Quantität und Qualität im Garten Eden?

Menschen sind Herdentiere. Manche ziehen vielleicht vor etwas Abstand zur Herde zu haben, das ändert aber nichts daran, dass der Mensch als Spezies allem Anschein nach die Gruppe braucht.

Wieso erschuf dann Gott Adam und Eva alleine?
Wohl wissend (?), dass das keine artgerechte Haltung ist!
Sich darauf zu verlassen, dass sie sich ihre Wohlfühlgruppengrösse schon selbst selbst werfen werden, halte ich für problematisch angesichts der existenziellen Frage, ob Adam und Eva in ihrem prae-epistemologischen Zustand überhaupt der Sinn nach Sex stand?

Hätte er statt nur zwei Menschen eine Gruppe von Menschen erschaffen, dann wäre die Sache mit der Erbsünde zweifellos etwas kniffliger geworden, aber das war auch nicht der Grund für die Schöpfung der Menschheit, ODER?
(So knifflig wäre es dann auch wieder nicht gewesen, denn man braucht ja nicht zwangsläufig alle Menschen gleich zu behandeln – vgl. Das verborgene Drittel)

Und wenn wir schon dabei sein…
Da die neolithische Revolution, also das erstmalige Aufkommen von Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit, erst mit Kain und Abel erfolgen wird, mussten sich Adam und Eva folglich noch im Mesolithikum befunden haben. 
Warum erschuf Gott die Menschen ausgerechnet auf mesolithischem Niveau und nicht noch auf paleolitischem? Ich meine, wieso gab er ihnen einige Kenntnisse direkt in die Wiege, andere aber nicht? Oder anders: die Menschheit musste sich den Ackerbau ausdenken, die Idee dass man aus Geweih Angelhaken machen kann, scheint jedoch bereits da gewesen zu sein.
Wieso erschuf Gott den Menschen dann nicht im computerisierten Impfzeitalter?  Die Mühe mit der Geburt gilt schliesslich auch heute noch. Und auch die Gleichstellung ist noch nicht wirklich in allen Köpfen drin. Von daher hätte es ihm die (geplante?) Strafe nicht vereitelt.

Gott hat Sterne mit deren Licht bereits unterwegs erschaffen, Bäume mit Jahresringen und Menschen ohne Kindheit und Jugend (und vielleicht mit einer Erinnerung an diese?). Warum dann nicht auch eine technologisch hochentwickelte Zivilisation mit dem Rokoko nur in Büchern?

Echt jetzt?

Wie die Frau erschaffen wurde und der Teufel in Ungnade fiel

Auf Facebook teilte eine Freundin einen inspirierenden kleinen Text, der uns in Erinnerung rufen sollte, was wir an den Frauen haben. Der Autor ist alternativ  Erma Bombeck oder unbekannt. Das bedeutet, dass der Text nicht aus egoistischen Motiven verfasst wurde um damit Frauen flach zu legen. Und dass sich die Ereignisse deshalb wahrscheinlich genau so zugetragen haben.
Das Original ist auf englisch (und es handelt sich dabei wahrscheinlich um eine gepimpte Version einer von Erma Bombeck am 2.5.1977 in der Chicago Sun und der Times erschienenen Kolumne). Ich habe hier eine etwas holprige Übersetzung des von der Freundin geteilten Textes verwendet, und mit den Worten des Teufels ergänzt.


Als Gott die Frau schuf, arbeitete er spät am 6. Tag …….

Ein Engel kam vorbei und fragte:
„Warum so viel Zeit mit ihr verbringen?“

Luzifer kam ebenfalls vorbei und fragte den Engel:
„Was meinst du mit ’so viel Zeit‘? Er hat ja eben erst mit ihr begonnen. Nachdem er überrascht feststellen musste, das Tiere als Gefährten nicht so ganz das Wahre sind ;)“

Der Herr antwortete.
„Hast du alle Spezifikationen gesehen, die ich treffen muss, um sie zu formen?
Sie muss in allen möglichen Situationen funktionieren.
Sie muss in der Lage sein, sich um mehrere Kinder gleichzeitig zu kümmern.
Ihre Umarmung muss alles heilen können, von einem verletzten Knie bis zu einem gebrochenen Herzen.
Sie muss das alles mit nur zwei Händen machen.

