Eda Gregr
07.05.2017 um 01:30

Die Liebe ist etwas wunderbares. *seufz*
Doch wenn man versehentlich die falschen Werte vertritt, kann es auch übel ins Auge gehen…

Es gibt verschiedene Arten von Liebe. Wenn man als Liebender jedoch von einer wichtigen Sache um Grössenordnungen mehr versteht als der Geliebte, dann haben wir es ganz klar mit einer Art von Elternliebe zu tun, bei welcher der Liebende eine Verantwortung dem Geliebten gegenüber übernimmt, die er einem Fremden gegenüber so nicht hätte.

Deshalb hält der Wahre Christ schliesslich auch dem Fremden die andere Wange hin (Matthäus 5,39), während er beim Sohn seine Liebe mit der Rute praktiziert (Sprüche 13,24).

Wenn ich Rauchen für schädlich halte, werde ich es nur dann allgemein zu verbieten versuchen, wenn es auch für mich als Unbeteiligten schädlich ist und/oder wenn ich fürchten muss, dass ich später für die Kosten werde aufkommen müssen. Sollte Passivrauchen jedoch auf wundersame Weise weder schädlich noch störend sein und sollten durch den verfrühten Tod der Raucher die Kosten im Gesundheitswesen angenehm sinken und es allgemein keine negativen Folgen für die Gesellschaft haben, dann habe ich als rationaler Mensch eigentlich keine Gründe mehr den Leuten das Rauchen auszureden. Ausser ich bin ein empathischer, netter Mensch. Dann werde ich es ihnen zwar trotz des für mich daraus resultierenden wirtschaftlichen Nachteils ausreden, aber ich werde nicht versuchen, ihnen das Nichtrauchen per Gesetz aufzuzwingen. Weil ich als empathischer, netter Mensch ihre Meinung, auch wenn ich sie für falsch halte, respektiere und überzeugt davon bin, dass niemand das Recht hat anderen seinen Willen aufzuzwingen.
Wenn ich Rauchen für schädlich halte und meinen Sohn dabei erwische, wie er eine Zigarette pafft, dann ist es mir egal, ob Passivrauchen weder schädlich noch störend ist. Und es ist mir egal, ob Rauchen die Gesundheitskosten sinken lässt. Und ganz besonders egal ist mir, ob man als empathischer netter Mensch eigentlich kein Recht hat jemandem seinen Willen aufzuzwingen. Ich werde ihm in seine Angelegenheiten reinreden. Und zwar sehr deutlich.

Beim Thema Rauchen gibt es Studien, die meine Position stützen. Beim Thema Masturbation fehlen jedoch Studien, welche die Schädlichkeit belegen. Und wenn ich meine ganze Macht einsetze um die von mir geliebten Personen von dieser meiner festen Überzeugung nach verheerenden Beschäftigung abzuhalten, kann ich damit einen beachtlichen Schaden anrichten. Wohlgemerkt, ich bin nicht naiv, ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass ich mit meinen masturbationsverhindernden Massnahmen den Betroffenen ein gewisses Leid bereite, doch bin ich felsenfest überzeugt davon, dass es deutlich kleiner ist als das Leid, welches das Masturbieren verursacht hätte. Bloss dass ich damit nicht recht habe und das vermeintlich kleinere von zwei Übeln das einzige Übel ist.

Das ist zwar traurig für die Betroffenen, doch sind es wenigstens nur relativ wenige Menschen, deren Wohl mir wichtiger ist als mein eigenes und für die ich demzufolge eine Verantwortung trage, welche ihre Selbstbestimmung jederzeit ausser Kraft zu setzen vermag.
Ausser natürlich ich bin von Nächstenliebe erfüllt, dann ist keiner vor meinem Besserwissen sicher…

Mit der Nächstenliebe verlegt man sich von der anderen Wange zur Rute.

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Eda Gregr
10.03.2017 um 13:26

 

Abschaffung aller Hausaufgaben
Einstellung aller Waffenproduktionen
Bedingungsloses Grundeinkommen
Aufnahme von Flüchtlingen
Vaterschaftsurlaub
Tierrechte
1 : 12

 

Die Ideen mögen verrückt sein und vielleicht sogar verhängnisvoll, doch ändert das nichts daran, dass sie LIEB sind.
Ich denke nicht, dass das irgendwer bestreiten würde.
Doch Vorsicht, nicht jede Idee, mit der man nur das Beste für die Menschen und die Schweiz will, ist auch LIEB. Jeder denkt das zwar von seinen Ideen – bloss stimmen dem nicht alle zu. Das Burkaverbot beispielsweise hilft nach den Vorstellungen der Initianten die Werte der Schweiz zu sichern und es befreit auch muslimische Frauen aus der Unterdrückung einer archaischen Religion. Edle Absichten, doch die Kritiker bezweifeln diesen Effekt.
LIEBE Ideen sind hingegen solche, auf die ausschliesslich mit „WER SOLL DAS BEZAHLEN?“ reagiert wird. Eine Reaktion die bei Kritikern des Burkaverbots eigentlich nie zu hören ist.

Würden wir nicht alle gerne LIEB sein?
Wenn wir es uns leisten könnten…..

Wenn man sich diese Ideen genauer anschaut, dann sind sie auf einmal nicht ganz so umfinanzierbar, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint.

Warum probieren wir sie dann nicht einfach?
Wenn es sich jemand leisten kann LIEB zu sein, dann doch die Schweiz?
Okay, sie kann es sich leisten, weil sie es in der Vergangenheit nicht war. Aber das ist kein Argument, dass man nicht auch auf LIEBE Weise prosperieren kann!

Wenn wir es umsetzen, wird man uns für unseren Mut bewundern. Uns um unsere Güte beneiden. Und sicher auch für verrückt halten, weil wir so leichtsinnig unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand riskieren. Doch man würde es uns gönnen, wenn es klappt. Und sicherlich schon bald nachziehen.

