Ist der Weltfriede wirklich zu viel verlangt?

Skeptiker fragen oft, ob ein lieber Gott nicht für den Weltfrieden sorgen müsste?
Und die Christen antworten immer, dass ihm da aufgrund der Willensfreiheit leider die Hände gebunden seien.
Und die Skeptiker fragen dann, ob da wirklich rein gar nichts sei, was ein allmächtiger Gott tun könne?
Und die Christen antworten: Nö.

Ich vermute, dass die Christen dann ziemlich vom Himmel enttäuscht sein werden, wenn sie feststellen, dass es dort entweder keinen Himmelsfrieden oder keine Willensfreiheit oder aber nur bescheidene Seelen gibt, die nichts weiter zum Glücklichsein brauchen als die Gewissheit, das viele, viele, viele Seelen gerade in der Hölle gefoltert werden.


Eigentlich ziemlich spiessig von uns Skeptikern.
Gott schenkt uns Willensfreiheit und wir beklagen uns darüber, dass wir damit auf die Schnauze fallen.

Allerdings ist auf die Schnauze fallen eine Sache.
Krieg, Hunger, Seuchen und Tod dagegen eine ganz andere…

Ein Deal, bei dem man sich die vier apokalyptischen Reitern einhandelt, ist nie ein guter Deal!

The Art of the Deal. S. 124

Wie dem auch sei. Schauen wir uns mal an, wie es um unserem Deal bestellt ist. Man kann die Willensfreiheit aus zwei Perspektiven betrachten: a) Aus jener von denen, denen sie gewährt wird (uns), und b) aus jener vom dem, der sie gewährt (Gott).

a) Über die Beschenkten

Wenn mir Freiheit geschenkt wird, dann bedeutet das, dass ich dann tun und lassen kann, was ich will, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen werden zu können.
Fürs Tun selbst wohlgemerkt, für die negativen Konsequenzen dieses Tuns dagegen durchaus! Das sind nämlich zwei gänzlich verschiedene Sachen.

Ich will es an einem Beispiel demonstrieren: Wenn man mir einen Apfel schenkt, dann ist er meiner und ich kann mit ihm tun, was immer ich will. Es wäre natürlich möglich, dass man mir den Apfel nur unter der (gern auch unausgesprochenen) Bedingung gibt, dass ich ihn höchstselbst esse, vielleicht weil es Teil eines bestimmten Rituals ist. Dann wurde mir aber mit dem Apfel nicht die Freiheit geschenkt, ihn auf jede beliebige Art und Weise zu verwenden.
Wenn ich den Apfel aber mit der Freiheit erhalte mit ihm anzustellen, was auch immer ich will, und wenn ich den Apfel im Wissen um ihre Apfel-Dysphahie einer hübschen Prinzessin weiter schenke und die sich dran verschluckt und in ein Koma fällt, dann kann man mir zwar durchaus vorwerfen, dass ich sie vergiftet habe um selbst die schönste Prinzessin zu werden, nicht aber, dass ich den Apfel weitergegeben habe.

Kurz: An Freiheit sind keine Bedingungen geknüpft.

Wie – bitteschön – ist dann die Willensfreiheit eine Freiheit, wenn meine Entscheidung, wenn sie anders ist, als die von Gott gewünschte, mich in die Hölle bringt?

Die Advokaten Gottes sind geschickt. Sie formulieren es nicht als Strafe, sondern als Konsequenz. Sie versuchen uns weiss zu machen, dass die Entscheidung von Anfang an allein zwischen Himmel und Hölle war und ich mich eben für das eine oder andere zu entscheiden habe.
Wenn ich also (aus welchen Gründen auch immer) erregt bin, dann ist die Entscheidung nicht: „Soll ich jetzt masturbieren oder nicht?“ sondern „Will ich in den Himmel oder nicht?“.
Okay, kann man so sehen. Dann stellen sich mir aber zwei Fragen: Erstens, wieso fragt mich Gott eine so wichtige Frage, wenn ich gerade an was völlig anderes denke? Und zweitens, warum muss ich die immer gleiche Frage immer und immer und immer wieder beantworten? (Nicht dass ich sie nicht gern beantworten würde.)

b) Über den Schenker

Die Freiheit hat einen Preis für den, dem sie gewährt wird. Er muss damit leben, dass er Dinge akzeptieren muss, die ihm eigentlich nicht gefallen.
Doch auch das Gewähren von Freiheit hat einen Preis: Es macht einem das Leben schwerer.

