Die unkämmbare Kugel

godGott ahnte von vornherein, dass das mit den Menschen nicht gut kommen würde, und so hat er schon mal vorgesorgt und für sie eine Welt erschaffen, die allein durch ihre Form die Menschen umbringen würde.
Eine Kugel lässt sich nämlich nicht kämmen. Da bleibt immer irgendwo ein Wirbelsturm übrig…

Ich frage mich, was passiert wäre, wenn Adam und Eva die Sache nicht verbockt hätten?
Sie hätten sich fortgepflanzt und früher oder später wäre das Paradies aus allen Nähten geplatzt. Vielleicht wäre es aber auch schon vorher zu Hungersnöten gekommen, weil die Nachfrage der sich exponentiell mehrenden Fauna irgendwann das Angebot der Flora überstiegen hätte. Und wenn sich während einer solchen einer der Bewohner Edens an der Frucht der Erkenntnis vergriffen hätte – als wegen Hunger und nicht aus Neugier – wie hätte Gott da wohl reagiert?
Hätte er ihn trotzdem mit Tod und Verbannung bestraft?
Oder hätte er gleich alle Menschen so bestraft? Von jemandem, der die Erbsünde erfunden hat, würde einen das gar nicht mal überraschen.
Und wären Tod und Verbannung unter solchen Umständen nicht vielleicht sogar eine willkommene Erlösung von der paradiesischen Sardinenbüchse?

Wenn ich mal ne Zeitmaschine habe, reise ich zurück an den Anfang und erkläre der Schlange, dass sie wesentlich mehr Unheil anrichtet, wenn sie Eva nicht verführt. Was hätte sie zu verlieren? Wenn sich meine Prognosen nicht bestätigen, kann der Teufel es ja noch immer auf seine Art durchziehen. Ist ja nicht so, dass es eine Dead-Line geben würde.

 

Okay, ich weiss, oberste temporale Direktive und so.
Aber ist es nicht eine noch heiligere Pflicht der Sternenflotte, wann immer es geht, den Qs eins auszuwischen?

Hat sich schon mal ein Mathematiker die Mühe gemacht zu berechnen, wie gross die Unwahrscheinlichkeit ist, dass ein intelligentes Wesen einen Schöpfungsprozess wie jenen in der Bibel beschriebenen entwickelt1?

Distanzieren von Chapel Hill?

Die Tötung dreier muslimischer Studenten in der US-Universitätsstadt Chapel Hill hat eine Flut von Spekulationen über die anti-islamischen/anti-theistischen Motive des atheistischen Täters hervorgerufen. Als Reaktion darauf veröffentlichten viele atheistische Gruppierungen Stellungnahmen, in denen sie sich vehement von der Tat distanzierten und bisweilen auch zu erklären versuchten, dass die Tat nichts mit dem Atheismus zu tun habe. Hier muss man aber aufpassen keinen wahren Schotten zu machen.

Wenn der Täter seine Tat aus dem Atheismus ableitet – wie absurd die Logik dahinter auch sein mag – , dann ist es eine vom Atheismus ermöglichte Tat. Daran lässt sich dann nicht rütteln1.
Wenn es aber eine nicht religiös motivierte Tat war, dann ist der Umstand, dass der Täter ein Atheist war, lediglich ein Zufall, dem man nicht zu viel Gewicht beimessen kann. Der Atheismus schaffte es offensichtlich nicht eine solche Taten zu verhindern – allerdings erhebt er, im Gegensatz zum Theismus, eigentlich auch gar nicht den Anspruch sowas verhindern zu können. Der Atheismus ist nämlich nicht in der Lage zu sagen, ob etwas richtig oder falsch ist2. Dafür braucht es schon eine Weltanschauung, wie zum Beispiel den Humanismus.

Ich gehe jetzt mal stillschweigend davon aus, dass der Täter sich als Humanist verstanden hat – weil mich das vor grössere Probleme stellt, als wenn er eine andere Weltanschauung vertreten hätte. Der Humanismus schliesst aber Gewalt gegen andere Menschen nicht kategorisch aus3. Es kann durchaus Situationen geben, in denen Gewalt notwendig sein kann. Ich bezweifle jedoch sehr stark, dass es hier der Fall war. Ich bezweifle sogar, dass der Täter, wenn er es im Nachhinein nüchtern betrachtet, es als notwendig bezeichnen wird. Und selbst wenn dem doch so sein sollte, was dann sicherlich bis zu einem gewissen Grad sein Gewissen beruhigen wird, ob er es für eine gute – im Gegensatz zu: für eine bedauerliche, aber leider notwendige – Tat halten wird. Und genau das ist der entscheidende Punkt: Der Humanismus sollte eigentlich nicht fähig sein den Schaden an einer anderen Person durch den höheren Zweck zu heiligen, sprich diesen zu einer per se guten Tat machen, wie dies in Religionen durchaus der Fall sein kann.

