Göttliche Zeichen

Während ich einen Text schreibe, in dem ich mich über Gott und Jesus lustig mache, fällt meine Tochter um und schlägt sich das Knie blutig.
Ist das eins jener Zeichen Gottes, von denen Christen so oft sprechen, weil es sie angeblich wieder auf den rechten Weg führt?
Oder wäre es dann ein Zeichen, wenn sie umgefallen wäre und sich auf wundersame weise nichts getan hätte?1

Hej Eda, besinne dich…
oder deinen Kindern könnte was passieren…
Gott

Egal ob Gott meiner Tochter ein Bein stellt oder sie nicht rettet, wenn er es sonst getan hätte. Es sind Mafia-Methoden.

Und wie geht man damit um?
Man gehorcht natürlich und nennt sie Die Liebe Camorra und verteidigt deren Tugendhaftigkrit gegen jeden Angriff. Vorzugsweise mit Weihwasser.

Ein Zeichen des wahren Glaubens

coke-jesusWenn man sich mit echten Christen unterhält, dann erklären sie einem stets, dass die katholische Kirche eine Verbrecherorganisation sei, die schon vor langer Zeit vom rechten Pfad abgekommen sei. Dem will ich gar nicht widersprechen, doch ich will dann in der Regel von der betreffenden Person wissen, woher sie die Gewissheit nimmt, dass nicht auch sie abseits des rechten Pfades herumtappt?
Sie erklärt dann, dass sie die Bibel studiere und dass sie ihr Leben nach deren Lehren auszurichten versuche (vielleicht nicht immer perfekt – schliesslich sind wir alle Sünder – aber sie gibt ihr bestes) und dass sie eine persönliche Freundschaft mit Jesus pflege. Aber wirklich überzeugend ist das nicht, denn genau das gleiche versichern einem auch die verbrecherischen Katholiken.

Wäre es da nicht toll, wenn diejenigen, die wahrlich glauben, ein Zeichen begleiten würde? Ein Zeichen, welches genau dies unterstreicht? Sowas wie ein Heiligenschein vielleicht?
Da wüsste ich gleich, wer ein echter Christ ist und wer bloss unter Wahnvorstellungen leidet. Wäre das nicht toll?

Doch das können wir uns wohl an den Hut stecken, schliesslich lässt Gott sich nicht in die Karten schauen. Ich meine, stellt euch das mal vor… Dann wüsste man, wer auf dem rechten Weg schreitet und wer nicht. Man könnte sich ein Beispiel an ihnen nehmen und sie höflich um Rat fragen. Die ganzen Glaubenskriege wären damit Schnee von Gestern.

So ein Pech, dass es sowas nicht gibt.

Oder gibt es das vielleicht doch?

Folgende Zeichen werden die begleiten, die glauben: Sie werden in meinem Namen Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, wenn sie Schlangen anfassen oder etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden, Kranken, denen sie die Hände auflegen, wird es gut gehen.
Markus 16 : 17-18

WOW! Das ist genau das, was ich brauche!
Okay, ein Heiligenschein wäre praktischer gewesen, denn an dessen Leuchtkraft könnte man, noch während man einen Gedanken formuliert, erkennen, ob man damit in der richtigen Richtung unterwegs ist. Hier dagegen gibt es keine Tendenzen. Was nicht wirklich nachvollziehbar ist, denn Tendenzen sind bei der Navigation eine coole Sache. Ich meine, stellt euch mal vor, euer Navi würde während des Weges nicht „jetzt nach rechts“ und „jetzt nach links“ sagen, sondern am Ort, den ihr für das Ziel haltet, je nach dem ob es wirklich das Ziel ist, entweder die Tür öffnen oder das Auto in die Luft jagen.
Es ist keine Frage davon, ob man zum richtigen Ziel will, denn das wollen die meisten durchaus. Insofern wäre auch es völlig in Ordnung, wenn das Navi, wenn man trotz dessen deutlichen Anweisungen nicht zum richtigen Ziel kommt, den Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert. Aber ohne die Hinweise und Korrekturen?

Doch beklagen wir uns nicht, sondern schauen uns lieber an, was uns hier in die Hand gegeben wurde: Dämonen, Sprachen, Schlangen, Gift und Heilung.
Damit lässt sich sicher was anfangen.

Da ich neue Sprachen nicht von mir unbekannten alten Sprachen unterscheiden kann, taugt für mich als Aussenstehender dieser Indikator leider nicht allzu viel.
Dämonen austreiben und Kranke heilen, eignet sich schon besser. Daran versuchen sich viele Christen, müssen aber – um überzeugend zu sein – über den Plazebo-Effekt hinaus kommen. Und zu beurteilen, ob das gelungen ist, ist leider alles andere als einfach.
Schlangen anfassen ist auch nicht schlecht. Daran versuchen sich schon deutlich weniger Christen1. Doch wie viel davon ist bloss antrainierte Geschicklichkeit?
Das Trinken von Gift – das ist perfekt! Es lässt sich sicher ein Gift finden, das garantiert jeden tötet. Botulinustoxin2 klingt vielversprechend. Wenn ein Gläubiger einen Schluck davon nimmt und überlebt …

… dann glaube ich ihm!

Also, ihr lieben, echten Christen, tretet vor.
Ihr seid euch Gewiss in eurem Glauben? Dann zeigt, dass euch – wie prophezeiht – das Gift nicht schaden wird.
Wenn es Zeichen sind, dann sollen sie auch gesehen werden!

 

 

Was passiert eigentlich mit denen, die so gewiss in ihrem Glauben sind, dass sie bereit sind das Gift zu trinken, dabei aber falsch liegen und sterben?
Wie wird Gott das wohl beurteilen?

Keine Selbsttäuschungen

Lesen ist eindimensional. Ein Wort kommt nach dem anderen und ein Satz folgt dem nächsten. Fernsehen hingegen, so platt es auch sein mag, ist zweidimensional. Da können Dinge nebeneinander, übereinander und diagonal zu einander geschehen. Und wenn man sich optischer Tricks bedient, lässt sich mit dem suggerierten Hintereinander noch eine weitere Dimension hinzufügen. Und noch eine, wenn man den Ton einstellt.
Natürlich gibt es auch Möglichkeiten dem Buch die eine oder andere weitere Dimension abzuringen. Zum Beispiel, wenn man es illustriert. Oder wenn es vom Buchdruck handelt.
Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich auch die Seiten in Bier zu tunken. Dann hat man neben dem literarischen auch ein olfaktorisches Vergnügen.
So geschehen mit meinem Buch „The God Delusion“, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Flasche Petra befand als diese sich anschickte in meinem Rucksatz zu zerbrechen. Dies ist einer der Momente, wo man zu argwöhnen beginnt, ob es da nicht vielleicht doch eine höhere Macht gibt, die dir auf diese Weise ein Zeichen zu geben versucht. Ironischerweise handelt das getränkte Buch aber gerade davon, wie leicht sich Menschen auf diese Weise in die Irre führen lassen. Zack, eine zusätzliche Dimension.
Tja, ich nehme es pragmatisch und halte es getreu dem Motto „In pivo veritas“ für ein Zeichen dafür, dass in Dawkins Buch die Wahrheit steht: Es mag zwar durchaus winkende Schicksen geben, doch das winkende Schicksal ist bloss ne Chimäre.