Die Sprache soll weiter leben!

Ich finde, der Duden sollte genauso von der Öffentlichkeit erweiterbar sein wie die Wikipedia. Bearbeitbar natürlich nicht, denn die Rechtschreibung sollte im Interesse der Verständlichkeit (zumindest über eine gewisse Zeit) einheitlich sein. Aber wenn ein neues Wort erfuckt wird, dann sollte es der gesamten Sprachgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.

by the way, noch ein neues Wort:

pdfieren (Deutsch)

Verb

Worttrennung:
pd·fieren, Präteritum: pd·fierte, Partizip II: pd·fiert

Bedeutung:
[1] etwas (normalerweise, aber nicht notwendigerweise ausschliesslich ein elektronisches Textdokument) in ein PDF konvertieren

Herkunft:
Am 13. August 2019 um 9:42 von Eda Gregr durch einen Zufall erfuckt als er es zum ersten Mal in einem Mail verwendete.

Beispiele:
[1] Vielleicht will er es nochmals pdfieren.

Trivia:
pdfieren ist das bisher einzige Wort in der deutschen Sprache, in dem die Buchstabenkombination „pd“ als eigenständige Silbe auftaucht.

Nackte Tatsachen

Jesus hing nackt am Kreuz. Splitterfasernackt.
Theologen ergötzen sich an der Symbolik dieser Szene: Wie das Kreuz der Sünde jede Hülle nimmt. Irgendwie übersehen sie dabei aber, dass das Symbol des Christentums, Jesus am Kreuz, in Darstellungen stets die Lendengegend verhüllt.

Ja, man weiss, dass die Bedeckung des Gehänges wahrscheinlich weniger der Wohlanständigkeit geschuldet ist als viel mehr der Bemühung davon abzulenken, dass Jesus ein Jude war. Doch aus irgendeinem Grund scheint sich niemand daran zu stören, dass man dadurch das Symbol seiner wahrscheinlich mächtigsten Komponente, der Erniedrigung, beraubt und damit das Sterben von Jesus in eine Reihe stellt mit all den anderen sexy Heldentoden, wo sich einer für seine Kameraden oder die gute Sache opfert.

Sollte hier die Sache aber nichts anders liegen? Sollten ein Christ beim Betrachten der Szene von Jesus am Kreuz nicht etwas mehr empfinden als bei der Sterbeszene von Capitain Miller in Saving Private Ryan? Sollte er sich dabei nicht beschämt seiner eigenen Sünden bewusst werden?

Jesus wurde in seinem Tod dem Gespött jener preisgegeben, deren Seelen er mit seinem Opfer gerettet hat. Käme es seinem Plan da nicht näher, wenn er auch 2000 Jahre später bei seinem Publikum ein zwiespältiges Gefühl auszulösen vermochte?

Man stelle sich vor, man steht in der Kirche und kann sich nicht des Impulses erwehren, ob seinem Foltertod zu gröhlen. Weil er beispielsweise einen Elefanten-Tanga trägt. Man ist belustigt, man ist darob beschämt, man macht sich darob vor den Andersgläubigen lächerlich, man ist wütend und kann gleichzeitig auch Verständnis für all das aufbringen…

Und jetzt stelle man sich vor, wie die Welt aussehen würde, wenn das Christentum während 2000 Jahren ihre Gottesdienste in einem solch wilden Mix der Gefühle gefeiert hätte…

Das Erbstück

Mein Kleiner hat heute auf der Strasse einen Ohrring gefunden.

Ich bin überzeugt davon, dass er einer bezaubernden jungen Dame gehörte, die jetzt über den Verlust furchtbar traurig ist.

Der Ohrring wird deshalb jetzt ein Erbstück unserer Familie, auf dass er irgendwann einmal sein Pendent wieder findet, welches wie unser von nun an von einer Generation zu nächsten weitergegeben wird.

Ich frage mich, wie viele Generationen es wohl braucht, bis die beiden sich wieder vereinen?

Wo bleibt mein Award?

Ich blogge jetzt schon seit 15 Jahren. (Mein erster Post war Venustransit am 8.6.2004 über den Venustransit.)
Wie hoch mag da wohl meine Influencer-Index sein?

Ich habe irgendwo im Netz die folgende Formel für die Potential Social Media Value (VPSM) gefunden:

VPSM = RE + RFG + MFD&L – RSPP

RE : Engagement Rate
RFG : Follower Growth Rate
MFD&L : Follower Demographic and Lifestyle Match
RSPP : Sponsored Post Promotion Rate

Okay, gehen wir der Reihe nach.
Die Engagement Rate (RE ):

RE = ANoR / TNoF

ANoR : Average Number of Reactions
TNoF : Total Number of Followers

Das ist einfach: Ich habe 933 Beiträge geschrieben und 511 Kommentare erhalten. 274 davon von mir selbst, daher rechne ich mit 274. Das macht durchschnittlich 1/4 Reaktionen pro Beitrag. (ANoR = 0.25)

Wieviele Follower habe ich wohl?
Etwa 1000? Dann wären meine Engagement Rate:
RE = 0.25 / 1000 = 0.025 %
Ne, es sind weniger… 100?
RE = 0.25 / 100 = 0.25 %
Ne, es sind noch weniger.. 10?
RE = 0.25 / 10 = 2.5 %
Ne, auch das scheint mir nicht ganz realistisch… 1?
RE = 0.25 / 1 = 25 %
Damit kommen wir der Sache endlich näher… 0!
RE = 0.25 / 0 = ∞ %
Ja, das kommt ungefähr hin.

Follower Wachstum? Auch leicht!
Wachstumsrate (RW):

RW = (Aj – Av) / Av

AJ : Anzahl jetzt
AV : Anzahl vorher

Das heisst:

RW = (0 – 0) / 0 = ∞ %

Follower Demographic and Lifestyle match?
Ich habe keine Ahnung, was das ist… dann wird es wohl 0 sein.

Sponsored Post Promotion Rate?
Ich habe noch nie Geld gesehen im Zusammenhang mit Bloggen. Also auch 0.

Dann kann ich ja endliche meinen Influencer Index berechnen:

VPSM = ∞ + ∞ + 0 – 0 = 2∞ %

Ok… Ich nehme an, das ist ein hoher Wert, oder?


Zum Vergleich:
Frau Tchoumitcheva hat eine RE von 1.76% und eine RW von 2.01%.
MFD&L und RSPP kenne ich leider nicht, aber ich bezweifle, dass ihr MFD&L – RSPP mehr als (2∞ – 3.77) % sein wird.

