Eda Gregr
04.12.2013 um 19:00

Im Garten Eden gab es keinen Tod. Und wenn man davon ausgeht, dass mit dem Sündenfall die Sexualität kam, dann auch keine Fortpflanzung.

„Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.“
(Gen 1:28)

Doch wie soll das gehen?
Wie sollen sich Adam und Eva mehren und die Erde füllen ohne miteinander zu poppen?

Okay, dann hat es die Fortpflanzung eben doch gegeben im Garten Eden. Warum sonst hätte Gott sonst von allen Tieren zwei verschiedenen Geschlechts erschaffen? Wenn die Fortpflanzung nicht vorgesehen war, dann wären auch die geschlechtliche Differenz nicht nötig gewesen und der Gefährte Adams hätte nicht notwenigerweise eine Frau zu sein brauchen – Männer verstehen sich ja auch untereinander zu unterhalten … wenn nicht sogar viel besser.
Und mal abgesehen davon gab es da ja überall Früchte, von denen sich alle Menschen und Tiere ernährten. Früchte, die Teil der Reproduktionszyklus sind.

Aber den Tod gab es nicht, soviel steht mal fest, oder? Jap, bloss mal abgesehen von dem, was die Pflanzen ereilte, die im Früchtestadium verzehrt wurden. Pfff, aber was ist schon der Tod einer Pflanze? Die leidet ja nicht, oder?

Wie dem auch sei, Fakt ist, dass zumindest Menschen und Tiere nicht starben. Es kann ja nicht für alle ein Paradies gewesen sein. Doch wenn sich die Tiere und Menschen getreu Gottes Anweisung munter gemehrt hätten ohne je den Nachfahren durch das eigene Ableben Platz zu machen, dann wäre selbst bei der moderatesten Reproduktionsrate früher oder später der Garten Eden aus allen Nähten geplatzt. Davon, dass es bald mal nichts mehr zu futtern gab, ganz zu schweigen.
Was passiert mit Tieren und Menschen im Paradies, die nichts zu essen kriegen? Verhungern können sie ja nicht. Ob das aber auf die Stimmung schlägt? Und wenn man bis in alle Ewigkeit eingepfercht wie in einer Sardinenbüchse dahinvegetieren muss, hat auch das keinen Einfluss aufs Gemüt? Wird man erst stinkig, wenn man von der Frucht der Erkenntnis gegessen hat?
In dem Fall verstehe ich, wieso Gott es Adam und Eva vorsorglich verbot, von dieser zu kosten.

Die Streifen vom Tiger dienen der Tarnung. Wozu war das gut im Garten Eden? Wäre das nicht ein ungerechter Vorteil beim Versteckspielen? Aber vielleicht veränderten sich die Tiere ja beim Auszug aus dem Paradies. Und die Streifen, Krallen und die scharfen Zähne entwickelten erst an der Pforte… Genauso wie die Hörner, das Wehrsekret von Stinktieren und die etwas eklige Eigenschaft gewisser Tiere den Tod anderer Arten für die eigene Fortpflanzung zu nutzen.

Wie sahen dann aber Adam und Eva im Paradies aus? Wenn die Geburt erst nach der Vertreibung schmerzhaft wurde, was ja eine Folge des Missverhältnisses zwischen Kopfgrösse und Geburtskanal ist, dann muss das Verhältnis vorher ein anderes gewesen sein. Entweder ein kleinerer Kopf (bei Adam und Eva) oder ein breiteres Becken (zumindest bei Eva).

Vitruvianische Eva

Vielleicht wurden wir ja für die Erbsünde nicht nur bestraft?

 

 

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Eda Gregr
05.02.2007 um 17:53

Mit dem Adamskostüm ist es auch so eine Sache. Für das Naschen an der Frucht der Erkenntnis wurden Mann und Frau bestraft, die Frau mit einer schmerzhaften Geburt und einem herrschsüchtigen Mann und der Mann mit einem miesen Acker. So sprach Gott zumindest.
Was er jedoch beflissentlich verschwieg, war ein kleiner aber feiner Unterschied, nämlich wie die Nacktheit, deren sich die beiden gleich als erstes bewusst wurden, im Zusammenspiel mit der Strafe wirken würde. Der Anblick von Adams entblösstem Fridolin macht es nämlich sowohl Eva als auch Adam selbst ausgesprochen schwer, den männlichen Herrschaftsanspruch glaubwürdig aufrecht zu erhalten. Wohingegen der blanke Busen Evas nicht etwa ihre Unterwürfigkeit unterstreicht, sondern im Gegenteil jene des Mannes.
Das heisst, dass sobald halbwegs paradiesische – sprich nackte – Zustände herrschen, wird es für Mann und Frau geradezu unmöglich die göttliche Strafe pflichtbewusst abzubüssen. In ein prekäres Gefangenendilemma hat uns der Herr da gestürzt.

Wie man es auch dreht und wendet, sobald zwischen Mann und Frau irgendwo Nacktheit funkelt, ist des Mannes Macht dahin. Furcht einflössend ist der Mann schliesslich nur im Anzug, die Frau hingegen in Strapsen.

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