id, quo nihil maius cogitari potest

Gottesbeweis von Anselm von Canterbury
Anselm von Canterbury in seinem eigenen Siegel

Nehmen wir einfach mal an, dass der ontologische Gottesbeweis gültig ist. Ich wüsste nicht wie das gehen sollte, aber das tut hier nichts zur Sache. Gottes Wege sind unergründlich und genauso die Beweise, die seine Existenz belegen.

Wir wissen also, dass es einen Gott gibt und dass dieser, weil darüber hinaus nichts grösseres gedacht werden kann, notwendigerweise allwissend, allmächtig und allgütig ist. Und wir wissen, dass dieser Gott irgendwann mal alles ins Rollen gebracht hat.

Und wir wissen aufgrund von (unergründlich) rationalen Argumenten, dass unsere Welt intelligent designt ist.

Und wir wissen ebenfalls aufgrund von Gründen, dass Jesus der Sohn jenes intelligenten Designers ist, der die Welt und Adam und Eva und die Sintflut erschaffen hat.

Was wir jedoch nicht wissen, ist, wie schwer es ist, eine Welt und Adam und Eva und die Sintflut zu erschaffen.

Wir wissen aber, dass wir selbst dafür nicht wissend und mächtig und gütig genug sind.

Wir wissen aber nicht, ob man dafür wirklich das ganze Allwissen und die ganze Allmacht und die ganze Allgüte bis zum letzten Löffel ausschöpfen muss. Sprich wir wissen nicht, ob auch ein von Gott erschaffenes Wesen mit freiem Willen in der Lage sein könnte, eine Welt zu erschaffen, deren Bewohner einen freien Willen haben1.

Ich wüsste aber nicht, was dagegen sprechen könnte2.

Dann bräuchte…
der Schöpfer unserer Welt nicht zwangsläufig … nett? … zu sein.

Er könnte in echter Mistkerl sein, der die Welt als Folterkammer erschaffen hat, um sich an unserem Leid zu erfreuen. Und er könnte als sein eigener Sohn auf die Welt gekommen sein um sicherzustellen, dass wir ihn dafür auch noch lieben. Und als Bonus sozusagen um seine masochistischen Triebe zu befriedigen.

 

Eine Frage aber bleibt: Was denkt sich wohl der allwissende, allmächtige, allgütige erste Beweger dabei, wenn er die Menschen sieht, wie sie ihren sadistischen Schöpfer anbeten, statt sich gegen ihn zu stellen?

not an atheist by choice

I’m not an atheist by choice, I am a seeker of truth. Being an atheist is a side effect of that endeavour.
JD Stockman

Das Problem mit dem Suchen nach der Wahrheit ist, dass man dabei eigentlich nur Unwahrheiten finden kann.
Das gilt auch und insbesondere für persönliche Erfahrungen, weil man nie mit letzter Gewissheit ausschliessen kann, dass man getäuscht wurde.
Wenn man aber raus gefunden hat, dass man getäuscht wurde, dann hat man tatsächlich eine Wahrheit gefunden.

Das stellt Gott aber vor eine denkbar blöde Situation.
Es gibt nämlich keinen Grund ihm zu glauben.
(Was lustigerweise nicht das gleiche ist wie an ihn zu glauben.)

Wenn Gott sich aus heiterem Himmel aufs Matterhorn setzt und das ganze Wallis mit notariell beglaubigten Wundern überflutet, dann überzeugt er uns zwar durchaus davon, dass er im Vergleich zu uns eine Menge auf dem Kasten hat, doch ist das noch kein Beweis dafür, dass er auch unser Universum erschaffen hat.
Und selbst wenn er  uns an den Anfang der Zeit mitnimmt und uns dabei zusehen lässt, wie er es tut, ist es keiner. Es könnte nämlich alles auch einfach nur ein Trick sein.

Allerdings muss man auch beachten, dass der Nachweis einer möglichen Funktionsweise des Tricks noch kein Beweis dafür ist, dass es auch wirklich ein Trick war. Das Vorhandensein von Motiv, Mitteln und Gelegenheit sind lediglich ein Beweis dafür, dass der angebliche Beweis als Beweis für die Wahrheit nicht ausreicht.

Gottesbeweise

Owners of dogs will have noticed that, if you provide them with food and water and shelter and affection, they will think you are god. Whereas owners of cats are compelled to realize that, if you provide them with food and water and shelter and affection, they draw the conclusion that they are gods.
Christopher Hitchens