Eda Gregr
01.03.2014 um 16:53

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

21. Februar 2014

Papst Franziskus @Pontifex_de
Die Firmung ist wichtig für einen Christen; sie gibt uns die Kraft, den Glauben zu verteidigen und das Evangelium mutig zu verbreiten.

Von der Firmung kann man halten, was man will, interessant finde ich eher den Aspekt, dass sie einem Kraft und Mut verleiht.

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Ist es denn nötig, den Glauben zu verteidigen und das Evangelium mutig zu verbreiten? Klingt ziemlich aggressiv.

Wenn sich einer über meinen Glauben lustig macht und ihn für absurd erklärt. Wieso sollte ich dann meinen Glauben verteidigen? Gegen meinen Willen kann er mir ja nicht weggenommen werden.
Ich kann mein Hab und Gut gegen Diebe verteidigen und ich kann mich gegen falsche Beschuldigungen verteidigen. Im einen Fall indem ich nachweisen kann, dass es meins ist, was in Kombination mit dem Umstand, dass etwas nicht von zwei Leuten gleichzeitig besessen werden kann, bedeutet, dass es nicht dem Dieb gehört. Und im anderen Fall indem ich nachweisen kann, wie es wirklich war, was wiederum in Kombination mit dem Umstand, dass sich etwas nicht auf zwei verschiedene Arten gleichzeitig ereignen kann, bedeutet, dass es nicht wie beschuldigt war.
Doch ich kann mich nicht dagegen verteidigen, dass jemand meine Ansichten für bescheuert hält. Ich kann zwar nachweisen, dass das alles Sinn ergibt und man zwangsläufig dumm sein muss, wenn man das nicht erkennt, doch ich kann den anderen nicht zwingen nicht dumm zu sein.
(Blöd wird es lediglich, wenn man den Nachweis, das alles Sinn ergibt, nicht zu liefern schafft.)

Es braucht zweifellos Mut, wenn man nach Afghanistan reist um dort das Evangelium zu verbreiten. Die Frage ist hier jedoch eher, ob es auch richtig ist, das zu tun? Es braucht auch Mut um über die Autobahn zu rennen. Doch daraus folgt nicht, dass es auch gemacht werden sollte.
Wenn etwas Mut verlangt, impliziert das immer, dass man gegen Widerstand ankämpfen muss. Sprich, dass man etwas tut, das den anderen irgendwie nicht genehm ist. Und das klingt nicht wirklich nach der liebenswürdigen Form des Missionierens, wo dies nur auf ausdrückliche Einladung seines Gegenübers geschieht.

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Wenn man das liesst, könnte man fast meinen das Christentum werde unterdrückt, während es doch eigentlich eher umgekehrt ist.

Dass es die Leute hier inzwischen schwer haben mit der Bibel hausieren zu gehen und Fremde zu bekehren, mag schon stimmen. Dass sie es aber schwerer haben als Leute, die das gleiche mit anderen Religionen oder gar mit gar keiner Religion zu tun versuchen, stimmt hingegen nicht. Man denke nur an die blauen Plakate der Agentur C, die überall hängen und von der Liebe Gottes verkünden, und die Unmöglichkeit atheistische Plakate in der gleichen Weise aufzuhängen.

Egal um was es geht, wenn die Kirchen das Gefühl haben, sie hätten was beizusteuern, dann wird ihnen Gehör geschenkt. Einzig und allein aus Tradition. Andere Interessengruppen werden längst nicht mit dem gleichen Wohlwollen behandelt.

Eberhard Weigel @ merlin_112 @meskinaw einfach die Retweets gegen den Papst lesen und erkennen DASS er massiv angefeindet wird und es mutig ist den Glauben zu bekennen.

Jetzt wirds interessanter. Eberhard Weigel, ein Pfarrer bei der Diözese Augsburg, der hie und da auf Twitter die Klinge mit mir kreuzt, stellt sich schützend vor den Papst.
Dass der Papst massiv angefeindet wird, stimmt wohl. Doch das gilt auch für Obama, Putin, Merkel und so gut wie jeden anderen Staatsmann und Promi. Die Frage ist aber, wenn eine öffentliche Person ihre Reden schwingt, braucht das wirklich Mut? (Mal von jenem abgesehen, trotz Lampenfieber auf die Bühne zu treten.)

Eda Gregr @meskinaw @merlin_112 Ameisen, die sich gegen den Löwen auflehnen. Welche Gefahr geht von ein paar Twitterern aus? Das ist kein Mut, das ist sein Job.

Eda Gregr @meskinaw @merlin_112 Und dann gibt es da noch die Blasphemiegesetze, auf die er immer noch zurückgreifen könnte ; ) Ne, der Pontifex ist nicht schwach.

Das ist das Schmankerl an der ganzen Sache. Man suhlt sich darin angefeindet zu werden und sammelt damit Sympatiepunkte, hat aber für den Fall der Fälle noch ein Ass im Ärmel. Man denke nur an die einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin Titanic wegen des Benedikt-Covers im Juli 2012.

Wie mutig muss ein Löwe sein, wenn sich ein paar Ameisen gegen ihn auflehnen?


Was hat man zu verlieren, wenn man sich für die Religion ausspricht?
Früher drohten die Löwen. Heute wird Religion als Privatsache betrachtet, die auch privat bleiben soll.
Man will davon an welchen Gott jemand glaubt genauso wenig wissen, wie, an welchen Hämorriden er leidet. Und entsprechen pikiert reagiert man, wenn man es dennoch erklärt bekommt.

Ist es wirklich mutig allen von seinen Arschbeschwerden zu erzählen oder ist es einfach nur unangebracht?

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Eda Gregr
16.07.2008 um 22:17

Seine Freundin hat ihn verlassen. Das ist, wie wir alle wissen, eine traumatische Niederlage. Doch ein Soldat muss im Gefecht auch Rückschläge einstecken können. Er muss selbst dann noch klaren Kopf bewahre und weiterkämpfen, wenn die Lage für ihn aussichtslos erscheint. Es liegt schliesslich nicht am Soldaten zu entscheiden, wann Schluss ist – wo kämen wir da hin? Und wenn alles andere nicht mehr funktioniert, so macht man weiter als Guerillia. Verschickt eMails und SMS und schreckt auch vor nächtlichen Telefonaten nicht zurück. Was ein echter Soldat ist, der hört nicht eher auf, als bis ihm eine legitime Instanz Einhalt gebietet. Also der Offizier, die Uno oder das Landgericht. Wäre ja zu schön, wenn dies der Feind tun könnte.
Ich plädiere daher nicht nur dafür, Armeechef Nef im Amt zu belassen, sondern ihm zusätzlich noch einen Orden für Tapferkeit vor dem Feind zu verleihen, denn er hat sich seiner Ex gegenüber mit militärische Disziplin verhalten, die weit über das hinaus ging, was man von einem braven Soldaten hätte erwarten dürfen.

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