Die Monsterjagd der SVP

Gut möglich, dass aufgrund die Annahme des CO2-Gesetzes Familien bis zu 1000 Franken pro Jahr kosten wird. Es ist vielleicht auch nicht unplausibel, dass sich deswegen der Werkplatz Schweiz verteuert. Und eventuell wird es tatsächlich zu grossen Umverteilungen und massiven Aufstockungen der Bürokratie führen, die bei den Sozialdemokraten für ein wohliges Kribbeln in der Leistengegend sorgen werden.
Doch das ist kein Argument, denn die einzige Frage, die hier zählt, ist: Wird das CO2-Gesetz den Ausstoss von CO2 in der geplanten Grössenordnung senken? Dazu äussert sich Christian Imark aber nicht.

Der CO2 Ausstoss muss runter. Und zwar schnell. Sonst geht es uns an den Kragen.
Das heisst im Klartext: Der CO2 Ausstoss muss um jeden Preis runter.
Wenn das Familien bis zu 1000 Franken pro Jahr kostet, dann ist es halt so.
Wenn der Wirtschaftsstandort Schweiz Attraktivität einbüsst, dann ist es halt so.
Wenn das zu Umverteilungen und einer Vergrösserung der Bürokratie führt, dann ist es halt so.
Und wenn es die Sozialdemokraten erregt, dann gönnen wir es ihnen.
All diese Dinge sind doof, zweifellos, aber wenn es ohne sie nicht geht, dann muss trotzem man durch.

Masken Tragen und Social Distancing sind auch doof, aber wenn wir damit verhindern können, dass das Gesundheitswesen, die Wirtschaft und die Kultur zusammenbrechen, dann führt da kein Weg dran vorbei. (Das ist – wohlgemerkt – kein Kommentar zu den konkreten Corona-Massnahmen des Bundesrates, die man als zu lasch oder zu streng betrachten kann. Es ist einfach die Feststellung, dass es katastrophale Folgen hätte, wenn man COVID-19 einfach ignorieren würde.)

Und auch die Landesverteidigung kostet uns eine ganze Stange Geld und Freizeit. Auch das ist doof. Doch leider unumgänglich, wenn wir das, was wir haben, bewahren wollen. Wobei das, was wir haben, weniger ist, als das, was wir hätten, wenn wir Geld und Freizeit dafür nicht opfern müssten. Zumindest kurzfristig. (Und das ist – wohlgemerkt – kein Kommentar zur Landesverteidigung, wie die Schweiz sie lebt. Man kann diese nämlich auf ganz verschiedene Arten organisieren und man kann sich durchaus darüber streiten, welche effizienter ist.)

Christian Imark sagt nicht, dass das CO2-Gesetz die gesteckten Ziele nicht erreichen wird.
Er sagt auch nicht, dass das CO2-Gesetz den Weg zu effektiveren CO2-senkenden Strategien verbaut. Er sagt nur, dass wir dann nicht mehr so weiterleben können wie bisher.

Tja. Das können wir tatsächlich nicht. So oder so.
Und das müssen wir langsam (also eigentlich ziemlich schnell) akzeptieren.

Das oben war natürlich nur ein Slogan, der sich hübsch an einer Plakatwand macht. Das tatsächliche Agrumentarium1 der SVP ist natürlich wesentlich eloquenter:

„Das neue CO2-Gesetz ist
erstens teuer,
zweitens nutzlos
und drittens ungerecht.“2

Es folgen nun die Detail-Argumente, die erklären, warum das CO2-Gesetz teuer, nutzlos und ungerecht ist. Ich habe den Text Wort für Wort von der SVP-Webseite übernommen (violettkursiv) und mit meinen Gedanken ergänzt (schwarzwiedienacht).
Mein Fokus liegt dabei weniger darauf die Argumente zu entkräften, sondern sie in den in den Kontext einer existenziellen Bedrohung durch ein „Monstrum“3 zu stellen.

1. «Teuer»

1.1. Erhöhung des Treibstoffpreises um 12 Rappen pro Liter – das betrifft alle, die auf das Auto angewiesen sind, aber letztendlich auch alle Konsumenten!

  • Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind, werden stark belastet.
    Stimmt. Pendler, die auf ihr Benzinauto angewiesen sind, werden stark belastet. Auf der anderen Seite füttern sie mit ihrem Verhalten das Monster. Ist es da nicht berechtigt, sie zur Kasse zu bitten? Insbesondere da es ja Alternativen gibt – sei es in Form von öffentlichem Verkehr oder elektrischen Autos.
  • Die Bevölkerung in Gebieten, in denen kein enges ÖV-Netz zur Verfügung steht, wird überproportional belastet – also alle, die ausserhalb der urbanen Zentren oder in Bergregionen leben.
    Dies führt zu einem Graben zwischen der Bevölkerung in städtischen und ländlichen Gebieten.
    Auch das stimmt. Hier fällt die Option des öffentlichen Verkehrs zunächst einmal weg. Wenn aber die Nachfrage steigt, ist es dann nicht naheliegend, dass der öffentliche Verkehr an diesen Orten wieder verstärkt Präsenz zu zeigen beginnt.
    Dies würde nicht zu einem (neuen) Graben zwischen Stadt und Land führen, weil es diesen schon lange gibt (nicht zuletzt dank des fleissigen Buddelns der SVP). Aber es könnte ihn tatsächlich tiefer machen (woraus die SVP dann sicherlich politisches Kapital zu schlagen wissen wird).
    Ich denke aber, es liegt durchaus in der Macht der Politik hier die Weichen so zu stellen, dass sich der öffentliche Verkehr wieder wohl fühlt auf dem Lande und dass der Graben nicht weiter wächst.
  • Gewerbebetriebe bzw. ganze Branchen, die auf das Auto angewiesen sind, werden benachteiligt, z. B. Handwerker, Landwirte, etc.
    Gewerbebetriebe, die sich den neuen Umständen nicht anzupassen fähig sind, werden darunter leiden. Stimmt. Aber das ist nichts neues. Damit waren die Gewerbebetriebe schon seit jeher konfrontiert. Es gab Zeiten, in denen Sklaverei okay und Umweltauflagen kein Thema waren. Als dann irgendwelche Hippies kamen und das änderten, machten sie vielen Branchen das Leben schwer.
    Müsste man Gewerbebetriebe und Branchen, die auf nicht gewillt sind im Angesicht des Monsters etwas an ihrer Haltung zu ändern, nicht als Kollaborateure mit dem Feind betrachten? Sind Rüstungslieferungen an den Feind, der unverhohlen eine Invasion in die Schweiz plant, wirklich okay, wenn andernfalls Arbeitsplätze gefährdet sind?
  • Wird die Mobilität künstlich verteuert, wird die ganze Wertschöpfungskette verteuert, d. h. Waren und Dienstleistungen werden für den Endkonsumenten teurer. Dies trifft vor allem die einkommensschwache Bevölkerung, für welche die zusätzliche finanzielle Belastung nicht mehr tragbar ist.
    Einige Formen der Mobilität werden verteuert. Wenn der Produzent nicht auf andere umsteigen kann, werden die Produkte teurer und die (einkommensschwachen) Konsumenten werden auf die der Konkurrenz umsteigen, die es geschafft hat, auf andere Formen der Mobilität umzusteigen.
  • Durch die Umverteilung von 50% der Strafzahlungen der Autoimporteure, welche die erlaubten Höchstwerte der CO2-Emissionen bei ihren Neuwagen nicht einhalten können, Gelder, die dem Nationalstrassen- und Agglomerations-Fonds NAF zufliessen sollten, fehlen der Strasseninfrastruktur Gelder für den Unterhalt und den Ausbau des Strassennetzes. Dies wird zu einer weiteren Treibstoffpreiserhöhung führen, um die fehlenden Gelder zu kompensieren. Damit wird der motorisierte Individualverkehr noch mehr belastet.
    Dieses Argument verstehe ich nicht ganz. Aufgrund des CO2-Gesetzes fehlen Gelder für die Nationalstrassen, die dann durch Treibstoffpreiserhöhungen beschafft werden? Was die oben angesprochenen Probleme noch mehr verschärft?
    Okay, dann wird alles, was vorher befürchtet wurde, noch schlimmer. Und die Alternativen werden noch attraktiver.
  • Die Konsumenten werden bevormundet, weil auf eine einseitige Förderung der Elektromobilität gesetzt wird. Nur mit Technologievielfalt können aber alle Mobilitätsbedürfnisse effizient abgedeckt werden, da sich nicht jede Technologie für jeden Einsatz eignet.
    Im Prinzip stimmt das schon. Technologievielfalt ist sicherlich wichtig um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das heisst aber nicht zwangsläufig, dass alle Technologien erlaubt sein müssen.
    Als man giftige Farbstoffe auf Kinderspielzeug verbot, wurden Konsumenten dadurch wirklich bevormundet? Indem man ihnen die Möglichkeit nahm problemlos an Spielzeug zu kommen, das Ihre Kinder tötet? Ist das so schlecht?
    Die Idee von gewissen Steuern ist es, über den Geldbeutel das Verhalten der Menschen in eine „gesundere“ Richtung zu schubsen. Ist das so schlecht, wenn die Evidenzen klar sind, welches die „gesundere“ Richtung ist? Tabaksteuer um die Leute zum Nichtrauchen zu motivieren. Ist das so schlecht?
    Ob es funktioniert ist natürlich eine andere Frage. Aber ungesundes Verhalten (und dazu gehören CO2-intensive Handlungen) zu verändern zu versuchen, ist doch sinnvoll?
  • Eine massive Verteuerung des motorisierten Individualverkehrs verunmöglicht es vielen jungen Leuten, die Art ihrer Mobilität selbst zu wählen, da ihre finanziellen Mittel nicht ausreichen. Gerade in der Corona-Krise hat sich die grosse Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs für jeden Einzelnen von uns gezeigt.
    Was aber, wenn die Art der Mobilität, die die jungen Leute wählen würden, schädlich ist? Ich stimme schon zu, dass jeder das machen soll, was er will. Aber er darf damit anderen nichts antun, was diese nicht wollen. Die Freiheit kann stets nur so weit gehen, wie sie nicht die Freiheit eines anderen beschränkt. Da sind wir uns doch einig?
    Wenn jemand ein Haustier haben will, dann soll er sich eins zutun, aber wenn er es nicht artgerecht behandelt, dann ist es Tierquälerei und dann hört der Spass auch ziemlich schnell wieder auf. Das gleiche gilt für Umweltverschmutzung. Ich kann machen, was ich will, aber ich darf dabei nicht Erdöl in den Fluss schütten. Dass man das früher tat, weil man nicht wusste, wie schädlich das ist, ist kein Grund es auch weiterhin zu tun. Wir wissen es jetzt und wir müssen wohl oder übel auf die Freude verzichten, die solche Aktivitäten einem bereiten.
    Das doch eigentlich gut so?
    Wir wissen heute, welchen Schaden CO2 anrichtet und dass wir es uns nicht leisten können, das Treibhausgas noch mehr Schaden anrichten zu lassen.
  • Die massive Erhöhung der Treibstoffpreise könnte in den Grenzregionen zu «Tanktourismus» führen.
    Stimmt. Danke für den Hinweis. Da muss man sich dann wohl was ausdenken um dem Vorzubeugen. Ich setze da mein volles Vertrauen in die Bürokratie :D

Unsere Wirtschaft und damit alle Bevölkerungsschichten leiden zurzeit unter den immensen Auswirkungen der Corona-Krise und der Lockdowns. Diese dürfte auch noch längere Zeit anhalten. Es ist also der schlechteste Moment, die Mobilität zu verteuern, weil dies den Warentransport und etliche Dienstleistungen verteuert und damit Arbeitsplätze gefährdet werden.
Stimmt. Und wie mir scheint, setzt die SVP mit ihrer Corona-Politik alles dran, dass die Krise auch schön lange weiter geht.
Aber es stimmt schon. Der Zeitpunkt ist schwierig. Bloss, dass wir nicht wirklich die Zeit haben auf einen angenehmeren zu warten.

Als Corona letztes Jahr losgingt, hegte ich noch die Hoffnung, dass wir erkennen würden, dass man bei gewissen Problemen die Differenzen beiseite legen und gemeinsam an einem Strick ziehen kann. Idealerweise sogar über die Landesgrenzen hinaus.
Dass wir irgendwie aus der Erfahrung lernen würden und für die Herausforderung des Klimawandels besser gewappnet sein würden. Tja, damals war ich noch naiv.

1.2. CO2-Gesetz verteuert indirekt die Mieten – das trifft alle Mieterinnen
und Mieter!

Die Mieten in der Schweiz – vor allem in den Städten – sind jetzt schon sehr hoch.
Das wird mit dem CO2-Gesetz noch schlimmer:

  • Mehrkosten, die aufgrund des Heizungsersatzes entstehen, werden von den Hauseigentümern 1 zu 1 an die Mieter weitergegeben. Dies wird die Mieten in der Schweiz mittelfristig zum Steigen bringen.
    Ausser man setzt sich als Partei für die Interessen der Mieter ein?
  • Die aufgrund der steigenden CO2-Abgabe teureren Heizkosten werden 1 zu 1 via Nebenkosten an die Mieterschaft überwälzt, was die Wohnkosten für weite Teile der Bevölkerung drastisch erhöhen wird. Die beabsichtigte Lenkungswirkung verpufft dabei komplett.
    Geschah das gleiche nicht auch mit den Konsequenzen der Brandschutzvorgaben?
    Aber es stimmt schon. Es wird teuer. Aber die Frage ist nicht, ob es angenehm wird, sondern ob es nötig ist. Es ist schon schön, wenn die Politik den Menschen das Leben leichter macht. Manchmal muss sie die Leute aber auch zu Dingen bewegen, die vielleicht nicht angenehm, dafür aber leider nötig sind.

1.3. Verbot von Öl- und Gasheizungen – das trifft vor allem Hauseigentümer!

Mit dem neuen CO2-Gesetz wird es faktisch verboten, neue Öl- und Gasheizungen einzubauen und dies, obwohl moderne Öl- und Gasheizungen sehr sparsam sind im Verbrauch. Stattdessen werden künftig erneuerbare Heizungen wie bspw. Wärmepumpen vorgeschrieben, egal ob diese technisch oder ökologisch sinnvoll sind.

  • Viele Hauseigentümer haben die finanziellen Mittel nicht, um sich eine teure, erneuerbare Heizung leisten zu können.
    Sollte man sich dann nicht lieber Gedanken darüber machen, wie man CO2-neutrale Heizungen erschwinglicher macht?
  • Insbesondere bei älteren Personen im Rentenalter, die voraussichtlich nur noch wenige Jahre in ihrem Eigenheim leben können, lohnt sich die teure Investition im Sinne einer Vollkostenrechnung nicht.
    Steigt der Preis der Immobile nicht, wenn eine CO2-neutrale Heizung drin steckt?
  • Viele Gebäude eignen sich nicht für erneuerbare Systeme wie Luft-Luft- oder Luft-Wasser-Wärmepumpen: Man kann aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht bohren, die Lärmbelästigung wäre zu hoch, die Umgebungstemperatur ist ganzjährlich zu niedrig oder das Gebäude ist baulich schlicht nicht auf eine Wärmepumpe ausgelegt.
    Auch hier setze ich auf die Genialität der Schweizer Betriebe, die sich schon was ausdenken werden. Was für die einen eine Hürde ist, ist für die anderen ein Trampolin.
  • Es wird bereits heute sehr viel getan, um den Ersatz von fossilen Heizungen zu fördern.
    Und das ist auch gut, doch die Frage ist, ob es reicht. (Pssst. Tut es nicht.)
  • Der Hauseigentümer muss selbst entscheiden können, welches Heizsystem für seine Verhältnisse das beste ist.
    Muss auch der Patient selbst entscheiden, welche Medikamente für ihn am besten sind? Und muss zwingen auch Zyankali zur Auswahl stehen?
  • In Gebäuden, die unter Schutz (Heimat- oder Denkmalschutz) stehen, ist der Einbau einer Wärmepumpe meist gar nicht möglich.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bürokratie, die es einem bisher das Leben so schwer gemacht hat, wenn man irgendwelche Änderungen an denkmalgeschützten Gebäuden vornehmen wollte, einen neu neu dazu zwingen würde eine Wärmepumpe einzubauen.

Das Heizen ist in der Regel einer der grösseren Posten des ökologischen Fussabdrucks, der sich nicht so leicht reduzieren lässt. Man kann relativ einfach weniger fliegen, weniger Fleisch essen und auch sonst einen nachhaltigeren Lebenswandel führen, doch die CO2-Kosten einer ölbeheizten (und schlecht isolierten) Wohnung lassen sich nicht so einfach senken. Man kann in eine Minergie-Wohnung umziehen, doch dann übernimmt die alte Wohnung jemand anders und unter dem Strich ändert sich kaum etwas. Da muss der Hebel an anderer Stelle angesetzt werden. Das CO2-Gesetz versucht es mit dem Verbot von Neuinstallationen von Heizungen, die auf fossilen Brennstoffen beruhen. Wenn das nicht der richtige Weg ist um Öl- und Gasheizungen loszuwerden, welcher ist es dann? Denn loswerden müssen wir diese Monsterfutterschleudern – ob sie nun sehr viel oder sehr wenig Futter schleudern ist dabei nicht so wichtig, denn füttern tun sie das Monster so oder so.

1.4. Verdoppelung der CO2-Abgabe – das benachteiligt unser Gewerbe und unsere Wirtschaft im internationalen Wettbewerb und gefährdet letztendlich Arbeits- und Ausbildungsplätze!

Die CO2-Abgabe auf Heizöl und Gas wird mehr als verdoppelt, von 96 auf neu bis zu 210 Franken pro Tonne CO2.
Stellen wir uns vor, wir haben ein Restaurant und wir kreieren ein fantastisches, neues Gericht. Den Preis errechnen wir aus den Wahrenkosten und dem Deckungsbeitrag. Alles läuft auch wunderbar, doch auf einmal kommt die Müllabfuhr und erklärt uns, dass die Essensreste von unserem fantastischen, neuen Gericht sich irgendwie nicht den anderen Abfällen vertragen und diese deshalb als Sondermüll behandelt werden müssen. Was natürlich extra kostet. Wer wird dann wohl für die zusätzlichen Kosten aufkommen müssen? Der Souverän? Können wir uns darauf herausreden, dass früher die Essensreste als Normalmüll entsorgt wurden und es folglich auch in Zukunft so verrechnet werden muss? Und dass wir mit den Essensresten unseres fantastischen, neuen Gerichts früher oder später die Müllverbrennungsanlage explodieren lassen, braucht uns folglich auch nicht zu interessieren?
Macht es keinen Sinn die Abgaben auf etwas, das uns teuer sehr, sehr teuer zu stehen kommt, zu erhöhen um die Leute dazu zu motivieren diese Sache weniger zu tun? Und daran, dass die Klimaerwärmung uns teuer zu stehen kommt, daran sollte inzwischen kein Zweifel mehr bestehen.

  • Die behauptete Lenkungswirkung der CO2-Abgabe ist höchst fraglich: Eine einmal installierte Heizung wird aufgrund der hohen Investitionskosten in der Regel bis ans Lebensende weiterbetrieben. Eine Erhöhung der Abgabe auf den Brennstoff führt somit frühestens dann zu einer Lenkungswirkung, wenn die Heizung ohnehin ersetzt werden muss. Bis zu diesem Zeitpunkt muss die Lenkungsabgabe wohl oder übel bezahlt werden. Das ist ungerecht.
    Was aber, wenn sich das Ersetzen einer Heizung lohnt?
  • Die Lenkungswirkung der CO2-Abgabe ist bei Mietern inexistent: Mieterinnen und Mieter bezahlen die CO2-Abgabe via ihren Nebenkosten, haben aber bei der Auswahl des Heizsystems keine Mitsprache. Dies ist eine weitere Ungerechtigkeit, der Mieter mit dem neuen Gesetz ausgesetzt sind. Für den Hausbesitzer besteht kein Anreiz, zu einem erneuerbaren System zu wechseln.
    By the way: Werden die Wohnungen mit alten Heizsystemen wegen der hohen Nebenkosten nicht ziemlich schnell mal Zeit unattraktiv? Ist das keine Lenkungswirkung?
  • Die schweizerische CO2-Abgabe ist bereits heute die höchste der ganzen Welt. Eine Verdoppelung ist nicht zu rechtfertigen und schwächt den Standort Schweiz.
    So ziemlich alles ist in der Schweiz das teuerste der ganzen Welt.

1.5. Flugticketabgabe – das trifft vor allem junge, reisefreudige Leute, Familien mit Kindern und schädigt unsere Flughäfen in Genf und Zürich!

Es wird eine neue Steuer von 30 bis maximal 120 Franken auf Flugtickets eingeführt.
Was wenn es üblich wäre, nach jedem Flug 500 Liter Öl ins nächste Gewässer zu schütten? Wäre das ein Grund die Ticketpreise zu erhöhen um so die Sanierung der Gewässer zu finanzieren?

  • Die Abgabe wird niemanden vom Fliegen abhalten. Wer es sich leisten kann, wird die Abgabe kaum bemerken. Wer weniger finanzielle Mittel hat, wird das Geld woanders einsparen müssen. Es findet kein Flug weniger statt.
    Wirklich? Wieso genau fliegen dann ärmere Menschen weniger als reiche? Sie können das Geld ja auch jetzt schon woanders einsparen, oder nicht?
  • Um Geld zu sparen, werden Kunden auf Flughäfen im grenznahen Ausland ausweichen, was eine zusätzliche CO2-Belastung durch die Autofahrt zum Flughafen zur Folge hätte.
    Verglichen mit dem CO2, das mit dem Flug ausgestossen wird, ist der Beitrag des Autos in diesem Fall marginal.
  • Der Flughafen Basel wird gegenüber den anderen Schweizer Landesflughäfen bevorteilt, da die Schweizer Flugticketsteuer im französischen Teil des Flughafens nicht erhoben werden kann.
    Zumindest so lange, bis auch Frankreich die Steuer erhöht. Der Klimawandel ist ein globales Problem und jedes Land wird früher oder später drastische Massnahmen ergreifen um den CO2-Ausstoss massiv zu reduzieren.
  • Die Flugbranche und insbesondere die Landesflughäfen leiden am meisten unter der Corona-Krise. Was sie am wenigsten gebrauchen können, sind neue Abgaben und eine weitere Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit.
    Auch die Henkerbranche hat mächtig gelitten unter der Abschaffung der Todesstrafe.
  • Internationale Unternehmen könnten bei einer willkürlichen Verteuerung der Flugticketpreise ihre Hauptsitze ins Ausland verlegen. Die Rolle des Flughafens Zürich als Hub ist gefährdet.
    Dieses Argument schleicht sich jedes mal irgendwo ein. Das ändert aber nichts daran, dass man mit Erpressern nicht verhandeln soll. Nun ja, verhandeln schon, aber ihren Forderungen nicht nachkommen. Zumindest nicht vollumfänglich.

Die Frage, ob Fliegen überhaupt gerechtfertigt werden kann, wird irgendwie gar nicht erst gestellt. Klar, manche Flüge sind notwendig. Und manche sicherlich auch verdient. Aber Anspruch auf Fliegen gibt es nicht. Genauso wenig wie es einen Anspruch auf Tierquälerei gibt.

1.6. Privatflugabgabe – das schadet unserer Wettbewerbsfähigkeit!

Jeder Start eines Privatflugzeugs von über 5700 kg Startmasse soll mit einer Abgabe zwischen 500 und 3000 Franken belastet werden.

  • Internationale Unternehmen könnten bei einer willkürlichen Verteuerung der Geschäftsfliegerei ihre Hauptsitze ins Ausland verlegen.
    Und weil das Argument so gut ist, gleich zweimal?
  • Kleinflughäfen würden bei einem Rückgang der Geschäftsfliegerei empfindliche Umsatzeinbussen erleiden. Dies würde dazu führen, dass einige von ihnen schliessen müssten, weil sie nicht mehr rentabel betrieben werden könnten.
    Auch Folterknechte mussten sich neue Berufe suchen als sich die Menschenrechte durchsetzen… Natürlich muss man Stellen schützen. Aber nicht jede um jeden Preis. Die Zeiten ändern sich.

Mein Fazit: Irgendwie scheint die SVP nicht viel Vertrauen zu haben in die Innovationsfähigkeit der Schweiz…

2. «Nutzlos»

2.1. Das CO2-Gesetz hat keinen spürbaren Einfluss auf das Klima – und dafür sollen wir Milliarden zahlen, unsere Bevölkerung und unser Gewerbe massiv belasten?

  • Die Schweiz ist gerade einmal für einen Tausendstel des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich. Selbst wenn wir von heute auf morgen unseren CO2-Ausstoss auf null herunterfahren, hätte dies keinen Einfluss auf das Weltklima.
    Die Schweiz hat auch etwa einen Tausendstel der Erdbevölkerung (8,67 Mio von 7.77 Mia, Stand 1.5.2021). Als Vorreiter im CO2-Sparen kommen wir damit nicht wirklich rüber.
    Wichtiger aber ist, dass wir mit unseren 4.19 Tonnen CO2 pro Jahr in Sachen pro Kopf Emissionen auf Platz 25 stehen (Stand 2019, Quelle statistika.com).
    Okay… laut Wikipedia und ihre Quellen stehen wir auf Platz 61, knapp über dem Mittelwert der Welt.
    Das „gute“ Abschneiden verdankt sich zu einem grossen Teil dem Umstand, dass wir einen grossen Teil unseres Stroms mit Wasserkraft herstellen. Was nicht das Verdienst unserer Charakterstärke oder Innovationsfähigkeit ist, sondern der unserer Topographie. (Übrigens: Der Klimawandel gefährdet genau diesen Energielieferanten.)
  • Solange die Hauptemittenten (China, USA, Russland, Brasilien usw.) ihren CO2-Ausstoss nicht markant senken, bringt ein teurer Alleingang der kleinen Schweiz niemandem etwas.
    Das stimmt natürlich. Es nimmt uns aber auch nicht aus der Verantwortung. Und dass es ein Alleingang wäre, kann man so auch nicht sagen. Wir sind nicht mal in der Top Ten der Länder mit den höchsten Leistungen für den Klimaschutz (wobei nicht mal die Nummer 1, Schweden, „sehr gut“ abschnitt, denn nicht mal dort wurde der erforderliche Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung erreicht.
  • Es ist für die Entwicklung des Weltklimas irrelevant, wann die Schweiz CO2-neutral wird. Die Fixierung auf eine konkrete Jahreszahl ist blosse grüne Propaganda.
    Alle müssen CO2-neutral werden. So schnell wie möglich.
    Würde es dem Wirtschaftsstandort Schweiz nicht gut tun, wenn er frühzeitig auf zukunftstaugliche Regulierungen setzt? Ist eine Schweiz, die nachhaltige Technologien schätzt und fördert nicht attraktiv für Unternehmen, die in diesen Branchen unterwegs sind? Unattraktiv wird sie lediglich für ignorante Fossilien, die einfach weiter machen wollen, wie bisher.
  • Der CO2-Ausstoss der Schweiz sinkt auch ohne CO2-Gesetz kontinuierlich – die Schweiz ist bereits heute vorbildlich unterwegs: In Neubauten werden keine Öl- und kaum noch Gasheizungen eingesetzt, der Anteil an Elektro- und Hybridfahrzeugen steigt beständig und die bestehende Heiz- und Motorentechnologie wird immer effizienter.
    Der CO2-Ausstoss der Schweiz sinkt. Und das ist natürlich gut so. Die Frage ist aber, ob er es genug tut. Die Antwort ist leider Nein.
  • Die Schweizer Bevölkerung hat ihren CO2-Ausstoss pro Kopf in den letzten 10 Jahren um knapp 24% reduziert. Eine Fortführung dieser Entwicklung resultiert bis 2030 in weniger als der Hälfte des Pro-Kopf-Ausstosses von 1990. Eine Verschärfung mit der Brechstange ist nicht nötig.
    Das ist ja alles schön und gut, aber es ist kein Argument, wenn es nicht genug ist.