Genauso wenig wie sich die Atheisten hier mit dem Falschen Schotten rausreden sollten, dürfen Muslime und Anti-Atheisten die Sache leichtfertig als ein religiös motiviertes Hassverbrechen oder gar als einen Terrorakt interpretieren und Parallelen zu den Attentaten in Paris ziehen. Es kann schliesslich auch nur ein aus dem Ruder gelaufener Streit gewesen sein, bei dem die Opfer zufälligerweise Muslime waren4. Es wären ja nicht die ersten Todesopfer, die Parkplatzstreitigkeiten zur Folge hatten5.

Auch etwas deplatziert finde ich Kommentare wie jenen von „Eda Greggy ist doof“ alias Rechtsanwaltsanwärter Gregor aus Wien, den ich in der Spambox des DisOrganizers entdeckt habe:

puh, ich hoffe du hast du schon mal von den ta­ten dei­nes athe­is­ti­schen Kol­le­gen von Ca­pi­tol Hill dis­tan­ziert. jo .. seine Pos­tings auf Face­book er­in­nern mich an ir­gend­wen .. an DICH!^^
(Link zur Facebook-Seite des Täters entfernt)

Hier wird nicht nur davon ausgegangen, dass es sich nur um ein atheistisch motiviertes Hassverbrechen handelt, obwohl das noch lange nicht geklärt ist, sondern es wird auch suggeriert, dass Leute, die sich über den Glauben anderer lustig machen, wie dies beispielsweise mit den Postings getan wird, die sich auf der Facebook-Seite des Täters (wie auch so gut wie jedes anderen Atheisten) finden lassen, solche Taten gutheissen oder früher oder später sogar begehen werden.

 

Menschen wollen nach solchen Taten eine deutliche Distanzierung jener hören, die gewisse Gemeinsamkeiten mit den Tätern teilen.
Das Problem ist aber, dass sie mit dieser Forderung deutlich ausdrücken, dass sie genau diese Gemeinsamkeit für die Ursache des Verbrechens halten, was in den meisten Fällen leider ausgesprochen naiv ist.

Liebenswürdigkeiten

Vor einigen Jahren las Richard Dawkins ein paar an ihn adressierte Mails vor…

und nun legt er nach…

Sollte man nicht meinen, dass die Religion die sündigen Menschen daran hindert, solche hasserfüllten Dinge zu schreiben? Wofür sonst wäre sie gut?
Und doch sind es allesamt brave Christen, die Dawkins all die Liebenswürdigkeiten geschrieben haben.

Oder sind es vielleicht gar keine echten Christen? Schreiben echte Christen keine solchen Sachen?

Wahrscheinlich nicht, echte Christen schreiben bestenfalls, dass Dawkins ein Kellernazi ist –  was offensichtlich keine Beleidigung sondern lediglich eine Feststellung ist. Auch wenn man vielleicht nicht in der Lage ist Belege für diese These vorzulegen. Ich meine, man wird doch noch seine Meinung äusser dürfen…

Stern von Bethlehem

Jesus sollte eigentlich viel früher schon mal kommen, doch irgendwas beim Umrechnen zwischen prähistorischen und metrischen Einheiten ging wohl schief und der Stern von Bethlehem verfehlte die gewünschte Wirkung.

Was tun mit Zombies?

Je suis CharlieDie Fachliteratur ist sich ziemlich einig (vielleicht mit Ausnahme einiger weniger Autoren1), dass Zombies nicht heilbar sind und dass ein Zusammenleben mit ihnen nicht möglich ist. Diese stellen durch ihren Heisshunger auf Menschenfleisch und die damit verbundene Ansteckung nämlich eine zu grosse Gefahr für die gesamte Zivilisation dar. Und hinzu kommt – und das ist eminent wichtig – , dass jeder Mensch eigentlich lieber tot als ein Zombie sein möchte.

Wenn dem wirklich so ist, ist es dann nicht unsere (auch moralische) Pflicht sie zum Schutz der Menschheit zu eliminieren?

Zum Glück sind das aber nur Phantasien
… oder etwa nicht?

Wir Atheisten machen uns zwar gern darüber lustig, dass der auferstandene Jesus alle Kriterien eines Zombies erfüllt2 und dass das Christentum ein gefährliches Virus ist, das von Hirn zu Hirn springt und die Träger immer mal wieder Massaker anrichten lässt, ohne dabei die geringsten Skrupel zu haben, doch wenigstens glauben wir daran, dass das relativ leicht heilbar ist (mit Humor und Vernunft) und dass man gemeinsam ein harmonisches Leben führen kann (in einem säkularen Staat). Und glücklicherweise bestätigt die Erfahrung uns durchaus in diesem Glauben. Insofern gibt es keinen Grund, gegen die mit dem X-Virus infizierten Menschen direkt vorzugehen, sondern es reicht das allgemeine Klima dadurch, dass man erlaubt sich über das X-Virus lustig machen zu dürfen, so zu verändern, dass die Ansteckungsrate relativ niedrig bleibt.

