögg! Lieber laauffst mit aynn Glid weeniger umaynand, als däßst als ayn Gantzer eyn d Höll abhingworffen werst.
Matthäus 5:29

Rohe Gewalt (respektive das In-Aussicht-stellen von roher Gewalt) scheint in Erziehungsfragen seit jeher das beste Mittel gewesen zu sein…

Unterdessen wissen wir aber, dass man „Gewalt“ auch subtiler einsetzen kann. Es muss nicht mehr unbedingt die Rute sein, den gleichen – wenn nicht sogar den besseren – pädagogischen Effekt erzielt man (um beim Beispiel von oben zu bleiben) mit dem Entzug aller Schokoladeneisprivilegien2.
Das Dilemma im Zusammenhang mit dem von Herrn Farhad Afshar geäusserten Gedanken ist meines Erachtens aber folgendes: Erziehung – ob nun mit roher oder subtiler Gewalt – ist stets eine Form von Zwang. Man lässt die Kinder nicht frei entscheiden, ob sie sich an die gesellschaftlichen Regeln halten wollen, sondern bringt sie auf die eine oder andere Weise dazu, sich diesen zu unterwerfen3. In der Hoffnung, dass sie irgendwann einmal – genau wie wir selbst – erkennen werden, dass das eigentlich eine ziemlich vernünftige „Entscheidung“ war. Wenn nun aber für den Islam, wie Herr Farhad Afshar sagt, die Freiheit in der Entscheidung so wichtig ist, dann müsste man die Religion von der Erziehung trennen und deren Konzept den Leuten erst in einem Alter näher bringen, wo sie sich tatsächlich selbstständig und frei dafür oder dagegen entscheiden können.
Womit man bei den Freidenkern übrigens offene Türen einrennen würde…

Eine Frage bleibt aber noch offen. Nämlich ob Geilheit wirklich so gefährlich ist? Es ist unbestritten, dass Erregung zu fatale Veränderungen im Entscheidungsfindungs-Prozess der Betroffenen führen kann4, das heisst aber nicht, dass wir uns nicht dagegen wehren können. Tatsächlich ist es gerade die Tabuisierung der Erregung und deren pauschale Verteufelung, welche die Leute daran hindert zu lernen mit der Situation umzugehen und wirkungsvolle „Rettungsstrategien“ zu entwickeln. Nicht selten leiden gerade die am meisten unter den Folgen einer unmoralischen Handlungsweise, während anderen, die damit kein Problem haben, diese erspart bleiben5.

Die schrecklichen Konsequenzen lassen sich also durchaus in den Griff kriegen. Vielleicht sind Gott die Konsequenzen auch egal und er mag es einfach nicht, wenn die Menschen sich in diesem Zustand befinden (und es in den Griff kriegen;).

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Eda Gregr
30.09.2016 um 22:25

Too often we judge other groups by their worst examples, while judging ourselves by our best intentions.
George W. Bush

Hätte nicht gedacht, dass das mal passieren würde, aber hier hat Jabba the Bush tatsächlich mal den Nagel auf den Kopf getroffen. Respekt!

Genau vor diesem Problem steht man auch in der Wissenschaft. Jeder Wissenschaftler ist von 2 Sachen felsenfest überzeugt: Erstens dass seine Hypothese super ist. Und zweitens dass alle anderen Idioten sind.
Auch jeder Apologet teilt diese Ansichten.
Allerdings haben sich die Wissenschaftler darauf geeinigt, dass etwas erst dann als okay gilt, wenn dem auch die Idioten zustimmen.
Und genau das fehlt in der Religion.

Auch Religionen sollten sich der wissenschaftlichen Methode bedienen und nur die Dogmen propagieren dürfen, die von den Peers aus anderen Religionen nicht als unhaltbar verworfen wurden.
Als Atheist gehe ich natürlich davon aus, dass auf diese Weise alle religiösen Ansichten für absurd erklärt werden, doch selbst wenn sich alle Religionen in stiller Übereinkunft gegenseitig den Bauch pinseln würden – schliesslich ist das erklärte Ziel einer jeden Religion Friede, Freude, Eierkuchen -, wäre das noch immer ein gewaltiger Fortschritt, weil sie in allen zentralen Fragen einer Meinung wären und weil Einigkeit weniger Opfer fordert als Uneinigkeit.