Wenn ich ein Café habe und meinen Kunden die Wahl geben will sich zwischen Apfel- und Birnenwähen entscheiden zu können, dann muss ich – wohl oder übel – zwei Kuchen backen. Ohne Auswahl kann nämlich nicht wirklich von Freiheit die Rede sein.

Auch wenn es vielleicht so klingt, hat man hier keine Wahl-Freiheit.

Ob meine Kunden jedoch zu ihrer Wähe einen Latte macchiato oder einen Cappuccino nehmen, macht für mich aber keinen Unterschied, wenn ich eine Kaffeemaschine habe, wo ich lediglich den rechten oder den linken Knopf drücken muss. Die Kunden haben dann zwar die Wahl, aber zu behaupten, ich hätte ihnen eine Freiheit gewährt, ist in einem solchen Fall schon ein bisschen überrissen. Die Kunden wissen es zwar zu schätzen, doch ist diese „Freiheit“, ob sich die Kunden dessen nun bewusst sind oder nicht, eigentlich völlig belanglos. Die Wahl zwischen belanglosen Optionen sollte man daher nicht als Freiheit bezeichnen.

Deshalb müssen wir fragen: Macht es Gott das „Leben“ schwerer, wenn wir unsere Willensfreiheit wahrnehmen?

Wenn nicht, dann sind unsere Entscheidungen für Gott belanglos. Sprich, es ist ihm egal, ob wir in den Himmel oder in die Hölle kommen, was in Anbetracht des Leids, das hier auf dem Spiel steht, eine moralisch höchst verwerfliche Einstellung wäre.

Ich denke aber schon, dass es ihm das „Leben“ schwerer macht1. Irgendwie. Wenn wir uns anders entscheiden, als von ihm erhofft, dann macht ihn das – wie es heisst – traurig.

Dass er traurig darüber ist, dass wir die schlechtere Wahl getroffen haben, ist sympatisch. Es zeigt, dass er Mitgefühl hat. Wenn er aber anfängt, uns unsere Entscheidung übel zu nehmen, wird es problematisch.

Rächt (Gott) sich (für) die Enttäuschung?

Wenn ich es so anlege, dass allen, die in einer mir nicht genehmen Art handeln, etwas übles zustösst, was mit der Handlung selbst eigentlich gar nichts zu tun hat (sprich nicht deren Konsequenz ist), dann kommt es Rache schon ziemlich nahe.

Und seien wir ehrlich, dass Gott Züge hat, die man als rachsüchtig bezeichnen könnte, ist nicht wirklich neu…

Zur Illustration: Ich bin Handgranatenbauer und das Wohl meiner Kunden liegt mir am Herzen (das ihrer Feinde offensichtlich weniger). Deshalb habe ich die Handgranaten, die ich verkaufe, so konstruiert, dass sie ihre verheerende Wirkung nur exakt genau dann entfalten, wenn der Kunde sie entfesseln will. Sprich, wenn man den Sicherheitsstift der Handgranate rauszieht. Das steht so auch unmissverständlich und in Grossbuchstaben in der Gebrauchsanleitung. Und da ich ein verantwortungsvoller Waffenproduzent bin, müssen meine Käufer immer erst eine halbtägige Schulung über sich ergehen lassen, bei der ich sicherstelle, dass sich jeder der Sache mit dem Sicherheitsstift klipp und klar bewusst ist. Damit stelle ich sicher, dass mein geschätzer Kunde sich nicht selbst in die Luft sprengt2. Nur so nebenbei: Durch diese „Sicherheitsmassnahmen“ nehme ich ihm in keinster Weise die Freiheit jede beliebige Person in die Luft zu sprengen.
Wenn ich die Handgranaten jedoch so konstruieren würde, dass sie hochgehen, wenn der Besitzer masturbiert, und ich das nur kryptisch irgendwo in der Gebrauchsanleitung erwähne und ich jede Handgranaten in Playboy-Papier wickle, dann sieht die Sache etwas anders aus. Weil es nicht naheliegend ist, dass Explosion und Masturbation etwas miteinander zu tun haben könnten…
Nun ja, wenn man es sooo betrachtet…
Okay, das Beispiel ist vielleicht nicht ganz optimal…

Anders:

Warum handelt man sich beim Verzehr von Schweinefleisch Peitschenhiebe ein, bei dem von Rindfleisch aber nicht? Wo ist die Verbindung zwischen Schweinefleisch und Peitschenhieben, wo sie zwischen Rindfleisch und Peitschenhieben nicht ist?
Wenn Schweinefleisch ein höheres Risiko einer Lebensmittelvergiftung mit sich bringen würde, dann wäre die Strafe dafür doch eigentlich die Lebensmittelvergiftung (und der tadelnde Blick des Ehepartners, der die ganze Schweinerei hinter einem aufwischen musste).
Wieso dann einen gebeutelten noch nachtreten? Respektive wieso einen Menschen, der das Fleisch gut genug gekocht hat und bei dem infolge dessen nichts passiert ist, auspeitschen? Weil Nachahmer vielleicht nicht gleich gut genug kochen könnten?
Und überhaupt ist es ja nicht so, dass man zur Zeit, als dieses Gesetz erlassen wurde, als Kranker der Gesellschaft gross auf der Tasche gelegen wäre. Man war bestenfalls kurzfristig nicht für den Kriegsdienst (gegen das Volk der Schweinefleischesser) zu gebrauchen…

Oder warum bringt einen Masturbation in die Hölle und Nasepopeln nicht? Ich meine, da gibt es ja kaum einen Unterschied (zumindest, wenn man es richtig macht).

Oder warum bringt einen das Töten eines anderen Menschen in die Hölle, nicht aber, wenn der Tote einen anderen Gott verehrt hat?
Ich meine, dass das Töten eines Menschen übel ist und einen in massive Schwierigkeiten bringen sollte, ist mir klar. Schliesslich tut man damit dem anderen etwas an, was dieser sehr, sehr, sehr fest nicht angetan bekommen möchte. Und dass er es nicht angetan bekommen möchte, könnte ich eigentlich ahnen, weil auch ich selbst es sehr, sehr, sehr fest nicht angetan bekommen möchte. Und weil eine Verallgemeinerung von mir auf andere in diesem Fall (zumindest bis zu einer allfälligen Richtigstellung) dem anderen nicht zum Nachteil gereicht.
Ganz und gar nicht klar ist mir dabei aber, inwiefern der Umstand, dass das Opfer einen anderen Gott (oder – Gott behüte – gar keinen) anbetet, es offensichtlich machen soll, dass das Töten dann okay sein soll? Schliesslich will auch in diesem Fall das Opfer nicht getötet werden.

Nichts am „verwerflichen“ Schweinefleisch, Masturbieren und Judenmorden deutet darauf hin, dass sie anders bewertet werden sollen als „harmloses“ Rindfleisch, Nasepopeln und Heidenmorden. Um das zu wissen, braucht es eine Offenbarung.

Es liegt offensichtlich nicht in der Natur der Sache, ob die Entscheidung für oder gegen diese Sache mich in die Hölle bringt. Sondern einzig und allein am Wesen, das entscheidet, ob eine Entscheidung für oder gegen diese Sache etwas ist, wofür man in die Hölle kommt.

Und da wäre es dann natürlich auch möglich, dass die „göttliche Moral“ sich an den Entscheidungen einer bestimmten Person (oder einer Gruppe von Menschen) orientiert, die das besagte Wesen ums Verrecken nicht im Himmel haben wollte…

Dieser Gedanke ist gar nicht so abwegig, schliesslich ist der Zweck des Diesseits ja die Spreu vom Weizen zu trennen (und die Rache an den Vorfahren, indem die Kinder und Kindeskinder bis ins vierte Glied verflucht werden)3 Kann Gott da wirklich traurig sein, wenn jemand wie ich in der Hölle landet? Ich meine, ja, es tut ihm für mich leid. Man wünscht schliesslich niemandem was böses. Nichtsdestotrotz scheint es so für ihn das kleinere Übel zu sein, als mich bei sich im Himmel zu haben.4

Eine solche Willensfreiheit ist ein Test.
Wenn eine Freiheit gewährt wird um jemanden zu testen, dann ist es keine Freiheit.

Die Art von „Freiheit“, die uns Gott mit der Willensfreiheit gewährt, gewährt selbst Nord Korea seinen Bürgern, wenn es ihnen versichert, dass sie „frei“ sind ihre ehrliche Meinung über Kim Jong-un öffentlich Kund zu tun.