Die Sprache soll leben!

Sprache ist ein wild wuchernder, wunderbarer Garten. Puristen mögen sich manchmal ärgern über gewisse Auswüchse, sie gar als Unkraut bezeichnen, doch pfeif drauf. Jedes Pflänzchen hat seine Berechtigung, ist auf seine Art hübsch und verdient die Chance zu einem monströsen alles verschlingenden Ungetüm heranzuwachsen.
Der Sprachgarten verändert sich. Er tut es langsam und fürs Auge kaum merklich. Nach hundert Jahren ist er anders. Nach tusig Jahr dann aber nime wiederzuerkenniget.

Die Sprache entwickelt sich. Alte Wörter vergehen. Neue spriessen zum Boden heraus. Wie zum Beispiel diese:

kömmen (Deutsch)

Verb

Worttrennung:
köm·men, Präteritum: köm·mte, Partizip II: ge·kömmt

Bedeutung:
[1] wenn man kommen kann

Herkunft:
Am 18. Juni 2019 um 9:18 von Eda Gregr durch einen Zufall erfuckt als er es zum ersten Mal in einem Mail verwendete.

Beispiele:
[1] Sie kömmen den USB-Stick abholen.

erfucken (Deutsch)

Verb

Worttrennung:
er·fu·cken, Präteritum: er·fack·te, Partizip II: er·fu·cken

Bedeutung:
[1] wenn nicht ganz klar ist, ob etwas entdeckt oder erfunden wurde .

Herkunft:
Am 18. Juni 2019 um 9:32 von Eda Gregr beim Definieren des Wortes „kömmen“ erfunden, nicht entdeckt, also auch nicht erfuckt.

Beispiele:
[1] Er erfackte das Wort „kömmen“ durch Zufall.

Mulwarfter Wetterschmöcker

Dass Game of Thrones nicht allen gefällt, kann ich verstehen, schliesslich sind Blut, Drachen, Schwerter, Sex, Zombies, Zwerge und Inzest nicht jedermanns Sache.

Dass aber manche Leute stolz drauf sind, noch nie eine Folge von diesem Mist, wie sie es nennen, gesehen zu haben, verwundert mich dann doch.
Man kann es für Mist halten, auch ohne je eine Folge gesehen zu haben, daran habe ich nur wenig auszusetzen.1 Ich verstehe aber nicht, wie man auf etwas stolz sein kann, was man nicht getan hat.

Wohlgemerkt: Schokolade widerstanden zu haben, ist durchaus etwas, was man „getan“ hat, auch wenn man gar nichts „getan“ hat. Doch geleistet hat man da trotzdem was! Widerstehen kann also durchaus etwas sein, auf das man stolz sein kann.

Etwas, das man für Mist hält, braucht man aber nicht zu widerstehen. Das ist keine Leistung. Deshalb kann „Mist nicht schauen“ nichts sein, worauf man stolz sein kann.

Okay, da gibt es noch den Aspekt mit dem Gruppendruck, dem zu widerstehen schon eine Leistung sein kann. Und der Gruppendruck war bei Game of Thrones sicherlich nicht klein. Vielleicht ist das Nichttun von etwas, das man gar nicht tun will, ja doch eine Leistung, auf die man stolz sein kann?

Dem Gruppendruck zu widerstehen, wenn die Gruppe einen dazu drängt, sich lautstark über eine alte Dame lustig zu machen, ist etwas, worauf man stolz sein kann.
Dem Gruppendruck zu widerstehen, wenn die Gruppe einen dazu drängt, einer alten Dame über die Strasse zu helfen, ist dagegen nichts, worauf man stolz sein sollte.
Der Unterschied ist, dass die Welt in einem Fall nicht zu einem schlechteren und im anderen Fall nicht zu einem besseren Ort gemacht wird.

Damit stellt sich die Frage, ob das Nichtschauen von Game of Thrones – ganz ungeachtet dessen, ob es einem persönlich gefällt oder nicht – die Welt nicht zu einem schlechteren Ort macht?
Ich schätze, das kann man so nicht sagen.

Also wahrscheinlich doch kein Grund um stolz auf sich zu sein.
Viel eher gehört es in die Kategorie heldenhaften Unzulänglichkeiten. Wie beispielsweise nie gut in Mathe gewesen zu sein.

Hashtags unter Bildern

Hashtags sind eine geniale Möglichkeit sich an Diskussionen in sozialen Medien zu beteiligen. Mit Hashtags wie #metoo oder #BlackLivesMatter kann wirklich was in Bewegung gesetzt werden.

Man kann so zu einem Thema einen Kommentar abgeben. Sei es nun in Wort oder Bild.

Unter Bildern aber findet man bisweilen Hashtags zu Sachen, die auf dem Bild zu sheen sind. Und das ist bescheuert!

Im Kommentar postete Xenia übrigend zusätzlich noch folgende Tags: #fashion #ootd #style #outfit #jumpsuit #blue #xenia #miami #florida #chic #tchoumitcheva #fit #motivation #inspiration

Warum? Dass es #xenia #tchoumitcheva ist, sieht man. Dass sie #fit ist, auch. Dass es #fashion und #style und #chic ist, kann man sich denken, wenn es an Xenia hängt. Dass sie ein #outfit anhat, hat man auch schon längst mit bedauern festgestellt, und dass es ein #blue #jumpsuit ist, würde man wissen, wenn man davon was verstehen würde. Dass es an der #miamifashionweek, welche – wenig überraschend – in #miami stattfindet, das – wenig überraschend – in #florida liegt, hätte man sich auch denken können, wo es doch an der Wand hinter ihr steht. Was #ootd ist, musste ich nachschlagen: Outfit of the day. Das will ich ihr gern glauben. (Obwohl sie auf zwei Bildern vom gleichen Tag auch schon zwei verschiedene Outfits of the Day anhatte.)
Damit bleibt nur noch #motivation und #inspiration als neue #information: Dass sie motiviert und inspiriert ist? Das hat sie wohl auf dem Bild nicht auszurücken geschafft. Oder will sie damit ihre Follower motivieren und inspirieren? Schwer zusagen…

Bis auf die beiden Hashtags, von denen nicht ganz klar ist, was sie damit sagen will, sagt keiner etwas, was nicht schon vom Bild gesagt worden wäre. Dann hätte sie sie auch gleich weglassen können.

