Eda Gregr
10.04.2016 um 20:22

[…] und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.
Matthäus 10:39

Auf einen Märtyrer trifft das zu.
Auf einen Kreuzritter, der in der Schlacht stirbt, aber auch.
Und eigentlich auch auf den vom Kreuzritter Erschlagenen, weil er durch ein um Jesus willen geschwungenes Schwert starben.

Ob das, was ich einer Sache willen tue, wirklich der Sache förderlich ist, spielt keine Rolle, solange ich überzeugt davon bin, dass sie es doch ist. Es geht allein um die Motivation und die kann durchaus auch auf einem Irrtum beruhen.
Ich kann Schokolade essen um anzunehmen. Ergo kann ich der Schlankheit willen Schokolade essen – zumindest so lange ich keine Zweifel an der Seriosität der zugrunde liegenden Studie hege. Sobald ich Grund habe an ihr zu zweifeln, beispielsweise weil ich einen Artikel lese, der auf die Mängel der Studie hinweist, esse ich die Schokolade nicht mehr Wirklich der Schlankheit willen, sondern eher meiner Lust willen.

Die Frage ist also jeweils, wie nahe es liegt, dass eine bestimmte Handlung im Sinne von Jesus stattfindet.
Ich kann seinetwillen einem Verletzten helfen, weil ich denke, dass er mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter genau da von uns erwartet.
Ich kann seinetwillen eine Kirche bauen, weil ich glaube, dass Jesus das freuen wird. Dass es Stellen in der Bibel gibt, die etwas anderes nahelegen könnten, kann man im Angesicht der vielen Kirchen, die überall rumstehen, glatt übersehen.
Ich kann seinetwillen einen Schwuler töten, weil ich weiss, was er von Homosexualität hält und dass er an den alttestamentarischen Gesetzen erst mal nichts zu ändern beabsichtigte.

Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob ich seinetwillen in die Welt ziehen kann um die Heiden zu bekehren.
Da gibts natürlich den Missionsbefehl in Mt 28:16-20 und von daher wird er sich sicher über meinen Versuch freuen. Selbst dann, wenn ich keinen Erfolg haben sollte.
Im Endeffekt geht es dabei aber um die Rettung der verlorenen Seelen. Natürlich freut sich Jesus über jede gerettete Seele. Jedoch nicht um seiner selbst willen, beispielsweise weil er damit ein populärer Gott geworden ist, sondern vor allem um der geretteten Seele willen.
Und etwas um etwas anderes Willen zu tun, ist doch eigentlich es gleich um des anderes Willen zu tun1.

Wie dem auch sei, etwas seinetwegen zu tun ist toll. Das ewige Leben bringt es aber nur dem, der dabei drauf geht.
Und wie es klingt, tut es das garantiert.
(Könnte man auch sagen, die Motivation heiligt die Mittel und rettet die Opfer?)

Man muss bloss wirklich felsenfest überzeugt davon sein.
Und in den Zustand der absoluten Gewissheit verfällt man bekanntlich viel zu leicht2.
Doch Vorsicht! Egoistische Motive haben hier absolut keinen Platz, denn die machen aus einem seinetwillen sofort ein meinetwillen!

Und das wirft eine heikle Frage auf: Wenn der Märtyrer aufgrund des oben Zitates darum weiss, dass ihm ein Märtyrertod die himmlischen Pforten öffnen wird, und ihm das Trost und Linderung in seinen Qualen schenkt, tut er es dann wirklich noch um Jesus willen oder doch vielleicht bloss um seiner selbst willen?
Auch beim in der Schlacht gefallenen Kreuzritter kommt dieser Verdacht auf, schliesslich nahm ihm dieses Wissen die Angst vor dem Tod, was in einer Schlacht durchaus ein Vorteil sein kann, aber wenigstens plante er nicht zu sterben, respektive schlug nicht die Möglichkeit aus nicht zu sterben, wie es Märtyrer in der Regel tun.
Die besten Karten haben hier aber zweifellos die von den Kreuzrittern Erschlagenen. Die starben um Jesus willen, wussten aber nichts von ihrem Glück, insofern sind egoistische Motive ausgeschlossen.
Die von den Kreuzrittern Erschlagenen haben aber noch ein weiteres Ass im Ärmel: Sie starben auch um Allahs willen! Sie zogen schliesslich in die Schlacht, weil sie dachten, Allah wolle es so. Und auch Allah belohnt seine Streiter, die auf dem Schlachtfeld fallen. Also kriegen die von den Kreuzrittern Erschlagenen zusätzlich zum christlichen Paradies auch noch ihre 72 Jungfrauen!

 

 

Catch 44: Wenn jemand einen anderen Menschen tötet und behauptet es im Auftrag Gottes getan zu haben, dann verschafft er dem Getöteten den Freipass in den Himmel. Was aber, wenn das gelogen war? Macht das einen Unterschied für den Getöteten? Und wer erklärt es ihm dann vor dem jüngsten Gericht?

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Eda Gregr
01.04.2016 um 10:28

Wenn man religiöse Leute fragt, woher sie ihre Gewissheit haben, erwidern sie ziemlich oft, dass sie ein Wunder erlebt haben. Meist in der Form von einer Sucht, von der sie befreit worden seien.
Ich bezweifle nicht, dass es ein wunderbares Gefühl sein muss, endlich frei zu sein. Und im Angesicht all der früheren Anstrengungen, die sie bis dahin erfolglos auf sich genommen haben, überrascht mich auch nicht, dass sie es sich nur noch durch die Intervention eines übernatürlichen Wesens erklären können. Nichtsdestotrotz braucht das nicht wirklich die einzig mögliche Erklärung gewesen zu sein.
Es stimmt schon, die Befreiung von der Sucht fand zeitgleich mit dem Finden von Gott statt. In solchen Fällen stellt man gern eine Kausalität her. Doch objektiv betrachtet, fanden zu dem Zeitpunkt auch noch ganz andere Dinge statt, so dass die Kausalität auch ganz woanders liegen könnte.

Schauen wir uns an, was Johann Hari zum Thema Sucht zu sagen hat:

[…] maybe we shouldn’t even call it addiction. Maybe we should call it bonding. Human beings have a natural and innate need to bond, and when we’re happy and healthy, we’ll bond and connect with each other, but if you can’t do that, because you’re traumatized or isolated or beaten down by life, you will bond with something that will give you some sense of relief. Now, that might be gambling, that might be pornography, that might be cocaine, that might be cannabis, but you will bond and connect with something because that’s our nature. That’s what we want as human beings.
Johann Hari, 6:03

Als Gott in sein Leben getreten ist, tat er es nicht alleine. Es war eine Gemeinschaft, die an den Süchtigen herangetreten ist. Sie nahm ihn auf und kümmerte sich um ihn. Sie gab ihm die Bindung, die ihm Erleichterung verschaffte. Und wenn man Hari glauben darf, dann reicht das allein schon um das „Wunder“ zu vollbringen. Gott braucht dafür nicht real zu sein.
Okay, manchmal findet ein Süchtiger auch ohne Anreiz von aussen zu Gott, schliesslich gilt Gott (ob zu recht oder unrecht, sei mal dahin gestellt) als ein patentes Heilmittel gegen alle Art von Beschwerden. Ein verzweifelter Suchender wird daher früher oder später auch mal diese Option probieren. In diesem Fall tauscht er eben etwas, das ihm Erleichterung verschafft gegen etwas anderes das ihm Erleichterung verschafft. Ob es Glücksspiel ist oder Pornographie, Esoterik oder ein imaginärer Freund, macht da keinen allzu grossen Unterschied. Auch hier braucht Gott dafür nicht real zu sein.

Dem Menschen ist das Bindungsbedürfnis angeboren. Wie er es befriedigt ist eigentlich egal, so lange es nur befriedigt wird. Bloss dass gewisse Formen gesünder sind und andere ausgesprochen schädlich. Die Bindung zu Menschen ist sicherlich die beste, allein schon auch deshalb, weil sie einen immer wieder auf den Boden zurück bringen, während Ideen und imaginäre Freunde einem auch beim absurdesten Vorhaben nicht Einhalt gebietet.

Und wenn es doch Gott war, der einen von der Sucht befreit hat, dann scheint er mehr Wert darauf zu legen, dass man in einer spannenden Umgebung lebt, welche einem viele Möglichkeiten bietet mit Artgenossen eine Bindung eingeht, als dass man ihn akzeptiert oder auch nur an seine Existenz glaubt (was eine Ratte wohl nicht tut). Sprich, er stört sich nicht am Atheismus, dafür aber unterstützt er vehement die Entkriminalisierung von Drogen – was er durch die Platzierung von Wundern unmissverständlich zum Ausdruck bringt1.

