Wie ist es eigentlich auf der gleichen Seite zu stehen wie die Arschlöcher?

Liebe gemässigte Christen

Nach dem Tod von Stephen Hawking geisterten verschiedene Beiträge fundamentalistischer Christen durch die sozialen Medien, in denen sich diese genüsslich darüber ausliessen, dass Hawking jetzt in der Hölle schmort. 

Euch ist schon klar, liebe Christen, dass das Eure Arschlöcher sind?

Ihr haltet diese Menschen doch für Arschlöcher, oder? Nicht bloss für ein bisschen unsensibel, weil sie laut aussprechen, was man eigentlich bloss denken sollten?

Ich persönlich halte jeden für ein Arschloch, der sich über das Leid anderer freut. Ob diese es nun verdient haben oder nicht, spielt dabei eigentlich kein Rolle. Und da die Hölle das ewige Leid ist, das man mit einem endlichen Leben noch nicht verdienen kann, spricht nichts dagegen jeden für ein Arschloch halten, dem der Umstand Freude bereitet, dass irgend jemand dorthin kommt.

Stephen Hawking akzeptierte nicht Jesus. Das bedeutet nach Eurer Überzeugung doch glasklar, dass für ihn die Sache gelaufen ist und er sich deshalb schon bald genau dort wiederfinden wird.

Wie ist es mit Euch, liebe Christen? Gibt es etwas erfreulicheres als wenn Gottes Wille geschieht? Und indem jemand, der Jesus den Rücken zukehrt, in die Hölle kommt, geschieht doch genau das… Freut also auch Ihr Euch darüber, dass Hawking in der Hölle schmort?

Natürlich wünscht ihr es niemandem (und sicherlich würdet ihr es auch nie jemandem auf eine so erbärmliche Art und Weise unter die Nase reiben), aber wer in die Hölle kommt, tut es – nach eurer Ansicht – aus freien Stücken. Und indem er Jesus nicht akzeptieren wollte (nicht akzeptieren können ist nach eurer Ansicht schliesslich keine Option, weil dann ja die Willensfreiheit nicht gegeben wäre), wünscht er sich ganz offensichtlich in die Hölle zu kommen.
Folglich hat sich nicht nur Gottes Wille, sondern auch Hawkings Wunsch erfüllt. Also ein Win-Win. Wenn das kein Grund zur Freude ist…
Und es ist ja auch nicht so, dass sich der Wunsch in einer für den Wünschenden überraschenden Form erfüllt hätte (vergleichbar mit der Art wie fiese Dschinns gern die Wünsche ihrer „Opfer“ erfüllen). Hawking wusste, was die Alternative zum Himmel ist. Nun ja, er scheint nicht gewusst zu haben, dass der Himmel real ist, aber er wusste sehr genau, dass er dort nicht hinkommen würde, wenn es diesen doch geben sollte.

Ja, Ihr mögt euch nicht so recht darüber freuen, aber dürft ihr das überhaupt? Euch nicht nicht so recht darüber freuen, meine ich. Damit würdet ihr ja zum Ausdruck bringen, dass der göttliche Plan Schwachstellen hat…

Gott hingegen darf darüber traurig sein, dass sein raffinierter Plan alle Menschen in den Himmel zu lotsen, wieder mal nicht aufgegangen ist. Er darf enttäuscht sein, dass nicht mal eine 2000 Jahre alte Androhung von Höllenqualen einen von ALS gezeichneten Astrophysiker dazu bewegen konnte, an ihn zu glauben.
Aber dürft das auch Ihr? Seine Geschöpfe, die ihr die Ewigkeit an seiner Seite verbringen wollt?

Natürlich dürft (und solltet) ihr entsetzt sein über diese Unfähigkeit Gottes!

Und natürlich dürft (und solltet) ihr offen dazu stehen, dass sein Plan Scheisse ist, wenn dieser zulässt, dass Leute ewiglich gefoltert werden!