Aber seien wir ehrlich. Es geht nicht darum Blinden Instagram zugänglich zu machen. Es geht um etwas ganz anderes: Dieses Bild soll gefunden werden, wenn „blue“ oder „chic“ oder „fit“ gesucht wird. Diese Hashtags sollen sicherstellen, dass man in Diskussionen mitredet, an denen man gar nicht beteiligt ist.

Die Lektion von Abraham

„Was würdest du tun, wenn Gott dir sagt, dass du dein Kind töten sollst?“
„Sowas würde er nie tun.“
„Es wäre nicht das erste Mal. Er hat es zum Beispiel 2003 von Deanna Laney verlangt, worauf hin sie zwei ihrer drei Kinder umgebracht hat.“
„Das war nicht Gott, der zu ihr sprach. Das war eine Wahnvorstellung. Gott würde sowas nie tun.“
„Und wie steht es um Abraham? Dem hat er das auch aufgetragen.“
„Aber Gott hat ihn dann daran gehindert.“
„Gott trägt es also doch hie und da auf, er macht macht einfach – wohl weil er ein lieber Gott ist – in der letzten Sekunden IMMER einen Rückzieher.“
„Genau.“
„Wusste Abraham denn, dass Gott in der letzten Sekunde einen Rückzieher machen würde?“
„Ja…?“
„Also hat Abraham nur so getan als ob er im Begriff sei seinen Sohn umzubringen, wohl wissend, dass Isaak kein Haar gekrümmt würde, und für Gott war die Scharade okay?“
„Nein, natürlich nicht. Abraham vertraute darauf, dass alles gut kommen würde. Was auch immer geschehen wäre.“
„Selbst wenn er ihn nicht in der letzten Sekunde daran gehindert hätte?“
„Ja.“
„Vielleicht weil Abraham die Geschichte von Hiob kannte, die sich laut Biblehub ungefähr 50 Jahre zuvor ereignet haben soll, und deshalb wusste, dass Gott alles ersetzt, was er einem während Prüfungen nimmt? Sprich, dass er dann einen neuen, viel besseren Sohn erhalten würde?“
„Nein! Abraham vertraute darauf, dass alles gut kommen würde. Ohne Hintergedanken!“
„Und er tat es auch nicht, weil er sich vor dem Zorn Gottes fürchtete?“
„Nein!“
„Zeigte Gott damals den Menschen nicht bei vielen Gelegenheiten, dass es besser ist, sich vor seinem Zorn zu fürchten?“
„Schon, aber damit lehrte er die Menschen ihm zu gehorchen. Weil es das beste für uns ist. Weil er am besten weiss, was gut für uns ist.“
„Und um uns diese Lektion zu lehren, greift er auch manchmal zu unergründlichen Mitteln?“
„Genau.“
„Zum Beispiel dazu, dass er uns befiehlt unsere Kinder zu töten?“
„Ja..?“
„Und würdest du es tun? Deinen Sohn umbringen, im Vertrauen darauf, dass alles gut kommen würde? Sei es nun, dass er dir in der letzten Sekunde Einhalt gebieten oder dir später einen neuen, viel besseren Sohn schenken würde?“
„…“
„Vielleicht ist die Lektion aber auch die, dass du lernen sollst, ihm die Stirn zu bieten?“
„…“
„Würdest du dich denn nicht weigern? In einer persönlichen Beziehung kann man ja auch mal nein sagen.“
„…“
„Würdest du nicht deine Seele opfern um das Leben deines Kindes zu retten?“
„…“
„Ist dein Vertrauen in Gott gross genug um dein Kind einer Todesgefahr auszusetzen, die du nicht mehr kontrollieren kannst? Würdest du eine Zeitbombe an dein Kind montieren, die nur durch göttliche Intervention entschärft werden kann? Ob Gott Stopp sagt oder etwas stoppen tut, macht ja keinen grossen Unterschied mehr.“
„…“
„Ich meine, wie sicher bist du, dass Abraham nicht insgeheim plante es nicht wirklich bis zum bitteren Ende durchzuziehen? Oder ob ihm dieser Auftrag nicht sehr gelegen kam? Wie sicher bist du, dass Gott tatsächlich weiss, was in den Köpfen der Abrahams und der Menschen vorgeht? Ja, Gott bindet es uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Nase. Ist die Beteuerung, dass man Gedankenlesen kann nicht meistens ein Hinweis darauf, dass man es nicht kann? Wo in der Bibel demonstriert Gott diese Fähigkeit auf eine Weise, die sich nicht auch mit dem Barnum-Effekt erklären liesse? Vielleicht sowas in der Art wie:“

Und in der Schenke sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Ich gehe jetzt kurz vor die Tür und dann denke sich ein jeder von euch an eine Zahl zwischen 0 und 100 und schreibe diese auf eine Tonscherbe, die er dann unter seiner Tunika verstecken möge.“ Und nachdem Jesus das Zimmer verlassen hatte, taten die Jünger wie geheissen. Als Jesus bald darauf zurück kam, sprach er: „Petrus, du hast die 37“ und Petrus sagte: „Ja.“ „Andreas, du hast die 2“ und Andreas sagte: „Ja.“ „Jakobus, du hast die 37“ und Jakobus sagte: „Ja.“ „Johannes, du hast die 66“ und Johannes sagte: „Ja.“ „Philippus, du hast die 100“ und Philippus sagte: „Ja.“ „Bartholomäus, du hast die 88“ und Bartholomäus sagte: „Ja.“ „Matthäus, du hast die 34“ und Matthäus sagte: „Ja.“ „Thomas, du hast die 3“ und Thomas sagte: „Ja.“ „Jakobus, Sohn des Alphäus, du hast auch die 37“ und Jakobus, Sohn des Alphäus sagte „Ja.“ „Simon, du hast die 52“ und Simon sagte: „Ja.“ „Judas, du Scherzkeks“, du hast einen Frosch auf deine Scherbe gemalt“ und Judas, der Scherzkeks wurde rot und sagt: „Ja“ „Matthias, du hast die 97“ und Matthias sagte: „Ja.“ Und alle waren verblüfft. Und auch der Araber Yaʿqūb Al-Randi, der zufälligerweise auch in der Schenke sass und diesem Wunder beiwohnte, war ebenfalls verblüfft und zahlte Jesus und seinen Jüngern einen Weinschlauch.