Unser Fazit

Wir konnten zweifelsfrei nachweisen, dass die Willensfreiheit keine Form von Freiheit ist.
Und das ist eigentlich ganz gut so!
Denn da Sicherheit immer auf Kosten der Freiheit geht und Freiheit immer auf Kosten der Sicherheit, steht die Willensfreiheit, da sie ja keine Freiheit ist, dem Weltfrieden nicht zwangsläufig im Weg.

Das heisst aber leider nicht, dass demzufolge ein von aussen gestifteter Weltfriede keine Abstriche an andere Freiheiten verlangen würde.
Aber Gott kann sein Nichtstun nicht länger mit der Willensfreiheit begründen.
Und das ist schon mal wenigstens etwas.

Unsere Forderung

Wir wollen den Weltfrieden! Punkt!
Doch was ist das? Respektive, was wollen wir, dass es ist? Respektive wie viel Leid sind wir bereit innerhalb von diesem zu tolerieren?

Ich würde sagen es gibt grob vier Kategorien von Leid.

  1. Sich den Zeh stossen.
  2. Jemand anderem unabsichtlich den Zeh stossen.
  3. Jemand anderem absichtlich den Zeh stossen.
  4. Jemanden foltern und umbringen.

Ein philosophisches Dilemma ist, dass wenn man die folgende Kategorie nicht kennt, dann erscheint einem die letzte bekannte als einfach unerträglich.
Folglich könnte man sich natürlich fragen, ob uns Gott in seiner Allgüte nicht die 5. Kategorie erspart hat. Das ist denkbar, doch wie könnte die aussehen? Jemanden ewiglich foltern ohne die Erlösung des Todes? … Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor?

Ich denke, in einer Welt, in der Weltfrieden herrscht, wird es jede dieser vier Kategorien von Leid geben. Keine davon wird aber „legal“ sein im Sinne von „durch einen höheren Sinn erlaubt, wenn nicht gar gefordert“5.
Und wenn jeder Versuch zwei „Gruppen“ (was sich selbst als Gruppe versteht, überlasse ich jetzt mal jeder Gruppe selbst) gegeneinander aufzuhetzen erfolgreich unterbunden wird, dann haben wir den Weltfrieden erreicht.

Und wie soll das durchgesetzt werden? Hier meine Vorschläge:

A. Gott als Exekutive

Ganz einfach: Gott weiss (dank seiner Allwissenheit), wenn irgendwo jemand Leute dazu anstiftet, anderen im Interesse einer höheren Sache an den Gurgel zu gehen. Und Gott kann (dank seiner Allmacht) einschreiten, die Beweise sichern und die betreffende Person vor Gericht bringen. Er wäre die Exekutive. Insbesondere in Völkerrechtsangelegenheiten.

Legislative und Judikative müssten dagegen unbedingt bei den Menschen bleiben. Denn darin ist Gott wirklich übel.

So oder so müsste er an einer sehr kurzen Leine gehalten werden, wenn man unverhältnismässige Gewaltanwendung verhindern wollte. #nongodsmatter

Und wenn Gott nebenbei ein paar Kandidaten für sein Paradies-Projekt rekrutieren will, kann uns das egal sein.

B. Gott als globaler Feind

Auch ganz einfach: Wie die Geschichte zeigt, fällt es verfeindeten Lagern in der Regel nie sehr schwer angesichts eines gemeinsamen übermächtigen Feindes die Zwistigkeiten zeitweilig beiseite zu legen. Wieso stellt sich Gott uns also nicht als übler Schurke entgegen, gegen den zu bestehen, wir nur dann eine Chance haben, wenn wir alle zusammen arbeiten?
Nicht ganz so einfach ist dabei aber, die Notwenigkeit für das Bündnis über längere Zeit aufrechtzuerhalten, ohne dass irgendjemand deswegen wirklich leiden müsste (oder das Gefühl hätte deswegen zu leiden). Aber vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Vielleicht reicht es, wenn der Feind nur in kritischen Situationen auftaucht und sich dann etwas später dezent wieder zurückzieht.

(Genauer betrachtet, ist der Gott der Bibel eigentlich exakt so, wie man sich einen üblen Schurken, gegen den man sich zusammen tun sollte, vorstellen würde. Seltsam…)

C. Gott als Korrektor

Vielleicht würde es aber auch schon reichen, wenn Gott jeden Blödsinn, der ihm in den Mund gelegt wird, umgehend in aller Deutlichkeit dementiert. Damit würde er zwar nicht den Weltfrieden einläuten, aber wenigstens würde kein Skeptiker fragen, ob da wirklich nichts sei, was er tun könnte.

