The Good Place

The Good Place

Man stelle sich vor, dass durch ein Versehen zwei Menschen verwechselt werden und der jeweils falsche in den Himmel und in die Hölle kommt.

Ziemlich übel Sache… Und in Anbetracht der Zustände in der Hölle und dem (schwachen?) Charakter des zu unrecht „Beförderten“1, ist es wenig wahrscheinlich, dass dieser die Sache richtig zu stellen geneigt ist. Während dem fälschlicherweise in der Hölle Geschickten einfach kein Glaube geschenkt wird – weil wahrscheinlich jeder Hölleninsasse davon überzeugt ist, diese Qualen nicht verdient zu haben.

Ist so ein Versehen überhaupt möglich?
Natürlich nicht, schliesslich ist Gott allwissend2.

Können wir das aber auch irgendwie kontrollieren? Ich meine, die Konsequenzen sind zu grausam um sich darüber nicht absolute Gewissheit zu verschaffen.

Vielleicht eine Art Bewährungsausschuss, wo jeder Insasse der Hölle regelmässig3 seinen Fall vortragen kann?
Wobei dieser Ausschuss natürlich aus anderen Leuten bestehen sollte als jenen, die das Urteil verhängt haben (Gott, Jesus und der heilige Geist?).

Natürlich würde Gott niemals (absichtlich) einen Fehler seinerseits zu vertuschen versuchen4, schliesslich ist er lieb, aber trotzdem, sicher ist sicher. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel!

 

Weil ein einziger Sünder,
selbst der harmloseste,
in der Hölle unendlich viele mehr Leid erfährt
als alle Menschen
und alle Tiere
und alles andere
seit dem Anbeginn der Zeiten
zusammengenommen.
Einfach weil die Hölle ewig währt.

id, quo nihil maius cogitari potest

Gottesbeweis von Anselm von Canterbury
Anselm von Canterbury in seinem eigenen Siegel

Nehmen wir einfach mal an, dass der ontologische Gottesbeweis gültig ist. Ich wüsste nicht wie das gehen sollte, aber das tut hier nichts zur Sache. Gottes Wege sind unergründlich und genauso die Beweise, die seine Existenz belegen.

Wir wissen also, dass es einen Gott gibt und dass dieser, weil darüber hinaus nichts grösseres gedacht werden kann, notwendigerweise allwissend, allmächtig und allgütig ist. Und wir wissen, dass dieser Gott irgendwann mal alles ins Rollen gebracht hat.

Und wir wissen aufgrund von (unergründlich) rationalen Argumenten, dass unsere Welt intelligent designt ist.

Und wir wissen ebenfalls aufgrund von Gründen, dass Jesus der Sohn jenes intelligenten Designers ist, der die Welt und Adam und Eva und die Sintflut erschaffen hat.

Was wir jedoch nicht wissen, ist, wie schwer es ist, eine Welt und Adam und Eva und die Sintflut zu erschaffen.

Wir wissen aber, dass wir selbst dafür nicht wissend und mächtig und gütig genug sind.

Wir wissen aber nicht, ob man dafür wirklich das ganze Allwissen und die ganze Allmacht und die ganze Allgüte bis zum letzten Löffel ausschöpfen muss. Sprich wir wissen nicht, ob auch ein von Gott erschaffenes Wesen mit freiem Willen in der Lage sein könnte, eine Welt zu erschaffen, deren Bewohner einen freien Willen haben1.

Ich wüsste aber nicht, was dagegen sprechen könnte2.

Dann bräuchte…
der Schöpfer unserer Welt nicht zwangsläufig … nett? … zu sein.

Er könnte in echter Mistkerl sein, der die Welt als Folterkammer erschaffen hat, um sich an unserem Leid zu erfreuen. Und er könnte als sein eigener Sohn auf die Welt gekommen sein um sicherzustellen, dass wir ihn dafür auch noch lieben. Und als Bonus sozusagen um seine masochistischen Triebe zu befriedigen.

 

Eine Frage aber bleibt: Was denkt sich wohl der allwissende, allmächtige, allgütige erste Beweger dabei, wenn er die Menschen sieht, wie sie ihren sadistischen Schöpfer anbeten, statt sich gegen ihn zu stellen?

Superman als Gott

Wieso wird Superman in Metropolis eigentlich nicht angebetet? Er erfüllt so ziemlich jedes Kriterium um ein Gott zu sein: Er hat Röntgenaugen, ist stark und in seinem Bestreben gut zu sein, nicht besonders effektiv1.

 

 

Mir ist eben aufgefallen, dass die Kombination Allmacht + Allwissen + Allgüte von der Allmacht alleine nicht zu unterscheiden ist.
Schon mit Taschenspielertricks bin ich fähig jeden dazu zu bringen, dass er beschwört, dass ich alles schon vorher wusste.
Und mit genügend Macht bin ich fähig jeden zu zwingen, meinen moralischen Kompass zu übernehmen.
Um den Eindruck von Allwissen und Allgüte zu vermitteln braucht es nicht viel. Nur etwas Macht.

Wie Allmacht sieht es aus, wenn alle Menschen glauben, dass ich Gott bin.2 Dafür braucht es schon etwas mehr Macht – aber auch längst nicht alle.

Definitiv keine echte Allmacht hingegen ist, wenn auch nur ein einziger Mensch entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch nicht glaubt, dass ich Gott bin.

Will Gott, dass ich an ihn glaube?
Kann ich mich von Gott abwenden, wenn ich weiss, wer er ist? So wie Satan und ein Drittel der himmlischen Heerscharen es tat?
Sich mir als Gott zu offenbaren, schränkt meine Willensfreiheit in keinster Weise ein.

Wenn ich (grosszügig) zulasse, dass auch nur ein einziger an meiner Göttlichkeit zweifelt, dann setze ich meine Allmacht nicht ein. Das ist okay. Das darf ist. Allerdings gibt es dann keine Garantie dafür, dass ich tatsächlich über Allmacht verfüge… Es könnten stattdessen auch Taschenspielertricks sein, mit denen ich gerade genug Menschen übers Ohr haue, dass ich mir einen angenehmen Lebensstil leisten kann.