Eda Gregr
02.10.2016 um 01:27

Dass die katholische Kirche im finsteren Mittelalter nicht wirklich ein Lichtlein der Hoffnung war, bestreitet wohl niemand. Inzwischen nicht mal die katholische Kirche selbst.
Ob damals die A2H-Bilanz1 aber übler war als heute, dazu will sich irgendwie niemand äussern. Natürlich kann man das nicht wissen, nichtsdestotrotz richtet man als eine religiöse Institution seine Handlungen danach aus den A2H-Wert möglichst hoch zu schrauben. Und alle Empfehlungen (heute sind Befehle nicht mehr so populär) der Kirchen zielen genau darauf ab. Insofern sollten der Klerus schon eine sehr genaue Vorstellung haben, unter welchen Umständen der A2H rauf und unter welchen er runter geht.
Auf jeden Fall würde sicherlich jeder Theologe zustimmen, dass mit der Einführung des Christentums in Saudi-Arabien, die A2H-Bilanz Saudi Arabiens sicherlich steigen wird.

Da im Mittelalter die Kirche fast allmächtig war und da ihr nie etwas mehr am Herzen lag als das Seelenheil seiner Schäfchen2, sollte man doch eigentlich davon aus gehen, dass die A2H-Bilanz damals vorzüglich war.

Es ist natürlich auch gut möglich, dass die Vorstellungen darüber, was den A2H-Wert nach oben treibt, damals nicht korrekt waren. Sei es aufgrund von bedauerlichen Fehlschlüssen, einem Pakt mit dem Teufel oder kaltschnäuzigem Kalkül. So oder so sollte das eigentlich egal gewesen sein, denn im Angesicht der übermächtigen Position der Kirche sowohl in weltlicher wie auch in geistiger Hinsicht, konnte der liebe Gott es den Schäfchen unmöglich übel nehmen, wenn sie sich nach den Vorgaben der Kirche richteten, von welchen die Menschen nur annehmen konnten, dass sie die seinen waren.

Vor allem die Vorstellung, dass es kaltschnäuziges Kalkül war, fasziniert mich. Wohl wissend, dass der richtige Weg zu Gott über Friede, Freude, Eierkuchen geht, entschloss sich die Kirche ein Schreckensherrschaft zu etablieren, die mächtig genug ist, die frohe Botschaft in die ganze Welt zu tragen, sie dort zu durchzusetzen und gleichzeitig sich gegen innere wie äussere Feinde zu behaupten. Was sie die Menschen lehrten und was sie sie machen liessen, war eine Perversion des christlichen Gedankens, aber genau so brachten sie maximal viele Seelen in den Himmel, weil der Glaube an Jesus als Minimalbedingung für den Einlass in den Himmel vorhanden war und für alles andere der Klerus die Verantwortung übernahm. Eigentlich unglaublich selbstlos.

Ein Pakt mit dem Teufel ist dagegn unwahrscheinlich, weil auf diese Strategie überdurchschnittlich viele Seelen in den Himmel schwemmte3. Und bedauerliche Fehlschlüsse werden es wohl eher nicht gewesen sein, weil solche kaum langfristige Erfolge verbuchen werden. Der Erfolg des Christentum ist indessen unbestreitbar:

Aktuelle Verbreitung des Christentums

weltkarte christentum

Entstanden ist das Christentum in Jerusalem und verbreitete sich von dort erst im Nahen Osten und kurz darauf über Rom im Römischen Reich. Diese Ausbreitung verdankte sich anfangs noch der Überzeugungskraft der Worte. Später dann, als das Christentum zur Staatsreligion Roms wurde, wurde mehr und mehr der Gladius zum überzeugendsten Argument fürs Christentum.
Da fragt man sich doch glatt, an wie vielen von den Orten, wo heute inbrünstig Hymnen gesungen werden, die Ureinwohner wohl „liebenswürdig“ in die christliche Gemeinschaft aufgenommen wurden?

liebenswuerdig

Und genau hier liegt das Dilemma der modernen Kirchen: Auf der einen Seite verurteilen sie die Methoden der katholischen Kirche im finsteren Mittelalter, auf der anderen Seite aber beneidet man sie um ihren Erfolg. Und um ihre Fähigkeit ihren Willen kompromisslos durchzusetzen. Jeder, der es besser weiss, bedauert nicht die Möglichkeit zu haben, seine Ideen ohne lästige Kompromisse umsetzen zu können…