Aber auch die Theisten leben auch in einer Welt voller Zombies – doch hier sind es wir Atheisten und eine Heilung ist, wie die Erfahrung zeigt, sehr schwer, wenn nicht gar fast unmöglich. Auf jeden Fall ist die Ansteckungsrate um Grössenordnungen höher als die Heilungsrate. Was also tun? Das allgemeine Klima dadurch, dass man sich nicht über das Heilige lustig machen darf, so verändern, dass die Ansteckungsrate wieder tiefer ist als die eigene Wachstumsrate? Genau, aber welche Mittel stehen einem, wenn es auf legalem Weg nicht mehr zu erreichen ist, dann noch zur Verfügung um dies zu erreichen? In den heiligen Schriften finden sich durchaus ein paar garantiert zulässige Vorschläge…

Wenn wir in einer Welt voller Zombies leben und entsetzt ist übe die Taten mancher Menschen, dann finde ich es irgendwie schräg, wenn man an die Liebe appelliert. Denn in gewissem Sinne ist es gerade die Liebe und die Sorge um das Wohl der Nächsten, die diese Menschen die Zombies abschlachten lässt.

Charlie Hebdo

Darf man das dem Islam anlasten?
Es gibt sicherlich wesentlich mehr Muslime, die solche Taten verurteilen, als solche, die sie billigen. Doch beide Seiten unterstellen der jeweils anderen, den Geist des Islam nicht wirklich verstanden zu haben, insofern ist es schwierig zu sagen, was denn der wahre Islam ist. In einem sind sie sich aber dennoch einig, nämlich dass es etwas Heiliges gibt, das über allem anderen steht und über das man sich eigentlich nicht lustig machen sollte.

In diesem Punkt ist sich jedoch nicht nur der Islam einig, sondern alle Religionen. Und keine ist davon ausgenommen.

Nein, man kann das nicht dem Islam anlasten. Sondern man muss es der Religion per se anlasten.
Denn das Heilige ist gewissermassen die ureigenste Definition von Religion.

So lange es Blasphemie gibt, so lange wird man die Sünder ermahnen diese doch lieber zu unterlassen. Sei es durch Worte oder durch Steine.

Als Reaktion auf solche Taten wie am Charlie Hebdo sollten wir nicht die Gläubigen zu überzeugen versuchen, dass sie lieber Worte statt Steine verwenden sollen, denn damit rennt man bei den meisten ohnehin offene Türen ein, sondern dass es so etwas wie Blasphemie gar nicht gibt. Nicht weil es Gott nicht gibt, sondern weil es das unantastbar Heilige nicht geben sollte.

Kann Folter gerechtfertigt sein?

Das Pew Research Center hat am 29. Mai 2009 eine Statistik veröffentlicht, die sich mit der Korrelation zwischen Religiosität und der Bereitschaft Folter an mutmasslichen Terroristen zu akzeptieren beschäftigt:

Quelle: www.pewforum.org

Das Ergebnis ist ziemlich deutlich: Je religiöser desto eher kann man sich vorstellen, dass es gerechtfertigt sein kann mutmassliche Terroristen zu foltern um an wichtige Informationen zu gelangen.

Man könnte einwenden, dass die Stichprobengrösse etwas klein ist, doch wenn die Auswahl der Teilnehmer sorgfältig gemacht wurde, sollte das eigentlich kein Problem sein. Das Pew Research Center ist eine renommiertes Meinungsforschung-Institut und hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es sein Handwerk versteht. Es ist also durchaus anzunehmen, dass dies eine repräsentative Situationsaufnahme ist.

Das heisst aber nicht notwenigerweise, dass die weissen, evangelikalen Protestanten, die mindestens einmal in der Woche zur Kirche gehen, auch wirklich echte Christen sind…
Die entscheidende Frage ist, wie Jesus auf die Umfrage geantwortet hätte. Und in Anbetracht seiner Neigung zur Nächstenliebe, schätze ich, dass er sich in der Richtung geäussert hätte, dass es niemals gerechtfertigt sein könne. (Obwohl ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann, dass er bloss ein Kästchen angekreuzt und nicht irgendwie eine Szene gemacht hätte.)

Die echten Christen haben also offensichtlich keine eigene Zeile ergattert, die zu 100% blau gewesen wäre – wenn auch vielleicht nicht ausschliesslich dunkelblau.

