Eda Gregr
27.06.2017 um 23:19

Früher schrieb man offenbar:

Er mähte den Rasen, und sie kochte das Mittagessen.
(mit Komma)

und:

Es ist eine Tatsache, dass er den Rasen mähte und sie das Mittagessen kochte.
(ohne Komma)

Kommaregeln scheinen sich früher nicht nach Chomskys Universalgrammatik gerichtet zu haben!

Ich bin empört!
(Mein Bürokollege übrigens auch.)

Wenn das kein Grund ist, das Rumfummeln an der Geschichte zu erlauben, …
dann weiss ich auch nicht …

 

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Aber natürlich muss man geschickt rumfummeln!
Meist passiert gar nicht: Beispielweise war der Strategie, einen Kampfroboter durch die Zeit zu schicken um eine Schlüsselperson zu ermorden und damit der Geschichte eine neue Wendung zu geben, bisher noch nie Erfolg beschieden (Terminator). Und selbst der Versuch, einen Ingenieur ins Mittelalter zu schicken um eine steamgepunkte Renaissance zu ermöglichen, hinterliess keinen bleibenden Eindruck (Ein Yankee am Hofe des König Artus).
Manchmal schiesst man aber auch weit übers Ziel hinaus: Als beispielsweise ein viktorianischer Gentleman in einer fernen Zukunft die Hübschen rettete, indem er die Hässlichen massakrierte, beraubte er die Hübschen ihrer Lebensgrundlage und musste für sie die Zivilisation mit all den damit verbundenen Mühen komplett neu aufgleisen (Die Zeitmaschine). Oder weil mal ein Teenager durch die Zeit stolperte und seiner Mutter den Kopf verdrehte, landete ein Trump im Weisse Haus (Zurück in die Zukunft).

Grundsätzlich gilt, dass wenn man die Leute „austauscht“, dass sich nichts gross ändert. Für eine andere Zukunft bedarf es nicht anderer Leute, sondern anderes Denken!
Technologie beeinflusst das Denken (The Medium is the Message). Das tut sie allerdings nur, wenn sie noch irgendwie fassbar ist. Entzieht sie sich zu sehr dem Verständnis der Benutzer, wird es zur Magie. Ich denke da beispielsweise an den Cargo-Kult in Melanesien, aber eigentlich auch an die Mehrheit der iPhones-User, wo die Leute die Bedienungsrituale ausführen, dann aber bloss enttäuscht, nicht aber gross überrascht sind, wenn das Resultat ein gänzlich anderes ist als erhofft.
Sprache beeinflusst das Denken!
Was liegt dann näher, als Linguisten durch die Zeit zu schicken um die Dinge gerade zu biegen? Sie ändern die Sprache und damit das Denken. Und wer würde schon im Rat für deutsche Rechtschreibung, in der Académie française oder in der Redaktion des Oxford English Dictionary Zeit-Agenten vermuten?

Rat für deutsche Rechtschreibung

Rat für deutsche Rechtschreibung

 Académie française

Académie française

Natürlich ist die Macht dieser Institutionen nicht verborgen geblieben. Man vermutet schon länger, dass beispielsweise politische Korrektheit, welche zu einem bestimmten Grad auch von diesen „Sprachpolizisten“ abgesegnet wurde, ein Manipulationswerkzeug ist. Was man jedoch nicht bedacht hat, ist, dass wenn jemand die Folgen eines „Eingriffs“ abzuschätzen fähig ist, dann Zeitreisende. Wenn man sich also gegen die politische Korrektheit auflehnt, dann weil sie es so wollen…

Mir ist kein Zeitreise-Science-Fiction-Werk bekannt, in dem diese Möglichkeit ausgelotet würde. In Arrival ist Amy Adams alias Dr. Louise Banks zwar Linguistin und irgendwie geht es da auch ums Zeitreisen, doch es besteht keine Verbindung zwischen diesen beiden Dingen. Was dem Grundgedanken, dass man die Geschichte durch Tweaken der Sprache nachhaltig verbessern kann, noch am nächsten kommt, ist Bill & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit, wo mit Hilfe von granatenstarker Musik ein globales Umdenken eingeleitet wird, welches dann zu einer Welt voller Wasserrutschen führt.