Wäre das aber wirklich ein Fortschritt? Klar, verschiedene aufeinander prallende Wertesysteme stellen ein gewaltiges Konfliktpotential dar. Die Angst, die zur Zeit in Europa um geht, gründet sich genau in den unvereinbaren Wertvorstellungen. Andererseits gäbe es, wenn nur ein einziges Wertesystem gelten würde, keine Spannung und kein Verbesserungspotential. Homogene Gesellschaften neigen nicht gerade dazu soziale Probleme schnell zu lösen. Heterogene Gesellschaften dagegen, wo man Leben und Leben lassen praktiziert, sind in dem Punkt wesentlich effizienter.

Allerdings leben Religionen davon, dass man das auserwählte Völkchen ist, das die Zeichen als einzige richtig verstanden hat, und mit dem Peer Review ginge das natürlich flöten.

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Eda Gregr
29.09.2016 um 01:09

Wieso wird Superman in Metropolis eigentlich nicht angebetet? Er erfüllt so ziemlich jedes Kriterium um ein Gott zu sein: Er hat Röntgenaugen, ist stark und in seinem Bestreben gut zu sein, nicht besonders effektiv1.

 

 

Mir ist eben aufgefallen, dass die Kombination Allmacht + Allwissen + Allgüte von der Allmacht alleine nicht zu unterscheiden ist.
Schon mit Taschenspielertricks bin ich fähig jeden dazu zu bringen, dass er beschwört, dass ich alles schon vorher wusste.
Und mit genügend Macht bin ich fähig jeden zu zwingen, meinen moralischen Kompass zu übernehmen.
Um den Eindruck von Allwissen und Allgüte zu vermitteln braucht es nicht viel. Nur etwas Macht.

Wie Allmacht sieht es aus, wenn alle Menschen glauben, dass ich Gott bin.2 Dafür braucht es schon etwas mehr Macht – aber auch längst nicht alle.

Definitiv keine echte Allmacht hingegen ist, wenn auch nur ein einziger Mensch entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch nicht glaubt, dass ich Gott bin.

Will Gott, dass ich an ihn glaube?
Kann ich mich von Gott abwenden, wenn ich weiss, wer er ist? So wie Satan und ein Drittel der himmlischen Heerscharen es tat?
Sich mir als Gott zu offenbaren, schränkt meine Willensfreiheit in keinster Weise ein.

Wenn ich (grosszügig) zulasse, dass auch nur ein einziger an meiner Göttlichkeit zweifelt, dann setze ich meine Allmacht nicht ein. Das ist okay. Das darf ist. Allerdings gibt es dann keine Garantie dafür, dass ich tatsächlich über Allmacht verfüge… Es könnten stattdessen auch Taschenspielertricks sein, mit denen ich gerade genug Menschen übers Ohr haue, dass ich mir einen angenehmen Lebensstil leisten kann.

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Eda Gregr
28.09.2016 um 11:49

“We did this because our holy texts exhort us to to do it.”
“No you didn’t.”
“Wait, what? Yes we did…”
“No, this has nothing to do with religion. You guys are just using religion as a front for social and geopolitical reasons.”
“WHAT!? Did you even read our official statement? We give explicit Quranic justification. This is jihad, a holy crusade against pagans, blasphemers, and disbelievers.”
“No, this is definitely not a Muslim thing. You guys are not true Muslims, and you defame a great religion by saying so.”
Quelle: I am a jihadist and I am tired of not being given credit

Das klingt absurd. Geradezu montypythonesk. Doch so abwegig, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, ist die Weigerung die religiösen Motive zu akzeptieren vielleicht gar nicht.

