Eda Gregr
10.03.2017 um 13:26

 

Abschaffung aller Hausaufgaben
Einstellung aller Waffenproduktionen
Bedingungsloses Grundeinkommen
Aufnahme von Flüchtlingen
Vaterschaftsurlaub
Tierrechte
1 : 12

 

Die Ideen mögen verrückt sein und vielleicht sogar verhängnisvoll, doch ändert das nichts daran, dass sie LIEB sind.
Ich denke nicht, dass das irgendwer bestreiten würde.
Doch Vorsicht, nicht jede Idee, mit der man nur das Beste für die Menschen und die Schweiz will, ist auch LIEB. Jeder denkt das zwar von seinen Ideen – bloss stimmen dem nicht alle zu. Das Burkaverbot beispielsweise hilft nach den Vorstellungen der Initianten die Werte der Schweiz zu sichern und es befreit auch muslimische Frauen aus der Unterdrückung einer archaischen Religion. Edle Absichten, doch die Kritiker bezweifeln diesen Effekt.
LIEBE Ideen sind hingegen solche, auf die ausschliesslich mit „WER SOLL DAS BEZAHLEN?“ reagiert wird. Eine Reaktion die bei Kritikern des Burkaverbots eigentlich nie zu hören ist.

Würden wir nicht alle gerne LIEB sein?
Wenn wir es uns leisten könnten…..

Wenn man sich diese Ideen genauer anschaut, dann sind sie auf einmal nicht ganz so umfinanzierbar, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint.

Warum probieren wir sie dann nicht einfach?
Wenn es sich jemand leisten kann LIEB zu sein, dann doch die Schweiz?
Okay, sie kann es sich leisten, weil sie es in der Vergangenheit nicht war. Aber das ist kein Argument, dass man nicht auch auf LIEBE Weise prosperieren kann!

Wenn wir es umsetzen, wird man uns für unseren Mut bewundern. Uns um unsere Güte beneiden. Und sicher auch für verrückt halten, weil wir so leichtsinnig unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand riskieren. Doch man würde es uns gönnen, wenn es klappt. Und sicherlich schon bald nachziehen.

Lasst und utopisch sein!
Lasst es uns versuchen!
Schliesslich wollen doch alle LIEB sein, oder etwa nicht?

Zugegeben, die Kommentarsektionen in Online-Medien vermitteln eher den Eindruck, dass es den Leuten zutiefst zuwider läuft, wenn es anderen gut geht. Insbesondere wenn diese nichts dafür zu tun brauchen1. Allerdings fürchten diese Leute bloss, dass in diesem Fall sie dafür aufkommen müssen und dass es am Ende einem, der nichts tut, besser geht als einem, der sich den Arsch aufreist. Das wäre natürlich durchaus falsch. Wenn es jedoch jenem besser geht, ohne dass es diesem dadurch schlechter geht, dann wäre nichts dagegen einzuwenden. Nun ja, auch nicht ganz. Dem, der mehr dafür tut, dass es ihm gut geht, sollte es schon besser gehen als dem, der weniger dafür tut. Was auch durchaus vernünftig klingt – auch wenn diese Forderung allein für sich schon utopisch ist.
Insofern denke ich nicht, dass die Leute nicht LIEB sind. Sie sind bloss auch GERECHT. Zwei Konzepte, die bekanntlich nicht so problemlos unter einen Hut zu bringen sind. Schliesslich ist Verzeihen ein Wesensmerkmal der LIEBE und gleichzeitig eine Suspension der GERECHTIGKEIT.

Dass die obigen Forderungen auch GERECHT umgesetzt werden können, bestreitet niemand. Bloss ihre Finanzierbarkeit.

Von daher…

Lasst uns utopisch sein!
Lasst es uns versuchen!
Lasst uns die Vorreiter sein!
Ist es nicht sympathischer, wenn man etwas LIEBES probiert und dabei scheitert, als wenn man in allem LIEBEN stets nur (viel zu spät) nachzieht?

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Eda Gregr
04.12.2015 um 15:27

Atheisten glauben nicht an Gott, weil sie sich nicht an seine Regeln halten wollen.
Wenn dem so ist, müsste man doch eigentlich erwarten – insbesondere wo sich die göttlichen Gebote doch zu einem grossen Teil mit den juristischen Gesetzen decken -, dass sich das in der Kriminalitätsstatistik niederschlägt. Doch das tut es nicht. Atheisten sind in Gefängnissen ganz und gar nicht übervertreten. Und auf den Himmel zu verzichten nur um eine Schandtat nicht zu tun, scheint nicht besonders logisch.

