Missionieren ist Völkermord an den Toten

Die Wikipedia sagt uns über den Völkermord: Gekennzeichnet ist er durch die spezielle Absicht, auf direkte oder indirekte Weise „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“.

In der Regel erreicht man das, indem man die Mitglieder der Gruppe tötet, doch es geht auch anders – zumindest was die nationalen und religiösen Komponenten betrifft.

Man erkennt den Genozid an einer Menge Massengräber und einem deutlichen Bruch in der Kulturgeschichte. Wenn man die Massengräber aber mal ausser Acht lässt, dann wird es schwierig zu unterscheiden, ob in einem bestimmten Gebiet ein Völkermord oder eine Missionierung gewütet hat. Die Kultur ist danach nicht mehr die gleiche wie davor.

(Eine ganze Gruppe zu sterilisieren, sie aber noch bis ans Ende ihrer Tage ihre Kultur weiter leben zu lassen, wäre ebenfalls ein Genozid – jedoch einer ohne Massengräber.)

Das heisst, je nach dem, ob ich den Bruch vor oder nach der letzten Generation der alten Kultur lege, ist es ein Völkermord oder eine Missionierung. Im einen Fall hat man die Lebenden getötet und im anderen Fall gewissermassen die Toten.

Wenn man nämlich davon ausgeht, dass ein Volk eine Gemeinschaft von Menschen ist, die sich darüber einig sind aufgrund ihrer Kultur ein Volk zu sein, dann würden die Leute der vergangenen Kultur sich trotz gemeinsamer Ethnie und Sprache nicht mehr dem gleichen Volk zugehörig fühlen wie die Leute der neuen Kultur, denn alles, an was sie glaubten, hat dort keine Gültigkeit mehr.

Jede Veränderung der Kultur ist der Tod eines Volkes und die Geburt eines neuen. Das klingt natürlich wesentlich drastischer als es wirklich ist, denn das braucht keine Leben zu kosten. Vielmehr ist es einfach der natürliche Lauf der Dinge.
Doch wenn man hingeht und die Kultur vorsätzlich verändert, dann ist es Mord.

Fazit vom Weekend of the Doctor

1:12

Schade, das hätte lustig werden können.
Die Vorlage wurde zwar klar abgelehnt, doch es hat immerhin jeder dritte dafür gestimmt. Die Bedürfnis nach einer faireren Lohnverteilung kann man daher nicht als eine Phantasmagorie von ein paar Spinnern abtun. Das Vertrauen, dass die Wirtschaft das selbst wieder in vernünftige Bahnen zu lenken schafft, ist verschwindend klein und der Handlungsbedarf ist eindeutig.
Von daher ist es ziemlich fragwürdig, wenn die Menschen, die der Initiative ihre Stimme gaben, als neidgetriebene Kommunisten gebrandmarkt wurden.

Die Befürworter haben eine Vorstellung darüber, wie sich der Lohndeckel auf die Wirtschaft auswirken würde. Die Gegner haben eine andere Vorstellung darüber. Doch wie es konkret rauskommen würde, steht – solange man es nicht einfach mal ausprobiert – in den Sternen.

Doctor Who

Downloadverbot

Eigentlich wenig überraschend, dass so etwas früher oder später kommen wird. Nicht, weil die böse Musik- und Filmindustrie dahinter steckt, sondern weil sich damit Geld machen lässt. Und daran ist eigentlich noch nichts schlechtes. Wofür wir nichts bezahlen, bezahlen wir indem wir Werbung über uns ergehen lassen. Die lassen wir uns zwar auch auf Download- und Streaming-Seiten über uns ergehen, doch geht das Geld dort nicht dorthin, wo es hingehört.
(Hierzu schreibe ich gerade an einem Artikel, der bald mal online gehen sollte.)

 

Ironischerweise wäre der Day of the Doctor für viele mit einem solchen Verbot nicht nur zeitverzögert, sondern gar nicht möglich gewesen.
Und bezeichnend ist auch, dass nun raus gekommen ist, dass der neunte Doktor eigentlich der zehnte ist und der Kriegsdoktor der neunte. Was dann aus dem zehnten Doktor den elften macht und den elften zum 12.
Die grundlegende Verbundenheit aller Dinge zueinander ist mal wieder offensichtlich.