Dass jemand überzeugt von etwas ist, bedeutet ja nicht automatisch, dass es sich auch wirklich so verhält. Leute, die überzeugt davon sind, dass sie von Ausserirdischen entführt worden sind, wurden in der Regel nicht wirklich von Ausserirdischen entführt. Leute, die überzeugt davon sind, dass Homöopathie sie vom Schnupfen befreit hat, wurden nicht wirklich von den Globuli geheilt. Und Leute, die überzeugt davon sind, dass sie nur das auf dem Einkaufszettel eingekauft haben, haben nicht wirklich nur das auf dem Einkaufszettel eingekauft.
Wieso gehen wir dann davon aus, dass der islamistische Terror seine Ursache tatsächlich in der Religion hat und der angebliche Auftrag Gottes nicht auch nur ein Konstrukt des Geistes ist, der aus Versatzstücken der Weltanschauung eine möglichst plausible (und gewissenberuhigende) Geschichte zusammen zu schustern versucht?

So einfach kann man die Religion dann aber auch nicht vom Hacken lassen, weil Weltanschauung und Globuli zwei verschiedene Sachen sind, Weltanschauung und Religion aber das gleiche. Wenn etwas aus den Versatzstücken einer Weltanschauung zusammen gesetzt ist, dann ist es diese Weltanschauung, welche die Situation erklärt und eine überschaubare Auswahl von moralisch akzeptablen (wenn auch nicht immer ethisch verantwortbaren) Handlungsmöglichkeiten anbietet. Sprich sie liefert und legitimiert die Ideen, während im Fall der Globuli diese die Idee liefern und die Weltanschauung die Glaubwürdigkeit der Wirkung legitimiert.
Im Gegensatz zu anderen Weltanschauungen sind Religionen aber nicht abstrakte philosophische Konstrukte, sondern sie erzählen von auserwählen Leuten, die ein gottgefälliges Leben führten und dadurch der Menschheit als moralisches Vorbild dienen sollen. Es gibt da zwar schon auch Regeln, viel wichtiger sind aber die Geschichten, mit denen man sich identifizieren kann. Geschichten, in denen die Menschen ihre Probleme damit lösen, dass sie – im Auftrag Gottes – anderen den Kopf einschlagen. Und Geschichten in denen sie in Schwierigkeiten geraten, weil sie anderen den Kopf nicht genug eingeschlagen haben – wie Gott es eigentlich befohlen hatte. Und dadurch eignen sich diese ganz besonders als Inspiration für Leute, die mit Gewalt etwas zu ändern versuchen.

Eine Gedanke am Rande: Ich hege den Verdacht, dass diese Art von Religionen womöglich auf Geschichten zurückgehen, die von Taten berichten, die ohne den göttlichen Befehl, ein Schandfleck in der Geschichte des Volkes gewesen wäre. Zur Verdeutlichung der folgende Gedanke: Selbst wenn die Nazis den 2. Weltkrieg gewonnen hätten, wäre die Vernichtung der Juden eine bittere Pille geblieben. Man hätte sicher die Macht es das Volk als eine notwendige Massnahme schlucken zu lassen, zu einer ruhmreichen Tat hätte man es aber nicht hochstilisieren können. Wenn Frauen und Kinder zu Tode gequält werden, hinterlässt das immer einen hässlichen Nachgeschmack. Ausser es geschah im Auftrag Gottes. Dann ist es nicht mehr „bedauerlich aber notwendig“, sondern auf einmal „bewundernswert“. Das Schaffen eines Mythos hat – meines Erachtens – auch den Vorteil, dass man sich nicht mehr länger rechtfertigen muss, sondern die Sache hinter sich lassen und wieder ein unbeschwertes Leben führen kann1.

