Eda Gregr
13.11.2013 um 22:48

Kranke und Behinderte sollen sich nach den Worten von Papst Franziskus nicht für ihre Lage schämen. Für die Kirche und ihre Gläubigen seien sie eine „spirituelle Ressource“, sagte Franziskus am Samstag vor Betroffenen und Helfern in der Audienzhalle im Vatikan. Denn in ihnen zeige sich zum einen der leidende Christus, zum anderen ermögliche die Hilfe für die körperlich Bedürftigen, das Evangelium zu leben. „Schämt euch nicht dafür, ein wertvoller Schatz der Kirche zu sein“, so der Papst. Er kritisierte ein soziales und kulturelles Klima, in dem körperliche Mängel lediglich als Problem wahrgenommen und versteckt würden. (kath.net, 10. November 2013)

Schon seit jeher haben die Kirchen an den Kranken und Siechen ihre Barmherzigkeit zur Schau gestellt, soweit also nichts neues. Sich um einen Hilfsbedürftigen zu kümmern, bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass man nicht überzeugt davon sein kann, dass die betreffende Person aus eigenem Verschulden in diese Situation gekommen ist, und dass man sowohl die Situation als auch das Verschulden nicht verurteilen kann.
Ärzte haben keine Mühe damit: Wenn ein bei einer Schiesserei verwundeter Verbrecher ins Spital eingeliefert wird, wird er wie jeder andere behandelt, selbst wenn die Chirurgen seine Tat klar ablehnen. Auf die Wunde angesprochen, werden die Ärzte allerdings wohl kaum sagen, dass der Verbrecher sich für diese Schämen sollte. Eher dafür, was er angestellt hat, damit er sie erhielt.
Wenn also Franziskus sagt, der Behinderte soll sich nicht für seine Behinderung schämen, dann heisst das noch lange nicht, dass sie nicht trotzdem eine gerechte Strafe Gottes ist.
Auch heute noch werden nämlich Naturkatastrophen und Krankheiten als Strafe Gottes interpretiert. Von den Kirchen vielleicht nicht mehr so deutlich, doch distanzieren sie sich davon auch nicht explizit. Kein Wunder also, dass da eine latente Neigung sich zu schämen bestehen bleibt, wo man doch das Zeugnis einer Sünde auf dem eigenen Körper geschrieben steht.

Wäre den Kranken und Behinderten da nicht mehr gedient, wenn der Papst ein für alle Mal verkünden würde, dass Naturkatastrophen und Krankheiten keine Strafen Gottes seien?

Da ist aber noch was anderes, was mich fast noch mehr stört:
Ein „wertvoller Schatz der Kirche“ zu sein… stösst nur mir das sauer auf? Ein Schatz ist doch etwas, das mir etwas anderes begehrenswertes ermöglicht: Ein Schatz ist ein Mittel zum Zweck. Und das wird vom kategorischen Imperativ explizit abgelehnt: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloss als Mittel brauchest.“ (aus Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten)
Behinderte sind Ressourcen, die es den Gläubigen erlauben ihr Soll an Barmherzigkeit zu erreichen und damit dem himmlich Vater zu gefallen?

Was wäre wenn die Medizin alle Behinderungen und Krankheiten besiegen würde? Die Kirche wäre um Möglichkeiten gebracht das Evangelium zu leben…
Ist das der Grund, wieso die Kirchen sich heute gegen Stammzellenforschung und in der Vergangenheit gegen jeden medizinischen Meilenstein gestellt haben? Sehen sie ihren Schatz schrumpfen?

Körperliche Mängel sind eben doch ein Problem, allein schon deshalb, weil wir einerseits als Individuen und als Gesellschaft uns bemühen diese zu Verhindern, und weil wir andererseits denen die sie haben, ein möglichst unbeschwertes Leben ermöglichen wollen. Beides lässt sich auf vielerlei Weise bewerkstelligen. Manchmal erfolgreicher, manchmal weniger.
Daran scheint der Papst hier aber kein grosses Interesse zu haben. Für ihn sind körperliche Mängel eher eine Chance. Ihm geht es darum das Evangelium zu leben und den Gläubigen die Möglichkeit zu bieten ihre Barmherzigkeit unter Beweis zu stellen. Wo ist da die Motivation etwas zu verändern?