Welche Position die SVP wohl einnehmen würde, wenn nicht von CO2-Ausstoss sondern von Ausländer-Einwanderung (die in den letzten Jahren ja auch sinkt) die Rede wäre? Kann man auch da auf die Brechstange verzichten?

2.2. Das CO2-Gesetz ist ein Bürokratiemonster – es ist nicht nur nutzlos, sondern auch schädlich!

  • Das CO2-Gesetz bläht den Staatsapparat noch weiter auf und bringt für den Bürger zahlreiche neue Regeln, Vorschriften und Verbote.
    Gegen Regeln, Vorschriften und Verbote ist – finde ich – nichts einzuwenden, wenn sie Sinn machen. Wenn zum Beispiel Minarette verboten oder Kleidungsvorschriften erlassen werden. Ob das aber auch zwingend den Staatsapparat aufbläht? Ich weiss nicht. Und selbst wenn. Manchmal lohnt es sich, wenn damit kriminelle Ausländer ausgeschafft werden können. Oder sehe ich das falsch? *ironieaus*
  • Der Staat will dem Bürger vorschreiben, wie er zu leben hat.
    Ist nicht genau dafür der Staat da? Damit er dafür sorgt, dass sich die Bürger an die Regeln halten? Und sind wir nicht ein Demokratie, damit der Staat uns das richtige vorschreibt?
  • Das Parlament hat das CO2-Gesetz komplett überladen. Einige Artikel sind derart kompliziert geschrieben, dass selbst Experten sie kaum verstehen.
    Okay? Und daraus folgt? … Ressentiments gegen die Elite?
  • Die neuen Benzin-, Diesel-, Heizöl- und Flugticketsteuern sollen in einen «Klimafonds» fliessen, aus dem die Verwaltung dann wahllos Geld verteilen kann. Dafür sollen der Ausbau und Unterhalt der Strassen vernachlässigt werden. Gleichzeitig werden die Gelder dem Nationalstrassen- und Agglomerationsfonds NAF entzogen und dies entgegen dem entsprechenden Entscheid des Schweizer Stimmvolks aus dem Jahr 2017.
    Könnte der „Klimafond“ beispielsweise finanzschwachen Pensionären helfen die Heizung auszutauschen? Rein theoretisch meine ich?

2.3. Nutzlos und gefährlich: Es ist keine vernünftige Alternative zur fossilen Energie vorhanden!

Die Mineralölbranche trägt den Hauptteil zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Energie bei. Selbst bei schlimmsten Krisen und Versorgungsengpässen kann die Gesellschaft mindestens vier Monate lang mit fossiler Energie versorgt werden. Wer einen vollen Heizöltank im Keller hat, muss sich den ganzen Winter über keine Sorgen über sein Warmwasser oder seine Heizung machen. Es ist höchst verantwortungslos, diesen Vorteil ohne Alternative aufzugeben.
Ob keine vernünftigen Alternativen vorhanden sind, darüber scheiden sich die Geister. Experten scheinen nicht so pessimistisch zu sein.
Es ist aber genauso verantwortungslos dem Klimawandel nichts entgegen zu setzen. Insbesondere da es dort tatsächlich keine Alternativen gibt.

  • Es ist höchst unklar, woher zukünftig der Strom für die zahlreichen Elektroautos und Wärmepumpen kommen soll. Wir werden unsere Atomkraftwerke mittelfristig herunterfahren. Gleichzeitig liefern die erneuerbaren Energien nicht annähernd ausreichend Strom. Dadurch werden wir abhängig vom Ausland. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der EMPA vom Juli 2019. Da auch in den Nachbarländern die Stromversorgung auf erneuerbar umgestellt wird, ist im Krisenfall nicht damit zu rechnen, dass wir noch Strom aus dem Ausland beziehen können.
    Ich halte den Ausstieg aus der Atomkraft im Kontext der Klimaerwärmung tatsächlich für problematisch. Aber okay, mit dem CO2-Gesetz ist es also ungewiss, ob die Stromversorgung sichergestellt werden kann. Aber auch hier ist die Frage: Was ist die Alternative. Elektroautos und Wärmepumpen sind auch ohne CO2-Gesetz auf dem Vormarsch. Weil sie kosteneffizienter sind. Das heisst der Stromverbrauch wird auch ohne CO2-Gesetz steigen.
    Etwas mehr als 50% der Stromproduktion kommt aus der Wasserkraft. Und diese ist direkt vom Klimawandel betroffen. Die Stromversorgung ist also so oder so gefährdet.
  • Es drohen massive Strommangellagen bzw. Stromausfälle. Ein Szenario, welches gemäss Studien des Bundes deutlich gravierendere Konsequenzen hat als Pandemien oder der Klimawandel.
    Also da hätte ich schon gern den Link zu den Studien des Bundes.
    Mich nähme schon Wunder, wie man Strommangel aufgrund von CO2-Gesetz, Strommangel aufgrund von Klimawandel, gebremste und ungebremste Pandemien und den Klimawandel als Ganzes gegeneinander abwägt.
    Ganz besonders interessant finde ich, dass die Konsequenzen des Klimawandels offenbar bereits bekannt sind (und die SVP bereits mit ihnen kalkuliert(?)).

Zu diesem Punkten – muss ich eingestehen – kann ich leider kaum etwas anmerken. Auf den Webseiten von Organisationen, die mir politisch näher stehen, werden optimistischere Bilder gezeichnet was die Alternativen betrifft. Dafür werden dort aber auch die Gefahren des Klimawandelns sehr ernst genommen. Bei der SVP fehlt mir dagegen irgendwie jedes Zeichen dafür, dass man sich überhaupt bewusst ist, dass da etwas grosses auf uns zurollt. Und das kratzt schon ein bisschen an der Glaubwürdigkeit ihrer Einschätzungen. Aber natürlich könnte das auch nur mein Confirmatuion-Bias sein.

2.4. Nutzlos und innovationsfeindlich: Anstelle von immer mehr Steuern, Verboten und Vorschriften setzen wir auf Innovation!

  • Der Weg hin zur angestrebten Klimaneutralität ist nur möglich über Forschung, Innovation und nachhaltige Anreizsysteme, nicht über Verbote, Vorschriften und neue Steuern.
    Jap. Da sind wir uns einig.
    Zumindest fast, denn Verbote, Vorschriften und neue Steuern sind Anreizsysteme und können meines Erachtens der Forschung und Innovation durchaus einen Schubser geben.
  • Das CO2-Gesetz gibt zu einseitig den Weg in Richtung bestimmter Technologien vor (bspw. Elektromobilität). Somit wird Innovation im Keim erstickt – vielleicht stellt sich ein anderes System als überlegen heraus, bspw. die Wasserstoffmobilität.
    So wie ich es verstehe, wird das CO2 geächtet. Für alle andere stehen die Türen offen.
  • Die CO2-Bilanzen der verschiedenen Technologien müssen endlich ganzheitlich betrachtet werden: Gemäss einer Studie des Fraunhofer-Instituts braucht ein Elektroauto mit einer nur 40 Kilowatt grossen Batterie, das an der Steckdose geladen wird, eine Laufleistung vom 72’000 km, um einen CO2-Vorteil gegenüber einem Benzinfahrzeug aufzuweisen. Bei einer 58 kWh grossen Batterie sind es bereits 100’000 km, bei 95 kWh sind es 166’000 km bis zu einem Klimavorteil gegenüber einem Diesel. Das heisst bei der Herstellung eines Elektroautos wird doppelt so viel Umwelt zerstört, wie bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.
    Da ist durchaus was dran. Ich bin aber etwas skeptisch, ob die erwähnten Zahlen immer noch aktuell sind. Hätten sie die entsprechende Studie verlinkt, könnte man das überprüfen.
    Hinzu kommt – und lehne ich mich bewusst sehr weit aus dem Fenster raus -, dass 1 Tonne CO2 aus erneuerbaren Quellen besser ist als 1 Tonne CO2 aus fossilen. Das heisst, wenn ein Elektroauto sehr viel weniger effizient Solarstrom frisst als ein Benzinauto Benzin, dann hat immer noch das Elektroauto die Nase vorn.
  • Das CO2-Gesetz zielt auf die Abschaffung ganzer Infrastrukturen im Heizungs- und im Tankstellenbereich ab. Wenn aber einmal alle Ölheizungen und fossilen Zapfsäulen verschwunden sind, kann sich allfällige Innovation gar nicht mehr entwickeln, namentlich synthetische oder biogene Brenn- und Treibstoffe.
    Verstehe ich das richtig? Ohne fossile Zapfsäulen ist eine Innovation in synthetischer und biogener Brenn- und Treibstoffentwickung unmöglich? Müsste dann nicht die Elektroautoindustrie im Keim erstickt worden sein, wo es doch keine elektrischen Zapfsäulen gab?

2.5. Das CO2-Gesetz ist nicht nur nutzlos, sondern sogar kontraproduktiv!

Nach meiner Ansicht ist diese Argumentationslinie die einzig legitime. Ob das Argument aber einer kritischen Prüfung standhält, wird sich zeigen.

  • Das CO2-Gesetz verhindert den Einsatz von Bio-Treibstoff, denn darin sind biogene Treibstoffe nicht mehr steuerbefreit. Damit wird eine der wirksamsten Massnahmen zur CO2-Einsparung abgewürgt.
    Sie picken sich die eine nachhaltige Technologie heraus, der es an den Kragen geht, so es denn tatsächlich so ist – was ich ehrlich gesagt bezweifle -, stilisieren es hoch als einzige Rettung und führen sie in die Schlacht. Obwohl sie zuvor wahrscheinlich vehement gegen die Steuererleichterung für diese innovative Technologie gewesen sind.
  • Das CO2-Gesetz wird aufgrund der darin enthaltenen Verteuerung der Mobilitäts- und Energiekosten zahlreiche Firmen dazu bringen, ihre Produktionsstandorte aus der Schweiz in andere Weltgegenden zu verlegen, in denen es keine Vorschriften bezüglich CO2-Emissionen gibt. Dies schwächt den Standort Schweiz und schadet dem Klima unter dem Strich sogar!
    „Wenn ich die Drogen nicht verkaufe, dann tut es jemand anders und der wird seinen Stoff noch viel mehr strecken als ich. Ich verkaufe die Drogen, weil ich mich um die Gesundheit meiner Kunden sorge.“ (Dass das Argument absurd ist, ist klar, aber ich frage mich, ob man sich nicht vielleicht sogar strafbar macht, wenn man es benutzt?)
    Am traurigsten finde ich aber, dass die SVP hier ziemlich unverhohlen behauptet, dass nicht die Qualität der Schweizer Arbeitskräfte oder die Planungssicherheit der Schweizer Gesetzeslandschaft, sondern die tiefen Energiekosten, Steuern und Umweltauflagen die Firmen dazu bewegen sich hier niederzulassen.

Die Planungssicherheit ist aber durchaus ein Punkt, den man sich etwas genauer anschauen sollte. Firmen müssen sich darauf verlassen können, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen, wenn schon nicht gar nicht, so doch in vorhersehbarer Weise entwickeln. Es ist durchaus im Interesse der Firmen, dass neue Erkenntnisse berücksichtigt werden und die Regeln den Gegebenheiten angepasst werden. Die Abschaffung der Sklaverei, der Vaterschaftsurlaub und das CO2-Gesetz sind kein Standortnachteil. Sie sind die logischen Konsequenzen der Erkenntnisse, die diesen Entscheidungen zugrunde liegen.
Es stellt sich nur die Frage, ob man lieber an einem Wirtschaftsstandort handelt, wo die Regeln, die sich früher oder später überall durchsetzen werden, früher oder später eingeführt werden? Ich sehe Gefahren und Chancen für beide Varianten, aber ich denke, dass innovative Firmen sich in einem progressiven Umfeld wohler fühlen werden.

Doch selbst, wenn dem nicht so ist, wenn die Zeit drängt, muss man sich bewegen, auch wenn man eigentlich gern noch abgewartet und von den Erfahrungen der anderen profitiert hätte.

3. «Ungerecht»

3.1. Mehrbelastungen für Familien, Pendler, Land- und Bergbevölkerung

  • Nicht alle sind von den Massnahmen des CO2-Gesetzes gleich stark betroffen: Familien, Auto-Pendler sowie die Land- und Bergbevölkerung werden stärker unter den neuen Abgaben leiden als ÖV-Benutzer oder die Stadtbevölkerung.
    Genau deshalb muss sich die Politik etwas ausdenken um jenen, denen es schwerer fällt, unter die Arme zu greifen.

3.2. Bestrafung von Mietern und Randregionen

  • Die zahlreichen Abgaben im CO2-Gesetz sind eine riesige Umverteilungsmaschinerie: «Gutes» Verhalten wird belohnt, «schlechtes» Verhalten wird bestraft. Zahlreiche Bürger – bspw. Mieter oder Bewohner von Randregionen – haben aber keinen Einfluss darauf, ob sie sich «gut» oder «schlecht» verhalten.
    Ist es denn falsch, dass gutes Verhalten belohnt und schlechtes bestraft wird? Und wenn jemand aufgrund von Umständen, die er nicht beeinflussen kann, sich schlecht verhält, ist es dann traditionell wirklich die SVP, die sich dafür einsetzt ein Auge zuzudrücken?

3.3. Es trifft das Kleingewerbe

  • Industrie- und Gewerbebetriebe mit hohem Energieverbrauch wie bspw. Bäckereien werden stärker zur Kasse gebeten als Banken oder Werbeagenturen. Dies führt zu einer Verteuerung von Gütern des täglichen Bedarfs, welche die Konsumenten zu tragen haben.
    Gute Idee endlich mal die Banken zur Kasse zu bitten…

3.4. Es trifft die unteren und mittleren Einkommensschichten

  • Wohlhabende Personen spüren die zahlreichen Abgaben gar nicht. Für Personen mit niedrigem Einkommen sind 200 Franken Mehrkosten pro Jahr für Benzin, Heizöl oder die jährlichen Sommerferien aber bereits einschneidend.
    … und die wohlhabenden Personen …

… vielleicht kann man es sich dann leisten den Personen mit niedrigem Einkommen während der schwierigen Zeit der Umstellung etwas unter die Arme greifen?

4. Und dann kommen noch ein paar weitere Argumente

4.1 Das CO2-Gesetz ist erst der Anfang

Sowohl die Grünen als auch die Klimajugend bezeichnen das CO2-Gesetz immer wieder als notwendigen, aber ungenügenden ersten Schritt und haben ihre Pläne für weitergehende Massnahmen bereits dargelegt.
„Klopf, klopf“ – „Wer da?“ – “ DER KLIMAWANDEL!“
Natürlich sind das nur die ersten Schritte. Denn die reichen nicht. Und das wissen alle (die den Klimawandel ernst nehmen).
Wir können erst aufhören zu laufen, wenn die Temperatur nicht mehr steigt. Oder besser noch, wenn sie wieder auf ein vernünftiges Level gesunken ist.

  • Wenn das CO2-Gesetz durchkommt, werden in einem nächsten Schritt noch deutlich schärfere Massnahmen gefordert, wie bspw. Verbote für Verbrennungsmotoren, Kurzstreckenflüge oder Fleischkonsum. Hohe Steuern auf «klimaschädliche Produkte» sind so gut wie sicher. Dies bedeutet eine totale Bevormundung der Bevölkerung.
    Sollten denn „klimaschädliche Produkte“ angesichts des Klimawandels nicht so schnell wie Möglich vom Markt verschwinden?
    Aber es stimmt schon, eine gewisse Bevormundung kann man nicht leugnen. Doch so funktioniert das eben in einem Rechtsstaat. Es gibt Regeln, an die man sich im Interesse der Allgemeinheit halten muss. Ist es denn auch (totale) Bevormundung, dass man (total) nicht töten darf?
    Totale Bevormundung? Selbst wenn alle menschen-, kultur- und klimaschädlichen Produkte verboten werden, wird man noch immer Freiheiten haben. Und sei es nur ungestraft die, sagen zu können, dass man es für eine totale Bevormundung hält.
  • Das CO2-Gesetz ist kein «gutschweizerischer Kompromiss», wie immer wieder behauptet wird, sondern ein radikales, völlig überladenes Gesetz, dem die Mitteparteien nur unter dem Eindruck der Klimastreiks zugestimmt haben.
    Hat mit den Klimastreiks nicht das Volk gesprochen?
    Und wenn das Volk spricht, sollte das Parlament dann nicht zuhören?
    Und wird das Volk nicht entscheiden, ob es sich das Gesetz geben will?
    Oder ist nur die Meinung der SVP die Volksmeinung™?

4.2 Befürworter haben finanzielle Interessen

Die Mineralöl- und Verkehrsverbände werden in der öffentlichen Diskussion stets als diejenigen dargestellt, die das Gesetz nur aus Eigennutz bekämpfen. Dabei ist das Gegenteil der Fall:
Nur um das klar zu stellen. Indem das Gegenteil der Fall sein soll, wird hier nicht etwa gesagt, dass auch die Befürworter des Gesetzes aus Eigennutz handeln, sondern dass allein die Befürworter des Gesetzes aus Eigennutz handeln, während die Mineralöl- und Verkehrsverbände das Gesetz völlig uneigennützig bekämpfen?

  • Diejenigen Wirtschaftszweige, die sich für das CO2-Gesetz einsetzen, profitieren ganz direkt finanziell von dem geplanten Klimafonds und den neuen Vorschriften und Regulierungen im CO2-Gesetz. Sie wollen die günstigere, fossile Konkurrenz mit Regulierung aus dem Markt drängen. Die Gegner des Gesetzes setzen sich hingegen für gleich lange Spiesse und einen möglichst freien Markt ein.
    Echt jetzt? Alteingesessene Akteure mit dicken Portemonnaies und guten Verbindungen zur Regierung haben gleich lange Spiesse wie neue Akteure ohne Geld und mit Ideen und Bedenken, die viele noch nicht so richtig begreifen?

Ganz allgemein: Sind finanzielle Interessen denn etwas schlechtes? Ändern sie etwas an der Gültigkeit der Argumente? Die einzige Konsequenz von finanziellen Interessen sollte sein, dass man, wenn es diese irgendwo gibt, die Argumente etwas genauer unter die Lupe nimmt, weil finanzielle Interessen die Leute motivieren können, unliebsame Details zu übersehen.

4.3 Klimajugend hat ganz andere Ziele: «System change, not climate change»

  • Die Klimajugend spricht offen von einem Systemwechsel, weg von einem marktwirtschaftlichen hin zu einem sozialistischen Gesellschaftsmodell. Solche Tendenzen haben in der Geschichte immer nur zu Elend, Not und Niedergang geführt.
    Systemwechsel ja. Weg von einem System, das gravierende Mängel aufweist, ist wünschenswert, welches System aber die Lösung bietet, darüber scheiden sich die Geister.
    Ja, bei manchen schwirrt ein sozialistisches im Kopf rum, bei anderen aber andere.
    Alle Kritiker in den gleichen Topf zu werfen ist populistisch.

Ob Systeme, die als sozialistisch bezeichnet wurden, tatsächlich sozialistisch waren, darüber lässt sich streiten, zweifellos funktionierten sie aber nicht so, wie erhofft.
Es ist aber ja auch nicht so, dass das marktwirtschaftliche System Elend und Not und den Klimawandel verhindert hätten.

4.4 Handel mit dem Ausland

Die Befürworter argumentieren stets, mit dem neuen CO2-Gesetz würde kein Geld mehr ins Ausland abfliessen und es würden dafür Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen. Dieses Argument lässt sich leicht kontern.

  • Es liegt in der Natur der Marktwirtschaft und der Globalisierung, dass Produkte dort hergestellt werden, wo sie am günstigsten sind und wo das Know-how am höchsten ist. Gemäss der Argumentation der Befürworter dürfte man keinen französischen Wein, keine koreanischen Handys und keine deutschen Autos mehr importieren, sondern müsste alles in der Schweiz herstellen.
    Nicht wirklich. Vielleicht sollte man sich mal anschauen, was die Befürworter tatsächlich sagen.

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Liebe SVP

Ist es möglich, dass ihr den Klimawandel für Fake oder schlimmstenfalls für harmlos haltet? So spricht man nicht über Monster, die einen bedrohen.
So zurückhaltend sprecht ihr nicht über die Bürokratie, über die Masseneinwanderung oder über die EU. Eure Monster.
Was genau macht diese Dinge eigentlich in euren Augen so gefährlich? Dass sie uns unglaublich viel kosten werden und damit uns unserer Lebensgrundlage berauben?
Was denkt ihr, was der Klimawandel kostet und anstellt?

Was schlagt ihr vor?
Wie lässt sich der Klimawandel verhindern?
Wie lässt sich der CO2-Verbrauch der Schweiz und der ganzen Welt massiv senken?
Zur Zeit wehrt ihr euch ja nur gegen alle möglichen unbequemen Wege.
Welcher Weg soll es denn statt dessen sein?
Wird er reichen?
Und was wenn nicht?
Wird er schmerzen?
Wo darf er schmerzen?

Interessengruppen

Die Fälle steigen wieder und der Bundesrat erwägt – entgegen der Empfehlung der Taskforce – Lockerungen der Massnahmen. Und die bürgerlichen Parteien finden, dass die Taskforce sich lieber nicht öffentlich äussern sollte.

Sehr starke Interessengruppen drängen auf Lockerungen. Dem kann sich der Bundesrat nicht einfach entziehen.

Randnotiz: Ich frage mich, was eine Interessengruppe so stark macht, dass sie sogar den Bundesrat in Bedrängnis bringen kann? Die Zahl der Interessierten kann es nicht sein, denn es gibt Interessen, die viel mehr Leute verbinden. Es liegt wohl daran, dass sich hier  diese Interessen einer Person kristallisieren, die beim Bundesrat vorstellig wird.
Ist das aber nicht unfair den anderen Interessen gegenüber? Nur weil sich bei ihnen nichts kristallisiert, bedeutet das nicht, dass ihre Anliegend nicht genauso dringend sind.
Vielleicht verhindert der Umstand, dass ein gemeinsames Interesse von zu vielen geteilt wird, die Kristallisation? Vielleicht eignen sich nur gewisse Interessen zum Kristallisieren? Vielleicht braucht die Kristallisation auch den Katalysator Geld?

Ich finde, dass die Sorgen, welche die Interessengruppen vortragen, durchaus berechtigt sind und unbedingt gehört werden müssen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie Basis für eine Entscheidung des Bundesrats sein sollten.
Entscheidungen sollten möglichst auf evidenzbasierten Erkenntnissen basieren. Wenn Epidemiologen sagen, dass nur ein kompletter Shutdown das Virus stoppen kann, dann hat das eine ganz andere Qualität als wenn der Wirteverband sagt, dass damit das Gastgewerbe zerstören würde. Deshalb ist es auch ausgemachter Nonsens einen Kompromiss finden zu wollen, zwischen Epidemiologie und Wirteverband.

Wie ich aber sagte, die Sorgen des Wirteverbands sind berechtigt und sie müssen unbedingt gehört werden. Aber nicht vom Bundesrat um eine Entscheidung zu treffen, sondern von den Wirtschaftswissenschaften, die das untersuchen und ihre Befunde als evidenzbasierte Erkenntnisse dem Bundesrat präsentieren.

Erst hier fangen die Kompromisssuche an: zwischen den Empfehlungen und Warnungen von Epidemiologie, Wirtschaftwissenschaft, Umweltwissenschaft, Kulturwissenschaft, etc. Und natürlich der Edi-O-matik.

Brief an den Bundesrat

Was geht da wirklich vor? Ist da wirklich ein Virus, welches weltweit bereits mehr als 2.5 Millionen Menschen umgebracht hat? Fast so viel wie in der gleichen Zeit Durchfallerkrankungen (1.4 Mio) und Verkehrsunfälle (1.2 Mio) zusammen? Oder ist das alles ein riesiges Missverständnis, respektive eine globale Verschwörung, der wir alle brav aufsitzen?

Alle? Nein! Nicht alle sitzen ihr auf. Eine von unbeugsamen Querdenkern bevölkerte Ecke des Internets hört nicht auf Widerstand zu leisten und unbequeme (angeblich wissenschaftlich fundierte) Fragen zu stellen…

Doch taugen die Fragen wirklich etwas? Sie stammen ja nicht von Wissenschaftlern, sondern von normalen Menschen, die das eigenständige Denken für sich entdeckt haben.

Ein Freund von mir teilte auf Facebook den offenen Brief einer gewissen Elisabeth Vetsch aus dem schönen Rheintal. Schauen wir uns mal an, was sie über die ganze Sache denkt.

Elisabeth Vetschs Argumenteund meine Gedanken dazu
Herr Bundespräsident Parmelin, Herr Bundesrat Berset
Früher hätte ich ja «Sehr geehrter Herren …» geschrieben, weil man zu meiner Zeit zu Hause noch Anstand gelernt hat. Das lasse ich jetzt aber bewusst weg, weil Sie für mit nicht mehr «sehr geehrt» sind.Als eine anständige Person hätte sie sich, noch bevor sie die inzwischen fehlende Hochachtung gegenüber diesen Personen zum Ausdruck gebracht hätte, eigentlich um eine geschlechtergerechte Sprache bemühen müssen. Man will ja niemanden missgendern, auch dann nicht, wenn man die Person nicht besonders mag.
Zunächst, wie mir beigebracht wurde i.S. Anstand , möchte ich mich kurz vorstellen:
Ich heisse Elisabeth Vetsch, bin 75 Jahre alt, habe 5 Kinder, 9 Gross- und 5 Urgrosskinder und wohne im schönen St. Galler Rheintal.
Ist es erfahrungsgemäss nicht so, dass wenn jemand seine eigenen Qualitäten unterstreicht, in diesem Fall den Anstand, und das gleich zweimal hintereinander, dann kann man in der Regel davon ausgehen, dass es bei der Person um genau diese Qualität nicht so gut bestellt ist?
Nun zu Ihnen: Wie ich der Vita von Herrn Berset entnehme, mussten Sie in Ihrer Jugend nie für etwas arbeiten. Auch nicht für Ihr doch ziemlich langes Studium. Mit arbeiten meine ich körperliche Arbeit. Das soll jetzt nicht abwertend sein, sondern ist einfach eine Tatsache. Sie mussten nie überlegen, ob Sie die Miete noch bezahlen können oder überhaupt noch Geld da war für Lebensmittel. Deshalb ist es irgendwie verständlich, dass Sie die Sorgen und Existenzängste des «kleinen Mannes», d.h. der arbeitenden Bevölkerung, nicht nachvollziehen können.Ich verstehe nicht ganz, warum arbeiten hier unbedingt körperliche Arbeit sein muss? Kann man nicht auch als Architekt in eine Situation geraten, wo man nicht mehr weiss, wie man die nächste Miete bezahlen soll?