Damit wäre der Schwarze Peter wieder bei den Weltanschauungen und Religionen. Doch die Religionen wissen ihn schnell wieder weiter zu geben: Im Gegensatz zu weltlichen Weltanschauungen, wie jene oben erwähnten2, relativ abstraktere philosophische Konzepte sind, lassen Religionen durch ihre Geschichtenartigkeit einen enormen Interpretationsspielraum zu. Nicht für eine konkrete Denomination, denn für die gibt es natürlich nur eine einzige richtige Interpretation und zwar ihre, jedoch durchaus für die Gemeinschaft, die sich aufgrund einiger gemeinsamer Überzeugungen als zur gleichen Religion zugehörig fühlen3.
Da die Geschichten je nach Interpretation etwas anderes bedeuten und man demzufolge andere Parallelen zur Realität zieht, wird die Situation, welche Gott bewogen hat seinem auserwählten Volk zu befehlen jemandem den Kopf einzuschlagen, für jede Denomination eine andere sein. Der Aufruf zum Terror geht also nicht von der Religion als ganzes aus, sondern von einer von der verschiedenen Interpretationen4. Insofern erscheinen die Akte des Terrors den anderen Mitgliedern der Religion ebenso absurd wie den aller anderen Weltanschauungen. Vielleicht sogar noch absurder, weil sie um die Abwegigkeit der zugrundeliegenden Interpretation wissen – während die Angehörigen anderer Weltanschauungen, weil sie wissen wonach sie suchen müssen, nur allzu leicht eine Verbindung zwischen einem bestimmten Zitat und der Tat herzustellen fähig sind5 6.
Andererseits schwingen bei den Glaubensbrüdern anderer Interpretationstraditionen auch gewisse Sympathien mit, denn es ist die gemeinsame Religion, die dermassen angegriffen wurde, dass der Täter sich zu diesen drastischen Gegenmassnahmen7 genötigt fühlte: Das Mittel ist nicht akzeptabel, das Motiv indessen nachvollziehbar.

Die Mythen der Religion lassen den Gläubigen sein Leid wiedererkennen und dadurch automatisch zu einem Angriff auf die Religion interpretieren.
Dass ihm und seinen Leidensgenossen Unrecht angetan wird, stimmt zweifellos. Sowohl in den Banlieue von Paris, wie auch im Nahen Osten. Doch die Gründe sind heutzutage eher nicht mehr religiöse. Man diskriminiert sie aufgrund der Hautfarbe, der Bildung, der politischen Einstellung, der kulturellen Eigenheiten und vor allem wegen dem Profit. Niemand verlangt jedoch, dass sie dem Glauben abschwören sollen. Und das allein wäre ein Angriff auf die Religion.
Die Religionsfreiheit sitzt inzwischen im Westen zu tief, als dass man jemandem seine Religion abspenstig machen wollte. Klar, man verbietet das Schächten (Tierschutz), das Beschneiden (Kinderschutz) oder das Tragen von Schleiern (Frauenrechte), doch werden diese Dinge von jenen, die sie verbieten, nicht mehr als notwendige Bestandteile der Religion verstanden. Das mag überheblich und unsensibel sein, wo dies für viele tatsächlich noch zur religiösen Identität gehört, doch die Rechte von Tieren, Kindern und Frauen wiegen heute mehr als die religiösen Gefühle. Sorry.
Und ich bezweifle, dass es viele Muslime gibt, die ihren Glauben an den Nagel hängen werden, nur weil sie kein halal Fleisch mehr kriegen8.

Religionen verfolgen übrigens noch ein anderes Ziel als Friede, Freude und Eierkuchen zu verbreiten. Nämlich ihren eigenen Fortbestand zu sichern (um auch in Zukunft noch Seelen retten zu können). Und jede Religion fühlt sich deshalb immer und überall stets in ihrer Existenz bedroht!
Es besteht also ein fundamentaler Interessenkonflikt innerhalb jeder Religion, wenn die oberste Direktive nicht gleichzeitig für deren Fortbestand zu sorgen vermag. Im Christentum beispielsweise steht im Zentrum das Gebot der Nächstenliebe. Dieses ist zweifellos äusserst attraktiv und wird dem Christentum sicherlich viele Sympathien einbringen9. Sich ihm deshalb aber gleich anzuschliessen, ist auch wieder nicht nötig. Man kann den Nächsten lieben wie sich selbst auch ohne Christ zu sein. Und will man von der Nächstenliebe profitieren, reicht es vollkommen, sich mit Christen zu umgeben.
Deshalb übt man sich in der theologischen Sophisterei, um Ideal und Selbsterhaltung unter einen Hut zu bringen10 11. Und die Konstruktionen, die das ermöglichen, tragen ohne weiteres auch die Überzeugung, dass Terror nichts mit Religion zu tun hat.