Alles worauf es schliesslich ankommt, ist, dass ihr Jesus akzeptiert. Und das tut Ihr doch. Man kann auch Götter, die man für bescheuert hält, als Erlöser akzeptieren.

Schliesslich erlaubte es sich selbst der Papst ans Bein Gottes zu pinkeln als er im April 2018 dem achtjährigen Emanuele erklärte, dass sein kürzlich verstorbener, atheistischer Vater natürlich im Himmel sei. Schliesslich habe er seine vier Kinder taufen lassen und er sei, wenn man Emanueles Wort Glauben schenken darf, ein guter Mensch gewesen. Gott lässt seine Kinder schliesslich nicht im Stich…
Aber natürlich lässt Gott seine Kinder im Stich. Nämlich dann wenn sie nicht genau das tun, was er von ihnen verlangt. (Es lässt sich sogar sehr genau beziffern, wie viele Seelen es sind, die er in Stich lässt: Stand heute mindestens 107’999’856’000123.) Der Papst hat dreist gelogen und damit erfreulich deutlich zum Ausdruck gebracht, was er persönlich von Gottes Plan hält. Also dürft ihr das sicherlich auch.

Zugegeben, eine solche Einstellungen wird wohl eine Zeit lang für dicke Luft im Himmel sorgen, aber selbst euer jähzorniger Gott wird sich irgendwann einmal beruhigen4.

Das heisst, als Christen braucht ihr euch tatsächlich nicht zwingend darüber zu freuen, dass ein Atheist in der Hölle schmort. Sind die Arschlöcher vielleicht also doch nicht Eure?
Aber als Christen dürft ihr euch darüber freuen. Es sind also doch Eure. Sorry.
Das heisst, dass selbst wenn ihr den Arschlöchern noch so vehement widersprecht (wonach es von aussen übrigens nicht aussieht5), sind es Eure. Ihr seht daneben einfach etwas netter aus.

Ihr beide akzeptiert Jesus. Und ihr beide glaubt, dass es eigentlich nur darauf ankommt. Und dass man allein dadurch gerettet wird. Und Ihr beide befürchtet, dass auch der jeweils andere dieses Kriterium erfüllt haben könnte – trotz eurer gegenseitigen Antipathie (ja, die Chance ist gross, dass auch sie Euch für unsympathisch halten) – und dass ihr euch im Himmel begegnen werdet.

Und vielleicht solltet Ihr auch noch folgendes bedenken: Ihr seid beide Mitglieder der grössten Religion. Was schätzt Ihr, zu einem wie grossen Teil verdankt sich die Popularität Eures Glaubens wohl der Qualität, die Ihr in diesem erkennt? Und zu einem wie grossen der Möglichkeit sich darin als Arschloch voll entfalten zu können? Hm?

Und genau das wirft die eigentliche Frage dieses Artikels auf:

Was wenn meine Seite nur dank der Arschlöcher gewinnt?

Stellen wir uns folgendes hypothetische Szenario vor: Ich möchte, dass der Staat sich aus möglichst allem raus hält. Damit würde ich tendenziell ins rechte politische Spektrum gehören. Anderen mag das eigentlich egal sein, ihnen ist nur wichtig, dass ihr Volk möglichst reinrassig bleibt. Auch diese Position ist traditionell im rechten Spektrum angesiedelt.
Das heisst, wenn es um die Auswahl der politischen Vertreter für die Regierung geht, dann ist die Chance gross, dass die Kandidaten, die sich dafür einsetzen wollen, dass sich der Staat aus allem raus hält, auch die Fantasien der Rassisten zu erfüllen versprechen.
Was, wenn erst eine solche unheilige Allianz dem Kandidaten den Sieg ermöglicht?