Vollständige Packungsbeilage

In der heutigen verdatenbankten Welt sollte es doch eigentlich möglich sein, die ganze Herstellungsgeschichte eines Produkts auszugeben. Nicht nur die Inhaltsstoffe und deren Herkunft, sondern auch die Preise, die jeder einzelne im ganzen Produktionssystem draufgeschlagen hat.

Das bräuchte natürlich nicht alles auf der Verpackung zu stehen. Ein QR-Code würde reichen und jeder könnte alle Daten, die ihn interessieren, problemlos auf seinem Smart-Phone abrufen.

qr-packungsbeilage

Die Vorteile liegen dann auf der Hand: Ökologisch und ethisch nicht zulässige Praktiken wären dann sichtbar.

Was spricht dagegen? Inwiefern wäre es nicht eine bessere Welt, wenn diese totale Transparenz gegeben wäre?
Oder gibt es Gründe, weshalb über gewissen Produktionsschritte der Mantel des Schweigen gelegt werden sollte?

Das hängt wohl davon ab, wie fest der wirtschaftliche Erfolg von der Unwissenheit der Konkurrenz abhängt. Nicht vom Rezept, wohlgemerkt, das kann vorläufig gern weiter geheim gehalten werden, sondern von den Preisen der Rohstoffe und Dienstleistungen.
Mit der heutigen Technologie schwindet dieser Informationsvorsprung aber ohnehin, da könnte man ihn auch gleich völlig beseitigen.

(Kommt nicht mit dem administrativen Aufwand! Mir ist schon klar, dass sich das nicht so ohne weiteres umsetzen lässt, hier geht es lediglich um die Frage: Was spricht dagegen?)

 

ps: Die NSA kann sich diese Packungsbeilagen ohnehin schon längst abrufen.

Evolution als Plot

Vampire sind cool. Sie sind zwar nicht real, aber es lassen sich spannende Geschichten mit ihnen erzählen. Das gleiche gilt für Werwölfe, Zombies, Gott oder auch Elfen, Einhörner und Conan den Barbaren.

Dann gibt’s natürlich auch reale Persönlichkeiten, die sich in die unterschiedlichsten Geschichten verirren. Keine SciFi-Serie, die sich nicht mal an einem Mord an Hitler versucht hätte. Und auch Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub ad-Dawīnī – hierzulande besser bekannt als Saladin, Albert Einstein oder Kleopatra tauchen immer mal wieder auf.

Es ist Ehrensache, dass man den realen Persönlichkeiten zumindest ein Pfitzelchen Authentizität erhält. So sollte Saladin Sand aus den Schuhen rieseln, Einstein irgendwie was weises sagen und Kleopatra eine wundervolle Nase haben.

Wenn jedoch die Evolution in Serien und Film auftaucht – meist in Form einer nächsten Stufe wie bei den X-Men – , dann stehen einem regelmässig die Haare zu Berge. Das ist zwar an sich schon mehr als bloss bedenklich, doch noch wesentlich schlimmer ist, dass die Kreationisten und Anhänger des Intelligent Design genau diese Karikaturen vor Augen zu haben scheinen, wenn sie über die Evolution herziehen.

20 Minuten und der ausgewogene Klimawandel

Und wieder einmal ein Artikel in 20min, der einem die Haare zu Berge stehen lässt.
Zum einen wegen der nicht angebrachten Ausgewogenheit der Diskussion und zum anderen wegen der Leser-Kommentare…

20min – «Wetter wird extremer» – «Das ist Spekulation»

Die Position von Benny Peiser und seines Global Warming Policy Foundation Thinktanks  ist hinlänglich berüchtigt.
Doch wie repräsentativ sind die Meinungen in den Leserkommentaren für die gesamte Bevölkerung?

Bitte…
Bitte…
Bitte, sagt: gar nicht!

Vom Fuchteln im Dunkeln

Wenn man in einen dunklen Raum tritt, dann ist wildes Rumfuchteln eine durchaus erfolgversprechende Methode das Licht an zu machen.

Die Methode funktioniert, doch ist es nicht das Rumgefuchtel, das das Licht einschaltet, sondern der Umstand, dass der Schalter meist in der Nähe der Tür ist und man mit wilden Bewegungen auch mal zufällig gegen diesen knallt.
Man ist allerdings schnell mal geneigt zu glauben, dass es eben doch das Rumgefuchtel ist, und man wird dann entsprechend auch annehmen, dass man überall im dunklen Raum Erfolg damit haben würde. Das stimmt aber nicht.