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Eda Gregr
27.09.2016 um 21:51

Ist irgendwie lustig, dass der Klerus sich gegen die Homosexualität äusstert, weil er angeblich gegen die Natur ist, und dabei mit dem Zölibat einen ebenso widernatürlichen Lebensstil praktiziert.

Interessant finde ich auch, dass inzwischen nicht mehr von der Position der Bibel aus argumentiert wird, sondern die Natur als Referenz genommen wird.
Doch seit wann ist der Klerus ein Experte in Naturkunde?

Gibt es eigentlich ein Thema, bei dem der Klerus das Handtuch wirft? Bei dem er sich nicht in eine Diskussionsrunde einladen liesse?

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Eda Gregr
25.09.2016 um 10:43

Wie schützt man sich vor einer Flut?

Man sorgt dafür, dass das Mobiliar stets über dem Wasser bleibt. Und das schafft man, indem man in einem Boot wohnt oder in einem Appartement, das hoch genug liegt.
In einem Boot zu leben ist zwar romantisch, hat aber auch seine Tücken: Es schaukelt und es ist dauernd feucht.
Dann doch lieber in einer Villa am Zürichberg oder im Penthouse des Prime-Towers.

Eine Sintflut jedoch steigt höher als jeder Berg. Damit bleibt nur noch der Turm von Babylon.

Und tatsächlich war laut Josephus der Schutz vor einer zweiten Sintflut mit einer der wichtigsten Gründe für den Bau des Turms. Kann man das den Menschen verdenken im Angesicht eines jähzornigen Gottes?

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Eda Gregr
25.09.2016 um 10:41

Es gibt wirklich Leute, die glauben, die Sintflut und die Arche hätte es tatsächlich genau so gegeben, wie in der Bibel beschrieben. Und solche Leute gibt es nicht nur in Amerika.

Die Tausenden von Fragen, die diese Geschichte aufwirft1, bringt sie nicht ins wanken. Woher kam all das Wasser? Wie konnte so viel Wasser so schnell fallen ohne die Arche zu zerstören? Wann gingen die Faultiere los um sich rechtzeitig einschiffen zu können? Wie überlebten Süsswasserfische, wenn es Salzwasser regnete, und wie Salzwasserfische, wenn es Süsswasser regnete? Haben die Tiere gekackt? Womit wurden die Fleischfresser gefüttert? Wie konnten sich aus den wenigen Grundarten, die mitgenommen wurden, so schnell wieder so viele Arten entwickeln? Wann erreichten die Faultiere wieder ihre Heimat in Südamerika? War das nach so vielen Generationen noch ihre Heimat? Und nahmen Kängurus die Überreste der verstorbenen Gefährten in den Beuteln mit?

Natürlich haben besagte Leute auf jede einzelne Frage eine Antwort parat. In der Regel lautet sie, dass Gott ein klitzekleines Bisschen nachgeholfen hat.
Dass das alles durchaus im Rahmen der Fähigkeiten eines allmächtigen Gottes liegt, will ich gar nicht bestreiten.
Bloss, was sollen wir damit anfangen? Wenn Wundersames getan wurde und weiteres Wundersames getan wurde um das Wundersame wieder unkenntlich zu machen, dann ist da am Ende nichts Wundersames mehr, was als Beleg für das Wundersame dienen könnte. Ausser einer wundersamen Anekdote.