Im Idealfall würde ich mir natürlich eine Partei suchen, die den Staat aus allem raushalten will und die die kulturelle Vielfalt zu schätzen weiss. Wenn es aber eine solche Partei nicht gibt, muss ich im Interesse meiner primären Interessen (Staat hält sich aus allem raus) eben Abstriche bei meinen sekundären Idealen (Multikulti) in Kauf nehmen6.

Doch wie werde ich mich gegenüber der Umsetzung der Forderungen meiner arschigen Verbündeten verhalten? Von Forderungen, die meinen Überzeugungen zutiefst zuwiderlaufen, denen ich aber mit meier Stimme den Weg bereitet habe. Was muss, resp. kann ich tun?
Oder würde ich deren Gefahr verharmlosen?

Ich meine, natürlich sind die Gefahren, die von einer Idee ausgehen, nie wirklich so gross, wie von den Gegnern befürchtet. Doch sind sie auch nie so vernachlässigbar, wie von den Befürwortern beteuert. Da frage ich mich dann aber, wo auf diesem Spektrum befinde ich mich wohl als Gegner, wenn ich in einer unheiligen Allianz mit den Befürwortern stecke? Ich glaube nicht in der Mitte.

Wenn ich also möglicherweise blind bin für die Arschlochigkeit meiner Verbündeten und folglich auch für die Absurdität ihrer Argumente, wie finde ich dann raus, dass Arschlöcher und die von mir tolerierten Ansichten verwerflich sind?
Woran erkenne ich, dass ich auf der falschen Seite stehe?

Das ist knifflig. Aber ich persönlich habe zumindest das Gefühl auf der gleichen Seite mit meinen Idolen zu stehen. Und auf der gegenüberliegenden Seite der Arschlöcher.
Das ist natürlich noch keine Garantie dafür, dass ich richtig liege, denn die, die meine Position gut repräsentieren, sind immer Helden und die Gegner immer Arschlöcher.

Aber nun ja, wenigstens stehe ich auf der gleichen Seite wie Stephen Hawking und auf der gegenüberliegenden von denen, die sich darüber freuen oder es auch nur für gerechtfertigt halten, dass er in der Hölle schmort. Und das ist zumindest schon etwas.

Wie ist es bei euch, liebe gemässigte Christen, nagt es nicht manchmal ein klitzekleines Bisschen am Vertrauen in Euren Glauben, dass es bei euch andersrum ist? Und würdet ihr im Himmel nicht lieber Stephen Hawking begegnen als diesen Arschlöchern? Hm?

Rumpeldipumpel, Eda

Schutz der Verleumdeten und Vergewaltigten

Wie der Titel dieses Artikels so lautet auch die Überschrift zu den hier zitierten Passagen aus der Lutherbibel 20171.
Bevor du weiter liest, geneigter Leser, lehne dich zurück und überleg dir, wie du Verleumdete und Vergewaltigte schützen würdest?

13 Wenn jemand eine Frau heiratet, zu ihr eingeht und ihrer überdrüssig wird 14 und legt ihr etwas Schändliches zur Last und bringt ein böses Gerücht über sie auf und spricht: Diese Frau hab ich geheiratet, und als ich zu ihr ging, fand ich sie nicht als Jungfrau, 15 so sollen Vater und Mutter der jungen Frau die Zeichen ihrer Jungfräulichkeit nehmen und vor die Ältesten der Stadt im Tor bringen. 16 Und der Vater der jungen Frau soll zu den Ältesten sagen: Ich habe diesem Mann meine Tochter zur Frau gegeben; nun ist er ihrer überdrüssig geworden 17 und legt ihr Schändliches zur Last und spricht: Ich habe deine Tochter nicht als Jungfrau gefunden. Hier aber sind die Zeichen der Jungfräulichkeit meiner Tochter. Und sie sollen die Decke vor den Ältesten der Stadt ausbreiten. 18 Und die Ältesten der Stadt sollen den Mann nehmen und züchtigen 19 und ihm eine Buße von hundert Silberstücken auferlegen und sie ihrem Vater geben, weil der Mann über eine Jungfrau in Israel ein böses Gerücht aufgebracht hat. Und er soll sie als Frau behalten und darf sie sein Leben lang nicht entlassen. 