Hier stellt sich aber die Frage, ob die weissen, evangelikalen Protestanten, die mindestens einmal in der Woche zur Kirche gehen, auch wissen, dass sie nicht echte Christen sind? Ich meine jetzt nicht die, die nur nachplappern und die Bibel nicht selbst studieren, sondern ich meine die, die sehr genau wissen, was in der Bibel steht. Die werden in der Hierarchie dieser Gemeinden tendenziell eher höher sein und sich nachplappern lassen. Wissen diese evangelikalen Führer, dass sie falsche Christen sind?
Ich denke, sie wissen es nicht. Ich denke, sie sind wirklich überzeugt davon, echte Christen zu sein. Und ich denke, dass sie wirklich glauben, ihre barbarischen Ansichten mit der Bibel und damit im Sinne von Jesus selbst begründen zu können.
(Aber ich kann mich auch irren. Auf die folgenden Gedanken hatte das aber meines Erachtens keine allzu grossen Auswirkungen.)

Eine weitere Frage, die sich hier stellt, ist: Wie wurden sie zu falschen Christen? Irgendwann einmal waren die Gemeinden ja alles echt christliche. Vor Äonen… und eines Tages nahm man die falsche Abzweigung.
Wenn man sich anschaut, wie viele Menschen, die sich selbst Christen nennen, offensichtlich unchristlich Denken, dann scheint es offenbar ein leichtes zu sein vom rechten Weg ab zu kommen.

Die Ironie an der Geschichte ist aber, dass humanistische Atheisten zu einem deutlich blaueren Ergebnis neigen als die Evangelikalen.
Und damit eindeutig näher bei der Botschaft des Evangeliums stehen als die grosse Mehrheit der tief Religiösen.

 

Wer ist gefährlicher für die Welt? Humanistische Atheisten oder Evangelikale?

Wenn es die Evangelikalen sind, dann wäre auch im Sinne von Jesus eine Welt ohne Religion vorzuziehen.

Wenn es aber die humanistischen Atheisten sind, dann muss die Gefahr, die von diesen ausgeht, so gross sein, dass selbst Jesus die Folter hie und da für gerechtfertigt halten würde um sich davor zu schützen.

NZZ – Folio : Atheismus, aus Mangel an Beweisen

Heute widmet sich das NZZ Folio dem Atheismus. Noch habe ich es nicht gelesen, doch es scheint eine interessante Lektüre zu werden.

Ball der verlorenen Seelen

In London versammeln sich sonntags Ungläubige, um zu singen und zu preisen. Nur wen? Und wofür? Eine ethnologische Feldforschung beim Stamm der Gottlosen.
ab Seite 22 von Nigel Barley

Meine persönlichen Gedanken hierzu folgen.

Der barmherzige Atheist

Sind Gläubige tatsächlich die besseren Menschen?
Seit Jahrzehnten nehmen Wissenschaftler die Nächstenliebe unter die Lupe.
ab Seite 28 von Mathias Plüss

In diesem Artikel geht es vor allem um eine kleine Übersicht über die Studienlage zum Thema Verhalten innerhalb von Religion und Atheismus:

Wenn man Umfragen glauben will, dann sind Gläubige nicht nur hilfsbereiter als Atheisten, sondern sie werden von der Bevölkerung auch für hilfsbereiter gehalten.
Wenn man das aber in der Praxis überprüft, dann ist kein signifikanter Unterschied mehr auszumachen. Sprich, Atheisten haben eine weniger bauchpinselnde (realistischere?) Selbsteinschätzung und ein klitzekleines Image-Problem.

„Die Indizien deuten klar darauf hin, dass die Religiöseren nicht mehr Anteilnahme für Menschen in Not zeigen als die weniger Religiösen. Die Religiöseren erwecken bloss den Eindruck, sie nähmen mehr Anteil.“ (Daniel Batson, 1993)

Als Reaktion auf diese skandalöse Entdeckung wurde mit etlichen Studien gezeigt, dass Gläubige doch hilfsbereiter sind als Atheisten. Bloss dass, wenn man etwas genauer hinschaut, sich die Hilfsbereitschaft fast ausschliesslich auf Freunde und Glaubensgenossen beschränkt. Geht es jedoch um Fremde, so wirkt sich die Religiosität gar nicht oder sogar negativ auf die Hilfsbereitschaft aus. (Luke Galen, 2012)

Interessanterweise findet man überdurchschnittlich moralisches Verhalten gleichermassen bei sehr religiösen und sehr atheistischen Menschen, während bei religiös nicht sehr interessierten Menschen eher eine moralische Gleichgültigkeit zu beobachten ist. Das deutet darauf hin, dass nicht die Religion die Menschen moralisch macht, sondern die Bereitschaft für seine Überzeugung auch bei rauem Gegenwind einzustehen. Und der ist ja auch beim Atheismus gegeben.
In viele Situationen, in denen es moralisch zu handeln gilt, muss man sich der Herde entgegenstellen, was in der Regel nicht einfach ist.