Der Vatikan würde die Macht – so sie ihm wieder zurück gegeben würde – natürlich nicht mehr in mittelalterlicher Manier nutzen.
(Obwohl bisher jeder, dem solche Macht gegeben wurde, sie früher oder später immer in mittelalterlicher Manier genutzt hat.)
Er würde sich auf die Kernelemente des Christentum konzentrieren: Jesus, die Nächstenliebe und das Leid. Ja das Leid! Weil durch das Leid eine besondere Nähe zu Jesus Christus erfahrbar ist. Schmerzen und Leid sind nämlich positiv zu bewerten. Das sagte Mutter Teresa. Und die muss es wissen, schliesslich ist sie eben erst heilig gesprochen worden. Und zwar genau für ihre Aufopferung für Leidende. Sowas meinte auch der Heilige Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, der Gründer von Opus Dei, als er Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis… die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde nannte.

Ich frage mich, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn man jemandem die absolute Macht gibt, der Leid als einen vielversprechenden Weg betrachtet? Würde er seinen Gegnern böswillig das Leid vorenthalten?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
27.09.2016 um 21:51

Ist irgendwie lustig, dass der Klerus sich gegen die Homosexualität äusstert, weil er angeblich gegen die Natur ist, und dabei mit dem Zölibat einen ebenso widernatürlichen Lebensstil praktiziert.

Interessant finde ich auch, dass inzwischen nicht mehr von der Position der Bibel aus argumentiert wird, sondern die Natur als Referenz genommen wird.
Doch seit wann ist der Klerus ein Experte in Naturkunde?

Gibt es eigentlich ein Thema, bei dem der Klerus das Handtuch wirft? Bei dem er sich nicht in eine Diskussionsrunde einladen liesse?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
08.07.2016 um 21:09

Diese liturgischen Rückbesinnungen sind für Sarah weder Selbstzweck noch Nostalgie. Er meint, dass sie den Glauben an das Mysterium des Altarsakraments wiederbeleben könnten, der bei vielen Katholiken verloren gegangen sei – eine Beobachtung, die mir nicht ganz falsch zu sein scheint. Kirchen-Experten rätseln nun, ob der Kardinal für seine Vorschläge die Rückendeckung von Papst Franziskus hat.
Ludwig Ring-Eifel in Der richtige Weg

Mich erstaunt, dass Kirchenexperten sich nicht fragen, ob die liturgische Rückbesinnung tatsächlich den Glauben an das Mysterium des Altarsakraments wiederbeleben kann (geschweige denn, ob es da überhaupt so etwas wie ein Mysterium des Altarsakraments gibt, an welches zu glauben lohnen würde), sonder nur, ob der Papst dahinter steckt. Allerdings ist das auch irgendwie symptomatisch. Die Autorität macht es aus und nicht die Qualität des Arguments.

Ich frage mich ob Sarah und Gleichgesinnte denken, dass der Verlust an Bedeutung, den die Kirchen in den letzten Jahrhunderten hinnehmen mussten, auf eine falsche Form der Liturgie zurückgeht und mit der Korrektur die Verhältnisse der guten alten Zeiten  wieder hergestellt werden könnten?

Ich frage mich, wovon die Kirchenfürsten träumen?
Was ihre verwegensten Fantasien sind?
Träumen sie davon, dass die Kirchen wieder voll sind?
Träumen sie davon, dass Weihnachten nicht mehr so kommerziell ist?
Träumen sie davon, dass man die Evolution wieder vergessen wird?
Träumen sie davon, dass man sich nicht über Religion lustig machen darf?
Träumen sie davon, dass Abtreibung verboten wird?
Träumen sie davon, dass Homosexuelle wieder mit dem Tod bestraft werden können?
Oder träumen sie einfach von Ministranten?
Unter welchen Voraussetzungen würde ihre Arbeit, den Menschen den Weg in den Himmel ebnen, die schönsten und meisten Früchte tragen?

Denken sie, dass wenn alles richtig gemacht wird, dass dann die Effekte, die man sehen würde, als Gottesbeweis durchgehen könnten?

Und was wäre sie bereit zu opfern um ihre Wünsche zu erfüllen?