Lasst und utopisch sein!
Lasst es uns versuchen!
Schliesslich wollen doch alle LIEB sein, oder etwa nicht?

Zugegeben, die Kommentarsektionen in Online-Medien vermitteln eher den Eindruck, dass es den Leuten zutiefst zuwider läuft, wenn es anderen gut geht. Insbesondere wenn diese nichts dafür zu tun brauchen1. Allerdings fürchten diese Leute bloss, dass in diesem Fall sie dafür aufkommen müssen und dass es am Ende einem, der nichts tut, besser geht als einem, der sich den Arsch aufreist. Das wäre natürlich durchaus falsch. Wenn es jedoch jenem besser geht, ohne dass es diesem dadurch schlechter geht, dann wäre nichts dagegen einzuwenden. Nun ja, auch nicht ganz. Dem, der mehr dafür tut, dass es ihm gut geht, sollte es schon besser gehen als dem, der weniger dafür tut. Was auch durchaus vernünftig klingt – auch wenn diese Forderung allein für sich schon utopisch ist.
Insofern denke ich nicht, dass die Leute nicht LIEB sind. Sie sind bloss auch GERECHT. Zwei Konzepte, die bekanntlich nicht so problemlos unter einen Hut zu bringen sind. Schliesslich ist Verzeihen ein Wesensmerkmal der LIEBE und gleichzeitig eine Suspension der GERECHTIGKEIT.

Dass die obigen Forderungen auch GERECHT umgesetzt werden können, bestreitet niemand. Bloss ihre Finanzierbarkeit.

Von daher…

Lasst uns utopisch sein!
Lasst es uns versuchen!
Lasst uns die Vorreiter sein!
Ist es nicht sympathischer, wenn man etwas LIEBES probiert und dabei scheitert, als wenn man in allem LIEBEN stets nur (viel zu spät) nachzieht?

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Eda Gregr
04.09.2016 um 11:43

Hier werden manche Christen einwenden, dass Gott ALLE Menschen liebt und damit die Sache als erledigt betrachten. Dabei übersehen sie aber völlig, dass Gottes Liebe tatsächlich wertlos ist, er sich wie eine verzogene High School Tussie benimmt und die Bibel ein beschämendes Zeugnis darüber ist, dass er im Unterricht nicht aufgepasst hat. (Daraus, dass eine Prämisse falsch ist, folgt nicht, dass die Konklusion nicht wahr sein kann. vgl. Fehlschluss-Fehlschluss)

Liebt Gott alle Menschen gleich fest? Und auf die gleich Art?

Wenn er manche Menschen mehr liebt als andere (und die Vorstellung, dass er ein auserwähltes Volk hatte, legt diese Schlussfolgerung zumindest für einen Grossteil der biblischen Menschheitsgeschichte durchaus nahe), dann macht man den Schnitt einfach zwischen mehr lieben und weniger lieber statt zwischen lieben und nicht lieben und schon funktioniert das Argument wieder.

Wenn er aber manche liebt wie ich Erdbeerknödel und andere wie ich die Bücher von Douglas Adams und wieder andere wie ich meinen Bruder und wieder andere wie ich meine Frau und wieder andere wie ich meine Tochter, dann funktioniert das Argument noch immer. Insbesondere, wenn die Entscheidung auf welche Art an Bedingungen geknüpft ist, wie in meinem Fall bei den Erbeerknödeln in deren Knödeligkeit oder bei Douglas Adams an seiner einzigartigen Fantasie.
Wichtig ist hierbei vor allem auch, dass die Liebe es mir im einen Fall erlaubt das Objekt meiner „Begierde“ zu kochen und zu essen, in den anderen Fällen jedoch explizit nicht1. Und selbst wenn mich die Liebe schweren Herzens zwingt, der geliebten Person, weil sie es sich wünscht, Leid zuzufügen, dann werde ich es mir nicht nehmen lassen, immer mal wieder nachzufragen, ob sie es sich inzwischen nicht anders überlegt hat2.
(Hat sich übrigens schon mal einer überlegt, ob Himmel und Hölle nicht einfach nur Zubereitungsarten sind für ein göttliches Gelage, an dem wir nicht als Gäste teilnehmen?)

Oder aber Gott liebt uns in einer allein Gott möglichen Art, die ALLEN Menschen (und Tieren? und Pflanzen? und Pilzen? und Stramenopile? und Protozoen? und Bakterien? und Ausserirdische?) auf die gleiche Weise und mit der gleichen Inbrunst zuteil wird. Eine Art von Liebe, die es ihm ermöglicht die Ewigkeit manchen zum Paradies und anderen zur Hölle zu machen.
Allerdings ist auch hier die Liebe wertlos. Vielleicht sogar noch viel weniger, weil Liebe gewissermassen eine Art von Priorität darstellt3. Und wenn ich allem die gleiche Priorität gebe, dann gibt es keine Prioritäten.

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Eda Gregr
11.12.2015 um 09:45

godGott liebt uns.
Deshalb baut er für uns ein Labyrinth mit zwei Ausgängen, wovon der eine ewige Freude und der andere ewige Qualen verspricht. Wobei die Chancen den richtigen zu finden äusserst liebenswürdig sind.

Gott liebt uns.
Deshalb bietet er uns für die existentielle Entscheidung nur höchst zweifelhaften Informationen an.

Gott liebt uns.
Deshalb gibt er uns den Freien Willen und ein Messer zum Spielen. Und damit es noch etwas interessanter wird, füllt er das Labyrinth mit Häschen, Welpen und Babies, damit wir nicht nur uns selbst schaden, sondern auch völlig Unbeteiligten das Leben zur Hölle machen können.