D. Gott als Dementor

Was wenn er nicht nur den Blödsinn dementieren würde, der ihm „irrtümlich“ in den Mund gelegt wird, sondern auch die Sachen, die die er tatsächlich so meint?

D. Gott im Paradox

Sollte ein allwissender, allmächtiger und allnetter Gott diesen Artikel nicht voraussehen? Ich meine, hier wird das Problem mit der Willensfreiheit aufgedeckt un das Rezept für den Weltfrieden auf dem Tisch gelegt. Wieso um Himmels Willen hat das nicht berücksichtigt?
Allerdings… Hätte er es umgesetzt, dann würde ich hier einen anderen Artikel geschrieben haben. Und er hätte nie aus meiner Erfarhung lernen können. Und er hätte wieder mit Adam und Eva begonnen…


Damit bleibt eigentlich nur noch eine Frage unbeantwortet:
Wenn die Willensfreiheit keine Freiheit ist, was ist sie dann? Ein Fahrrad! Man kann damit schliesslich auf die Schnauze fallen.

Endlager für die Seele

Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

Gott

Wenn es doch nur so einfach wäre… Wie sich herausstellen sollte, assen Adam und Eva davon und starben weder am selben Tag, noch nach 930 Jahren. Sie „leben“ noch heute. Also ihre Seelen. (Sei es nun frohlockend im Himmel oder jammernd in der Hölle.)

Auf jeden Fall scheint fast so, als seien die Seelen, wenn erst mal erschaffen, einfach nicht mehr tot zu kriegen. Sie sind der radioaktive Abfall der Kosmogonie und es wurden verschiedene Methoden entwickelt diese endzulagern.

Der biblische Gott führt gerade eine Machbarkeitsstudie durch mit Himmel und Hölle. Jeder kann sich sein Endlager nach eigenem Gusto aussuchen. Manche ziehen ewiges frohlocken dem ewigen Jammern vor, andere andersrum. Eine spätere Verschiebung ist wohl wegen der Gefahr der Kontamination der Umgebung leider nicht mehr möglich.

Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung zwischen Himmel und Hölle ein absoluter No-Brainer zu sein. Doch so einfach ist das nicht. Man muss nämlich bedenken, dass der Unterhaltungswert des Frohlockens sich nach einer Million Jahren wahrscheinlich ändern und es früher oder später zu einer echten Qual werden wird. Und umgekehrt liegt es daher auch nahe anzunehmen, dass sich auch unsere Einschätzung über die Höllenqualen mit der Zeit ändert.

Wenn mit genügend Zeit aus dem Himmel die Hölle wird und aus der Hölle der Himmel, dann braucht es gar keine verschiedene Lagerstätten. Eine reicht. Eigentlich genial.

Aber über das Recycling hätte man sich vielleicht früher Gedanken machen sollen?

The Good Place

The Good Place

Man stelle sich vor, dass durch ein Versehen zwei Menschen verwechselt werden und der jeweils falsche in den Himmel und in die Hölle kommt.

Ziemlich übel Sache… Und in Anbetracht der Zustände in der Hölle und dem (schwachen?) Charakter des zu unrecht „Beförderten“1, ist es wenig wahrscheinlich, dass dieser die Sache richtig zu stellen geneigt ist. Während dem fälschlicherweise in der Hölle Geschickten einfach kein Glaube geschenkt wird – weil wahrscheinlich jeder Hölleninsasse davon überzeugt ist, diese Qualen nicht verdient zu haben.

Ist so ein Versehen überhaupt möglich?
Natürlich nicht, schliesslich ist Gott allwissend2.

Können wir das aber auch irgendwie kontrollieren? Ich meine, die Konsequenzen sind zu grausam um sich darüber nicht absolute Gewissheit zu verschaffen.

Vielleicht eine Art Bewährungsausschuss, wo jeder Insasse der Hölle regelmässig3 seinen Fall vortragen kann?
Wobei dieser Ausschuss natürlich aus anderen Leuten bestehen sollte als jenen, die das Urteil verhängt haben (Gott, Jesus und der heilige Geist?).

Natürlich würde Gott niemals (absichtlich) einen Fehler seinerseits zu vertuschen versuchen4, schliesslich ist er lieb, aber trotzdem, sicher ist sicher. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel!