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
06.03.2014 um 12:02

Nach einem meiner Kommentare zu einem päpstlichen Tweet hat sich ein gewisser Oro Oro schützend vor ihn geworfen. Es entwickelte sich daraus eine zunehmend verfranste Diskussion über Gott und die Welt und was man so alles wissen und nicht wissen kann.
Nachträglich würde ich sagen, dass mein Part vor allem in der Korrektur gewisser Missverständnisse und Fehlschlüsse in Oros Argumenten bestand. Zumindest aus meiner Warte aus betrachtet. Für Oro scheint es eher der eines arroganten, menschen- und gottesverachtenden Nörgelers gewesen zu sein. (Was sich ja nicht notwendigerweise ausschliesst.)
Einige Zeit später flatterte eine ganze Breitseite herein, die meines Erachtens dermassen gespickt war mit Missverständnissen, dass das mit 140 Zeichen einfach nicht mehr zu packen war. Auf die will ich hier einzugehen versuchen:

Oro Oro @Orooro3
Dem Fall zu Folge, beispielweise Psychologie oder Phylosophie sind für Dich Thesen.
(Orotographie habe ich so belassen, wie sie war, um nicht womöglich hineinzuinterpretieren, das da gar nicht steht.)

Oro nimmt damit Bezug auf eine frühere Stelle, wo ich zu erklären versuchte, dass alle Aussagen, die entweder richtig oder falsch sein können, de facto Thesen seien, deren Gültigkeit zu überprüfen gewissermassen unsere Pflicht ist.
Psychologie und Philosophie sind aber keine Aussagen sondern Themen, über die und innerhalb derer Aussagen gemacht werden.

Ich werde übrigens den Verdacht nicht los, dass wenn Oro hier von Thesen spricht, er es in der Art „es sind ja nur Thesen“ tut und dabei irgendwie nicht realisiert, dass sie durchaus richtig oder falsch sein können.

Anheufung von Gedanken und Gefühlen die nicht mal sich Beweisen lassen…

Unter Beweisen versteht Oro – wie er an anderer Stelle erklärt hat – eine mit den Sinnen beobachtbare Bestätigung. Wenn er bloss das Gefühl hat, dass es einen Gott gibt, dann gilt das allein in der Tat noch nicht als Beweis für dessen Existenz.
Wenn das für ihn reicht, soll es mir recht sein, doch wenn er auf der Autorität dieses Gottes irgendetwas bauen will, das auch für andere Menschen Relevanz haben soll, dann reicht das nicht.

Tatsächlich ist aber die einzige von ihm akzeptierte Form des Beweis, also der durch Beobachtung, aus wissenschaftlicher Sicht äusserst problematisch, denn zu viele Faktoren können das Ergebnis verfälschen. Wir sehen nämlich wesentlich mehr, was wir sehen wollen, als das, was wirklich da ist. Dazu gibt es unzählige Studien.

Der Wissenschaft geht es im übrigen eigentlich gar nicht um Beweise als die endgültige Bestätigung einer These, sondern vor allem um Widerspruchsfreiheit und Konhärenz. Wenn eine These keine Fehler enthält, zu anderen passt und genauere Voraussagen macht als eine andere These, dann reicht das schon um weiter mit ihr zu arbeiten. Dass sie tatsächlich „wahr“ ist, würde ohnehin niemand behaupten.

Faustregel: Wenn von wissenschaftlichen Beweisen die Rede ist, dann ist es höchstwahrscheinlich kein Wissenschaftler, der dir das erklärt, sondern viel eher ein Pseudowissenschaftler oder ein schlechter Journalist.

Ich finde..du bist nicht mal Wiesenschaftlich und mischst verschiedene Sachen in deiner Krieg gegen Gott.

Ich befinde mich in keinem Krieg gegen Gott – wenn schon, dann gegen ungültige Argumente.
Dass ich irrtümlicherweise Dinge mische, die nicht gemischt werden sollten, mag schon stimmen, doch dies müsste schon belegt werden können.

Einer Seit, die Kirche ist böse.

Nein, ich sage, die Kirche ist gefährlich.
Das Konzept von gut und böse halte ich nämlich für wenig tauglich.
Ich denke nicht, dass die Kirche mit Vorsatz übles anstellt. Ich denke, dass sie mit den besten Absichten Sachen anstellt, die dann übel endeten.
Und ich denke, dass sie nicht deshalb übel endeten, weil ungeschickte Menschen am Werk waren, sondern weil einige ihrer Prämissen ausgesprochen wacklig sind.

Anderseits siehst Du nur die Materie und deine Humanismus hat zu tun mit einem Seelenlose Kreatur die „zufällig existiert“.

Jein. Klar sehe ich nur die Materie, doch ich erkenne auch die Struktur, in der sie sich befindet und weiss um deren Bedeutung.
Ich versuche lediglich nichts zu akzeptieren, was nicht gut begründet und nicht unumgänglich ist.

