Und los geht’s

Experten melden sich zu Wort, die sich Fragen, ob sich die Schweiz einen Lockdown leisten kann. Beispielsweise Tilman Slembeck in einem Interview von 20 Minuten.

Ich bezweifle nicht, dass Prof. Slembeck die wirtschaftlichen Folgen eines Lockdowns so gut wie nur möglich abzuschätzen versteht, und halte daher seine Expertise dazu, mit welchen Strategien die Schäden möglichst klein gehalten werden können, für enorm wichtig.

Ich denke auch, dass seine Forderung nach einer repräsentativen Stichprobe der gesamten Bevölkerung sehr wichtig ist, denn wir haben es hier offenbar tatsächlich noch mit sehr vielen Unbekannten zu tun, was die Evaluierung von angemessenen Reaktionen natürlich erschwert bis verunmöglicht.

Im Artikel äussert sich Slembeck aber auch darüber, ob man der Ausbreitung des Virus auch mit anderen Mitteln als dem Lockdown hätte beikommen können. Doch das ist in seiner Funktion als Ökonom nicht mehr in seinem Fachgebiet.

Er sagt beispielsweise an einer Stelle: „Der Pandemieplan des Bundes ist grundsätzlich auf ganz schwere Fälle ausgelegt – also wenn die Leute bildlich gesprochen auf der Strasse tot umfallen. Das ist bei Covid-19 bei weitem nicht der Fall.“
Wenn Leute auf der Strasse tot umfallen, ist das natürlich krass, aber ich bin mir nicht sicher, dass das notwendigerweise ein Zeichen für einen ganz schweren Fall einer Pandemie ist. Die Tücken einer Seuche sind nämlich viel subtiler, daher disqualifiziert ihn diese Aussage in meinen Augen eher als das sie hilft, seinen Punkt zu unterstreichen.

Wie gesagt, er hat schon recht, dass uns sehr relevante Zahlen fehlen, die uns helfen würden, mit effektiven Massnahmen gegen die Pandemie vorzugehen. Aus dem Fehlen dieser Daten können wir aber nicht schlussfolgern, dass der Lockdown nicht verhältnismässig ist.

Ich fordere von der Politik der Wissenschaft mehr Gehör zu leihen. Und dann verdammt nochmal das zu tun, was diese empfiehlt.
Ich nehme hier aber auch die Medien in die Pflicht, dass sie Experten in ihrem Fachbereich konsultieren, sie dann aber nicht über andere spekulieren lassen.


Tipp an Tilman Slembeck: Wenn Sie explizit gesagt hätten, dass Sie sich im Vorfeld mit einem Epidemologen ausgetauscht haben und gemeinsam zum Schluss gekommen sind, dass die Massnahmen des Bundes über Ziel hinaus geschossen sind, wäre es (was mich betrifft) etwas ganz anderes gewesen.
Mir geht es nämlich wirklich nur darum, dass man in dieser schwierigen Zeit nur denen Gehör schenken soll, die über die nötigen Qualifikationen verfügen. So dass wenn sich unter diesen ein Konsens herausbildet, dass man sich dann auch darauf verlassen kann, dass deren vorgeschlagene Massnahmen so erfolgversprechend sind, wie sie nur sein können.
Es ist nämlich eigentlich eine denkbar blöde Strategie, jeden was sagen zu lassen und dann das Publikum selbst entscheiden zu lassen. Das ist zwar nett gemeint, aber auch ein Garant für eine steigende Zahl von Flat-Earthern. Und das können wir uns auch wirtschaftlich schlicht nicht leisten, wie Sie als (Verhaltens-)Ökonom sicherlich bestätigen können.

Unsere SVP in der Zeit der Corona

In meinem Artikel „Unsere Parteien in der Zeit der Corona“ habe ich mich dafür ausgesprochen, dass die Parteien den Empfehlungen der Wissenschaft grösseres Gehör schenken als den Wünschen ihrer Wähler, weil die Empfehlungen der Wissenschaft die Existenz ihrer Wähler besser schützt als die Wünsche ebenjener.

Inzwischen (1. April 2020) ist auf der Webseite der SVP eine Medienmitteilung erschienen, in der sie „eine klare wirtschafts- und gesundheitspolitische Strategie für die Zeit nach dem 19. April“ fordert.
Daran ist soweit noch nichts auszusetzen.
Sie anerkennt, dass die vom Bund via Notrecht bis zum 19. April 2020 getroffenen Massnahmen die vulnerablen Bevölkerungsgruppe schützen.
Das sollten wir im Hinterkopf behalten.
Sie gibt dann aber zu bedenken, dass diese gleichzeitig massive Schäden für Wirtschaft, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, ja für unser ganzes Land verursachen.
Das stimmt wohl. Doch das bestreitet meines Wissens auch keiner.
Daher stelle sich heute nicht nur die dringende Frage, wie die Schweizer Bevölkerung ab dem 19. April 2020 zu schützen ist, sondern auch, wie dies zu geschehen habe, ohne dass die wirtschaftlichen Folgeschäden noch grösser werden.
Wie gesagt, die Frage ist durchaus berechtigt.
Deshalb fordert die SVP-Fraktion eine klare wirtschafts- und gesundheitspolitische Strategie für die Schweiz nach dem 19. April 2020.

Das ist natürlich ihr gutes Recht. Ich hoffe einfach, dass sie sich bei ihren Forderungen meine Forderungen vom 29. März zu Herzen genommen hat und in ihrer Strategie die Wissenschaft (möglichst explizit) zu Wort kommen lässt.
Darüber hinaus möchte ich noch zu bedenken geben, dass eine klare Strategie eigentlich ein Wissen um die Gegebenheiten voraussetzt, was ja jetzt noch lange nicht der Fall ist. Eine „klare Strategie“ sollte daher idealerweise Raum für massive Anpassungen haben, wenn die Situation es verlangen sollte.
(btw. darüber, ob die Situation passive Anpassungen verlangt, informiert uns die Wissenschaft.)

Die SVP fordert für die Zeit nach dem 19. April 2020 die Umsetzung folgender Massnahmen zum Schutz insbesondere der vulnerablen Bevölkerungsgruppe:

  • besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen haben sich selber vor einer Ansteckung zu schützen und sich deshalb so weit wie möglich zu isolieren. Der Staat hat auf die Umsetzung dieser Massnahme hinzuwirken;
    Ist das nicht wie gehabt? Oder impliziert „hinwirken“ weniger Druck? Also beispielsweise keine Busen für Leute, die die Empfehlungen ignorieren?
    Weniger Druck bedeutet aber mehr Ansteckungen. Dessen sind wir uns bewusst, oder? Und mehr Ansteckungen bedeuten mehr Tote. Nur damit das klar ist.
  • der verstärkte Grenzschutz ist aufrecht zu erhalten, Einwanderer und Einreisende aus Risikogebieten sind ebenso abzuweisen wie Personen, die nicht zweifelsfrei nachweisen können, dass sie frei vom Corona-Virus sind;
    Auch das ist nichts neues, oder?
    Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Einschleppung von aussen, jetzt mal vom ersten Mal abgesehen, tatsächlich ins Gewicht fällt? Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), meinte in einem Interview im Tessiner Radio RSI, dass die Grenzschliessung keinen grossen Unterschied gemacht hätte.
    Dieser Punkt verdankt sich also weniger wissenschaftlichen Empfehlungen als viel mehr ihren Wunschträumen. Da die Grenze schon ziemlich geschlossen ist, dürfen sie das gern fordern auch ohne wissenschaftlich belegte Notwendigkeit.
  • die Einführung einer allgemeinen Tragepflicht von Schutzmasken, wo ein Kontakt zwischen Menschen stattfindet. In erster Linie ist das medizinische Personal und danach die ganze Bevölkerung mit Schutzmasken zu versorgen. Diese sind zentral durch den Bund zu beschaffen;
    Das ist (relativ) neu. Den Hintergrund für diese Forderung liefert wohl Verena Herzog in ihrem Referat „Schutz der Gesundheit der Menschen hat Priorität“. Sie erklärt dort, dass entgegen Behauptungen Schutzmasken nicht wirkungslos sind. Denn auch wenn etwas nicht 100%igen Schutz bietet, so ist das immer noch besser als gar nichts. Das stimmt natürlich, es fehlt hier aber der Kontext in dem die „Behauptung“ gemacht wurde. Es hiess nicht, dass die Masken wirkungslos seien, sondern, dass es zu wenige hat, als dass man sie an Orten benutzt, wo sie nicht wirklich dringend benötigt werden. Und dass die Masken insofern sogar kontraproduktiv sein könnten, weil sie den Trägern ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln – insbesondere bei nicht fachgerechter Anwendung.
    Wenn es genug Masken gibt, dann können wir uns anschauen, ob durch die Maskenpflicht die Ansteckungsrate sinkt oder steigt. Die
    Erfahrung kann es uns dann im Nachhinein sagen oder im Vorfeld die Wissenschaft. Die SVP sollte ohne Referenz auf eine der beiden daher lieber nichts fordern, was den Leuten die Angst nimmt zur Arbeit zu gehen, aber potentiell das Ansteckungsrisiko heben könnte.
  • die aktuell geltenden Regeln des Abstandhaltens und die Hygienemassnahmen sind beizubehalten;
    Okay.
  • positiv auf Covid19 getestete Risikopatienten sind in strikte Quarantäne zu setzen.
    Wie gehabt.