Aber es stimmt schon, man misst Dingen, die man nie erlebt hat, nicht das Gewicht bei, das sie für die Betroffenen haben. Das heisst aber nicht, dass man mit ein bisschen Empathie nicht nachvollziehen kann, dass diese Dinge lieber vermieden werden sollten.

Die Situation, in der wir uns befinden, lässt sich ungefähr so paraphrasieren: Der „kleine Mann“ steht auf eine Brücke. Er ist müde und ihm tun die Beine weh. Nun kommt ein Architekt und sagt ihm, er solle unbedingt, so schnell wie möglich die Brücke verlassen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Architekt weiss, wie sich müde Beine anfühlen, er weiss, weil er etwas vom Brücken versteht, dass diese Brücke jeden Moment einstürzen wird.

Nicht in den Schuhen des „kleinen Mannes“ gelaufen zu sein, kann schon bedeuten, dass man dessen Ängste nicht nachvollziehen kann, das heisst aber nicht, dass die instinktive Reaktion des kleinen Mannes notwendigerweise auch die richtige ist.

Dass Elisabeth Vetsch umgekehrt die Sorgen eines Staatsmannes nicht nachvollziehen kann, der sich um das Wohl von Millionen von Menschen sorgt, bedeutet schliesslich auch nicht zwingend, dass sie falsch liegt.
Die Vita von Herrn Parmelin sieht ähnlich aus. Sie wuchsen zwar als Bauernsohn auf, hatten aber vermutlich nie finanzielle Probleme. Vielleicht mussten Sie ja körperlich arbeiten, das weiss ich nicht. Aber auch Sie können die Ängste und Nöte eines kleinen
Arbeiters oder eine Putzfrau wohl nicht nachvollziehen. Sie mussten bestimmt nie überlegen, was man den Kindern noch auf den Tisch stellen soll, wenn wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit kein Geld mehr da ist. Sie können nicht mal ahnen, was es bedeutet, schlaflose Nächte zu haben, weil man die Rechnungen nicht mehr bezahlen kann.
Aber offenbar ist der Mangel an körperlicher Arbeit doch nicht so wichtig, um die Sorgen des „kleinen Mannes“ nachvollziehen zu können. Ausschlaggebend ist die Erfahrung des fehlenden Geldes.

Ein Schelm der Böses dabei denkt, dass sie nicht auch die Vita der restlichen Bunderäte zerpflückt hat, wo doch die Entscheide immer als Einheit gefällt werden…
Was sie wohl damit bezweckt? Will sie damit einen Keil zwischen diese treiben? Divide et impera?
Bei den Salären, die Sie von unseren Steuergeldern beziehen, ist das keine Kunst. Sie mussten während der ganzen «Pandemie» auf keinen einzigen Rappen verzichten.Hat das nicht auch sein gutes? Wäre es nicht viel problematischer, wenn die Bundesräte massive finanzielle Einbussen erlitten hätten. Woher wüssten wir dann, dass sie ihre Entscheidungen im Interesse der Volksgesundheit fällen und nicht in dem ihrer plötzlich leeren Portemonnaies?
Denn, wenn Sie es nachvollziehen könnten, müssten Sie Ihre Politik um 180 Grad drehen.Das ist jetzt eine gewagte These:

Leute, die irgendwann einmal am Existenzminimum gelebt haben, sind konsequent gegen strenge Massnahmen zur Eindämmung einer Pandemie.

Selbst wenn das stimmen würde, bedeutet das nicht, dass das auch der beste Weg aus der Pandemie heraus ist.
Existenzängste sind in der Regel ja sehr schlechter Ratgeber, wenn es ums richtige Einschätzen komplexer Situationen geht. Eher im Gegenteil.
Wenn der Zahnarzt bohrt, dann wünscht sich jeder, dass es sofort aufhören möge. Doch obwohl der Zahnarzt vielleicht noch nie selbst ein Loch hatte und daher nicht weiss, wie sich das anfühlt, kann er wesentlich besser einschätzen, wie sich die Schmerzen entwickeln werden, wenn man nichts tut. Und genau deshalb vertrauen wir der Einschätzung des Zahnarztes und lassen die Qual (jammernd) über sich ergehen.

Ich weiss nicht, ob die kleinen Männer sich in dieser Sache tatsächlich einig sind. Ich weiss aber, dass laut einer Erhebung des SRG 74% mehr oder weniger für die Homeoffice-Pflicht, 64% mehr oder weniger für die Beschränkungen öffentlicher Treffen auf 5 Personen, 43% mehr oder weniger für die Schliessung von Einkaufsläden sind und 34% im Notfall mehr oder weniger für eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit in besonders betroffenen Regionen wären.

Zumindest demokratisch scheint der Weg des Bundesrates durch die Pandemie zumindest Streckenweise akzeptabel zu sein.

Wohlgemerkt, persönlich halte ich die Massnahmen für zu zögerlich und zu wenig konsequent und ich halte eine dritte Welle für eine traurige Konsequenz davon. Deshalb schreibe ich dem Bundesrat aber noch lange keinen Brief, in dem ich ihm erkläre, dass er zu blöd ist um auf die wissenschaftliche Taskforce zu hören. Ich bin überzeugt, dass er falsche Entscheidungen getroffen hat, aber ich bin auch überzeugt davon, dass er es gut gemeint hat.
Sie müssten den Menschen endlich wieder eine Perspektive geben, sie arbeiten und leben lassen.Es ist natürlich unbestritten, dass die Menschen leiden und sozial benachteiligte Menschen noch mehr. Und man sollte tatsächlich mit aller Kraft versuchen den Menschen wieder ein Perspektive zu geben.
Das heisst aber nicht, dass nichtsdestotrotz die Notwenigkeit von (irgendwelchen) Massnahmen anerkannt werden muss, wenn man noch mehr Leid verhindern will.
Aber alles, was Sie bis jetzt zu Stande gebracht haben, ist, dass sich die «kleinen Leute» verschulden müssen. Sie lassen ganze Berufszweige ausbluten. Sie vernichten KMU’s, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Massnahmen zwingen die „kleinen Leute“ sich zu verschulden. Sie lassen ganze Berufszweige ausbluten. Sie vernichten KMU’s.
Dass die Behörden die Massnahmen ohne mit den Wimpern zu zucken einführen, wage ich aber zu bestreiten, denn die Massnahmen wurden sehr viel zögerlicher eingeführt als von den Experten gefordert, auf die sich die Behörden berufen.

Bis heute (3.3.2021) sind in der Schweiz 9’310 Menschen an Covid-19 gestorben.
Was denkt Elisabeth Vetsch, wie viele wohl ohne irgendwelche Massnahmen gestorben wären? Schon ein paar mehr, oder? Aber wären es mehr oder weniger gewesen als die Anzahl, die direkt oder indirekt an den Folgen der Massnahmen gestorben sind?
Alle Experten sagen, es wären sehr, sehr, sehr viel mehr gewesen.
Wie kommt es, dass Elisabeth Vetsch es besser weiss?

Aber vielleicht hält sie die Menschenleben, die der ungezügelten Pandemie zum Opfer gefallen wären, ja für einen akzeptablen Preis, wenn damit die Wirtschaft geschont würde.
Wie kommt sie aber darauf, dass die Wirtschaft nicht darunter gelitten hätte, wenn dauernd Mitarbeiter krank werden und sterben, wenn dadurch Lieferketten nicht aufrecht erhalten werden könnten. Wenn Kunden aus Angst vor Ansteckung nicht auftauchen würden. Wenn es keine koordinierte Strategie gegen den unsichtbaren Tod geben würde?
Ausserdem werfen Sie mit unseren Steuergeldern nur so um sich. Der Bund bezahlt die sinnlose Testerei, der Bund bezahlt dieses, der Bund bezahlt das.Sinnlose Testerei?
Wie soll man das verstehen?
Dass die Tests nicht korrekt arbeiten?
Oder dass es für die Ausbreitung der Krankheit keinen Unterschied macht, wenn man weiss wie viele Menschen infiziert sind?

Die Tests werden genutzt um zu erfahren, wo man steht, um dann notfalls entsprechende Massnahmen zur Senkung der Ansteckung zu erlassen. Ob die Zahlen nun korrekt sind oder nicht, sie haben enorme Folgen auf Strategie des Bundesrates.

Und indem der Bund die Tests bezahlt, werden die einkommensschwachen Menschen entlastet, die sich nicht so einfach ins Home-Office zurückziehen können. Indem die Tests gratis sind, schrecken die Kosten niemanden ab sich testen zu lassen. Wodurch die Chance steigt, dass der kranke Kollege in Quarantäne geht statt mich anzustecken.
Und mit wessen Geld bitte bezahlt das der Bund? Mit Steuergeldern. Mit Steuergeldern, die vom «kleinen Mann» mühsam erarbeitet wurden und von unseren Kindern, Gross- und Urgrosskindern wieder zurück bezahlt werden müssen. Diese Schulden, die Sie jetzt so grosszügig machen, müssen die nachfolgenden Generationen schultern.Die Steuergelder, die vom „kleinen Mann“ so mühsam erarbeitet wurden, stammten 2011 zu 2% von den 50% der weniger verdienenden Schweizer Bevölkerung und zu 41% vom 1% der am meisten verdienenden. (In welche Richtung es sich wohl seither auf wessen Initiative hin verschoben hat?)

Mich würde eher interessieren, bei wem genau der Bund die Schulden hat, die wir über Generationen hinaus wieder abstottern werden müssen? Mich würde auch interessieren, wieso die Restaurants schliessen müssen, aber weiterhin die Miete zahlen sollen? Dann lieber nicht schliessen, ist natürlich keine Lösung. Vielleicht aber das bedingungslose Grundeinkommen?
Wofür? Für eine «Pandemie» mit ca. 99,9%iger Überlebenschance. Haben Sie sich einmal mit einer richtigen Pandemie beschäftigt? Z.B. mit der Cholera-Pandemie 1892 in Hamburg? Da wurden die Toten täglich abtransportiert, bald in jedem Haus einer oder manchmal sogar ganze Familien.
Und Sie sperren die ganze Schweiz ein wegen einer Mortalitätsrate von vielleicht 0,1%!
Okay, schauen wir uns die Zahlen für die Schweiz an:
Fälle (Stand 3.3.2021) : 558’622
Tote (Stand 3.3.2021) : 9’310
Das sind 1.6%.

Wie kommt Elisabeth Vetsch auf die 0.1%?
Ich vermute, sie hat die Toten gegen die Gesamtbevölkerung (8.6 Mio, Stand 2019) verrechnet statt gegen die mit Covid-19 Infizierten. Wenn sie nicht voraussetzt, dass fast die ganze Schweiz bereits unbemerkt eine Infektion durchgemacht hat (was sich jedoch sehr deutlich bei den Neuinfektionen bemerkbar machen würde, weil dann ja bereits eine breite Herdenimmunität bestehen würde), dann ist das in etwa so sinnvoll, wie wenn sie sich, nachdem sie mit einem Pilzgericht zwei von ihren vier Gästen vergiftet hat, damit herauszureden versucht, dass die Mortalitätsrate ihrer Kochkunst bei lediglich 0.00002% liege.

Ich will ihr hier aber keine bösen Absichten unterstellen, sie war wohl einfach nicht lange genug in der Schule um für solche Feinheiten sensibilisiert worden zu sein.

Aber sie hat schon recht. Die Mortalitätsrate ist in der Schweiz mit 1.6% relativ klein. Global liegt sie bei 2.2%.
So tief ist sie vor allem dank unseres guten Gesundheitswesens. Wie hoch die Rate wäre, wenn keinerlei Behandlung durchgeführt würde, kann ich nicht sagen. Ich weiss nur, dass sich auch in Bergamo im letzten Frühling die Toten gestapelt haben.

Übrigens, die natürliche Todesrate von Cholera liegt unbehandelt bei ungefähr 60%. Sie lässt sich allerdings mit einer modernen Behandlung auf 2% drücken.
Was denkst Elisabeth Vetsch, mit was man die 1.6% bei Covid-19 vergleichen muss= Mit den 60 oder mit den den 2% bei Cholera?
Sie spalten aufgrund einer Scheinpandemie das Volk, genau nach der Devise: «Spalte und herrsche!»Scheinpandemie im Sinne von einer Pseudokrankheit, die es gar nicht gibt?
Sie hat vorher die Todesrate angegeben. Zwar falsch, aber doch zu hoch für eine Krankheit, die es gar nicht gibt.
Oder Scheinpandemie im Sinne von einer sich weltweit stark ausbreitenden Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen, aber gar nicht so schlimmen Krankheitsverläufen?
Selbst mit den falschen Mortalität, die Elisabeth Vetsch berechnet hat, wäre Covid-19 zwischen 10 und 40 mal tödlicher als die Grippe. (Mit den korrekten Werten wäre es zwischen 200 und 800 mal tödlicher.) Ich frage mich, welche Minimalmortalitätsrate Elisabeth Vetsch von einer echten Pandemie erwartet. (Obwohl die Mortalitätsrate eigentlich überhaupt kein Kriterium der WHO zum Ausrufen einer Pandemie ist. Und auch nie war. Sie zwingt die Politik aber natürlich dazu, gegebenenfalls Massnahmen zu ergreifen. Die Mortalitätsrate, nicht die WHO!)

Sie spalten das Volk?
Die Ansichten im Volk darüber, welche Massnahmen bei deiner Pandemie angebracht sind, gehen auseinander, zweifellos, doch das gehört zu einem demokratischen Diskurs dazu. Wichtig ist, dass dann alle hinter der gemeinsamen Entscheidung stehen.
Das Volk spalten bedeutet tatsächlich, dass man unüberbrückbare Gräben zieht. Eine Rhetorik „wir“ gegen die „anderen“ verwendet. Und die anderen als unverbesserliche Bösewichte darstellt.
Das tut man um Angst zu schüren und Stimmen zu fangen. Doch man verspielt damit die Chance auf einen zielführenden Dialog und und eine lösungsorientiere Politik. Kompromisse sind in einem solchen Klima kaum mehr möglich.

Der Bundesrat präsentiert Zahlen, erklärt, dass es besorgniserregend aussieht und errichtet Massnahmen, die die Zahlen senken sollen.
Elisabeth Vetsch sagt nicht, dass die Massnahmen nicht den gewünschten Effekt haben. Sie behauptet, belegt aber nicht stichfest, dass der Bundesrat falsche Zahlen präsentiert um Massnahmen zu errichten, die gezielt einer bestimmten Bevölkerungsgruppe schaden sollen. Sie stellt den Bundesrat als unverbesserlichen Akteur dar, der aus niederen Motiven nicht nur Schaden in Kauf nimmt, sondern diesen gezielt herbeizuführen versucht.

Das Volk spalten tun Leute wie Elisabeth Vetsch.

Selbst wenn der Bundesrat niederträchtig wäre, so wäre es viel mehr in seinem Interesse, wenn alle sich hinter ihm stehen und sich heroisch ihre Freiheit einschränken lassen und so dem Bundesrat – wie während und nach der spanischen Grippe – das Regieren viel einfacher machen würden. Eine Spaltung macht für den Bundesrat alles nur überflüssig kompliziert. Daher ist sie sicher nicht sein Ziel, sondern höchstens eine unerwünschte Folge seine durchschauten Niederträchtigkeit.
Ich gehöre zur Nachkriegs-Generation. Zu der Generation, die mit den Eltern zusammen die Schweiz nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut hat, und zwar mit harter Arbeit. Über ein Studium mussten wir nicht mal nachdenken, weil dazu das Geld nicht reichte. Die Kriegs- und Nachkriegs-Generationen haben die «reiche Schweiz» geschaffen, die Sie nun gnadenlos an die Wand fahren.Frage an unsere Historiker: Wurde die „reiche Schweiz“ durch die harte Arbeit der kleinen Arbeiter und der Putzfrauen geschaffen oder durch die nichtkörperliche und demzufolge wohl auch nicht so harte Arbeit der doch ziemlich lang Studierten, bei denen die kleinen Arbeiter und die Putzfrauen angestellt waren?
Natürlich braucht es die harte Arbeit der kleinen Arbeiter und der Putzfrauen um den Schweizer Wohlstand anzuhäufen. Doch auch in anderen Ländern gibt es ebenso hart arbeitende kleine Arbeiter und Putzfrauen ohne dass das Land dadurch reich werden würde. Den Unterschied machen nicht die kleinen Arbeiter und die Putzfrauen, sondern die, bei denen diese Angestellt sind.

(Verglichen mit dem Aufbau in unseren Nachbarländern, war es bei uns ein Kinderspiel. Man muss aufpassen, dass man das Leid der wahren Opfer durch solche Vergleiche nicht verharmlost.)

Frage an die zukünftigen Historiker: Wurde die Schweiz in der Pandemie an die Wand gefahren?
Was heisst das überhaupt? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von einem Land sagen kann, dass es an die Wand gefahren wurde? Es muss doch wohl kaputt sein. Nicht mehr existent. Im Fall der Schweiz wohl all ihrer Souveränität beraubt? In einem grossen Europa dahinvegetierend?
Wofür? Können Sie mir das einmal ganz genau erklären? Für eine Pandemie, die gar keine ist?Eine Pandemie, die keine ist?
Moment!

Das hätten wir vielleicht von Anfang an klarstellen sollen. Was genau ist Elisabeth Vetschs Meinung zu folgenden Punkte:

Covid-19 ist eine ansteckende Infektions-Krankheit. Ja oder Nein?
Sie wird ausgelöst vom SARS-CoV-2 Virus. Ja oder Nein?
(Es gibt Viren. Ja oder Nein?)
Die Übertragung findet über virushaltige Partikel (Tröpfchen oder Aerosole) statt, die von infizierten Personen vor allem beim Husten und Niesen sowie beim Atmen, Sprechen und Singen freigesetzt werden und über die Schleimhäute der Nase, des Mundes und ggf. der Augen in den Organismus gelangen. Ja oder Nein?
Dieses Virus hat sich rasant über die ganze Welt ausgebreitet. Ja oder Nein?
Mit entsprechenden Tests kann man bestimmen, ob jemand infiziert ist. Ja oder Nein?
Dabei kann sich herausstellen, dass manche infizierte Menschen, keine Symptome zeigen. Ja oder Nein?
Auch asymptomatische Mensch können das Virus übertragen. Ja oder Nein?
Es sterben Menschen an Covid-19. Ja oder Nein?
Es wurden Impfstoffe entwickelt. Ja oder Nein?
Impfstoffe aktivieren das Immunsystem gegen bestimmte Viren und reduzieren zumindest das Risiko auf Komplikationen bei einem Krankheitsverlauf. Ja oder Nein?
Je nach dem tun sie das für immer oder nur für eine gewisse Zeit. Ja oder Nein?
Wenn mehr als ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung immun ist, sei es durch Impfung oder dadurch, dass die Krankheit bereits durchgemacht wurde, senkt diese Herdenimmunität bei Nicht-Immunen markant die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken. Ja oder Nein?

Wenn man jemanden nicht trifft, kann man ihn nicht anstecken. Ja oder Nein?
Wenn die Viren über Partikel weitergegeben werden, die man beim Atmen ausstösst, dann können Gesichtsmasken das Risiko der Ansteckung wenn nicht ganz verhindern, so doch zumindest senken. Ja oder Nein?

Bevor man jemanden ansteckt, ist es nur anständig, wenn man ihn fragt, ob er angesteckt werden möchte. Ja oder nein?

Da das alles Fakten sind und keine Meinungen, muss Elisabeth Vetsch selbstredend jeder einzelnen Aussage zugestimmt haben.
Wollen Sie aus der einst blühenden Schweiz ein Armenhaus machen?Wollen tut das natürlich keiner. Sowas tut man versehentlich. (Oder unterstellt Elisabeth Vetsch den Bundesräten Parmelin und Berset tatsächlich, dass sie aus niederen Motiven Übles geschehen lassen oder gar herbeizuführen versuchen?)

Aber eine Frage sei erlaubt: Wie entscheiden wir in der Zukunft, ob die einst blühende Schweiz mit oder wegen der Massnahmen ein Armenhaus wurde?
Wenn alle Nachbaren ungeachtet ihrer sehr unterschiedlichen Massnahmen Armenhäuser wurden, dann lag es wohl nicht an den Massnahmen. Und schon gar nicht an der Unfähigkeit des Bundesrates.
Wenn aber gewisse Nachbaren mit einem besonderen Set von Massnahmen die Pandemie ziemlich schadlos überstanden haben, dann werden es wohl unsere falschen Massnahmen gewesen sein, die die wirtschaftliche Katastrophe verschuldet haben. Es bleibt natürlich offen, ob man es damals (also heute) besser hätte wissen können.

Wenn wir uns anschauen, welche Länder inzwischen wieder ziemlich zurück bei normal sind und deren wirtschaftliche Schäden sich soweit im Zaun gehalten haben, dann sieht es eher so aus, als ob es die mit den „übertriebenen“ Massnahmen sind. Oder nicht?

Einige Studien weisen übrigens darauf hin, dass die Kosten für die Wirtschaft hoch sind sowohl bei sehr strengen, wie auch bei nichtexistenten Massnahmen, während sie deutlich tiefer ausfallen, wenn sie sich irgendwo in der Mitte befinden – was auch immer das heissen soll.
Sprich: Wir wissen zwar nicht, unter welchen Massnahmen die Wirtschaft am wenigsten leidet, wir wissen aber, dass es nicht bei gar keinen ist.

Elisabeth Vetsch kann also durchaus monieren, dass die Massnahmen zu streng sind. Wenn sie aber verlangt alle Massnahmen per sofort abzuschaffen, gefährdet sie die Wirtschaft, die sie zu retten versucht, noch viel mehr.
Das hatten wir schon einmal, in den 20er Jahren. Wollen Sie wirklich, dass es wieder so kommt?Hm. Wenn die Schweiz in den 20er Jahren vor die Wand gefahren wurde, es sie aber noch immer gibt und sie bis kürzlich blühend war, dann ist noch nicht alle Hoffnung verloren, oder?

Und waren die 20er Jahre nicht viel mehr eine Zeit des Aufschwungs? Wurde sie nicht in genau dieser Zeit ein finanzielles Zentrum Europas?
Zuerst haben Sie uns, die «Alten», zu einer schützenswerten Spezies ernannt, die um jeden Preis abgeschirmt (d.h. eingesperrt) werden müssen vor dem ach so schlimmen Virus. Schützenswert wie die Wildkatze, der Feldhasen oder gar der Wolf? Sie haben diese schützenswerten «Alten» in Pflegeheimen zu Tode geschützt und die Jugend gegen diese «Alten» aufgebracht. Sie haben wegen diesen schützenswerten
«Alten» die Jungen eingesperrt. Haben Sie uns ein einziges Mal gefragt, ob wir geschützt werden wollen?
Man erkannte, dass Covid-19 bei alten Menschen eine wesentlich höhere Todesrate hat als bei jüngeren. Es liegt daher nahe, dass man die alten Menschen demzufolge besser zu schützen versucht.

Dass man jemanden fragt, ob er geschützt werden will, ist eigentlich nur recht und billig. Was ist aber mit Situationen, wo jemand dadurch, dass er sich nicht schützen lässt, andere unmittelbar in Gefahr bringt?
Indem man verbietet alkoholisiert Auto zu fahren, schützt man den Fahrer vor Unfällen. Wenn er aber unbedingt in einen Baum rasen will, dann könnte man ihm diese Freiheit theoretisch schon lassen. Wenn er aber stattdessen lieber in eine Gruppe von Menschen rasen möchte, so sieht das natürlich anders aus. Hier gilt es möglichst zu verhindern, dass jemand diese Freiheit auslebt.
Man kann natürlich darüber streiten, ob die Analogie zwischen Alkohol am Steuer und einem Virus gültig ist. Wenn das Virus potentiell tödlich ist und leicht von Mensch zu Mensch springt, dann spricht zumindest einiges dafür.
Und nun kommen Sie mit dieser Impfung, vor der man nicht weiss, wie sie wirkt, ob sie wirkt und wie lange sie wirkt.Auch hier ist Elisabeth Vetsch offenbar falsch informiert. Natürlich weiss man wie sie wirkt und dass sie wirkt. Und dass man nicht weiss, wie lange sie wirkt, ist nichts, was sie diskreditieren würde.

Es gibt genügend Quellen, die verständlich erklären.
Die Schlagzeilen sind schon da: «Erste Impfung schützte nicht! 13 Bewohner in Zürcher Altersheim an Corona erkrankt!»Im Blick-Artikel, auf den sich Elisabeth Vetsch bezieht, heisst es: „Laut der Informationsplattform für Impffragen «Infovac» beginnt der Schutz gegen Covid-19 zirka zwei Wochen nach der ersten Dosis. Den vollständigen Schutz kann der Wirkstoff aber erst nach der zweiten gewährleisten. Zwischen der ersten und der zwingend notwendigen zweiten Impfung wird eine Wartezeit von drei bis sechs Wochen empfohlen. Und genau in diesem Zeitfenster ist es nun im Altersheim Sonne zu den Infektionen gekommen.“

Also sind diese Infektionen nichts, was man unter den gegebenen Umständen nicht erwarten würde.
Haben Sie sich schon darüber schlau gemacht, wie viele dieser «schützenswerten Alten» in Europa nach dieser Impfung verstorben sind?Das wird sehr genau untersucht.
Nach der Impfung ist aber nicht wegen der Impfung.
Natürlich an ihren Vorerkrankungen und keineswegs an der Impfung!Keineswegs keineswegs.
Bevor man aber sagen kann, ob ein Todesfall eine Folge der Impfung war, muss man sich das genau anschauen.
Warum impft man alte, kranke und sogar demente Menschen?Um sie vor Komplikationen bei Covid-19 zu schützen?
Etwa um die AHV zu sanieren?Geht Elisabeth Vetsch wirklich davon aus, dass die Impfung mehr Menschen umbringt als die Krankheit?

Auf welcher Datenquelle gründet diese Annahme? Laut offiziellen Meldungen, unterscheidet sich die Zahl der unerklärlichen Todesfälle nach der Impfung nicht von jener, die normalerweise zu erwarten ist.
Und wenn die „offiziellen Meldungen“ falsch sind, woher weiss sie das? Sie könnte die Zahlen mit korrekten Zahlen vergleichen – woher hat sie die? Sie könnte Unstimmigkeiten im Ländervergleich anführen – wo wären die? Welche Evidenzen stehen ihr zur Verfügung?

Doch selbst wenn nach der Impfung signifikant mehr Menschen sterben als natürlich zu erwarten wäre. Das wären dann global die 350, die kurz nach der Impfung verstorben sind (von denen tatsächlich die meisten in keinem Zusammenhang mit der Impfung stehen), auf 130 Millionen verabreichter Impfdosen (Stand 4.3.2021). Das wären eine Mortalitätsrate von 0.00026%.