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Eda Gregr
28.03.2016 um 22:27

Hans ist ein netter Kerl. Er hilft gern anderen Menschen. Deshalb lernte er, wie man Menschen repariert. Insbesondere Beinbrüche. Weil er viel von der Sache versteht und sich mit seinen Kollegen austauscht, weiss er, dass nicht alle Beinbrüche gleich sind. Die meisten sind problemlos und gut behandelbar, bei manchen ist es aber schwieriger. Und hie und da, das lässt sich leider kaum vermeiden, kommt es zu bedauerlichen Komplikationen. Und weil er – wie gesagt – viel von der Sache versteht, kennt er sogar die Wahrscheinlichkeiten der Problemlosen, der Schwierigeren und der Komplikationen. Und diese Wahrscheinlichkeiten werden sich in seinen Akten, die er gewissenhaft führt, wiederspiegeln.
Wenn sich die Erfolgsrate in seinen Akten nicht mit jenen der von ihm angegebenen (und von seinen Kollegen bestätigten) Wahrscheinlichkeiten deckt, dann kriegt er Ärger. Wenn seine Erfolgsrate markant tiefer liegt, mit dem Gesetz, weil er offensichtlich ein Scharlatan ist, wenn markant höher, mit Big Pharma (just kidding).

Auch Fritz, der Autos liebt und repariert, kriegt Ärger mit dem Gesetz, wenn die Rate der nicht korrekt geflickten Autos das von ihm geschätzte Mass nicht erreicht.

Und Sepp ebenfalls, der Menschen bei ihren psychologischen Problemen hilft, wenn seine Patienten nicht die Fortschritte machen, die eigentlich hätten erwartet werden müssen.

Selbst der Schäfer Heini kann Ärger mit dem Gesetz kriegen, wenn seine Schafe sich am Salat des Nachbarn gütlich tun.

Wenn ich nun aber Heini bitte mein Auto zu reparieren, Sepp mir mein Bein zu schienen, Fritz mir bei meinen psychischen Problem zu helfen und Hans sich um die Schafe zu kümmern, dann sind meine rechtlichen Möglichkeiten im Fall von einem katastrophalen Ergebnis eher beschränkt, denn keiner von ihnen bezeichnete sich als Experte in dem Feld, in dem ich mir von ihnen Hilfe erbat.

Man ahnt wohl schon, in welche Richtung es jetzt gehen wird: Auf welchem Feld sind wohl Priester Experten? Zumindest nach ihrer Selbstdeklaration in Sachen Seelsorge und angewandte Moral – deshalb werden sie im Fernsehen auch immer dann zu Rate gezogen, wenn es um moralische Fragestellung geht. Ergo müssten sie dann doch eigentlich auch haftbar sein für die Fehltritte ihrer Schäfchen.
Nach Auffassung so gut wie aller Religionen, ist es Gott, welcher das Fundament der Moral darstellt und die heiligen Bücher unter Anleitung der Priester vermitteln diese den Menschen. Das heisst, nur aufgrund der heiligen Schriften und der helfenden Hand der Schriftgelehrten lernen die Menschen was gut und was böse ist1. Die Hilfe der Experten ist dabei unumgänglich, weil in den heiligen Schriften auch moralische Urteile und Anweisungen zu finden sind, welche inzwischen als obsolet betrachtet werden2 3 4 5 6 7 8 . . . . . . . . . . . . . .. Und deshalb könnte der eifrige Schüler ohne die Hilfe der Experten auf die Idee kommen, diese auch heute noch wortwörtlich umzusetzen.

Was aber, wenn einer der Schüler eines Priester tatsächlich anfängt Schwule, Gotteslästerer und Andersgläubige zu töten? Sollte der Priester dann nicht vor Gericht gestellt werden?

Hat der Priester ihn dazu gebracht?
Wenn ja: ab ins Gefängnis wegen Anstiftung zum Mord (Art. 24 StGB)
Wenn nein: ab ins Gefängnis wegen Unterlassung der Nothilfe (Art. 128 StGB)

Aber man kann doch einen Priester nicht dafür verantwortlich machen wollen, wenn jemand, den er womöglich noch gar nie gesehen hat, der aber zufällig in seiner Gemeinde lebt, ein Verbrechen im Namen seines Gottes verübt. Oder vielleicht doch? Die Kirche kriegt Geld vom Mörder, der Mörder wird in den Akten der Kirche geführt und die Zahl der Akten legitimiert ein besonderes Mitspracherecht bei moralischen Fragestellungen.
Durch das Akzeptieren seines Geldes geht die Kirche einen Vertrag mit dem Mörder ein und übernimmt dadurch Verantwortung für dessen moralische Entwicklung.
Die Kirche kann sich nicht damit brüsten das beste Heilmittel zu besitzen, während sie alle, bei denen es nicht anschlägt, einfach aus der Kartei wirft.
Man hat seine Akten gewissenhaft zu führen und nur das Geld von denen zu akzeptieren, deren Werdegang man auch gewissenhaft betreuen kann!

Ausser natürlich die Kirchen verstehen sich als sowas wie der Touring Club. Man bezahlt ihnen Beträge und wenn man mal vom Weg abkommt, ziehen sie einen wieder aus dem Schlammassel. Und – tadaaa – man ist sie los, die Verantwortung über den Fahrstil seiner Mitglieder. Selbst dann, wenn sich der Täter ganz genau an die Anweisungen im Betriebshandbuches hält und von offizieller Seite her eingeräumt wird, dass die Lektüre alleine zum wahren, friedliebenden Verständnis wohl nicht reicht.

Ja, das juristische Selbstverständnis der Religionen ist inzwischen9 eher jenes von Versicherungen oder Waffenhändlern als das von Ärzten oder Schäfern.

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Eda Gregr
15.03.2016 um 14:16

granter_oel_veloWenn Veloketten quietschen, gehören sie geölt.
Doch das ist nicht wirklich nachhaltig.
Deshalb Granter-Öl!
Ein Kästchen mit Granter-Öl neben der Kette montiert
und sie läuft auf immer und ewig geschmeidig und energetisiert.
Darauf geben wir Ihnen unser Wort.

Wir führen auch Motoren-Granter-Öl, Sonnen-Granter-Öl
und Oliven- und Raps-Granter-Öl für eine gesunde und fettfreie Ernährung.

 

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Eda Gregr
26.02.2016 um 10:17

Es gibt zwei Arten von Gästen: die, dich ich auch mal besuchen kann, und die, die mich dafür bezahlen, dass ich es nicht tue. Abgesehen davon, gibt es keine Unterschiede. Sie brauchen weder im Haushalt zu helfen, noch sich Sorgen zu machen, dass ich über ihre Witze nicht lache.
Ian Hazelwood

In den Kommentarspalten zu Artikeln über die Durchsetzungsinitiative liest man oft, dass wenn sich ein Gast nicht benimmt, es nur recht und billig sei, ihn vor die Tür zu setzen.

Hm… Ist es nicht in gewissem Sinne die Pflicht der Gäste sich ein bisschen neben der Spur zu bewegen? Schliesslich sind sie ja „Fremde“, was sich eben genau durch ihr anderes Verhalten äussert. Und genau deshalb beherbergen wir sie ja, um ein bisschen mit dem Exotischen konfrontiert zu werden und idealerweise unsere etwas eingefahrene Vorstellungen zu hinterfragen. (Oder einfach um bessere Geschäftsbedingungen zu schaffen…)
Und mal abgesehen davon ermöglicht es uns, wenn wir selbst mal irgendwo Gäste sind, auch etwas neben der Spur zu sein…

Nicht umsonst ist das Gastrecht eines der ältesten Gesetze überhaupt. Und ich würde sogar kühn behaupten, auch eins der effektivsten. Dass man nicht töten oder stehlen soll, braucht man einem nicht erst zu erklären. Das ist selbstredend. Dass es von Vorteil sein kann, einem Fremden sicheres Geleit zu gewähren und ihm gegenüber tolerant zu sein, ist dagegen nicht mehr so intuitiv. Und doch ist genau dies stets der erste Schritt, wenn man sich zusammen setzt und miteinander zu reden beginnt.