Gott liebt uns.
Deshalb respektiert er die Entscheidungen, welche wir mit unserem Freien Willen treffen, versucht uns aber trotzdem mit Geboten und Verboten in eine bestimmte Richtung zu drängen. Und beauftragt auch noch andere, die dafür sorgen sollen, dass wir auch ja in die richtige Richtung gehen.

Gott liebt uns.
Deshalb bestraft er uns schweren Herzens, obwohl wir nichts mehr daraus lernen und es das nächste mal besser machen können.

Gott liebt uns.
Deshalb reibt er uns dauernd unter die Nase wie verkommen und unwürdig wir doch sind.

Gott liebt uns.
Deshalb ermahnt er uns zur Nächstenliebe, die man jemandem auch angedeihen lassen kann, indem man ihm im Interesse seines Seelenwohls einen rotglühenden Stab in den Arsch schiebt.

Gott liebt uns.
Deshalb liess er seinen Sohn auf der Erde einen qualvollen Tod sterben, wobei es für diesen Sohn ein leichtes gewesen sein dürfte die Schmerzen der Kreuzigung auszublenden.

Gott liebt uns.
Deshalb liess er seinen Sohn auf der Erde einen qualvollen Tod sterben, wobei dieser qualvolle Tod von allen qualvollen Toden längst nicht der qualvollste ist.

Gott liebt uns.
Deshalb liess er seinen Sohn auf der Erde einen qualvollen Tod sterben, wobei dieser Tod im Vergleich zu der Qual, die uns in der Hölle droht, geradezu lächerlich ist. Die Grausamkeit liegt nämlich nicht nur in der Stärke des Schmerzes sondern auch in dessen Dauer. So dass nach einer Milliarde Milliarde Milliarde Jahren selbst ein Tropfen kalten Wassers alle zwei Minuten auf den Kopf unendlich viel grausamer ist als ein paar Stunden am Kreuz zu hängen. Was Gott uns hier also als den ultimativen Liebesbeweis vorsetzt, läuft im Grunde darauf hinaus: „ALS BEWEIS MEINER LIEBE HAB ICH MIR DIE FUSSNÄGEL GESCHNITTEN!“

Gott liebt uns.
Ist Liebe das richtige Wort?
Müsste es nicht viel eher so heissen:

Gott fickt uns.
Und das tut er auch dann, wenn er am Ende doch alles verzeiht und alle zu sich in den Himmel holt. Und zwar weil er uns Angst gemacht hat. Und zwar eine so grosse Angst, dass wir uns und vielen anderen viel zu oft selbst die Hölle auf Erden bereitet haben.

 

 

Das Tragische an der ganzen Sache ist, dass es diesen Gott gar nicht gibt und dass die Menschen demzufolge offenbar einen tiefen Drang haben, monumental „geliebt“ zu werden.

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Eda Gregr
12.11.2015 um 22:46

godJesus ist laut eigenen Angaben1 der einzige Weg zu Gott. Das heisst jeder, der ihm diesen Schmarren nicht abkauft, kommt – völlig ungeachtet dessen, wie lieb er in seinem Leben war – schnurstracks in die Hölle, wo ihn ewige Qualen erwarten.

Wenn Gott es sich so ausgedacht hat, dann ist es halt so. Jeder Schöpfer kann sich für seine Schöpfung noch so bescheuerte Regeln ausdenken. Das ist sein gutes Recht.

Ob wir das aber Gutheissen ist eine ganz andere Sache.
Auch ein König hat das „Recht“ absurde Gesetze zu erlassen. Er darf sich einfach nicht wundern, wenn seine Untertanen sie ihm irgendwann einmal um die Ohren hauen.

Kann man Christ sein und Gottes Regeln für meschugge halten?
Kann man Christ sein und sagen: „Die Welt, die Gott erschaffen hat, ist schon Klasse, aber so vom Charakter her, ist er schon ein ziemlicher Arsch.“?
Kann man Christ sein und glauben, dass Gott nicht lieb ist?2
Ich denke, das ist nicht möglich. Ich denke, dass ein Christ überzeugt davon sein muss, dass Gott lieb ist und dass all die Dinge, die uns womöglich grausam und absurd erscheinen, aus einer grösseren Perspektive eben doch gut und vernünftig sind.

Das heisst, für einen Christen muss es okay sein, dass ich für alle Ewigkeit gefoltert werde, auch wenn ich mir nie was zu Schulden kommen liess. Nein, für einen Christen sollte das nicht nur okay sein, er hat es sogar zu verlangen, weil es richtig und gerecht ist. Allein schon durch seine Bekenntnis ein Christ zu sein, soll er implizit zur Gewalt gegen mich aufrufen…

Doch kein anständiger Mensch würde je bei so etwas mitmachen!
Ein anständiger Mensch würde versuchen es zu ändern.
Nur ein dummer jedoch aus der Hölle heraus. Viel raffinierter ist es das Unrechtsregime Gottes zu unterwandern und es von innen zu zerschlagen.

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Eda Gregr
11.05.2015 um 21:52

Obelix und seine LiebenswürdigkeitOb man eine Religion als friedliebend bezeichnen kann, hängt meines Erachtens nicht von ihrem Ziel ab eine friedliche Gesellschaft zu erschaffen, denn dieses Ziel teilen ALLE Religionen, sondern vom Weg, den die Religion vorgibt, um dieses Ziel zu erreichen.

Religionen formulieren Werte und stellen Regeln auf, die ein harmonisches Zusammenleben ermöglichen sollen1. Die Grundidee dabei ist, dass wenn ALLE exakt die von der Religion gestifteten Werte übernehmen und ihr Leben entsprechend den von der Religion vorgegebenen Regeln führen, dass dann einem idyllischen Leben nichts mehr im Wege steht2. Das Problem ist aber, dass wenn nicht wirklich ALLE die Werte übernehmen und ihr Leben nach jenen Regeln führen, dass dann für die Harmonie keine Garantie übernommen werden kann. Nicht mal für die, die es tun. Wie also bringt man auch den hintersten und letzten dazu, sich zu seinem eigenen Wohl die Lehren der Religion zu Herzen zu nehmen? Und genau an der Antwort auf diese Frage muss man die Liebenswürdigkeit einer Religion messen!