Aber es stimmt schon, auf persönlicher Ebene ist es tatsächlich problematisch, einer gesunden Person ein Mittel zu verabreichen, wenn auch nur der Hauch einer Möglichkeit besteht, dass sie daran sterben könnte.
Auf gesellschaftlicher Ebene siehst sie Sache aber ganz anders aus, wenn man sich bei einer Bevölkerung von 8.6 Millionen zwischen 8’600 bei 0.1% (korrekt natürlich 137’600 bei 1.6%) und 23 bei 0.0026% Toten entscheiden muss. Daher gilt hier, da der Staat die Impfpflicht nicht einführen kann, dass es unsere patriotische Pflicht ist, das Risiko auf uns zu nehmen – insbesondere, da die Chance krank zu werden und zu sterben ohne Impfung x-mal grösser ist.

Und wenn Elisabeth Vetsch hier Alain Berset und dem EDI wirklich unterstellt, dass sie absichtlich Menschen umbringen, weil die AHV finanziell in einer dermassen desolaten Verfassung ist, hätte sie dann nicht auch den Finanzminister Ueli Maurer mit in den Verteiler nehmen sollen?
Und da soll man noch Vertrauen in einen Impfstoff haben, der im Eilverfahren aus dem Boden gestampft wurde und noch nicht einmal alle Testphasen durchlaufen hat? Sicher nicht!Verstehe ich das richtig? Weil der Bundesrat damit alte Menschen umzubringen versucht, obwohl nachgewiesen ist, dass Impfungen als Mordwaffe in höchstem Masse ungeeignet sind, soll man dem Impfstoff nicht vertrauen können? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Ich meine, daraus, dass Elisabeth Vetsch in der (falschen) Annahme, dass Viagra Männer tötet jedem Mann eine Pille ins Essen mischt, folgt nicht, dass Viagra kein funktionierendes Potenzmittel ist.

Über die Qualität der Testverfahren ist Elisabeth Vetsch offenbar auch falsch informiert. Auch dazu gibt es genügend Quellen, die verständlich erklären, wie das so schnell möglich war.
Sie können nicht alle «Alten» impfen. Denn nicht alle «Alten» wohnen in Alters- oder Pflegeheimen. Es gibt von dieser schützenswerten Spezies nämlich noch solche, die in freier Wildbahn leben. Und diese in freier Wildbahn lebenden «Alten» können Sie nicht zwingen, sich impfen zu lassen. Das funktioniert nicht! Denn die «Alten» in freier Wildbahn sind sich gewöhnt, für sich selbst zu sorgen, und zwar ohne Hilfe vom Staat.Natürlich können sie alle „Alten“ impfen. Und auch alle „Jungen“ und die „Zwischendrin“. Sie können es, weil genug Impfstoff produziert wird. Ob die „Alten“ geimpft werden wollen, ist dagegen eine andere Frage. Es herrscht in der Schweiz ja kein Impfpflicht. Von daher spielt es keine Rolle, ob man in einem Altersheim oder freier Wildbahn lebt.

Nun ja, als Selbstversorger würde ich die meisten „Alten“ in freier Wildbahn nicht unbedingt betrachten. Sie wohnen allein und kochen und kaufen selbst sein, doch sie benutzen Strassen um zum Laden zu kommen, sie benutzen Geld um die Wahren zu bezahlen und kriegen das Geld womöglich sogar von der AHV. Alles Dienstleistungen, die der Staat grosszügig zur Verfügung stellt.
Wir mussten bis 2019 ohne Ihre Gesundheitsdiktatur auskommen. Bis dahin hat es niemanden interessiert, ob wir gesund, krank oder hilfsbedürftig sind.Hilfsbedürftigen standen schon immer verschiedene soziale Hilfsnetze zur Verfügung. Wie effektiv die waren und sind, darüber lässt sich natürlich streiten, aber die Idee ist, dass allen, so gut es geht, geholfen werden soll.

Der Staat wurde bisher nicht aktiv, wenn jemand krank wurde. Das stimmt schon. Das BAG behielt aber immer ein Auge drauf (und liess sich 2013 mit dem neuen Epidemiegesetz sogar seine Instrumente aufstocken).
Wenn Leute krank werden, gehen sie zum Arzt, kriegen ein Aspirin und werden wieder gesund. Oder auch nicht. Das ist ganz gut eingespielt (obwohl das Pflegepersonal auch in ruhigen Zeiten masslos überfordert ist). Aktiv muss der Staat erst werden, wenn es mehr Kranke zu geben droht als die Ärzte betreuen können oder als es Aspirin gibt. Sei es weil eine fremde Armee in unser Land einmarschiert und die Eidgenossen in Massen massakriert, oder weil sich das Klima drastisch verändert und viele dehydriert sind oder aber wenn eine Epidemie oder gar eine Pandemie übers Land rollt. In all diesen Fällen muss der Staat doch versuchen die nötigen Schritt einzuleiten um so schnell wie möglich den Normalzustand wieder her zu stellen.
Auch Sie, Herr Berset, Herr Parmelin, haben sich keinen Deut um uns gekümmert.
Deshalb müssen Sie uns auch jetzt nicht schützen.
Ich antworte hierauf mit einem berühmten Aphorismus von Ian Hazelwood:
„Der Kapitän wird erst gebraucht, wenn es ohne ihn nicht mehr geht.“
Und wenn Sie glauben, Sie können uns mit einem Impfpass (Herr Parmelin!) dazu zwingen, sind Sie auf dem falschen Dampfer.Hier bin ich mir nicht ganz sicher, worauf Elisabeth Vetsch hinaus will?
Es gibt meines Wissens Bestrebungen für die Einführung eines elektronischen Impfpasses, was aber nichts anderes ist als das Impfbüchlein in digitalisierter Form (plus die üblichen Datenschutz-Probleme).
Und dann gibt es noch die Idee, dass man gewisse Aktivitäten nur machen darf, wenn man nachweisen kann, dass man geimpft ist. Man kann das als Diskriminierung der Nichtgeimpften ablehnen, oder als Lockerung der Einschränkungen für Geimpfte befürworten, aber soviel ich weiss, steht das zur Zeit noch nicht zur Debatte.
Auch wenn Sie mit dieser Idee eine Zweiklassen-Gesellschaft heraufbeschwören.Das wäre meines Erachtens tatsächlich die Gefahr und der wichtigste Grund möglichst davon abzusehen. Auch wenn die zwei Klassen in diesem Fall „Idioten“ und „die andern“ wären. (Darüber sind sich dann sogar beide Seiten einig.)
WIR GEBEN NICHT NACH UND WERDEN UNS NICHT IMPFEN LASSEN!Ich glaube, Elisabeth Vetsch hat oben doch nicht alle roten Fragen mit Ja beantwortet…
Vorher gründen wir mit jungen Impfunwilligen eine Gemeinschaft der Ungeimpften!Okay?
Kann man eigentlich eine Gemeinschaft gründen? Ist man die nicht einfach durch Dinge, die einen zusammenschweissen?
Oder meint sie einen Verein?
Wir haben bis jetzt überlebt, wir werden auch weiterhin überleben. Ohne Spritze!Genau das sagten auch die Arawak. Echt. Wortwörtlich.
Ausserdem sollten Sie beachten, dass sich eine neue Virus-Mutation entwickelt hat, die hoch gefährlich ist. Diese Mutation verbreitet sich schweizweit mit rasender Geschwindigkeit. Die löst Lebensfreude, Aufmüpfigkeit, Widerspruchsgeist und unbändigen Freiheitswillen aus. Diese Mutation sollte Ihnen Sorgen bereiten. Denn die ist nicht mehr zu stoppen. Da nützen all Ihre Aufrufe zu Maskenpflicht und Abstand nichts mehr. Denn das Freiheits-Virus lässt sich nicht mehr aufhalten und wird vermutlich demnächst das Bundeshaus erreichen. Hoffentlich bringen Sie sich früh genug in Sicherheit, denn wie gesagt, das Virus ist hochansteckend.
Vielleicht sind Sie so höflich und lesen diese Zeilen. Schliesslich haben der «kleine Mann» oder die schützenswerte Spezies der Alten auch eine Stimme. Eine Stimme, auf die Sie vielleicht vermehrt hören sollten. Und weil sie ohne den «kleinen Mann»
auch nicht überleben werden! Nur werden Sie dann nicht an oder mit Corona zugrunde gehen, sondern weil der «kleine Mann» die Steuern nicht mehr bezahlen kann.
Klingt das nur in meinen Ohren verdächtig nach:
„Ein Gespenst geht um in Europa…“

Ich grüsse Sie, natürlich eben so unfreundlich, wie Sie uns behandeln.

Elisabeth Vetsch

Ich bin gespannt auf die Reaktionen auf diesen offenen Brief.
Es folgt eine Zusammenstellung der Kommentare:

Bravo / Sehr gut / Genial / Merci / …
(inklusive wahnsinnig vieler GIFs)
Auf den Punkt gebracht!Was genau?
Oberflächlich sieht es so aus, als ob sie denke, dass die paar Leben den Schaden an der Wirtschaft und Psyche nicht rechtfertigen.
Doch dann klingen gefährliche Leugnungen der Krankheit selbst und der Wirksamkeit der Impfung an und der Text driftet mehr und mehr in üble Verschwörungstheorien ab.
Grosses Danke an Elisabeth Vetsch. Nimmt mi wunder ob sie je än Antwort überchunntDieser Artikel ist die Antwort. Meine zumindest.
Vielen Dank Frau Vetsch das Sie den Mut hatten das zu schreiben Hut ab.Inwiefern braucht es mehr Mut das zu verfassen als unter solchem Blödsinn „Bravo“ zu schreiben?
grosse Respekt für dini ehrliche und direkte Worteehrliche Worte?
Da hat es ein paar grobe Schnitzer drin. Das mag ihre ehrliche Meinung sein, doch faktisch richtig werden die Worte dadurch nicht.

direkte Worte?
Sie leugnet hier die Wirksamkeit der Impfung und die Pandemie auch gleich mit und versteckt es hinter einer Forderung nach Freiheit und dem Schutz der Wirtschaft.
Das ist schon etwas starker Tubak! Ich war mehr als einmal in ihrer Situation und weiss, wovon Sie reden. Dieser einseitige Bericht ist ziemlich starker Tubak. Den beiden Bundesräten Sachen zu unterstellen die auf Vermutungen basieren geht meiner Meinung nach gar nicht. Ein bisschen über den Tellerrand schauen wäre hier angesagt. Der BR muss für die ganze Bevölkerung sorgen. Was hätten Sie davon, wenn wir Zustände wie in Italien gehabt hätten? Ohne die Massnahmen des BR wäre dies bei uns ebenfalls eingetroffen.
Uns geht es vergleichsweise noch gut, oder wären Ihnen Zustände wie in D oder A oder F oder I lieber???
Endlich ein kritischer Kommentar.
Die Einwände werden von den anderen Kommentatoren aber nicht gelten gelassen. Man wirft dem Kritiker vor Obrigkeitsgläubig zu sei sein – dass er selbst schwere Zeiten durchgemacht hat, scheint ihm nicht zu helfen.

Ist man eigentlich auch Obrigkeitsgläubig, wenn man der SVP glaubt?
Liebe Frau Vetsch, sie sprechen mir aus der Seele!!!!!!!!!!!
Ich hoffe und wünsche mir wirklich, dass die Mehrheit der Bevölkerung endlich aufwacht und den Tatsachen in die Augen blickt, nämlich, dass nicht die Scheinpandemie gefährlich ist, sondern das was von den Politikern mutwillig zerstört wird! Ich wünsche mir, dass das Freiheitsvirus eine echte Pandemie auslöst
Okay, hier das Eingeständnis, dass das „Volk“ nur eine Minderheit der „Bevölkerung“ ist.
Wau, selten ein so gutes schreiben gelesen.danke elisabeth, weiter so, meine unterstützung ist gesichertFür meine Kommentare haben ich den Text in Zellen aufgeteilt, was zweifellos den Lesefluss beeinträchtigt. Aber ist der Brief wirklich objektiv gut geschrieben?
Kompliment Frau Vetsch, sie haben es genau auf den Punkt gebracht. DIE WAHRHEIT…Ha! Der weiss wie es geht.
In den Grossbuchstaben liegt die Wahrheit!
Sehr gut geschrieben aber leider sieht das in Deutschland und in den anderen anliegenden Ländern genauso schlimm aus .
Die Menschen werden vom Staat endmündigt.
Also liegt es nicht am Virus sondern daran, dass alle Regierungen unter einer Decke stecken?
Ja genau so empfinden es viele Menschen,und man kriegt eine Wut auf diese Personen!Ist Wut die richtige Gefühlslage für eine politische Diskussion?
Gratulation. Sehr schön geschrieben und jedes Wort stimmtDa hat er absolut recht. Jedes Wort stimmt, bloss in dieser speziellen Reihenfolge wirds zu einem Haufen Bockmist.
Bravo Bravo Bravo
Endlich mal jemand die einen klaren Durchblick hat
Frau Brunner gratuliere
 für diese klaren Worte
Wir haben mittlerweile so viele studierte (auf unsere Kosten ) Gehirnamputierte Fachidioten in Bern das einem die Galle hochkommt
Und alle beziehen von uns ihre Supersaläre
und keinem in je in den Sinn gekommen solidarisch was abzugeben
Schämt euch alle in Grund und Boden
Ich hoffe unsere arbeitende Bevölkerung
wacht endlich auf
Schluss mit diesem studierten Affentheater
Auf die Barrikaden Leute
Wehrt euch wir müssen diese Lackaffen an die Wand fahre und nicht unsere Wirtschaft!!!
Sehe ich das richtig? Jemand hat genau dann den klaren Durchblick, wenn er es genau so sieht wie ich?

Daher merke: Je länger man sich mit einer Materie beschäftigt, umso weniger versteht man was davon.

(„wir müssen diese Lackaffen an die Wand fahre“ – ist das ein Aufruf zur Gewalt?)
Alain Berset gehört mit Simonetta Sommaruga zur SP, die anderen 5 BR sind in der Mitte und rects davon.
Entscheidungen werden im BR gemeinsam gefällt, also hört doch auf, AB für alles, was euch nicht passt, verantwortlich zu machen.
Ich kenne das: schlaflose Nächte und Existenzangst aber auch lange Flüge in der ersten Klasse. Ich habe als Kind Kartoffeln aufgelesen und geniesse heute ein komfortables Rentnerleben.
Hört auf zu erzählen, wie hart es früher war, es waren andere Zeiten.
Eine Stimme der Vernunft?
Sagen wir mal ja, oder?
Respekt Frau FetschEs zeigt viel Respekt den Namen falsch zu schreiben…
Ich wäre für eine Amtsenthebung aus dem BundesratWie viel Vertrauen ist da noch in die Demokratie?
Sehr gut, nur interessiert die das nicht, denn die gehen einfach nach Plan Richtung „the great reset“. Und um dies zu erreichen „muss“ die Wirtschaft krepieren.Siehe Wikipedia: The Great Reset
Leider leset nur mir das und die wos ahgaht nöd. Han en Brief igschribe uf Bern gschickt, bis hüt kei Antwort uf mini Frage übercho. Fazit; Die machet mit üs was wänd und mached sich kei Gedanke, dass de Lohn und Sitzigsgälder wos überchön vo jedem einzelne Stürzahler chunt.Mich nähme schon Wunder, was er geschrieben hat und wo der Brief stecken blieb.
Super Liebe Frau Vetsch lösen Sie den Bundesrat ab Sie verstehen das Volk. Damit wären die Volks, u,Geld vernichter weg .Eine Affenschande so eine Regierung zu haben. Alles andere darf ich gar nicht schreiben…………….Sie versteht nur einen Teil des Volkes.
Davon, ob sie mit ihren Meinungen recht hat, wollen wir gar nicht erst anfangen…………….
Wer hat das für Frau Vetsch geschrieben?

Es gibt auch ältere Menschen die des Schreibens kundig sind..sollte es wer anderer für sie formuliert haben so sind es doch ihre Gedanken!

Es interessiert niemand wer das geschrieben hat aber es ist die Wahrheit wieder mal jemand der weiß was arbeiten heisst fürs Geld! Find ich super
Ich finde es interessant, dass man sich nicht gross dran stören würde, wenn eine entzückende alte Frau das Gesicht einer professionellen Kampagne werden würde.
War man so grosszügig auch bei Greta?
Bravo gut auf den Punkte gebracht. Es hat sehr lange gedauert bis die Schweizer mittelschicht erkennt das wir aus irgendeinem Grund verarscht werden, ich leugne nicht das es den Virus gibt denn ich hatte ihn und es war nicht angenehm, aber es war auch nicht wie eine Grippe im herkömmlichen Sinne. Ich bin aber froh das sich in der Bevölkerung endlich etwas bewegt auch wenn es vielleicht schon etwas zu spät sein könnte.„aus irgendeinem Grund“
welcher das konkret ist, ist nicht weiter wichtig
Super gschribä ich gebe ihr vollkommen recht mein Grossvater und mein Vater waren werend des Krieges auch an der Grenze und haben oft erzählt wie es war und die Frauen alleine zuhause und den Karren aleine gezogenIst das der Grund, warum der Kommentator ihr recht gibt?
Ein ganz ganz schlimmes Virus blieb unerwähnt. Geldgier. Wer hat und wird an Corona verdienen. Die unnötigen Forscher (Steuergelder). Aktionäre der Impfstoff Hersteller. (Erhöhung der KK Prämien).Geldgier…
hört doch mit dem blödsinn auf…weder berset noch parmelin hat das virus ins land geholt..wenn ihr die lösung habt meldet es den beiden

die beiden brauchen Ihre „Fürsorge“ nicht. Sie sind Teil des Systems. Sie dürfen das verharmlosen, wenn Sie bereit sind, dann auch die Verantwortung zu übernehmen. So kann ich Ihnen nur raten, hören SIE mit dem Blödsinn auf. Aber bei Ihrer Respektlosigkeit ist das vielleicht zuviel verlangt. Guten Abend!
Den Bundesrat böse Motive zu unterstellen ist okay, das für Blödsinn halten aber respektlos…
Es ist zum verzweifeln, zum schreien, sich übergeben!
Es ist nicht zu versehen !
Es ist zum verzweifeln, zum heulen, zum tausend mal fragen warum, wieso usw;!
Soviel geht verloren 
Bleibt alle stark, verzweifelt nicht so schnell, haltet zusammen, steht zusammen in guten ,wie in schlechten Zeiten!
Seid füreinander da! In, in gottes Namen
Danke allen Menschen. , die mitmachen
Das reimt sich, oder?
Ich habe alles gelesen und genau so ist es.Dieser Kommentar gefällt mir!
Wie kommen sie auf 0.1% Mortalität? Es sind ca. 2% (0.5 mio Fälle/10000 Todesfälle). Und wie würden sie regieren? Keine Massnahmen und keine Impfung? D.h. bei 7.5 mio Schweizer/innen 150000 Todesfälle und mehrere 100000 schwere Verläufe innerhalb kürzerster Zeit und somit ein Kollaps des Gesundheitssystems! Aber immerhin, dafür würden sie die Verantwortung übernehmen!

Sie haben null Ahnung und haben nicht den blassesten Schimmer, wie wir angelogen werden, von Menschen, die Sie unterstützen, Alain Berset und das BAG, an Unfähigkeit nicht zu toppen.

die Zaglen habe ich hierher, diese Seite ist unabhängig vom BAG und dem BR. Können Sie mir denn genau sagen, bezüglich was genau ich keine Ahnung haben soll und ich angelogen werde? Ab besten mit Quelle/beweis? Oder gibts das in ihrer Traumwelt nicht?


wie ichs mir gedacht habe: gross Klappe, nichts dahinter, insbesondere wenn es dann um Fakten geht
Meine Worte

Und die Antwort drauf

Und eine Antwort drauf

Und keine Antwort drauf

Und hönisches Lachen
Wo sie recht hat hat sie recht! Sehr gut geschrieben und den Nagel auf den Kopf getroffen. Ach übrigens: Wo ist den die gute alte Grippe abgeblieben?! Ach so! Die Masken tun da ihren Dienst, bloss der Coronavirus kann trotzdem sein Unwesen treiben?! Seltsame Viren Welt.Das stimmt wohl. Wo sie recht hat, hat sie recht. Ich habe es nur noch nicht herausgefunden, wo das der Fall ist.
Was für absoluter Schwachsinn ungeheuer, selten so etwas Dummes gelesen. Diese Frau hat wahrlich keinen Anstand und Bildung.

wahrscheinlich mehr Anstand und Bildung als sie es haben

„Sie“ schreibt man gross, wenn man Anstand hat.

Chunt druf ah i welem Jahr das mer id Schuel gangä isch de Herr. Mi Jahrgang hed sie, du, ihne, ihres und all diä Flosklä nämli chlii glehrt schriebe.

einfach nur arrogant. Weise Leute würden schweigen. Sie aber entlarven das wahre Gesicht und Ihre verwerfliche Gesinnung. Pfui

bravo
Das Leben ist ja so entlarvend…
Wenn auf dem Holzweg, dann grad richtigWahre Worte.
Bravo treffend geschrieben ,ich sehe was dieses Gift anrichtet ,es geht den älteren Leute gar nicht gut die sich geimpft haben .Ein Forscher?
Eine Schweizerin die nach dem Krieg die Schweiz wieder aufgebaut hat wie dumm und dreist ist diese Person

ein wenig Anstand bitte! Genau lesen, was die Frau geschrieben hat…..!!!

ist offenbar ein Urschweizer, der nur etwas lange in einer Höhle gelebt und jegliches Verständnis für Demokratie und Anstand vermissen lässt.

Zum Glück war er auch dabei und kann das darum so gut beurteilen

darum sind sie ja ein echter Schweizer ubd ihre Partnerin

Und das als zugezogener…
Schauen Sie erst mal Ihr Land an bitte bevor Sie urteilen
Natürlich haben Leute mit fremdländisch klingendem Namen kein Recht hier etwas zu kritisieren.
Genau…und als die Altersrente für unsere Senioren „leicht“ erhöht werden sollte, um Einigen ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, hiess es jedesmal; dafür reicht unsere AHV nicht aus!!!
JETZT KÖNNEN AUF EINMAL MILLIARDEN freigesprochen werden ach ja, das ist wahrscheindlich aus einer anderen „Kasse“ 
Bekommen es wirklich die RICHTIGEN!?
Auch die, die ihren Job verloren, oder sogar um ihre Existenz bangen müssen??
Solange sich die Reichen immer noch mehr bereichern, bezweifle ich das sehr
Ich frage mich, welche Partei diese Person wohl wählt?
Entlich jemand der die Wahrheit ausspricht aber die Menschen sind schon soo verwöhnt ,verblödet das sie die echte Wahrheit gar nicht hören und glauben wollen weil sie das denken anderen überlassen

die Wahrheit ist für mich etwas anderes, mindestens die erwähnte Mortalität ist 20x höher als geschrieben

Die Zahlen sprechen was anderes, aber wenn es nur die richtigen wären. Müsste man rapid nach unten korrigieren
Was nicht passt, soll passend gemacht werden.
ch hoffe nur, dass diese Diktatoren den winzigen Respekt aufbringen, diesen Brief zu lesen.Bundesdiktatoren.
Das schlimmste ist Frau Vetsch, das der Zuständige Chef in der WHO 2020 bereits in der Presse mitgeteilt hat, dass es sich beim Corona Virus um einen Grippevirus, wie bei allen vorherigen handelt. Nur wurde diese Meldung in Bern unter den Tisch gewischt. Die wissen nicht mehr wie sie aus ihrem Lügenkonstrukt herauskommen können. Wir das Volk können diese Sauerei relativ schnell beenden, und genau vor diesem Schritt haben die in Bern jetzt angst und das ist gut so. Wir Alten stehen zwar kurz vor dem Tod, aber einen Lausbub Berset spitalreif schlagen, das schaffen wir sicher noch! Es gibt Personen, denen muss man zuerst links und rechts eine Orfeige verpassen und dann fragen, hat es weh getan und erst ab diesem Zeitpunkt hören sie einem zu. Ende des Zitates!Eine weitere Verschwörungstheorie.
(„Lausbub Berset spitalreif schlagen, das schaffen wir sicher noch! Es gibt Personen, denen muss man zuerst links und rechts eine Orfeige verpassen und dann fragen, hat es weh getan und erst ab diesem Zeitpunkt hören sie einem zu.“ Ende des Zitates!)
Die Empörung einer offensichtlich supranasal Insuffizienten Briefschreiberin und die Zustimmung von unter dem Dunning/Kruger Effekt leidenden Impfverwirrten stimmen mich nachdenklich!Das war tatsächlich der letzte Kommentar unter dem Brief.
Es besteht noch Hoffnung!

Noch eine Frage ganz zum Schluss: Ist es eigentlich die gleiche Elisabeth Vetsch aus dem schönen St. Galler Rheintal, die sich einen „Attest-Stern“ gebastelt und sich mit den Juden im Holocaust verglichen hat?

50 Jahre Mäusestimmrecht

Liebe konservative Demokraten, Patrioten und Pfarrer

Genau heute vor 50 Jahren am 7. Februar 1971 wurde vom Schweizer Souverän der Bundesbeschluss über die Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts in eidgenössischen Angelegenheiten mit 621’109 zu 323’882 Männerstimmen angenommen und exakt einen Monat später, am 7. März 1971, flimmerte zum ersten Mal die Sendung mit der Maus über den Äther.

Ich nehme an, dass ihr – als eingefleischte Demokraten und stramme Patrioten – das inzwischen für eine ganz patente Sache haltet (ich meine das Frauenstimmrecht) und ohne zögern bereit wärt dafür euer Leben dafür zu geben.

Habt ihr euch aber schon mal die Frage gestellt, ob ihr von 50 Jahren überhaupt Ja gestimmt hättet?
Euer soziales Umfeld hätte es nicht getan, weil es – genauso wie ihr – die gute alte Zeit zu schätzen wusste und jeglicher neumodische Scheiss ihm auch damals höchst zuwider gewesen wäre. Und natürlich wärt auch ihr dagegen gewesen.
Aber das ist okay. Das will ich euch nicht übel nehmen, denn Grösse ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern aus ihnen zu lernen. Und ihr habt aus ihnen gelernt. Ihr habt inzwischen eingesehen, dass das Frauenstimmrecht nicht nur funktioniert, sondern auch das einzig richtige ist.

Aber eine nichtrhetorische Frage hätte ich schon auch noch: Als eingefleischte Demokraten und stramme Patrioten seid ihr ja stolz auf die Schweiz und auf das, was sie selbst in schwierigen Zeiten zustande zu bringt fähig ist. Seid ihr dann auch stolz darauf, dass sich die Schweiz erst als eines der letzten Länder der Welt dem Frauenstimmrecht gebeugt hat?