Wenn ich diesen ersten Teil richtig überblicke, sind sie mehr oder weniger für das Beibehalten der Massnahmen des Bundesrates, unterstreichen dabei aber einfach die Punkte, die fett in ihrem Parteiprogramm stehen, und stellen Forderungen, welche sich als nützlich für den nächsten Satz an Forderungen erweisen sollen.

Jenen zum Schutz der Wirtschaft:

  • das Arbeitsverbot, wo kein Home-Office möglich ist, soll aufgehoben werden;
    Egal, wie sehr dadurch das Ansteckungsrisiko steigt?
  • Läden und Restaurants sollen unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzmassnahmen wieder öffnen dürfen;
    Das ist eigentlich wie oben.
  • das Schulverbot soll so weit als möglich, risikobasiert und gestaffelt und unter Einhaltung der Hygienemassnahmen aufgehoben werden;
    Auch das ist das gleiche wie oben.
  • das Versammlungsverbot soll ebenfalls unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzmassnahmen gelockert werden.
    Dass man die Arbeit und die Schule wieder möglichst im „normalen“ Rahmen (in Sinne von unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzmassnahmen) in Betrieb nimmt, ist ohne zweifel lebenswichtig für die Wirtschaft. Allerdings auch verbunden mit dem Risiko einer Steigerung der Ansteckungsrate. Das gilt es gegeneinander abzuwägen. Und zwar in Zahlen. Auf der einen Seite die wirtschaftliche Kennzahl (BIP?) und auf der anderen die Zahl der Toten. Ich verlange daher von der SVP, dass sie in ihrem Strategiepapier festhält, wie viele Tote für im Tausch für 100 BIP Punkte (oder womit man hier auch immer rechnet) akzeptabel sind.
    Aber die Lockerung des Versammlungsverbots? Das ist ein Stich ins Herz der zentralen Instruments der Bekämpfung der Pandemie. Klar, die obigen Forderungen sind ohne eine Lockerung der Versammlungsverbots kaum umsetzbar, aber ich hätte es anders formuliert. Hier klingt es nämlich weniger als ein wirtschaftlicher Möglichmacher, als viel mehr so, als setze sich die SVP für die Wiedereinführung des Menschenrechts der Versammlungsfreiheit ein. Was schon ein bisschen populistisch ist.

Und dann noch ein „und überhaupt“:

  • Zudem sind die nun festgestellten Mängel in der Krisenvorsorge sofort zu beheben. Dies gilt vor allem für die Beschaffung von Schutzmasken und -kleidung, von Tests sowie von Beatmungsgeräten. Dieser Forderung ist höchste Priorität einzuräumen.
    Ja, klar. Das macht Sinn. Aber ich nehme an, das bezieht sich nicht nur auf Atemwegserkrankungen. Sondern auch für alle anderen Erkrankungen, die durch Seuchen hervorgerufen werden könnten. Und es gilt wohl ebenfalls für die Fachkräfte, die sich sowohl um die Geräte als auch um Patienten kümmern. Ich meine wie kann man für eine Pandemie vorbereitet sein, wenn das medizinische Personal auch in normalen Zeiten am Anschlag ist? Will sich die SVP also wirklich für bessere Arbeitsbedingungen im Pflegebereich (und anderen systemkritischen Berufen) einsetzen? Finde ich gut!

Okay, die SVP fordert also eine Mässigung mit den Massnahmen, die ergriffen wurden um die Ausbreitung zu verlangsamen und damit das Gesundheitswesen nicht an den Rand des Kollapses zu führen.
Warum tut die SVP das? Um die Wirtschaft zu schützen. Klar, aber kann eine Wirtschaft prosperieren, wenn das Gesundheitswesen kollabiert und die Eltern der Arbeitskräfte wie die Fliegen sterben?

Sie geht wohl davon aus, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Aber auf welcher Basis kommt sie darauf, wie schlimm es (nicht) werden wird?

Oder ist die SVP überzeugt, dass wir den Zenit überschritten haben und die Ansteckungen zurück gehen? Die Zahlen deuten zwar noch nicht darauf hin, aber nehmen wir an, dass es stimmt und die Massnahmen des Bundesrates funktionieren und jeden Tag werden weniger Ansteckungen verzeichnet. Was geschieht wohl, wenn man die Massnahmen, die das erreicht haben, wieder lockert, wie die SVP es sich wünscht? Geht dann der Trend weiter nach unten oder steigt die Zahl der Ansteckungen wieder an?

Mir ist schon klar, dass man die Wirtschaft unbedingt wieder zum Laufen bringen muss. Man muss das aber auf eine Art und Weise schaffen, die die Ansteckungsrate nicht wieder steigen lässt.
Die Forderungen der SVP scheinen mir, zumindest so lange kein nachhaltiger Erfolg gegen die Pandemie verzeichnet wurde, eher eine Art Einverständniserklärung dafür zu sein, dass man für die Wirtschaft eine beliebige Zahl von Leben aus der vulnerablen Bevölkerungsgruppe opfern darf.
Ich fände es daher nur richtig, wenn die SVP mit ihrer Forderung auch die Kosten an Menschenleben anführen würde, die sie bereit ist es die Schweizer Bevölkerung kosten zu lassen.

Es gibt Länder, wo es besser geht, und andere, wo es schlechter geht.
Die SVP soll sich entscheiden, welchen sie nacheifern möchte.

Den Zahlen des einen nacheifern mit den Methoden des anderen, so funktioniert das aber nicht.

Unsere Parteien in der Zeit der Corona

Je ein Screenshot der Webseiten unserer 16 wichtigsten Parteien (alphabetisch geordnet, warum auch nicht).

Die Herausforderungen, vor die uns Corona stellt, werden in den nächsten Wochen und Monaten noch grösser werden. Und die Bereitschaft unpopuläre aber notwendige politische Entscheidungen durchzusetzen, wird angesichts des Klimawandels auch in den nächsten Jahren noch gefragt sein.

Ich erwarte daher von der Politik und den Parteien, dass sie umdenken. Bisher bestand Politik hauptsächlich darin zu entscheiden, in welcher Farbe das Bundeshaus gestrichen werden soll, und das Ergebnis spielte überhaupt keine Rolle. Es machte zwar die einen glücklich und die anderen unglücklich oder die einen unglücklich und die anderen glücklich, doch alle, sowohl die einen wie auch die anderen, kamen früher oder später darüber hinweg.
In naher Zukunft wird die Aufgabe aber viel zu oft nicht mehr sein zu entscheiden, ob und wie etwas gemacht werden soll, sondern Wege zu finden, wie das, was gemacht werden muss, mit möglichst wenig murren getan wird.

Heute erklären die Parteien im Angesicht der Krise, dass sie hinter den Entscheidungen des Bundesrats stehen. Morgen müssen wir uns darauf verlassen können, dass sie auch dann bereits sind sich ungeachtet ihrer politischen Ziele bedingungslos der Expertise der Wissenschaft zu unterwerfen, selbst wenn die Situation noch nicht so dringend erscheint.

Zugegeben „sich der Expertise der Wissenschaft unterwerfen“ klingt ein bisschen rückgratlos. Doch wenn man bedenkt, dass die von der Wissenschaft vorgeschlagenen Strategien den Wünschen der Individuen und der Wirtschaft nicht allzu hohe Priorität einzuräumen scheinen, wird es eine Menge Charakter brauchen.