5. Mose 22, 13-19

Echt jetzt? Das betrachtet man als Schutz von Verleumdeten und Vergewaltigten? Indem man dem Vater der Braut Geld gibt und das Opfer bei ihrem Mobber lässt?

Aber okay, man kann nicht bestreiten, dass das eine abschreckende Wirkung haben könnte für den Mann. Wenn sich der Verdacht als unbegründet erweist, so ist er 100 Silberstücke los (wofür man sich 3 bis 4 Sklaven hätte kaufen können) und hat die Frau auf Ewig am Hals, während er sie ansonsten problemlos auch mit einem Scheidebrief hätte loswerden können (vgl. 5.Mose 24, 1) – bloss dass ihm dann die Genugtuung der Steinigung verwehrt geblieben wäre.

Der nächste Teil ist dagegen der wirklich starke Tobak!

So stark, dass ich mich genötigt fühle, meine Beschwerde in Form eines offenen Briefes an einen der Repräsentanten des „lieben“ Gottes zu richten.

Lieber Markus

20 Ist’s aber die Wahrheit, dass sie nicht mehr Jungfrau war, 21 so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun.

5. Mose 22, 20-21

Echt jetzt? Es war irgendwann einmal okay eine Braut zu steinigen, weil sie Sex vor der Ehe hatte?

Wobei nein, sorry, stimmt so nicht ganz. Ich muss die Frage anders formulieren: Echt jetzt? Es war irgendwann einmal okay eine Braut zu steinigen, wenn es dem Bräutigam etwas ausmacht, dass sie Sex vor der Ehe hatte? Denn es scheint ja keine Pflicht gegeben zu haben den Ältesten der Stadt alle Hochzeitsnachtdecken vorzulegen, damit sie die Sache gewissenhaft überprüfen können, oder?

Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass eine saubere Hochzeitsnachtdecke kein Beweis für eine fehlende Jungfräulichkeit ist. Das weisst du doch, Markus, oder? Und das sollte doch eigentlich auch dein allwissender Gott wissen, nicht wahr?

Als moderner Repräsentant Gottes auf Erden wirst du wahrscheinlich einsehen, dass man sich heute die Steinigung sparen kann. Wir leben schliesslich in einer anderen Zeit und der Effekt, der damals mit einer solch grausamen Strafe erzielt wurde, lässt sich heute mit weit subtileren Mitteln erreichen. (Denn Gott geht es schliesslich um den Wirkung der Strafe und nicht um die Strafe selbst, oder?)

Nichtsdestotrotz bleibst du die Antwort schuldig, unter welchen Umständen es gerechtfertigt sein könnte ein Gesetz zu erlassen, das einem ermöglich eine Frau wegen Sex vor der Ehe zu steinigen! Denn offenbar fühlt sich Gott zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte dazu genötigt. Nicht jedoch später es wieder aufzuheben.

Diese Frage ist umso dringender, als du doch sicherlich auch dafür plädierst, dass Sex vor der Ehe eigentlich überhaupt nichts verwerfliches ist, oder? Dass wenn es einvernehmlich passiert, dass es dann völlig okay ist, oder?

Oder findest du, dass es im Interesse der Gesellschaft und des allgemeinen Seelenheils liegt, mit geeigneten Massnahmen den Sex vor der Ehe (insbesondere bei Frauen) einzuschränken? Weil der allwissende Gott es besser weiss und weil der allgütige Gott sonst natürlich keine Bräute hätte steinigen lassen?

Du bist überzeugt davon, dass auch wenn man heute niemanden mehr deswegen steinigen sollte, sich nichts daran geändert hat, welche Dinge gut und welche böse sind.