Die Geschichte lehrt uns, dass konservative Positionen- insbesondere, wenn es darum ging einer Gruppe von Menschen irgendwelche Rechte vorzuenthalten – auf lange Sicht immer die falschen waren.
Das heisst nicht, dass es nicht Situationen gegeben hätte, in denen die zu frühe Einführung einer zu progressiven Idee die eine oder andere Gesellschaft jämmerlich ins Messer laufen gelassen hätte, doch das machte die Idee zum gegebenen Zeitpunkt nur verhängnisvoll, aber deshalb noch lange nicht falsch.

Das sollte man doch inzwischen aus der Geschichte gelernt haben. Entsprechend müssten Argumente gegen (zu) progressive Ideen – insbesondere wenn es um das Vorenthalten von irgendwelchen Rechten geht – eigentlich stets nach folgendem Muster formuliert werden: die Abschaffung der Sklaverei / das Frauenstimmrecht / die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe / das bedingungslose Grundeinkommen / etc1 ist ja ein tolle Idee und sie wird sich sicherlich früher oder später durchsetzen und darauf freue ich mich auch aufrichtig, aber zum jetzigen Zeitpunkt erlaubt es die wirtschaftliche, ökologische, militärpolitische oder was-auch-immer Lage leider einfach noch nicht. Und zwar aus folgenden Gründen…

Wäre das nicht ein viel besserer politischer Diskurs als die gegenseitige Beschuldigung die Schweiz mit voller Absicht gegen den Maurer fahren zu lassen?

Rumpeldipumpel
Eda

Worldbuilding & Plotholes & Verschwörungstheorien

DARUM GEHT ES BEI CORONA! EUER EGO SOLL IN EINE CLOUD HOCHGELADEN WERDEN, DIE LEITUNG IN EUREN KÖRPER WIRD GELEGT DURCH EINE IMPFUNG UND DIE DARIN ENTHALTENE NANOTECHNOLOGIE STELLT DIE VERBINDUNG HER ZUR CLOUD! IHR SOLLT UNGEFRAGT UNSTERBLICH WERDEN, DAMIT IHR IN DIESER MATERIELLEN WELT VERFANGEN BLEIBT UND NIEMALS EUREN SEELENFRIEDEN BEKOMMEN KÖNNT, NIEMALS ZU GOTT KOMMEN KÖNNT! DAS IST SATANS PLAN!

ATTILA HILDMANN 60.6K Abonnenten
Es ist wohl nicht Attila der Hunnenkönig, hier in Fritz Langs „Die Nibelungen“ (1924)

Ich weiss nicht, wer dieser Attila ist und ob er es tatsächlich so formuliert hat, aber da es in Grossbuchstaben geschrieben steht, ist es die WAHRHEIT und nichts als die WAHRHEIT.

Wahrheit à la Wikipedia

WAHRHEIT, ALLES, WAS GROSS GESCHRIEBEN STEHT ODER LAUT GENUG1 AUSGESPROCHEN WIRD.

1 Das „genug“ soll eine gewisse Relativität der Wahrheit zum Ausdruck bringen. AB 76 DEZIBELL IST DIE WAHRHEIT ABER ABSOLUT.

Folglich leben wir in einer Welt, in der zusätzlich zu den Dingen, die wir bis jetzt gewusst haben, auch noch folgendes gilt:

  • Das Ego ist digitalisierbar.
  • Es gibt eine funktionierende und breit einsetzbare Nanotechnologie.
  • Diese Nantotechnologie kann das Ego vor Ort digitalisieren und die Daten ungefragt in die Cloud hochladen.
  • Das Hochladen geschieht wahrscheinlich(?) drahtlos.
  • Es gibt genügend Speicherkapazität um das Ego aller Menschen zu speichern.
  • Es ist dank der Digitalisierung und dem Speichern in der Cloud möglich, dem Ego auf beliebige Zeit die Ausreise aus dem Diesseits zu verwehren.
  • Es gibt einen Gott, bei dem das Ego nach dem Tod seinen Seelenfrieden finden kann, und einen Satan, der das zu verhindern versucht.

Das sind nicht einfach bloss ein paar weitere interessante Fakten über die Welt. Sie eröffnen völlig neue Dimensionen bei dem, was in unserer Welt möglich ist.

Worldbuilding à la Wikipedia

Worldbuilding is the process of constructing an imaginary world, sometimes associated with a whole fictional universe. Developing an imaginary setting with coherent qualities such as a history, geography, and ecology is a key task for many science fiction or fantasy writers. Worldbuilding often involves the creation of maps, a backstory, and races (If you are writing speculative fiction), including social customs and, in some cases, an invented language for the world.

Da diese Dinge nicht nur in der Theorie möglich sind, sondern unmittelbar vor der weltweilten Einführung stehen zu stehen scheinen, also auch genügend getestet wurden um das ganze Unterfangen nicht sofort auffliegen zu lassen, können wir mit gutem Gewissen folgende Schlussfolgerungen ziehen:

Menschen mit digitalisiertem Ego sind von Menschen, bei denen die Digitalisierung noch nicht durchgeführt wurde, nicht oder kaum zu unterscheiden. Sprich, sie werden nicht ihres Egos beraubt und als durch die Welt schlurfende Zombies zurückgelassen. Weil das zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde und dem ganzen Projekt schnell einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Wenn ein Ego trotz des Körpertodes das Diesseits nicht verlassen kann, weil in der Cloud eine digitalisierte Version existiert, dann bedeutet das, dass durch die zweite Instanz des Egos sowas wie eine weitere Verankerung im Diesseits geschaffen wurde.
Das was in der Cloud gespeichert ist, ist aber nicht nur eine Verbindung zwischen Diesseits und dem Ego, sondern das Ego selbst, denn es steht geschrieben: „EUER EGO SOLL IN EINE CLOUD HOCHGELADEN WERDEN“ und nicht „Euer Ego soll in einer Cloud befestigt werden“.

Alles, was digital ist, ist auch beliebig kopierbar.

Daher wird man, um sicher zu stellen, dass die digitalisierten Egos nicht versehentlich doch mal entwischen, sicherlich mehrere Backups der digitalisierten Egos in der Cloud aufbewahren. Vielleicht auch das eine oder andere in gebundener oder gemeisselter Form.

Und das bedeutet, dass das Ego erst das Diesseits verlassen kann, wenn auch die letzte Instanz des Egos hier zerstört wurde. Da aber zu verschiedenen Zeiten das gleiche Ego in die Cloud hochgeladen werden kann und es widersinnig wäre, wenn sowohl jede einzelne Version des Egos als auch einfach nur das zuletzt zerstörte Ego (das auch das zuerst gespeicherte sein kann) Seelenfrieden finden soll, kann man davon ausgehen, dass es pro Leben nur ein Ego gibt und dass dieses sich im Verlauf des Lebens nicht verändert.

Alles, was digital ist, lässt sich auch verändern.

Wenn wir also das digitalisierte Ego in der Cloud haben, dann können wir es auch verändern. Was eine Änderung konkret bewirkt, brauchen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal zu verstehen. Es reicht, dass wir wissen, dass sich das Ego eines Menschen nicht ändert. Und deshalb handelt es sich bei jeder Änderung um die Erschaffung eines gänzlich neuen Egos, das, wenn dessen letzte Instanz gelöscht wird, seinen Seelenfrieden bei Gott finden wird.
Und das bietet Satan viele Möglichkeiten Schabernack zu treiben…
So könnte Satan Millionen Kopien erstellen, diese beliebig verändern und dann löschen und so das Jenseits mit Egos überfluten, die es so nie gegeben hat.
Oder Satan könnte das einzige Backup eines Verstorbenen nehmen und irgendwo ein Bit ändern. Dadurch wäre das ursprüngliche Ego nicht mehr ans Diesseits gebunden und könnte bei Gott seine Seelenruhe finden. Zumindest so lang, bis Satan das Bit zurück ändert und das Ego wieder ins Diesseits zurückgezogen wird. Und dieser Scherz lässt sich automatisieren… so dass Satan die Egos im Himmel flackern lässt.

Alles, was gelesen werden kann, kann auch geschrieben werden.

Und wenn das Ego zurückgeschrieben werden kann, dann kann auch eine veränderte Version zurückgeschrieben werden. Und dann lassen sich die Effekte der Veränderung untersuchen und Rückschlüsse auf den zugrundeliegenden Mechanismus ziehen. Und so kann man im Idealfall das Ego optimieren (was auch immer Satan darunter verstehen mag).

Man kann aber natürlich auch das Ego mit dem eines anderen überspielen. Also Körpertauschen oder Superspione herstellen.
Solcherlei Spielereien sind natürlich ein Risiko für das Projekt, aber sie machen auch einen riesen Spass. Und deshalb halb halte ich es für unmöglich, dass diese Sache geheim bleibt. Wenn man mit etwas Blödsinn anstellen kann und viele Leute daran beteiligt sind, dann wird früher oder später irgendjemand damit Blödsinn anstellen. Und zwar deutlich früher als später.

Was ich jedoch nicht ganz verstehe, ist die Sache mit der Unsterblichkeit. Meine Schlussfolgerungen gingen bisher nur davon aus, dass die Körper weiterhin altern und vergehen, und dass einfach nur das Vorhandensein eines digitalisierten Egos in der Cloud das Ego nach den körperlichen Dahinscheiden daran hindert bei Gott seinen Seelenruhe zu finden. In dieser Interpretation liegt das Ego einfach bloss in der Cloud, ohne etwas davon mitzubekommen. „Leben“ kann man das nicht wirklich nennen.
Vielleicht wird den Egos aber auch eine virtuelle Realität geboten, in der sie, ihres materiellen Körpers beraubt, mehr oder weniger luxuriös weiterleben können. Als Satan würde ich jedem eine ich sehr, sehr, sehr luxuriöse virtuelle Realität bieten. Weil wenn dieses Projekt mal endet – und das wird es spätestens mit dem Ende des Universums notwendigerweise tun -, dass die Seelen dann verwöhnt in den Himmel kommen und dort mit nichts mehr zufrieden sind. Und das für eine ganze Ewigkeit1. Das käme einer Unsterblichkeit schon näher, aber „IN DIESER MATERIELLEN WELT VERFANGEN“ wäre man da nur im übertragenen Sinn.
Vielleicht weiss man inzwischen aber auch, wie man den Alterungsprozess und alle Krankheiten besiegen kann. Vielleicht braucht es dafür aber nanotechnologische(?) Modifikationen, für die das Ego zeitweilig nicht im Körper stecken kann. Vielleicht sind die in der Cloud gespeicherten Egos aber auch nur Backups für den Fall, dass ein tragischer Unfall passiert und man die Person in einem Klon weiterleben lassen muss. Das wäre dann echte Unsterblichkeit in der materiellen Welt. Und den Möglichkeiten Schabernack zu treiben wären kaum Grenzen gesetzt…

Als ich Attilas Tweet (?) das erste Mal las, fragte ich mich, wieviel Speicherplatz wohl so ein digitalisiertes Ego benötigt? Ob die Grösse bei allen Menschen gleich ist? Und wer wohl die ganzen benötigten Cloud-Server-Farmen finanzieren wird?
Und da wurde mir bewusst, dass Geld für den Satan kein Problem ist. Die materielle Welt ist schliesslich sein Reich und er kann hier walten und schalten, wie er will.

Das wirft aber noch eine interessante Frage auf: Dieser ultimative Schachzug um den Strom neuer Egos zum Erliegen zu bringen, wieso hat Satan ihn erst jetzt geführt? Wohl wissend, dass der wissenschaftliche Fortschritt die Menschen langsam aber sicher von Gott wegführt, warum hat er mit der wissenschaftlichen Revolution so lange zugewartet? Oder verdankt sich die Verzögerung den heimlichen Interventionen Gottes, der Engeln und der Kirchen, die sich seit jeher wacker gegen alles stellten, was die Lebensqualität der Menschen verbessert hätte?

Wenn also keine finanziellen oder technologischen Fesseln Satan die Hände binden und er erst jetzt zum Zug kommt, wieso dann ausgerechnet Impfungen? Satan weiss ganz genau, dass er heutzutage damit die kritischen Geister eh nie erreicht? Wieso besprüht er nicht einfach Biogemüse mit der Nanotechnologie? Ist ja nicht so, dass Stoffe nur intravenös in die Blutbahn gelangen können.

Und ganz allgemein, wenn Satans Plan ist Gottes Plan zu sabotieren, wäre es da nicht viel effektiver all die teuflischen Technologien der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Wie lange würde es da dauern, bis jemand das Ego seiner Angebeteten optimiert, die ihn bisher immer zurückgewiesen hat?
Wirklich grossen Schaden richtet man nicht mit einem einzigen mächtigen Schwerthieb an, sondern mit Abermillionen von winzigen, vermeintlich harmlosen Picksern.

Wieso zum Teufel ist der Satan so fantasielos wie die Menschen, die seine Machenschaften durchschaut haben? Wieso reizen er und seine Handlanger die Möglichkeiten nicht aus?

Um es kurz zu fassen:

Etwas ist faul

Plot Hole à la Wikipedia

In fiction, a plot hole, plothole or plot error is a gap or inconsistency in a storyline that goes against the flow of logic established by the story’s plot. Such inconsistencies include things as illogical, unlikely or impossible events, and statements or events that contradict earlier events in the storyline.

im Staate Attilas.

Verschwörungstheorie à la Wikipedia

Als Verschwörungstheorie wird im weitesten Sinne der Versuch bezeichnet, einen Zustand, ein Ereignis oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken einer meist kleinen Gruppe von Akteuren zu einem meist illegalen oder illegitimen Zweck.

Ich denke, das ist das Fazit meiner Überlegungen hier:
Es hat keinen Zweck Attila zu erklären, dass zum jetzigen Zeitpunkt weder Neurobiologie noch Nanotechnologie in der Lage sind das Ego – was auch immer das das sein mag – im Gehirn zu lokalisieren, geschweige denn es zu digitalisieren. Denn darauf wird er antworten, dass man uns genau das glauben lässt.
Wir können aber stattdessen zeigen, dass aus den Dingen, die gegeben sein müssen, damit Attilas Theorie überhaupt funktionieren kann, weit effektivere Waffen gegen Gotten Heilsplan konstruiert werden können.

Man könnte das Ego-Tuning auch bei Tieren machen: Ihnen auf diese Weise beispielsweise einen ausgeprägt lustvollen Masochismus und den Wunsch zum Gegessenwerden einpflanzen. Damit wären dann wohl Vegetarismus und Veganismus ein für alle Mal gegessen…

Was übrigens auch noch nicht wirklich geklärt ist, ist, ob Satan hier wirklich der Böserich ist…


In den Kommentaren könnt ihr gern die Filme, Serien und Bücher notieren, die Attila gesehen hat oder hätte sehen sollen.

Roger und der Doppeltrump

Meine Bubble ist eigentlich fantastisch. Keine Querdenker, keine Seuchenfreunde und nur wenige Katzenladies. Nichtsdestotrotz dringt hie und da über ein durchaus berechtigtes 🤦‍♂️auch mal was Bescheuertes bis zu mir durch. Beispielsweise Roger Köppels Trump-Rede-Analyse in seiner „autonomen Republik des freien Denkens“ (Weltwoche Daily, 7.12.2020)

Der Kontext

Zu Anfang gibt Köppel uns den Kontext zu seiner Position zu Donald Trump. Er sei eigentlich nie ein Fan von Trump gewesen. Er sei ihm immer in bisschen suspekt als Angeber, als Blöffer gewesen. Seine Perspektive habe sich aber verändert, als er 2016 am WEF an einem Panel teilnahm, wo die Rede auch auf Trump kam und wo sich plötzlich dieser Saal von hochdekorierten Akademikern, Wissenschaftlern, etc. über ihn auszulassen begann. Die Verachtung, das Gelächter und die Geringschätzung und Abschätzigkeit, die dort in einer geradezu aggressiven Manier zutage trat, hat ihn etwas misstrauisch werden lassen.

Was bis hierher auffällt, ist einerseits, dass er sich hier spontan schützend vor den geprügelten Hund stellt. Das zeugt von einem redlichen Charakter. Auch ich versuche auch in den übelsten Zeitgenossen das Gute zu sehen, doch normalerweise komme ich am Ende zum Schluss, dass die betroffene Person für ihre Position durchaus gute Gründe haben kann, nicht jedoch, dass die Position deshalb auch richtig ist. Das ist ein grossen Unterschied.

Und andererseits eine gewisse – ich nenne es mal – Reserviertheit gegenüber Wissenschaftlern. Köppel, der sonst nie ein Blatt vor den Mund nimmt und auch nicht davor zurückschreckt seine Gegner auch mal mit abschätzigen Begriffen zu umschreiben, mag sich über deren benehmen gewundert haben, vielleicht sogar zurecht, doch ist es nicht diese Charakterschwäche, die diesen Wissenschaftler ihre Orden beschert hat. Das sind gewissermassen zwei Personen: Der Lästerer und der Wissenschaftler. Die Schwächen des einen diskreditieren nicht die Expertise in seinem Fachgebiet des anderen.

Er habe dann in der Folge die Trumpgeschichte etwas genauer verfolgt und ihm sei aufgefallen wie gehässig und auch extrem verachtend amerikanische Leitmedien auf diesen Trump reagiert haben.

Etwas als „gehässig und verachtend“ zu bezeichnen, ist nicht ganz unproblematisch. Es sind emotionale Zuschreibungen, die oft weniger vom Schreiber beabsichtigt waren als viel eher vom abgeneigten Leser hineininterpretiert wurden. Genau wie ich das „hochdekoriert“ oben spontan nicht als anerkennend, sondern als einen zynischen Seitenhieb interpretiert habe.
Wichtiger finde ich aber, ob die Medien sich der Wahrheit verpflichtet fühlen. Ob sie sich dabei geschickt anstellen, ist leider eine ganz andere Frage. Ihre Attitüde halte ich dabei für eher nebensächlich. Genau wie ich auch der SVP ihre DasWirdManDochNochSagenDürfen nicht vorwerfe, solange diese nicht zu einem eigenständigen Problem wird.

Trump habe manchmal Dinge gesagt, die völlig absurd schienen, aber er habe auch immer wieder Dinge gesagt, die ihm eingeleuchtet haben und die er vernünftig fand.

Was nimmt man mit, wenn jemand mal absurdes und mal vernünftiges sagt (und tut)? Vor allem wenn oft erst nach eingehender Prüfung klar wird, ob etwas bestimmtes nun zum einen oder anderen gehört?
Ich finde, wir sind es der Vernunft schuldig, die eingehende Prüfung zu unternehmen und das Vernünftige mitzunehmen. Ich finde aber nicht, dass es sehr weise wäre, ihn zum Präsidenten zu machen, wo auch das absurde für bare Münze gehalten werden müsste. (Und im Interesse eines harmonischen Zusammenlebens erst recht nicht, wenn die politischen Gegner – auch nach eingehender Prüfung – noch immer alles alles für absurd halten. (Hier spielt meine Überzeugung rein, dass im Interesse eine produktiven Zusammenarbeit, die wir uns doch alle erhoffen, möglichst von allen Seiten akzeptierbare Kandidaten ins Rennen geschickt werden sollten.))

Und man habe festgestellt, dass dieser Trump eine gehörige Anhängerschaft mobilisieren konnte. Und diese Verachtung, die man in den Medien gespürt hat, die hat den Köppel immer mehr abgestossen, denn in dieser Verachtung gegenüber Trump sei immer auch die Verachtung gegenüber den sogenannt einfach Menschen zutage getreten, die eben in Trump investiert haben, die an Trump glaubten und immer noch an ihn glauben.

Eine grosse Anhängerschaft mobilisieren zu können, ist nicht notwendigerweise ein Qualitätsmerkmal. Es heisst bloss, dass man Dinge anspricht, die für viele Leute wichtig sind. Es heisst aber nicht unbedingt, dass diese Dinge auch tatsächlich das Gewicht haben, das ihnen die Leute beimessen.

Ich nehme an der Köppel hält nicht viel vom Kreationismus (auch wenn ich in diesem Betrag ein gewisses Sympathisieren mit religiösen Gefühlen zu spüren glaube). 40% der Amerikaner hängen diesem aber immer noch an. Und zu einem überwiegenden Teil in Trumps Gefolgschaft.
Wenn ich jemandem gegenüber eine gewisse Verachtung verspüre, von dem ich weiss, dass er es eigentlich besser weiss, aber aus politischem Kalkül mit dem Kreationismus liebäugelt, dann bedeutet das nicht notwendigerweise, dass ich auch die Kreationisten verachte. Den Kreationismus durchaus, weil fürchte, dass von ihm eine eminente Gefahr ausgeht, nicht aber die Kreationisten. Nicht dass ich diesen Leuten gegenüber nicht überheblich wäre, denn das bin ich wohl durchaus. Schliesslich halte ich sie für verblendet und bedenklich ungebildet, doch ich mache ihnen das nicht zwangsläufig zum Vorwurf. Ich halte sie für Opfer einer bedauerlichen Situation.
Wenn die Medien also eine gewisse Verachtung gegenüber dem Charakter Trumps zeigen, dann macht es sich der Köppel zu einfach, wenn er daraus auch auf eine Verachtung seiner Gefolgschaft schliesst. Für jene, die es besser wissen, durchaus, für die anderen empfinden sie eher Mitleid. Für die betroffenen Personen ist natürlich beides gleichermassen kränkend, doch sind es zwei sehr verschiedene Sachen, ob einem Böswilligkeit unterstellt wird oder Naivität.

Ich denke, dass vieles von dem, was als Verachtung gegenüber seiner Anhängerschaft interpretiert wird, in Tat und Wahrheit auf deren vermeintliche Bigotterie zielt: Wenn all die Dinge, die einen demokratischen Präsidenten in den Augen dieser Leute komplett disqualifiziert haben, bei Trump, der diese noch viel exzessiver zur Schau stellt, aber überhaupt kein Problem sind.
Das ist tatsächlich ein Kritikpunkt, den sich seine Anhänger gefallen lassen müssen. Andererseits denke ich nicht, dass es je die überragende Moral eines Kandidaten war, die jemanden überzeugt hat für ihn zu stimmen. Viel eher versucht man mit der Amoral des Gegenkandidaten dessen Anhänger abzuschrecken. Natürlich erfolglos.
Ich bezweifle daher, dass abgesehen von den „Trumpsycophanten“ sehr viele seiner Wähler seine Betrügereien, seine Lügen und seinen Narzissmus okay finden, doch gibt es für diese wichtigere Punkte, weshalb diese Dinge ihn nicht gleich disqualifizieren.
Ausser wenn einer der wichtigeren Punkte ist, den Gegnern ans Bein zu pinkeln, sind die Eigenschaften, obwohl man sie verachtet, vielleicht dennoch herzlich willkommen. (Diese Motivation halte ich allerdings für ausgesprochen arschlochig!)

Und damals sei ihm ein Phänomen bewusst geworden, das er so bezeichnen würde: Es gibt zwei Trumps. Es gibt sozusagen den Trump, den Angeber, den Trump, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, den Übertreiber und auch den Beleidiger Trump und vielleicht auch Trump, der es nicht ganz so ernst nimmt mit der ehelichen Treue etc. diesen egozentrischen, narzisstischen Showstar Trump. Aber es gibt oder gab daneben immer auch noch einen zweiten Trump. Und dieser Trump ist oder war der Trump, der fürs Volk gesprochen hat. Und der es in einer Art uns Weise gemacht hat, die ihn überzeugt habe.

Diese Zwei-Trump-Theorie ist fantastisch. Nicht neu. Aber äusserst effizient, wenn man sich mit gewissen Aspekten nicht beschäftigen will.
Die Frage ist aber, ob das legitim ist?
Bei gewissen Dingen macht es durchaus Sinn eine Zwei-Personen-Praxis zu vertreten. So sollte es keine Rolle spielen, ob jemand Volksmusik mag oder schwul ist, wenn es darum geht, ob er gewählt werden soll. Wenn es aber um die Ehrlichkeit geht, dann sieht sie Sache anders aus. Ich will nicht bestreiten, dass es manchmal nötig ist zu lügen, aber man wünscht sich schon jemanden, der das nicht auf die leichte Schulter nimmt. Wenn die Erfahrung aber zeigt, dass jemand nicht davor zurückschreckt zu lügen, wenn er sich davon einen Vorteil verspricht, dann kann man sich nicht wirklich darauf verlassen, dass er zu seinem Wort stehen wird – was in der Politik eine zentrale Forderung ist. Natürlich könnte man einwenden, dass man diese Gewissheit auch bei jemandem nicht hat, der noch nicht der Lüge überführt wurde, doch ich denke, dass es schon einen Unterschied macht bei der Wahl, wem man das vertrauen schenken will, wenn der eine von beiden regelmässig lügt und das auch bei wirklich unnötigen Sachverhalten. Und es macht mir etwas Sorgen, dass der Köppel das nicht so sieht.

Köppel scheint vielmehr beeindruckt davon zu sein, dass Trump fürs Volk spricht. Das scheint das einzige zu sein, was in seinen Augen einen Politiker legitimiert? Er führt aber nicht aus für welches Volk er spricht, respektive sprechen soll. Und auch nicht, was dann die Leute sind, für die er nicht spricht.
Hinzu kommt, dass fürs „Volk“ sprechen – insbesondere wenn es nur ein Teil der Bevölkerung ist – gern mit Populismus, Demagogie und Nationalismus einher geht. Und nicht immer mit den guten Varianten. (Nicht dass mir gute Varianten bekannt wären, aber ich nehme an der Köppel sieht das etwas differenzierter.)

Oder beeindruckt er Köppel vielleicht, weil er wie das „Volk“ spricht? Seine Sprache ist die eines Primarschülers und er hält sich nicht ans Protokoll, welches eine respektvolle Zusammenarbeit auch zwischen den Fronten ermöglichen soll. Er macht Leute lächerlich und pinkelt jedem beliebig ans Bein. Das ist erfrischend, ohne Zweifel, denn viele haben das verdient, aber so funktioniert Politik nicht, die darauf angewiesen ist, dass man auch zurücksteckt und Kompromisse findet. So gewinnt man Wahlen und stärkt das Selbstwertgefühl des „Volkes“, so bringt man aber nicht das Land vorwärts.

Als er sich intensiver mit dem Phänomen Trump zu beschäftigen begann, fiel Köppel auf dass der zweite Trump jemand ist, der Dinge auf den Tisch legte, die sonst weggewischt werden. Trump habe sich zur Wehr gesetzt gegen die Arroganz der Medien, gegen die Arroganz der politischen Eliten, auch gegen die Arroganz der Universitäten, die so tun als hätten sie absolute Wahrheiten, auch moralische Wahrheiten auf ihrer Seite.

Auch hier. Nicht alles, was vom Tisch gewischt wird, hat auf den Tisch etwas zu suchen. Den Leuten nicht zu erlauben andere aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe oder sexueller Orientierung zu diskriminieren, ist keine Diskriminierung, auch wenn das „Volk“ es als genau das versteht und es wieder erlaubt sehen möchte. In den Biologiestunden den Kreationismus nicht zu unterrichten, ist keine Unterdrückung der Glaubensfreiheit durch arrogante Wissenschaftler, auch wenn das „Volk“ es als genau das versteht und ihn wieder im Unterricht sehen möchte. Und keine Mauer zu Mexiko bauen zu wollen, ist kein Landesverrat, wenn man das Problem offensichtlich an einem anderen Ort liegt, auch wenn das „Volk“ es als genau das versteht und sie gebaut sehen möchte.