Schauen wir es uns anhand eines hypothetischen Beispiels an: Durch die wissenschaftliche Auswertung von medizinische Daten, fällt auf, dass bei überraschend vielen Vergiftung von Kleinkindern eine rosa Plastikente erwähnt wird. Man geht der Sache nach und findet heraus, dass die hübsche rosa Farbe der beliebten Ente für Kleinkinder toxisch ist. Die Firma, die die Enten herstellt möchte die Farbe nicht aus dem Verkauf nehmen, weil sie günstig in der Herstellung ist und sich super verkaufen lässt. Darüber hinaus haben sie herausgefunden, dass die Toxizität gänzlich verschwindet, wenn man beim Spielen Handschuhe anzieht. Und die Kinder lieben die Ente und schreien den Eltern die Bude ein, wenn man sie ihnen wegzunehmen versucht.
Ergo: Die Kinder haben ein grosses Interesse daran, dass die Enten weiter produziert werden. Genauso die Wirtschaft. Nur die Wissenschaft scheint etwas gegen sie zu haben.
Was soll jetzt die Politik machen? (Ja, in diesem Fall fällt die Sache unter ein anderes Gesetz, welches in solchen Fällen automatisch zur Anwendung kommt und die Ente vom Markt nimmt. Aber wir sind hier in einem Gedankenexperiment, das sich zu einer Zeit abspielte, wo dieses Gesetz noch nicht vorhanden war.)
Verschiedene Bereiche der Wissenschaft beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten des Problems. Die Chemie stellt die Toxizität des Stoffes fest und dessen Sterberate bei Kontakt mit der Farbe. Die Wirtschaftswissenschaften untersuchen die Auswirkungen eines Entenverbots auf die Wirtschaft in Form von einem Kurseinbruch. Und die Psychologie prognostiziert die Steigung der Scheidungs- und Selbstmordrate, verursacht durch den Stellenabbau der Firma und das Schreien von Kindern, denen das Spielzeug weggenommen wird.
Liegt es jetzt an der Politik zu entscheiden? Bevor wir das beantworten können, sollten wir uns noch folgende Frage stellen: Auf welcher Basis würde sie entscheiden?
Aufgrund ihres Parteiprogramms? Die Wirtschaftspartei hört sich die Wirtschaftsvertreter an und konsultiert die Studie der Wirtschaftswissenschaften und würde sich dann gegen ein Verbot aussprechen. Die, die sich den Schutz der Ehe und den Kampf gegen den Selbstmord auf die Fahne geschrieben hat, wohl auch. Nur Gwyneth Paltrows chemiefeindliche Partei würde sich für ein Verbot stark machen.
Dass sich jede Partei ein Kernthema für sich herauspickt, das ihrer Meinung nach nicht genug Beachtung findet, ist richtig und okay, aber in diesem Fall fatal. Denn die Wirtschaftswissenschaften untersuchten hier nur, was passiert, wenn eine konkrete Firma ihr Erfolgsprodukt vom Markt nehmen muss. Sie untersuchte nicht, was passiert, wenn es auf dem Markt bleibt und tausende Kinder sterben. Und die Psychologie beschäftigte sich mit der Frage, welche Konsequenzen ein Kurseinbruch einer einzelnen Firma hat kombiniert mit dem Geschrei von unzufriedenen Kindern. Sie hat sich aber nicht angeschaut, was geschieht, wenn der Kurs stabil bleibt, dafür aber Reihenweise Kinder sterben.
Erst wenn die verschiedenen Bereiche zusammenspannen und ein Model entwickeln, in welches alle diese Faktoren einfliessen, kann man eine gut fundierte Entscheidung treffen. Im Fall mit der Rosa Spielzeugente wird dort klar zeigen, dass nur eine Strategie ein akzeptables Ergebnis liefert: Enten vom Markt nehmen und Gesetze anpassen um ähnliches in Zukunft zu verhindern.
Parteien und Politik haben hier de fakto nichts mehr zu entscheiden.

Wenn verschiedene Szenarien zu ähnlich akzeptablen Ergebnissen führen, es also keine absehbare Rolle spielt, wie man sich entscheidet, können sich die Parteien gern mit ihren Parteiprogrammen wieder zu Wort melden. Wobei, wohlgemerkt, es die Wissenschaft ist, die beurteilt, ob die Ergebnisse ähnlich akzeptabel sind.

Bei Corona sind die Prognosen sehr klar. Beim Klimawandel ebenso. Es führt kein Weg an einer massiven Reduktion des CO2 vorbei. Die Aufgabe der Parteien kann daher nicht sein, die Interessen der Individuen und er Wirtschaft zu schützen. Denn tatsächlich können deren Interessen langfristig nur über die Abwendung des Klimawandels geschützt werden. Es ist auch nicht die Aufgabe der Parteien Wege zu finden, wie sich das CO2 im erforderlichen Zeitraum im erforderlichen Ausmass senken lässt. Denn die möglichen Wege, die zum Ziel führen könnten, wurden von der Wissenschaft bereits aufgezeigt. Die Politik kann diese nur noch umsetzen. Und die Parteien müssen sich darüber im klaren sein und mitspielen.

Gut möglich, dass eine der von der Wissenschaft vorgeschlagenen Strategien nicht hält, was sie verspricht, aber immerhin sind die Gründe für das Vertrauen in die Strategie und die Chancen, dass sie erfolg haben könnte, nachprüfbar besser als das Bauchgefühl von Politikern.

Nun ja, ganz machtlos ist die Politik aber auch wieder nicht. Sie ist es, die über die Finanzierung der Forschung verfügt.
Und das stellt uns vor eine interessante Situation: Entweder decken sich die Ansichten einer Partei mit jener der Wissenschaft, oder sie tun es nicht.
Wenn sie es aus Prinzip tun, ist alles okay.
Wenn sie es nur zufällig in einem ganz besonderen Fall tun, betrachten wir einfach einen anderen Fall.
Wenn sie es nicht tun, kann die Partei überzeugt sein, dass die Meinungsverschiedenheit allein darauf zurück zu führen ist, dass noch nicht genug geforscht wurde. In diesem Fall würde sich die Partei dafür einsetzen, dass mehr Geld in die Forschung fliesst. Wenn sie die dann besser fundierte Ansicht akzeptiert, ist alles okay.
Wenn die Partei aber überzeugt davon ist, dass Forschung nichts ausrichten kann oder dass mehr Forschung ihre Ansichten untergraben wird, dann kann sie die Forschungsgelder kürzen wollen. Damit würde sie die bisherigen Empfehlungen der Wissenschaft und die Notwendigkeit diese Umzusetzen zwar nicht aufheben, aber sie würde doch zumindest ihre Wissenschaftsfeindlichkeit öffentlich zur Schau stellen. Und das ist auch okay, denn auf diese Weise disqualifiziert sie sich selbst.

Wie gesagt. Wir müssen umdenken. Die Parteien müssen Farbe bekennen und sich hinter die Empfehlungen der Wissenschaft stellen. Bedingungslos und ohne Rücksicht auf ihr Parteiprogramm.
Wissenschaftsfeindliche Parteien haben in der Politik nichts zu suchen, denn die Wissenschaft als der Weg Fragen verlässlich bestmöglich zu beantworten ist die einzige Chance, die wir haben. Sowohl bei Corona als auch beim Klimawandel. Und eigentlich auch bei der Migrationspolitik, der Zeitumstellung und der Farbe des Bundeshauses.
Ich denke, dass Wissenschaftsfeindlichkeit sogar noch gefährlicher ist als Rassismus.

Oder denkt wirklich jemand ernsthaft, dass Covid-19 gänzlich ohne Mithilfe der Wissenschaft besiegt werden kann? Respektive auf eine Weise, die die Wissenschaft als untauglich oder ungenügend betrachtet?

aber einmal sollte man es gut sein lassen

Der Klerus hat es heutzutage auch nicht leicht.
Ihre Gebete funktionieren nicht mehr so richtig und keiner will mehr sein Kind mit nem Priester allein lassen…

Ein ehemaliger Klassenkamerad ist Pfarrer und jedes Mal wenn wieder so ein Missbrauch bekannt wird, muss ich an ihn denken. Nicht, dass ich ihm irgendetwas unterstellen würde, aber dass er weiterhin in einer Organisation arbeitet, die solche Vorfälle konsequent unter den Teppich zu kehren versucht, lässt mich schon ein bisschen an seiner Integrität zweifeln.

