Xundheit!

Manche Leute niesen, andere etwas häufiger. Und spätestens nach dem 5. Haptschi wird das „Xundheit!“-Wünschen natürlich lästig. Also ist man geneigt einen „Xundheits!“-Wunsch gleich für den ganzen Tag gelten zu lassen. Das ist an sich okay, hat aber seine Grenzen. Einen solchen Wunsch gleich auf einen ganzen Monat auszuweiten, birgt nämlich gewisse Probleme. Womöglich geht einem der andere nämlich mit der Zeit dermassen auf den Keks, dass man ihm statt der „Xundheit!“ lieber die Pest auf den Hals wünscht.
Während also nix zu sagen im schlimmsten Fall als unhöflich interpretiert werden kann, besteht beim kumulativen Vorauswunsch die akute Gefahr des dreisten Lügens. Und zumindest aus moralischer Hinsicht ist ersteres dem zweiten absolut und notwendigerweise vorzuziehen.
Andererseits hat der Nieser mit dem Dank zum „Xundheit“-Wunsch eine Art Vertrag abgeschlossen, dass er nun aber endlich gesund und ruhig sein würde. Und ein erneutes Niesen kommt daher einem Vertragsbruch gleich, der im Extremfall gar vor dem Bundesgericht landen kann.
Es empfiehlt sich daher sowohl aus moralischer als auch aus rechtlicher Sicht, keine „Xundheits!“-Wünsche für mehr als 42 Stunden zu akzeptieren.

Hühnerhusten

Ich glaube, das Ausmass der heranrollenden Vogelgrippe wurde mir erst so richtig bewusst, als ich heute Morgen den folgenden Pfister-Werbeslogan las: „Sogar unsere Matratzen lassen jetzt Federn.

Ich hoffe inständig, dass es sich hierbei nur um ein zufälliges Zusammentreffen von unglückliches Umständen handelt, andernfalls könnte diese Werbung von Hühnern und anderem Flattervieh leicht als Karikatur interpretiert werden. Und nur Hitchcock allein weiss, wozu diese letzten lebenden Nachfahren der Dinosaurier fähig sind.
Und wo wir schon von Koinzidenzen sprechen; ich musste feststellen, dass das, was an Illustrationen in Jared Diamonds Buch Guns, Germs, and Steel: The Fates of Human Societies fehlt, durch das aktuelle Anschauungsmaterial in den Massenmedien mehr als Wett gemacht wird. Eine der Hauptthesen seines geographischen Determinismus postuliert einen direkten Zusammenhang zwischen dem Erfolg einer Kultur und der Fähigkeit auf der Grundlage sehr intensiver Viehzucht neue Krankheiten hervorzubringen, die für die „Erzeugerkultur“ wegen einer längeren Angewöhnungsphase eine Spur weniger tödlich sind als für deren Nachbarn. Wobei diese Fähigkeit sich insbesondere der grösseren Bevölkerungsdichte und dem engeren Zusammenleben von Mensch und Tier verdankt.

Wie dem auch sei, die ganze Geschichte hat schon beinahe etwas apokalyptisches an sich. Schliesslich zählen Vögel zur Schweren Artillerie der Symbolik: Die Schwäne beispielsweise, deren Kadaver ganz Europa in Panik versetzen, stehen für Reinheit, Mut und edle Herkunft. Oder die Hähne und Hennen, Lichtkünder und Beispiele des morgendlichen Fleisses, respektive Sinnbilder mütterlicher Fürsorge. Oder die Spatzen, Symbole für Bedeutungslosigkeit und Wollust. Oder die Eulen, die für Weisheit stehen. Oder die Tauben, welche uns als Boten des Friedens dienen. Oder die Störche, die uns die Kinder bringen. Oder die Pfauen, die Symbole für Eitelkeit. Oder die Adler, die seit dem Altertum für Könige und Götter standen. (Von Raben und Elstern, die Unglück, respektive Diebstahl bringen, gar nicht zu sprechen.)
Lauter Attribute unserer Gesellschaft also, auf die wir mehr oder weniger stolz sind. Und nun bringen uns diese engelsgleichen Symbole womöglich gar noch den Tod…
Es scheint fast, als hätte sich der Himmel gegen uns verschworen…
Das ist der Zwirn aus dem Legenden gewoben werden – oder Science Fiction Geschichten.

Aber wir hätten es wissen müssen!
Schon in dem Augenblick als Zeus in der Gestalt eines Schwans Leda verführte und mit ihr die schöne Helena zeugte, die später Troja das Verderben brachte.
Genau da hätten wir es schon wissen müssen! Denn auch da stoben Federn von der Matratze.