 

Weil ein einziger Sünder,
selbst der harmloseste,
in der Hölle unendlich viele mehr Leid erfährt
als alle Menschen
und alle Tiere
und alles andere
seit dem Anbeginn der Zeiten
zusammengenommen.
Einfach weil die Hölle ewig währt.

Frage(n) an einen Pfarrer

Wirst du im Himmel glücklich sein?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich nicht dort bin?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich gerade unsagbare Qualen erleide?

Was müsste ich im Leben angestellt haben, damit dir der Umstand, dass ich eine Ewigkeit in der Hölle schmore, nicht den Tag verdirbt?
Jemanden umgebracht? Viele umgebracht? Sehr viele grausam umgebracht? Kinder missbraucht? Etwas gestohlen? Schweinefleisch gegessen? Masturbiert? Mich rasiert? Nicht an die Existenz Gottes geglaubt – sei es aus Trotz oder weil mir einfach die Gründe dafür nicht gut genug erschienen?

Hat Gott hierbei die gleiche Toleranzgrenze wie du?
Und was wenn nicht?

Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel die Fähigkeit genommen wird, dir über mich in der Hölle Gedanken zu machen?
Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel egal ist, ob ich in der Hölle bin?
Ist es okay für dich, wenn du nicht weisst, dass ich in der Hölle bin?

Würdest du für mich gegen das Urteil ankämpfen und wenn nötig gegen Gott rebellieren?

Gottes Liebe

Hier werden manche Christen einwenden, dass Gott ALLE Menschen liebt und damit die Sache als erledigt betrachten. Dabei übersehen sie aber völlig, dass Gottes Liebe tatsächlich wertlos ist, er sich wie eine verzogene High School Tussie benimmt und die Bibel ein beschämendes Zeugnis darüber ist, dass er im Unterricht nicht aufgepasst hat. (Daraus, dass eine Prämisse falsch ist, folgt nicht, dass die Konklusion nicht wahr sein kann. vgl. Fehlschluss-Fehlschluss)

Liebt Gott alle Menschen gleich fest? Und auf die gleich Art?

Wenn er manche Menschen mehr liebt als andere (und die Vorstellung, dass er ein auserwähltes Volk hatte, legt diese Schlussfolgerung zumindest für einen Grossteil der biblischen Menschheitsgeschichte durchaus nahe), dann macht man den Schnitt einfach zwischen mehr lieben und weniger lieber statt zwischen lieben und nicht lieben und schon funktioniert das Argument wieder.

Wenn er aber manche liebt wie ich Erdbeerknödel und andere wie ich die Bücher von Douglas Adams und wieder andere wie ich meinen Bruder und wieder andere wie ich meine Frau und wieder andere wie ich meine Tochter, dann funktioniert das Argument noch immer. Insbesondere, wenn die Entscheidung auf welche Art an Bedingungen geknüpft ist, wie in meinem Fall bei den Erbeerknödeln in deren Knödeligkeit oder bei Douglas Adams an seiner einzigartigen Fantasie.
Wichtig ist hierbei vor allem auch, dass die Liebe es mir im einen Fall erlaubt das Objekt meiner „Begierde“ zu kochen und zu essen, in den anderen Fällen jedoch explizit nicht1. Und selbst wenn mich die Liebe schweren Herzens zwingt, der geliebten Person, weil sie es sich wünscht, Leid zuzufügen, dann werde ich es mir nicht nehmen lassen, immer mal wieder nachzufragen, ob sie es sich inzwischen nicht anders überlegt hat2.
(Hat sich übrigens schon mal einer überlegt, ob Himmel und Hölle nicht einfach nur Zubereitungsarten sind für ein göttliches Gelage, an dem wir nicht als Gäste teilnehmen?)

Oder aber Gott liebt uns in einer allein Gott möglichen Art, die ALLEN Menschen (und Tieren? und Pflanzen? und Pilzen? und Stramenopile? und Protozoen? und Bakterien? und Ausserirdische?) auf die gleiche Weise und mit der gleichen Inbrunst zuteil wird. Eine Art von Liebe, die es ihm ermöglicht die Ewigkeit manchen zum Paradies und anderen zur Hölle zu machen.
Allerdings ist auch hier die Liebe wertlos. Vielleicht sogar noch viel weniger, weil Liebe gewissermassen eine Art von Priorität darstellt3. Und wenn ich allem die gleiche Priorität gebe, dann gibt es keine Prioritäten.