Der Teufel unterbrach Gott:
„Warum die Beschränkung auf nur 2 Hände? Was spricht dagegen ihr mehr zu geben, wenn sie sie braucht?“

Sie heilt sich selber und hält durch, wenn sie krank ist und kann 18 Stunden am Tag arbeiten. „

Das Tier war entsetzt.
„Warum muss sie sich selbst heilen können und 18 Stunden durchhalten, wenn sie krank ist? Wäre es nicht einfacher (und netter) gewesen, wenn du die Gesellschaft so gestaltest, dass sie sich im Krankheitsfall im Bett auskurieren kann?
Und übrigens. Wovon sprichst du überhaupt? Wir sind hier noch im Garten Eden! Krankheiten wird es erst geben, nachdem du die Menschen von hier vertrieben haben wirst.“

DER ENGEL war beeindruckt.
„Nur zwei Hände ….. unmöglich! Und das ist das Standardmodell? „

Der Teufel war etwas weniger beeindruckt.
„Sind das nicht mehr oder weniger die gleichen Spezifikationen, die du schon beim Mann umgesetzt hast? Du brauchst hier also das Rad nicht unbedingt neu zu erfinden.

Der Engel kam näher und berührte die Frau.
„Aber du hast sie so weich gemacht, Herr“.

Satan blieb dagegen in sicherer Entfernung.
„Wenn ich sie berühre, endet sie sicher wieder auf dem Scheiterhaufen…“

„Sie ist sanft“, sagte der Herr, „Aber ich habe sie stark gemacht. Du kannst dir nicht vorstellen, was sie ertragen und überwinden kann.“

Beelzebub meldete sich zu Wort:
„Darf ich fragen, warum sie so viel ertragen und überwinden muss? Wer ihr all das aufgebürdet hat?“

„Kann sie nachdenken?“ fragte der Engel…

„Kannst du es?“, fragte der Leibhaftige den Engel…

Der Herr antwortete.
„Sie kann nicht nur denken, sie kann argumentieren und verhandeln.“

Der Teufel aber hackte nach:
„Und wie steht es mit dem dürfen? Darf sie denken und argumentieren und verhandeln?“

Der Engel berührte ihre Wangen ….
„Herr, es scheint, dass diese Schöpfung undicht ist! Du hast ihr zu viele Lasten auferlegt.“

Der Fürst der Finsternis nickte:
„Meine Worte!“

„Sie ist nicht undicht … es ist eine Träne“ korrigierte der Herr den Engel …

Mephisto seufzte:
„Jaja, den Fehler als Feature verkaufen…“

„Wofür ist das?“ Fragte der Engel …..

Der Herr sagte. „Tränen sind ihre Art, ihre Trauer auszudrücken, ihre Zweifel, ihre Liebe, ihre Einsamkeit, ihr Leiden und ihren Stolz.“ …

Das hat einen großen Eindruck auf den Engel gemacht.
„Herr, du bist ein Genie. Du hast an alles gedacht. Eine Frau ist wirklich wunderbar „

Der Teufel war nicht ganz so beeindruckt und meinte schnippisch:
„Als ob das ohne Tränen nicht auch gegangen wäre…“

Der Herr antwortete.
„In der Tat ist sie es. Sie hat Stärke, die einen Mann erstaunt. Sie kann mit Problemen umgehen und schwere Lasten tragen.“

„Aber es erstaunt den Mann dann auch wieder nicht genug, um ihr die gleichen Rechte zu geben und etwas anderes als den Herd anzuvertrauen.“

„Sie enthält Glück, Liebe und Meinungen.“

„‚Enthält‘ die nicht jeder?“

„Sie lächelt, wenn sie schreien möchte.
Sie singt, wenn sie weinen möchte, weint wenn sie glücklich ist und lacht, wenn sie Angst hat.“

„Was nicht gerade der Kommunikation mit dem Mann förderlich ist, der deswegen alles notorisch falsch interpretiert.“

„Sie kämpft für das, was sie glaubt. Kämpft gegen Ungerechtigkeit.“

„Als ob irgendjemand, das, woran er glaubt, für ungerecht halten würde.“

„Sie akzeptiert keine ‚Nein‘ als Antwort, wenn sie eine bessere Lösung sieht.“

„Also nicht demokratiefähig?“

„Ihre Liebe ist bedingungslos.“

„Heisst, das sie macht denen, die sie liebt, das Leben nicht zur Hölle, wenn diese ihre Liebe nicht erwidern?“

„Ihr Herz ist gebrochen, wenn ein Verwandter oder ein Freund stirbt, aber sie findet Kraft, um mit dem Leben weiterzumachen.“

„Dazu sind Männer nicht in der Lage?“

Der Engel fragte:
„Also ist sie ein perfektes Wesen?“

Der Herr antwortete:
„Nein. Sie hat nur einen Nachteil.
Sie vergisst oft, was sie wert ist“.