Was also bringt die Religiosität einer Gesellschaft?
Es ist unbestritten, dass der Drogenkonsum mit religiöser Frömmigkeit deutlich sinkt. Doch ist Drogenkonsum an sich kein unmoralisches Verhalten und auf echte Formen von Verbrechen hat die Frömmigkeit kaum einen Einfluss – dort ist der Rückgang eindeutig auf die Säkularisierung zurückzuführen.
Wieso also nur bei den Drogen? Könnte die Religion tatsächlich das Opium des Volkes sein? Könnte es sein, dass Religion und Drogen Menschen auf die gleiche Weise ansprechen und die Frömmigkeit lediglich eine Umverteilung vornimmt?

Religiösere Länder haben höhere Verbrechensraten als sekulärere. Wenn man sich die Zahlen aber etwas genauer anschaut, dann erkennt man, dass starke Religiosität durchaus einen moderat dämpfenden Einfluss auf die Kriminalität zu haben scheint. Das wurde aber bisher nur bei Christen beobachtet. Bei Muslimen sieht es eher umgekehrt aus. Allerdings wird dort der Effekt durch das strengere Alkoholverbot offenbar wieder neutralisiert.
Diese Untersuchungen wurden jedoch in Deutschland gemacht und es ist nicht auszuschliessen, dass der Umstand, einer Minderheit in einem feindseligen Umfeld anzugehören, die Menschen radikalisiert und die Ergebnisse verfälscht.
Unter dem Strich scheint sich die Tugendhaftigkeit der Gläubigen also weniger der Transzendenz als viele mehr der schärferen Beobachtung durch die Kirchenmitglieder zu verdanken.

Warum gibt es überhaupt Religionen und wieso sind sie so erfolgreich? Weil sie einen ungeheuren Vorteil bringen: Sie fördern, nicht zuletzt auch durch den Zusammenhalt und die Kooperation innerhalb der Gruppe. Religiöse Gemeinschaften sind tatsächlich produktiver. Doch je grösser der Altruismus innerhalb der Gruppe, desto stärker die Abwehr gegen alles Fremde. So findet sich insbesondere bei Fundamentalisten regelmässig ein Hang zu Ethnozentrismus, Unterwürfigkeit, Nationalismus, Rachegelüsten und Militarismus.

Unter dem Strich hat sich Dostojewskis Warnung „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.“ als falsch erwiesen. Die Religion erzeugt keine besseren Menschen, sie macht sie bestenfalls etwas erfolgreicher.

Besser schwul

Warum in Amerika die Atheisten gehasst werden wie keine andere Minderheit.
ab Seite 37 von Peter Haffner

Meine persönlichen Gedanken hierzu folgen.

Moral ohne Gott

Gott sei die Basis der Moral.
Das lass ich mal so stehen und ignoriere das Euthyphron-Dilemma.
Das heisst, Gott offenbart/bestimmt, was gut und was böse ist.

Kriegt man das aber auch ohne einen Gott hin? Zu wissen, was richtig und falsch ist?
Jap. Und zwar indem wir die Konsequenzen unseres Handeln überdenken und abzuschätzen versuchen, ob damit jemandem geschadet wird. Und wenn dies geschieht, dann ist die Handlung ethisch falsch. Es kann manchmal in einem Masse gerechtfertigt sein, dass man es schon wieder als ethisch richtig bezeichnen kann. Jemanden gegen seinen Willen in ein dunklen Raum zu sperren, schadet ihm, doch wenn es die Strafe für eine Verfehlung ist und sowohl er, als auch andere daraus etwas lernen und Verfehlungen dieser Art in Zukunft unterlassen, dann ist es trotzdem ethisch richtig. Die Verfehlung mit Peitschenhieben zu ahnden, was dem Übertäter ebenfalls schadet, kann aufgrund der übertriebenen Schwere die Bestrafung wieder ethisch falsch machen.

Die Frage ist, wie wägt man den Schaden der einen gegen den Vorteil der anderen ab?
Und die Antwort ist verblüffend einfach: Wenn man den gleichen Vorteil auch mit etwas weniger Schaden hätte erzielen können, dann ist jedes mehr an Schaden als das absolute Minimum ethisch falsch.

Von Gott keine Spur. Und von Anarchie auch nicht.

Dass die Mehrheit der Bevölkerung aus welchen Gründen auch immer trotzdem für das Auspeitschen ist, macht es nicht moralisch richtig. Eine moralische Umpolung findet nur dann statt, wenn man feststellt, dass die positiven Konsequenzen die negativen doch überwiegen (oder umgekehrt).

