Von Trollen und Kreuzrittern

TrollWenn man sich in den Kommentarspalten von Pro-GMO Youtube-Videos umschaut, so fällt auf, wie Agressiv die Anti-GMO-Leute sein können. Ähnliches findet man auch von Anit-Waxxern, Klimawandel-Skeptikern, Gamer-Gatern und 9-11-Truthern. Allerings auch genauso von „Evolutionisten“, Feministen, Euthanasie-Befürwortern und homophilen Vegetariern. Kurz, man findet diese besondere Form der Liebenswürdigkeit überall, wo jemand eine ihm wichtige Meinung vertritt, die von anderen in Frage gestellt wird.

Man kann es ihnen aber eigentlich nicht verübeln, denn die Sache ist ihrer Ansicht nach dermassen offensichtlich, dass jeder, der es nicht einsieht, nur ein ausgemachter Idiot sein kann. Und das wird doch noch gesagt werden dürfen ;) Und obschon in der Hitze des verbalen Schlagabtauschs schon mal auch ne Faust fliegen kann, wird nichtsdestotrotz niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, einen Konsens dadurch herzustellen, dass man alle Andersdenkenden einfach umbringt1. Viel mehr geht man davon aus, dass er es früher oder später ganz von alleine herausfinden wird.
In diesem Punkt unterscheiden sich aber Religion von den oft fast schon religiös zelebrierten Überzeugungen: Sie predigen zwar im Gegensatz zu diesen Toleranz mit dem Gegner, berufen sich dabei aber auf heilige Schriften, welche sehr deutlich verlangen, alle Andersdenkenden umzubringen. Das ist natürlich nur metaphorisch zu verstehen… doch sollte es mal nötig sein, jemandem den Kopf einzuschlagen, hat man den Segen von oben.

Die Gefahr des Andersdenkenden geht nicht von ihm persönlich aus. Einer, der an die Evolution glaubt, der kein Fleisch isst, sich nicht impft oder an das fliegende Spaghetti-Monster glaubt, kurz ein einzelner Spinner, ist kein Problem. Anders sieht es jedoch aus, wenn der Irrsinn auf einmal von einer Mehrheit geteilt wird und damit, wie wir befürchten, unsere Umwelt, unsere Gesundheit und das Wohl unserer Kinder in akute Gefahr bringt. Dann kann man schon mal zum Schluss kommen, dass es vielleicht unumgänglich ist um ein Opfer zu bringen (vorzugsweise an den anderen). Das ist natürlich sehr bedauerlich, weil es ja – wie wir oben gesehen haben – nur eine Frage der Zeit war, bis der Andere (vielleicht mit ein bisschen Hilfe) es von selbst begriffen hätte. Ergo fügt man allein aufgrund von Zeitnot und/oder Faulheit jemandem Leid zu. Und sowas nagt am Gewissen…
Ausser natürlich, es ist Religion im Spiel. Dann ist das Massaker gottseidank gottgewollt2.

Natürlich wurde noch (fast) nie ein Krieg allein deshalb geführt, weil Gott es so wollte. Man zog stets nur deshalb in den Krieg um eine Entwicklung zum Bösen zu verhindern. – Blöd nur, dass allein Gott darüber bestimmt, was gut und was böse ist.

  1. Wobei genau dies gelegentlich der jeweils anderen Seite unterstellt wird.
  2. Ich bezweifle, dass irgendjemand, der – in der festen Überzeugung im Auftrag Gottes zu handeln – jemandem Leid zufügt, deswegen ein schlechtes Gewissen haben wird. Das wäre nämlich gewissermassen Blasphemie. Schliesslich ist das, was Gott will, das einzig richtige. Und jeder Zweifel daran ist ein Zweifel an der Vollkommenheit Gottes.

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