Offenbar nicht in der Bibel

Energieerhaltungssatz in der Literatur

Der Energieerhaltungssatz drückt die Erfahrungstatsache aus, dass die Energie eine Erhaltungsgröße ist, dass also die Gesamtenergie eines abgeschlossenen Systems sich nicht mit der Zeit ändert. Energie kann zwischen verschiedenen Energieformen umgewandelt werden, beispielsweise von Bewegungsenergie in Wärmeenergie. Außerdem kann sie aus einem System heraus oder in ein System hinein transportiert werden, es ist jedoch nicht möglich, Energie zu erzeugen oder zu vernichten. Die Energieerhaltung gilt als wichtiges Prinzip aller Naturwissenschaften.[1]

Wikipedia zum Energieerhaltungssatz

Es gibt einen Energieerhaltungssatz in der Newtonschen Mechanik, es gibt einen in der Thermodynamik, einen in der Elektrodynamik, einen in der Relativitätstheorie und einen in der Quantenmechanik. Von einem in der Literatur war bisher jedoch noch nie die Rede. Dafür wird es nun aber höchste Zeit!

Das meine ich jetzt nicht metaphorisch oder so, also dass beispielsweise die emotionale Energie von einer Form in eine andere umgewandert werden kann.
Ich meine es ganz konkret: Man kann keine Energie erzeugen. Punkt.
Wenn Superman täglich die 12’000 kcal (=50208 kJ) verdrückt, wie es „The Mountain“ tut (was übrigens sehr viel Zeit in Anspruch nimmt), dann kann er pro Tag maximal 2’560’608 kg um zwei Meter1 anheben. Kein bisschen mehr, kein bisschen höher2.

Doch Superman kriegt das hin.

Denn es gilt als allgemein akzeptiert, dass Superman mehr als 100’000 kg zu stemmen vermag 3. Das entspricht etwa dem Gewicht eines Space Shuttle Orbiters oder eines halben Blauwals. Und wenn sich Superman schon die Mühe macht einen halben Blauwal hochzuheben, dann liegt die Vermutung nahe, dass er diesen irgendwohin bringen will4. Und da hat er dann auch bald mal sein Pensum an 50 Meter Höhendifferenz aufgebraucht.

Irgendwas geht da also nicht mit rechten Dingen zu…

Ich will nicht behaupten, dass hier die Energieerhaltung verletzt wird, denn der Schauplatz von Supermans Abenteuern, die Erde, ist kein abgeschlossenes System. Das heisst, wenn Superman in seiner Haut Photosynthese betreiben kann, dann stehen ihm (zumindest bei schönem Wetter) pro Sekunde nochmals jeweils 2.16 x 1367 Joule5 zur Verfügung, was bei einem halben Wal zusätzlich 1.02 Mikrometer ausmacht – was, wie ich denke, vernachlässigt werden kann.
Das heisst aber nicht, dass es nicht noch andere Möglichkeiten gibt. Vielleicht isst er zum Frühstück kryptonisches Müesli mit 42 YJ pro Löffel und hat es bisher einfach zu erwähnen vergessen. Oder vielleicht ist sein Wurmfortsatz, ohne dass es ihm bewusst wäre, ein Wurmlochfortsatz, durch das er die Energie aus fernen Sonnen absaugt. Wer weiss das schon, möglich wäre es…

So oder so, wenn man die Energieerhaltung berücksichtigt, fehlt die Energie, die Superman durch das Rumschleppen halber Wale zur Rettung von Kätzchen auf Bäumen verplempert, irgendwo im Universum, wo sie womöglich gerade bitter nötig wäre6.

Der Energieerhaltungssatz lehrt uns also, dass Superman (resp. der Autor) entweder flunkert, was seine Fähigkeiten betrifft, oder aber, dass das Retten von süssen Kätzchen ganze Galaxien in Gefahr bringt7.

Dass der Autor das nicht wollte, hat nichts zu bedeuten. Es passiert, weil es die einzig mögliche Schlussfolgerung ist.
Wenn der Autor seinen Helden einen Handgranate in eine Menschenmenge werfen lässt, die Detonation aber nicht beschreibt, dann hat sie sich nicht nicht ereignet. Ausser und nur wenn der Autor explizit erwähnt, dass es ein Blindgänger war. Und sich damit an den Energieerhaltungssatz hält!

Das gleiche gilt für Zauberei und alles andere, wo die Energieerhaltung scheinbar nicht so wichtig ist. Wenn Harry Potter einen Haufen Essen auf den Tisch zaubert (und wir wissen, dass das Essen nicht aus dem nichts entstanden ist, sondern es von irgendwoher stammt, und wir auch wissen, dass Harry keine Hauselfen beschäftigt), dann sitzt irgendwo auf der Welt eine Familie versammelt um einen leeren Tisch, nachdem die Mutter stundenlang für nichts und wieder nichts gekocht hat.

Die Konsequenzen sind da, auch wenn sie nicht erwähnt werden!

Und selbst wenn der Autor einen Disclaimer veröffentlich, dass in dieser Geschichte der Energieerhaltungssatz ganz bewusst nicht gilt, besteht ein Problem: Auch hier stehen wir vor der ernüchternden Tatsache, dass Superman (oder Harry Potter) mit seiner Fähigkeit aus dem Nichts Energie zu erschaffen eigentlich wesentlich mehr Gutes anstellen könnte. Verbrechensbekämpfung ist zwar nobel, wenn man dafür aber darauf verzichtet, weltweit für faire Wahlen zu sorgen, bei Hungerkatastrophen mit einem Pizzalieferdienst auszuhelfen und vor allem eine saubere und nachhaltige Energieversorgung8 sicher zu stellen, dann gehört auch er zu den Bösewichten9 und sein Kampf gegen die Unterwelt ist nichts anderes als ein Krieg um die Vorherrschaft in ebenjener.

Nonnen und andere Cosplayer

Wenn ich Nonnen und Mönche sehe, weckt das bei mir immer ein bisschen Mitleid. Doch eigentlich ist das gar nicht nötig. Im Gegenteil. Sie leben ihre Fantasie hauptberuflich aus, während die anderen Cosplayer es nur in ihrer Freizeit tun.
Okay, es ist schon ein bisschen traurig, dass sie Fantasie nicht von Realität unterscheiden können, aber solange sie von der Gesellschaft nicht stigmatisiert werden, leidet niemand darunter. Vorausgesetzt natürlich, dass sie nicht aufgrund ihrer Rolle qualvoll sterbenden Menschen ihre schmerzlindernden Medikamente vorenthalten, sondern sich stattdessen lieber irgendwelchen magischen Beschwörungen hingeben.
Etwas traurig finde ich auch, dass sie ihre Charaktere nicht etwas „ausschmücken“. Cosplay-Rüstungen beispielsweise sind in der Regel nicht wirklich funktional, dafür aber sexy. Diese Art von Verspieltheit fehlt bei Nonnen und Mönchen fast gänzlich.