Gestern zwischen 13:35 Uhr und 14:17 Uhr habe ich die ganze Welt blau angemalt. Und dann habe ich alles wieder geputzt und alle Menschen und Tiere, die darüber verständlicherweise ziemlich erstaunt waren, das ganze wieder vergessen lassen. Was für ein Spass das war!

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Eda Gregr
17.09.2016 um 12:00

Die Keuschheit (und insbesondere jene der Frau) ist das Problem!
Nicht, dass nicht Sex zu haben etwas schlechtes ist, das Problem ist das Interesse aller anderen am Nichthaben!
Was aber jemand im Bett tut oder nicht tut, geht weder die Gesellschaft etwas an, noch den zukünftigen Partner!

Warum zum Teufel interessiert sich überhaupt jemand dafür?

Das lästige an sexuell übertragbaren Krankheiten ist, dass man nicht weiss, ob der Partner sie hat. Wenn der Bräutigam eine gesunde Braut haben möchte, bleibt ihm daher nichts anderes übrig als sich auf die Übertragung zu konzentrieren, sprich sich mit Heuristiken1 zu begnügen wie jener, dass die Enthaltsamkeit des Partners das Risiko vermindert, sich sexuell übertragbare Krankheiten einzufangen. Deshalb das Interesse an der Enthaltsamkeit (und dem Ehrenwort, welches alleine für die Wahrhaftigkeit der Enthaltsamkeit bürgen kann), obwohl es eigentlich *nur* um die Gesundheit geht.

Zur Illustration: Wenn wir die Mitglieder einer Expedition zum Nordpol zusammenstellen, ist es essentiell, dass alle noch beide Beine haben. Im Rekrutierungsprozess werden wir aber nicht nach den Holzhackgewohnheiten fragen, sondern (mehr oder weniger unauffällig) die Beine zählen. Anders sähe es aus, wenn beispielsweise Zigarettenrauchern mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hie und da einfach ein Bein abfallen würde. Da wir dann nicht wissen könnten, ob einem Kandidaten während der Expedition ein Bein abfallen wird, würden wir ihn nach seinen Rauchgewohnheiten befragen – und uns eine Vorstellung zu machen versuchen, wie ehrlich wohl die Antwort war.
Das Holzhacken wird kein Thema sein2 – auch dann nicht, wenn es die häufigste Beinverlustursache ist. (Wenn uns das konkrete Verhältnis von Beinen zu Expeditionsteilnehmern so wichtig ist, werden wir höchstens eine Klausel in den Vertrag setzen, dass im Fall eines Beinverlusts vor dem Start der Expedition, die Teilnahme nochmals überdacht werden kann.)

Wenn man es von dieser Seite betrachtet, dann zielen eigentlich alle gesellschaftlichen Regeln darauf ab, Handlungen zu verhindern, welche nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit negative Folgen haben werden. Verhalten, deren Konsequenzen sofort offensichtlich sind, interessieren dagegen nicht wirklich, respektive nur dann, wenn ein Regel die Wahrscheinlichkeit für solche Vorkommnisse zu ändern vermag.3

Insofern machte es für eine Gesellschaft schon Sinn, der Ausbreitung von sexuell übertragbaren Krankheiten mittels weiblicher Enthaltsamkeit (und der Besessenheit von Ehre, welche grundsätzlich ein Garant für die Wahrhaftigkeit sein soll und überall dort zum Einsatz kommt, wo verlässliche Evidenzen fehlen) vorzubeugen4. Entsprechend musste sich die Gesellschaft auch für die Umsetzung der verordneten Lösungsstrategie interessieren und nötigenfalls angemessene Sanktionen ergreifen. Schliesslich gilt es Epidemien vorzubeugen, welche eine ernstzunehmende Gefahr für die ganze Gesellschaft darstellen.
Die Enthaltsamkeit selbst interessiert also nur insofern, als dass deren Fehlen, aufgrund der Unsichtbarkeit der Krankheit, eine potentielle Gefahr für den Rest der Gesellschaft darstellt. Genau wie die Gesellschaft sich weniger für der Impfstatus um des Kindes selbst willen interessiert, denn dessen Sorge obliegt der Verantwortung seiner Eltern, sondern viel mehr zum Wohl der Gesundheit seiner Klassenkameraden und aller anderen.