Er gesteht natürlich durchaus ein, dass die Kirche viel falsch gemacht hat und bedauerlicherweise bis heute noch nicht alle Lektion daraus gelernt hat. Und dafür entschuldigt er sich auch, doch deswegen der Kirche den Rücken zukehren, ist für ihn keine Option. Das sieht er nicht als den richtigen Weg. Er versucht stattdessen ein anderes Bild der Kirche zu leben.

Das klingt doch eigentlich ganz okay.
Ausser vielleicht, dass die Kirche, die viel falsch gemacht und bis heute noch nicht alle Lektionen gelernt hat, nicht mit anderen Organisationen zu vergleichen ist, welche ebenfalls auf eine unrühmlich Vergangenheit zurückblicken müssen. Im Gegensatz zu Firmen, die beispielsweise an den Verbrechen der NS-Zeit beteiligt waren und sich dann dafür entschuldigten, nicht das richtige getan zu haben, sieht die Kirche ihre Kernkompetenz nämlich darin, dank des aktiven Patronats des heiligen Geistes stets zu wissen, was gut und was böse ist. Deshalb verstand sie sich auch immer als Wächterin der Moral.
Dass hie und da bei einzelnen mal was schief läut, ist bedauerlich, aber wohl nicht gänzlich zu verhindern. Dass die Kirche mit ihrem direkten Draht zur höchsten moralischen Instanz das aber nicht merkt oder, wenn sie es merkt, es einfach nur zu verschleiern versucht, lässt daran zweifeln, ob die katholische Methode überhaupt funktioniert.

Tatsächlich erscheint es mir eher so, als ob die katholische Methode weniger darüber wacht, was gut und was böse ist, als viel mehr, das, was der Kirche gerade passt, als moralisch okay propagiert.
Sie ist jetzt beispielsweise gegen die Sklaverei. Das war sie nicht immer. Und sollte es mal nötig werden, stehen ihr mit der Bibel und einer abhörsicheren Verbindung zu Gott die nötigen Instrumente zur Verfügung wieder für diese zu sein. Das gleiche gilt fürs Frauenstimmrecht, den Verzehr von Schweinefleisch und das Tolerieren der Homosexualität.

Und auch dass sich mein Freund dafür entschuldigt, dass die Kirche viel falsch gemacht hat und bis heute nicht alle Lektionen gelernt hat, ist nicht wirklich okay. Er hat ja selbst nichts gemacht. Wofür also sich entschuldigen? Und als Dorfpfarrer ist er wohl auch nicht in der Position, dass er etwas davon gewusst hätte.
Oder etwa doch? Hat er davon gewusst und nur für die Lösung gebetet? Entschuldigt er sich dafür, dass er nicht genug gemacht hat? Dass er den Verdacht, den er hatte, nicht den Behörden gemeldet hat? Oder ihm das Beichtgeheimnis wichtiger war als das Wohl eines Kindes?
Aber wahrscheinlich lese ich hier viel zu viel rein. Er entschuldigt sich womöglich bloss, weil er nicht nichts tun und einfach weiter machen kann. Er ist im Zugzwang. Und durch die Entschuldigung distanziert er sich ohne irgendwelche Konsequenzen ziehen müssen. Und als Bonus erniedrigt er sich elegant und kann sich als Märtyrer für die geschundene Kirche verkaufen.

Und dass er stattdessen ein anderes Bild der Kirche zu leben versucht, ist so auch nicht ganz okay. Ich hoffe, damit will er zum Ausdruck bringen, dass er sich bemüht die Kirche von innen zu ändern, und nicht einfach nur die Risse in der Fassade zu kitten.
Da ist sicher was dran, denn die Kirche ist too big to fail. Sie ist wie ein Atomkraftwerk, das während langer Zeit die Herzen der Menschen erleuchtete und bei dem man jetzt merkt das die Kosten für die Umwelt einfach zu hoch sind. Und wie bei einem Atomkraftwerk ist es sicher besser, wenn man sie nicht mit einer Explosion vom Netz nimmt.
Es bleiben aber dennoch zwei Fragen:
Die eine ist, in was genau er die Kirche zu ändern versucht. Ich meine, weiss er besser, was Gott wirklich will, als all die anderen Priester, Bischöfe und Päpste, die sie nicht verändert haben? Ist er sich wirklich sicher, dass es im Interesse Gottes ist und nicht bloss in seinem eigenen, dass sie sich ändert? Ist er sich sicher, dass all das Üble nur geschah, weil die Pforten der Hölle die Gemeinde überwältigt haben? Denn wie sonst wäre sowas möglich gewesen?
Und die andere Frage ist, woran wird er erkennen, dass seine Bemühungen gefruchtet haben? Woran erkennt er die bessere, sich nachhaltig veränderte Kirche? Und woran erkennt er im umgekehrten Fall, dass es zwecklos ist und die Kirche sich nie ändern wird? Es muss diesen Punkt geben, wo die Hoffnung stirbt. Wo ist der? Und wenn es ihn nicht gibt, dann ist mein Freund zufrieden damit sein Leben in einer Kirche zu verbringen, die aus ihren Fehlern nichts lernt und frohen Mutes weitere begeht.

Aber vielleicht will er aber auch gar nichts ändern. Abgesehen vom Bild, das man von ihr hat, dem Image der Kirche also.
Dazu würde auch passen, dass es ihn – wie er beteuert – mit Stolz erfüllt der katholischen Kirche anzugehören.

(Ist Stolz nicht eine der 7 Todsünden? ;)


Mein Freund erwähnte dann nur so nebenbei noch, dass es auch Länder gibt, wo Ungerechtigkeiten an der Tagesordnung seien. Da könne man auch nicht einfach austreten.
Diesen Vergleich finde ich aus zwei Gründen interessant: Zum einen weil er die Kirche lieber mit einem Staat vergleicht, welcher sich seine Regeln selbst macht, als mit einer Organisation, die innerhalb eines Staates funktioniert und sich auch an dessen Gesetze zu halten hat.
Und zum anderen weil er nicht bemerkt, dass wenn die Menschenrechte eingehalten würden, dass man durchaus das Land verlassen könnte, wenn man die Ungerechtigkeit für unzumutbar hält.
Eigentlich ziemlich entlarvend, dass er mit einem Vergleich mit einer Diktatur davon abzulenken versucht, dass er selbstzufrieden in einer kriminellen Organisation arbeitet.


Zum Abschluss ein kurzer Blick hinter die Kulissen:
Ich schreibe an diesem Artikel etwa seit August 2019. Ursprünglich wollte ich die Strategie hinter der Verteidigung/Entschuldigung meines Freundes mit einem witzigen kleinen Aphorismus entlarven, aber irgendwann fiel dieser der Redaktion des Textes zum Opfer. Ich will ihn euch nicht vorenthalten:

When I was a kid, I used to pray every night for a new bike. Then I realised, the Lord doesn’t work that way. So I just stole one and asked Him to forgive me … and I got it!

Emo Philips

SmUP und COVID-19

Ja, jetzt bereut ihr, dass es das Small Universe Projekt nicht mehr gibt.
Nur zu gern wüsstet ihr, wie viele Ecken noch zwischen euch und dem Corona Virus stehen…

Glaubt mir, mit dem SmUP wüsstet ihr das. Denn SmUP 2.0 hatte nicht nur Freundschaften und Bekanntschaften abgebildet, sondern auch alle regelmässigen Begegnungen. Da wärt ihr auch beispielsweise mit Leuten verbunden, die im gleichen Zug pendeln oder die gleichen Restaurants frequentieren.
Und das SmUP 3.0 hätte auch die Krankengeschichte umfasst.

Damit hätten wir alles zur Hand gehabt, was es braucht um guten Mutes einer Pandemie entgegenzutreten…
Aber ihr wolltet ja nicht.
Selber schuld.

Das habt ihr davon, dass ihr mir mit eurer doofen Privatsphäre meinen Allmachtfantasien einen Strich durch die Rechnung gemacht habt!

Oder sind es in diesem Fall vielleicht eher Allwissenheitsfantasien?
Auf jeden Fall aber keine Allgütefantasien. Schon, damit hätte ich die Menschheit im Alleingang gerettet, aber das wäre nur ein Kollateralschaden meiner Erzbösewuchtigkeit (sic! – Ich bin schliesslich kein Wicht!!!) gewesen.