„Und zwar etwa die Hälfte von einem Mann?“

Der Sündenfall

Prolog : Genesis, Kapitel 2

9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. […]
16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

Ich fasse zusammen: Gott legte einen Garten an mit zwei besonderen Bäumen in der Mitte. Von einem davon verbot er Adam zu essen, weil er dann am gleichen Tag sterben würde. Sprich: sein Metabolismus würde noch vor Sonnenuntergang zum Erliegen kommen (oder zumindest vor dem nächsten Sonnenaufgang – weil alles was danach kommt, definitiv nicht mehr der gleiche Tag ist).
Ob der Tod eine natürliche Reaktion ist auf die Frucht ist, oder ob es sich dabei um eine Strafe für den Verstoss gegen das Gebot handelt, bleibt offen. Für die Leiche kommt es am Ende eigentlich auch aufs gleiche raus.
Für seine Nachbaren aber nicht. Wenn es eine Strafe war, werden sie irgendwann zum Schluss kommen, dass sie unnötig grausam war. Wenn es jedoch Gift war, werden sie sehr schnell lernen, wie man die Frucht zubereiten muss, um dieses unschädlich zu machen.

22 Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

Hat Gott auch der Frau das Gebot mitgeteilt? Davon steht da nichts.
Er hatte zu Adam gesagt: „sollst du nicht essen“ und nicht „soll deinesgleichen nicht essen“ oder „soll niemand essen“. Man kann also nicht automatisch davon ausgehen, dass das Verbot allgemeingültig gemeint war. Die Bibel kennt ja durchaus „akteurbedingte“ Gebote, also beispielsweise solche, die sich nur an die Frau oder nur an den Mann richten (z.B. gewisse Reinheitsgebote).

24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.

Kann das gut gehen? Ist hier der Ärger nicht vorprogrammiert?
(Darüber, wer kurz nach der Vertreibung und der Sintflut wen verlassen muss um wem anzuhängen und ein Fleisch zu werden, wollen wir lieber gar nicht erst nachdenken.)

25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht.

Achtung, das wird sich noch als wichtig erweisen!

Genesis, Kapitel 3

1 Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?

Ich will ja nicht bestreiten, dass die Schlange schlauer war als andere Tiere, doch das macht sie noch nicht automatisch zu einem Bösewicht, oder?
Deshalb möchte ich, dass man beim Lesen von dem, was jetzt folgt, zwei Fragen im Hinterkopf behält: 1) Hätte die Schlange so auch aus anderen als niederen Motiven handeln können? Und 2) Nutzte die Schlange Kenntnisse, die über die eines Garten-Eden-Bewohners deutlich hinausgehen?
Wenn nämlich eins davon zutrifft, dann haben wir es hier höchstwahrscheinlich mit einem Justiz-Irrtum zu tun.

Eine Überlegung am Rande: Ich nehme nicht zu viel voraus, wenn ich erwähne, dass Eva nicht sonderlich überrascht schien, als ein Schlange das Wort an sie richtete. Daraus schliesse ich, dass die Sprachbegabung unter den Tieren im Garten Eden wohl keine Seltenheit war.
Ob die Tiere wie Adam so erschaffen wurden oder ob es eine Folge vom Konsum der Frucht der Erkenntnis war, sei dahingestellt. Fakt ist, dass sie diese Fähigkeit heute nicht mehr besitzen. Da nirgends erwähnt wird, dass Gott abgesehen von Adam und Eva und der Schlange auch die restlichen Tiere bestrafte, vermute ich, dass die Stummheit der Tiere der Episode mit dem hohen Turm geschuldet ist, wo sie womöglich gar als gleichberechtigte Partner am Bau beschäftigt gewesen waren. Aber wie gesagt, das ist nur Spekulation.