Wieviel neben der Spur man sich zu bewegen erlauben darf, ist natürlich eine andere Frage, doch meines Erachtens stellt sich die im Kontext der Durchsetzungsinitiative gar nicht, denn Ausländer, die hier den grössten Teil ihres Lebens verbracht haben, sind nicht mehr wirklich Gäste.

Gehört man nicht irgendwann einmal zum Inventar?

Ich denke, der exakte Zeitpunkt, ab welchem man nicht mehr bloss Gast in einem Land ist, ist, wenn man seinen Wohnsitz nach Art. 23 ZGB in diesem Land bezieht. Je nach Aufenthaltsbewilligung darf man mehr oder weniger arbeiten, Militärdienst leisten und abstimmen, ansonsten aber geniesst man die exakt gleichen Pflichten und Rechte wie jeder andere Schweizer auch.

Man könnte einwenden, dass die Schweiz (wie wohl auch so gut wie jedes andere Land) mit diesen Einschränkungen gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verstosse. Laut Artikel 23 hat nämlich jeder das Recht auf Arbeit, dies beinhaltet keinen individuellen Anspruch auf einen Arbeitsplatz, sondern das Recht auf einen Schutz vor unverschuldeter Arbeitslosigkeit – wie hier aufgrund des fehlenden Schweizer Passes, da man zufälligerweise irgendwo anders zur Welt kam oder Eltern hat, die zufälligerweise irgendwo anders zur Welt kamen. Laut Artikel 21 hat jeder das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken, sprich zu wählen – was Ausländer aber nicht dürfen. Und laut Artikel 20 darf niemand gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören – in diesem Fall wird dies gegenüber den Schweizer Männern verletzt, da diese unter Androhung von Konsequenzen gezwungen werden der Vereinigung Armee anzugehören.
Doch da die Verweigerung der in den Artikeln 23 und 21 erwähnten Rechte offensichtlich durch das exklusive Recht, nicht dem Militärverein angehören zu müssen, kompensiert wird, hat wohl alles schon seine Richtigkeit. Und überhaupt geht es, wie sich kürzlich mal jemand im Zusammenhang mit der Durchsetzungsinitiative geäussert hat, nun langsam wirklich zu weit mit den sich ständig ausweitenden Menschenrechten!

Hört man sich bei den Befürwortern der Durchsetzungsinitative ein bisschen um, so erfährt man, dass abgesehen davon, dass Unschuldigen eh keine Ungemach droht, Ausländer sich auch längst hätten einbürgern lassen können. Und dass sie das nur deshalb nicht tun, weil sie sich vor dem Militärdienst drücken wollen. Und dass wer nicht bereit sei im Notfall Blut für die Schweiz zu vergiessen, nun mal nicht wie ein Schweizer behandelt werden könne.

Das stimmt schon, wenn die Ausländer den Schweizer Pflichten nicht nachkommen, dann müssen sie mit Konsequenzen rechnen genau wie auch jeder Schweizer bei Pflichtverletzung mit Konsequenzen zu rechnen hat. Dass die Ausländer nicht Militärdienst leisten dürfen, spielt hier keine Rolle, denn sie könnten, weil sie müssten, wenn sie Schweizer werden würden, wenn sie wollten.
Und im Moment bestehen diese Konsequenzen eben aus dem Verbot zu wählen und in Zukunft im Falle einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit in besonderem Masse aus einer kompromisslosen Abschiebung1.

Bloss, dass Schweizer Männer, die sich vor derselben Pflicht drücken (die Unfähigen und die Memmen also), weder Stimmverlust noch Landesverweis fürchten müssen. Bei ihnen ist es mit einem Wehrpflichtersatz getan.
Und Frauen müssen gar nicht erst ins Militär2 und brauchen wie die Ausländer auch keinen Wehrpflichtersatz zu zahlen. Ergo haben Ausländerinnen exakt die gleichen Pflichten wie die Schweizerinnen, aber nicht die gleichen Rechte – was, wie mir scheint, irgendwie nicht ganz koscher ist3.
Witziges Detail nebenbei: Während Frauen und Männer in der Schweiz vor dem Gesetz nicht wirklich gleich sind, es sei hier als Beispiel nur die Wehrpflicht angeführt, sind männliche und weibliche Ausländer in der Schweiz vor dem Gesetz zumindest im diesen einen Punkt gleicher, ergo einen Schritt voraus.

Wieso verlangen wir eigentlich nicht von jedem, der nicht Militärdienst leistet, den Wehrpflichtersatz? Egal ob Mann oder Frau oder Schweizer oder Ausländer. Zu diesem Wehrpflichtersatz müsste – schliesslich geht es beim Militär um die Bereitschaft Blut zu vergiessen – natürlich auch noch eine Blutspende-Pflicht hinzu kommen!4

Okay, das nahm jetzt eine selbst für mich überraschende Wendung.

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Eda Gregr
18.02.2016 um 12:46

Für viele Vegetarier hat der Entscheid zum Verzicht auf tierische Produkte auch mit dem Karma zu tun1. Und wo Karma drauf steht, ist die Reinkarnation in der Regel nicht weit. Hier also meine Frage an die Wiedergeburtsgläubigen, die zugunsten ihres Karmas auf Fleisch verzichten:

Pfuscht ihr damit nicht im Heilsplan rum? Keinem Tier etwas zuleide tun, ist natürlich nett und kommt sicherlich auch dem Karma zugute, doch als Tier zu leben hat doch eine bestimmte kathartische Funktion. Man soll während dieser Zeit etwas lernen, was einem aber, wenn die Tierhaltung paradiesische Züge annimmt, wohl oder übel verwehrt bleibt. Traditionell unmenschlich gehalten und gegessen zu werden, ist womöglich eine Pflichtlektion fürs Nirwana, die mit zunehmendem Vegetarismus weniger und weniger angeboten wird.
Tiere gut zu behandeln hilft den eigenen Karma, verhindert aber das das karmische Weiterkommen der im Tier reinkarnierten Seele. Ist das nicht ein bisschen egoistisch? Und schadet skrupelloser Egoismus nicht dem Karma?

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Eda Gregr
15.02.2016 um 00:15

Jetzt mal ungeachtet dessen, ob sie doch funktioniert, so frage ich mich, wieso sich jemand auf sowas wie Geomantie einlässt, wenn die Fachwelt dies in aller Deutlichkeit als Humbug abtut?

Ich meine, wenn mir ein Mykologe erklärt, dass die zyklischen Oligopeptide vom Amanita phalloides dessen Verzehr zu einem tödlichen Unterfangen machen, dann würde mir doch nicht im Traum einfallen, mir zum Abendessen ein grünes Knollenblätterpilzragout zu kochen.
Ich würde selbst dann lieber die Finger von diesen Pilzen lassen, wenn mir die alte Pilz-Oma mit der Warze auf der Nase und dem schwarzen Kater auf dem Buckel1, die mir die Pilze zum Verkaufen anbietet2, versichert, dass diese ganze Giftpilzparanoia bloss Propaganda der Champignon-Lobby sei. Und ich würde auch dann nicht meine Meinung ändern, wenn die Hexe zum Nachweis der Harmlosigkeit an einem der Pilze knabbern würde – weil mir besagter Mykologe auch gesagt hat, dass für eine tödliche Dosis des Giftes etwa ein ganzer Pilz nötig sei und dass die ersten Symptome einer Vergiftung erst 8 bin 12 Stunden nach dem Verzehr auftreten.

Wieso also vertrauen so viele der Geomantie und dem anderen esoterischen Humbug?
Nur weil es nicht ganz so tödlich ist?3
Der Konsum vom Amanita muscaria verursacht ½ bis 3 Stunden nach dem Verzehr Verwirrung, Sprachstörungen, Ataxie, starke motorische Unruhe, Mydriasis, Mattigkeit und dann einen 10 stündigen Tiefschlaf. Er ist also nicht ganz so tödlich. Nichtsdestotrotz lässt man4 die Finger vom Fliegenpilz-Risotto.
Und wenn der Pilzkontrolleur uns erklärt, dass der Pilz zwar nicht giftig, aber ungeniessbar sei, belegen wir dann unsere Pizza mit Unverschämten Ritterlichen? Das bezweifle ich.

Wieso vertrauen wir den Pilzwissenschaften selbst in harmlosen Fällen, den Erdwissenschaften, die eigentlich prädestiniert dazu wären gewisse Behauptungen der Geomantiker auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, aber nicht mal in den krassen?

Weil man gute Erfahrungen damit gemacht hat?
Das mag schon sein, doch die Frage war nicht, wieso man an etwas festhält, das Fachleute für Scharlatanerie halten, sondern wieso man sich überhaupt erst darauf eingelassen hat.