Das ist das Problem von alternativen Heilmethoden, die sich des Placeboeffekts bedienen.
Diese Heiler verkaufen das Rumgefuchtel.

Wäre es nicht besser, wenn man sich gleich dem Schalter zuwenden würde?
Der Vorteil ist, dass man einschätzen kann, wo und wann es funktioniert. Und kann Schlüsse daraus ziehen. Man kann beispielsweise einen Stock verwenden oder einen Ball. Das wird alles funktionieren.
Eine Variation des Rumgefuchtels bringt dagegen nichts.

Wenn Scharlatane den Schalter benutzen, dann können das auch die Ärzte.

In diesem Bild ist das Licht die Selbst-, resp. Spontanheilung.
Das Medikament oder der chirurgische Eingriff des Arztes ist das Flicken den Heizung.

Wie messe ich den Erfolg eines Personalvermittlers?

Bertrand Russell
der damit nichts zu tun hat

Wenn der Personalvermittler eine Stelle in einer Zeitung ausschreibt und darauf 100 Dossiers bekommt, von denen er 10 auswählt und an seine Auftraggeber weiterreicht, woher wissen wir, dass es die 10 geeignetsten Kandidaten waren?
Sicher, er hat eine Auswahlstrategie, von der er selbst überzeugt ist, dass sie die besten Ergebnisse liefert, doch wenn der Auftraggeber nie die restlichen 90 Kandidaten zu Gesicht bekommt, wird man nie wissen, ob die Strategie und die Auswahl auch wirklich überdurchschnittlich gut sind.
Kandidaten, die den Auftraggeber zufriedenstellen, bestätigen das Vertrauen des Personalvermittlers in seine Strategie. Wenn aber keine zufriedenstellenden Kandidat von der Strategie ans Licht gefördert werden, dann heisst das für dem Personalvermittler nicht notwendigerweise, dass dann wohl die geeigneten Kandidaten im Aussschuss gelandet sind und die Strategie entsprechend nichts taugt, sondern dass es einfach keine geeigneten Kandidaten unter den Einsendungen gab.
Sprich die Strategie wird durch den Erfolg bestätigt und durch den Misserfolgt nicht nur nicht relativiert, sondern tendenziell sogar bestätigt.

Gibt es eine Möglichkeit diesem Bestätigungsfehler (confirmation bias) zu entkommen?

Eine Möglichkeit wäre, wenn der Personalvermittler nur 9 Dossiers entsprechend seiner Strategie auswählt und das letzte als Joker zufällig aus dem Ausschussstapel zieht. Wenn der Auftraggeber beim Verhältnis 9:1 den Joker von 10 Aufträgen mindestens 4 mal entdeckt, macht der Personalvermittler seine Sache gut. Sonst nicht wirklich.

Experimentalpolitik

Experimentalpolitische Vorstösse

  • 1:12
  • Abschaffung der Polizei
  • Artgerechte Maschinenhaltung
  • Atomausstieg
  • Ausländerstimmrecht
  • Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Buchpreisbindung
  • Fenchelverbot
  • Frauenstimmrecht
  • Fremdsprachenunterricht: Jede Gemeinde eine andere Sprache
  • Global gleicher Lohn für gleiche Arbeit
  • Keine Abzüge bei Steuern
  • Keine wirtschaftlichen Beziehungen mit kriegsführenden Ländern
  • Krasse Investition in Bau von Zeitmaschinen
  • Religionverbot
  • Uni-Stipendien für Strapsenträgerinnen
  • Verbot von Genen in Nahrungsmitteln
  • Wahlrecht für Tiere
  • Weihnachten 24 Tage nach dem ersten Schnee
  • Zeitumstellung immer nur in die gleiche Richtung
  • Zwangshomosexualisierung

Ich habe zwar meine nette politische Position, doch wenn es darum geht, was man konkret umsetzen soll, dann vertrete ich eine knallharte Experimentalpolitik. (Links zur Illiustration ein paar Beispiele, die ich sofort befürworten würde, selbst wenn einige davon ganz und gar nicht meiner politischen Agenda entsprechen.)

Ich bin dafür all diese Dinge mal umzusetzen, nicht weil ich denke, dass sie die Schweiz und die Welt besser machen, sondern weil man nur so rausfinden kann, was sich tatsächlich draus entwickelt.
Zugegeben, Voraussetzung dafür sind schlanke politische Prozesse. Denn es könnte verhängnisvoll sein, wenn man beispielsweise mal aus Neugier das Essen verbietet und man 3 Jahre warten muss, bis man es wieder erlauben kann.