Was Priester betrifft, regt sich bei mir weniger das Mitleids sondern eher ein bisschen Wut. Auch bei ihnen ist die Hingabe ans Cosplay zweifellos bewundernswert, doch übertreiben sie es regelmässig, wenn sie die Sinplayer1 in ihren Hallen zusammenrufen und sie mit ins Spiel hinein zu ziehen versuchen. An der Comic-Con mag sowas noch okay sein, aber wenn sie damit Straftaten zu vertuschen versuchen und gleichzeitig mit ihren antiken und diskriminierenden Ideen den aktuellen politischen Diskurs zu beeinflussen versuchen, geht mir das definitiv zu weit.

Man darf mich nicht falsch verstehen. In einer Demokratie finde ich es eigentlich durchaus okay, wenn die Leute entsprechend ihres Cosplay Genres ihre Wahlzettel ausfüllen. Ein bisschen Steam Punk Ästhetik an öffentlichen Gebäuden würde sicherlich nicht schaden. Ein bisschen Minne im Eherecht auch nicht. Doch ich bezweifle, dass irgend ein Steam Punker ernsthaft für den kompletten Ausstieg aus der Elektrizität zugunsten der Dampfkraft wäre. Oder irgendein Mittelalter-Enthusiast für die Übernahme der Kosten für Keuschheitsgürtel von Frauen während der Geschäftsreise ihrer Männer durch die Krankenkassen.
Bei den Cosplayern der Genres Shotacon2 bin ich mir jedoch nicht so sicher, ob sie – wenn man sie lassen würde – ihr LARP Regelwerk nicht gern für alle verbindlich und wortwörtlich umsetzen würden…

Brexit und der Tod der Demokratie

Der Youtuber Rationality Rules meint, dass ein zweites Brexit-Referendum nicht okay sei, weil man damit nicht den Willen des Volkes respektiere. Da ist schon was dran. Er meint auch, dass wenn schon, dass man erst mal die EU verlassen müsste, und dann erst wieder abstimmen könne, ob man wieder in die EU zurückzukehren wolle. Auch da hat er schon auch irgendwie recht. Und er fürchtet, dass ein zweites Brexit-Referendum den Tod der Demokratie bedeuten würde. Und genau hier, finde ich, liegt er falsch.

Er hat schon recht, man kann einen Volksentscheid nicht einfach ignorieren, nur weil er einem zufällig nicht passt. Prinzipien müssen auch gelten, wenn es weh tut.
Aber es gibt Sachen, die wichtiger sind als ein Volksentscheid. Die vom Völkerrecht garantierten Menschenrechte zum Beispiel.
Auch wenn das Volk Ja zur Todesstrafe für Homosexuelle sagen würde, dürfte eine solche Vorlage nicht umgesetzt werden. Punkt.

Brexit gehört allerdings nicht in diese Kategorie. Aus der EU auszutreten, verletzt keine höheren Prinzipien. Die Entscheidung, ob man in der EU bleiben will, sollte im Gegenteil tatsächlich vom Volk getragen werden1.

Dann gibt es da noch die interessante Frage nach dem Unterschied zwischen dem, was die Initianten wollen und dem, was der Gesetzestext tatsächlich besagt. Manchmal kann das deutlich auseinander gehen. Bei der Stripendiums-Vorlage ging es darum, dass man staatliche Universitätsstipendien für StrapsenträgerInnen einführen solle, irgendwie konnte der juristische Text, wie sich erst viel später herausstellte, aber auch dahingehend interpretiert werden, dass Montags schweizweit der Linksverkehr gelten müsse. Dies war von den Initianten nie beabsichtigt gewesen. Wenn die Vorlage nun angenommen worden wäre, hätte man diesen Aspekt bei der Umsetzung problemlos ignorieren können ohne damit der Demokratie in irgendeiner Weise zu schaden, weil ihn die Initianten weder beabsichtigt hatten noch im Wahlkampf je thematisierten.
Daran ändert auch nichts, wenn ein paar Leuten diese Interpretation aufgefallen wäre, sie nichts gesagt hätten und genau aus diesem Grund für das Stripendium gestimmt hätten.

Dass man diesen Punkt bei Brexit geltend machen kann, halte ich für fragwürdig. In der ganzen Diskussion über ein zweites Referendum war meines Wissens nie von unbeabsichtigten formaljuristischen Patzern die Rede sondern immer nur von sehr beabsichtigter Irreführung. Während bei der No-Billag Abstimmung vielleicht noch ein paar Leute denken konnten, es gehe dort allein darum, der Billag das Mandat zu entziehen, und nicht etwa um die komplette Abschaffung der „Zwangsgebühren“, gegen welche sie grundsätzlich gar nichts einzuwenden gehabt hätten, lässt der Name Brexit nur wenig Spielraum für andere Interpretationen als den britischen Exit.

Ja, man hätte irgendwie auf die Idee kommen können, dass man mit dem Geld, das wöchentlich in die EU fliesst, selbstverständlich das Gesundheitswesen sanieren könnte. Das liess aber niemanden vergessen, dass man dafür zuerst mal die EU verlassen musste um das Geld anders einsetzen zu können.
Ehrlich gesagt, bezweifle ich aber, dass irgendjemand dem Bus tatsächlich glauben schenkte. Was dann wiederum das Argument, dass sich viele von illusorischen Versprechungen blenden liessen, etwas arrogant erscheinen lässt.

Alle Politiker lügen oder biegen sich die Fakten ein bisschen zurecht. Man könnte es die po(l)etische (±) Freiheit nennen. In der Politik geht es nicht um die WAHRHEIT, sondern um Geschichten, die die Welt in eine bessere (oder zumindest weniger schlechte) Zukunft bringen sollen. Und das schaffen Fiktionen manchmal besser als Fakten – solange sie von den Fakten nicht allzu weit entfernt sind. Und das ist okay, sofern alle darum wissen. Und das tun sie.
Damit legitimiere ich aber in keinster Weise die Lügen. Ich vertraue darauf, dass sich Lügen auf lange Sicht nicht auszahlen und deshalb tunlichst vermieden werden – vor allem auch, weil es viel elegantere Mittel als die Lüge gibt um seinen Willen durchzusetzen2. Ich verurteile lediglich die Empörung, denn die ist immer etwas heuchlerisch.
Wenn die Lügen aber ein gewisses Mass an Dreistigkeit übersteigen, dann… ja dann sollte es vielleicht schon angemessene Konsequenzen haben. Ich denke da an einen hypothetischen Fall, wo ein Präsidentschaftskandidat nur durch höchst illegale Machenschaften seine Wahl gewinnt? In einem solchen Fall würde es eigentlich nicht reichen, den Präsidenten abzusetzen und ins Gefängnis zu werfen und an seiner statt den Vice, der vielleicht tatsächlich von alledem nichts wusste, regieren lassen, weil sich sowas viel zu einfach missbrauchen liesse.