Was ist also nach dieser Ansicht die Basis der Moral? Unsere Vernunft!

Klar, es kann vernünftig sein in einer gewissen Situation unmoralisch zu handeln, dadurch wird die Handlung aber nicht moralisch. Und das wissen wir.

Im Grund ist das schlicht und ergreifend die Goldene Regel:

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Jeder Christ wird darin natürlich sofort Jesus Gebot der Nächstenliebe erkennen. Ganz zurecht sogar.
Doch das gilt auch für das Mitglied so gut wie jeder anderen Gesellschaft, denn die Goldene Regel ist weit verbreitet. Und das schon lange bevor Jesus sie auf dem Berg predigte.

Nun könnte man einwenden, dass der liebe Gott die Goldene Regel weit gestreut hätte und daher von ihr auch die Heiden profitieren konnten.

Kriegt man das aber auch ohne Gott hin? Dass die Goldene Regel sich einfach so entwickelt und verbreitet?
Jap. Und zwar durch die Evolution, die ein Verhalten entsprechend der Goldenen Regel begünstigt. Sich egoistisch zu verhalten lohnt sich vielleicht auf kurze Sicht, doch wenn ein solches Verhalten bekannt wird, kriegt man den Zorn der Gruppe zu spüren. Dieser Umstand bildet einen deutlichen Selektionsdruck.
Und so kommt es, dass sich der Mensch so entwickelt hat, dass die Empathie völlig automatisch Hilfsreaktionen triggert.

 

Was in der Moral mit Gott geht, geht also auch ohne ihn.
Und da irgendwie die Evidenzen für seine Existenz verschollen sind, denke ich, ist es nicht völlig abwegig, sich mit dem ohne ihn zufrieden zu geben.

 

Und auf die Weise fährt man wahrscheinlich sogar noch viel besser:

Eine bibelkriminalistische Wette

Ich wette, zu jeder Art von Verbrechen lässt sich eine Stelle in der Bibel finden, wo Gott jemandem befielt genau die Handlung zu vollziehen, welche ohne den direkten Befehl Gottes eben jenes Verbrechen darstellen würde.

Davon ausgeschlossen sind Verbrechen, welche zu jener Zeit aus technischen Gründen nicht hätten begangen werden können. Wie Geschwindigkeitsübertretung auf der Autobahn, Skimming, Mondlandung vortäuschen oder Ausserirdische in der Area 51 quälen.

Wobei man mit dem Talent der Apologeten, auch die haarsträubendsten Dinge ins Gute umzudeuten, das sicher auch für die Verbrechen, die von der Wette ausgenommen sind, hinkriegen würde.

To be intelligent means,… one has to ask intelligent questions!!!

Das Alternative News Network WorldTruth.TV hat auf seiner Facebook Seite  unter dem Titel If The Theory of Evolution Were True das folgende Bild auf Facebook gepostet:

Der Leitgedanke zum Beitrag war der folgende:

 To be intelligent means,… one has to ask intelligent questions!!!

Ich ringe nun schon seit mehren Tagen mit der Frage, ob WorldTruth.TV und damit auch dieser Beitrag Satire ist – auf der Webseite stehe ein paar dermassen absurde Verschwörungstheorien, dass man kaum glauben mag, dass das wirklich jemand ernst nehmen kann. Doch zumindest die Kommentarschreiber scheinen dies tatsächlich zu tun.

Für mich ist der Leitgedanke mit der im Bild aufgeworfenen Frage ein eindeutiges Ironie-Signal, denn obgleich es angeblich keine dummen Fragen gibt, kommt diese doch sehr, sehr nahe dran.
Es leben derzeit zwar durchaus Millionen von Menschen auf der Welt, doch von den affenähnlichen Wesen ganz links nicht einer – genauso wenig wie (richtig erkannt) von den vier Herren dazwischen.
Das Wesen ganz links, das wie ein Schimpanse aussieht und vor 5-7 Millionen Jahren lebte, ist laut der dem Bild zugrunde liegenden Theorie – der Evolution – , vom Schimpansen genetisch ungefähr gleich weit entfernt wie vom Menschen. Dass die äusserliche Ähnlichkeit zwischen Schimpanse und dem gemeinsamen Vorfahren grösser ist als zwischen dem Menschen und dem gemeinsamen Vorfahren, verdankt sich allein der gleichen Lebensweise und sollte uns dabei nicht täuschen.

Wenn also jemand behauptet, dass es vom Gesellen links heute noch Millionen gibt, dann weiss er nicht wovon er spricht. Und das ist ist in der Regel keine sehr gute Voraussetzung für intelligente Fragen.

Aber eben, vielleicht ist das auch nur Satire.
Hoffentlich.
Allerdings wirft das die Frage auf, was Satire alles darf?
Natürlich alles.
Gehört zu allem auch das argumentative Arsenal der Gegner zu füllen?