Von einer Religion des Friedens würde ich erwarten, dass sie das ohne Gewalt hinkriegt. Auch ohne Androhung derselben. Weder im Diesseits noch im Jenseits.
Ich sage nicht, dass Gewalt grundsätzlich etwas schlechtes ist. Manchmal ist sie der einzige Weg um etwas wünschenswertes zu erreichen und dann soll man diese ruhig zu Hilfe nehmen. Man kann es dann einfach nicht mehr eine „friedfertige Lösung“ nennen.

Wir benamsen eine Erziehungsmethode – und nichts anderes ist eine Religion – schliesslich auch nicht nach dem erhofften Ergebnis, sonst würden alle Erziehungsmethoden „Tolle Erziehungsmethode“ heissen, sondern eher nach den Mitteln, die zur Erziehung verwendet werden.
Selbst wenn die Heranwachsenden am Ende friedfertig, höflich und hilfsbereit sind, wenn man es ihnen mit Schlägen und Drohungen eingetrichtert hat, dann war es keine „friedfertige Erziehung“. Ich will damit nicht sagen, dass man Kinder nicht schlagen soll3, ich sage nur, dass, wenn man es tut, es nicht eine „friedliche“, „friedliebende“ oder „friedfertige“ Erziehung genannt werden kann.
(btw. Was die Beurteilung einer solchen Methode betrifft, so sollten wir uns auch da weniger vom erhofften Ergebnis blenden lassen, sondern erst mal die realen abwarten4. Und wenn die endgültigen Ergebnisse aus kategorischen Gründen nicht vorgelegt werden können, dann müssen wir uns halt mit den provisorischen begnügen.5 Doch hier geht es nicht um die Beurteilung, sondern lediglich um die Zuschreibung von Attributen.)

Die frohe Botschaft ist aber, dass dem Christentum (wie wohl jeder anderen Religion genauso) nicht viel fehlt um eine in diesem Sinne „friedliche Religion“ zu werden.  Sie bräuchte lediglich die Bestrafung für die Abkehr von Gott zu streichen6. Und sie sollte auch aufhören die Menschen daran zu hindern, das zu tun, was sie wollen – insbesondere dann, wenn sie damit niemandem schaden.
Gott darf gern seine Wünsche formulieren und er darf auch gern diejenigen belohnen, die ihm diese erfüllen, doch er sollte niemanden dafür bestrafen, wenn er ihnen nicht nachkommt. Wenn er uns erklärt, dass er an seinem Tisch niemanden haben will, der sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlt, dann können wir damit leben. Wir entscheiden uns, ob uns die Sodomie wichtig genug ist, um damit auf ein gewissen Bonus zu verzichten. An anderen Tischen aber weniger oder vielleicht sogar gar nichts zu servieren, steht ausser Debatte, denn das ist ein Akt von Gewalt7.
Hier zu sagen, die Leute hätten die Wahl gehabt, sie hätten sich aus freien Stücken für den Hunger entschieden und müssten nun eben die Konsequenzen tragen, hat auch seine Tücken. Weil jemanden  zu einer Entscheidung zu zwingen, noch bevor er über genügend Informationen verfügt um eine nach eigener Einschätzung fundierte Entscheidung treffen zu können, ist auch eine Form der Gewalt, denn auch hier nutzt man seine Macht um jemanden etwas tun zu lassen, was er nicht will. Zur Illustration vielleicht das folgende Szenario: Es werden einem zwei Pillen gegeben. Eine blaue und eine rote. Die blaue lässt das das Kopfweh verschwinden. Die rote lässt den Kopf explodieren. Man hat die freie Wahl. Bloss dass diese ganze Übung in einem Raum ohne Licht stattfindet. Ist dann wirklich keine Gewalt im Spiel? Auch dann nicht, wenn es ausserdem noch heisst, dass wenn man sich nicht innert einer unbekannten Frist nicht entscheidet, man so oder so die rote Pille bekommt? 8

Aber natürlich hindert niemand Gott daran, Leute zu Entscheidungen zu zwingen und sie für die falsche zu bestrafen. Es steht ihm frei zu tun und zu lassen, was immer ihm beliebt. Und er darf gern auch überzeugt davon sein, dass er damit seine Liebe gegenüber den Menschen zum Ausdruck bringt. Doch wenn man hierbei von einer friedfertigen Erziehungsmethode spricht, dann hat man irgendwie den Sinn für die Realität verloren.

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Eda Gregr
03.03.2014 um 16:49

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

22. Februar 2014

Papst Franziskus @Pontifex_de
Verlieren wir nie die Hoffnung! Gott liebt uns immer, auch mit unseren Fehlern und Sünden.

Fällt das Geschäft mit der Hoffnung nicht in den Zuständigkeitsbereich des Teufels? Ist es nicht genau seine Masche aus den Hoffnungen des Menschen Kapital zu schlagen?

Ich hoffe, dass ich meine Schlüssel nicht zuhause liegen lasse. Ich hoffe, dass meiner Familie die Grippe erspart bleibt. Ich hoffe, dass Bhutan mal Fussballweltmeister wird. Ich hoffe auf einen Sechser im Lotto und natürlich auf den Weltfrieden.
Damit stelle ich mir gewissermassen eine aus meiner Sicht schönere Welt vor um – wenn möglich – die dafür notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, selbst mir bewusst ist, dass dies mehr in den Händen des Zufalls liegt als in meinen eigenen.