Weil es eine schöne Idee ist?
Das mag durchaus stimmen, doch nur weil etwas schön ist, muss es noch lange nicht wahr sein. Natürlich ist es eine schöne Idee, Einhörner im Garten zu halten, doch werde ich mir deswegen nicht gleich einen Jahresvorrat Einhornfutter von der Hexe andrehen lassen. Wenn schon, dann sollte ich mir zunächst eine Einhornfalle kaufen. (Nein, ein Jahresvorrat Einhornfutter lockt keine Einhörner an!)

Weil alle jetzt akzeptierten Überzeugungen anfangs für nachweislich falsch gehalten wurden?
Das stimmt, doch die allerallerallermeisten Überzeugungen, die anfangs für nachweislich falsch gehalten wurden, werden auch heute noch für nachweislich falsch gehalten.
Hinzu kommt: Wer wird wohl am besten beurteilen können, ob eine bestimmte Idee vielleicht doch stimmt? Jemand, der mit der ganzen Problematik vertraut ist und sich mit den üblichen Fehlerquellen auskennt? Oder jemand, der keine Ahnung von der Materie hat? Wohlgemerkt, ich frage nicht, wer eher auf eine neue revolutionäre Idee kommt, denn das kann durchaus der Laie sein, der nicht in den althergebrachten Denkmustern klebt, ich frage, wer die Tauglichkeit der Idee einzuschätzen versteht! Das schmälert die Erfolgschancen einer neuen Überzeugung, welche auch nach längerer Zeit keine Unterstützung in der Fachwelt findet, nochmals massiv.
Ein weiterer Punkt ist, dass alle einst akzeptierten Theorien, die sich später als falsch erwiesen, durch neue Theorien ersetzt wurden. Und nicht durch alte, längst widerlegte. Da verringern sich die Chancen der Überzeugungen, welche sich auf uraltes Wissen berufen, nochmals markant.
Aber schlechte Chancen schliessen einen Erfolgt ja nicht aus. (Und gute nicht den Misserfolg.)5
Doch selbst wenn die Chancen für eine beliebige Theorie sich als irgendwann als doch richtig zu erweisen ausgesprochen gut wären (was sie, wie wir eben gesehen haben, nachweislich nicht sind), dann birgt diese neue Theorie nichtsdestotrotz Risiken. Risiken, die man eigentlich lieber nicht einzugehen bereit sein sollte. Die Theorie mag nämlich durchaus richtig sein, das heisst aber nicht, dass die Technologie sie bereits in einem Masse umzusetzen vermag, welche die Ergebnisse der noch anerkannten in den Schatten stellen würden. Von daher wäre es doch eigentlich vernünftiger zu warten, bis die neue Theorie die alte tatsächlich ersetzt hat.

Weil es von der Nachbarin empfohlen wurde?
Das muss man als validen Grund gelten lassen. Wir wissen zwar, dass es viele Möglichkeiten gibt, dass etwas aussieht als habe es funktioniert, ohne dass es wirklich funktioniert hätte, zumindest wird hier aber das Risiko minimiert. Ich meine, wenn die Nachbarin die Pilze gegessen, überlebt und gelobt hat, kann man ihnen ja mal ne Chance geben. Allerdings sollte man sich auch das vielleicht noch ein zweites Mal durch den Kopf gehen lassen, wenn die Fachwelt darauf hinweist, dass 10% der Bevölkerung unerklärlicherweise immun gegen das tödliche Gift sind6. In diesem Fall würde es sich lohnen erst mal mit einer kleinen Portion zu beginnen.
Hier ist also zwar das Risiko gebannt, nicht jedoch die Irrationalität, dass man der Nachbarin mehr vertraut als dem Experten.

Was hier vielleicht wie ein Plädoyer gegen die Neugier aussieht, möchte ich nicht als solches verstanden sehen. Denn Neugier ist gut, nein, sie ist grandios!
Ich verlange nicht, seiner Neugier nicht nachzugehen, sondern sich ihrer auf eine vernünftige Art und Weise zu bedienen7. Und dazu gehört, dass man sich nicht von den üblichen Fehlschlüssen in die Irre führen lässt. Sich aber auf etwas einzulassen, was die Fachwelt als Humbug abtut, und noch viel mehr sich durch die Gründe überzeugen zu lassen, die die Fachwelt schon im Vorfeld als Fehlschlüsse bezeichnet, hat daher nichts mit Neugier zu tun. Das ist was ganz anderes.

Man lässt sich auf die Geomantie nicht aus Neugier ein, sondern weil man keine Ahnung hat, wie absurd sie ist. Man weiss nur, dass man nichts weiss. Und das ist okay, denn – so ist man überzeugt – erst die Naivität ermöglicht es einem einen unverfälschten Blick hinter die Fassade zu werfen. Ganz in der Tradition des Simplicissimus. Die Ahnungslosigkeit wird nicht als die Gefahr betrachtet, die sie ist, nämlich indem sie einen anfällig für jede Form von Verführung macht, sondern geradezu als Tugend, die einem hoch angerechnet wird. Es ist das Lob der Ignoranz.

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Eda Gregr
07.02.2016 um 12:53

Im Artikel „Weg mit den Büchern! Das Internet mache Bibliotheken überflüssig, sagt der Chef der ETH-Bibliothek im Interview. Entweder sie räumen ihre Bücherbestände aus und erfinden sich neu – oder sie werden verschwinden.“ von Michael Furger argumentiert Rafael Ball, dass Bibliotheken in der Zeit des Internets ihre klassische Funktion verloren haben. Das Informationsmonopol sei gekippt. Im Internet hat man Zugang zu mehr Büchern als einem auch die grösste Bibliothek zur Verfügung stellen könnte. Wieso also sollen wir den Bibliotheken in ihrer jetzigen Form nachtrauern? Bibliotheken sollten sich lieber neue definieren und ihrem Auftrag, den Menschen Wissen zur Verfügung zu stellen, in einer modernen Form nachkommen, welche die zur Verfügung stehende Technik nutzt und nicht gegen sie anzurennen versucht.
Dem ist eigentlich nichts entgegen zu stellen.

Ich habe dennoch zwei Einwände:

Die Bücher sollen auch noch in 2000 Jahren gelesen werden können. Elektronische Datenträger haben ihre liebe Mühe mit der Zeit. Ihre Lebenserwartung ist zur Zeit nicht gerade berauschend, aber das lässt sich sicher lösen. Man braucht aber auch Geräte, die die Information lesbar machen. Das stelle ich mir etwas kniffliger vor, allerdings bin ich auch diesem Punkt eigentlich ziemlich optimistisch. Und irgendwie sollte auch gesichert werden, dass nicht eine Katastrophe den Büchern den Garaus machen kann. Bibliotheken lösten das bisher, indem sie die Werke dezentral lagerten, doch neue Medien haben neue Feinde und die Server bloss auf verschiedenen Kontinenten zu platzieren, reicht da vielleicht nicht mehr. Ich denke da beispielsweise an EMPs oder auch an Hackerangriffe.
All das zusammen rechtfertigt meiner Ansicht nach schon den Fortbestand von Institutionen, die gedruckte Bücher sammeln, und sei es auch nur in sowas wie einem Svalbard Global Litertur Vault.

Mein zweiter und wichtigster Einwand aber ist der Griff daneben: Was mir an (offenen) Bibliotheken und Bücherläden am meisten gefällt, sind die Bücher rechts und links und oberhalb und unterhalb von jenem, das ich eigentlich gesucht habe. So entdeckt man nämlich Neues!
Klar, in gewissem Sinne lässt sich das auch im Internet bewerkstelligen, schliesslich sind es Algorithmen, welche die Anordnung der Bücher im Regal bestimmen. Sei es alphabetisch nach den Namen der Autoren, thematisch oder nach der ISBN Nummer. Analog lassen sich da ohne weiteres auch Algorithmen implementieren, welche dem Kunden die Bücher links und rechts (und oberhalb und unterhalb) vorschlagen.
Die Algorithmen von Amazon sind da aber wesentlich raffinierter und sympathischer, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ich das von ihnen empfohlene Buch kaufe, ohne Zweifel um Grössenordnungen höher ist als die mit den Namensvettern oder ISBN-Nachbaren. Allerdings sind die empfohlenen Bücher nichts wirklich neues für mich. Sie sagen, was ich hören will. Und ich bin mir ganz und gar nicht sicher, ob das gut ist. Wenn es in einer Bibliothek kein Buch zum Mondlandungs-Hoax gibt, dann leih ich mir eben das Buch zur Mondlandung aus, und erfahre auf dieser Weise etwas, was mir andernfalls völlig entgangen wäre. Und genau deshalb ist die beschränkte Auswahl auch eine der Stärken von Bibliotheken. Damit bringen sie die Menschen auf neue Ideen.