The-O-ptik oder ein Platz an der Sonne

 

Christen haben mir schon oft zu erklären versucht, dass die allgemeine Vorstellung von Himmel und Hölle irreführend und daher für eine Kritik an Gott ungeeignet sei.
Sie erklärten mir, dass ich mir den Himmel stattdessen als Gottes Nähe vorstellen solle und die Hölle als seine Abwesenheit. Es sei also so, als ob ich mich in die Sonne oder in den Schatten stelle. Und ich könne der Sonne ja nicht zum Vorwurf machen, dass mir kalt ist, wenn ich mich selbst in den Schatten gestellt habe.

Das mach ich aber eigentlich auch gar nicht. Was ich der Sonne vorwerfe, ist, dass sie erst zu scheinen beginnt, nachdem ich mich für ein Plätzchen entschieden habe, mir dort der Arsch festgefroren ist und ich mich nicht mehr bewegen kann.

Und was ich der Sonne auch vorwerfe, ist, dass ihre Strahlen sich nicht auf nachvollziehbare Weise nach den Gesetzen der Optik bewegen.

Weiss das der Teufel?

Wofür ist eigentlich der Himmel da? Na um die Lieben zu belohnen.
Und die Hölle? Na um die Bösen zu bestrafen.
Wozu sollte das noch gut sein, die können ja eh nichts mehr draus lernen? Die nicht, aber die, die noch nicht böse sind, die werden es sich dann zweimal überlegen, böse zu werden.
Das heisst, sie werden nun nicht mehr morden und stehlen und unkeusche Gedanken der Nachbarin gegenüber haben? Das wäre zwar durchaus begrüssenswert, doch geht es hier eher darum, ob man Gott und Jesus den nötigen Respekt zollt. Das Morden, Stehlen und die unkeuschen Gedanken sind da eher nebensächlich. Da drückt Gott gern auch mal ein Auge zu.
Das heisst, die Hölle ist nur dazu da, um einen davon zu überzeugen Gott und Jesus den nötigen Respekt entgegen zu bringen – selbst wenn man vielleicht Gründe zu haben glaubt, dass sie diesen gar verdienen? Genau.

Und wie sieht diese Bestrafung in der Hölle denn konkret aus? Sie ist schlimm. Unsagbar schlimm und das für ewiglich.
Kannst du mir das etwas genauer beschreiben? Oder kann man sich das irgendwo anschauen? Nein. Die ist Suspense… Nicht genau zu wissen, was einen da erwartet, macht die ganze Sache nämlich noch viel, viel gruseliger.
Du meinst, wenn man es vor sich sehen würde, könnte es vielleicht sogar dem einen oder anderen masochistisch Veranlagten gefallen, so dass er es dann darauf anlegt ihn die Hölle zu kommen? So in etwa…
Und was, wenn man nicht an die Existenz der Hölle glaubt? In dem Fall ist die Hölle ja nicht wirklich ein überzeugendes Argument Gott und Jesus den nötigen Respekt zu zollen, oder? Dann sollte man es sich lieber nochmals überlegen und vorsorglich doch an die Hölle und die Respektabilität von Gott und Jesus glauben.

Wenn ich also meine Zweifel überwinde und mich an die Respektabiliät von Gott und Jesus zu glauben zwinge, bleibt mir dann die Hölle erspart? Nur wenn es die Richtige Form von Respekt ist.
Gibt es denn falsche Formen von Respekt? Jede Menge.
Und wie erkenne ich, ob ich mich für die richtige Form entschieden habe? Indem du dich nach deinem Tod im Himmel wiederfindest.
Und wie finde ich das schon zu Lebzeiten raus? Gott schickt dir ein Zeichen.
Und kriegen die, die falsche Form von Respekt haben, kein Zeichen? Doch, aber nicht von Gott.
Und merken die, dass es nicht von Gott ist? Die nicht, aber ich.
Und wie? Weil sie morden, stehlen und unkeusche Gedanken haben.
Hat denn noch nie jemand im Auftrag Gottes gemordet, gestohlen und unkeusche Gedanken gabt? Unkeusche Gedanken gehabt noch nie!