Ein moderner Heiliger in spe könnte da glatt auf die Idee kommen, sich zum Wohl der Menschheit zu verstümmeln.

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Eda Gregr
13.11.2013 um 19:31

Ava leuchtete mir mit der Taschenlampe ins linke Ohr und schaute ins rechte rein. Sie sagte sieht was helles. Hat sie mich belogen?

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Eda Gregr
12.11.2013 um 23:54

Ich habe die Superhelden bisher vor allem in ethischen Fragen kritisiert, resp. beraten, doch auch die Superkräfte an sich bergen gewisse Probleme. Ganz fundamentale Probleme, die man nicht so einfach ignorieren sollte, wenn man auch nur einen Pfitzelchen Wert auf Plausibilität legt.

TEDed – Superhero Sciences

Und damit hätten wir wohl auch ein für alle Mal den Beweis erbracht, warum Superhelden Comics nicht der Science Fiction anzurechnen sind. Nicht dass dort die Physik stets bis ins letzte Detail aufgehen würde, doch so schnell sollte sie definitiv nicht ins Schlingern kommen. Schade eigentlich.

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Eda Gregr
12.11.2013 um 22:40

@UberFacts: This year, a gas cloud is going to come too close to a Black Hole in the center of our galaxy and we’ll see it get ripped apart.

Die Entfernung der Erde zum Zentrum der Milchstraße beträgt laut Wikipedia 8kpc = 26’000 Lichtjahre. Das heisst, wenn die Gaswolche dieses Jahr dem schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstrasse zu nahe kommt, dann sehen wir es in 26’000 Jahren. Und wenn wir es dieses Jahr sehen, dann ist die Gaswolke vor 26’000 Jahren dem schwarzen Loch im Zentrum der Milchstrasse zu nahe gekommen. So wie es aber hier steht, funktioniert es nicht.

Und das schlimmste daran ist, dass selbst wenn man sich eben gerade noch über den Blödsinn, den UberFacts getwittert hat, höllisch aufgeregt hat, so glaubt man ohne Vorbehalte schon wieder den nächsten Tweet.
Man kann sich selbst dabei beobachten, dass man ein Gedächtnis hat wie Homer Simpson.

Beängstigend.

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Eda Gregr
11.11.2013 um 23:56

Superman fliegt bekanntlich bloss vor lauter Kraft. Zumindest war das ursprünglich so. Das Fliegen kam in den Comics erst später – möglicherweise aus dem Bedürfnis heraus auch mal während eines Sprungs die Richtung ändern zu können. Wohl aufgrund eines Rückgangs der planerischen Fähigkeiten von Superman.

Da fragt man sich doch, ob Bodybuilder irgendwie dem Traum vom Fliegen näher sind als wir Normalgebauten?

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Eda Gregr
10.11.2013 um 10:56

Nick Fury kenne ich natürlich, doch bis heute war mit nicht klar, dass er auch 1998 von David Hasselhoff verkörpert wurde. Ist das nur an mir unbemerkt vorbeigegangen oder ist das Teil eines Plans und ganz Europa ist betroffen?

Die Sache ist nämlich die, dass ich den starken Verdacht hege, dass wenn dieser Film ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen wäre, dass sich die Geschichte der letzten 15 Jahre massiv anders entwickelt hätte.
Wenn man sich Samuel L. Jackson oder die anderen Agenten von S.H.I.E.L.D. (Clark Gregg als Phil Coulson, Brett Dalton als Grant Ward oder Chloe Bennet als Skye) ansieht, dann weckt das eine ganz andere Erwartungshaltung gegenüber den Geheimdiensten der USA.

Grob gesagt, hätte sich nichts James Bond als Prototyp eines Spions etabliert sondern Nick „The Hoff“ Fury, dann wäre sowas wie die Snowden Affäre nie und nimmer möglich gewesen. Nicht dass die NSA nicht versucht hätte, ihre dunklen Machenschaften umzusetzen, man hätte sich von ihnen aber nicht einschüchtern lassen und ihnen einfach eins über die Finger gehauen.