Diese seelenlose Kreatur, die „zufällig existiert“ soll wohl der Mensch sein, wie ihn und seine Entstehung sich die Wissenschaft vorstellt? Und Oro scheint die Vorstellung, dass er ohne Absicht eines Schöpfers entstanden ist nicht sehr zu gefallen.
Doch ob mir etwas gefällt oder nicht, hat keinen Einfluss darauf, ob es so ist oder nicht.

Und mal abgesehen davon fürchte ich, dass Oro nicht wirklich versteht, was im Kontext der Evolution unter Zufall verstanden wird. Nämlich etwas gänzlich anderes als Beliebigkeit.

Doch, muss Du wiesen dass d Mensch sieht, spür, dass es Gott gibts.

Stimmt, der Mensch sieht.
Stimmt, der Mensch spürt.
Dass es Gott gibt? Wenn man ihn sehen und spüren, also mit seinen Sinnen wahrnehmen könnte, dann hätten wir die Diskussion über seine Existenz gar nicht (sondern nur darüber, ob er wirklich ein lieber Gott ist).
Das einzige was man hat, sind Dinge, die man als starke Indizien für die Existenz Gottes interpretieren kann. Bloss dass die Begründungen, dass es sich dabei tatsächlich um starke Indizien für die Existenz Gottes handelt, für Aussenstehende nicht im geringsten überzeugend sind.
Insofern ist die Behauptung, dass es Gott gibt, immer noch eine unbegründete Behauptung, die sich einzig und allein durch die Zahl der Gläubigen von jener unterscheidet, dass es den Osterhasen gibt.

Nur Gott gibts alles einem Sinn.

Nun ja, alle Götter tun das. Sowie auch alles andere, das man mit der Intention erfindet, dass es allem einen Sinn geben soll.

Die eigentliche Frage ist jedoch, ob überhaupt alles einen Sinn hat. Dürfte schwierig sein, das nachzuweisen…

Und das ist auch ein Menschenrecht. Religionsfreiheit.

Jap und das unterstütze ich auch. (Doch dazu gehört auch die Freiheit vor der Religion.)

Wenn in einem Land gewisse Religionen Privilegien geniessen, dann sind das Diskriminierungen für die anderen und das stellt eine Missachtung der Religionsfreiheit dar.

Aber dem nimmst Du in deinem Denkenweise weg, weil Du mich als Mensch „aufklârs“ und vorschriebs  dass es keinem Gott gibts, und dass es Gefährlich ist zu Glauben (aber nicht wegen Gott, sondern wegen die Menschen)

Ich verweigere jemandem sein Recht auf Religionsfreiheit indem ich ihn aufkläre? Indem ich ihn lerne selbst zu denken?
Von einer Vorschrift kann indessen keine Rede sein, höchstens von der Forderung nach einem Entzug gewisser Privilegien.
Wenn man gebildet und ohne propagandistische Dauerberieselung nicht glauben kann, dann ist das kein Problem der mangelnden Religionsfreiheit sondern das eines nicht sehr überzeugenden Glaubens.

Aber in dem Punkt, dass der Glaube gefährlich ist allein wegen der Mensch, stimme ich völlig zu. Denn es sind Menschen, die ihre Heiligen Bücher so auslegen, dass man damit schreckliches anstellen kann. Genauso wie es die Menschen sind, die den Abzug eines Revolvers drücken.
Und doch spricht nichts dagegen, dass man mit strengeren Waffengesetzen die Mordrate besser runter drücken kann als mit einem Appell an die Waffenträger.
Die heiligen Bücher sind Werkzeuge, die den Gläubigen das in die Hand geben, was sie gerade brauchen. Und wenn es eine Begründung dafür ist, jemandem den Kopf einschlagen zu können, dann tut man es ohne schlechtes Gewissen.

Also, dem zu Folge beachtest Du die Menschenrechte nicht.

Es gibt auch die Meinungsfreiheit, die es mir erlaubt, deine Überzeugungen für absurd zu halten. Wenn dich das davon abhält weiter an den Blödsinn zu glauben, ist das allein dein Problem.
Ich verlange nicht, dass die Menschen nicht mehr glauben. Ich verlange lediglich, dass man nicht irgendwelchen Glaubensinhalten eine besondere Behandlung gewährt.

