Female Role Model


Als Kontrapunkt zu den Pontifex-Dialogen möchte heute die Frage in die Runde werfen, inwiefern diese Dame, die offensichtlich in den eigenen vier Wänden gewissenhaft für Sauberkeit sorgt und nicht übermässig viel für ihre Beschuhung ausgibt, nicht dem weiblichen Ideal der abrahamitischen Religionen entspricht?

Jetzt mal abgesehen davon, dass man eine solche Frage nicht illustrieren sollte, respektive sich nicht für eine solche Frage als Illustration zur Verfügung stellen sollte:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch dessen, das unten auf Erden, noch dessen, das in den Wassern, unterhalb der Erde ist.
2. Mose 20:4

Doch die Frage bleibt. Die Frau beweist Unterwürfigkeit, Hygiene-Bewusstsein, Sparsamkeit und Schönheit. Was, um Gottes Willen kann man da noch mehr verlangen?

An Hochmut leidet sie nicht. Sie ist schön, doch ist sie nicht zu stolz um selbst zu putzen.
An Geiz auch nicht. Sie ist sich nicht zu schade dafür ihre schönsten Kleider zu ruinieren.
An Wollust auch nicht. Sie tut schliesslich alles nur um ihrem Mann zu gefallen und so optimale Voraussetzungen für eine gelungene Fortpflanzung zu schaffen.
An Zorn auch nicht. Sie scheint eher überrascht als wütend zu sein. Ihr scheint das Putzen Spass zu machen.
An Völlerei auch nicht. Schaut euch nur mal diese Figur an.
An Neid auch nicht. Das beweist eindeutig der gelbe Eimer.
Und an Faulheit offensichtlich auch nicht.

Okay, sie macht offensichtlich keine Karriere, ist nicht selbstbestimmt und gleichberechtigt und scheint auch nicht besonders klug zu sein (sie hat nämlich keine Brille), doch das kann man ihr aus biblische Sicht nicht wirklich vorwerfen. Ganz im Gegenteil.

Entdeckung von Diskriminierendem

Wir finden es empörend, wenn man eine Meinung nur deshalb nicht ernst nimmt, weil sie von einer Frau geäussert wurde. Wir stören uns aber nicht weiter daran, wenn die Ansicht von jemandem nicht Ernst genommen wird, der in Jeans statt im Anzug kam. Natürlich halten wir es für oberflächlich, aber eben nicht für empörend. Und dabei handelt er sich doch hierbei um den exakt gleichen Mechanismus der Diskriminierung basierend auf nichtreflektierten Vorurteilen.
Und wenn mir nun jemand vorwirft, ich würde offenbar die während Jahrtausenden anhaltende Unterdrückung der Frau für ein gleiches Bagatelldelikt wie den Snobismus im Bezug auf Kleider halten, so missversteht er mich und demonstriert gleichzeitig par excellence, wie selbstverständlich und in keinster Weise revisionsbedürftig wir gewisse Dinge akzeptieren, von denen wir ja noch nicht einmal selbst überzeugt sind.
Ich glaube, das Problem ist nicht, dass man etwas für richtig hält, sondern dass man es nicht gleich für einen Skandal hält. Der Rest folgt dann aus der Dynamik der Sache.

(Stellt sich nun nur noch die Frage, ob ich nicht beispielsweise eine Bank verklagen kann, weil sie einen bestimmten Dresscode verlangt?)

Der Name der Hose

Soll jetzt die Frau den Namen des Mannes annehmen oder der Mann den Namen der Frau? Ist es ein Akt der Unterdrückung, wenn die Frau den Namen ändert, oder ausgleichende Gerechtigkeit, wenn der Mann im Gegenzug sich mit seinen Mitochondrien zurückhält?
Ich halte die ganze Diskussion für müssig und schlage folgende Lösung vor. Wenn Mann und Frau heiraten, oder Mann und Mann oder Frau und Frau, oder Mann und Mann und Mann oder Mann und Mann und Frau oder Mann und Frau und Frau oder Frau und Frau und Frau, oder wie auch immer, dann werden die Namen aller Beteiligten einfach verschmolzen. Bei meiner Partnerin und mir ergebe das Grepr oder Cugr oder Grupr oder Crepr oder…

Und wenn man unbedingt will, wird man sich wohl noch einen Vokal dazu kaufen dürfen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Warum sollten Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn kriegen wie die Männer? Ihr Friseur ist zwar teuerer und auch all die Schuhe müssen irgendwie bezahlt werden, doch verbrennen Männer, wie man gemeinhin weiss, mit demselben Körpergewicht mehr Kalorien als Frauen. Das Prinzip „gleicher (finanzieller) Lohn für gleiche Arbeit“ bedeutet demzufolge einen höheren (sättigenden) Lohn für die Frauen. Ist das wirklich gerecht?
Der Vorschlag dies als Kompensation der in der Vergangenheit erlittenen Ungerechtigkeiten zu verstehen, ist zwar verständlich, aber – zumindest wenn man nicht Anhänger der Erbschuld ist – nicht wirklich gerechtfertigt.
Eben gerade weil die Bedürfnisse jedes Einzelnen verschieden sind, darf die Perspektive, aus welcher man die Lohnungleichheit bekämpfen muss, nicht, wie oben, die der Arbeitnehmer sein, sondern jene der Arbeitgeber. Profit aus der Ungleichheit der Menschen zu schlagen ist nicht fair. Auf diese Weise werden sie nämlich gegeneinander ausgespielt und dienen lediglich als Mittel zum Zweck.
Woraus man einzig und allein Profit schlagen dürfen sollte, ist das Gefälle beim Know-how. Wer etwas besser, schneller, billiger oder glänzender produzieren kann, sollte das Geschäft machen und nicht der, der seinen Arbeitern, oder einem Teil von diesen, aufgrund irgendwelcher fadenscheiniger Argumente weniger zahlt.
Wie steht es nun aber mit Arbeiten, die ich billiger im Ausland machen lasse? Verstösst das nicht auch gegen das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“? Ich vermute fast, dass es das sehr wohl tut.
Man könnte einzuwenden versuchen, dass man doch einem Inder nicht Schweizer Löhne zahlen könne, schliesslich ist da alles viel billiger, doch ist dieses Argument wieder aus der Perspektive der Arbeitnehmer formuliert, was, wie wir gesehen haben, nicht wirklich zulässig ist. Der Clou hierbei ist, dass der Arbeitnehmer ja nicht notgedrungen all das Geld kriegen muss, das der Arbeitgeber für ihn ausgibt. Den Unterschied könnte man beispielsweise als Steuer verstehen, Geld, welches dem ganzen „armen“ Staat zugute kommt. Und trotzdem könnte es sich lohnen im Ausland zu produzieren, wenn dort das Know-how grösser ist.

Mir ist schon klar, dass ich der Marktwirtschaft damit womöglich den einen oder anderen Stein in den Weg lege, doch meine philosophische Intention war schon immer nur die utopische Gerechtigkeit.