.

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Eda Gregr
09.11.2013 um 23:59

Von welcher Frucht haben Adam und Eva denn nun genau gekostet?

Manche glauben in der Frucht der Erkenntnis eine Feige zu erkennen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil doch die erste vernunftbegabte Handlung von Adam und Eva darin bestand, sich aus Feigenblättern einen Lendenschurz zu basteln (Gen 3,7). Doch hätte auch einfach ein Feigenbaum in der Nähe stehen können.

Andere glauben, es sei ein Apfel gewesen, weil doch im Lateinischen die Begriffe Apfel (malum) und Böse (malum) so ähnlich seien. Wenn man sie fragt, wie das möglich sein soll, wo doch zu jener Zeit (also ca. 4000 v. Chr.) der Apfelbaum im Nahen Osten noch gänzlich unbekannt war, so erklären sie, dass genau das der Grund war, weshalb die Sorte nicht explizit benannt wurde, denn man kannte die Frucht damals ja noch gar nicht.

Und wiederum andere glauben, dass es die Frucht einer im Paradies endemischen Baumart war, die schlicht und ergreifend „Baum der Erkenntnis“ heisst. Der Drache im Drachenbaum, die Trauer in der Trauerweide und das Vergessen im Vergissmeinnicht sind ja auch nur hübsche Namen und nicht Beschreibungen. Und die Scham und das was Adam und Eva für Erkenntnis hielten, war in Tat und Wahrheit lediglich ein Placeboeffekt, der durch den Namen inspiriert wurde.

Die letzte These klingt zwar sehr unwahrscheinlich, doch ist sie die einzige, die den seltsamen Effekt erklärt, der infolge des Verzehrs beobachtet wurde. Dass die Erkenntnisfähigkeit eine neuronale Reaktion auf eine toxische Frucht ist, kann ich mir noch knapp vorstellen, doch wie soll der „Schaden“ dann an weitere Generationen vererbbar sein?

Eine Hoffnung haben wir noch, dem Geheimnis der Frucht der Erkenntnis auf die Spur zu kommen: Vielleicht wurden ja im Magendarmtrakt von Adam und Eva ja ein paar Samen aus dem Garten Eden hinaus geschmuggelt? Wenn wir die ersten Latrinen von Adam und Eva diesseits der Cherubim finden, entdecken wir vielleicht auch die Nachfahren vom Baum der Erkenntnis.


Ich persönlich denke allerdings, dass Eva an eine vergorene Frucht geraten ist und die beiden dann völlig besoffen Gott gegenüber traten. Es ist  ja hinlänglich bekannt, wie Alkohol sich auf das Selbstbewusstsein und das Denken von Menschen auswirkt. Kein Wunder also, beschrieben Adam und Eva diese Erfahrung als „Erkenntnis“.

Und Gott hat sie schneller aus dem Club geschmissen, als ihr Rausch wieder verklungen war.

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Eda Gregr
08.11.2013 um 13:00


Betrachtet man die Unüberwindlichkeit der Distanzen zur Zeit von Jesus, so könnten die Bewohner Südamerikas ohne weiteres auch auf einem ganz anderen Planeten gewohnt haben.

Sich einmal kreuzigen zu lassen, reicht ohne Zweifel um alle Sünden der Welt auf sich zu nehmen, doch um es sie wissen zu lassen, reicht es bei weitem nicht. Und das ist doch, wenn man den Missionsbefehl bedenkt, ein nicht unwesentlicher Aspekt dieser Geschichte, oder?
Wäre es da wirklich zu viel verlangt, wenn sich Jesus zumindest auf jedem Kontinent einmal hätte kreuzigen lassen?  Es könnten gern auch ein paar andere Söhne Gottes gewesen sein, denn wenn eine Dreieinigkeit geht, dann sollte auch eine Siebeneinigekeit kein Problem sein.