Ausser natürlich in den Fällen, wo Jesus sagte, dass von nun an etwas anders gilt.
Wie zum Beispiel beim Händewaschen (Matthäus 15,20).
Nicht aber beim Ehebrechen. Jesus hat in der berühmten Episode mit dem ersten Stein nur die Strafe ausgesetzt, nicht aber den Ehebruch für nicht mehr strafrechtlich relevant erklärt.

Das heisst dann, dass auch die Strafen für Sex vor der Ehe (und vergewaltigt werden innerhalb der Stadtmauern und Masturbation und Blasphemie und Apostasie) lediglich ausgesetzt sind?
Und dass, wenn es nötig sein sollte2, diese jederzeit (bis hin zur Steinigung) wieder eingesetzt werden kann?

Für dich sich Gut und Böse in Stein gemeisselt.
Und die Strenge der Strafe allein den Umständen geschuldet.

Im Humanismus mit seiner – ich nenne es mal – adaptiven Moral ist es gang und gäbe, dass etwas, das früher böse war, heute für unbedenklich gehalten wird, und anderes, das früher okay war, heute unakzeptabel ist. Die Strenge der Strafe ist ebenfalls den Umständen geschuldet – doch verlangen diese nach einhelliger Meinung niemals, dass jemand gesteinigt wird.
Warum die Sinneswandel?
Weil man es früher einfach nicht besser wusste3.

Was man früher zum Beispiel nicht wusste, respektive kannte, war die vergleichsweise bescheidene Wirksamkeit von pädagogischen Massnahmen wie Körperstrafen oder Steinigungen.

Ein alles wissender Gott dagegen…

Ich frage mich, was das für ein Mensch sein muss, der die Steinigung einer vergewaltigten Frau zu rechtfertigen versucht. Ich frage mich, was das für ein Mensch sein muss, der sowas nicht verurteilt. Ich frage mich, was das für ein Mensch sein muss, der ein Wesen bewundert, das solche Regeln aufgestellt hat?

Herzliche Grüsse
Eda

ps. Hätte fristlose Scheidung und Landesverweis damals wirklich nicht auch gereicht?


Das zum Steinigen von entjungferten Bräuten wäre damit gesagt, der Schutz der Verleumdeten und Vergewaltigten geht aber weiter:

22 Wenn jemand dabei ergriffen wird, dass er bei einer Frau schläft, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und die Frau, bei der er geschlafen hat; so sollst du das Böse aus Israel wegtun. 

5. Mose 22, 22

Sprich: Töte die Vergewaltigte. (Wohlgemerkt, in diesem Abschnitt der Bibel geht es laut Überschrift und die Opfer von Verleumdungen und Vergewaltigungen, was bedeutet, dass der Sex zwischen den Männern und den Frau nicht einvernehmlich war!) Aber wenigstens hat die Frau die Genugtuung, dass auch ihr Peiniger einen grausamen Tod stirbt. Das ist nett von der Bibel.

23 Wenn eine Jungfrau verlobt ist und ein Mann trifft sie innerhalb der Stadt und schläft bei ihr, 24 so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, dass sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrien hat, obwohl sie doch in der Stadt war, den Mann, weil er seines Nächsten Braut geschändet hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun. 

5. Mose 22, 23-24

Sprich: Für eine verlobte Vergewaltigte gilt das gleiche: Opferhilfe durch fliegende Steine, die sie von der Pein eines versauten Lebens befreien, und gestillte Rachegelüste. Wäre vielleicht nett, wenn sie beim Vergewaltiger den ersten Stein werfen dürfte? Und sich erst dann steinigen lassen könnte?

25 Wenn aber jemand ein verlobtes Mädchen auf freiem Felde trifft und ergreift sie und schläft bei ihr, so soll der Mann allein sterben, der bei ihr geschlafen hat, 26 aber dem Mädchen sollst du nichts tun, denn sie hat keine Sünde getan, die des Todes wert ist; sondern dies ist so, wie wenn jemand sich gegen seinen Nächsten erhöbe und ihn totschlüge. 27 Denn er fand sie auf freiem Felde, und das verlobte Mädchen schrie, und niemand war da, der ihr half. 

