Eda Gregr
23.12.2015 um 13:24

Heutzutage ist jeder Samariter barmherzig. Die samarische Staatsbürgerschaft kriegt jeder Barmherzige sogar nachgeschmissen. Wenn wir also heute einen Samariter irgendwo jemandem helfen sehen, überrascht uns das nicht. Ganz im Gegenteil.

Vor 2000 Jahren schien das die Leute jedoch fast aus den Sandalen zu hauen. Wieso sonst hätte Jesus sie sonst in seinem berühmten Gleichnis verwendet?
Da wird ein Mann von Räubern ausgeraubt und verprügelt und im Strassengraben liegen gelassen. Die ersten beiden, die dann auftreten, sind ein Priester und ein Levit. Beide1 optimal bewandert in religiösen Angelegenheiten, beide wissen um das Gebot der Hilfeleistung2, doch ziehen beide weiter3. Als dritter betritt der Samariter die Bühne, hat Mitleid und hilft.

Damit wird nicht nur gezeigt, dass man auch entfernten Bekannten helfen soll4 (vgl. Lev 19,18), sondern dass man Barmherzigkeit manchmal auch dort findet, wo man sie eigentlich nie erwarten würde. Sogar bei Samaritern!

Das heisst, Jesus hat keine allzu hohe Meinung von Samaritern – auch wenn er durchaus ein paar nette kennt.

Wie nennt man doch gleich Leute, die solche Sachen sagen: „Ein paar meiner besten Freunde sind Dings, aber …“
Man nennt sie dingsophob.

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Eda Gregr
08.09.2015 um 13:51

Ich bin gegen Homo-Ehe
Punkt – Aus! Das darf doch einfach mal gesagt werden, was ist nur los im 21Jh? Ist dieser Satz bereits rassistisch? Unfassbar was sich in dieser Gesellschaft tut.
Kommentator auf 20min

Kein vernünftiger Mensch würde diesen Satz rassistisch nennen1. Homophob ist das gesuchte Wort. Und ja, der Satz ist bereits homophob. Weil er zum Ausdruck bringt, dass man jemandem aufgrund seiner sexuellen Orientierung etwas vorenthalten will2.
Ich möchte nicht ausschliessen, dass es triftige Gründe geben kann, welche eine solche Diskriminierung zum Wohl einer wichtigeren Angelegenheit unumgänglich machen und dass in einem solchen Fall sich gegen die Homo-Ehe zu stellen eine bedauerliche Notwendigkeit wäre. Doch so lange diese Gründe nicht präsentiert (und selbst von der homosexuellen Gemeinschaft akzeptiert) werden, gehe ich davon aus, dass die Aversion des Kommentators in persönlichen Vorlieben gründet und dass er, auch wenn er es nicht gern hört, homophob ist. Und das darf doch auch einfach mal gesagt werden.

Ich verstehe nicht ganz, was daran so unfassbar ist? Wessen Rechte werden hier in irgend einer Weise eingeschränkt? Kein Mensch hindert den Kommentator daran zu verkünden, welche Überzeugungen er hat. Man hindert lediglich auch niemanden daran, das, was der Kommentator gesagt hat, in einer Art zu kommentieren, die ihm womöglich die Lust nimmt, es zu wiederholen.

Dieser Kommentar stand übrigens im Kontext eines Artikels über die Morddrohung gegenüber einem EDU-Politiker wegen dessen problematischen Äusserungen über Homosexuelle. Sollte man nicht auch hier einfach mal sagen dürfen, dass man den anderen umbringen wird, ohne gleich als Rassist, äh, Mörder zu gelten?
Nun ja, nein, das darf es nicht. Im Gegensatz zu der Gefahr, in der man sich wähnt, wenn man sich in einem homophilen Umfeld gegen die Homo-Ehe ausspricht, ist jene, in der man sich wähnt, wenn man gefragt wird, ob man immun gegen Baseball-Schläger sei, eine gänzlich andere.
Wenn man sich gegen die Homo-Ehe ausspricht, kann man erwarten, dass man als homophob, bigott und als Anhänger einer bescheuerten Weltanschauung bezeichnet wird. Das tut weh, ohne Zweifel, hindert einen aber nicht daran auch weiterhin homophob, bigott und ein Anhänger der bescheuerten Weltanschauung zu sein. Man wird sich dann nicht automatisch darauf einstellen, dass man gleich den Arsch versohlt bekommt.
Wenn dagegen Gewalt angedroht wird, hofft man zwar, dass das bloss eine leere Drohung war, stellt sich aber lieber schon mal auf eine handfeste Auseinandersetzung ein. Und sollte es tatsächlich zu dieser kommen, was angesichts der Drohung nicht weiter überraschen würde, ist es durchaus möglich, dass man nie wieder in der Lage sein wird, homophob, bigott und ein Anhänger einer bescheuerten Weltanschauung zu sein.
Wir werden davor geschützt aufgrund unserer Überzeugungen Leid zu erfahren. Deswegen ausgelacht zu werden, gehört da aber noch nicht automatisch dazu.

Die Meinungsfreiheit ist also weniger alles sagen zu dürfen, als viel mehr sich alles anhören zu müssen.

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Eda Gregr
26.02.2011 um 00:00

Man kriegt es manchmal schon fast mit der Angst zu tun, wenn man auf den Internetseiten solider Zeitungen die Kommentare unter den Online-Artikeln liest. Ziemlich krass finde ich die Diskussion, wie man mit der erwarteten Flüchtlingswelle aus Nordafrika umgehen soll. Was mich erschreckt ist nicht die durchaus verständliche Furcht vor den Problemen, die sich daraus ergeben könnten, sondern die kaltschnäuzige Erbarmungslosigkeit und das völlig Unverständnis darüber,  dass es eine verzwickten Lage ist.

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Eda Gregr
19.06.2007 um 22:04

Wir finden es empörend, wenn man eine Meinung nur deshalb nicht ernst nimmt, weil sie von einer Frau geäussert wurde. Wir stören uns aber nicht weiter daran, wenn die Ansicht von jemandem nicht Ernst genommen wird, der in Jeans statt im Anzug kam. Natürlich halten wir es für oberflächlich, aber eben nicht für empörend. Und dabei handelt er sich doch hierbei um den exakt gleichen Mechanismus der Diskriminierung basierend auf nichtreflektierten Vorurteilen.
Und wenn mir nun jemand vorwirft, ich würde offenbar die während Jahrtausenden anhaltende Unterdrückung der Frau für ein gleiches Bagatelldelikt wie den Snobismus im Bezug auf Kleider halten, so missversteht er mich und demonstriert gleichzeitig par excellence, wie selbstverständlich und in keinster Weise revisionsbedürftig wir gewisse Dinge akzeptieren, von denen wir ja noch nicht einmal selbst überzeugt sind.
Ich glaube, das Problem ist nicht, dass man etwas für richtig hält, sondern dass man es nicht gleich für einen Skandal hält. Der Rest folgt dann aus der Dynamik der Sache.

(Stellt sich nun nur noch die Frage, ob ich nicht beispielsweise eine Bank verklagen kann, weil sie einen bestimmten Dresscode verlangt?)

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