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Eda Gregr
08.11.2013 um 11:28

Der liebe Gott ist ein lieber Gott, weil in der Bibel steht, dass er lieb ist. Un da die Bibel Gottes Wort ist und ein lieber Gott nie lügen würde, muss auch stimmen, was in der Bibel steht.
Ein böser Gott wäre dagegen selbst dann ein böser Gott, wenn in der Bibel steht, dass er lieb ist. Denn die Bibel ist Gottes Wort und ein böser Gott verbreitet Lügen und Halbwahrheiten, was das Zeug hält, und genau deshalb würden in der Bibel auch Lügen stehen.

Für die Gläubigen ist das Böse in der Welt kein Grund an der Liebe Gottes zu zweifeln.
Doch das Liebe in der Welt wäre für sie ein Grund an der Bosheit Gottes zu zweifeln.
Das würde allerdings nur dann Sinn machen, wenn Bosheit nicht zur Verschlagenheit fähig wäre, doch selbst die Bibel lehrt uns, dass genau das die grosse Stärke des Bösen ist.

Böses lässt der liebe Gott schweren Herzens zu, weil es der Preis für den freien Willen ist, den Gott den Menschen aus Liebe geschenkt hat.
Gutes lässt ein böser Gott zu, weil es das Böse umso furchterregender wirken lässt. Und den freien Willen schenkt der böse Gott, weil die Menschen damit so schön auf die Schnauze fallen und weil sie ihm auf diese Weise bei seinen bösen Machenschaften sogar noch zur Hand gehen. Klar birgt der freie Willen das Risiko, dass sich die Menschen gegen ihn stellen, doch ist Risikoscheue kein besonders ausgeprägtes Merkmal des Bösen, oder?

Da gibt einige Stellen in der Bibel, an denen Gott nicht ganz so sympatisch ist. Dies macht die Geschichte für die Gläubigen glaubwürdiger, weil damit mehr Leben, mehr Profil, einfach mehr Fleisch am Knochen ist. Doch auch ein allwissender Lügner weiss um diese Wirkung auf die Menschen und wird entsprechend genau das hineinpacken.

Gott ist der Anfang. Das Böse kann aber nicht der Anfang sein, denn das Böse ist die Abkehr von der Liebe. Und man kann sich nicht abkehren von etwas, dass es zuvor noch gar nicht gab. Deshalb ist Liebe und Harmonie der Urzustand.
Oder war vielleicht doch das Chaos am Anfang, in dem sich dann irgendwann mal eine Insel der Ruhe bildete?
In einem chaotisches System kann spontan in der Unordnung Ordnung entstehen (auch ohne gegen den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu verstossen!). Ohne einen Impuls von aussen kann in einem ordentlichen System aber keine Unordnung entstehen, denn genau das macht die Ordnung ja aus. Es braucht sowas wie die Schlange, die die Dinge auf andere Gedanken bringt…
Und selbst wenn in einem chaotischen System niemals auch nur ein Pfizelchen Ordnung entstehen könnte, so kann man Gutes auch aus sehr, sehr bösen Motiven tun.

Wodurch also würde sich denn nun eine Welt, die von einem lieben Gott geschaffen wurde, von einer, die von einem bösen geschaffen wurde, unterscheiden?
Respektive wie müsste die Bibel geschrieben sein damit sich noch mehr Unheil mit ihr anstellen liesse?


Nachtrag: Worauf ich hinaus will, ist, dass es keine Möglichkeit gibt, zwischen einem lieben und einem bösen Gott anhand von deren Worten und Taten zu unterscheiden.

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Eda Gregr
07.11.2013 um 09:35

Ausgangspunkt war der Rant einer Freundin auf Facebook:

„Ausrufezeichen hinter jedem Satz sind so ein Unding. Ich mag einfach nicht den ganzen Tag von irgendwelchen Leuten angeschrien werden.
Vielleicht sollte mal ein Mit-Nachdruck-Zeichen eingeführt werden, da alles mögliche scheinbar so unheimlich wichtig ist$“

Es stimmt schon, das Ausrufezeichen wird bisweilen etwas inflationär benutzt, doch so wenig ernst man die entsprechenden Autoren auch nehmen kann, das eigentliche Problem mit dem Ausrufezeichen liegt ganz woanders. Und zwar am Ende.
Wir erfahren nämlich erst am Ende eines bisweilen höllisch langen, mitunter auch ziemlich verwinkelten Satzes, dass er geschrien war! Eine Erkenntnis, die einen in der gesprochenen Sprache von der ersten Silbe an begleitet.