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Eda Gregr
12.03.2017 um 14:59

Eine ziemlich lästige Eigenschaft der deutschen Sprache ist das Problem mit dem inklusiven und dem exklusiven Wir.
Als Angesprochener weiss man nie genau, ob man nun dazugehört oder nicht. Diese doofe sprachliche Eigenart ermöglicht es auch, jemanden nachträglich auszuschliessen ohne dass man sich damit in Widersprüche verwickeln würde. Es zwingt den Angesprochenen in eine lästige, unterwürfige Position.

Kein Wunder macht sich das die Religion zunutze.
„Vater unser im Himmel…“
Wenn ein Priester das vorbetet, rechnet er mich auch dazu? Wenn es um die Kirchensteuer geht, wahrscheinlich schon…
Wen rechnet er aber nicht dazu? Es können ja nicht alle gemeint sein, sonst würde es „Vater aller im Himmel… “ heissen.

Ich plädiere daher für die Ersetzung von „unser“ durch „dwir“, wenn du dazugehörst, und „mwir“, wenn es nur mich betrifft, aber nicht dich. So herrscht Klarheit!
Analog „duns“ und „muns“, respektive „dunser“ und „munser“.

„Vater munser im Himmel…“

Ein ähnliches Problem ergibt sich mit Drittpersonen, welche mal dazu gezählt werden und mal nicht.
Man betrachte die beiden folgenden Sätze: „Wir Christen sind die grösste Religionsgemeinschaft der Welt.“ und „Wir Christen lehnen jede Form von Gewalt ab.“
Die „wir Christen“ in den beiden Sätzen sind offensichtlich nicht die gleichen. Die „wir Christen“, die die Gewalt ablehnen, sind wahrscheinlich nicht mehr die grösste Religionsgemeinschaft.
Ist es zu viel verlangt, dass „wir“ im gleichen Kontext immer die gleiche Zahl von Menschen repräsentiert? Respektive, dass es erkennbar ist, wenn sich die Zahl ändern könnte.

Ich plädiere daher für die Ersetzung von „wir“ durch „wirf„, wenn die Zahl fix ist, und „wirw„, wenn sie variabel ist (w weil das v in variabel als w ausgesprochen wird).
Analog unsf und unsw, respektive unsfer und und unswer.
Das müsste natürlich mit dem inklusiven und exklusiven Wir kombiniert werden.

„Vater munswer im Himmel…“

Dann gibt’s da noch die Priorisierung, welche manchmal innerhalb der Gruppe auf die sich das wir bezieht, gegeben ist (vgl. Alle sind gleich, doch manche sind gleicher.). Das sollte auch berücksichtigt werden.

Ich plädiere daher für die Ersetzung von „wir“ durch „wier“, wenn die Gruppe egalitär strukturiert ist, und „wiar“, wenn sie hierarchisch ist.
Analog unes und unas, respektive uneser und und unaser.
Auch das müsste natürlich mit dem inklusiven und exklusiven und dem fixen und variablen Wir kombiniert werden.

„…und vergib munasw munaswere Schuld, wie auch wir vergeben munasweren Schuldigern…“
(weil es andere wesentlich nötiger als ich, dass ihnen vergeben wird…)

Auf diese Weise hätten es Bigotterie und Heuchelei wesentliche schwerer. Und das ohne die politische Korrektheit bemühen zu müssen.
Zugegeben, es wäre zumindest in der Eingewöhnungsphase wohl etwas kompliziert. Andererseits würde es nicht schlecht tun, wenn die Leute etwas weniger für andere sprechen täten.
Das ist zumindest munesfere Ansicht.

Gezeichnet, die DisOrganizer Redaktion

 

 

Und wenn wir schon daran sind, die Sprache von ihren Macken zu befreien, hier ein weiterer Vorschlag: Lasst uns „jungfräulich“ durch „jungfreudig“ ersetzen. Das ist das gleiche Vergnügen, bloss dass man es durchaus auch mehrmals haben kann. Ist doch viel besser!

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Das Märchen Rapunzel lässt sich nicht übersetzen in ameisisch.
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