Jede Zeitung glaubt alles besser zu wissen. Das mag arrogant wirken, ist aber insofern nicht tragisch, da es ja noch andere Zeitungen gibt, die ebenfalls um Glaubwürdigkeit buhlen. Jede Partei glaubt auf der moralisch besseren Seite zu stehen. Das mag arrogant wirken, ist aber insofern nicht tragisch, da sie ja mit anderen Parteien noch immer einen Konsens treffen muss. Jede wissenschaftliche Disziplin glaubt alles besser zu wissen als früher. Das mag arrogant wirken, ist aber insofern nicht tragisch, weil das tatsächlich auch stimmt. Das heisst nicht, dass man damit die absolute Wahrheit gefunden habe, sondern nur, im besten Fall, dass eine bestimmte Annahme nachweislich und in Übereinstimmung mit allen Peers absolut falsch ist.
Arroganz verdirbt des Spass, schmälert aber nicht die Wahrheit.

Und da habe sich Trump winkelriedmässig wirklich ins Zeug gelegt und für die Leute gekämpft, für die einfachen, von diesen hochfliegenden und hochwohllöblichen Institutionen nicht zur Kenntnis genommenen Menschen eingesetzt. Unter Inkaufnahme sehr grosser persönlicher Nachteile. Und dieser Trump imponiert ihm. Und diesen Trump hat Köppel verteidigt in Artikeln der Weltwoche.

Natürlich wie Winkelried. Wie der mythische Held, der sich am 9. Juli 1386 so tapfer in den Fersensporn seiner Feinde stürzte…
Dass Köppel Trump mit dem grössten Helden der Schweiz vergleicht, finde ich aber schon speziell. Es fühlt sich für einen SVP-Mann gleichermassen naheliegend wie blasphemisch an. Irgendwie ist es auf eine verquere Weise das gleiche wie die Identifikation von Jana aus Kassel mit Sophie Scholl. Hier einfach gefühlt etwas weniger Relativierung, dafür ein klitzekleines bisschen mehr Absolutismus. Auf jeden Fall aber ein trauriger Ausverkauf der Ideale.
Winkelried hat für seine Kameraden sein Leben gegeben. Dass Trump absurde Sachen macht und die Medien sich dann darüber lustig machen, kann man damit aber schwerlich vergleichen. Insbesondere, da er aus diesen Anfeindungen durchaus Profit zu schlagen versteht. Die Presse kritisiert ihn, er nennt sie Fake-News, die Glaubwürdigkeit der Presse nimmt Schaden und bei seine Anhängern wächst der Messias-Status. Bisweilen, so scheint es, legt er es sogar richtig drauf an. Je mehr ihn die einen hassen, desto mehr lieben ihn die anderen.
Ich bin mir also gar nicht so sicher, ob er wirklich Nachteile einfährt. Vielleicht sind das auch einfach nur die Kosten der Gesellschafts-Spaltung, aus der seine Energie gewinnt. Divide et impera!
Hinzu kommt, dass ich den verdacht hege, dass Trump sich eine Welt gebaut hat, in der er der allseits beliebte, strahlende Sieger ist. Kritik dringt nicht bis zu ihm vor und wenn doch, schmettert er sie eloquent ab, so dass felsenfest überzeugt davon ist, dass bis auf ein paar mächtige Verschwörer mit diabolischen Agenden alle zu ihm stehen. Das Volk und insgeheim auch die traditionell demokratisch wählenden Leute. Schliesslich kann niemand, der bei gesundem Verstand ist, bestreiten, dass er der beste ist, wos je hets gits.

Doch wenn Köppel Trump als Winkelried inszeniert, als einen mythischen Helden der bereit ist sein Leben zu Geben im Kampf gegen die Habsburger, dann spielt er damit verschiedenen absurden, bisweilen sogar gefährlichen Verschwörungstheorien in die Hand.
Eigentlich müsste sich Köppel als kritischer Geist von kruden Verschwörungstheorien distanzieren und stattdessen die tatsächlichen Mechanismen aufzeigen, welche am Werke sind. Doch das tut er nicht und so tummeln sich in den Kommentaren zu seinen Videos eine Menge Leute herum, die dort menschenverachtende Verschwörungstheorien propagieren.

Köppel sei immer wieder so der Gedanke gekommen, dass die Gegner vor allem über Egotrump sprechen, damit sie nicht über den Volkstribun und auch den Volksredner sprechen müssen, der sehr viel gutes macht. Auch in seiner Präsidentschaft sehr viel gutes macht.

Auch Trump unterstreicht das jedes mal, wenn er sich über die Fake-Medien ärgert, dass sie seine Leistungen unerwähnt lassen. Tatsächlich tun sie das aber nicht. Sie sind bloss nicht so begeistert von ihnen wie Trump und Köppel.
Jegliche Kritik einfach als eine an Egotrump zu verstehen und daraus zu schliessen, dass der Macher und Volkstribun aus ungeklärten Gründen nicht erkannt wird, ist ziemlich billig. Aber offenbar wirksam.

Auch dass er Trump als Volkstribun bezeichnet, ihn mit dem Ehrentitel Blochers schmückt ist interessant. Ein weiterer seltsamer Vergleich.

Ein Knackpunkt sei dann wohl gewesen, als in der Corona-Krise der Egotrump sich zu sehr in den Vordergrund schob. Der Volksredner sei da zu sehr in den Hintergrund getreten.

Kommt nur mir das so vor, als ob Köppel hier Trump strategische Fehler vorwirft ohne die Fehler zu benennen? Was hätte der Volksredner denn getan? Den Ernst der Lage und die Wichtigkeit der Schutzmassnahmen unterstrichen? Also Dinge mit denen sich auch die SVP schwer tut?

Und möglicherweise habe diese übersteuerte Egophase am Anfang der Pandemie dazu beigetragen ihn die Wahl zu kosten.

Trump wird sich damit sicherlich viel Sympathie im eigenen Lager verspielt haben. Das wird aber nicht allzu viele motiviert haben die Seite zu wechseln. Trump war von Anfang an ein Arsch und es hat seine Wähler nicht gestört. Auf der anderen Seite war seine Zustimmung immer lausig. Oder ist es wirklich so abwegig anzunehmen, dass eine Mehrheit ihn nicht so toll findet? Sich nicht von ihm beschützt fühlt?

Was mich dagegen ehrlich erstaunt, ist die Vorstellung, dass es in der Trumpfrage tatsächlich Unentschlossene geben soll. Bei seiner Begabung fürs Polarisieren halte ich das für beinahe ausgeschlossen. Entweder liebt man ihn oder man hasst ihn oder man hasst ihn, akzeptiert ihn aber, weil man sich etwas davon erhofft oder die andere Seite noch viel mehr hasst. Gleichgültig gibt es nicht.

Aber die Corona-Krise hat ihm sicherlich geschadet. Und genutzt. Weil sie mehr Gegner als Anhänger mobilisiert hat. Sowohl bei ihm, als auch bei Biden. Und das wird wohl den Ausschlag gegeben haben.

Köppels Ansicht nach haben die Medien ihre Glaubwürdigkeit verspielt in der Berichterstattung über diesen Trump, weil sie überhaupt nicht diesem Doppelphänomen gerecht werden wollten, sondern sich einfach nur eingeschossen haben auf die eine Seite, wo Trump ihnen natürlich auch immer wieder Munition geliefert habe.

Geht das? Köppel entdeckt die Doppeltrumpigkeit und die Medien verlieren ihre Glaubwürdigkeit, weil sie diese nicht auch erkennen?

Die Rede

Jetzt wendet sich Köppel der 46-Minuten-Rede zu, die vernichtende Reaktionen hervorgerufen haben soll. Er will jetzt auf diese Rede eingehen und einzelne Punkte herausarbeiten.
Die erste Frage sei, ob es Wahlbetrug gegeben habe.

Sollte die erste Frage nicht lauten, ob sich Trump jetzt schon zum Wahlsieger erklären darf? Ich meine, es ist ja noch nichts entschieden. Ich meine ja nur…

Natürlich gab es Wahlbetrug, meine Damen und Herren, so Köppel. Es habe Unregelmässigkeiten gegeben und das sei auch durch eidesstattliche Erklärungen beglaubigt worden. Von denen aber manche wohl nicht vor Gericht standhalten werden.

Manche? Alle Vorstösse vor Gericht wurden zurückgewiesen. Mehr als 50.
Darf man dann sagen, dass die Einwände gültig sind, wenn die Gerichte sie nicht akzeptieren?

Andere seien sehr überzeugend.

Wer entscheidet, was überzeugend ist? Die Gerichte oder die Medien? Oder irgendwelche Verschwörer, die dann die Gerichte und Medien darüber in Kenntnis setzen?

Es habe natürlich Unregelmässigkeiten gegeben und Wahlbetrug. Entscheidend aber sei, ob das in einer Dimension stattgefunden habe, die das Wahlergebnis kippen könnte. Aber die Behauptung, dass es keinen Wahlbetrug gegeben habe sei reinste Antitrumprethorik.

Und zu behaupten, dass es Wahlbetrug gegeben habe, während man auf Evidenzen hinweist, die vor Gericht nicht standhalten, ist demzufolge Protrumprethorik?

By the way, wenn etwas Anti- oder Pro-Irgendwas-Rhetorik ist, dann sagt das nichts über die Gültigkeit der vorgebrachten Argumente aus, sondern lediglich über die Art und Weise wie etwas formuliert wurde, hier beispielsweise auf welche Stilmittel das angesprochene Publikum am besten reagiert. Natürlich kann man damit die Meinung des Publikums subtil in die gewünschte Richtung komplimentieren, aber unverhohlenes Lügen ist kein Teil davon.

Das zweite Argument sei, dass zum ersten Mal in der Geschichte der vereinigten Staaten während des Spiels die Spielregeln geändert wurden, was die genauen Wahl- und Stimmabgabemechanismen angeht. Besonders in Pennsylvania, wo man einerseits die Briefwahl ermöglicht und anderseits die Sicherheitsmechanismen heruntergefahren habe. Und man könne sich die Frage stellen, warum sie das getan haben, schliesslich tun Politiker ja nie etwas ohne ein bestimmtes Motiv, sagt der Nationalrat Köppel.

Könnte der Grund die Pandemie gewesen sein?
Wäre das kein guter Grund um Briefwahlen im Eiltempo einzuführen?
Trump hat sich da zwar von Anfang an mit Händen und Füssen dagegen gewehrt, wohl wissend, dass das eher den corona-phoben Demokraten zugute kommen würde, aber er konnte es nicht verhindern.
Man könnte umgekehrt die Frage stellen, wie viel von der ungeschickten Handhabung und den holprigen Prozessen bei der brieflichen Stimmabgabe dann während der Wahl auf Hinderungsversuche der Trump-Administration zurückgehen. Hätte sich Trump dafür eingesetzt, dass die Briefwahl sauber ausgerollt wird, wie viele der Unstimmigkeiten wären dann wohl nicht aufgetaucht?

Und wenn man bedenkt, wie die Demokraten Trump während der letzten vier Jahre verteufelt haben, ihn sogar als Hitler bezeichnet haben, dann ist der Gedanke nicht abwegig, dass sie alles versuchen um diesen Hitler aus dem Amt zu bringen. Wenn schon nicht mit einem Attentat dann wenigstens mit Wahlbetrug. Das sei nicht so unplausibel.

Jemanden mit Hitler zu vergleichen (so deplatziert es auch sein mag) ist nicht das gleiche wie ihn als Hitler zu bezeichnen. Und aus einem unglücklichen Vergleich einzelner Exponenten zu schliessen, dass die ganze Partei sich für Attentate und Wahlbetrug stark machen wird, finde schon etwas gewagt. Könnte sowas nicht schon als Hetze ausgelegt werden? (Ich muss hier allerdings zu Köppels Verteidigung anführen, dass er sich grundsätzlich schwer mit Nuancen tut. So sah er bei AOC auch keinen Unterschied zwischen Rache und zur Verantwortung ziehen. Da kann er nichts dafür und man sollte lieber davon absehen dieses semantische Missgeschick als Hetze zu interpretieren.)

Es habe diese Jahr 80 Millionen Briefwahlzettel in den Vereinigten Staaten gegeben. Das sei sehr, sehr viel und das öffnet natürlich Tür und Tor für Manipulationen und für Fälschungen. Das sei das stärkste Argument, das Trump in seiner Rede vorgetragen habe.

Und selbst wenn hier der Manipulation und Fälschung Tür und Tor geöffnet worden sind. Welche rechtsstaatliche Instanz identifiziert es, bestätigt es und gebietet dem Einhalt? Ist es nicht zufälligerweise genau die Instanz, die keine Unregelmässigkeiten zu erkennen vermag?
Hat sich Köppel nicht erst kürzlich dafür stark gemacht, dass der Rechtsweg unbedingt eingehalten werden muss? Oder gilt das nur, wenn der Rechtsweg in die gewünschte Richtung weist?

Der dritte Punkt sei zu bestimmen, ob es reiche um zu zeigen, dass ein legitimer Präsident um seinen Posten gebracht wurde. Und hier sei das grosse Problem Trumps. Er habe nicht die Beweise, die wirklich überzeugend sind. Er könne Einzelfälle darlegen, aber er könne nicht zeigen, dass es im nötigen Ausmass passiert sei.

Und damit ist die Sache doch eigentlich erledigt? Oder? Ich meine, welche rechtsstaatlichen Möglichkeiten bleiben dann noch?

Indem Köppel das nicht ausführt, sondern einfach im Raum stehen lässt, radikalisiert er aber geradezu seine Gefolgschaft. Der richtige Weg wäre sich hier für einen legalen Weg stark zu machen um das (systemische?) Problem zu lösen.

Und dann erklärt Köppel, wo Trump den Fehler gemacht habe. Er habe zu spät reagiert. Nicht erst nach der Wahl. Er hätte sein Legal Team schon während dem Wahlkampf auf die Piste schicken müssen.

Hat er das nicht getan? Schon. Aber eben nicht genug.

Das sei ein Führungsfehler gewesen. Und den versuche er nun zu kompensieren, indem er seine Vorwürfe ins monströse und unseriöse überdreht.

Und hier wieder die Unterscheidung zwischen Egotrump und Volkstribun. Wenn es absurd ist, ist es der Egotrump. Aber das macht die Sache hier nicht zu einer der absurden. Man weiss dann zwar nicht, welche Vorwürfe der Volkstribun vorgebracht hätte, aber sicherlich wären sie dann richtig gut gewesen. Ziemlich praktisch. Das Durchdrehen Trumps beweist, dass die Wahrheit irgendwo da draussen ist.

Köppel bringt dann zwei Beispiele, wo Trump seines Erachtens übers Ziel geschossen sei. Die Stimmen, die in Wisconsin mitten in der Nacht auftauchten und Trumps Vorsprung zunichte machten und die Sache mit den Dominion Wahlmaschinen, die angeblich auf Knopfdruck Ergebnisse switchen können. Köppel meint dann, dass wenn Trump sowas sagt, und er sei jetzt nicht mehr Wahlkämpfer sondern Präsident, dann aktiviert er alle natürlichen Zweifel, die wir alle haben, gegenüber Google, gegenüber Big Tech, gegenüber irgendwelchen Computern. Köppel will theoretisch auch nicht ausschliessen, dass das technisch möglich ist, doch wenn der Präsident der Vereinigten Staaten solche Vorwürfe in den Raum stellen, und vor dem Siegel der Vereinigten Staaten sich hinstellen, dann habe er doch eine gewisse objektive Wahrheitsverpflichtung und er müsse bei belegbaren Fakten bleiben.

Soll das heissen, dass es Gelegenheiten gibt, in denen Trump „notwendigerweise“ der Volkstribun sein sollte und nicht der Egotrump? Und was wenn darauf einfach kein Verlass ist? Was wenn man nicht darauf vertrauen kann, dass jemand der objektiven Wahrheit verpflichtet ist und seine Fakten belegbar sind? Ist ein solcher Mensch immer noch wählbar in einem Rechtsstaat?

Ich fand es übrigens lustig, dass Köppel einem Wahlkämpfer offenbar Lügen durchgehen lässt. Einem Präsidenten aber nicht. Ich bin da wohl nicht so tolerant.
Und witzig fand ich auch, dass der unbegründete Blödsinn der Trump verzapft einen natürlichen Zweifel aufkommen lässt. Aber nicht an Trump, sondern an der Technologie.
Wäre Köppel doch nur auch Andersdenkenden gegenüber so wohlwollend…

Köppel bestreitet nicht, dass Trump das so empfindet, aber er hat keinen Beweis bringen können, dass das wirklich so ist.

Damit hätte er sich doch eigentlich den ganzen Beitrag sparen können, oder?

Eine Frage am Rande: Hält Köppel Trump für intelligent? Respektive woraus glaubt Köppel, dass Trump seine durchaus vernünftigen Gedanken schöpft? (Und woher seine absurden?) Und wenn Köppel dem intelligenten Trump zugesteht, dass dieser die Validität seiner schwachen Beweise aufrichtig für überzeugend hält, wie abwegig ist es da, dass die Medien die vernünftigen Dinge aufrichtig nicht für besonders vernünftig halten?
Ich meine, ja, die Medien machen sich über ihn lustig, aber vielleicht tun sie das, weil er jedes Kriterium einer (tragischen) Witzfigur erfüllt und nicht weil sie Angst vor seinen vernünftigen Gedanken haben. Ist Köppel schon mal der Gedanke gekommen, dass die Medien keine Agenda haben, sondern einfach nur ihre Arbeit tun? Sprich, dass deren Unzulänglichkeiten profane Gründe haben und nicht von irgendwelchen mächtigen Verschwörern eingefädelt wurden.

Der Egotrump will zwanghaft gewinnen. Dabei müsste gerade jetzt der Volkstribun zum amerikanischen Volk sprechen.

Was sollte der Volkstribun dem Volk denn sagen?

Köppel meint, er müsse die Leute auffordern wählen zu gehen. Weil er mit der Betrugsrhetorik und der Verschwörungsrhetorik das amerikanische Volk demotiviert bei den kommenden Senatswahlen nochmals ihre Stimme für die Republikaner abzugeben.

Mit dem amerikanischen Volk, deren Sache Trump immer so gut vertreten habe, meint Köppel tatsächlich nur die Republikaner.
Der Volkstribun ist nur seinem Volk verpflichtet!

Köppel befürchtet am Schluss, dass wenn man Egotrump jetzt weiter wüten lässt, dass er als Totengräber seiner selbst und seiner Politik in die Geschichte eingehen könnte. Und das wäre schade, weil es eine gute Sache war, dass er gewählt worden ist, der die Anliegen des Volkes vertreten hat gegen diese ganze heuchlerische, verlogene Superelite, gegen all diese polyglotten Sozialisten und Halbsozialisten und Salonsozialisten. Dass da mal einer aufgestanden ist und auch die Political Correctness zurück gekämpft hat. Das sei eine gute Sache. Und wenn er das jetzt noch kaputt macht auf seiner Egotrump-Schiene, dann wäre das wirklich tragisch.

Nehmen wir mal an, dass er wirklich erfolgreich gegen den Sumpf angekämpft hat und den Leute tatsächlich die Heuchelei und die Verlogenheit der Eliten vor Augen geführt hat und dass er den Vormarsch der Political Correctness gestoppt hat. Inwiefern würde sein jämmerlicher Niedergang diese Errungenschaft zunichte machen? Was man einmal gesehen hat, kann man nicht mehr ungesehen machen.
Und selbst wenn das Volk diese Dinge dank eines nächsten Volkstribuns wieder aus den Augen verliert, wäre das wirklich das schlimmste denkbare Erbe, das uns Trump hinterlassen kann?

Nicht das zerstörte Vertrauen in die Medien und in den Rechtsstaat aufgrund unbegründeter Vorwürfe? Nicht die immer unüberwindlichere Polarisation? Nicht die Salonfähigkeit der White Supremacy? Nicht die politisch motivierte Gewalt, zu der sich seine Anhänger legitimiert fühlen?

Aber Köppel schaut jetzt einfach mal, wie sich die Sache im Weiteren entwickeln wird.

Okay. Schauen wir.
Doch ich hätte da noch eine allerletzte Frage: Gibt es diese zwei Trumps wirklich? Der eine Trump ist ja nach allgemeiner Übereinkunft ein egomanisch, narzisstischer Angeber, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Solche Menschen neigen dazu ihr Publikum mit Lügen um den Finger zu wickeln und auszunutzen. Woher nimmt Köppel die Gewissheit, dass es den zweiten Trump tatsächlich gibt und diese vernünftigen Dinge, die ihn so beeindrucken, nicht nur die Spinnweben sind, mit denen er sich seine konservativen Fliegen fängt?


Köppel hinterfragt übrigens ganz am Anfang dieses Beitrage in seiner Rubrik (?) „Willkommen in der verrückten Welt von Transgender“ auch noch kritisch die (niederen?) Motive für das Comingout von Elliot Page, dessen Wunsch künftig als „er“ angesprochen zu werden Köppel einfach ignoriert, und holt dann gleich auch noch aus zu einem wissenschaftlich wackligen Rundumschlag aus gegen die „Genderideologie – den Kreationismus der Linken“.
Auf den einen oder anderen Fehler in seiner Argumentation werde ich vielleicht ein andermal zu sprechen kommen, hier möchte ich nur folgendes zu denken geben: Als jemand, der sich gern selbst gegen den grössten Wiederstand des nicht ernst genommenen Volkes annimmt, ist Köppel hier erstaunlich taub für den Versuch des Gehörtwerdens eines Volkes, das seit Ewigkeiten ignoriert und bevormundet wurde.


Ich glaube, ich kaufe ihm die „autonome Republik des freien Denkens“ nicht ab. Ich glaube, er biedert sich bloss seiner immer querer denkenden Gefolgschaft an.

2. Welle

In der Kalenderwoche 44 starben 216 Menschen an Covid-19 in der Schweiz.
In der Kalenderwoche 45 waren es 452.
In der Kalenderwoche 46 waren es 602.
In der Kalenderwoche 47 waren es 680.
In der Kalenderwoche 48 waren es 590.
Und der Anfange der Kalenderwoche 49 ähnelt eher jenem der Woche 47 als jenem der Woche 48.
Und den Schweizern hängen die Massnahmen langsam aber sicher zum Hals raus.

Ist es wirklich falsch zu fragen, wie es wohl wäre, wenn es nicht eine Pandemie wäre, die die Menschen tötete, sondern Terrorismus? Wenn es irgendwelche Fanatiker wären, die ohne viel materiellen Schaden anzurichten, jede Woche Tausende von Menschen krank machen Hunderte von vorbelasteten und alten Menschen umbringen würden?

Ist es wirklich falsch zu fragen, ob man dann auch sagen würde, dass die Leute mit und nicht am Terror gestorben sind? Dass die Opfer eh bald von uns gegangen wären? Und dass man die Wirtschaft deswegen nicht gleich gegen die Wand fahren dürfe?

Ist es wirklich falsch zu fragen, ob man dann nicht vielleicht viel mehr bereit gewesen wäre Freiheiten aufzugeben, als man es heute ist? Dass man dann vielleicht viel weniger darauf bestanden hätte, dass die Massnahmen nur begrenzt gelten dürfen?

Ist es vielleicht falsch all das zu fragen, weil man da in der Frage nicht zwischen ausländischen und inländischen Ansteckern/Terroristen unterschieden hat?

Was kein Pfarrer beantworten kann

Lieber Pfarrer

Stell dir vor, es gäbe heute eine Theologin vom Kaliber eines Thomas von Aquin. Fachkundig, brillant und allgemein als Koryphäe geschätzt.
Und stell dir vor, dass es zwischen ihr und dem Papst zu einer fundamentalen Meinungsverschiedenheit kommt, die der besagten Theologin nichts anderes übrig lässt, als die katholische Kirche zu verlassen.

Die Frage, die kein Pfarrer beantworten kann, ist folgende:
Was müsste der Papst tun, damit maximal viele Kleriker ebenfalls der Kirche den Rücken kehren?

Hier ein paar Vorschläge:

  1. Der Papst verurteilt den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, sorgt für die restlose Aufklärung, entschädigt tatsächlich alle Opfer so gut es geht und übergibt die Täter ohne Umschweife den Behörden.
  2. Der Papst erlaubt die Ehe für Priester, die Frauenpriesterschaft, die gleichgeschlechtliche Ehe und den Schwangerschaftsabbruch.
  3. Der Papst erklärt, dass die Trinität ausgeweitet wird und Mohammed neu ein Teil von ihr ist: Vater, Sohn, Prophet und heiliger Geist.
  4. Der Papst verurteilt den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, behindert aber die Aufklärung und spart bei der Entschädigung der Opfer, wo es nur geht, und bestraft die Täter mit einer strengen Rüge.
  5. Der Papst spricht sich für die Legalisierung von Todesstrafe, Sklavenhaltung und Genozid aus.

Wie viele Priester würden wohl von der Kirche abfallen bei jedem dieser fünf Szenarien?
Und wie gross ist wohl die Chance, dass bei einem davon ein Drittel aller Kleriker die Kirche verlässt?

Ich glaube nicht, dass es im ersten Fall besonders viele wäre. Manche Priester würden wohl etwas angepisst sein, dass sich die Kirche dem weltlichen Recht unterwirft und es zulässt, dass ein unnötig schlechtes Bild auf ihre heilige Institution geworfen wird, indem man Fälle publik macht, die andernfalls wohl nie ans Licht gekommen wären. Aber im Grossen und Ganzen, würde man die Stossrichtung des Papstes eher begrüssen. Hoffe ich.
Im zweiten Fall würden viele Priester richtig wütend sein, weil das fundamental ihrem Verständnis von dem zuwiderläuft, was sich Gott von uns wünscht. Andererseits besteht ja ein grosser unterschied zwischen dem, was erwünscht, und dem, was nicht verboten ist. Man könnte sich also auch damit arrangieren.
Beim dritten Fall wird es langsam wirklich starker Tobak. Da es aber eigentlich nur eine theologische Spitzfindigkeit ist und keinen Einfluss auf die liturgische und vor allem die seelsorgerische Tätigkeit hat, werden wohl auch hier die meisten darüber hinweg sehen können.
Beim vierten Fall sollten die Priester aber tatsächlich langsam das Weite zu suchen beginnen. Aber wie die Erfahrung zeigt, flüchten hier eher die Schafe als die Schäfer.
Persönlich denke ich daher, dass nur der fünfte Fall das Potential zu einem Massenexodus haben würde. Das hoffe ich zumindest – aber wirklich sicher bin ich mir da auch nicht.

Erkennt man unter welcher Konstellation ich die grösste Migrationsströme vermute?
Irgendwo in einer Richtung, wo unsere grundlegendsten Ethikvorstellungen mit Füssen getreten werden. Was die vatikanische Presse allerdings nicht davon abhalten würde, die Niederträchtigkeit der Häretiker zu unterstreichen.

Und erahnt man, wieso ich nach etwas Suche, das ausgerechnet einen Drittel aller Priester betrifft?

