Adieu (Presse-)Freiheit?

Wie in der WOZ vor gut einem Monat zu lesen war, lässt man einen Fotografen, der weltweit in Krisengebieten wie in einem Hochsicherheitstrakt eines US-Gefängnisses, im Irakkrieg und in der radioaktiv verseuchten Sperrzone von Fukushima unterwegs war, hier in der Schweiz nicht seine Arbeit tun: Als er den Aufbau eines Notspitals fotografieren wollte, wurde er nicht hinein gelassen.

Ist das ein Skandal?
Ist das Zensur?
Ist das der Niedergang der Pressefreiheit?

Es wäre sicherlich ein Skandal, wenn die Beschränkungen nach der Krise weiter fortbestehen würden. Aber während einer Pandemie?

All die Krisengebiete waren keine Seuchenherde. In sich womöglich schon, aber es war eher unwahrscheinlich, dass der Fotograf von dort Menschenrechtsverstösse, Krieg und Tsunamis oder Reaktorschäden mit heim bringen würde.

Es mag schon stimmen, während des Aufbaus wäre die Übertragung von und auf Patienten keine Gefahr gewesen, doch in einer Zeit, in der man versucht so viele Kontakte wie möglich zu vermeiden, weil jeder Kontakt das Risiko birgt, dass das Virus weitergegeben wird, ist eine vorsichtige Haltung wohl grundsätzlich nichts schlechtes.
Und natürlich sollte alles dokumentiert werden, aber braucht es für Bilder vom Bau eines Spitals wirklich einen kriegserfahrenen Fotografen? Kann man die Dokumentation nicht der Baufirma überlassen, die das ohnehin macht?
Oder wird hier angedeutet, dass da auf der Baustelle mehr vor sich geht?

Frage am Rande: Hat der Fotograf versucht anders an die Bilder zu kommen? Hat er gefragt, ob er die Baustelle mit einer Drohne „besuchen“ darf? Oder ob er einem Bauarbeiter eine GoPro auf den Helm montieren darf? Oder ob eine berechtigte Person die Baustelle mit ihm im Videochat ablaufen darf?

Eine weitere Beobachtung im Artikel ist, dass bei Videokonferenzen die Fragen von kritischen Journalisten einfach ignoriert worden seien. Das ist tatsächlich bedenklich. Doch es hängt auch von den Fragen ab…
Besonders kritische Zeitgenossen bezweifeln ja gern auch mal die Existenz des Virus selbst und fragen sich, ob die Pandemie nicht bloss ein geschickt eingefädeltes Ablenkungsmanöver sein könnte. Dass deren Fragen irgendwann ignoriert werden, kann man keinem verdenken.

Frage am Rande: Warum wird im Artikel nicht erwähnt, welche Fragen ignoriert wurden?

Man darf mich nicht falsch verstehen, ich halte jede Beschneidung der Freiheit für höchst problematisch. Manchmal führt aber – zumindest für eine kurze Zeit – leider kein Weg daran vorbei.

Die wichtige Frage ist, wie lange darf man die Freiheit beschneiden?
Ich würde sagen, bis man es mit weniger Beschränkung hinkriegt, wobei man sich schon Mühe geben sollte, das so schnell wie möglich hinzukriegen.

Das Problem ist hier aber, dass man sich dabei theoretisch nicht wirklich zu beeilen braucht. Und dass viele Dinge wesentlich einfacher von der Hand gehen, solange die Beschränkungen gelten. Die Motivation die Beschränkungen aufzuheben ist also ziemlich klein.

Trotzdem!

Ich denke nicht, dass wir auf dem Weg in eine neue Weltordnung sind, in der uns im Interesse einer Elite – welche das auch immer sein mag – alle möglichen Rechte genommen werden. Aber ich muss den Verschwörungstheoretikern durchaus zugestehen, dass wenn wir es wären, die Situation wohl ungefähr gleich aussehen würde.
An einem bestimmten Punkt würden sich aber die Wege trennen. Und dieser Punkt ist der Moment, wo man es auch mit lockereren Beschränkungen hinkriegt.
Wenn an diesem Punkt die Beschränkungen gelockert werden, können wir aufatmen. Wenn nicht, haben wir es entweder mit der neuen Weltordnung zu tun. Oder mit einer gemächlichen Regierung.

Das Problem ist aber, dass sich der Moment, wo es auch mit lockereren Beschränkungen geht, schwierig zu erkennen ist. Um die Folgen einer bestimmten Strategie abschätzen zu können, braucht es Experten. Der „Gesunde Menschenverstand“ lässt einen da jämmerlich im Stich.
Erschwerend kommt hinzu, dass es „Güter“ gegeneinander abzuwägen gilt, die man eigentlich lieber nicht gegeneinander abwägen sollte. Wieviele Menschenleben ist uns die Rettung von 1 Prozent des Bruttoinhaltsprodukts wert? Eine richtige Antwort gibt es hier nicht. (Ein paar Antworten, ich denke da beispielsweise an Null oder Alle, sind aber natürlich ganz klar falsch.)
Je nach dem, ob es mehr oder weniger sind, verschiebt sich der Punkt, an dem die Beschränkungen gelockert werden.

Uns bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten.
Man kann sich gern auch für den Notfall wappnen. Aber bitte nicht in einer Form, die den Punkt, an dem die Beschränkungen gelockert werden können, weiter nach hinten schiebt.


Okay. Was lernen wir aus dem Artikel? – Dass gewisse Praktiken (in diesem Fall rund um den Journalismus) in einer Krisenzeit in einer unzufriedenstellenden bis beunruhigenden Art laufen können. Eine Auseinandersetzung darüber, ob das hier gerechtfertigt sein könnte, findet im Artikel jedoch nicht statt.