Politik ist für einen Experimentalpolitiker das zum Schweigen bringen unbegründeter Spekulationen. Und als Bonus die Möglichkeit einen Teil der Bevölkerung sagen zu lassen: „Seht ihr, ich hab’s ja gesagt.“

Ich frage mich, ob es ethisch verwerflich wäre auf Basis der Experimentalpolitik ein staatliches Wettbüro zu eröffnen? Damit holt man die Verluste wieder rein und darüber hinaus hätten die Astrologen und Wahrsager endlich eine gesicherte Einnahmequelle.


Selbstverständlich gibt es aber gewisse Themen, die kategorisch nicht zur Debatte stehen, weil sie höheren Interessen unterliegen:

  • Einführung der Todesstrafe
  • Abschaffung von Impfungen
  • Rücknahme eines eventuellen Fenchelverbots

Zukunft der Piratsphäre

Stellen wir des Arguments wegen einfach mal die folgenden beiden Prämissen über die Piratenpartei auf:

  • Von allen Parteien haben wohl die Piraten die wenigsten Skrupel kopiergeschütztes Material aus dem Netz runter zu laden.
  • Von allen Parteien hat wohl die Piraten den grössten Anteil an Trekkies.

 

Böse Zungen behaupten ja, dass die Deillegalisierung ihres Filesharingverhaltens überhaupt der Grund war die Piratenpartei zu gründen. Doch muss man zu ihrer Verteidigung anmerken, dass das Richtige selbst dann das Richtige ist, wenn es ursprünglich aus nicht ganz so edlen Motiven gefordert wurde.

Eine weitere Forderung der Piraten ist die Stärkung der Bürgerrechte und da insbesondere der Privatsphäre. Das zeugt allerdings von einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit, denn für den Fall, dass sich die Legalisierung von Privatkopien sich nicht durchsetzen lassen sollte, entzieht man den Behörden vorsorglich die Möglichkeit Verstösse auf legalem Weg herauszufinden.
Insofern ist das Parteiprogramm eine Absicherung für alle Eventualitäten. Und wenn alles andere nicht wirkt, kann  man sich immer noch auf die parlamentarische Immunität berufen.

Doch selbst wenn die Piraten allesamt verschlagene Seebären wären, so bedeutet das nicht im Geringsten, dass eine Reform des Urheberrechts, des Patentrechts und der Bürgerrechte nicht dringend notwendig ist. Die Piraten würden davon profitieren, doch das sollte uns nicht die Augen davor verschliessen lassen, dass auch alle anderen davon profitieren würden.

Und vielleicht würden wir in einer nicht allzu fernen Zukunft in einer schönen neuen Gesellschaft leben, wie sie die Trekkies an ihren Wochenenden nachspielen.
Es entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie, dass es mit der Privatsphäre im Star Trek Universum nicht mehr sehr weit her ist. Man hat zwar die volle Entfaltungsmöglichkeit, doch aufgrund der Technologie weiss man zu jedem Zeitpunkt, wer was wo macht. Und nur der Edelmütigkeit ist es zu verdanken, dass diese Informationen nur in wirklich sehr dringenden Fällen angezapft werden.
Nicht nur weiss man, wie gesagt, wer was wo macht, man kann auch ganze Raumschiffe und Planeten scannen, den ganzen Körper durch medizinische Trikorder checken und einfachere Eingriffe zum Wohl des Gebeamten und aller anderen automatisch durch den Transporter durchführen lassen. Und nicht zuletzt speichert man auch alle seine Log- und Tagebücher auf dem gleichen System.
Und niemand stört sich an dieser allgegenwärtigen Überwachung.

Selbst die Trekkies unter den Piraten nicht.

Die Grenzen des Autoritätsbias

Das Autoritätsargument ist ein Fehlschluss – zumindest so lange, wie die überprüfbaren Belege der erwähnten Autorität nicht nachgereicht werden können. Wenn man diese hingegen nachreichen kann, dann ist das eine bequeme und legitime Abkürzung.