5. Mose 22, 25-27

Sprich: Wenn die Verlobte aber ausser theoretischer (!) Hörweite vergewaltigt wurde, darf es weiter leben! Das ist doch grosszügig.

28 Wenn jemand eine Jungfrau trifft, die nicht verlobt ist, und ergreift sie und schläft bei ihr und wird dabei betroffen, 29 so soll der, der bei ihr geschlafen hat, ihrem Vater fünfzig Silberstücke geben und soll sie zur Frau haben, weil er ihr Gewalt angetan hat; er darf sie nicht entlassen sein Leben lang.

5. Mose 22, 28-29

Sprich: Wenn die Jungfer unverheiratet ist, erwartet sie mit dem (um ein bis zwei potentielle Sklaven ärmereren) Vergewaltiger ein „und so lebten sie bis ans Ende ihrer Tage“… So süss… Wenn das keine Happy End ist… Hach…

Ähm… Warum gilt die Stadt-Feld-Unterscheidung nicht auch im Fall von verheirateten Frauen?

Und überhaupt: Warum berücksichtigt man bei Verleumdung und Vergewaltigung überhaupt den Beziehungsstatus?


Und?
Hättet du, lieber Leser, die Verleumdeten und Vergewaltigten auch auf diese Weise geschützt?

Meine gotteslästerlichen Gedanken im Wandel der Zeit

Lieber Herr Pfarrer

Falls Sie meine Beträge hier auf dem DisOrganizer verfolgt haben, ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass ich hier Sachen schreibe, die mir noch vor ein paar Jahren ziemlich viel Ärger eingebrockt und mich während dem Rest der letzten 2000 Jahre wohl Kopf und Kragen gekostet hätten.

Ich weiss, lieber Herr Pfarrer, dass Sie – obwohl Sie mit meinen Ansichten nicht übereinstimmen und sich hie und da durch meine Äusserungen wahrscheinlich wirklich verletzt fühlen – niemals meinen Tod dafür fordern würden1.

Aber sind Sie sich im Klaren darüber, dass Sie es früher (allein von Berufs wegen) mit Vehemenz getan hätten?

Oder hätten Sie sich schützend vor mich gestellt?
Und sich damit gleichsam zu mir aufs Schafott gestellt?

Gab es eine Zeit und einen Ort, wo die Kirche das Sagen hatte und ich meine gotteslästerlichen Äusserungen nicht mit dem Leben bezahlt hätte?

Wenn ja, wann und wo war das? Und warum hat sich das dann wieder geändert?
Wenn nein… Macht Sie das nicht stutzig?

Es grüsst herzallerliebst
Eda

Offener Brief an die katholische Kirche

Liebe katholische Kirche

Ist es richtig, dass ihr es als eine eurer Hauptaufgaben betrachtet, möglichst viele Seelen zu retten? Und dass ihr jede Unternehmung unterlassen werdet, wenn durch diese langfristig weniger Seelen gerettet werden sollten?
Und gehe ich recht in der Annahme, dass die Kriterien, die entscheiden, wann eine Seele gerettet wird, sich im Laufe der Zeit nicht ändern? Schliesslich gab es meines Wissens seit einiger Zeit kein Update mehr für die Bibel, euer Seele-Rettungs-Handbuch. Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann laufen die Kriterien irgendwo entlang der Linie, ob man Jesus als Erlöser akzeptiert hat?
Und könnte man sagen, dass nach eurem eigenen Verständnis der von der katholischen Kirche empfohlene Weg, von allen der erfolgversprechendste ist? Andernfalls würdet ihr doch sicher umschwenken auf einen erfolgversprechenderen Kurs, nicht wahr?