Der Aufrag der Bibliotheken ist daher nicht nur, den Menschen Informationen zur Verfügung zu stellen, sondern bisweilen auch die falschen Informationen. Das ist vielleicht nicht im Interesse des Betroffenen, aber auf jeden Fall in dem der Gesellschaft. Weil Information, die meine Ansichten nicht bestätigt, den Graben zwischen den Menschen nicht grösser macht.

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Eda Gregr
06.02.2016 um 11:42

smbc-comics.com

Wenn sie mal gross ist, verkündete Ava kürzlich, will sie Hexe werden.
Als aufgeklärter Vater versicherte ich ihr, dass ich sie dabei natürlich vollkommen unterstützen würde, dass sie bei dieser Berufswahl aber bedenken müsse, dass sie dann lieber einen grossen Bogen um gewisse Länder machen müsse – und überlegte mir, ob das wohl der Grund sei, wieso es keine „Hexen ohne Grenzen“ gibt?
Ich erklärte ihr auch, dass wenn es ihr darum ginge, die Welt nach ihrem Willen zu gestalten, dass sie dann bei der Wissenschaft und Technik (und dazu zähle ich natürlich auch die Medizin) vielleicht besser aufgehoben wäre. Tatsächlich habe sich alles, was man früher (und auch heute noch) Hexen zuschrieb, in gewissem Sinne durch Wissenschaft und Technik erfüllt – und zwar für alle zugänglich. Hexen flogen auf Besen, wir tun es in Flugzeugen. Hexen beobachteten in ihren Kristallkugeln, was in weit entfernten Ländern passiert, wir tun es mit dem Fernseher. Hexen heilten von Warzen, wir inzwischen auch von vielen Arten von Krebs. Hexen tanzten nackt in Vollmondnächten, wir wissen wo wir Frauen auch während des übrigen Monats nackt tanzen sehen können1. Hexen kannten alle Kräuter und Pilze, mit dem iPhone können wir sie inzwischen auch identifizieren und erfahren, welche Wirkstoffe sie enthalten. Und all das können wir, ohne riskieren zu müssen auf dem Scheiterhaufen zu landen. Ja, Wissenschaft und Technik sind vielleicht die besseren Gehilfen, wenn man sich seine Wünsche erfüllen will…
Wieso sie den Hexe werden möchte, fragte ich sie.
Dann würde sie machen, dass sie morgen Geburtstag hat.
*schluck*

Welche Wunder man auch immer Gott und den Hexen zuschrieb, irgendwie schafften Wissenschaft und Technik (und Kunst, wenn es darum geht fantastische Geschichten zu erzählen) diese über kurz oder lang irgendwie auch ohne Magie zu replizieren. Ob Gott und Hexen sie tatsächlich vollbrachten, ist dagegen umstritten, denn dabei zusehen liessen sie sich nie – zumindest nicht von jemandem, der mit den nötigen Skepsis dabei gewesen wäre.

Viel mehr fand man raus, dass es sich oft gar nie so zugetragen hat – und der Schöpfer es sich nur ausgedacht hat.
Oder man fand raus, dass viele Dinge von ganz allein geschehen – und der Designer sich hier mit fremden Lorbeeren schmückt.
Oder man fand raus, dass es mit natürlichen Mittelnd geht – und der Magier das Woohoo nur anstellte um mehr Geld daran zu verdienen.

Die Wunder wurden des Wundersamen beraubt, die Wirkung aber blieb erhalten.
Nein, die Wirkung wurde sogar massiv besser, weil sie vom Wundersamen nicht länger behindert wurde.

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Eda Gregr
31.01.2016 um 11:12

Jesus zog also durchs Land, heilte hier, predigte da und liess ich am Ende ans Kreuz nageln.

Jetzt stellt euch aber mal vor, einer der Zuhörer bei der Bergpredigt wäre Kaiser Tiberius gewesen, der zufällig gerade inkognito in der Gegend Ferien machte. Und stellt euch vor, er wäre von der Rede dermassen angetan gewesen, dass er Jesus auf der Stelle zu seinem persönlichen Berater ernannt hätte. So absurd ist der Gedanke gar nicht. Wie jeder Christ gern bestätigen wird, war Jesus liebenswürdig, loyal, klug und besass grosses Charisma. Jeder halbwegs vernünftige (und ehrliche) Mensch musste schlichtweg von ihm begeistert sein. Wieso also nicht auch der mächtigste Mann seiner Zeit?

JesusTiberius

Gut möglich, dass Jesus das nicht gewollt hätte. Sein Plan war schliesslich ein ganz anderer. Er wollte die Leute inspirieren und sie von sich selbst aus das richtige machen lassen.
Allerdings sagt man zu einem Tiberius nicht nein. Und selbst wenn man nein sagt, dann braucht dieser das noch lange nicht zu akzeptieren.

Jesus wurde also in den Stab von Tiberius aufgenommen und nach Rom gebracht1. Und Tiberius hat ihn dann (wie es Christen auch heute noch tun) immer mal wieder um Rat gefragt.

Ich sage nicht, dass Jesus Gefallen dran gefunden oder gar dass ihn am Ende die Macht sogar korrumpiert hätte2, ich bezweifle lediglich, dass er Tiberius den Rat verwehrt hätte. Denn die Möglichkeit Gutes zu tun (oder je nach Präferenz Übles zu verhindern), ist einfach viel zu gross um sie nicht beim Schopf zu packen.

Es wurden nur wenige Fragmente der Dialoge überliefert3:

„Jesus, mir ist eben zu Ohren gekommen, dass die Händler und Geldwechsler, die du damals aus dem Tempel vertrieben hast, sich dort wieder breit gemacht haben. Soll ich Verbotsschilder an den Eingängen anbringen lassen? Ich schulde dem Schildmaler Ramanus eh noch einen Gefallen.“

„Jesus, ist dir schon mal aufgefallen, wie viele Leute an mehrere und andere Götter glauben? Was denkst du, sollen wir in dieser Richtung was unternehmen? Oder lassen wir sie erst mal in Frieden? Vielleicht liesse sich durch die Einführung der Schulpflicht und des obligatorischen Religionsunterrichts die Entwicklung zu unseren (sprich ihren) Gunsten beeinflussen?“

„Jesus, mir wurde eben berichtet, dass die Germanen in unserer Provinz Belgica eingefallen sind und dort jetzt ein grausliges Blutbad anrichten. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie die Germanen von meinen Vorgängern behandelt wurden, war das eigentlich absehbar, aber ich weiss jetzt nicht genau, wie ich darauf reagieren soll? Meine Generäle empfehlen mir fünf Legionen in den Norden zu schicken, aber mir erscheint das irgendwie ein falsches Zeichen zu setzen. Andererseits stimmt es schon, dass man in einer taktisch besseren Verhandlungsposition ist, wenn man nicht mit runtergelassenen Hosen da steht. Zur Zeit schicken sie alle unsere Unterhändler ohne Kopf wieder zurück. Was empfiehlst du mir?“

„Jesus, mein Neffe Quintus hatte gestern sein Coming out. (Überraschend kam das ja nicht wirklich, LOL!) Soll ich ihn dazu beglückwünschen oder ihn hinrichten lassen? Die heilige Schrift ist da je ziemlich deutlich.“

„Jesus, deine zwölf Jünger, ähm, du weisst, dass ich sie mag. Ehrlich. Ich meine, es ist jedesmal wieder ein Freude mit ihnen zu feiern. Aber nun ja, ich weiss nicht wie ich es sagen soll. Schliesslich habt ihr einiges zusammen durchgemacht. Aber irgendwie scheinen sie mir nicht die hellsten Köpfe zu sein. Sie sind lieb, versteh mich nicht falsch, und sehr hilfsbereit und so, aber ich fürchte, ihr Mangel an Bildung macht sich in der Qualität ihrer Ratschläge schon bemerkbar. Du weisst schon, Dunning-Kruger-Effekt.“

„Jesus, wir sprachen doch kürzlich von deinen 12 Aposteln. Wollen wir sie nicht noch mit ein paar Philosophen aufstocken? Ich habe da ein paar wirklich interessante Bewerbungsunterlagen von ein paar Stoikern erhalten.“