By the way, wenn Oro die 10 Gebote für die moralische Basis hält, sollte er sich mal überlegen, welche Freiheit das erste von ihnen einschränkt?
Geht wirklich von den Atheisten eine Gefahr für die Religionsfreiheit aus?
Oder nicht vielleicht eher von jenen, wegen denen und gegen deren Willen man die Religionsfreiheit überhaupt erst aufgestellt hat? Den Religionen?

Und wenn Dir Beispielweise stört dass die Kirche die Homo Ehe nicht toleriert, hat dass mit dem Kirche zu tun, aber Du mischst das auch mit dem Thema Gott.

Wenn die Kirche sich zur Stammzellenforschung äussert, dann hat das tatsächlich wenig mit Gott direkt zu tun, denn wir haben meines Wissens keine Zeugnisse davon, was Gott wirklich über dieses Thema denkt. Wir können lediglich von den Ansichten, die wir kennen, auf die zu diesem Thema extrapolieren.

Was jedoch die Tolerierung der Homosexualität betrifft, so spricht sich da Gott dazu sehr deutlich in der Bibel aus.

Ob es Existiert usw

Die Verachtung von Homosexualität (nicht der Homosexuellen, wohlgemerkt) durch die Gläubigen hat nichts mit der Existenz Gottes zu tun, dessen Aussagen in der Bibel die Gläubigen diese Verachtung überhaupt erst empfinden lassen? hm

Und übrigens, für ein Humanist tönst Du simlich intolerant mit andersmeinige Argumentationen.

Kann man intolerant gegenüber Argumenten sein?
Entweder ist ein Argument gültig oder es ist fehlerhaft. Verlangt Oro jetzt wirklich, dass ich fehlerhafte Argumente durchwinke?

Und mal abgesehen davon. Toleranz spielt beim Humanismus keine allzu grosse Rolle, weil wir uns sehr klar darüber sind, dass unhaltbare Sachen unter keinen Umständen toleriert werden dürfen. Selbst dann nicht, wenn sie althergebrachte Traditionen sind.

Liebe Grüsse

dito

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
05.03.2014 um 11:56

Wenn ein Land was wirklich übles angestellt hat, was muss es tun, damit man ihm das nicht mehr vorwerfen kann?
Wenn eine Firma was wirklich übles angestellt hat, was muss sie tun, damit man ihr das nicht mehr vorwerfen kann?
Wenn eine Familie was wirklich übles angestellt hat, was muss sie tun, damit man ihr das nicht mehr vorwerfen kann?

Der materielle Schaden ist in der Regel relativ schnell behoben, was jedoch viel schwerer wiegt, ist die Enttäuschung darüber, dass die Mechanismen, die dies hätten verhindern müssen, nicht angesprungen sind. Und es ist nicht leicht, das Vertrauen wiederherzustellen, dass die Mechanismen das nächste Mal – auch wenn die Konstellation etwas anders sein wird – doch funktionieren werden.

Das braucht Zeit, doch noch wichtiger ist, dass man sich und allen anderen eingesteht, dass die Mechanismen tatsächlich versagt haben, obschon sie eigentlich hätten funktionieren sollen. Und natürlich sollte man die Mechanismen auch irgendwie flicken.
Andernfalls besteht ja kein Grund anzunehmen, dass das nächste mal bei einer ähnlichen Konstellation nicht nochmals genau das gleiche passiert.
Die Sache einfach aussitzen und ein paar Generationen später sich damit rausreden zu wollen, dass die Übeltäter ja schon längst nicht mehr da sind, funktioniert deshalb auch nicht.

Der Vorwurf hört also dann auf, wenn man die anderen davon überzeugen kann, dass etwas in der Art nie wieder passieren kann.

Bei Familien ist es relativ einfach, denn allein schon das Schuldeingeständnis sollte eigentlich schon einen Gesinnungswandel bewirken, der es idealerweise verunmöglichen  sollte, dass das Gedankengut, welches damals zu den üblen Verwicklungen geführt hat, weiter vertreten wird.
Bei Firmen ist es etwas schwieriger, denn Übles muss nicht notwendigerweise gesetzeswidrig sein. Und wenn man sagt, man werde in Zukunft gesetzliche Schlupflöcher zugunsten höherer Prinzipien ignorieren, so muss das einem erst mal geglaubt werden.
Und bei Staaten ist es am schwierigsten, denn sie können selbst bestimmen, was gesetzeswidrig ist und was nicht. Und da die Gesetze nicht in Stein gemeisselt sind, kann man nur versuchen eine Kultur zu pflegen, die jeden Verdacht zerstreut.