Obwohl ich schon eingestehen muss, dass die Ausbeute meiner ambitiösen Pläne verglichen mit jener meiner Peers1 wahrscheinlich sehr bescheiden ausgefallen wäre.

Offener Brief an einen ganz bestimmten Werbeträger

Lieber Roger

Rolex, Mercedes-Benz, Credit Suisse, Jura, Moët & Chandon, Barilla, Lindt, Wilson, Uniqlo, Netjets, Sunrise, Rimowa, on

Quelle: Rogers Webseite

Ich meine … echt jetzt?

Du bist zweifellos einer der besten Sportler, die es gibt. Und das wird auch allgemein anerkannt. Und die Sportart, in der du brillierst, ist keine der knausrigen. Du solltest also eigentlich ganz passabel von den Preisgeldern leben können.
Als Sportler macht es sicherlich auch Sinn, wenn du dir deine Sportbekleidung (uniklo), deine Sportschuhe (on), dein Sportmaterial (Wilson) und die Bespannung (Barilla) sponsorn lässt. Schliesslich liegt dort deine Expertise. Wenn nicht du, wer sonst könnte beurteilen, welches Material geeignet ist, seine sportlichen Fähigkeiten optimal zu entfalten?

Aber das andere Zeug?
Klar deine Rolex leistet dir gute Dienste. Sie zeigt dir die Zeit an.
Aber würde das eine Casio nicht genauso tun?
Gut möglich, dass die Rolex die Zeit viel superer anzeigt, doch kannst du das zum einen nicht wirklich sachverständiger als andere beurteilen und zum anderen spielt das nicht wirklich eine Rolle.
Klar, du benutzt diese Marken, sie gefallen dir und du bist zufrieden mit ihnen. Doch die Frage ist, ob die gleichen Produkte von anderen Marken, auch wenn sie dir eine Spur weniger gefallen würden, deinen sportlichen Erfolg ernsthaft gefährden würden?
Nun ja, Moët & Chandon würde das auch ganz alleine schaffen. Also ich meine, deine Karriere ruinieren…

Mir ist schon bewusst, dass dir all das Geld quasi nachgeschmissen wird. Und da du die Produkte ohnehin benutzen und sie deinen Freunden empfehlen würdest, passt es ja.
Mir ist auch bewusst, dass noch sehr viele andere dir gern Geld nachschmeissen würden. Was du aber dankend ablehnst, auch wenn du deren Produkte vielleicht ohnehin schon benutzt und sie deinen Freunden empfiehlst.
Und mir ist ebenso bewusst, dass du, wenn du dir nicht sorgfältig aussuchst, von dem du dir Geld nachschmeissen lässt, Gefahr läufst, dass andere aufhören dir Geld nachzuschmeissen und dass dir dann am Ende womöglich insgesamt weniger Geld nachgeschmissen werden könnte.

Ich will daher nicht bestreiten, dass du dir neben der sportlichen Expertise im Laufe deiner Karriere auch eine beeindruckende in Sachen Sponsoring-Kompatibilität angeeignet hast.

Du könntest also neben Sportartikeln sicherlich guten Gewissens auch Werbung für Sponsoren-Vermittler machen:

Mein Sponsoring-Portfolio-Manager
SpopoMa™
sorgt dafür, dass sich meine diversifizierten Werbeverträge nicht in die Quere kommen
und ich optimal absahnen kann.

Roger, ein Sportler, der sich zu vermarkten versteht

Ich könnte mir aber vorstellen, dass solche Werbung zu jener Art gehört, die andere Sponsoren ein bisschen verschreckt…

Sie würde nämlich an deinem properem Teflon-Image kratzen und dich als den knallhart kalkulierenden Businessman zeigen (der du in Tat und Wahrheit auch bist).


Frage am Rande: Wenn man über Werbeverträge Unsummen aus zweifelhaften Firmen rausholt und alles Geld dann in (effektive) wohltätige Projekte steckt, gehört man dann zu den Guten oder zu den Bösen?
Ja, ich tue Gutes durch die wohltätigen Projekte, aber in der anderen Schale der Karmawaage liegen die dunkeln Machenschaften meiner Werbepartner, die dank meinem guten Image länger unbehelligt weiter machen können…


Wie ich schon sagte. Du besitzt in verschiedenen Bereichen ein wertvolles Fachwissen, welches jeden jede deiner Empfehlungen mehr als ernst nehmen lassen sollte. Und es ist sicherlich auch völlig berechtigt, wenn du dich für deine Expertise bezahlen lässt.
Du machst aber auch Werbung für Sachen, die dir im besten Fall nur gefallen. Und das ist für andere eigentlich kein guter Grund sich das Zeug zu kaufen, geschweige denn dich dafür zu bezahlen.

Klar, manche Leute macht es glücklich, mit dem gleichen Rollkoffer wie du durch die Welt zu jetten. Sollen sie es ruhig tun. Aber passt es zu dir und deinem authentisch sympathischen Image, das dich überhaupt erst zu einer so begehrten Werbefigur macht, dass du dich dafür bezahlen lässt, dass andere Leute deinem Geschmack nacheifern können?

Ist es zu viel verlangt, dass ich von Held etwas mehr erwarte?
Du kannst einschätzen, ob ein Turnschuh etwas taugt. Das ist keine Geschmacksache. Genau an der Fähigkeit, das einschätzen zu können, hängt auch deine Karriere . Bei der Schokolade ist das jedoch nur eine Geschmacksache. Du hast dir die Fähigkeit zwischen guter und schlechter Schokolade zu unterscheiden, nicht hart erarbeitet.
Ist es zu viel verlangt, dass ich mir wünsche, dass Helden nur dafür Lohn einheimsen, was sie auch tatsächlich geleistet haben?

Ausser natürlich, du hast – ohne dass ich das mitbekommen habe – Ernährungswissenschaft studiert und dein Urteil spiegelt den State of the Art der Schokoladenforschung wieder. Dann sorry!

So aber untergräbst du mit deinem einnehmenden Lächeln das Vertrauen in Expertise. Vermittelst die Ansicht, dass Gefühle Evidenzen ebenbürtig sind.

Und damit untergräbst du irgendwie sogar die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft.

Niemand will dir das Recht nehmen, die Schokolade zu essen, die dir am besten schmeckt. Und auch nicht den Leuten, die es interessiert, zu sagen, welche das ist.
Wenn du aber Geld dafür nimmst, dann ist das … auch angesichts der Millionen, die du dafür kassierst … irgendwie … billig?

Regenbogen – Zeichen für Gottes Liebe

Okay. Gott hat also mal die Erde geflutet und (fast) alles, was so kreucht und fleucht, ersaufen lassen. Aus welchen Gründen auch immer.
Nur Noah, seine Frau, seine drei Söhne und deren drei Frauen liess er überleben. Und je nach Reinheitsgrad zwei bis sieben Exemplare jeder Spezies.

Übungsaufgabe an den geneigten Leser: Spiele Gott und sag mir welches dieser drei rein(lich)en Kätzchen ertränkt werden soll.


Später wandte sich Gott an die Überlebenden.

8 Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm:

1. Mose 9:8

Nicht aber zu Haikal und den anderen Frauen?

9 Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen 10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren auf Erden bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden.

1. Mose 9:9-10

Gott schliesst also mit Noah, seinen Söhnen und deren Nachkommen und allem Getier, das auf der Arche war, sowas wie einen Vertrag1 ab. Nicht aber mit Haikal und den anderen Frauen (ausser er zählt sie zum Getier?). Und wohl auch nicht für die traumatisierten Tiere, die die Katastrophe irgendwie ausserhalb der Arche überlebt haben.

Frage an einen Juristen: Wenn die Menschheit ausgestorben ist, aber noch Nachkommen des Getiers lebt, das die Arche verlassen hat, gilt dann der Bund noch? Von Nachkommen war ja nur im Zusammenhang mit den Söhnen die Rede. Und wenn ja, wie steht es dann um die Gültigkeit des Vertrags, wenn nur noch Nachkommen von Kreuzungen zwischen Getier, das die Arche verlassen hat, und Getier existiert, das irgendwie ausserhalb der Arche überlebt hat?

11 Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.