„Jesus, du bist ja da aus der Gegend. Da ist dieser Kerl von der Judäischen Volksfront – oder vielleicht war es auch die Volksfront von Judäa – ich bringe die immer durcheinander. Der hat uns ein Ultimatum gestellt. Er verlangt, dass wir ihn bis Sonnenuntergang kreuzigen. Andernfalls werden 10’000 Menschen sterben. Der Geheimdienst sagt, dass ihm die Mittel, um sowas umzusetzen, tatsächlich zur Verfügung stehen und man die Drohung unbedingt ernst nehmen muss. Was sollen wir tun? Keine Ahnung, ich weiss nicht ob es Kanaaniter darunter hat.“

„Jesus, darf ich vorstellen, das ist Clarcus Centus vom Quotidie Planeta. Er wird dich eine Zeitlang begleiten und eine Homestory über dich schreiben.“

„Nein, Jesus, Dictaphonos wird dich auch weiterhin begleiten – du kannst es gern auch stalken nennen. Ich will einfach nicht, dass irgendetwas von dem, was du sagst, vergessen geht.“

„Jesus, da ist eine Meute Menschen, die Wünschen eine Ehebrecherin zu steinigen. Irgendwie finde ich das etwas übertrieben, aber die heilige Schrift ist da eigentlich ziemlich deutlich. Was denkst du? Was? Der ohne Schuld ist, soll den ersten Stein werfen? Heisst das, du will das Ius primae lapidis? HAHA! Du Scherzkegs. Nein im Ernst, was sollen wir machen? Wir können das Urteil ja nicht von der moralischen Integrität des Scharfrichters/Publikums abhängig machen.“

„Jesus, ich sage ja nicht, dass Ehebruch nicht falsch ist. Ich frage mich nur, was es die anderen angeht? Die werden dadurch ja nicht geschädigt. Ausser natürlich indem sie bei ihr nicht ran durften, HAHAHA!“

„Jesus, der Sklave Spartacus hat sich mal wieder über die Sklaverei beschwert. Weiter ignorieren?“

„Ich weiss, deine Jünger sind dir heilig, aber erst kürzlich ich habe den Thaddäus dabei erwischt, wie er irgendwelchen Leuten erklärte, dass Gott eigentlich am meisten eine Insel jenseits der Säulen des Herakles liebe. Das kann er doch nicht so einfach sagen, oder? Oder habt ihr das beim letzten Abendmahl besprochen?“

„Jesus, ich weiss ja, dass du nicht gern darauf angesprochen wirst, aber Maria, war die wirkl…, okay, okay, ich geh ja schon.“

„Jesus, ich spiele mit ein paar Freunden gerade Trivial Pursuit und Pilatus beharrt darauf, dass die Welt ein Würfel ist. Sag ihm, wie es wirklich ist. Dir wird er sicher glauben.“

„Jesus, ich überlege mir, ob ich meinen Kindern nicht eine Villa an den Hängen des Vesuvs kaufen soll. Im Sommer ist es da ja immer so schön. Was denkst du?“

„Jesus, erzähl du mal einen Witz.“

„Jesus, ich habe dir doch schon von meiner Idee erzählt, deine Reden und Gedanken zu veröffentlichen. Ich habe auch schon einen Verleger gefunden, der denkt, dass sich das Buch durchaus verkaufen liesse. Wir sind jetzt an der Umschlaggestaltung. Hast du eine Idee für ein einprägsames Bild oder Symbol oder sowas? Irgendein Markenzeichen?“

„Jesus, was würdest du zu einem Musical über dein Leben sagen?“

„Jesus, hab ich mich in die Nesseln gesetzt. Ich habe meiner Schwiegermutter gesagt, sie sei so alt wie die Erde selbst… Was? Wie alt habe ich sie genannt?“

„Jesus, ist dir schon mal aufgefallen, dass sich mit deinem Name hervorragen zum Fluchen lässt?“

„Jesus, du weisst, wie sehr ich dich liebe. Aber es ist schon etwas verstörend, dass meine Frau beim Sex deinen Namen stöhnt.“

„Jesus, du kennst doch den Töpfer Stavros von Naxos, oder? Der macht ja wirklich sehr schöne Töpfe. So einfallsreich verziert. Man erkennt sie wirklich überall sofort. Nun erzählte er mir, dass es da einen anderen Töpfer gäbe, Cimdotcomix, der macht genau die gleichen Töpfer wie er und verkauft sie viel billiger. Das macht das Geschäft von Stavros kaputt, sagt Stavros. Er fragt, ob man ihn nicht für Diebstahl ran kriegen könnte? Schliesslich entgeht dadurch dem Stavros eine ganze Stange Geld? Was denkst du?“

„Jesus, sollte es nicht auch ein paar Frauen unter den Aposteln haben? Sie dürfen gern auch jünger sein.“

„Jesus, ganz unter uns, hast du wirklich noch nie masturbiert? Oh Shit, Dictaphonos, du bist ja auch hier, ich habe dich völlig übersehen…“

„Jesus, Brust oder Keule?“

„Jesus, ehrlich gesagt finde ich es ein bisschen eklig, dass du dir vor dem Essen die Hände nicht wäschst. Meinst du nicht, dass an den Reinheitsvorschriften, die du über Bord geworfen hast, womöglich etwas klitzeklitzekleines, winziges mehr dran war als nur religiöse Gründe?“

„Jesus, ich weiss von ein paar Verfehlungen, die noch nicht mit Krankheit und Katastrophe geahndet wurden. Sind die dir entgangen oder sind manchmal auch Gesundheit und Wohlstand eine Strafe?“

„Jesus, wenn ich mich recht entsinne, gab es zweimal Probleme mit Wasser: die Sintflut und das Rote Meer als Hindernis. Wieso ertränktest du während der Sintflut auch die unschuldigen Häschen und Kätzchen, wenn du nur die verdorbenen Menschen mittels einer Wassersäule hättest ersäufen können? Das hätte dir die enorme Wasserrechnung und Noah eine Menge Arbeit erspart.“

„Jesus, apropos Sintflut, gab es vor der Sintflut wirklich keine Regenbögen?“

„Jesus, wo wir schon dabei sein, gab es wirklich keinen anderen Weg als zweimal mit Inzest anzufangen?“

„Jesus, und wer genau war die Frau von Kain? Der verrückte Docus Brunneus meint, sie sei aus der Zukunft gekommen.“

„Jesus, sorry, aber ich habe das noch immer nicht ganz begriffen. Wenn du eins mit Gott und gleichzeitig Gottes Sohn bist, dann bist du doch eigentlich dein eigener Urururururururururgrossvater? HAHAHA!“

„Jesus, wie ist es eigentlich mit seiner Urururururgrossmutter zu… Jesus! Komm zurück! Das war doch nur Spass… Komm schon…“

„Jesus, du kannst nicht schwimmen, nicht wahr?“

„Jesus, meinst du das wirklich ernst mit der Hölle? Wie soll ich den Himmel geniessen, wenn ich weiss, dass gleichzeitig Freunde in der Hölle gequält werden? Wenn es mich dann nicht mehr interessiert, wie einen kastrierten Hund Weibchen nicht mehr interessieren, dann nimmt mich wunder, was genau mit dem Tod mit mir passiert. Und erspart man sich das, wenn man in die Hölle kommt?“

„Jesus, wieso heilst du mühselig einzelne Menschen vom Grauen Star statt diesen einfach komplett zu eliminieren?“

„Jesus, diese Grippe ist ja sooooo lästig. Könnte man nicht was dagegen tun, dass man sich nicht mehr ansteckt?“

„Jesus, gestern hat ein Kerl vorgesprochen, der sich Mann aus Gallien nennt. Er schlägt vor alle Arzneimittel massiv zu verdünnen. Das ist natürlich Blödsinn, würde das Gesundheitswesen aber finanziell schon ziemlich entlasten.“

„Jesus, in Nordafrika herrscht eine schreckliche Dürre und Leute sterben an Hunger. Sollen wir das als eine gerechte Strafe Gottes interpretieren oder schicken wir Hilfe hin?“

„Jesus, Pontius Pilatus bittet um medizinischen Hilfe, in der Provinz Judäa sei eine schreckliche Seuche ausgebrochen. Sollen wir den Medicus Dominus dorthin schicken? Nein, ich weiss nicht, ob es nur Kanaaniter betrifft.“