Wie erfolgreich wart ihr denn im Laufe der Geschichte?
Wie viele eurer Schäfchen haben es wohl eurer Ansicht nach in den Himmel geschafft?
Kriegt ihr heute prozentuell mehr Seelen in den Himmel als – sagen wir mal – vor 100, 200, 500, 1000, 1500, 2000 Jahren? Schliesslich haben sich eure Methoden massiv gewandelt im Laufe der Zeit.
Und wie standen die Chancen für Nicht-Katholiken in den verschiedenen Epochen in den Himmel zu kommen?

Klar, sowas ist schwer abzuschätzen, doch ihr müsst zumindest eine grobe Vorstellung haben. Wie könntet ihr sonst wissen, ob all die Verbesserungen, die ihr eingeführt habt, die erwünschte Wirkung zeigen?

Ich habe mal ein bisschen recherchiert. Im Jahr 1910 waren also etwa 34.8% der Weltbevölkerung Christen und im Jahr 2010 nur noch 32.8%1. Wenn ihr den Prozentsatz der geretteten Schäfchen in eurer Herde in dieser Zeit nicht gesteigert habt, dann macht ihr einen schlechten Job2.

Und habt ihr ihn gesteigert?
Um wie viel?
Wenn ich es richtig gerechnet habe, müsstet ihr unter der (hypothetischen) Annahme, dass 1910 10% eurer Schäfchen gerettet wurden, es inzwischen auf mehr als ca. 11% geschafft haben3. Ansonsten wäre der Anteil an geretteten Seelen global gesunken. Im Fall von 20% geretteten Schäfchen 1910, müsstet ihr jetzt ca. 21.5% sein. Und bei 90% geretteten Schäfchen 1910, bei ca. 95.5%.
Und? Habt ihr es geschafft?

Aber selbst wenn ihr es nicht geschafft habt und heute mehr Seelen zur Hölle fahren als jemals zuvor, so ist das natürlich kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Schliesslich verdanken die wenigen, die es noch schaffen, es eurem Weg. Das tun sie doch, oder?

Wie sah es aber in den Jahrhunderten davor aus? In der Zeit, als man noch nicht ungestraft ans Bein der Kirchen pinkeln konnte?

Kamen beispielsweise zur Zeit der Inquisition mehr eurer Schäfchen in den Himmel als unmittelbar davor?
Oder als heute?
Und wenn ja, sehnt ihr sie zurück?

Und was geschah eigentlich, wenn ihr euch mal versehentlich verrannt habt? Sowas kann passieren. Irgendwie versteht man was falsch und gibt den Schäfchen irrtümlich einen Auftrag, der Gott massiv missfällt. (Sowas kann passieren. Jeder macht mal Fehler.)
Da der Auftrag von euch kommt (einer durch und durch vertrauenswürdigen Organisation) und eure Schäfchen es nachweislich nicht besser wissen können, kann Gott sie zur Hölle fahren lassen? Euch schon, denn ihr hättet es besser wissen müssen, aber auch all die Menschen, denen ihr mehr oder weniger absichtlich die Bildung vorenthalten habt, die es ihnen überhaupt erst ermöglicht hätte das selbst zu beurteilen?
Das kann ich mir nicht vorstellen. So fies kann kein allgütiger Gott sein…
Insofern vermute ich, dass eure schändlichste Zeit vielleicht auch jene war, in der am meisten Seelen gerettet wurden.
Wäre es da nicht eure moralische Pflicht, wieder unmoralisch zu werden?

Oder ist euch die Quote der geretteten Seelen egal und alles was zählt, ist, dass Jesus nicht vergessen geht?
Heute 90% von 10 Milliarden Seelen zu retten wäre sicherlich nett, wenn es aber in einer fernen Zukunft eine Undezilliarde Seelen geben wird, dann ist es selbstredend um Grössenordnungen wichtiger, dass Jesus auch dann noch mitmischt. Man muss schliesslich Prioritäten setzen. Koste es was es wolle.

Mit fre­undlichen Grüssen
Eda Gregr