Der Autoritätsbias ist etwas ganz anderes. Das ist unsere natürliche Tendenz die Meinung einer in der Hierarchie uns übergeordneten Persönlichkeit zu übernehmen. Das ist eine natürlich, nicht immer unproblematische, soziobiologisch Reaktion.
Bisweilen wird allerdings statt von der in der Hierarchie übergeordneten Persönlichkeit auch einfach von einem Spezialisten gesprochen. Dies klingt zwar weitgehend deckungsgleich, impliziert jedoch, dass es hier nicht mehr um das Sozialverhalten, wo man die Gültigkeit einer Aussage allein aus der übergeordneten hierarchischen Position der Autorität ableitet,  sondern um die Qualität der Argumentation, welche durch überprüfbare und von Peers weitestgehend akzeptierten Belege gestützt wird, geht. Und das kann verhängnisvoll sein.

Beispielsweise wenn man leichtfertig dazu aufruft jeglicher Autorität gegenüber respektlos zu sein wie dies Rolf Dobelli in seinem Buch „Die Kunst des klaren Denkens“ tut. Er baut seine Argumention auf verschiedenen Beispielen auf:

  • Keiner der Abermillionen von ausgebildeten Ökonomen schaffte es das Timing und den Hergang der Finanzkrise vorauszusagen.
    Stimmt, doch erhebt die Ökonomie überhaupt für sich in Anspruch genau dies exakt tun zu können? Dass einzelne Exponenten ein anderes Verständnis von der Präzision der Voraussagbarkeit in der Wirtschaft haben, ist ihre persönliche Fehleinschätzung und kann der Wissenschaft an sich nur sehr begrenzt zum Vorwurf gemacht werden.
  • Bis ins Jahr 1900 war es nachweislich besser als Kranker nicht zum Arzt zu gehen.
    Stimmt, weil die Ärzte zu jener Zeit nur „drei“ Krankheiten erfolgreich behandeln konnten und der Job des Arztes eigentlich nur daraus bestand zu schauen, ob die konkrete Krankheit eine jener drei ist und wenn ja die Therapie anzuwenden. Die Ärzte waren sich dessen bewusst, versuchten aber nichtsdestotrotz ihr bestes – und verschlimmerten die Sache in den meisten Fällen nur. Auch hier liegt eine persönliche Fehleinschätzung vor, begünstigt noch durch die Unkenntnis der Tatsächlichen Wirkzusammenhänge.
  • In Milgrams Experiment brachte der Versuchsleiter seine Probanden dazu andere Probanden im Dienste einer höheren Sache zu quälen.
    Stimmt, doch hier ging es darum den Autoritätsbias überhaupt erst nachzuweisen, indem man zeigte, wie leichtfertig die Probanden die Verantwortung an ihren Handlungen allein aufgrund einer anwesenden Autorität weiter zu geben bereit sind. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Milgram verschiedene Variationen dieses Experiments durchgeführt hat, wobei diese hier das mit Abstand deutlichste Resultat erbrachte.
  • Viele Unfälle in der Luftfahrt ereigneten sich weil der Pilot etwas übersah und der Copilot sich nicht traut es anzusprechen.
    Genau, hier haben wir es endlich tatsächlich mit einem unverfälschten Autoritätsbias zu tun.

 

Das Beispiel aus der Luftfahrt unterscheidet sich allerdings fundamental von den anderen dadurch, dass der Copilot, was das Wissen und die Erfahrung angeht, auf einem ähnlichen Level steht wie der Pilot. Sprich, er könnte diesen im Notfall ersetzen, wodurch sein Schweigen allein auf die Ehrfurcht vor der sozialen Stellung zurückgeht. Das ist jedoch beim Wirtschaftswissenschaftler, resp. Arzt des 19. Jahrhunderts nicht gegeben, weil hier ein Verhältnis zwischen Laie zum Spezialist vorliegt. Klar, was das Tippen auf Börsenkurse betrifft, kann der Normalsterbliche durchaus manchmal besser liegen, doch das ist nur winziger Bruchteil der Wirtschaftswissenschaften, die allerdings auch enthält, wieso es sich bei den Börsentipps genau so verhält. Und klar, ein Hahnemann hat zweifellos genau dadurch etliche Leben gerettet, dass er sprichwörtlich nichts gemacht hat, doch das ist nicht sein Verdienst und schmälert auch nicht die noch so bescheidenen Leistungen der Medizin.
In winzigen Teilgebieten der Ökonomie und der Medizin mag der Zufall zweifellos manchmal besser liegen, jedoch nie im Cockpit eines Flugzeugs. Und deshalb können wir auch nur aus dem Beispiel aus der Luftfahrt etwas lernen und die Erkenntnisse in anderen Branchen übertragen – was zweifellos mehr als angebracht ist.