Und wer genau quält all die Bösen dann in der Hölle? Gott? Nein, der Teufel.
Der Teufel? Ja, das ist der Engel, der aus dem Himmel verbannt wurde, weil er Gott (und Jesus?) nicht den nötigen Respekt erwies.
Und der hat nun die Verantwortung darüber, dass die Bösen ihre gerechte Strafe erhalten? Genau.
Also motiviert der Kerl, der alles daran setzt, Gott das Leben schwer zu machen, die Menschen dazu, Gott und Jesus den nötigen Respekt zu erweisen? Genau.
Was hat er davon, die Menschen zu quälen? Es bereitet ihm Freude, weil er weiss, dass es Gott Kummer bereitet.
Würde es Gott nicht noch viele mehr Kummer bereiten, wenn die Bösen für ihre Respektlosigkeit in der Hölle belohnt würden? Schon…
Weiss das der Teufel?

Der Heilsweg – gutes Schuhwerk wird empfohlen

Wer mag wohl der tugendhaftere Mann sein? Jener, der der Verführung widersteht, auch wenn sie sich verlockend vor ihm räkelt, oder jener, der ihr widersteht, weil er es ihr in weiser Voraussicht von vornherein verunmöglicht hat, sich vor ihm auszuziehen? Für ein harmonisches Zusammenleben innerhalb einer Gemeinschaft mag es schon nützlich sein, konsequent alle möglichen Stolpersteine, die den sozialen Frieden gefährden könnten, aus dem Weg zu räumen, doch ist das für eine zu prüfende Seele keine Herausforderung mehr. Wo bleibt denn da die Willensfreiheit, wenn man keine andere Wahl hat als die Gebote zu befolgen? Natürlich ist es nur zu meinem Besten, wenn sich die Gesellschaft um mein Seelenheil sorgt, doch wenn ich einen Frevel begehe, für den ich ohnehin die ewigen Höllenqualen werde erdulden müssen, weshalb bestraft mich die Gesellschaft schon im Diesseits? Es ist ja nicht so, dass ich der gerechten Strafe entgehen oder dass im Vergleich zu ihr alles, was man mir hier anbieten kann, mehr als Peanuts sein könnte. Vielleicht um mich auf den rechten Weg zu bringen? Mich zu züchtigen bis ich ehrlich und aus tiefstem Herzen bereue? Folgt man der Bibel, in der auf so ziemlich alles die Todesstrafe steht, dann habe ich dank der Strafvollzugspein zwar eine gereinigte Seele, doch nicht mehr allzu viel Zeit diese im Diesseits auszuführen.
Es stellt sich nur die Frage, weshalb die letzte Salbung nicht mit Daumenschrauben vollzogen wird? Mit diesen könnte man den Sterbenden seine Sünden aufrichtig bereuend und geläutert gen Himmel ziehen lassen.

Vielleicht haben Christen deshalb etwas gegen die Sterbehilfe, weil sie in gewissem Sinne das pure Gegenteil einer Daumenschraube ist…

Homorecykling

Gott erschuf den Menschen und prüfte, ob er gut war.
Sollte er der Versuchung widerstehen, war es eine gute Schöpfung.
Sollte er ihr jedoch nicht widerstehen, dann ab in die in die örtliche Kehrrichtverbrennungsanlage, auch Hölle genannt.
Während PET-Flaschen nur 450 Jahre brauchen um komplett abgebaut zu werden, muss man für die menschliche Seele eine ganze Ewigkeit im Höllenfeuer einsetzen um sie in ihre Bestandteil aufzulösen. Erfüllt nicht unbedingt das Kriterium der Nachhaltigkeit, finde ich…

Berge von Schuhen

Es gibt in Ushuaia einen Schuhladen, der hat es in sich. Das Lokal ist leer bis auf einen riesigen Haufen Schuhe in einer Ecke und drum herum stehen Höcker auf die man sich zum Anprobieren setzen kann. Alles sind Damenschuhe, doch reicht das Sortiment von Flipflops über Wanderschuhe bis hin zu Plateau-High-Heels. Frau sucht sich einfach ein passendes Paar aus…

Ist das nun das Paradies oder der Albtraum einer Frau?

Die Hölle der Architekten

Es heisst, die Hölle der Architekten bestünde aus ihren eigenen Kreationen.
Ich hatte heute das Vergnügen mit einer Meute von diesen im Bus zu fahren. Und ich muss schon sagen, dass es schon was für sich hat, dass man ihnen nicht zu viel Leine lässt. Jedes zweite Haus, an dem wir vorüber fuhren, wollten sie durch was anderes ersetzen.