Bloss dass man heute dank des medizinischen Fortschritts eine ansonsten nicht sichtbare Infektion durchaus diagnostizieren kann!
Damit braucht der Bräutigam sich nicht mehr auf Heuristiken (und Ehrenworte) zu verlassen, sondern kann sich die vollständige Information in Form von einem ärztlichen Attest besorgen. Gesund oder Nichtgesund, das ist, was ihn interessiert. Wieso es dieses oder jenes ist, braucht ihn dagegen nicht zu kümmern. Ausser natürlich wenn es da noch was anderes gibt, das ihm Sorgen macht…5
Vielleicht die Frage, ob das Kind wirklich seins ist? Auch hierfür gibt es Atteste.
Oder vielleicht interessiert es ihn, mit welchen Leistungen die seinen verglichen werden? … Ist es wirklich gerechtfertigt aus Rücksicht auf die Unsicherheit vereinzelter Männer Frauen pauschal zu diskriminieren?

Die Gesellschaft interessiert es nicht, von wem ein Kind ist – vorausgesetzt es ist nicht von einem fremden Fötzel. Es interessierte sie nur so lange, wie die Unmöglichkeit der Klärung der Vaterschaft es unmöglich machte, gemäss klarer Regeln zu handeln. Wenn ich nicht rausfinden kann, wer der biologische Vater ist, taugt die Regel nichts, dass der biologische Vater für die Kosten aufkommen muss. Die Pflicht zur Enthaltsamkeit, welche einen Dritten als Vater ausschliessen sollte, wurde ersetzt durch die Pflicht zur Kontrolle, welche im Bezug auf Vaterschaftsfragen (wie auch auf den Gesundheitszustand der Gesellschaft) gleichermassen zuverlässiger wie auch wesentlich weniger diskriminierend ist.

Wenn jemand der Pflicht zur Kontrolle nicht nachkommt, dann ist das sein Problem6
Und wenn die Frau dem Mann ein gefälschtes Attest gezeigt hat, dann interessiert es die Gesellschaft nur insofern als es sich um Urkundenfälschung handelt, welche, wenn toleriert, zu massiven Problemen führen würde. Was die Sache war, über die gelogen wurde, spielt hier dagegen keine Rolle mehr7.

Und dann gibt’s da noch dieses seltsame Religion-Gott-Gespann, das auch unbedingt mitreden will.
Dass es ihnen um die Gesundheit geht, ist geheuchelt. Nicht umsonst stemmen sie sich regelmässig gegen medizinischen Fortschritt, weil sie darin ein Herumpfuschen in den Plänen Gottes sehen. Krankheiten füllen die Kirchen und eine solide medizinische Versorgung leert sie.
Auch die Ehelichkeit der Kinder geht es nicht. Priester lieben schliesslich alle Kinder gleichermassen.
Das Interesse der Religionen an der Keuschheit ist meines Erachten rein voyeuristischer Natur. Sie wollen wissen was in den Schlafzimmern läuft. Und sie wollen dabei mitreden8.

Fazit

Keuschheit ist ein Relikt aus einer Zeit, in der die Ehre überall dort einspringen musste, wo die Evidenzen fehlten. Und genau wie all der andere Blödsinn, den man dachte im Namen der Ehre tun zu müssen, gehört sie entsorgt. Und jeder, der seine Keuschheit zur Schau tragen zu müssen glaubt, sollte wie jeder andere behandelt werden, der der Öffentlichkeit Dinge auf die Nase zu drücken versucht, die niemanden zu interessieren haben. Wie beispielsweise die Grösse seines Gemächts.
Daher plädiere ich dafür das Tragen des Schleiers als einen Akt von Exhibitionismus zu interpretieren.

Wohlgemerkt, ich verlange nicht, den Schleier verbieten. Wenn schon, dann das Flitzen zu legalisieren!

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