!Ein sinnvoller Ausrufesatz müsste daher ohnehin wie eben dieser aussehen
.
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.
.
Ein Ausrufesatz hat gefälligst nicht mit einem Satzzeichen sondern mit einem Tinnitus zu enden!
.
.
.
.
.

Die klerikale Methode kriegt es auch ohne Tinnitus hin. Denn nicht der Tinnitus ist ja das eigentliche Ziel…
Als Ritual verpackt, lässt man sein Gegenüber nach jedem zur Denkwürdigkeit bestimmten Satz ein inbrünstiges Amen juchzen. Und da „Amen, aber…“ nun mal nicht geht, hat man sein Gegenüber – ohne dass es diesem auch nur aufgefallen wäre – effektiv der Möglichkeit zu einer kritischen Erwiderung beraubt.

Auch die Tourettsmethode hat es in sich. Mit einem so deftigen Fluch, dass einem vor Scham die Ohren bimmeln, lässt man auch keinen Zweifel an der Nachdrücklichkeit eines Satzes offen, Sackzement!
Um der Eleganz Willen und um nicht als unkultiviert betrachtet zu werden, darf man allerdings NIE! NIE! NIE! das gleiche Fluchwort ein zweites Mal benutzen.

Und damit wären wir bei der Bellman-Methode

„Just the place for a Snark!“ the Bellman cried,
As he landed his crew with care;
Supporting each man on the top of the tide
By a finger entwined in his hair.

„Just the place for a Snark! I have said it twice:
That alone should encourage the crew.
Just the place for a Snark! I have said it thrice:
What i tell you three times is true.“

(Lewis Carroll / The Hunting of the Snark / Fit the First – The Landing)

Die obigen Methoden sind zwar durchaus charmant und haben in der Vergangenheit ohne Zweifel wertvolle Dienste geleistet, doch zeigen sie in unserer technisch optimierten, aufgeklärten und toleranten Gesellschaft einfach nicht mehr den gleichen Biss. (Ausser der Bellman-Methode natürlich, doch die wirkt im Gegensatz zu den anderen Methoden nicht unterschwellig, sondern benötigt das bewusste Wissen um deren Gültigkeit.)
Lasst uns also was neues entwickeln. Lasst uns die Evolution selbst in die Hand nehmen!

Wir wollen die Aufmerksamkeit an der richtigen Stelle. Deshalb wollen wir den Lesefluss derart zu regulieren, dass er seine Kraft punktgenau entfesseln versteht.
Hierbei helfen beispielsweise die typographischen Methodologien, wenn man denn unbedingt mehr als das wichtige schreiben will:

  • M man kann das wichtige durch Fettdruck hervorheben.
  • Oder man kann das w i c h t i g e durch Abstände hervorheben.
  • Oder man kann das wichtige durch die Schriftgrösse hervorheben.
  • Oder man kann das wichtige durch Farbe hervorheben.
  • Oder man kann das WICHTIGE durch Grossbuchstaben hervorheben.
  • Oder man kann das wichtige durch Unterstreichen hervorheben.
  • Oder man kann das wichtige durch Kursiva hervorheben.
  • Oder man kann das W I C H T I G E durch alles zusammen hervorheben.

 

okay, das war jetzt alles furchtbar langweilig…
jetzt wird’s aber spannender, denn jetzt regulieren wir andersrum:

  • MaN kANn DaS wichtige dUrCH nOrmAle gRossKLeInsChrEiBunG heRVoRhEbeN.
  • Ober mann chan tass wichtige druch voll Choregte Ordografy herforhepen.
  • Oder man kann das wichtige durch eine leserlichere Schriftart hervorheben.
  • ಅಥವಾ ನೀವು wichtige ತಿಳಿಯಬಹುದು ಒಂದು ಭಾಷೆ ಹೈಲೈಟ್ ಮಾಡಬಹುದು.
  • Dr mn knn ds wichtige drch Bntzng vn Vkln hrvrhbn.
  • redO nam nnak sad wichtige chrud gitchir mur nebiersch nebehrovreh.
  • Oder aber man kann das
wichtige auch durch fehlende Ablenkung hervorheben.
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Eda Gregr
06.11.2013 um 16:45

Dem ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen.