1. Mose 9:11

Gott verpflichtet sich also im Rahmen dieses „Vertrages“ die Mensch(- und möglicherweise auch die Tier)heit nie wieder durch eine Sintflut auszurotten. Unter diesen besonderen Umständen ist es wohl kein so grosses Problem, dass Gott die vier Frauen beim Vertrag aussen vor liess, sie profitierten hier gottseidank von der Herdenimmunität.
Warum aber ist Gott hier so spezifisch, was das Wasser betrifft? Warum sieht er sich genötigt es so explizit zu erwähnen? Es ist schliesslich allgemein bekannt, dass man noch mit einer Fülle anderer Sachen alles Fleisch ausrotten und die Erde verderben kann.

Zum Beispiel von einem Asteroiden…

oder von Pilzen…

oder von Kälte…

oder von Viren…

oder von dieser giftgrünen Thalaronstrahlung…

oder von V’ger…

12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: 13 Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

1. Mose 9:12-13

Der Regenbogen ab jetzt also der Knopf im Taschentuch…
Damit auch wirklich niemand vergisst, dass Gott die Menschheit nie wieder mit einer Sintflut ertränken wird.

Dass Gott eine Gedächtnisstütze braucht, überrascht mich nicht weiter, schliesslich ist er es, der sich daran erinnern muss gegebenenfalls einem Impuls nicht nachzugeben. Dass aber auch die Menschen daran erinnert werden müssen, verstehe ich nicht ganz. Ich meine, was bringt es ihnen? Es macht für uns ja keinen Unterschied, ob wir wissen, dass Gott uns mich nicht ertränken wird? Ist ja nicht so, dass wir uns dagegen wehren könnten, oder?

Obwohl, es stimmt auch wieder nicht ganz, dass es für uns keinen Unterschied macht. Es lässt uns mit einem unguten Gefühl zurück. Wie sollen wir ein unbeschwertes Leben führen, wenn wir dauernd daran erinnert werden, dass Gott uns jederzeit ersäufen könnte, wenn ihm vertraglich nicht die Hände gebunden wären.

Frage an einen Juristen: Wo sollten wir uns denn schon beschweren, wenn er vertragsbrüchig wird?

Ich würde mich wesentlich wohler fühlen, wenn ich wüsste, dass Gott mich nicht umbringen will.

14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. 15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe.

1. Mose 9:14-15

Aber es ist schon schlau, den Reminder gleich an die Wolken zu heften. So hat Gott ihn direkt vor der Nase, wenn er gerade im Begriff ist eine Dummheit zu tun.

Frage an einen Theologen: Es erscheint ja nicht bei jedem Regen ein Regenbogen. Heisst das, er erscheint nur dann, wenn Gott es gerade in den Fingern juckt?

Andere Frage an einen Theologen: Kann es sein, dass Wasser die bevorzugte Waffe Gottes ist? Da wurde die ägyptische Armee mit einem geteilten Meer erschlagen. Oder Weihwasser zur Bekämpfung von Dämonen benutzt. Oder Jesus läuft übers Wasser um Petrus eins auszuwischen. Und wie viele sind wohl an einer Alkoholvergiftung gestorben nach seinem Wasser-zu-Wein-Wunder?
Was natürlich nicht heisst, dass er nicht auch geschickt mit Feuer wäre. *hust* Sodom *hust*

16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.

1. Mose 9:16

Das hat er doch gerade eben schon mal gesagt?

17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.

1. Mose 9:17

Die Idee scheint im zu gefallen. So oft wie er sie wiederholt.

Kommt es eigentlich nur mir so vor oder redet Gott irgendwie wie Trump?

Hostien

Hat schon mal ein Pfarrer aus was anderem als ungesäuertem Fladenbrot den Leib Christi zu wandeln versucht? Wie überprüfte er, ob es funktioniert hat?

Wie ist es eigentlich auf der gleichen Seite zu stehen wie die Arschlöcher?

Liebe gemässigte Christen

Nach dem Tod von Stephen Hawking geisterten verschiedene Beiträge fundamentalistischer Christen durch die sozialen Medien, in denen sich diese genüsslich darüber ausliessen, dass Hawking jetzt in der Hölle schmort. 

Euch ist schon klar, liebe Christen, dass das Eure Arschlöcher sind?

Ihr haltet diese Menschen doch für Arschlöcher, oder? Nicht bloss für ein bisschen unsensibel, weil sie laut aussprechen, was man eigentlich bloss denken sollten?

Ich persönlich halte jeden für ein Arschloch, der sich über das Leid anderer freut. Ob diese es nun verdient haben oder nicht, spielt dabei eigentlich kein Rolle. Und da die Hölle das ewige Leid ist, das man mit einem endlichen Leben noch nicht verdienen kann, spricht nichts dagegen jeden für ein Arschloch halten, dem der Umstand Freude bereitet, dass irgend jemand dorthin kommt.

Stephen Hawking akzeptierte nicht Jesus. Das bedeutet nach Eurer Überzeugung doch glasklar, dass für ihn die Sache gelaufen ist und er sich deshalb schon bald genau dort wiederfinden wird.

Wie ist es mit Euch, liebe Christen? Gibt es etwas erfreulicheres als wenn Gottes Wille geschieht? Und indem jemand, der Jesus den Rücken zukehrt, in die Hölle kommt, geschieht doch genau das… Freut also auch Ihr Euch darüber, dass Hawking in der Hölle schmort?

Natürlich wünscht ihr es niemandem (und sicherlich würdet ihr es auch nie jemandem auf eine so erbärmliche Art und Weise unter die Nase reiben), aber wer in die Hölle kommt, tut es – nach eurer Ansicht – aus freien Stücken. Und indem er Jesus nicht akzeptieren wollte (nicht akzeptieren können ist nach eurer Ansicht schliesslich keine Option, weil dann ja die Willensfreiheit nicht gegeben wäre), wünscht er sich ganz offensichtlich in die Hölle zu kommen.
Folglich hat sich nicht nur Gottes Wille, sondern auch Hawkings Wunsch erfüllt. Also ein Win-Win. Wenn das kein Grund zur Freude ist…
Und es ist ja auch nicht so, dass sich der Wunsch in einer für den Wünschenden überraschenden Form erfüllt hätte (vergleichbar mit der Art wie fiese Dschinns gern die Wünsche ihrer „Opfer“ erfüllen). Hawking wusste, was die Alternative zum Himmel ist. Nun ja, er scheint nicht gewusst zu haben, dass der Himmel real ist, aber er wusste sehr genau, dass er dort nicht hinkommen würde, wenn es diesen doch geben sollte.

Ja, Ihr mögt euch nicht so recht darüber freuen, aber dürft ihr das überhaupt? Euch nicht nicht so recht darüber freuen, meine ich. Damit würdet ihr ja zum Ausdruck bringen, dass der göttliche Plan Schwachstellen hat…

Gott hingegen darf darüber traurig sein, dass sein raffinierter Plan alle Menschen in den Himmel zu lotsen, wieder mal nicht aufgegangen ist. Er darf enttäuscht sein, dass nicht mal eine 2000 Jahre alte Androhung von Höllenqualen einen von ALS gezeichneten Astrophysiker dazu bewegen konnte, an ihn zu glauben.
Aber dürft das auch Ihr? Seine Geschöpfe, die ihr die Ewigkeit an seiner Seite verbringen wollt?

Natürlich dürft (und solltet) ihr entsetzt sein über diese Unfähigkeit Gottes!

Und natürlich dürft (und solltet) ihr offen dazu stehen, dass sein Plan Scheisse ist, wenn dieser zulässt, dass Leute ewiglich gefoltert werden!

Alles worauf es schliesslich ankommt, ist, dass ihr Jesus akzeptiert. Und das tut Ihr doch. Man kann auch Götter, die man für bescheuert hält, als Erlöser akzeptieren.

Schliesslich erlaubte es sich selbst der Papst ans Bein Gottes zu pinkeln als er im April 2018 dem achtjährigen Emanuele erklärte, dass sein kürzlich verstorbener, atheistischer Vater natürlich im Himmel sei. Schliesslich habe er seine vier Kinder taufen lassen und er sei, wenn man Emanueles Wort Glauben schenken darf, ein guter Mensch gewesen. Gott lässt seine Kinder schliesslich nicht im Stich…
Aber natürlich lässt Gott seine Kinder im Stich. Nämlich dann wenn sie nicht genau das tun, was er von ihnen verlangt. (Es lässt sich sogar sehr genau beziffern, wie viele Seelen es sind, die er in Stich lässt: Stand heute mindestens 107’999’856’000123.) Der Papst hat dreist gelogen und damit erfreulich deutlich zum Ausdruck gebracht, was er persönlich von Gottes Plan hält. Also dürft ihr das sicherlich auch.