„Jesus, der Skeptiker Gwupius findet, dass allein der Umstand, dass du lieb, klug und charismatisch bist, noch kein Grund dafür ist, dass du auch recht hast. Geschweige denn, dass du Gott höchstselbst bist. Er verlangt Evidenzen. Soll ich ihn verschwinden lassen?“

„Jesus, ich habe doch letzte Woche dem berüchtigten Dieb Lyttonius seine Verbrechen verziehen und ihn laufen lassen. Du weisst doch noch, wie er hoch und heilig gelobt hat, von nun an rechtschaffen zu sein. Und heute wurde er doch tatsächlich wieder dabei erwischt, wie er sich an meinen Kronjuwelen zu vergreifen versuchte. Ich bin ja gern bereit ihm schon wieder zu verzeihen, aber sollten wir ihn diesmal nicht trotzdem in den Knast werfen?“

„Jesus, diese verzogenen Kids mit ihren aufgemotzen Kutschen bauen immer mehr Unfälle in den Strassen Roms. Sollten wie nicht sowas wie ne Geschwindigkeitsbegrenzung machen?“

„Jesus, der Maler Picassus, den ich beauftragt habe, dich zu protraitieren, fragt ob ich das Bild realistisch wünsche oder idealisiert? Keine Ahnung was er meint. Vielleicht den grossen Pickel auf deiner Stirn, die schiefen Zähne, die krumme Nase, den dritten Nippel. Jesus, du weisst, dass wir dich lieben. Du solltest aber endlich aufhören zu glauben, dass es wegen deines umwerfenden Aussehens ist. Wir sind nicht so oberflächlich, wie du es uns immer unterstellst…“

„Dictaphonos, könntest du aufschreiben, dass Jesus gesagt hat, dass man Fenchel verbieten lassen sollte?“

„Jesus, meine Generäle berichten mir, dass die Moral der Soldaten etwas nachgelassen hat, seit sie nicht mehr im Auftrag Gottes arbeiten dürfen. Die ganzen Massaker machen seither wesentlich weniger Spass.“

„Jesus, einige Generäle meinen, dass man durchaus im Namen Gottes in die Schlacht ziehen könne, wenn man vorher ein paar Kanaaniter in die Schlachtreihen der Gegner geschmuggelt hat.“

„Jesus, wenn ich mit dem Töten eines Nichtgläubigen einen anderen zum rechten Glauben bekehre, soll ich das dann tun? Ich meine vorher waren beide verlorene Seele, jetzt ist einer davon gerettet. Eindeutig ein Gewinn. Was? Dadurch bin ich dann verloren? Echt? Ich dachte, es käme nicht auf die Handlungen an, sondern auf die innere Einstellung… Und was wenn ich damit X, C oder gar M verlorene Seelen rette?“

„Jesus, da steht eine Engelmacherin vor Gericht. Sie versucht sich zu verteidigt, indem sie sagt, dass sie damit den Kindern einen Gefallen tut. So kämen sie nämlich direkt in den Himmel. Ist das so? Bis zu welchem Alter kommt man denn in den Himmel, ohne das man dich zu akzeptieren braucht? Ich mein Säuglinge und Kleinkinder sind dazu ja noch nicht in der Lage.“

„Jesus, Leute, die zu weit weg wohnen um vor dir gehört zu haben, haben ja echt die Arschkarte gezogen…“

„Jesus, kürzlich las ich bei Hypokrates, dass fast die Hälfte aller empfangenen Kinder auf natürliche Weise abgetrieben werden. Dazu kommen noch XXVII% der Kinder, die das erste Lebensjahr nicht überleben, und XLVII%, die vor Erreichen der Pubertät sterben. Was genau hat hast du gegen Engelmacherinnen?“

„Jesus, man soll also nicht töten, wieso ist es bei Hexen dann okay?“

„Jesus, könntest du bitte meinen Untergebenen sagen, was du davon hältst gegen seinen Herrscher zu rebellieren.“

„Jesus, Petrus wurde schon wieder dabei erwischt, wie er sich an Ministranten vergangen hat. In welche Gemeinde sollen wir ihn jetzt versetzen? Allmählich gehen uns nämlich die Kirchen aus? Langsam müssen wir in Erwägung ziehen zu expandieren…“

„Jesus, hast du schon mal etwas von dieser Demokratie gehört? Was hältst du davon? Ich bin da als Caesar eher skeptisch, aber ich lasse mich gern umstimmen.“

„Jesus, jetzt mal ehrlich, werden wir uns nicht mit der Zeit im Himmel etwas langweilen?“

„Jesus, ich denke, wenn einen Mann LXXII Jungfrauen im Himmel erwarten würden, das wäre schon noch geil. Und ein tolles Verkaufsargument! Könntest du mal drüber nachdenken?“

„Jesus, wenn ich dich um einen Gefallen bitte, ist das dann eigentlich beten? HAHAHA!“

„Jesus, wenn ich für einen verstorbenen Verwandten bete, wird das seine Chance steigern in den Himmel zu kommen? Könnte dich das Gebet wirklich umstimmen?“

„Jesus, ich habe mal nachgedacht. Könnte es sein, dass die Welt so im Arsch ist, weil du die Gebete der Menschen erhört und dich damit immer weiter von deinem eigentlichen Plan entfernt hast?“

„Jesus, was ist eigentlich dein Plan?“

„Jesus, Menschenrechte – ja oder nein?“

„Jesus, ich plane das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen. Gibst du mir dazu deinen Segen?“

„Jesus, kürzlich habe ich mich mit Plinius dem Älteren unterhalten und er hält es für möglich, dass es noch andere Welten im Himmel gibt. Wie stellen wir sicher, dass die dort auch vom Christentum erfahren?“

„Jesus, was denkst du über Wissenschaft? Lohnt es sich in die zu investieren?“

„Jesus, du hilfst ja sehr vielen Menschen mit Rat und Tat. Wie schaffen wir es, dass auch Leuten geholfen werden kann, die es sich nicht leisten können nach Rom zu reisen? Oder Leuten, die erst in einer fernen Zukunft Hilfe brauchen?“

„Jesus, wie lässt sich sicherstellen, dass die Antwort, die man auf ein Gebet erhält, wirklich von dir ist? Und zwar auch für dritte. Könnte man da nicht Hash-Funktionen oder sowas einsetzen? Es liegt ja (in der Regel) nicht in deinem Interesse, dass jemandem, dem du eine Antwort gegeben hast, nicht geglaubt wird, dass er die Antwort wirklich von dir bekommen hat.“

„Jesus, was genau ist die Rolle der Frau? Was soll sie und was darf sie nicht?“

„Jesus, zweifelst du nicht auch manchmal an deinen Sinnen?“

Ich gehe davon aus, dass Jesus bis zum Ende bockig blieb und sich konsequent dem Angebot einen echten Gottesstaat einzuführen entgegengestellt hätte. So richtig sicher bin ich mir darin aber nicht, denn ob man den erst in nächsten Leben errichtet oder schon in diesem, macht keinen grossen Unterschied – vielleicht mal davon abgesehen, dass jetzt auch die Unwürdigen in seinen Genuss kommen. Und ich denke nicht, dass es ein politisches System gibt, welches eine bessere Quote an Kandidaten hat für ein himmlisches Comeback4.

Das Problem mit Jesus ist, dass er – im Gegensatz zu Mohammed – keine Armee zur Verfügung hatte. Jesus konnte nur reden und überliess es dann anderen seine Ideen in Gesetze umwandeln. Und das Problem mit Gesetzen ist, dass sie nicht immer so funktionieren, wie man sich es vorgestellt hat5. Und so blieb seinen Nachfolgern nichts anderes übrig, als die Gesetze immer den Anforderungen anzupassen und zu hoffen, damit immer noch im von Jesus gestecken Rahmen zu bleiben.
Klar, sie konnten im Gebet Zwiesprache mit Jesus halten, doch irgendwie scheint Jesus in diesen nicht wirklich konsistent zu sein, denn er flüsterte in die Ohren verschiedener Leute sehr verschiedene Anweisungen. Und anzunehmen, dass nur der eine, der meine Meinung teilt, tatsächlich mit Jesus in Kontakt war, ist nicht wirklich überzeugend.

Ich frage mich, wie die Welt heute wohl  aussähe, wenn Jesus unvermittelt in den Besitz einer Armee gekommen wäre? Und ich frage mich eigentlich auch, wie einem so charismatischen Menschen wie ihm nicht duzende Armeen geradezu nachgeworfen wurden? Er ist doch sicher irgendwelchen Leuten begegnet, die andere Leute kennen, die wiederum andere Leute kennen, die eine Armee haben.