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Eda Gregr
06.11.2013 um 01:12

Wie esoterisch dürfen die Methoden in einer Berufsberatung sein? Wenn man zu einem Astrologen geht, dann ist das okay, denn man ging ja zu ihm, um genau das zu erhalten. Doch wenn man einem „seriösen“ aufsucht, der seine Methoden als wissenschaftlich fundiert verkauft, dann sollte man doch eigentlich erwarten dürfen, dass sich der Berater nicht des Barnum-Effekts bedient.

Der Myers-Briggs-Typenindikator wird gern als wissenschaftlich überprüftes Instrument zur Reflexion einer Persönlichkeit verkauft, wobei irgendwie stets unerwähnt bleibt, dass zahlreiche Studien gegen die Existenz von Typen sprechen.
Ich will ja nicht bestreiten, dass einem hier eine Perspektive und ein Vokabular zur Selbstreflexion zur Verfügung gestellt wird und dass dieser Diskurs mit sich selbst durchaus positive Effekte haben kann. Doch solange die Gültigkeit nicht von Studien eindeutig bestätigt ist, ist es höchst problematisch verbindliche Schlussfolgerungen daraus ziehen zu wollen, wie dies beispielsweise im angloamerikanischen Raum beim Einstellungsprozess gebräuchlich ist. Dann könnte man genauso gut auch astrologische Gutachten als Basis nehmen.

Ich halte diesen Missbrauch wissenschaftlicher Zuverlässigkeit für äusserst bedenklich. Allein schon, weil die Wissenschaft gar keinen endgültigen Anspruch auf Zuverlässigkeit anbietet.
Und ich denke nicht, dass die Wirksamkeit drunter leiden würde, wenn man die Sache ehrlich kommuniziert. Selbst dann nicht, wenn man die Persönlichkeitstypen Star Wars Charakteren zuordnen würde. Ganz im Gegenteil.
Ausser man ist ein INTJ, dann hat man aber ohnehin die Arschkarte gezogen.

noch weitere Persönlichkeiten aus Film und Literatur:
TypeLogic
Examples of Myers-Briggs Personalities in Stories
Myers-Briggs Type Indicator Types (bei einigen hats eine ganze Liste von Namen)

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Eda Gregr
05.11.2013 um 22:34

Damit hat er schon recht, wenn inzwischen auch viele Zeitungen eine Wissens-Seite haben.

Eine Wissen-Seite, die jedoch die Themen weiterhin journalistisch behandelt, sprich reisserisch und ausgewogen, was in diesem Zusammenhang leider kein Widerspruch ist. Reisserisch indem sie aus unspektakulären Studien sensationelle Erkenntnisse herausholt, die da gar nicht drin sind. Und ausgewogen indem sie der Gegenposition, ungeachtet deren tatsächlicher wissenschaftlicher Relevanz, genau gleich viel Platz einräumt.

Die Ironie aber ist, dass die Zeitungs-Horoskope von „seriösen“ Astrologen genauso belächelt werden, wie die wissenschaftliche Berichterstattung von den „seriösen“ Forschern. Beide werfen den Zeitungen vor, ihrer Sache nicht die nötige Sorgfalt zu schenken.

Leider schadet das der Wissenschaft genau so viel, wie es der Astrologie und allen anderen Pseudowissenschaften nutzt.
Die Wissenschaft kann dadurch Versprechen nicht halten, die sie gar nicht gegeben hat, während die Pseudowissenschaft sich der Überprüfbarkeit entzieht und die Wahrheit dem interessierten Suchenden in einem mysteriösen Anderswo verspricht.

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Eda Gregr
04.11.2013 um 23:09

Mascha und der Bär ist eine wunderbare russische Fernsehserie, die ich jedem nur ans Herz legen kann.

Маша и Медведь – Alle Episoden auf Youtube

und als meine persönliche Lieblingsfolge:

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