Der Teufel verspricht – gegen ein gewisses Entgelt – der Sache etwas nachzuhelfen. Wobei es für gewöhnlich nie ganz so raus kommt, wie man es sich ursprünglich vorgestellt hat.
Interessanterweise tut Gott genau das gleiche – ebenfalls gegen ein Entgelt. Wobei auch bei ihm die Sache nie wie geplant raus kommt.
Das Entgelt ist das gleiche bei beiden, seine Seele, bloss dass man sich bei Gott einredet, dass das ganze Schlammassel irgendwie positiv für einen war.

Ein Beispiel zur Illustration: Ich bete um den Weltrekord in 100 Meter und ich schaffe ihn. Bloss dass ich auf dem Weg zur Siegerehrung stolpere und man mir das rechte Bein amputiert. Wenn ich den Teufel drum gebeten habe, dann zeigt das seine Verschlagenheit. Wenn ich Gott darum gebeten habe, dann ermöglich er mir damit ein besserer Mensch zu werden.

Andererseits würden erfüllte Hoffnungen in Kombination mit Gebeten statistische Auffälligkeiten darstellen, die sich bekanntlich nicht nachweisen lassen. Deshalb scheinen Gott und Teufel immer nur exakt auf solche „Geschäfte“ einzugehen, dass der Konsumentenschutz sie nicht von zufälligen Ereignissen unterscheiden kann.

Aber der Papst spricht ja nicht nur von der Hoffnung, sondern auch von der Liebe Gottes. In Kombination wirt das eine ziemlich brisante Frage auf:

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Was nützt mir Gottes Liebe, wenn ich doch in der Hölle lande, nur weil ich nicht an ihn glaube? Was wäre, wenn er mich hasste?

Gott greift also nicht offensichtlich ein – zumindest nicht offensichtlich für Dritte – , denn sonst gäbe es an seiner Existenz ja nichts zu zweifeln. Doch das geht scheinbar Gott gegen den Strich, denn er will dem Menschen die Chance geben an seine Existenz ausschliesslich zu glauben. Wohl in der irrigen Annahme, dass man sich im Angesicht seiner tatsächlichen Existenz nicht von ihm abwenden könnte und damit der Willensfreiheit beraubt sei. Das ist zwar nett gemeint, doch zeugt es von einem tiefen Unverständnis dem menschlichen Wesen gegenüber, welches sich ohne Probleme von Fakten abzuwenden fähig ist. Man denke nur an Adam und Eva, die Gott ja persönlich kannten, oder an die vielen Junge Erde Kreationisten.

Gottes Liebe oder Hass hat nach dieser Firmenpolitik also keinen nachweisbaren Einfluss auf mein diesseitiges Leben. Und da die Konsequenz eines Lebens, das Gott nicht gefällt, die Hölle ist, und das unabhängig davon ob Gott nun lieb ist oder böse, sehe ich für mich einfach keinen Unterschied.

Oder wäre die Hölle in einer Welt, die von einem Gott erschaffen wurde, der mich nicht liebt, irgendwie schlimmer als die von einem, der mich liebt?
Auf einen liebenden Gott sollten daher nur die Gottgefälligen hoffen, denn wenn er ein hassender ist, macht wohl auch der Himmel keinen Spass.
(Mal abgesehen davon, dass ich mir nicht vorstellen kann einen Himmel zu geniessen, wenn ich weiss, dass andere in der Hölle unendliche Qualen durchleiden. Nicht mal dann, wenn ich weiss, dass sie schuldig sind. Denn – nun ja – weil ich denke, dass es kein Verbrechen gibt, das so schlimm ist, dass eine ewige Folter gerechtfertigt wäre. Aber vielleicht bin auch bloss zu barmherzig.)

Pascals zweite Wette:

Wenn du kein gottgefälliges Leben führst und hoffst, dass Gott ein liebender Gott ist, hilft dir das nichts.
Wenn du ein gottgefälliges Leben führst und hoffst, dass Gott ein liebender Gott ist, ändert das nichts.

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Eda Gregr
06.01.2014 um 14:14

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

4. Januar 2014

Papst Franziskus @Pontifex_de
Liebe Jugendliche, Jesus will euer Freund sein. Er will, dass ihr die Freude über diese Freundschaft überall ausstrahlt.

Jesus will also der Freund der Jugendlichen sein. Erinnert nur mich das an Partnerlook tragende Mutter-Tochter-Gespanne?

Jedem das seine… Mich irritieren an diesem päpstlichen Tweet andere Aspekte.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Seltsame Freundschaft, wenn man so viel wert drauf legt, dass die anderen es sehen sollen.

Es ist natürlich sehr schön, wenn eine Freundschaft einen so glücklich macht, dass man strahlt wie ein Glühwürmchen. Doch dass man dieses Strahlen vom anderen verlangt oder es sich auch nur wünscht, scheint mir etwas seltsam.
Ist es wirklich Freundschaft, wenn es einem so wichtig ist, dass die Freundschaft von anderen wahrgenommen wird? Ist da wirklich noch der Freund im Zentrum oder ist dieser nur mehr das Mittel zum Zweck?
Solche Freundschaften sind natürlich keine Seltenheit, wo ein Unbekannter aus der Freundschaft mit einem Promi sozialen Profit zu schlagen versucht. Meines Wissens ist allerdings genau das eine der traurigen Schattenseite am Berühmtsein.
Hier ist es allerdings der Promi, der aus der Freundschaft mit einem Unbekannten Profit zu schlagen versucht. Auch das gibt’s. Wenn beispielsweise ein Präsidentschaftskandidat süsse Babies küsst. Oder der Chef einer schweinisch reichen Organisation mit ein paar Bettlern bei einer Linsensuppe Weihnachten feiert.
(Ich bezweifle ja nicht, dass das Baby absolut küssenswert und die Bettler eine weit angenehmere Gesellschaft als der Verwaltungsrat jener Organisation sind, doch im Angesicht der Möglichkeiten, wäre es vielleicht Angebracht und im Interesse jener Unbekannten lieber mit Argumenten statt mit Emotionen zu punkten, resp. den Bettlern nen Job statt einer Linsensuppe zu besorgen. Ihr kennt das Sprichwort mit dem Fisch schenken und dem Fischen lehren, oder?)
Es entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie, dass Jesus seine Popularität ausgerechnet dem Umstand verdankt, dass er sich von sehr, sehr vielen Un
bekannten fb-liken lässt.
Ich will damit die Jesus zugeschriebenen Verdienste nicht schmälern, doch ich bezweifle, dass er allein ihnen seine Popularität verdankt. Vor allem wenn man bedenkt, wie verschiedenen seine Taten und Worte die ganze Geschichte hindurch interpretiert wurden. Mehrdeutigkeit kann bekanntlich für nen Hype die reinste Viagra sein.
Wie sagte doch einst Ian Hazelwood: Jesus ist die Paris Hilton der Antike.