Höllensturz von Albrecht Dürer, ca. 1500


Worauf ich hier nämlich eigentlich hinaus will, ist: Warum hat sich gut ein Drittel aller Engel gegen Gott gewendet?

Als Antwort hört man meist „Streben nach Gottgleichheit“, „Stolz“, „Weigerung den Menschen Respekt zu bezeugen“, „Willensfreiheit“ und „Lust“.
Das sind natürlich alles valide Gründe um sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, aber sie haben – wie wir oben gesehen haben – wahrscheinlich nicht das Zeug dazu den ultimativen Schritt zu wagen. Und der ultimative Schritt ist hier tatsächlich ultimativ ultimativ. Und dessen ist sich niemand besser bewusst als die Engel, die Gott, seinen Charakter und seine Macht bereits seit Ewigkeiten kennen.
Den Engeln muss also von Anfang an klipp und klar gewesen sein, dass sie absolut keine Chance haben und dass die Konsequenzen gnadenlos sein würden. Wie verzweifelt mussten sie dann wohl gewesen sein, dass sie sich dennoch erhoben? Auf keinen Fall ist das die Entscheidung eines charakterschwachen Wesens…

Oder aber, sie hatten eine Chance. Oder dachten zumindest, dass sie eine haben könnten. Das würde dann aber die Allmacht Gottes äusserst fragwürdig machen.

Der Aufstand ereignete sich ungefähr im unendlichsten Jahr von Gottes Herrschaft. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, warum ausgerechnet dann? Warum nicht Ewigkeiten früher oder Äonen später? Wieso fiel es exakt auf den Moment, wo Gott den Menschen erschuf?
Was an der Erschaffung von ein paar sterblichen, nackten Affen, denen das Rasieren, Crevetten-Essen und Masturbieren verboten ist, könnte Engel so in Rage bringen, dass sie die Harfe in die Ecke schmeissen?

Und hätte eine allwissender Gott nicht wissen müssen, dass er mit der Erschaffung der Menschen die Engel gegen sich aufbringen und radikalisieren würde? Und dass dadurch die naive Menschheit zwischen die Fronten in einem unerbittlichen Krieg gerät?

Das werden wir wohl nie erfahren.

Wir wissen nur zwei Dinge:
Erstens, dass die gefallenen Engel weder hingerichtet noch ins Gefängnis gesteckt wurden, sondern zur Zeit ein eigenes Reich von unbekannter Grösse bewohnen.
Zweitens, dass der Typ, der den Sieg für sich beansprucht, zusammen mit den ihm verbliebenen Engeln zur Zeit ein Reich unbekannter Grösse bewohnt.

Versteht mich nicht falsch, aber klingt das nach dem Sieg eines Typen, der sonst keine Gelegenheit auslässt um die Welt zu ersäufen, nicht auserwählte Völker massakrieren zu lassen und Befehlsverweigerer in Salzsäulen zu verwandeln.
Das klingt nach dem Sieg eines nicht nachtragenden Charakters oder einer Pattsituation und einem Nichtangriffspakt.

Aber die Bibel sagt etwas anderes. Und die sagt schliesslich auch, dass sie die WAHRHEIT sagt. Also muss stimmen, was sie sagt. Logisch.

Nehmen wir mal hypothetisch an, dass Gott doch fähig ist zu lügen. Ich weisss, verrückt. Was würden wir dann wohl in der Bibel zu finden erwarten?
Zuerst einmal die Beteuerung, dass er vom Wesen her nicht fähig sei zu lügen. Und dann eine wenig verlässliche Beschreibung aller möglichen Ereignisse, der Charaktere und derer Motive. Vielleicht würde sogar die eine oder andere Niederlage als Sieg verkauft?

Das Geschichtsbuch des ehrlichen Siegers unterscheidet sich nicht gross vom jenem des lügenden Verlierers. Einer der wenigen Unterschiede würde wohl sein, dass die Gegner beim Lügner hässlicher dargestellt werden als beim Ehrlichen.

Jetzt seien wir mal ehrlich zu uns selbst:
Sieht so ein Verlierer aus?

So sieht Luzifer Morningstar laut Neil Gaimans Sandman aus. Also muss es stimmen. Ist logisch.

Rumpeldipumpel
Eda

Verblindete Erlösung

Die Bibel ist ein Buch, das uns – wie es heisst – gute Dienste leisten kann. Mal sehen, ob da was dran ist…

Angesichts der zig-Tausend christlicher Denominationen scheint die Bibel das Problemchen zu haben, dass es offenbar möglich ist, dort neben die WAHRHEIT auch noch unzählige andere Sachen hineinzuinterpretieren, die man dann später gern aus ihr lernen möchte. Und das ist für ein Lehrbuch eher ungünstig.
Schauen wir uns die Sache daher in drei Situationen an, in denen genau dieser Möglichkeit ein Riegel geschoben wird.

Noch einen kleinen Disclaimer bevor wir anfangen:
Ich werde leider nette Sachen ignorieren müssen. Die gibt es in der Bibel nämlich durchaus auch. Da sich aber ein Lehrmittel, das sich durch grobe Fehler disqualifiziert, nicht durch noch so viele korrekte Informationen rehabilitieren kann (insbesondere wenn es keine Möglichkeit gibt verlässlich zwischen Richtigem und Falschem zu unterscheiden), können diese keinen Einfluss auf ein Urteil haben. Wenn das Bundesamt für Gesundheit die folgenden einfachen Massnahmen gegen die Ausbreitung des neuen Coronavirus empfehlen würde: „Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr“, „Bei Symptomen sofort testen lassen und zuhause bleiben“, „Zur Rückverfolgung wenn immer möglich Kontaktdaten angeben“, „Bei positivem Test: Isolation. Bei Kontakt mit positiv getesteter Person: Quarantäne“, „Abstand halten“, „Empfehlung: Maske tragen, wenn Abstandhalten nicht möglich ist“, „Gründlich Hände waschen“, „Hände schütteln vermeiden“, „In Taschentuch oder Armbeuge husten und niesen“, „Nur nach telefonischer Anmeldung in Arztpraxis oder Notfallstation gehen“, „Alle Menschen mit einem grünen Hemd vor ein Auto, einen Zug oder wenn anders nicht möglich vor ein Schiff stossen“, dann sollte man die Liste, obschon sie sehr nützliche Empfehlungen enthält nicht verbreiten. Wegen der einen nicht so guten Empfehlung (ich hoffe, allen ist klar, welche das ist). Es ist möglich, dass die nützlichen Empfehlungen zu wichtig sind, als dass man es sich leisten könnte die Flyer einzustampfen, dann dürfen sie aber nicht unkommentiert verbreitet werden. Doch genau das ist für ein Werk wie die Bibel nicht möglich, wenn man sie als eine Offenbarung Gottes verstehen will. Die Botschaft muss für sich selbst sprechen. Und das tut sie angeblich auch. So heisst es.
Und ich werde auch Dinge ignorieren, die sich nicht überprüfen lassen. Wenn die Bibel beispielsweise Tipps dazu gibt, wie man sich im Diesseits verhalten muss um im Jenseits der Hölle zu entgeht, man aber nicht überprüfen kann, ob die Tricks tatsächlich funktionieren, dann ignoriere ich das hier.


Situation 1 : Amenesie

Stell dir vor, du kriegst einen Schlag auf den Kopf und vergisst alles. Und dann gibt man dir die Bibel, damit du dir ein Bild über die Welt machen kannst. Keine Erklärungen. Nur die Bibel. Und nach der Lektüre werden dir folgende Fragen gestellt:

  • Ist Sklaverei okay?
  • Sollen Frauen in der Politik mitbestimmen können?
  • Was soll mit Ehebrechern geschehen? Und mit Männern, die sich rasieren?
  • Welche Form hat die Erde?

Situation 2 : Einsame Insel

Stell dir vor, du sitzt mit einer Gruppe von Menschen auf einer Insel fest, von der ihr schnellst möglich wieder runter wollt. Ihr erfahrt, dass ihr die Insel nur verlassen könnt, wenn ihr die Gesellschaft exakt nach den in den Bibel offenbarten Regeln Gottes organisiert. Du bist – aus welchen Gründen auch immer – der unangefochtene Chef.
Nachdem du die römisch-katholische, protestantische, orthodoxe, baptistische und verschiedene freikirchliche Interpretationen versucht hast – und nichts geschehen ist -, in welcher Richtung wirst du dann dein Glück versuchen?

  • Wird es auf deiner Insel Sklaverei geben?
  • Wirst du die Ratschläge von Frauen berücksichtigen?
  • Was wird mit Ehebrechern und Crevettenessern geschehen?
  • Wird es Schulen geben und wenn ja, wie wird in den Geografie-Lehrbüchern die Form der Erde beschrieben?

Situation 3 : Simulierte Welt

Stell dir vor, wir füttern eine K.I. mit einer Bibel und lassen sie eine Welt simulieren, die allen Regeln und Wünschen Gottes nachkommt.

  • Würdest du in einer solchen leben wollen?


Wie gesagt, die Bibel enthält zweifellos viele sehr nützliche Tipps und Tricks, die es sicherlich lohnt zu bewahren. Sie ist darüber hinaus sicherlich auch ein sehr interessantes Zeitzeugnis, das unbedingt gründlich erforscht werden sollte (ob es dafür aber eine eigene Fakultät braucht, ist eine andere Frage).
Wenn man aber eine Werbebroschüre für potentielle Kunden zusammen stellt, sollte man sich besser der unglücklichen Passagen streichen. Ist ja nicht so, dass diese verloren gehen. Jeder Interessierte kann gern die „Originale“ studieren. Das ist gleich wie mit den Konföderierten-Statuen. Die Geschichte geht nicht vergessen, wenn man sie von den Sockeln stösst. Die Geschichte stand nämlich gar nie auf dem Sockel. Sie war schon immer in den Bibliotheken und Museen zuhause.

So aber verteilt man Bücher, die – wie wir gesehen haben – arglose Leute zu der Überzeugung kommen lassen könnten, dass es ganz okay ist jeden Kanaaniter zu töten, dem man auf der Strasse begegnet. Im Libanon wären das eine ganze Menge1.

Woher kommst du?

Laut Dos Santos Pinto ist Rassismus gegen schwarze Menschen in der Schweizer Kultur so stark verankert, dass er den meisten Menschen nicht auffällt. Sie gab ein Beispiel: «Die Frage ‹Woher kommst du?› ist rassistisch.» Diese Frage werde innerhalb der ersten paar Minuten an Personen gestellt, die nicht weiss sind. «Damit ruft man eine Vorstellung von Personen hervor, die zur Schweiz gehören und solchen, die zuerst noch erklären müssen, warum sie da sind.»

20min.ch

Aus einer kulturelleren Perspektive

Dass die Schweizer Kultur xenophobe Tendenzen hat, steht ausser Frage. Dass sie folglich auch Schwierigkeiten mit Schwarzen hat, selbstverständlich auch. Ob das aber gleich mit Rassismus gleichgesetzt werden kann, da bin ich mir nicht so sicher.
Klar dunkelhäutige Menschen werden massiv diskriminiert, doch wurden das vor ihnen auch die Jugoslawen, Portugiesen und Italiener. Und davor wahrscheinlich auch die Aargauer, Thurgauer und Entlebucher.
Wenn man die Diskriminierung am Rassismus aufhängen will, dann müsste man doch klare Unterschiede erkennen bei der Behandlung der Fremden je nach Rassenzugehörigkeit.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass der moderne Rassismus nicht mehr biologische Rassen voraussetzt, sondern seine Überlegenheit an der Herkunft, sprich der Kultur, aufhängt. Damit gesteht man ein, dass es theoretisch durchaus möglich ist, dass die Koredutten eine uns dermassen weit überlegene Zivilisation entwickelt haben, dass es ihr moralisches Recht wäre, uns einerseits mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und andererseits uns auf angemessene Distanz zu halten. Dass bisher noch keine solche Kultur gefunden wurde, ist natürlich reiner Zufall und hat nichts damit zu tun, dass die eigene Lebensweise der Massstab ist. Und entsprechend ist es auch reiner Zufall, dass kulturelle Distanz mit unterschiedlicher Hautfarbe, Augenform und Behaarung korreliert1.

Daher hier zur leichteren Bestimmung der eigenen Rasse – ich meine – Kultur eine ethnographische Karte:

Karte der Verbreitung der Menschenrassen aus Meyers Konversationslexikon, 4. Auflage. 1885–1890

Und selbst wenn die Diskriminierung umso stärker ist, je grösser der Unterschied in der Hautfarbe ist, so würde ich dennoch vorsichtig sein mit dem Ausspielen der Rassismus-Karte.

Ein Rassist ist für mich ein Mensch, der überzeugt davon ist, dass eine bestimmte Rasse von Natur aus den anderen überlegen ist. Normalerweise die eigene2. Und diese Überlegenheit legitimiert den Rassisten darin, über die Köpfe der Primitiven hinweg über ihr Schicksal zu entscheiden. Traditionell tut man das in Form des Imperialismus3.

Die Schweiz hatte keine Kolonien (was sie aber natürlich nicht daran hinderte dennoch von jenen der anderen zu profitieren). Tatsächlich befand sie sich sogar eher auf der anderen Seite des Spektrums: Von den Naturforschern jener Zeit wurden die Eidgenossen gern als ungebildete Halbwilde beschrieben.

Tatsächlich gibt es aber auch andere Gründe als die Überlegenheit anderen Leute das Leben absichtlich schwer zu machen.
Zum Beispiel die Annahme, dass es Leuten umso schwerer fällt sich in eine Kultur zu integrieren, je unterschiedlicher die Kultur ist, aus der sie stammen. Die andere Kultur ist nicht schlechter oder besser. Sie ist nur anders und man befürchtet, es könnten Konflikte entstehen, wenn man diese mischt. Wenn also jemand beispielsweise aus einer „kommunistischen“ Kultur kommt, wo alles allen gehört, dann könnte man vermuten, dass er mir, wenn man ihn hier einstellt, meinen Kaffeerahm wegsäuft. Das ist kein Rassismus, weil man die andere Kultur nicht notwendigerweise als schlechter betrachtet. Es ist aber dennoch Diskriminierung auf Basis von Vorurteilen, die man über andere Gruppen hegt.
Oder man könnte Befürchten, dass wenn zu viele Fremde ihre Kultur hierher bringen, sich unsere dadurch verändern wird. Auch hier hält man die andere Kultur nicht notwendigerweise für schlechter, sondern einfach nur für anders. Man will einfach nicht, dass sich die eigene liebgewonnene ändert. Wenn also zu viele Leute aus einer „Santa Claus“ Kultur kommen, könnte das die Traditionen rund um Samichlaus und Christchindli verändern, was man eben zu verhindern versucht.

Man kann sich fragen, ob diese Unterscheidung überhaupt Sinn macht, denn für die Betroffenen macht es keinen grossen Unterschied. Denn egal ob das Gegenüber ein Rassist oder ein – ich nenne es mal – Kulturschützer ist, er wird diskriminiert, bedroht und manchmal sogar angegriffen.
Es macht aber (hoffentlich) einen Unterschied, wenn es darum geht, den Diskriminierenden dazu zu bewegen, die Diskriminierung zu beenden. Beim Rassisten wird das nämlich nicht klappen, weil die Minderwertigkeit in Blut/Kultur gemeisselt ist, während beim Kulturschützer immer noch Hoffnung besteht.
Wenn sich der Fremde integriert, sprich seinen eigenen Kaffeerahm mitbringt und Samichlaus statt Santa Claus anbetet, oder man an gewissen Aspekten der fremden Kultur Gefallen findet, dann braucht es keine Diskriminierung mehr um die Bedrohung abzuwenden. Beim Rassisten bleibt dagegen weiterhin die Überzeugung von der Überlegenheit und er wird sich auch weiterhin vor der genetischen/kulturellen Verschmutzung fürchten.

Der Lackmustest für Kulturschützer und Rassisten sind daher wohl die Secondos und Terzos. Sie sind hier geboren und aufgewachsen und idealerweise so integriert, wie man es sich von einem Menschen nur wünschen kann.
Zumindest das muss man der SVP lassen: Sie verschliesst sich nicht vor Patrioten mit Migrationshintergrund. (Strukturellen Rassismus zu fördern und mit Patrioten, die (leicht) über die Stränge schlagen, zu liebäugeln ist meines Erachtens mehr Opportunismus als Rassismus der unheilbaren Sorte.4)

Dass auch optimal integrierte Secondos und Terzios von den Kulturschützern diskriminiert werden, liegt daran, dass sie wie Fremde aussehen und heissen und dadurch versehentlich den Erst-Kultur-Hilfe-Reflex triggern.

Aus einer individuelleren Perspektive

Gespräche fangen so gut wie nie mit der Frage „Woher kommst du?“ an. Meist geht dem zumindest ein freundliches „Hallo“ voraus.
Wenn sie allerdings doch mal so anfangen, dann wohl tatsächlich meist aus rassistischen Motiven. Doch das erkennt man weniger an der Frage, sondern viel mehr daran, dass die Frage von einem (spürbar) xenophoben Arschloch gestellt wird. Und in einem solchen Fall schafft das Arschloch es auch die Frage nach der Uhrzeit diskriminierend klingen zu lassen.

Ein Gedanke am Rande:
Ich finde, man sollte sich stets bemühen von allen möglichen Interpretationen einer Aussage grundsätzlich immer die wohlwollendste als die beabsichtigte zu wählen. Selbst wenn eine weniger wohlwollende noch so nahe zu liegen scheint. Damit schenkt man seinem Gegenüber einen Nettigkeitsvorschuss und lässt ihm die Möglichkeit seine Arschlochigkeit explizit einzufordern. (#PrinzipDerWohlwollendenInterpretation)

Aber es stimmt schon, die Frage nach der Herkunft ist eine persönliche Frage. Doch das ist sie mit Absicht. Man will schliesslich etwas über die andere Person erfahren. Das muss zwangsläufig persönlich sein. Andernfalls hätte man sich nach dem Wetter erkundigt.
Wenn man also eine Person etwas besser kennen lernen will, kann man sie entweder etwas willkürliches fragen, beispielsweise könnte man sich höflich nach der Farbe ihrer Unterwäsche erkundigen, oder (ein bisschen fantasieloser) nach etwas offensichtlichem, das sie gerade von allen anderen unterscheidet:
Wenn die Person Zahnarzthelferin ist und lange, spitze Eckzähne hat, dann könnte man sie fragen, ob die Stomatologie schon immer ein Strigoi-Handwerk war (wobei man von vornherein ahnt, dass einem die Antwoxrt nicht gefallen wird).
Oder wenn eine Person die grüne Taschenbuchausgabe von der Herr der Ringe liest und dabei herrderringetaschenbuchausgabegrüne Pumps trägt, dann könnte man sie fragen, ob ihr das Buch gefällt (wobei man die Antwort eigentlich schon kennt).
Oder eben wenn die Person einer anderen Ethnie angehört, was man entweder an der Hautfarbe oder am Dialekt erkennt, dann wäre auch die Herkunft eine Frage wert.

Pangalactic Gargle Blaster… vielleicht will man auch lieber nicht wissen, was drin ist?

Ja, damit drückt man tatsächlich jedes Mal explizit aus, dass die Person sich von der Norm unterscheidet. Es impliziert aber keineswegs auch, dass man das persönlich für etwas schlechtes hält.
Als jemand, der Multikulti zu schätzen weiss, widerspiegelt es viel mehr die aufrichtige Freude an der Artenvielfalt. Ein Gourmet weiss die Verschiedenartigkeit der Zutaten im Zusammenspiel schliesslich zu schätzen.

Vielleicht haben die Vorbehalte gegen die Frage nach der Herkunft auch andere Ursachen:
Erstens wird man diese Frage wohl häufiger hören als die nach anderen Dingen, die einen von den anderen unterscheidet. Das wird einem – voraussichtlich – irgendwann mal so zum Hals raushängen, dass man – nachvollziehbar – ziemlich gereizt zu antworten beginnt. Doch wenn man sich an der gleichen Frage bei 1000 Menschen nicht gestört hat, dann kann man es der Person, die die Frage als 1001ste stellt, nicht wirklich übel nehmen.
Zweitens – und das wiegt wahrscheinlich deutlich schwerer – weil diese Frage unweigerlich in eine üble Verlegenheit führt. Denn welche Folgefrage wird dann wohl kommen: „Ach, ein Freund von mir, der Sepp, kommt auch von da. Kennst du den?“, „Ach, cool, ich liebe Cholera!“, „Ach, dort wurde ich mal von einem Hai gebissen!“ oder noch schlimmer „Nein, ich meine ursprünglich?“
Und drittens weil hier, im Gegensatz zu den meisten anderen persönlichen Fragen, die Chance wesentlich grösser ist, dass man die Person versehentlich an ein traumatisches Erlebnis erinnert wird, weil das Verlassen der Heimat in viel zu vielen Fällen nicht aus freien Stücken geschah.

Das bedeutet, dass die Frage nach der Herkunft schlicht kein besonders raffinierter Zug ist. Das ändert aber nichts daran, dass die Frage jedes einzelne mal berechtigt ist. Weil jeder von irgendwo her kommt und weil uns das interessiert. Und das nicht nur ein bisschen, sondern fundamental.
Das Interesse an der Herkunft des Gegenübers wurde uns in die Wiege gelegt. Mehr noch, es ist ein Überlebensinstinkt, der während Äonen unser Überleben und das unserer Nachkommen sicherte:

Von nah nicht flachlegen.
Von nicht nah umlegen.

Und wer will sich schon mit seinem genetisches Erbe anlegen?

Die Frage aufgrund des Risikos damit in ein psychologisches Wespennest zu stechen gesellschaftlich zu ächten, wäre aber auch problematisch: Weil man dann von der Wahrscheinlichkeit für eine Eigenschaft in einer Gruppe auf das Vorhandensein der Eigenschaft bei einem Individuum schliesst und sie deshalb anders behandelt. (#Diskriminierung)


Spezielles Fazit:

„Neger“ sagt man nicht. Das weiss man.
„Fräulein“ sagt man nicht. Das weiss man.
„Schwuchtel“ sagt man nicht. Das weiss man.
„Zigeuner“, „Schlampe“ und „Krüppel“ sagt man auch nicht. Das weiss man auch.

Irgendwann fiel auf, dass diese Bezeichnungen einen unangenehmen Ballast mit sich tragen5 und dass den Betroffenen wohler wäre, wenn man stattdessen andere Worte benutzen würde. Irgendwie hat es sich dann tatsächlich durchgesetzt, dass diese Worte nicht mehr verwendet werden. Und seither spricht man sie nur noch aus, wenn man sich unbedingt als rassistisches, sexistisches und/oder homophobes Arschloch outen will.

Was die Herkunft betrifft, so sollte es sich langsam herumgesprochen haben, dass auch diese ein potentiell problematisches Thema ist und folglich lieber mit Bedacht angesprochen werden sollte. Da dieses Wissen aber noch nicht gänzlich verinnerlicht wurde, ist man noch nicht automatisch ein rassistisches Arschloch ist, wenn man die Frage stellt.
Sie wird deshalb von den Angesprochenen auch noch nicht als Schlag ins Gesicht interpretiert, sondern lediglich als ein weiterer Tropfen, der seine Macht in der Masse entwickelt.6

Aber natürlich meint es auch niemand böse, wenn er Mohrenkopf sagt. Das heisst aber nicht, dass wir nicht unabsichtlich viel zu viele Verhaltensweisen an den Tag legen, die andere Gruppen verletzen. Nur weil wir es schon immer so gemacht, macht die Sache nicht harmlos. Und dass wir uns nicht im Klaren darüber sind, dass die Sache nicht harmlos ist, nimmt der Sache nicht den Schmerz für die Betroffenen.


Allgemeines Fazit:

Es gibt Dinge, die sind okay. Andere sind es nicht. Nicht notwendigerweise weil sie in irgendeiner Form schädlich oder vorteilhaft wären, sondern einfach weil man sich irgendwie darauf geeinigt hat, dass das jetzt so gilt.
Fräulein sagen ist nicht okay. Schweinefleisch essen ist okay. Zu fragen, auf welche Toilette Trans-Menschen gehen sollen, ist nicht okay. Rülpsen ist okay. Doch ist es. Sich nach der Herkunft erkundigen, ist nicht okay.
Es spielt, wie gesagt, keine Rolle, ob diese Tabus und Freiheiten berechtigt sind, es sind Rituale und Symbole mit denen sich die Leute in einer Gesellschaft schmücken um zu zeigen, dass sie dazugehören. Es sind aber nicht geheime Signale, welche Fremde entlarven. Denn alle wissen, was sich in einer Gruppe gehört und was nicht, und wenn man sich nicht daran hält, dann um zu zeigen, dass man nicht dazu gehören will.
Verdammt umständlich, könnte man meinen, wenn man nicht wirklich wissen kann, ob das Gegenüber tatsächlich die Überzeugungen der Gruppe teilt, deren Gewohnheiten er gerade an den Tag legt. Man kann aber aus dem erstaunten Blick des Gegenübers, wenn er feststellt, dass er die falschen Rituale für die richtigen gehalten hat, zweifelsfrei darauf schliessen, dass es sich um einen (schlecht vorbereiteten) Zeitreisenden handelt.

Dieser stete Wandel unserer Sitten und Gebräuche ist der Schutzmechanismus unserer Kulturen im Temporalen Kalten Krieg.


Noch ein Gedanke am Abschied:
Nach modernen ethischen Standards wären die Leute von früher allesamt Arschlöcher. Durchs Band. OHNE AUSNAHME! Das ist aber nicht böse gemeint. Sie wussten es (in vielen Fällen) einfach noch nicht besser. Und in vielen Fällen konnten sie es gar nicht besser wissen.

Interessanterweise ist die Sache aber wahrscheinlich nicht zeitinvariant. Leute aus dem 10. Jahrhundert, die nach heutigen Standards Arschlöcher waren, würden uns wohl nicht für Arschlöcher halten. Für eklig durchaus, aber sie würden uns nicht vorwerfen können, dass wir Leute nicht aufgrund von Geschlecht, Rasse, Herkunft, sexueller Orientierung, etc. diskriminieren. Ausser sie übernehmen die Moral von jemandem, der sich nochmals zehn Jahrhunderte früher wie einer benahm, den man im Frühmittelalter genauso wie heute ehrlicherweise als Arschloch hätte bezeichnen müssen.


Frage nach der Herkunft hin oder her, es gibt nur eine Antwort auf diese:

Tu quoque, Roger

Roger Köppel wirft in seiner „Weltwoche Daily, 10.11.2020“ noch einmal einen Blick auf die vereinigten Staaten und die jüngsten Verwicklungen und Missverständnisse.

Das wichtigste zuerst: Wir haben – so Köppel – noch kein Ergebnis.
Es werde schliesslich noch gezählt und auch einige Anfechtungen vor Gericht seien noch hängig. Wer sich aus rechtsstaatlichen Gepflogenheit und Verfahren etwas mache, müsse das akzeptieren und abwarten.
Da hat er natürlich recht. Doch ich sehe jetzt nicht so ein grosses Problem darin sich verfrüht über den Sieg zu freuen. Wichtiger ist doch, ob man das Ergebnis – wie es auch immer herauskommt – akzeptieren wird.
Will der Köppel etwa behaupten, dass Biden ein schlechter Verlierer ist als Trump?