Zeitreisende, die ihr das lest, helft Tiberius auf die Sprünge!

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Eda Gregr
30.01.2016 um 21:48

Als der Iranische Präsident Italien besuchte, verhüllte man die nackten Statuen.

Klingt doof, doch wenn es ein Teil eines Deals ist, bei dem beim Gegenbesuch des italienischen Präsidenten im Iran die Frauen entschleiert werden, dann könnte die Rechnung durchaus aufgehen.
Dann ist der in Italien angerichtete Schade kleiner als der Gewinn im Iran.

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Eda Gregr
25.01.2016 um 23:39
Gluecksquant

Ein Glücksquant

Eine Person hat einen Fehler gemacht, den zu korrigieren sie furchtbar viel Mühe und Frustration kosten würde.
Wenn ich diesen Fehler absichtlich übersehe, mache ich die Person sehr glücklich, weil ich ihr damit furchtbar viel Mühe und Frustration erspare.
Doch da ich es ihr nicht sage, weiss sie nichts davon, dass sie eigentlich glücklich ist.

) Ist das nicht irgendwie traurig? :(

Oder fühlt sie es vielleicht doch irgendwie?
Verspürt sie vielleicht sowas wie ne Freude unbestimmten Ursprungs in sich?
Ist diese Freude dann kleiner, gleich oder gar grösser?

Und würde sie diese Freude unbestimmten Ursprungs auch spüren, wenn mir der Fehler gar nicht erst aufgefallen wäre?
Denn auch dann wäre ihr furchtbar viel Mühe und Frustration erspart geblieben, was ja nachweislich ein Grund zur Freude ist.
Ist diese Freude dann kleiner, gleich oder gar grösser?

Und was, wenn die Person in diesem nicht wahrgenommenen Glückszustand einen Fehler bei einer anderen Person entdeckt und absichtlich übersieht und ihr damit furchtbar viel Mühe und Frustration erspart, was diese, wenn die davon wüsste, sehr glücklich machen würde, und was sie, wenn sie nicht davon weiss, vielleicht sowas sie ne Freude unbestimmten Ursprungs verspüren lässt?
Ist diese Freude dann kleiner, gleich oder gar grösser?

 

Hier meine Idee: Diese drei Fragen nach der kleineren, gleichen oder grösseren Freude bilden gewissermassen die drei Achsen eines Koordinatensystem, in dem sich jede esoterische Lehre verorten lässt.

 

Ich habe einen grossen Teil der mir bekannten esoterischen Lehren in diesen „Judihui-Raum“ übertragen und dabei festgestellt, dass diese eine „Wolke“ bilden, welche eine überaus interessante Form aufweist. Um all denen, die sich selbst mal an diesem Plot versuchen wollen, die Überraschung nicht zu verderben, werde ich hier nicht verraten, um welche Form es sich dabei handelt.
Ich werde es aber auch deshalb nicht verraten, weil das „Gebilde“ auf einen ganz besonderen Punkt hindeutet, der – wie ich vermute – der Eldorado der Esoterik ist. Dort lässt sich dann nicht nur mächtig viel Geld verdienen, sondern auch der empirische Nachweis von Glücksquanten erbringen.

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Eda Gregr
24.01.2016 um 22:19

godDie 10 Gebote sind eigentlich eine ganz gute Sache. Nicht weil sie ethisch besonders raffiniert wären, denn das sind sie ganz und gar nicht, sondern weil sie die Person, die an sie denkt, moralisch „erden“. Das heisst, dass man sich wie durch Zauberhand ehrlicher verhält. Darauf brauchen sich die Christen aber nichts einzubilden, denn genau das gleiche schafft auch die Direktive der Sternenflotte oder der Verhaltencodex der Kanti Beromünster, den es gar nicht gibt. Was hier „wirkt“, sind nicht die Gebote selbst, sondern gewissermassen unsere Erwartung in sie. Sprich der Placebo-Effekt1.

Interessant ist, dass sich die Christen zwar einig darin sind, dass der Dekalog aus exakt 10 Geboten besteht und dass er die Basis unseres Rechtssystems darstellen soll, weniger einig sind sie sich jedoch darin, um welche Gebote es sich konkret handelt und wie man sie zählen soll2.
Es hätte also durchaus noch ein gewisser Handlungsspielraum bestanden, noch ein weiteres Gebot unter zu bringen.

Gott mag Hexen nicht (Exodus 22:17) und Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste, Zauberei, Bannungen, Geisterbeschwörungen und Zeichendeuterei sind ihm ein Gräuel (Deuteronomium 18:9-13). Es würde daher eigentlich nichts dagegen sprechen auch noch folgendes zu erwähnen:

ES GIBT KEINE MAGIE!

Analog zu „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ müsste es wohl heissen „Du sollst keine Magie welcher Art auch immer betreiben.„, doch da man im ersten Fall aus dem keine-anderen-Götter-haben-sollen zu schliessen scheint, dass es demzufolge auch keine anderen Götter geben kann, halte ich es nur für recht und billig den gleichen Schluss auch bei der Magie anzuwenden und dem mit Grossbuchstaben und einem Ausrufezeichen Ausdruck zu verleihen3.

Wie sähe wohl die Geschichte aus, wenn dieses Gebot es in den Dekalog geschafft hätte?

Es hätte den Naturalismus begünstigt, sprich die Vorstellung, dass alles mit rechten Dingen zu geht. Gleichzeitig hätte es aber auch den Fortschritt insofern gefährdet, als dass jeder nächste Schritt in der Technik für jene, die ihn intellektuell noch nicht vollzogen haben, aussieht wie Magie.
Doch selbst wenn die Menschen die Finger von der Magie gelassen hätten, Scheiterhaufen hätte es wohl nicht weniger gegeben, denn dafür gab es genug Menschen, die einen nervten, und genug andere Stellen in der Bibel, die einem eine Rechtfertigung boten, sie los zu werden.
Was es jedoch wohl eher nicht gegeben hätte, sind spiritistische Kaffeekränzchen, wo gutbürgerliche Hausfrauen Seancen abhalten und andächtig das Mantra herunterbeten, dass es mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt… Was für die Homöopathie wohl ein herber Schlag gewesen wäre.

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Eda Gregr
22.01.2016 um 09:26

Adam und Eva lebten nach dem Sündenfall noch gut 1000 Jahre – und das trotz Gottes Zusicherung des unmittelbaren Todes nach dem Verzehr der Frucht vom Baum der Erkenntnis. Hätte Eva sich zurück gehalten, wären sie gar nicht gestorben (und mit ihnen nicht alle Menschen und Tiere und Pflanzen und Pilze und Sterne). Sie hätten statt zu sterben ewig gelebt, so wie es die Bakterien, Archeen und einzelligen Eukarionten hier auf der Erde und Adam und Eva im Paradies 1 (bloss ohne viele der Menschen2 und alle Tiere3 und Pflanzen4 und Pilze5 und Sterne6) noch immer tun.

Folgendes macht mich aber stutzig: Woher wissen wir, dass Adam und Eva nicht von Anfang an sterblich waren? Bei 1000 Jahren Lebenserwartung wird man nach den ersten paar Tagen noch nicht viel von dem langsamen Zerfall bemerken, der am Ende zum Tod führen wird.
Ohne eine gründliche medizinische Untersuchung7 (im Idealfall über einen längeren Zeitraum hinweg), lässt sich so etwas unmöglich bestimmen. Sollen wir also wirklich auf die Selbsteinschätzung von ein paar Teenagern vertrauen? Mit 158 fühlt sich auch heute noch jeder unsterblich – wie muss es da erst gewesen sein, als es noch keine Alten (und Horrorfilme) gab, die einen lästigerweise dauernd daran erinnern, dass es vielleicht doch nicht so ist?

Die Raubtiere waren bis zum Sündenfall Vegetarier! Ja, das deutet tatsächlich darauf hin, dass im Paradies irgendetwas anders lief.
Doch wie lange brauchten Adam und Eva um es zu verkacken? Wenn es ein paar Stunden oder Tage waren9, dann hatten die Raubtiere vielleicht einfach noch keinen grossen Hunger? Die wussten damals ja noch nicht, wie lecker Fleisch ist, und versuchten sich in ihrer Unwissenheit von Pflanzen und Früchten zu ernähren. Das funktioniert durchaus eine Weile lang.
Für eine zuverlässige Analyse braucht es auch in diesem Fall etwas mehr anatomisches Know how und definitiv mehr Zeit.

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