Die Atheisten halten sich an die Gesetze, weil die Moral in ihre Herzen eingeschrieben ist.
Das heisst, dass die Intuition darüber, was richtig und was falsch ist, die es tatsächlich zu geben scheint1, eine gottgegebene Fähigkeit ist. Die Wissenschaft hält es zwar für eine im Laufe der Evolution entwickelte Fähigkeit, doch kommt das unter dem Strich aufs gleiche raus2.

Halten wir also fest: Irgendwie fühlen wir alle3, dass es nicht richtig ist Kinder umzubringen. Es fühlt sich daher selbst dann falsch an, wenn es wirklich gute Gründe gibt, es dennoch zu tun.
Was ist aber, wenn Gott Abraham befielt seinen Sohn Isaak umzubringen? In diesem Fall hat das Töten des Kindes nicht nur aufgrund der Allwissenheit und Allgüte Gottes den ultimativ guten Grund, sondern ist – weil von Gott befohlen und weil was von Gott befohlen, automatisch moralisch gut ist – moralisch gut4. Und entsprechend müsste die ins Herzen eingeschriebene Moral diese Ausnahme vom Tötungsverbot enthalten. Sprich es dürfte sich nicht falsch anfühlen.

Tut es aber.
Oder tut es das nicht?
Schwer zu sagen.

Aber es muss ja nicht gleich um Mord und Totschlag gehen. Auch anderes Fehlverhalten fühlt sich, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, schlecht an. Die Vorstellung gegen jedes der 10 Gebote zu verstossen, fühlt sich schlecht an56. Ob es sich schlecht anfühlt sich mit einem gleichgeschlechtlichen Partner zu verlustieren(Lev. 18:22), kann ich leider nicht beurteilen7. Allerdings fühlt es sich ganz und gar nicht schlecht an Crevetten zu essen (Lev. 11:10), Mischgewebe zu tragen (Lev. 19:19) und meistens auch nicht sich zu rasieren (Lev. 19:27).
Ich behaupte nicht, dass diese Dinge nach Ansicht der Christen auch heute noch falsch sein sollten. Ich will gern glauben, dass Jesus diesbezüglich was geregelt hat. Ich frage mich nur, wieso etwas, dass sich früher falsch angefühlt haben müsste, wenn es doch in die Herzen der Menschen eingeschrieben ist, sich heute nicht mehr falsch anfühlt? Oder hat Jesus, während er da so am Kreuz rumhing, vielleicht auch noch mit Tipex rumhantiert?

Oder steht bei jedem was anderes auf dem Herzen? Dann würde aber jeder eine andere Moral haben. Und was für den einen falsch ist, könnte für den anderen durchaus richtig sein. Doch genau das scheint empirisch betrachtet eben gerade nicht der Fall zu sein8.
Allerdings kommt man zu diesem Schlüss über gross angelegte Experimente, in welchen Leute hypothetische moralische Dilemma lösen müssen. Wenn es um das persönliche Erleben geht, sieht es schnell ziemlich anders aus. Bei Christen stellt sich da schnell mal eine Moralvorstellung ein, welche sehr individuelle Züge aufweist: Es gibt allgemeine Regeln und wo es seinen Interessen dient, gewährt Gott Dispensen.

Robert L. Dear, Jr., der am 27. November 2015 in einer Planned-Parenthood-Klinik in Colorado Springs drei Menschen erschoss, soll beispielsweise überzeugt davon sein, dass solange er glaubt, dass er errettet wird, er alles tun darf9. Klingt irgendwie so, als ob da einer an Gott glaubt, um ungestraft jede Schandtat begehen zu können.
Klar, man kann dieses und viele weitere Beispiele leicht abtun, weil diese Typen offensichtlich psychisch krank sind. Doch man es muss ja nicht immer gleich um Mord und Totschlag gehen. Viele Christen sind überzeugt davon einen Auftrag von Gott bekommen zu haben, wenn es darum geht, gegen die gleichgeschlechtliche Ehe einzustehen. Oder wenn es darum geht Verhütung auf der Basis der Enthaltsamkeit zu propagieren. Oder wenn es darum geht fremden Leuten unaufgefordert von Jesus zu erzählen. In all diesen Fällen mischen sie sich ungefragt in die Angelegenheiten anderer ein, während die oberste Direktive „Liebe den Nächsten wie dich selbst“ doch eigentlich Toleranz10 für die Eigenarten der anderen fordert. Liebe zwingt den anderen nämlich nicht zu seinem Glück, sie akzeptiert seine Entscheidung und lässt ihn gewähren (wie Gott es tut). Aber da sie offenbar im Herzen spüren, dass es das richtige ist, hat die oberste Direktive – natürlich im Interesse des anderen – kurzzeitig den Platz zu räumen (was dann wohl heisst, dass Gott es doch nicht tut, wenn er Leuten den Auftrag gibt, offen gegen meine Entscheidung zu opponieren).