Solange es aussieht, dass Biden der nächste Präsident sein wird (und das tut es doch offensichtlich), ist es meines Erachtens Bidens gutes Recht, sich schon mal an die Arbeit zu machen. So ein Machtwechsel ist schliesslich jede Menge Arbeit. Dass er dabei noch keine Unterstützung durch die scheidende Administration erhält, nimmt er dieser noch nicht einmal übel. Ist also nicht so, dass er schon auf Dinge pochen würde, auf die er tatsächlich noch kein Anrecht hat.

Der Köppel lädt uns dann ein uns vorzustellen, was wohl passiert wäre, wenn Biden von Wahlbetrug geredet und Trump sich selbst zum Sieger erklärt hätte. Die gleichen Medien, die jetzt jubeln, – so Köppel – würden von Diktatur und faschistischen Anwandlungen im Weissen Haus reden… Es sei betrüblich, wie die eigene persönliche Moral und Vorliebe über den Rechtsstaat gestellt wird.

Dieses Gedankenexperiment ist in vielerlei Hinsicht schräg. Zum einen war die Disqualifizierung der Briefwahl eine von Trumps wichtigsten Wahlkampfstrategien. Er arbeitete in einer Zeit, wo wegen Corona viele brieflich abstimmen würden, sehr gezielt darauf hin, dass seine Anhänger an die Urne gehen würden. Wodurch allein aus dem Umstand, ob ein Wahlzettel persönlich in die Urne gelegt wurde oder per Post eintraf, mit grosser Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden konnte, was auf diesem stehen würde. Und wenn man weiss, in welchen Säcken die Wahlzettel des Gegners sind, kann man versuchen dafür zu sorgen, dass diese Säcke „aus Gründen“ nicht gezählt werden dürfen.
Zu Fragen, was wohl geschehen wäre wenn Biden von Wahlbetrug gesprochen hätte, macht in diesem Kontext etwa so viel Sinn wie zu fragen, was wohl geschehen wäre, wenn Hillary damals eine Mauer hätte bauen wollen.
Der Rest vom Gedankenexperiment, also dass Trump sich selbst zum Sieger erklärt hätte, ist noch absurder, denn am Tag von Bidens Siegeransprache twitterte Trump:

Und sogar ein paar Tage früher postete er folgendes:

Trump hat sich zum Sieger erklärt und wir sprechen schon seit Jahren davon, dass Trump faschistische Anwandlungen hat und mit einer Diktatur liebäugelt. Das ist nichts, was geschehen würde, wenn etwas anders wäre. Das ist leider Realität. Dieses Gedankenexperiment vom Köppel entspricht also ungefähr folgendem: Stell dir vor Karotten wären violett, dann würden Kühe Grass fressen. (Hä???)

Ich frage mich, ob durch den Vorwurf, dass Biden den Sieg zu früh für sich in Anspruch nahm, und das Verschweigen, dass Trump es noch viel früher tat, und durch den Hinweis, dass noch Gerichtsentscheide zum Vorwurf des Wahlbetrugs abgewartet werden müssen, und das Nichterwähnen, dass bisher keine stichhaltigen Hinweise auf irgendwelche Unstimmigkeiten bei der Wahl vorgelegt wurden, nicht irgendwie die eigene persönliche Moral und Vorliebe über das Ideal einer möglichst objektive Berichterstattung gestellt wird?

Auch dass Köppel mit keinem Wort erwähnt, dass das Untergraben des Vertrauens in den Wahlprozess ein direkter Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit ist, finde ich etwas befremdlich.
Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass es keinen Wahlbetrug geben kann oder dass man bei Verdacht die Sache nicht notwendigerweise zu untersuchen braucht. Ich halte es lediglich für sehr problematisch Zweifel am Funktionieren der Wahl zu streuen, bloss weil das die Chance zu gewinnen steigert.

Dann führt Köppel breit aus, dass Biden in seinen Reden von Heilung spricht und die Medien das eins zu eins übernommen hätten: Die Sonne sei aufgegangen über den Vereinigten Staaten und alle Differenzen seien endlich beseitigt.
Woher hat er das? Klar, man freut sich darüber, das Biden es sich zur Aufgabe gemacht hat ein gespaltenes Land zu heilen, aber niemand behauptet, dass dies einfach werde oder gar schon geschehen sei.
Und eine Heilung ist bitter nötig, denn das Land ist tief gespalten. Und obwohl Trump nicht die Ursache der Spaltung ist, so trieb er sie doch massiv voran und zog daraus politisches Kapital.

(Ein Zyniker könnte anmerken, das in der Vergangenheit Krieg ein patentes Mittel war die Gesellschaft zusammenzuschweissen. Und dass Trump mit der Weigerung einen Krieg anzufangen dem gespaltenen Land die bitter nötige Heilung vorenthielt.)

Er mobilisierte Anhänger indem er dem Gegner ans Bein pinkelte. Die Leute strömten ihm zu nicht weil er ihr Leben besser, sondern weil er das der Gegner schlechter macht. Das ist nicht Spaltung in Kauf nehmen. Das ist Spaltung als Energiequelle nutzen.
Dass Köppel diese Kern/Gesellschafts-Spaltung-Analogie nicht aufgefallen ist, überrascht nicht, schliesslich hängt die SVP ja ehrlich gesagt am gleichen Netz.

Köppel fragt sich dann, von welcher Art von Heilung Biden hier eigentlich spreche?
Er unterstellt Biden und den Demokraten die Gesellschaft heilen zu wollen, indem alles weggeschnitten wird, was nicht gefällt. Von einer Krankheit, die alles als Fake-News zu bezeichnen versucht, was sie nicht hören will? … Denkt er wirklich, dass die Demokraten die Krankheit als Heilung für die Krankheit verwenden wollen? Dass sie Feuer mit Feuer bekämpfen wollen? Ist das nicht eher Doktrin auf der andern Seite?

Ich habe das Gefühl, dass Köppel hier im Interesse seines Arguments entgegen besseren Wissens Spaltung und Meinungsverschiedenheit gleichsetzt. Das ist nicht nur grundfalsch, es könnte vielleicht sogar eine der stärksten Triebkräfte für die Spaltung sein.

Ich mag anderer Meinung sein als der Köppel, ich bezweifle aber keine Sekunde, dass er – genau so wie ich – nur das beste für die Schweiz (und Europa (und die ganze Welt)) will. Uns schweben verschiedene Utopien und verschiedene Wege dorthin vor. Und wir befürchten, dass der Weg des anderen nicht nur nicht funktioniert, sondern verhängnisvoll sein würde. Was aber nicht heisst, dass ich dem anderen unterstelle ein Vaterlandsverräter zu sein, der in voller Absicht die Schweiz, ihre Kultur und die Bevölkerung vom Erdboden tilgen will.
Wir setzen uns für die gleiche Sache ein, die Schweiz, und wir hoffen beide, dass die Schweiz uns beiden gleichermassen zum Wohl gereicht. In unserem persönlichen Verständnis verstehen wir uns – so hoffe ich – trotz allen Meinungsverschiedenheiten als eine Einheit, die eben diese Meinungsverschiedenheiten nutzt um Fortschritte zu machen.

Spaltung dagegen ist, wenn das Wohl des anderen mir Missbehagen bereitet. Wenn mein Glück vom Leid des anderen abhängt.
Und so leid es mir tut, sehe ich genau das in den Vereinigten Staaten. 72’430’431 Menschen haben Trump nicht gewählt, weil er toll ist, sondern weil er die anderen 77’704’933 zur Weissglut treibt.

Das Ziel der Heilung ist nicht, dass alle gleicher Meinung sind, sondern dass alle gehört und ihre Anliegen und Bedürfnisse genügend ernst genommen werden und so alle das Gefühl haben Teil eines grossen Ganzen zu sein.

Als Beleg, dass Biden sich bisher nicht als ganz grosse versöhnliche Stimme profiliert hat, verweist Köppel darauf, dass Biden Trump als Clown bezeichnet hat.
Es stimmt schon, ich glätte keine Wogen, wenn ich den Heiland eines Gläubigen als Clown bezeichne. Andererseits führt kein Weg an der Wahrheit vorbei.

Das Problem ist die Person Trump. Seine politischen Überzeugungen mögen vielleicht sogar vertretbar sein, doch er lügt, was das Zeug hält, ist egomanisch und skrupellos. Damit wird das, wofür er einsteht selbstverständlich nicht automatisch falsch. Aber er ist ein Arschloch. Punkt.
Wohlgemerkt, das ist kein ad hominem. Ich lehne – wie gesagt – nicht seine Position aufgrund seines üblen Charakters ab. Ich lehne einfach nur ihn ab. Und hoffe es mit einem netten und zuverlässigen politischen Gegner zu tun zu haben.

Weiter führt Köppel an, dass Biden Trumpwähler für systemische Rassisten, sprich Rassisten hält.
Auch hierzu möchte ich ein paar Worte verlieren:
Zum einen sollte man systemischen Rassismus nicht einfach mit Rassismus gleichstellen. Für systemischen Rassismus braucht es keine Rassisten, die sich auf Basis der Biologie oder Herkunft verschiedene Gesetze für verschiedene Gruppen wünschen. Es reicht, wenn man nicht achtsam ist und das Gesetz bei den Angehörigen einer Gruppe anders umsetzt als bei denen einer anderen. Das muss nicht böse gemeint sein. Es kann sogar vernünftig erscheinen: Wenn die Statistiken besagen, dass grünäugige Menschen durchschnittlich häufiger Kugelschreiber klauen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die grünäugige Person Kugelschreiber klauen wird, grösser als die, dass es der blauäugige Kandidat tut. Diese Überlegung aber als Grundlage zu nehmen für die Entscheidung den blauäugigen Kandidaten beispielsweise einzustellen, wäre Diskriminierung, weil ich von den erhöhten Häufigkeit einer bestimmten Eigenschaften bei einer Gruppe nicht auf das Vorhandensein dieser Eigenschaften bei einem Individuum aus der Gruppe schliessen kann. Davon, dass die besagte Statistik durch den Umstand verzerrt wurde, dass man aufgrund der Kenntnis vom Kugelschreiberfetisch der Grünäugigen bei den Grünäugigen häufiger Kugelschreiberrazzien durchführte als bei jeder anderen Gruppe, wollen wir hier gar nicht erst anfangen.

Und zum anderen (wir sind ja noch immer bei den vermeintlich rassistischen Trumpwählern) finde ich, dass die Frage eigentlich durchaus berechtigt ist, ob Rassismus politisch vererbbar ist: Macht es mich zu einem Rassisten, wenn ich einen Rassisten wähle? Klar, ich kann ihn beispielsweise wegen seiner Ansichten zur Wirtschaft wählen, die ich für besser halte als die seines politischen Gegners. Doch wenn wirtschaftliche Fragen für mich eine höhere Priorität haben als die Bekämpfung des Rassismus, dann ist es vielleicht wirklich gerechtfertigt mich einen Rassisten zu nennen. Rassisten sind nämlich nicht nur die, die brennenden Kreuze aufstellen, sondern auch die, die es nicht für nötig halten, dem Einhalt zu gebieten.

Fun Fakt: Die Leugnung der Existenz von rassistisch motivierter Diskriminierung findet man erstaunlich oft bei Rassisten.

Wie ich weiter oben erwähnte, halte ich Meinungsverschiedenheiten in einer Gesellschaft für völlig legitim, wenn nicht gar für notwendig. Entsprechend halte ich auch die Freiheit der Meinungsäusserung für ungemein wichtig. Es geht dabei aber nicht nur darum, alles sagen zu dürfen, was man will, sondern auch um die Frage, wie ich mit der Meinung der anderen umgehe. Wenn ich sie ignoriere, dann diskriminiere ich sie. Wenn ich sie akzeptiere, dann bin ich Begriff sie zu übernehmen. Wenn ich sie toleriere, sehe ich einige Mängel in ihr, bin aber grundsätzlich zu einem gewissen Kompromiss bereit. Es gibt aber auch Meinungen, die ich nicht tolerieren kann. Weil ein Kompromiss schlicht ausgeschlossen ist. Die Meinung, dass alle Juden vergast werden sollen, ist so ein Beispiel. Hier kann und darf es keinen Verhandlungsspielraum geben. Sich eben nur auf die Hälfte zu einigen ist keine Option.

Rassismus, Sexismus und Homophobie gehören in diese Kategorie von nicht tolerierbaren Meinungen. Das heisst natürlich nicht, dass man Leute, die diese vertreten ins Gefängnis schmeissen sollte. Privat dürfen sie meinen, was sie wollen. Sobald sie aber Personen des öffentlichen Lebens werden und Massen von Leuten zu beeinfluss beginnen, dann sieht die Sache auf einmal ganz anders aus. Dann kann es leicht zur Hetze werden, wo sie selbst zwar nichts „böses“ tun, sondern einfach nur ihre Meinung sagen. Ihr Publikum aber auf potenziell blöde Ideen bringen…

Kein Angst, sich über Leute lustig zu machen und sie vielleicht sogar zu beleidigen, gehört nicht in die Kategorie des nicht tolerierbaren. Ganz im Gegenteil. Das darf man gerne tun. Respektive muss es sich in einer freien Gesellschaft gefallen lassen.

Die Grenze ist, wo Menschen die Existenzberechtigung abgesprochen wird.

Mir fällt gerade auf, dass ich bis jetzt gutgläubig davon ausgegangen bin, dass Köppel die Ansichten der von ihm erwähnten Leute korrekt widergibt. Doch nun kommt er auf Alexandria Ocasio-Cortez zu sprechen: Sie habe getwittert, dass man jetzt Listen erstellen müsse von Trump-Sicophanten, von Trump Anhängern, um sich dann an denen zu rächen. Was schon ziemlich starker Tobak ist.

Schauen wir uns daher mal an, was genau sie getwittert hat:

und ein bisschen später:

Mein Englisch ist natürlich nicht so gut, wie das vom Köppel, und es entgehen mir sicherlich viele Nuancen, aber für mich ist das nur eine Aufforderung die Sachen nicht zu vergessen, die die Leute so von sich gegeben haben, während sie Trump in den Arsch gekrochen sind. Es geht hier in meinen Augen alleine darum, dass man diesen Leute nicht erlauben sollte sich der Verantwortung für ihre fragwürdigen Äusserungen und Taten zu entziehen.
Das würde ich jetzt nicht unbedingt als Rache bezeichnen.

Das er hier etwas übers Ziel geschossen ist, müsste dem Köppel doch eigentlich klar sein, oder nicht?
Klar, so ist es witziger. Es gelingt ihm mit einer kleinen Überspitzung AOC in eine Reihe mit den übelsten Diktatoren der Weltgeschichte zu stellen. Und natürlich ist das nicht wirklich ernst gemeint.
Doch was denken wohl diejenigen seiner Zuhörer, die den Jux nicht mitbekommen haben, weil sie sich nicht die Mühe gemacht haben den Tweet nachzulesen?

Die Frage ist, glaubt Köppel wirklich, dass Alexandria Ocasio-Cortez ingeheim hofft, dass ihr Tweet Leute auf die Idee bringt sich im Batman-Style an den Komplizen von Trump zu rächen?

Um Köppel aber hier auch wieder ein bisschen in Schutz zu nehmen: Mit der Cancel Cultur im Hinterkopf, also der Tendenz der Social Justice Warrior Fehlverhalten, von dem sie denken, dass es gravierende negative Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, unverhältnismässig hart zu bestrafen, könnte er befürchten, dass jemanden in diesem Kontext jemanden zur Rechenschaft zu ziehen zwangsläufig masslos übertrieben wird. Was natürlich eine berechtigte Sorge sein könnte. Aber ist es dann okay ein Verbrechen, für das man die Strafe für zu hart hält, grosszügig zu ignorieren?
Spricht da der Verteidiger der Rechtsstaatlichkeit oder der der eigenen Interessen?

Die Diskrepanz zwischen dem, was AOC schreibt, und dem, was Köppel liest, lässt mich vermuten, dass es ihm nicht um eine sachliche Auseinandersetzung mit den Problemen geht, vor denen wir nach Trumps Amtszeit stehen, sondern darum seine Anhänger anzustacheln.

Dazu passt auch Köppels Fazit: Er hält die Töne, die man von den Demokraten hört, für gefährlich. Für ihn klingen sie nach „Säuberung“ und „Enttrumpisierung“ (um – wie er sagt – das Wort „Entnazifizierung“ nicht zu verwenden).

Das Wort „Säuberung“ weckt üble Assoziationen und Köppel stellt damit die Demokraten in eine Ecke mit Diktatoren und Völkermördern. Seltsamerweise spricht Köppel dann das Wort „Entnazifizierung“ mit einer ähnlichen Abscheu aus, wobei das doch – wie wir uns doch sicher alle einig sind – eigentlich eine gute Sache war: Das Bestreben die Gesellschaft von allen Einflüssen des Nationalsozialismus zu befreien.
Sprich Köppel schafft es in einem Atemzug den Demokraten ein Liebäugeln mit der Gleichschaltung vorzuwerfen und den Kampf gegen den Chauvinismus zu bedauern.


Mein Fazit:

Auf Köppels Beitrag zu reagieren, ist gar nicht so einfach, weil man die ganze Zeit reinrufen möchte, dass Trump und er und die SVP es genau so machen, ja sogar noch viel mehr. Leider ist das aber noch kein Argument.


Noch ein Nachtrag

Köppel wundert sich darüber, dass Trump immer vorgeworfen worden sei, dass er Wahlveranstaltungen durchführe, an denen keine Masken getragen werden. Und dass jetzt die Leute, die auf der Strasse Bidens Sieg feiern, auch keine Masken tragen.

Hat er das mal gegoogelt?
Beispielsweise: biden victory streets

Kann es sein, das Roger Köppel vorsätzlich lügt?


Und noch ein letzter Nachtrag:

Köppel wundert sich an einer Stelle über das seltsame Timing der Ankündigung des COVID-19 Impfstoffes. Genau richtig, so sagt er mit einem Augenzwinkern, dass es Trump nicht mehr hilft. Dabei habe Trump Pfizer Geld für die Entwicklung des Impfstoffes gegeben haben. Wie undankbar.
Es wurde zwar schon vereinbart, dass man den Impfstoff abkaufen würde, das Geld für die Entwicklung kam aber nicht aus den USA sondern aus Deutschland.
Der einzige der behauptet hat, dass Trump Pfizer Milliarden gegeben habe, warTrump selbst.

Lieber Roger, ist Trump deine Quelle?
Echt jetzt?

Und noch einmal: Was bezweckst du mit deiner Interpretation der Daten? Dir ist schon klar, dass du mit solchen Anmerkungen vielleicht noch keine Verschwörungstheorien formulierst, sie aber mit Steroiden fütterst?

Die Macht Gottes

Das sieht auf den erst Blick jetzt vielleicht etwas ernüchternd aus. Da wir aber nicht wissen, wie schwer es ist diese Dinge zu bewerkstelligen, darf man die Y-Achse nicht als Schwierigkeitsgrad verstehen.

Ich persönlich kann weder ein Universum erschaffen, noch auf Wasser laufen. Wie soll ich da wissen, was davon komplizierter ist?
Es wäre falsch, sich hier von der Grösse einschüchtern zu lassen!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das noch keinem Kirchendenker aufgefallen sein soll. Andererseits überrascht es mich auch nicht wirklich, dass man das jetzt nicht an die grosse Glocke hängt. Ich meine, ein Gott der sein Abbild auf einem Toast als finale Steigerung versteht nachdem er mal die ganze Welt geflutet hat… Die Menschen wissen den Schwierigkeitsgrad eines Tricks einfach nicht zu schätzen…

Allerdings ist die Vorstellung, dass ein Toast-Portrait trickier ist als die Schöpfung vielleicht gar nicht so abwegig. Die Masse, die die „Wunder“ auf die Waage bringen, nimmt im Laufe der Geschichte zwar tatsächlich konstant ab, doch mit jedem Schritt kosten die „Wunder“ weniger Leben – was durchaus ein Fortschritt ist:

  • Die Schöpfung ist ja eigentlich erst mit der Erfindung des Todes und der Vertreibung aus dem Paradies vollendet worden1. Sprich : Alle tot.
  • Sintflut : Alle – (8 Menschen + 2 von jeder Tierart) tot
  • Die attische Seuche : max. 33% der Athener (und wohl auch vom Rest) tot
  • Das Laufen auf Wasser : 0 tot, aber 1 Person neidisch
  • Heilung von Syphilis (durch Antibiotika) : 0 tot, aber 1 Person beschämt
  • Toast : 0 Toast und 0 negative Emotionen

Übernatürliches scheint umso schwerer zu sein, je weniger Leid dadurch verursacht wird.

Der Blitzableiter auf dem Kirchturm

Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.

Karl Kraus

Auf diesen Aphorismus reagiert natürlich jeder Christ zurecht empört, schliesslich ist das ein arg naives Gottesbild, das hier den Christen unterstellt wird. Naturkatastrophen sind keine Anmerkungen Gottes zum Weltgeschehen. Es sind völlig natürliche, in den meisten Fällen inzwischen hinlänglich verstandene physikalische Phänomene, die sich statistisch verhalten und keine moralisierenden Häufungen aufweisen. Früher wurde diesen Ereignissen gern eine übernatürliche Intention zugeschrieben – aber nur weil man es nicht besser wusste.

Blöd nur, dass die Bibel ausgerechnet in einer Zeit geschrieben wurde, wo man nicht nur sehr vieles noch nicht wusste, sondern noch nicht mal wusste, dass man sehr vieles noch nicht weiss.1

Das wirft für mich die Frage auf, ob Jesus mit seinen Auftritt nicht noch etwa 2000 Jahre hätte warten können? (Ist ja nicht so, als ob er es eilig gehabt hätte, schliesslich sind seit der Sintflut da bereits gut 2000 Jahre vergangen.) Dann hätte er seine Ideen Leuten präsentieren können, die sie verlässlich hätten prüfen und dokumentieren können. Und wenn an seinen Ideen (und Wundern) tatsächlich was dran gewesen wäre, hätten sie seiner Heilslehre ein wissenschaftliches, ethisches, künstlerisches und gern auch ökonomisches Attest ausstellen können.
Das hätte seiner Sache doch sicherlich weit mehr geholfen als die „Erkenntnis“, dass ein gewisser Jesus vor 2000 Jahren Sklaverei und Homophobie etwas weniger deutlich gutgeheissen hat, als es zu jener Zeit wohl üblich war.

Klar, je früher man die Rettung präsentiert, umso mehr Menschen können gerettet werden. Durchaus. Dafür werden die Menschen aber umso effektiver gerettet, je weiter die Fertigkeiten der Rettungskräfte fortgeschritten sind.
Wenn der Fortschritt der Fertigkeiten auch nach der Offenbarung voranschreitet, spricht natürlich nichts gegen eine frühe Einführung, doch bewegt sich im Fall des Christentums da nicht mehr sonderlich viel. Von daher ist „je früher (nachdem 2000 Jahren gewartet wurde nachdem die Welt nach 2000 Jahren rebootet wurde) desto besser“ nicht wirklich eine überzeugende Strategie…

Und etwas gemein ist hierbei übrigens auch, dass trotz des allwissenden Autors nirgends in der Bibel darauf hingewiesen wird, dass man mit den kommenden Jahrhunderten sehr vielen angeblich mysteriösen Dingen auf die Schliche kommen wird.
Tatsächlich tut die Bibel eher etwas, was man als Warnung vor neuen Erkenntnissen interpretieren könnte: Denn Gott hat gesagt: „Ich werde die Weisheit der Weisen zunichte machen und die Klugheit der Klugen verwerfen.“ (1. Korinther 1:19)

Was aber hätte dagegen gesprochen, wenn Jesus neben der Berg- auch noch eine Vulkanpredigt gehalten hätte, in der er heissen würde: „Vulkanausbrüche, Erdbeben und Blitze sind völlig natürliche Ereignisse, die euch überhaupt nichts zu sagen versuchen. Ach ja und wascht euch verdammt nochmal die Hände2!“ (Auszug aus der nichtexistenten Vulkanpredigt)

Im Gegenteil scheint das alte Testament von einer Flut von Strafen Gottes in Form von Naturkatastrophen3 überzuquellen.
Und auch im neuen Testament hält sich Gott diesbezüglich nicht wirklich zurück. Jetzt nicht mehr mit der kollektiven Bestrafung durch Katastrophen, sondern mit der individuellen Belohnung durch vermeintlich wundersame Heilungen, die in der freien Wildbahn auch heute noch gelegentlich und in den Shows von Quacksalbern regelmässig vorkommen.

Doch obwohl die am Anfang erwähnten, zurecht empörten Christen Naturkatastrophen nicht als Zeichen Gottes interpretiert haben wollen und in der Regel auch eingestehen, dass es für die Wunder natürliche Erklärungen gibt, so lassen sie sich nichtsdestotrotz nicht davon abbringen, dass es – nun ja – mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als unsre Schulweisheit sich träumen lässt.
Und dass hie und da etwas eben doch ein echtes Zeichen ist.

Man darf mich nicht falsch verstehen. So ein göttliches Räuspern wäre durchaus eine famose Sache. Ganz im Ernst!
Insbesondere wenn man (sei es nun als Person oder als Gemeinschaft) gerade im Begriff ist irgendeinen Blödsinn anzustellen.
Wichtig wäre dabei aber, dass das Räuspern Gottes auch wirklich als solches für jeden klar erkennbar ist. Auch für Aussenstehende. Ganz besonders für Aussenstehende. Denn man muss sich sicher sein, dass etwas der Hinweis eines allwissenden, allmächtigen und allgütigen Wesens ist und nicht nur das Rascheln des Windes im Baum, welches jemand als göttliche Bestätigung für das interpretiert, was er gern bestätigt haben möchte.
Deshalb sollten Zeichen Gottes nie privat sein – nicht mal in sehr privaten Angelegenheiten. Sie müssen stets von unabhängigen Drittpersonen bestätigt werden können.

Das ist nicht der Weg Gottes, sagen die Christen. Er war es mal. Aber jetzt nicht mehr.
Allerdings bezweifle ich, dass sie sich von Gott abwenden würden, wenn er die offene Kommunikation auch weiterhin praktizieren würde.

Es spricht nämlich nichts gegen deutliche, unmöglich falsch zu interpretierende und von Dritten bestätigbare Botschaften.
Wenn Gott jeden zweiten Samstag im Monat im Schloss Schauensee Audienz halten oder auf Youtube in einem eigenen Kanal Tipps zu Politik, Kultur und Wissenschaft erteilen würde, dann schränkte das unsere Willensfreiheit genauso wenig ein, wie es das auch die gelegentlichen persönlichen Begegnungen im alten und neuen Testament nicht taten.
Eigentlich eher im Gegenteil! Denn nur wenn ich weiss, wo genau eine Abzweigung ist, kann ich mich entscheiden diese zu nehmen oder eben nicht und dann wacker die Konsequenzen tragen. Einfach Vertrauen haben und irgendwann, wenn es gerade blitzt oder donnert oder eine Gesicht auf den Toast erscheint, mal abbiegen, ist keine so gute Strategie.