Anyway3… was meines Erachtens Rationality Rules nicht genügend bedenkt, sind die Protestwähler. Wenn Abstimmung-Prognosen4 darauf hindeuten, dass das Ergebnis deutlicher rauskommt als die „Parteien“ es verdienen, dann kann man geneigt sein etwas anderes in die Urne zu werfen als wenn die Prognosen anders aussähen. So könnte ich beispielsweise eigentlich fürs Bleiben in der EU sein, doch auch überzeugt davon sein, dass da etwas fundamental falsch läuft. Wie lasse ich das die Politik wissen? Mit einem knappen Entscheid!
Die Politik müsste eigentlich anders laufen, wenn das Ergebnis sehr knapp war, als wenn es sehr deutlich war. Allein schon aus reinem politischen Selbsterhaltungstrieb.

Natürlich sind Protestwähler, welche den tatsächlichen Willen des Volkes in einer bestimmten Frage mehr oder weniger massiv verfälschen, kein Grund das Ergebnis einer Abstimmung für ungültig zu erklären5, doch ist damit die „seltsame“ Eigenschaft verknüpft, dass man seine Meinung ändern kann…
Und genau das ist mein eigentlicher Einwand gegen den unvermeidlichen Tod der Demokratie: Neue Informationen lassen uns manchmal eine Situation anders einschätzen als zuvor. Und wenn die Umsetzung einer Entscheidung lange dauert, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass man es am Tag der Umsetzung eigentlich lieber ganz anders haben möchte6.
Wieso wird das in der Demokratie nicht berücksichtigt? Weil es schwer umzusetzen ist? Und wenn schon! Es wäre nicht der Tod der Demokratie, sondern deren nächste Generation.

Es geht hier nicht darum, die gleiche Frage nochmals vors Volk zu bringen, sondern die Diskussion weiter zu führen und wenn nötig die daraus resultierenden Konsequenzen zu ziehen.
Wenn die Briten es sich also anders überlegt haben, dann sollte das berücksichtigt werden. (Wenn allerdings Europa es sich in der Zwischenzeit ebenfalls anders überlegt hat und dieses jetzt getrennte Wege vorziehen würde, dann müsste natürlich aus das bedacht werden.)

Das zweite Referendum, resp. das Referendum der zweiten Generation müsste daher lauten: „Angesichts der Schwierigkeiten bei den Verhandlungen über Brexit und des ungewissen Ausgangs, wollen wir da die Sache nicht erst mal auf die Seite legen und so lange noch in der EU bleiben?“

Erbauliches Zitatplakat

Die Agentur C erfreut die Schweiz immer mal wieder mit nem erbaulichen Zitatplakat:

Gott gibt den Müden Kraft…
Die Bibel: Jesaja 40,29

Sie könnte aber, wenn sie die Zitate zufällig picken würden, auch weniger erbauliche Zitate aufhängen. Respektive erbaulich nur für die Hälfte der Bevölkerung:

Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann herrsche, sondern sie sei still.
Die Bibel: 1. Timotheus 2,12

Sie könnten die Schweiz aber auch mit Zitaten aus anderen Werken zukleistern:

Es liegen die Eier des Kolumbus zu Hunderttausenden herum, nur die Kolumbusse sind eben seltener zu finden.
Mein Kampf: 2. Kapitel

Wäre es okay, wenn die Agentur C auch solche Plakate aufhängen würde? Der Satz ist lustig und könnte durchaus zum Nachdenken anregen. Bloss der Kontext – so heisst es – sei ein klitzkleines bisschen problematisch. Reicht das um ein durchaus originelles Zitat lieber nicht aufhängen? Und wenn ja, warum? Weil man durch die Anerkennung der Qualität einer Textstelle automatisch auch die einer anderen des gleichen Autors im gleichen Kapitel anerkennt?

Zum Beispiel diesem:

So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“
Mein Kampf: 2. Kapitel

Wie er bloss auf die Idee gekommen ist…

Du wirst alle Völker vertilgen, die der HERR, dein Gott, dir geben wird.
Die Bibel: 5. Mose 7,16

Okay, das brauchen ja aber nicht unbedingt gleich als erstes die Juden zu sein, oder?

Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die das Böse tun, zuerst der Juden und auch der Griechen.
Die Bibel: Römer 2,9

Vielleicht ist die Vorstellung, dass Gott den Müden Kraft gibt, doch gar nicht so erbaulich… wenn sie erschöpft sind vom Massakrieren von Juden, Schwulen und
Ehebrechern.

Der große Schwindel vom schwarzen Loch


Das erste Bild von einem schwarzen Loch. Es befindet sich im Zentrum der Galaxie Messier 87.

Frédéric Schwilden wirft in seinem Artikel in der welt.de einen nicht ganz so euphorischen Blick auf die Veröffentlichung des ersten Fotos von einem schwarzen Loch und leistet sich dabei den einen und den anderen Fehlschluss.

Schauen wir uns den Text jetzt mal Abschnitt für Abschnitt an.

„Am Ende wissen wir immer noch nicht, wie ein schwarzes Loch aussieht“, müsste die Meldung eigentlich richtig heißen. Aber stattdessen titeln Nachrichten mit „Forscher zeigen erstmals Foto von einem schwarzen Loch“ und verbreiten damit knallharte Falschmeldungen. Nicht, was Sie jetzt denken. Das sind keine Fake News. Aber es ist trotzdem falsch.

Je nach dem, wie tief in die Philosophie Frédéric Schwilden hier einzutauchen gedenkt, könnte er schon irgendwie recht haben.
Ich meine, was wir hier sehen ist die Wirkung des Schwarzen Lochs auf das Licht in seiner Umgebung (irgendwo ganz weit, weit weg) und das ist tatsächlich nicht wirklich das Schwarze Loch. Andererseits ist das, was wir sehen, wenn wir einen Stuhl betrachten auch nur die Wirkung des Stuhls auf das Licht in seiner Umgebung.
Ich halte es daher nicht für zu verwegen, das, was ich sehe, wenn ich in die Richtung eines Objekts schaue, als das Aussehen dieses Objektes zu bezeichnen.