Atheisten kennen keine Dispensen. Etwas übles ist selbst dann übel, wenn es keinen anderen Weg als den üblen gibt. Das hindert sie zwar genauso wenig wie die Theisten daran, es dennoch zu tun, aber wenigstens reden sie es nicht schön.

Wir haben hier also gewissermassen zwei Moralkonzepte. Auf der einen Seite – ich nenne sie mal – das praktische: Die Regeln sollten allen bekannt sein und für alle gelten. Und auf der anderen das transzendentale: Die meisten Regeln sind bekannt und der Rest wird unauffällig auserwählten Personen offenbart.
Ich bin überzeugt, dass das praktische Moralkonzept dem transzendentalen vorzuziehen ist, weil die Möglichkeit, dass Handlungen von aussen befohlen werden können, ohne dass man die Echtheit überprüfen könnte, einfach dazu einlädt ausgenutzt zu werden. Dem ist meines Erachtens selbst eine verunglückte Kombination von vermurksten Regeln vorzuziehen – so sie für alle gleichermassen gelten. Verlässliche und möglichst nicht widersprüchliche Regeln schaffen nämlich Ordnung, selbst dann wenn sie blöd sein mögen.

Aber vielleicht liege ich mit all dem auch furchtbar falsch und die Atheisten glauben einfach nur wegen der Lücke zwischen den Geboten und Gesetzen nicht an Gott. Sprich sie glauben nicht an Gott, weil sie masturbieren wollen.

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Eda Gregr
04.03.2015 um 09:02

Laut einer Barna-Studie hält bei Evangelikalen nur ein kleiner Bruchteil (4%) eine Abtreibung für moralisch akzeptabel, während es bei den Atheisten eine überwiegende Mehrheit (71%) ist1. Da die Barna Group eine evangelikales Meinungsforschung-Unternehemen ist, gehe ich jetzt mal einfach davon aus, dass diese Zahlen der Wahrheit entsprechen.

Das Center For Reason untersuchte 2006 die Fragestellung, ob Christen wirklich weniger Abtreibungen haben als Nicht-Christen, wie dies von Christen gern behauptet wird. Das hat sich aber nicht bestätigt. Es gibt in diesem Punkt offenbar keinen signifikanten Unterschied zwischen den Religionen (inkl. Nicht-Religionen)2.

Wahre Christen werden hier natürlich einwenden, dass es keine wahren Christen sind, denn wahre Christen haben keine Abtreibungen. (Das gilt aber auch für keine wahren Schotten ;)

Nichtsdestotrotz ist das eine interessante Diskrepanz zwischen den Prinzipien und den dazugehörigen Handlungen. Wenn unmoralisches Verhalten jenes ist, das sich von dem unterscheidet, das man eigentlich für das richtige hält, dann sind Religiöse offensichtlich wesentlich unmoralischer als Atheisten.
Man könnte schon einwenden, dass sich die Atheisten ihre Prinzipien einfach so zurechtlegen, dass sie ihren Anforderungen genau entsprechen, am Ergebnis ändert das jedoch nichts, denn obgleich sie dieser Argumentation folgend jede beliebige Abscheulichkeit moralisch gutheissen könnten, rangieren sie in Kriminalstatistiken klar hinter den Angehörigen von Religionen, die das nicht können.
Vielmehr sieht es so aus, als ob von Christen die Prinzipien sehr oft nur genau so lange hochgehalten werden, wie sie ihnen nicht im Weg stehen. Von daher ist es eigentlich auch nicht weiter überraschend, dass sie sich für ein strengeres Justizsystem aussprechen, damit die Polizei das durchsetzt, wozu sie offenbar selbst nicht in der Lage sind. Aus einer verhaltensökonomischen3 Perspektive wäre eigentlich eine durchaus vernünftige Strategie, wenn man damit nicht auch Leuten seine Wertvorstellungen aufdrücken würde, die sie gar nicht teilen wollen. Das mag – da durch Gott abgesegnet – moralisch vorbildlich sein, ethisch ist es jedoch nicht haltbar.

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