Vielleicht wird mein Zweifel an der Aufrichtigkeit der Intention von Jesus und Papst andersrum deutlicher:
Wenn ich nicht strahle, bin ich dann einer Freundschaft mit Jesus nicht würdig?

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Brauchts für ne Freundschaft nicht Ebenbürtigkeit? Für nen Freund ist Jesus zu wenig bereit meine Wertvorstellungen zu teilen.

Das ist eine grundsätzliche Frage zur Freundschaft: Gehört zur Freundschaft nicht, dass man ebenbürtig genug ist, dass beide dank dem anderen wachsen können? Meine Freunde bringen mich auf neue Ideen, lassen mich falsche Vorstellungen hinterfragen, bringen mich zum Lachen und trösten mich, wenn ich traurig bin. Und bestätigen mich darin, dass mein Erzfeind wirklich ein Blödmann ist. Und genau das gleiche tue ich für meine Freunde.
Zugegeben, Jesus kann mich auf neue Ideen bringen, mich falsche Vorstellungen hinterfragen lassen, mich zum Lachen bringen (nun ja, ich will es zumindest nicht ausschliessen) und mich trösten. Doch er wird weder meinen Erzfeind nen Blödmann nennen (zumindest nicht solange er ein aufrechter Christ ist), noch wird er von mir auf neue Ideen gebracht, noch durch mich falsche Vorstellungen hinterfragen oder sich von mir trösten lassen.
Ist sowas wirklich eine Freundschaft? Ist es nicht eher die Beziehung zwischen einem Lehrer und seinem Schüler?

Wächst Jesus an der Freundschaft mit mir oder wächst damit bloss seine Popularität?
Kann er sich wirklich mein Freund nennen, wenn er nicht die Absicht hat mich je zu einem Bier einzuladen?

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Kannst du, Papst Franziskus, wirklich ein Freund eines Säuglings sein? Ihn lieben klar, aber Freundschaft? Seltsame Vorstellung.

Es ist doch falsch, die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler eine Freundschaft zu nennen. Sie mag durchaus geprägt sein von Liebe und Respekt, doch das Machtgefälle ist für eine Freundschaft einfach zu gross.
Der Lehrer hat gegenüber seinem Schüler die Sorgfaltspflicht zu wahren, weil der Schüler ihm sowohl intellektuell als auch sozial ausgeliefert ist.
Weshalb ist wohl eine Liebesbeziehung zwischen Lehrer und Schüler so problematisch? Oder zwischen Chef und Untergebenem? Oder zwischen Arm und Reich? Wegen der Gefahr der Manipulation des Schwächeren! Nicht, dass es nicht wahre Liebe oder Freundschaft sein kann, bloss ist die eine Seite mächtig genug, um dem anderen „wahre Gefühle“ zu suggerieren.

Klar, Jesus würde sowas nie tun.
Und selbst wenn er es täte, wäre es in seinem Fall gut, weil – nun ja – eben weil es Jesus tat und alles was Jesus tut per definitionem gut ist.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Ich meine, kommt das nicht ein bisschen schräg rüber, wenn ein erwachsener Mann einem Kind sagt, dass er sein Freund sein will?

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Eda Gregr
28.11.2013 um 13:23

Gestern zog ich über einen päpstlichen Nächstenliebe-Tweet her. Hier noch ein paar Ergänzungen:

Die Nächstenliebe ist keine Erfindung des Christentums.
Die Christen haben dem Altruismus, einer natürlichen Denk- und Handlungsweise, lediglich einen hippen Namen gegeben und ihn sozial gefördert.

Das ist natürlich okay und durchaus dankenswert. Vor allem dort, wo kein institutionalisiertes soziales Netz vorhanden ist. Wo der Sozialstaat allerdings gut funktioniert, verliert die Nächstenliebe etwas an Dringlichkeit und konzentriert sich auf die menschliche Wärme.
Wenn man heute an einem schwer verletzten Raubopfer vorbei kommt, hilft man ihm mehr, wenn man den Krankenwagen ruft, als wenn man eine Thoraxdrainage legt, die man mal in Greys Anatomy gesehen hat.
Den Krankenwagen als einen Akt der Nächstenliebe zu bezeichnen ist aber etwas absurd, schliesslich ist es meine Bürgerpflicht, der nicht nachzukommen Sanktionen folgen können. Nächstenliebe beweisst man hier eher indem man während man auf den Krankenwagen wartet dem Opfer die Hand hält und ihm Mut zuspricht.