Doch aus dem Beispiel mit dem Arzt verleitet dazu auch die moderne Medizin zu hinterfragen, inklusive beispielsweise des Impfens. Eine Einschätzung, für die es eigentlich eine wesentlich fundiertere Qualifikation braucht, als einen Analogieschluss.
Als ob das noch nicht schon genug wäre, knüpft Dobelli den Status dieser Spezialisten an Äusserlichkeiten statt an die Zustimmung ihrer Peers. Doch nicht die Überzeugung der Passagiere macht den Piloten zum Chef, sondern die des Copiloten um den Wissens- und Erfahrungsvorsprung. Und nicht der Titel macht den Arzt oder Wissenschaftler zu einem Experten, sondern die andauernde Bestätigung innerhalb des Diskurses mit seinen Fachkollegen.
Weiter merkt Dobelli an, dass in jeder Zeit andere Autoritäten sexy sind und man die Autorität gern fachübergreifend einzusetzen versucht. Das stimmt zwar, doch das ist der Fehlschluss „Autoritätsargument“ und hat mit dem Bias, wie gesagt, nicht viel zu tun.

Dies alles bedenkend, sieht auch Milgrams Experiment auf einmal etwas anders aus, als es vielleicht auf den ersten Blicke erscheint. Es gibt hier nämlich verschiedene Ebenen, auf denen die Autorität wirkt. Zum einen die technische, wo der Versuchsleiter sehr wohl besser als der Proband weiss, wie gefährlich die Stromstösse sind. Und zum anderen die ethische, wo dem Versuchsleiter aber keine besseren moralischen Urteile, die dies rechtfertigen würden, zur Verfügung stehen als dem Probanden. (Hier könnte man bestenfalls zu argumentieren versuchen, dass es sich hier um bedauerliche Opfer zum Wohl der Menschheit handelt. Und tatsächlich sind wir nicht selten geneigt eine solche Begründung durchgehen zu lassen.)

Unter dem Strich empfiehlt es sich den Autoritätsbias gegenüber einem Menschen nur dann abzulegen, wenn man in der Lage ist, ihn in seiner Aufgabe zu ersetzen. Wobei man sich hier höllisch vor dem Dunning-Kruger-Effekt in Acht nehmen muss, nämlich dass man sich umso sicherer ist etwas von einer Sache zu verstehen, je weniger man effektiv von ihr versteht.

Bald bin ich noch reicher…

Heute ist mir um 19:21 über Skype ein weiteres unglaubliches Angebot reingeflattert. Diesmal sogar von einem General.


 

Assalam alakum

With warm heart I write you this mail in confidential and in respect of my interest to invest my funds under your care.

I am Gen.Ahmed Yarba Sieda, I have served the Syria Army for 24years. During these years I served under different categories in many government agencies. I was the Assistant Sec. of the General Peoples’ Committee for Petroleum and Natural Resources before the agitation for the removal of leader President Bashar Assad started and the coming of the anti-government coalition forces. In this portfolio I made a lot of money through overdrafts and some minor contracts which I was given by the President Bashar Assad led government..

I intend to buy some properties and invest the rest in other businesses when I reach my retirement age. Unfortunately, my limbs are about to be amputated.

I am writing you this so that you can be of assistance and help me invest this money in your country in real estate or any profitable business of your interest. The said money is US$15 million, plus my spared salaries.This deal is 100% legal, so there is nothing to worry about.

Furthermore, in respect of the investment shall be offered a negotiable percentage endorsed by signatures for future references. All i need is your approval and trust.

Presently, I am in a private hospital in Saudi Arabia recovering from a serious injury I sustained during an air strike raid five kilometers south-east of the Syria capital city. If you are interested you can notify me through my e-mail for more details:
gen.ahmed_yarbasieda@yahoo.com


 

Ich werde also in absehbarer Zeit noch viel reicher sein (ich meine zusätzlich zum Geld von Herrn Ma­kram Azar, das schon in den nächsten Tagen eintreffen sollte).
Ihr lieben DisOrganizer-Leser könnt euch also gleich nochmal eine Wunschliste zusammenstellen und sie hier posten.

Blogger

Ich habe auf Xing, LinkedIn & Co in mein Profil geschrieben, dass ich ein Blogger im DisOrganizer bin.
Das scheint anzukommen.
Denn ich habe da nun mehr Likes als Leser im DisOrganizers.