Foto ist die Kurzform von Fotografie. Und Fotografie wiederum leitet sich aus dem Griechischen ab und heißt so viel wie Zeichnen mit Licht.

Ich bin mir nicht sicher, wieso das wichtig wäre. Ist ja nicht so, dass die Griechen den Begriff geprägt und damit ausschliesslich die analoge Fotografie gemeint hätten und nicht die digitale…

Ich weiß nicht viel, aber ich weiß, was ein Foto ist.

Das suggeriert doch, als ob das vom schwarzen Loch keins wäre, oder kommt nur mir das so vor? Ausführen tut er seine Kritik aber nicht. Ich kann nur annehmen, dass es damit zusammenhängt, dass man es an verschiedenen Orten aufgenommen und dann mit dem Computer zusammengesetzt hat.

Ein schwarzes Loch wiederum ist ein Ding im Weltraum, das einen so krassen Sog hat, dass nichts aus ihm herauskommen kann. Auch kein Licht.

Kann man gelten lassen.

Und kein Licht kann man nicht fotografieren.

Okay, der ist gut!
Wenn das der Kronzeuge seines Arguments ist, dann muss man es wohl oder übel gelten lassen. Überführt durch eine semantische Spitzfindigkeit.

Was wir auf dem Bild sehen oder sehen sollen, ist ein sehr schnell rotierender Strudel an Materie, der durch die Rotationsgeschwindigkeit so heiß wird (es ist von Millionen Grad heißem Gas die Rede), dass er eben glüht. Wäre das schwarze Loch ein Auto, wäre etwa so getitelt worden: „Erstmals Foto des schnellsten Autos der Welt gelungen“, und man würde darauf nur aufgewirbelten Staub auf einer Straße sehen. Aber kein Auto.

Wenn ich zum Himmel rauf schauen und den Kondensstreifen eines Flugzeugs sehe, ist das dann kein Flugzeug?
Ist das nicht bloss Wortklauberei?

Das sind aber nur Details.

Dann sind wir uns ja einig.

Es geht um etwas anderes. Da setzen sich also Frauen und Männer (A.d.R. die Wissenschaftler, die das Foto präsentieren) […] vor eine aufgestellte Leinwand. […]
Und dann sagen die da auf der Konferenz Dinge wie, dass sie sehr viele Radioteleskope zu einem „virtuellen Teleskop“ zusammengebaut hätten, dass die Teleskope über mehrere Atomuhren synchronisiert wurden und dass dieses gebaute virtuelle Teleskop einer einzelnen Antenne von einem Durchmesser von 8000 Kilometern entspräche und dass man deswegen das schwarze Loch so detailliert sehen könne.

Ja, das kommt so ungefähr hin.

Und dann das Foto vom schwarzen Loch! […] Und ich warte die ganze Zeit darauf, dass irgendwo bekannt gegeben wird, dass das Ganze ein Gag von Jan Böhmermann war oder die Guerilla-Werbekampagne für einen Film mit Eddie Murphy als verrücktem Wissenschaftler.

Also doch Fake News?

Wir leben in einer Welt, in der wir erwarten, dass alles überprüft und belegt werden kann.

Jap. Und sollte!

Als Journalisten prüfen wir Aussagen auf ihre Richtigkeit, wir nennen das Factchecking.[…]

Jap.

Aber das schwarze Loch ist unüberprüfbar.

Da wäre ich mir jetzt nicht sooo sicher…
Mag sein, dass das alles ein riesen Schwindel ist und es sich tatsächlich um die
„unscharfe Handyaufnahme eines Power-Knopfes eines rot leuchtenden Gaming-Computers aus den Neunzigern“ handelt. Und selbst wenn diese konkrete Überprüfung nicht gültig wäre, bedeutet aber nicht, dass die Sache grundsätzlich nicht überprüfbar sein kann. Das ist leider ein Fehlschluss.

Es ist ein Gegenstand, der so weit weg ist, dass man sich nicht vorstellen kann, wie weit das ist, ein Gegenstand, der so abstrakt ist, dass ihn sich außer den fünf Wissenschaftler*innen aus den USA und 100 irren Nerds niemand denken kann. Ich kann es nicht. Und meine Fantasie ist wirklich unbegrenzt.

105 Menschen können sich die Sache also denken und überprüfen. Was hat da der Umstand, dass der Autor, der sich selbst eine Fantasie ohne Grenzen attestiert, es nicht kann, noch für ein Gewicht? Wenn auch nur ein einziger Mensch den „Dreifachen Lindy“ kann, dann ist er nicht unmöglich.

[…]
Alles an dem schwarzen Loch und der Entdeckung ist genial. Weil alles dazu nur Aussagen sind, die aus einem System heraus kommen, das einzig und allein die Deutungshoheit über die Gegenstände dieses Systems hat.
Am Ende ist es kein Unterschied mehr, ob Katholiken über Gott oder Wissenschaftler über ein Loch reden. Für Menschen außerhalb des Systems ist es absolut unverständlich, unbeweisbar …

Das stimmt schon. Über schwarze Löcher kann man nur ernsthaft diskutieren, wenn man das Äquivalent einiger Semester Physik-Studium auf dem Buckel hat. Laien haben da keine Chance Factchecking zu betreiben und können daher auch kaum unterscheiden, ob eine bestimmte Aussage solide oder woo-hoo ist.

… und damit auch nicht existent.

Nur weil ich etwas nicht verstehe und die Belege für dessen Gültigkeit nicht nachvollziehen kann, ist es deshalb noch lange nicht inexistent. Ich meine ich habe keine Ahnung wie Gartenbau funktioniert und ich kann auch nicht abschätzen ob ein bestimmten Handgriff nützlich ist. Daraus zu schliessen, dass es demzufolge gar keinen Garten geben kann, ist dann doch etwas weit her geholt.
Okay, wenn Frédéric Schwilden damit meint, dass schwarze Löcher keinen Einfluss auf sein Leben hat und deshalb für ihn genauso gut nicht existent sein könnten, dann könnte er damit schon recht haben. Ich bin mir da aber nicht so sicher.