Zugegeben, eine solche Einstellungen wird wohl eine Zeit lang für dicke Luft im Himmel sorgen, aber selbst euer jähzorniger Gott wird sich irgendwann einmal beruhigen4.

Das heisst, als Christen braucht ihr euch tatsächlich nicht zwingend darüber zu freuen, dass ein Atheist in der Hölle schmort. Sind die Arschlöcher vielleicht also doch nicht Eure?
Aber als Christen dürft ihr euch darüber freuen. Es sind also doch Eure. Sorry.
Das heisst, dass selbst wenn ihr den Arschlöchern noch so vehement widersprecht (wonach es von aussen übrigens nicht aussieht5), sind es Eure. Ihr seht daneben einfach etwas netter aus.

Ihr beide akzeptiert Jesus. Und ihr beide glaubt, dass es eigentlich nur darauf ankommt. Und dass man allein dadurch gerettet wird. Und Ihr beide befürchtet, dass auch der jeweils andere dieses Kriterium erfüllt haben könnte – trotz eurer gegenseitigen Antipathie (ja, die Chance ist gross, dass auch sie Euch für unsympathisch halten) – und dass ihr euch im Himmel begegnen werdet.

Und vielleicht solltet Ihr auch noch folgendes bedenken: Ihr seid beide Mitglieder der grössten Religion. Was schätzt Ihr, zu einem wie grossen Teil verdankt sich die Popularität Eures Glaubens wohl der Qualität, die Ihr in diesem erkennt? Und zu einem wie grossen der Möglichkeit sich darin als Arschloch voll entfalten zu können? Hm?

Und genau das wirft die eigentliche Frage dieses Artikels auf:

Was wenn meine Seite nur dank der Arschlöcher gewinnt?

Stellen wir uns folgendes hypothetische Szenario vor: Ich möchte, dass der Staat sich aus möglichst allem raus hält. Damit würde ich tendenziell ins rechte politische Spektrum gehören. Anderen mag das eigentlich egal sein, ihnen ist nur wichtig, dass ihr Volk möglichst reinrassig bleibt. Auch diese Position ist traditionell im rechten Spektrum angesiedelt.
Das heisst, wenn es um die Auswahl der politischen Vertreter für die Regierung geht, dann ist die Chance gross, dass die Kandidaten, die sich dafür einsetzen wollen, dass sich der Staat aus allem raus hält, auch die Fantasien der Rassisten zu erfüllen versprechen.
Was, wenn erst eine solche unheilige Allianz dem Kandidaten den Sieg ermöglicht?

Im Idealfall würde ich mir natürlich eine Partei suchen, die den Staat aus allem raushalten will und die die kulturelle Vielfalt zu schätzen weiss. Wenn es aber eine solche Partei nicht gibt, muss ich im Interesse meiner primären Interessen (Staat hält sich aus allem raus) eben Abstriche bei meinen sekundären Idealen (Multikulti) in Kauf nehmen6.

Doch wie werde ich mich gegenüber der Umsetzung der Forderungen meiner arschigen Verbündeten verhalten? Von Forderungen, die meinen Überzeugungen zutiefst zuwiderlaufen, denen ich aber mit meier Stimme den Weg bereitet habe. Was muss, resp. kann ich tun?
Oder würde ich deren Gefahr verharmlosen?

Ich meine, natürlich sind die Gefahren, die von einer Idee ausgehen, nie wirklich so gross, wie von den Gegnern befürchtet. Doch sind sie auch nie so vernachlässigbar, wie von den Befürwortern beteuert. Da frage ich mich dann aber, wo auf diesem Spektrum befinde ich mich wohl als Gegner, wenn ich in einer unheiligen Allianz mit den Befürwortern stecke? Ich glaube nicht in der Mitte.

Wenn ich also möglicherweise blind bin für die Arschlochigkeit meiner Verbündeten und folglich auch für die Absurdität ihrer Argumente, wie finde ich dann raus, dass Arschlöcher und die von mir tolerierten Ansichten verwerflich sind?
Woran erkenne ich, dass ich auf der falschen Seite stehe?

Das ist knifflig. Aber ich persönlich habe zumindest das Gefühl auf der gleichen Seite mit meinen Idolen zu stehen. Und auf der gegenüberliegenden Seite der Arschlöcher.
Das ist natürlich noch keine Garantie dafür, dass ich richtig liege, denn die, die meine Position gut repräsentieren, sind immer Helden und die Gegner immer Arschlöcher.

Aber nun ja, wenigstens stehe ich auf der gleichen Seite wie Stephen Hawking und auf der gegenüberliegenden von denen, die sich darüber freuen oder es auch nur für gerechtfertigt halten, dass er in der Hölle schmort. Und das ist zumindest schon etwas.

Wie ist es bei euch, liebe gemässigte Christen, nagt es nicht manchmal ein klitzekleines Bisschen am Vertrauen in Euren Glauben, dass es bei euch andersrum ist? Und würdet ihr im Himmel nicht lieber Stephen Hawking begegnen als diesen Arschlöchern? Hm?

Rumpeldipumpel, Eda

Föten-Seelen

Meine unheilige Allianz mit den christlichen Fundis geht in die 2. Runde. Wir teilen noch immer die Meinung, dass Gott (ungeachtet dessen, ob es ihn gibt oder nicht) etwas gegen Abtreibung hat. Doch nun sind neue Informationen aufgetaucht, die ein etwas anderes Licht darauf werfen, warum er etwas dagegen hat.

Ich ging bei meinem Argument etwas übermütig gutmütig davon aus, dass die Seelen ungetaufter Föten und Babies und Kleinkinder direkt in den Himmel kommen und dass Gott das mit dem Verbot der Abtreibung lediglich zu unterbinden versucht um den Himmel vor einer Frühchenflut zu schützen.
Damit habe ich schon recht, doch erst seit dem 20. April 2007. Davor landeten sie im Limbus puerorum (auch Limbus infantium genannt), der Vorhölle, wo diese je nach sadistischer Neigung des gerade amtierenden Kirchenvaters abgesehen vom obligaten „Verlust der Gottesschau“ auch mehr oder weniger zu leiden hatten.1
Diese zeitliche Einschränkung relativiert mein Argument tatsächlich ein bisschen, weil Abtreibungen demzufolge früher nicht den Himmel sondern lediglich die Vorhölle mit Föten-Seelen überschwemmten, was aber Gott eigentlich egal sein konnte, waren diese ja ausserhalb seines Blickfeldes (vgl. Verlust der Gottesschau).
Folglich hat Gott eben erst seit dem Frühjahr 2007 so richtig etwas gegen die Abtreibung. Davor war es lediglich das Trötzeln eines angepissten, allwissenden Wesens, das voraussah, dass an diesem Tag der laut Antonio Manetti 87.5 Quadratmeilen grosse und zu diesem Zeitpunkt wohl etwas überquellende Limbus umgezont und die Personenfreizügigkeit mit dem Himmel eingeführt wird. Für ein Paradies, das laut Offenbarung selbst nur für 144’000 Insassen ausgelegt ist, ist das schon ein einschneidendes Ereignis am Beginn der Ewigkeit.
Soweit aber noch nichts wirklich neues.

Dann aber tauchte folgende Meme in meiner Timeline:

Und mir wurde klar, dass nicht nur von den abgetriebenen Föten die Rede ist, sondern von jedem einzelnen Spermium!

Und das wirft ein mathematisches Problem auf: Ein Mann produziert in seinem Leben etwa 500 Milliarden Spermien. Eine Frau fängt mit 6 bis 7 Millionen Eizellen an, von denen zum Zeitpunkt der Geburt nur noch 1 bis 2 Millionen übrig sind und mit dem Beginn der Pubertät nur noch rund 300’000. Und von diesen schaffen im Laufe des Lebens nur etwa 500 den Eisprung. Man könnte jetzt theologische Diskussionen führen, ob die durchschnittliche Frau damit 498 ½ oder 6 bis 7 Millionen ungeborene Seelen in den Limbus schickt, uns interessiert hier aber, dass es für eine Seele ja je ein Spermium und eine zu diesem seelenverwandte Eizelle braucht2. Es also mindestens knapp 72 Tausend mal mehr Frauen geben müsste als Männer um für jedes T(r)öpfchen sein Deckelchen zu finden. Die 72 Jungfrauen sind ein Schritt in die richtige Richtung, reichen aber bei weitem nicht!

Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Beim Masturbieren wird das schnellste Spermium um seine Schicksalseizelle (kurz Schickse?) gebracht. Das ist eine verlorene Seele. Wer sind aber die Millionen, von denen im Meme sonst noch die Rede ist?
Für das zweitschnellste Spermium ist ja kein Ei mehr da. Und sich anderswo danach auf die Suche zu machen, erscheint mir ein bisschen unrealistisch…
Ich glaube daher, dass das nur heissen kann, dass es keine Schicksen gibt, sondern dass alle Seelen in die Hölle fahren, die theoretisch hätten entstehen können. Und das sind pro Eisprung und Samenerguss 20 bis 150 Millionen. Da man aber Eizellen und Spermien einfrieren kann und damit auch „asynchrone“ Seelenkombinationen zeugen kann, können wir eine Kopulation nicht gesondert anschauen.

Wieviele Seelen klopften also allein schon aufgrund von Adam un Eva an die Limbus/Himmelspforte?

500 Milliarden von Adams Spermien mal 2 Millionen von Evas Eizellen sind eine Trillion (1018 ) Seelen (die eine Hälfte männlich, die andere weiblich, die queere Geschlechter ignorieren wir jetzt mal getreu der christlichen Tradition).

Und da potentielle Seelen wie das Meme nahelegt als reale Seelen betrachtet werden, müssen wir dieses Spiel auch in den folgenden Generationen fortsetzen: Eine halbe Trillion Seelen mit je 500 Milliarden Spermien mal eine halbe Trillion Seelen mit je 2 Millionen Eizellen macht eine Sextillion (1036) Seelen in der Generation von Kain und Abel.
In der dritten Generation eine Nonillion (1054).
In der vierten eine Duodecillion (1072).

Die Reihe ist einfach fortzusetzen. (Intergenerationelle Techtelmechtel schliessen wir jetzt mal aus. Nicht weil die Bibel etwas dagegen hätte, sondern um es rechnerisch nicht ausufern zu lassen.)

Wohlgemerkt, das sind die Seelen, die pro Generation bei Petrus vorsprechen!
Das Gute ist, dass bei einem solchen Zuwachs das aufsummieren getrost ignoriert werden kann.

Das könnte übrigens vielleicht auch erklären, warum Gott nach ca. 2000 Jahren die Sintflut auf die Welt losgelassen hat: Es wurden einfach zu viele Seelen. Selbst für die Vorhölle. Nochmals mit 2 Leuten neu anzufangen, würde Gott 2000 Jahre Zeit verschaffen um sich was auszudenken…
Und 2000 Jahre nach der Sintflut kam Jesus!

Jesus is always the answer…

Wir können also festhalten:

  • Das Leben fängt nicht mit der Befruchtung an, ja noch nicht mal mit dem Glanz in den Augen der Eltern (oder zumindest des Vergewaltigers), sondern mit dem Leben selbst.
  • Abtreibung ist weniger Mord als vielmehr Verdammnis.
  • Desgleichen Masturbation, Menstruation und vorbildlich keusches Zölibat.
  • „Seid fruchtbar und mehrt euch“ ist der Auftrag von den 500 Milliarden potentiellen Seelen beim Mann und von den 6 bis 7 Millionen potentiellen Seelen bei der Frau aus Liebe zu Gott so viele wie möglich zur Welt kommen zu lassen und ihnen damit den Weg in die Hölle zu ebnen, weil: Ist man erst geboren, ist der Himmel schon verloren.

Disclaimer: Natürlich vertritt niemand ernsthaft die Ansicht, dass man mit der Masturbation Millionen von Seelen in die Hölle schickt. (Ob man das früher tat, will ich indessen nicht grundsätzlich ausschliessen.)
Doch irgendwie wird dennoch intuitiv angenommen, dass die Verschwendung von Samen Verschwendung von Leben ist. Und dass irgendjemand deswegen wird leiden müssen.
Und selbst diejenigen, die es eigentlich besser wissen und sich im Klaren darüber sind, dass hier jemand wohl ein klitzekleines bisschen übers Ziel hinaus geschossen ist, verteufeln dennoch weiterhin die Masturbation als ob sie Vergeudung von Leben wäre, und sei es auch nur von potentiellem.

Ich frage mich aber schon: wenn eine extreme Extrapolation einer Theorie zu absurden Ergebnissen führt, kann dann eine moderaten Extrapolation trauen?

Meine unheilige Allianz mit den christlichen Fundis

Klar kümmern ihn die Föten!!!

Davon bin ich genauso überzeugt wie es die Gläubigen sind!1

Bloss aus gänzlich verschiedenen Gründen:
Sie, weil es ihrer Ansicht nach die einzig richtige Position ist für einen lieben (und naiven und jähzornigen) Gott.
Ich dagegen aufgrund folgenden Kalküls: Was passiert mit den Seelen der abgetriebenen Föten? Sie kommen natürlich schnurstracks in den Himmel2. Und indem Gott die Abtreibung verbietet, verhindert er, dass der Himmel von Föten-Seelen3 überschwemmt wird. Nun ja, mit dem Verbot bringt er den Strom natürlich nicht völlig zum Versiegen, denn bei fast der hälfte aller befruchteten Eizellen kommt es zu einem Abgang, aber jede Seele zählt…

Gott erschuf die Welt und als er die Menschen sah, sprach er:
„Gut und jetzt muss ich mir überlegen, wie ich verhindern kann, dass ich mit denen die Ewigkeit verbringe.“
Und so nutzt er den Umstand, dass nichts den Zutritt zum Himmel zuverlässiger verhindert als das Leben selbst.

Baskisch

Das Baskische ist nach dem überwiegenden Urteil der einschlägigen Forschung mit keiner anderen bekannten Sprache genetisch verwandt. Es wäre also eine sogenannte isolierte Sprache, während alle anderen heutigen Sprachen Europas zu einer größeren Sprachfamilie gehören: entweder zu den indogermanischen, den uralischen, den Turksprachen oder – wie das Maltesische – den semitischen Sprachen.

Baskische Sprache (Wikipedia)

sprich:

Trotz all der Tinte, die auf seine genetische Verwandtschaft in den letzten hundert Jahren verwendet wurde, ist die Sache immer noch unklar.

R. P. G. Rijk (1992)

Schon als ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf den Expansionsbestrebungen Roms einen Strich durch die Rechnung machte, wurde nördlich und südlich der Pyrenäen und in weiten Teilen Nordspaniens nachweislich baskisch gesprochen. Wie die Sprache aber entstanden sein könnte, kann sich bis heute keiner erklären.

Und dabei liegt die Sache klar auf der Hand: Abgesehen von Aquädukten, Medizin, Erziehung, öffentlicher Ordnung, Bewässerung, Straßen und Volksgesundheit haben die Römer nie irgend etwas für die Menschen in den eroberten Gebieten getan. Kein Wunder also, dass die Menschen auf jede erdenkliche Art Widerstand geleistet haben. In Judäa erfand eine Frau das Christentum um von einem Seitensprung mit einem römischen Tesserarius abzulenken. Und die Basken erfanden eben eine Geheimsprache um den Legat der 4. Legion lästern zu können.
Es war eine kreative Zeit. Aber auch eine vergessliche, insbesondere was den Grund für das Dasein der Dinge betraf.

Baskisch ist also schlicht und einfach sowas wie das Klingonisch der Antike.

Jeder Linguist erkennt natürlich auf den ersten Blick, ob eine Sprache konstruiert ist. Doch nachdem eine künstliche Sprache zweitausend Jahre als Muttersprache verwendet wurde, wird sie sich dermassen eingeschliffen haben, dass sie von einer natürlichen Sprache nicht mehr zu unterscheiden ist.

Ich frage mich, für wie viele Sachen, die aus Jux erschaffen wurden, später andere Leute sterben mussten, weil man vergessen hat, dass es ursprünglich gar nicht ernst gemeint war?