Werden Verschwörungstheoretiker diesen Artikel heranziehen um ihre Theorien zu untermauern? – Auf jeden Fall.

Stört es die Autorin? – Ich glaube nicht so sehr.

Stelle ich persönlich die Sicherheit vor die Freiheit? – Schon. Zumindest für eine beschränkte Zeit.
Vertrete ich damit eine faschistische Position? – Ich glaube nicht.

Die Kosten des Lockdown

Pro Woche kostet uns der Lockdown angeblich rund 1.2 Milliarden Franken.
Das sind bei einer Sechstagewoche 200 Millionen Franken pro Arbeitstag.

Kostet uns demzufolge der Sonntag 52 * 200 Millionen = 10.4 Milliarden Franken im Jahr?

Oder anders: Wenn uns die COVID-19-Pandemie 35 Milliarden Franken zu stehen kommt, dann könnten wir doch für vier Jahre einfach auf den Sonntag verzichten und wir hätten alles locker wieder drin. (Klar, den Sonntag als Ruhetag zu streichen bringt nicht nur mehr Produktivität, es senkt diese wohl auch aufgrund einer schlechteren Work-Life-Balance, aber ja wohl kaum soviel, dass man gleich oder gar weniger produktiv würde als mit freiem Sonntag, oder? Andernfalls bestünde ja die Möglichkeit, dass die Fünftagewoche zu viel ist und man die Arbeitszeit so lange reduzieren müsste, bis man während der Arbeit nur noch arbeitet – ihr versteht schon was ich meine, oder?)

Seltsam, dass das noch niemand vorgeschlagen hat, der sich so Sorgen um unsere Wirtschaft macht…
Ich meine, wenn man so verzweifelt ist, dass man bereit ist Tote in Kauf zu nehmen, dann opfert man doch vorher noch ein paar Wochenenden, oder?


Eine wissenschaftliche Frage der Ehre

Ich schrieb vor einer gefühlten Ewigkeit in einem Artikel, dass Trump, sollte er entgegen allen Erwartungen ein hervorragender Präsident sein, ein grässliches Problem für die Demokratie darstellen würde. Weil dann offensichtlich der Schein trügen kann und man bei der Wahl von politischen Repräsentanten nachweislich nicht davon ausgehen kann, dass das Buch hält, was der Umschlag verspricht.
Nicht, dass man das je auch nur zu hoffen gewagt hätte, aber hier wäre man in dermassen epischem Ausmass daneben gelegen, dass man ernsthaft hätte in Betracht ziehen müssen, zukünftige Wahlen lieber durch Münzwurf zu entscheiden.

Wie es scheint, hat sich meine Befürchtung nicht bewahrheitet. Er ist ein exakt so lausiger Präsident, wie man von Anfang an befürchten musste. Damit meine ich jetzt nicht, dass er eine Mauer baut und der Wirtschaft mehr Wert beilegt als der Gesundheit der Menschen, denn das sind zwar – wie ich finde – arschlochige, aber dennoch leider legitime politische Positionen. Was ihn wirklich übel macht, ist, dass er die Spaltung der Gesellschaft unverholen vorantreibt und nicht mal den Anschein eines Versuchs unternimmt einen Konsens mit deinen Gegnern zu finden.

Das heisst nicht, dass er dumm ist. Denn Dummheit ist die Unfähigkeit seine Handlungen den Gegebenheiten anzupassen und deshalb sein Ziel nicht zu erreichen. Ob Trump seine Ziele erreicht oder nicht erreicht, kann man nicht sagen, solange man diese nicht kennt.
Wenn es sein Ziel ist, Amerika wieder „Great“ zu machen, oder den amerikanischen Präsidenten als verantwortungsbewusste Leitfigur der Welt zu etablieren, oder selbst als ein Mensch zu gelten mit einem besonders guten Gehirn, dann gelingt ihm das nicht so sehr.
Wenn es dagegen sein Ziel ist, nochmals gewählt zu werden, dann sieht die Sache vielleicht etwas anders aus.

Er erscheint dumm. Und vielleicht ermöglichte ihm genau dieser Umstand, die eine oder andere geopolitische Landmine zu entschärfen. Das will ich nicht ausschliessen. Ob das aber von ihm gezielt eingefädelt wurde oder bloss ein glücklicher Ausgang war, kann ich nicht beurteilen.
Wo eine starke Führung und eine entschlossenes Voranschreiten gegen alle Widerstände bitter nötig wäre, ist der Kampf gegen die aktuelle Pandemie. Und noch viel mehr gegen den Klimawandel. Doch genau hier geschieht nichts.

Im Gegenteil. Genau hier legt Trump gefährliche Landminen. Er zwingt Experten, die ihre Arbeit tun wollen, in seinen fetten Arsch zu kriegen.
Und wenn seine Präsidentschaft vorbei ist, werden diese Leute den Markt mit Büchern überschwemmen, in denen sie zu erklären versuchen, dass sie sich nur erniedrigt haben um das Feld nicht kompletten Idioten zu überlassen. Und vielleicht werden wir ihnen sogar glauben.
Nicht mehr glauben werden den Experten dann aber künftige Präsidenten, weil sie befürchten müssen, dass diese ihnen später in den Rücken fallen und ihr Erbe besudeln werden.

Wir sind angewiesen auf die Expertise von Fachleuten. Um aus der Pandemie raus kommen. Und um den Klimawandel aufzuhalten. Doch Trump zwingt Experten unaufrichtig sein und zersetzt damit nachhaltig die Integrität der Wissenschaft – die eigentlich allein der „Wahrheit“ verpflichtet sein sollte.