Der barmherzige Waisenhausdirektor

Es war einmal ein Waisenhausdirektor, der bot den Neuankömmlingen jeweils liebevoll Decken an. Da es aber im Waisenhaus sehr warm war und die Decken ziemlich schwer waren, lehnten die meisten dankend ab.
Dann kam der Abend und der Direktor drehte die Heizung runter.
Wenn die Kinder nun zum Direktor kamen und um die Decke baten, erklärte er ihnen, dass es jetzt leider zu spät sei.

Ist so ein Direktor wirklich barmherzig?
Oder ist er einfach ein Arsch?
Da sind Kinder, die frieren, und der Kerl verweigert ihnen die Hilfe, weil  ausserhalb der Schalteröffnungszeiten.

Klar sind die Kinder selber schuld. Und pädagogisch betrachtet, wird ihnen eine Lektion sicher auch ganz gut tun.
Übertrieben lang nach den Decken zu suchen und sie noch ein bisschen zittern lassen, wäre okay, aber die Lektion so zu gestalten, dass die Kinder die volle Härte der Konsequenzen zu spüren bekommen, ist vielleicht etwas übertrieben.
Ich meine, wenn man ein Kind lehren will, vorsichtig mit dem Messer umzugehen und sich in Zukunft nicht den Finger damit abzuschneiden, schneidet man ihm nicht zur Demonstration den Finger ab, oder? Klar, auf diese Weise lernt es garantiert seine Lektion, doch hätte man das gleiche Ziel nicht auch auf andere Weise erreichen können?

Den Kindern keine Decke zu geben, ist nur eine Lektion und kein Pfitzelchen Hilfe. Barmherzig wäre ein Mix, der den Schwerpunkt auf die Hilfe legt.
Und wenn es keine Möglichkeit gibt, das Gelernte jemals umzusetzen, weil die Betroffenen beispielsweise nie wieder vor eine solche Entscheidung gestellt werden, dann kann man auf die Lektion auch gänzlich verzichten.
Ich meine, die Todesstrafe hat beispielsweise einen relativ geringen erzieherischen Nutzen für den Verurteilten – selbst wenn die erstaunlich niedrige Rückfallquote der Hingerichteten vielleicht einen anderen Schluss nahe legt.

 

Man ahnt wahrscheinlich, dass es sich hierbei lediglich um eine Allegorie handelt. Der Waisenhausdirektor ist natürlich Gott und die Waisenkinder die Menschen, welche sich bisweilen aus Bequemlichkeit weigern das Ewige Leben in der Form von warmen Decken anzunehmen.

Man könnte vielleicht einwenden, dass die betroffenen Menschen keine Kinder mehr sind. Oder dass es die Zeitschaltuhr war, die die Heizung abstellte, und nicht etwa der Direktor selbst. Oder dass die Kinder sehr wohl wussten, dass es kalt werden würde, denn der Direktor hatte es ihnen in seiner Willkommensrede sehr deutlich gesagt.
Doch macht das wirklich einen Unterschied?
Da sind Menschen, die leiden, und der Direktor hilft ihnen nicht, obwohl er es könnte.
Ja, als es ihnen noch gut ging, wollten sie die Hilfe nicht, jetzt aber schon.
Ob jemandem geholfen werden soll, entscheidet nicht, ob er es in der Vergangenheit mal nicht wollte, sondern ob er es jetzt will.

Dass der Direktor gerecht ist, will ich gar nicht bestreiten. Jeder kriegt, was er sich eingebrockt hat.
Er ist aber nicht barmherzig, denn Barmherzigkeit bedeutet zu helfen ungeachtet dessen, was der andere verdient.

Auch dass der Direktor in gewissen Fällen tatsächlich barmherzig ist, will ich nicht bestreiten. Er wird nämlich auch dem bösen Jungen namens Adolf die Decke geben, dem die Lektion besser täte als jedem anderen.
Doch das ist wiederum nicht gerecht denen gegenüber, die von Adolf davon abgehalten wurden die Decken rechtzeitig zu holen.

 

Der rote Faden

godIrgendwie taugt Gott als nicht besonders als Role Model. Welche Eigenschaft Gottes man sich auch anschaut, wenn der Mensch sie imitiert, kommt es übel raus.