The Wall

Ich habe heute in einem Iss-So-Viel-Du-Willst-Restaurant ein Mädchen gesehen, das so spindeldürr war, das ich fast auf Magersucht tippen möchte. Sie trug ein Pink Floyd „The Wall“ T-Shirt.
Weil sie aber so unglaublich dünn war, hatte auf dem T-Shirt im Grunde nur ein einziger „Brick“ Platz und „not another“. Das perfide an diesem Anblick war der Wiederspruch an sich: Eine Frau, die in ihrem Körper gefangen ist (oder zumindest diesem Anschein erweckt), und den Ausbruch durch Pink Floyd zelebriert. Und gleichzeitig schien die Mauer dermassen zerbrechlich zu sein, dass ein eiziger Windstoss ausreichen würde um die davon zu tragen.

Quadratur des Kreises

Eine Person, die ich nicht näher beschreiben möchte, fand im Tiefkühler ein Coldpack, welches für gewöhnlich zum Kühlen von Schwellungen verwendet wird, und dachte in seiner eigenen unvergleichlichen Art, es handle sich um ein herausnehmbares Brustimplantat.
Das wirft ein paar essentielle Fragen auf:

  • Warum sind die Implantate quadratisch?
  • Wie funktionieren harausnehmbare Implantate? Mit Reisverschluss, Klettverschluss oder Druckknöpfen?
  • Wieso sollte sich eine Frau ihre Brustimplantate kühlen? Hat es vielleicht etwas mit dem Aggregatszustand der Brustwarzen zu tun?
  • Gibt es irgend etwas das man nicht mit Brüsten in Zusammenhang bringen kann?

Knutschkrebs

Folgendes spielte sich im Zug unmittelbar mir gegenüber ab.

Sie versucht ihm einen Knutschfleck auf den Hals zu machen.
Er wehrt sich: „Nein, nicht.“
„Dooooch.“
„Nein, bitte nicht.“
„Wiesooo nicht? Schämst du dich etwa für mich?“
„Nein, es ist ungesund.“
„Was ungesund?“
„Es verursacht Krebs.“
„Du rauchst. Davon kriegt man Krebs. Warum machst du dir jetzt sorgen wegen diesem Krebs?“
„Ej, ich bin 20, nicht 15.“
„Und?“
„Du bist 16.“
Das scheint sie zu überzeugen und so wirfst sie sich ihm an den Hals.
„Nicht beissen, bitte.“

Er hat schon recht mit dem Knutschkrebs, bloss ist das eher eine Gefahr für Mädchen.

Habe die Ehre!
gezeichnet, der Knutschkrebs

Klinische Effekte von Homöopathie sind Placebo-Effekte

Laut einem Artikel, der kürzlich in der Lancet, einer Fachzeitschrift, die sich dem Kampf gegen die weit verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft in der Medizin (in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) verschrieben und es sich zur Aufgabe gemacht hat zu reformieren, zu informieren und zu unterhalten, sollen die Beweise für einen spezifischen Effekt homöopathischer Heilmittel verdammt schwach sein. Die Autoren folgern gar, dass die klinischen Effekte von Homöopathie auf Placebo-Effekte zurückzuführen seien. Auch dieser wurde übrigens unlängst unter die Lupe genommen und man hat dabei festgestellt, dass der Glaube und die Erwartung, ein schmerzlinderndes Mittel zu bekommen, das Gehirn zur Produktion körpereigner Schmerzmittel, so genannter Endorphine, animiere. Diese setzen die Schmerzempfindlichkeit herab – auch dann, wenn gar kein zusätzlicher Wirkstoff verabreicht wird.

Dies bedeutet nun aber, dass die breite Skepsis gegenüber der konventionellen Medizin, die Patienten dazu führt, nach alternativen Therapien zu verlangen, nicht nur auf sehr wackligen Füssen steht, sondern dass damit die gute, alte Meduzin ihrer bisher ebenfalls vorhandenen Platzebowirkung (also der Animation zur Endorphin-Produktion) beraubt wird und man statt dessen auf Präparate zurückgreift, die nichts anderes als eben dies zu bieten haben. Natürlich ist sehr oft auch nichts anders nötig und es kann daher durchaus angebracht sein für einen Arzt Placebos zu verteilen, doch ein Problem bleibt: Wenn ich vom Arzt völlige Transparenz verlange, verhindere ich womöglich, dass er mir adäquat helfen kann.
Der Verstand vermag vielleicht nicht alles, aber eine einlullende, potenzierte Geschichte auch nicht den Rest.