Es gibt Staaten, die haben ein paar sehr, sehr dunkle Kapitel in ihrer Geschichte.
Und auch Firmen haben ihre fragwürdige Vergangenheit.
Doch verglichen mit dem Dreck, den die katholische Kirche im Laufe der Zeit an ihrem Stecken hängen geblieben ist, verblasst alles andere.

Es ist unglaublich, was für Intriganten in der Kirche das Sagen hatten.
Doch was wurde getan, damit sowohl Intriganten als auch Intrigen in Zukunft aussen vor bleiben?
Keine Ahnung. Und genau das ist das Problem!
Weder hat man das Gefühl, diese Leute würden heute öffentlich mit der angemessenen Schmach überhäuft, noch sieht man grosse Anstrengungen Prozesse einzuführen, die die Intrigen effektiv verhindern helfen sollen.
Alles was man sieht, ist, dass die Kirche gezwungen durch ihren Machtverlust Schritt um Schritt von ihren fragwürdigen Positionen zurückweicht. Nach Eigeninitiative mutet es aber ganz und gar nicht an.

Wie kann man da guten Gewissens noch dieser Organisation angehören?

Ich sage ja nicht, dass die Grundidee schlecht wäre (nun ja, eigentlich sag ich das schon, aber das tut hier nichts zur Sache), ich sage nur, dass einige CEO wirklich schlecht waren und ich nicht überzeugt davon bin, dass es Mechanismen gibt, die es solchen Leuten und Ansichten verunmöglichen nochmals an den Hebel zu kommen.

Mir fehlt, dass die Kirche wegen ihrer Fehler in der Vergangenheit zu Kreuze kriecht.
Sie betont zwar furchtbar gern, dass wir alle Sünder sind, doch von ihrer Vergangenheit distanziert sie sich nicht deutlich genug.

Wenn in den Statuten etwas steht, dass man so interpretieren kann, dass eine gewisse Sache übel ist, und man dies auch lange genau so propagiert hat, dann reicht es nicht lediglich eine andere Interpretationsart anzubieten. Denn es gibt keinen Grund, wieso man die Auslegung nicht nochmals ändern sollte. Um glaubhaft zu sein, muss man die Statuten ändern.
Klar kann man Statuten jederzeit ändern, doch es geht hier ja darum das Vertrauen wieder herzustellen. Und da entsprich eine Statutenänderung einer Reparatur, während eine andere Interpretationsart einfach eine andere Frisur darstellt.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
23.12.2013 um 10:16

Ich habe gestern abend den Film Agora mit Rachel Weisz über Hypatia gesehen und dort einige fragwürdige Details über den später heilig gesprochenen Kyrill von Alexandria erfahren.
Klar wurde der Charakter von Kyrill für den Film dramaturgisch aufgemotzt, doch bleibt die Frage, ob unter den Heerscharen von Heiligen (laut dem Martyrologium Romanum gibt es mehr als 6’650 Heilige und Seelige) nicht auch ein paar Ärsche zu finden sein werden?

Wäre es nicht angebracht, deren Heiligsprechung zu annullieren?
Sie mögen aus der Sicht der Kirche ja viel für das Christentum getan haben, doch die Frage ist zu welchem Preis?

Kriegsverbrecher sollten schliesslich auch dann verurteilt gehören, wenn man ihren Verbrechen den Sieg verdankt.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
Eda Gregr
04.12.2007 um 11:04

Hiermit übernehme ich offiziell die Verantwortung an der heiligen Inquisition, den blutigen Kreuzzügen, der von der Kirche gebilligten und angestachelten Unterdrückung von Homosexuellen, Frauen, Sklaven und Andersgläubigen, der mutwillig nicht verhinderten Entdeckung Amerikas, den Scherereien, die die drei Musketiere (es waren in Wirklichkeit eigentlich vier – Athos und Portos) mit den Truppen Kardinal Richelieus hatten, Gottesstrafen wie Seuchen, Missernten und Hungersnöten sowie an all den anderen Gräueln der katholischen Kirche, die sie zwischen dem 9. und 19. Jahrhundert so begangen hat, und stelle mich reumütig dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag oder alternativ Kerners Tribunal und lasse mich Anklagen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Bin mal gespannt, ob mir der Vatikan einen Pflichtverteidiger zur Verfügung stellen wird.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +
+ + + + + + + + + + + + + + +   d i s o r g a n i z e r   + + + + + + + + + + + + + + +