  • Gott hilft Menschen nicht, die zu spät zur Einsicht kommen. Wenn ich einem Menschen Hilfe verwehre, weil er sich in die Situation selbst reinmanövriert hat, hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack.
  • Gott erschafft eine wunderschöne Welt und faszinierendes Leben erschaffen. Selbst Leben erschaffen oder verändern, darf ich aber nicht.
  • Gott interessiert sich sehr für das, was in den Schlafzimmern der Menschen geschieht. Wenn ich es tue, bin ich ein Spanner.
  • Gott gibt den Menschen einen Freien Willen, obwohl er weiss, dass das einen Grossteil der Menschheit das ewige Leben kosten wird. Wenn ich ein Produkt auf den Markt bringe, von dem ich weiss, dass es viele Menschen töten wird, sollte ich ihnen nicht vorwerfen es benutzt zu haben und sie auf Rufschädigung verklagen. Selbst dann nicht, wenn eine entsprechende Warnung auf der Verpackung steht.
  • Gottes Plan ist, dass die Strafe für die Sünde die ewige Folter ist. Nach Gottes Ansicht sündigt jeder Mensch. Der einzige Weg nach Gottes Auffassung, um nicht alle Menschen in die Hölle schicken zu müssen, ist, dass ein Mensch, der ohne Sünde ist, dafür bezahlt und die Menschen sich dann auf ihn berufen können. Wenn jemand mir Unrecht antut, dann bezahlt er eine Busse oder kommt ins Gefängnis. Ich kann aber nicht verlangen, dass er gefoltert wird. (Ausser das Ganze spielt sich im Schlafzimmer ab ;) Und wenn alle mir Unrecht angetan haben, dann kommen auch alle zu Kasse. Und die Vorstellung, dass einer gezwungen wird die Strafe zu übernehmen, der gar nichts damit zu tun hatte, und so alle anderen ungeschoren davon kommen, ist absurd. Selbst, wenn er es freiwillig macht, ist es absurd. Die Verantwortung an einer Schuld kann man nicht weiter geben.
  • Gott stellt uns vor die Wahl. Wenn ich jemanden vor die Wahl stelle, wobei die eine Option einen Tritt in die Weichteile in Aussicht stellt, dann ist das Erpressung.
  • Gott gebietet den Menschen ihn zu lieben und quält die, die es nicht tun. Kann ich jemanden zwingen mich zu lieben und trotzdem ein respektables Mitglied unserer Gesellschaft bleiben?
  • Gott erschafft den Menschen als Krone der Schöpfung. Wenn ich ein Portrait male und um dieses herum noch 10 Trilliarden Sterne male, dann werden es eher keine bewundernden Blicke sein, die ich damit einheimse.
  • Gott sagt, was ein Gräuel ist und was nicht. Das kann ich auch tun, doch wenn ich es ohne eine Begründung mache, dann nimmt man mich nicht ernst. Und wenn man mich ernst nimmt, dann bin ich Sektenhäuptling, was noch viel schlimmer ist.
  • Gott war mit seinen Kindern nicht zufrieden und schickte die Sintflut. Bin ich mit meinen Kindern nicht zufrieden …

Gott taugt nicht als Vorbild.
Vielleicht ahnte er das und schickte deshalb Jesus zu den Menschen.

Doch auch das ging, was den Vorbildcharakter betrifft, wenn wir ehrlich sind, in die Hose. Jesus war ein Junggeselle, der mit seinen Freunden durchs Land zog. Er führte ein Leben ganz nach Gottes Geschmack, doch es war kein Leben, das eins zu eins als Modell für die gesamte Menschheit dienen könnte. Jesus hat weder gearbeitet noch hatte er eine Familie. Zwei Aspekte, die das Leben ziemlich kompliziert machen können.

Wenn ich ein Vorbild brauche, dann eins, das mir zeigt, wie ich mich in den schwierigen Situationen zu verhalten habe. Wie man sorglos und ohne jegliche Verantwortung einem anderen gegenüber durch die Landschaft wandert, kriege ich auch selbst hin. Wenn ich da mal nichts zu essen kriege, habe ich hunger. Wenn ich da mal zu lange nichts zu essen kriege, verhungere ich. Ich ziehe aber niemanden mit ins Verderben.
Wenn ich jedoch eine Familie habe, dann trage ich eine Verantwortung. Und wenn die Zeiten mal schlecht sind, kann ich es mir nicht aussuchen ein unmoralisches Angebot abzulehnen.
Jesus hat gezeigt, dass man sich selbst zum Wohl der anderen opfern kann und soll.
Damit habe ich kein Problem.
Tricky wird es erst, wenn man zum Wohl der anderen jemand anders opfern muss. Vielleicht sogar jemand, den man liebt.

Als Landstreicher stellen sich diese Probleme nicht so.
Als Elternteil oder als Führungsperson hingegen schon.

Eine etwas bessere Karriere-Planung für den Sohn Gottes hätte der Menschheit eine Menge Übel erspart.

 

Fazit

Wieso sieht alles, was Gott macht, wenn ins diesseits transferiert, so jämmerlich aus?
Wieso kann das Grosse nicht auch im kleinen gross sein?