Die Geschichte der Menschlichkeit ist geprägt von ein paar ziemlich wesentlichen zivilisatorischen Fortschritten: der Abschaffung der Sklaverei, der Medizin, der Gleichstellung von Mann und Frau, den Menschenrechte, etc. (vgl. Steven Pinkers Eine Geschichte der Gewalt)
Ich frage mich wieviele davon verdankt sich der Nächstenliebe?
Nichts davon wurde jedenfalls vom Vatikan vorangetrieben.

Mit seiner Nächstenliebe hat Jesus die Sklavenhaltung verbessert, aber nicht abgeschafft. Er hat sich dafür eingesetzt, dass die Hinrichtung einer Ehebrecherin nicht vollstreckt wurde, doch er hat die Rechtmässigkeit einer Bestrafung von Ehebruch nicht in Frage gestellt.

Die Nächstenliebe hat ihn dazu veranlasst es besser zu machen. Nicht aber es zu ändern.

Verdankt sich die Abschaffung der Sklaverei also wirklich der Nächstenliebe? Waren es nicht viel mehr die wirtschaftlichen Anforderungen, die der Sklaverei den Garaus machten?
Die von der Nächstenliebe getriebenen Christen stören sich auch nicht weiter daran, wenn sie Homosexuelle diskriminieren. Natürlich ganz lieb und nur zu deren bestem. Sie verstehen die Diskriminierung viel mehr sogar als einen Akt der Nächstenliebe.

Das Problem ist, dass die christliche Nächstenliebe eingebettet ist in einer Weltanschauung, die weiss, was richtig und was falsch ist, und sich entsprechend schwer damit tut etwas, was früher okay war als falsch zu erklären.

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Eda Gregr
28.11.2013 um 01:18

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

25. November

Papst Franziskus @Pontifex_de
Den Nächsten lieben heißt, nicht die eigenen Interessen suchen, sondern die Lasten der Schwächeren und Ärmeren tragen.

Da geht einem doch glatt das Herz auf, wenn man solche Worte von einem Pontifex liest. Wer stört sich dann da noch an logischen, ethischen und historischen Mängeln?

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Niemand würde je sagen, dass Nächstenliebe heisst, die eigenen Intressen zu suchen. Dafür gibt es andere Worte. #Tautologie

1. WOW, was für eine Einsicht in die Natur der Dinge…
Mal sehen, ob ich das auch hinkriege…
Velo fahren heisst, nicht in einem Flugzeug sitzen, sondern die Pedalen eines Drahtesels treten.
Fussball spielen heisst, nicht einen Baum fällen, sondern in deinen Ball treten.“
Kochen heisst, nicht das Essen essen, sondern das Essen machen.“
WOW…

2. Okay, vielleicht meinte er, dass den Nächsten zu lieben heisst, NIE die eigenen Interessen zu suchen, sondern IMMER die Lasten der Schwächeren und Ärmeren zu tragen. Also sein gesamtes Leben auf das Helfen auszurichten. Doch das steht nicht da – obschon noch Zeichen genug zur Verfügung gestanden hätten.
Hinzu kommt, dass sich die Hilfe und die Interessen gar nicht notwenigerweise auszuschliessen brauchen. Eigene Interessen brauchen keineswegs egoistisch oder gar zerstörisch zu sein. Allein schon beim Papst scheint die Nächstenliebe einem sehr grossen eigenen Interesse zu entsprechen. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Nächstenliebe sich genau durch das eigene Interesse definiert, nämlich jenes anderen zu helfen.

3. Eine weitere Interpretationsmöglichkeit könnte sein, dass man bei der Nächstenliebe die Hilfe nicht daran ausrichten sollte, was einem am besten passt, sondern was dem anderen am meisten nützt. Das wäre ein sehr schöner Gedanke, doch für einen so weisen Mann mit einem solchen Heer an weisen Beratern, hat er das ziemlich lausig formuliert.

Andererseits leben die Kirchen ja gerade davon, dass sie etwas immer anders sagen, so dass man es auch verschieden verstehen kann. Gemeint ist also nicht, was da steht, sondern was gerade gebraucht wird – wodurch es perfekt zur dritten Interpretationsmöglichkeit passt.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Wie nah ist der Nächste? Ist ja nicht so, dass Gott im alten Testament die Nächstenliebe an Andersgläubigen praktizieren liess.

1. Jesus wurde mal gefragt, wer denn genau der Nächste sei und er antwortete mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,29-37). Die Quintessenz ist, dass jener dem Hilfsbedürftigen am nächsten war, der diesem geholfen hat.
Das ist allerdings eine etwas schräge Antwort auf die Frage, woran man den Nächsten erkennt, den man gemäss „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ lieben soll, denn obgleich der Samariter sich hier sehr zuvorkommend gegenüber dem Hilfsbedürftigen verhalten hat, muss er keineswegs eine allzu grosse Zuneigung gegenüber diesem empfunden haben. Chirurgen helfen schliesslich auch Tausenden von Leuten ohne sie deswegen Lieben zu müssen. Und der Hilfsbedürftige empfindet sicherlich eine überschwängliche Dankbarkeit gegenüber seinem Wohltäter, was hier und da gern mit Liebe verwechselt wird, dann jedoch in der Regel nur Transferenz ist.
Wir kennen die tatsächlichen Motive des Samariters nicht. Es wird Altruismus gewesen sein, wie wir ihm immer wieder mal begegnen. Diesen mit Liebe gleichsetzen zu wollen, wäre allerdings eine bedenklich inflationäre Verwendung des Begriffs Liebe – und ich glaube kaum, dass sich Gott mit dieser Art von Liebe zufrieden gibt, die einen dazu veranlasst einer alten Dame über die Strasse zu helfen.

Wenn man den Nächsten also tatsächlich analog zu diesem Gleichnis zu definieren versucht, dann ist mir jener der nächste, der sich – aus welchem Grund auch immer – dazu entschlossen hat, mir zu helfen? Und den soll ich lieben wie mich selbst?
Und wenn der Nächste nur anhand der an mir geleisteten Hilfe offenbar wird, dann kann der Auftrag: „So gehe hin und tue desgleichen!“ als Antwort auf meine Frage, woran ich meinen Nächsten erkennen kann, nur bedeuten, ich soll mich von Räubern überfallen lassen.