Das schwarze Loch existiert nur durch den Glauben daran, denn mehr als glauben können die meisten Leute der Welt nicht, wenn es um schwarze Löcher geht.

Nein, er meint es tatsächlich so. Er stellt den Glauben an schwarze Löcher mit dem Glauben an einen Gott gleich – dessen Existenz man selbst nach einem Studium der Theologie nicht beweisen kann – und das bei der Gelegenheit, wo ein Foto von Gott ich meine dem schwarzen Loch der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Oder meint er vielleicht doch „Das schwarze Lich existiert für den Laien nur durch den Glauben daran.“? Sprachlich wäre eine solche Interpretation zwar schon möglich, aber dann hätte er sich sehr schlecht ausgedrückt.

Mein Vater war übrigens Professor. […] Ich habe absolut keine Ahnung, was er wirklich gemacht hat. […]

Dann waren die Ergebnisse der Arbeit seines Vaters also auch nicht existent? Und haben Laien nicht geholfen? Schade, wo sein Vater doch Anästhesiologe war…

Jedenfalls hat mein Vater gesagt: „Je mehr man erforscht und je mehr man weiß, desto mehr Fragen tauchen auf, die niemand mehr beantworten kann, ohne das Wort Gott oder ein irgendwie geartetes Äquivalent zu gebrauchen.“

Oh ja, da hat er sicher recht. Mit jeder Antwort tun sich Duzende neue Fragen auf. Das heisst aber nicht, dass man weniger weiss. Das behauptet er aber auch gar nicht.
Er stellt nur fest, dass sie niemand mehr beantworten kann. Was ein bisschen dramatisch klingt, im Grund aber ein Tautologie ist. Eine neue Frage kann zum Zeitpunkt ihres Auftauchens nie sofort beantwortet werden – sonst wäre es ja keine neue Frage.
Und in solchen Fällen fällt das Wort Gott womöglich tatsächlich überdurchschnittlich häufig. So im Sinne von: „Mein Gott, das hätte ich jetzt aber echt nicht erwartet.“

Unter dem Strich ist das „Bonmot“ aber natürlich quatsch. Würde es stimmen, würde die Wissenschaft inzwischen von Gottesreferenzen überquellen – was sie nicht tut.

Die Sache mit Gott in der Wissenschaft ist, dass er das Ende markiert. Er bedeutet, dass es weiter nicht erklärt werden kann und man sich einem anderen Thema zuwenden soll.

Wissenschaft ist am Ende Religion. Und ich glaube gern daran.

Nein. Und daran ändert auch nichts, wenn Leute das inbrünstig glauben.

Fazit (alias Nachtrag)

  • Man kann ein schwarzes Loch nicht fotografieren, weil kein Licht von diesem reflektiert wird. Das Foto aber zeigt das, was man sieht, wenn man davor steht. Genau wie bei einem (vantaschwarzen) Stuhl.
  • Für Laien ist das Konzept eines schwarzen Lochs nicht von einem magischen Objekt in einem Märchen zu unterscheiden. Wenn man sich jedoch lange genug mit dem Thema beschäftigt, erkennt man, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht.
  • In der Religion macht zwar ebenfalls alles umso mehr Sinn, je länger man sich damit beschäftigt. Hier liegt es aber an einem psychologischen Schutzmechanismus, der verhindert, dass man verzweifelt, weil man zu viel Zeit mit dem ganzen Blödsinn verschwendet hat. In der Wissenschaft stellt sich demgegenüber trotz des nachweislich unglaublichen Wissenszuwachs und des damit verbundenen technischen Fortschritts dennoch gern das sokratische Gefühl ein, dass man eigentlich doch gar nichts weiss. Und während man in der Wissenschaft irgendwann einmal den magischen Schleier lüftet und ein Foto des aus der Theorie abgeleiteten Objekts vorweisen kann, kommt die Religion nicht vom Fleck – wobei die Wissenschaft vorausgesagt hat, dass man so ein Foto irgendwann mal würde präsentieren können, während die Religion uns versichert, dass das im Fall von Gott sicher nie geschehen wird.
  • Hinzu kommt, dass auch die Früchte der Forschung für Laien oft nicht wirklich klar ersichtlich sind und dass man da schnell mal am Sinn der massiven Investitionen zweifeln kann. Dies ist so, weil die kausale Verbindung beispielsweise zwischen Relativitätstheorie und GPS nicht gerade offensichtlich ist.

Wenn der Artikel dies zum Ausdruck bringen wollte und damit für mehr Vertrauen in die Wissenschaft und für eine qualitativ hochstehende Wissenschaftskommunikation  plädieren wollte, dann ist er ein wenig begabter Autor.
Und wenn er der Religion den Rücken stärken wollte, dann erwies er ihr einen Bärendienst, denn er argumentierte hier für einen Gott der Lücken, welche von der Wissenschaft nach und nach geschlossen werden.


Und so schliesse ich mit dem folgenden Zitat


Wissenschaft ist das Beseitigen von falschen Vorstellungen.
Religion ist das Festhalten an Vorstellungen, die zu hinterfragen angeblich einfach nicht möglich sein soll.

avatar

Ian Hazelwood

Influenzer

Auch schon erlebt?
Schnürsenkel offen oder Hose rutscht oder Frisur schepp und bücken ist zu anstrengend, der Gürtel hat nicht genug Löcher und der Kamm nur noch einen Zahn.
Also trägt man es cool.

Natürlich erfolglos.
Man startet keinen neuen Trend, sondern gibt sich dem Gespött der Öffentlichkeit preis.

Und dann, genau ein halbes Jahr später läuft jeder so rum.

Stell dir vor, es gibt Leute, deren Faulheit kein karmischer Bumerang ist. Sie vermasseln was, tragen es cool und alle sind hin und weg. Sie nennen sich Influenzer und sind zu bedauern. Diese (wenigstens gelegentliche) Unfähigkeit sich lächerlich zu machen muss wohl eins der Symptome des berüchtigten Influenza-Virus sein, oder? Ich meine, dass Influenzer und Influenza so ähnlich klingen, kann doch kein Zufall sein, oder?


Eine Frage am Rande: Kann man etwas cool tragen ohne dass es zum Trend wird?
Also die folgende Reaktion hervorrufen: „Ja, erträgt weisse Socken in Sandalen, was eigentlich gar nicht geht, aber wenn ich mir Eda so anschaue geht es offenbar doch. Sieht cool aus. Aber nachmachen werde ich es nicht.“
Oder ist nichtansteckende Coolness in Tat und Wahrheit gar nicht cool?