1.5 Dass der Samariter für das Raubopfer während der Reanimation der nächste ist okay, doch wäre dieser Logik folgend dem Opfer während des Raubes nicht sein Peiniger der Nächste? Auch hier geschieht es bisweilen, dass das Opfer seinem Peiniger gegenüber ein positives emotionales Verhältnis aufbaut (vgl. Stockholm Syndrom).

2. Wenn man aber einen Christen fragt, wer denn genau mein Nächster ist, dann sind das für diesen ganz klar alle Menschen der Welt. Da fragt man sich aber, wieso heisst es: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Lev, 19:18)“ und nicht „Du sollst alle lieben wie dich selbst„?

Wohl weil der erste Teil des besagten Verses „An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen“ lautet und damit sehr deutlich klar gestellt wird, dass die Nächstenliebe sich nur auf eine sehr beschränkte Gruppe von Menschen bezieht.
Das unterstreichen auch die im alten Testament von Gott höchstselbst ausgesprochenen Kriegserklärungen gegen alle Andersgläubigen und der Missionsbefehl im neuen Testament sowie die Tweets vom Papstes (hier, hier und hier).

Was aber eigentlich alles auf das gleiche hinausläuft: Am Ende gibt es nur noch das eigene Volk. Früher indem man alle anderen umbrachte, heute indem man sie zum eigenen Volk konvertieren lässt. Wodurch dann tatsächlich alle zu den Nächsten gehören, sei es weil sie bereits zum eigenen Volk gehören oder es bald tun werden.

Andere Völker auszumerzen kann dann auch leicht als ein Akt der Nächstenliebe verstanden werden: Der Nächstenliebe den Kindern und Kindeskindern jener Völker gegenüber, denen dadurch eine Geburt und die ewige Verdammnis aufgrund eines falschen Glaubens erspart bleibt. Ein bedauerliches Opfer, aber was ist schon eine Generation Mord und Totschlag im Vergleich zu den vielen, vielen, vielen Generationen in glückseeliger Ewigkeit?

Ganz zu schweigen von der leicht utopischen Überzeugung, dass wenn erst mal alle Schäfchen in der Herde sind, dass dann Milch und Honig fliesst. Oder geht es beim Missionieren gar nicht um den Weltfrieden?

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Sollte Nächstenliebe nicht unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht, sozialem Status, sexueller Vorliebe und Vermögen sein?

Die Schwachen und Armen bedürfen selbstverständlich unserer Hilfe. Doch nicht aus Liebe, sondern weil es unsere ethische Pflicht ist. Wenn ich aus Liebe helfe, werde ich denen, die ich mehr liebe, mehr helfen. Und den Arschlöchern entsprechend etwas weniger. Den Leuten einreden zu wollen, dass sie allen Leuten die gleichen Emotionen entgegen bringen sollen, ist absurd. Genau deshalb überlässt man die soziale Sicherheit lieber nicht der Nächstenliebe, sondern der Bürokratie, die zwar bisweisweilen ziemlich bescheuert sein kann, doch es immerhin allen gegenüber im gleichen Masse ist.
Des weiteren lässt die Liebe uns nicht helfen, weil es unserer Hilfe bedarf, sondern weil wir helfen wollen. Und deshalb ist es eigentlich völlig egal, ob die betreffende Person unsere Hilfe überhaupt braucht. Insofern müsste uns die Nächstenliebe auch gebieten den Starken und Reichen zu helfen.

Die Liebe ist bei der Hilfeleistung noch in einem anderen Punkt eher hinderlich. Wenn ich eine Person liebe, dann liebe ich sie, wie sie ist. Und da werde ich ihr kaum zu einer Nasenkorrektur raten. Dies kann ich nur tun, wenn ich eine gewisse emotionale Distanz aufzubauen fähig bin und die Zusammenhänge etwas grossräumiger zu überblicken vermag. Die Liebe dagegen macht blind.

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Ist es wirklich Liebe, wenn man die Lasten der Schwächeren nur trägt, wenn sie dafür Jesus annehmen? Ist das nicht Geschäft?

Wenn man die Hilfe an Bedingungen knüpf – und seien diese noch so subtil formuliert – dann ist es keine Liebe, sondern ein Geschäft.
Jemandem nur Essen zu geben, wenn er sich vorher eine Predigt angehört hat, ist genauso ein Akt der Liebe, wie es die Ausstrahung eines mit Werbung gespickten Films im Fernsehn ist.
Wenn das Ziel ist am Ende mehr Geld in der Kasse, mehr Schäfchen in der Herde oder weniger weniger Schäfchen in der Herde zu haben, dann war Eigennutz im Spiel. Selbst dann, wenn es nachgewiesenermassen zum Wohle aller ist.

Wie glaubwürdig ist es eigentlich zu sagen, dass ich einen Befehl aus Liebe befolge, wenn mir andernfalls eine schreckliche Strafe droht? Was ist das für eine Liebe? Vor allem wenn man annimmt, dass der Befehl auch aus Liebe formuliert wurde…

Es braucht noch nicht mal die Bedingung, allein schon das durch die Hilfsbedürftigkeit bedingte Machtgefälle lässt Werte übernehmen und die Herde anwachsen. Man nutzt die Situation aus und das ist ethisch verwerflich. Deshalb sollten Helfer jeglicher Art sich genauso weltanschaulich neutral Verhalten wie wir es von Lehrern und Beamten verlangen.

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Eda Gregr
16.11.2013 um 19:04

Ein bisschen Poesie zum Wochenende…

Girls Who Read

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