Oder vielleicht konnten die Tiere auch nie sprechen und Eva war bloss so dumm wie Blumenkohl.

2 Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; 3 aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!

An einem Ort ohne Tod, konnte da Eva überhaupt begreifen, was sie erwartete, wenn sie in die Frucht der Erkenntnis beisst?

btw. Sie hat Gott falsch zitiert (vgl. Gen 2,17)

 4 Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, 5 sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Und damit hatte die Schlange doch eigentlich recht, oder?
Der Metabolismus von Adam und Eva kam nicht vor dem nächsten Sonnenuntergang zum Erliegen und auch erkenntnistheoretisch bewegte sich was.
So wie Eva eben das Gebot zitierte, klang es so, als ob sie die Früchte nicht essen sollen, weil sie giftig sind, und nicht danach, dass es sich lediglich um eine allgemein bekannte Schikane handelte, mit der Gott den Gehorsam seiner Kreaturen zu testen pflegt.
Da die Schlange (wie alle anderen Tiere auch) gelegentlich die Früchte vom Baum der Erkenntnis frass, wusste sie, dass man davon nicht stirbt.
Und sie wusste aus eigener Erfahrung auch, dass einem davon tatsächlich „die Augen aufgehen“. Ich meine, sie konnte sprechen, obgleich ihr alle dafür notwendigen Organe fehlten.
Die Schlange hat hier also nur gesagt, was sie zu wissen glaubte. Ein Beweis für Böswilligkeit ist das noch keiner.

Ausser natürlich unsere Prämisse ist falsch und die Tiere machten instinktiv einen Bogen um den Baum der Erkenntnis. (Das wäre dann übrigens die Blumenkohlvariante.)
In diesem Fall aber, scheint die Schlange mehr gewusst zu haben als sie als normales, bestenfalls ausgesprochen listiges Tier hätte wissen können. Sie erwähnte Details, die zu dieser Zeit noch nicht bekannt sein konnten. Zum Beispiel, dass ihnen die Augen aufgehen würden. So im Nachhinein scheint es beim Namen „Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ auf der Hand zu liegen, doch hätte das auch ein bedeutungsirreführender Namen wie „Vergissmeinnicht“ sein können.
Das heisst also, die Schlange hatte entweder eine Informanten im Gefolge Gottes, oder jemand hat sich ihrer bemächtig, resp. sich als diese ausgegeben.
Dass die Schlange der Drahtzieher gewesen sein soll mit Kontakten bis in die oberste himmlische Führungsebene, scheint mir allerdings weniger plausibel als anzunehmen, dass einer der vielen Widersacher Gottes die Schlange als Marionette verwendet hat.
Ausser natürlich der Verzehr der Frucht der Erkenntnis katapultierte die Schlange in die intellektuelle Liga von Luzifer und Co. Das gleiche müsste dann aber auch mit den anderen Tieren geschehen sein, als sie zufällig mal vom Baum der Erkenntnis frassen. Doch über eine Rebellion der Tiere ist zumindest mir nichts bekannt – und zu einer Rebellion gegen Gott kam es noch jedes Mal, sobald sich irgendwo Erkenntnis einstellt. 

6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 

„dass von dem Baum gut zu essen wäre“?
„dass von dem Baum GUT zu essen wäre“?
Wie bitte soll das gehen, wenn sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, was gut und böse ist?

7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. 

Hat die Frucht aber wirklich funktioniert?
Wenn man sich die Konsequenzen für die Menschheit bedenkt, dann sollte sie das verdammt noch mal!

Ja, Adam und Eva wissen jetzt, dass sie nackt sind, aber ist das tatsächlich übel?
Ich meine, vorher hat es Gott nicht gestört, wieso sollte sich daran auf einmal etwas ändern? Er hat sie schliesslich genau so erschaffen!
Ausser natürlich die Nacktheit war ein eingebauter Lackmustest, an dem sich leicht erkennen lässt, ob jemand vom Baum der Erkenntnis gegessen hat. Das wirft natürlich die Frage auf, ob ein allwissendes Wesen eines solches Indikators bedarf?

Wenn sie funktioniert hat, dann sind wir jetzt (zumindest ins Sachen Ethik) wie Gott und wissen, ob etwas Gut oder Böse ist. Auch ich. Mein eigener, persönlicher Moral-Instinkt ist also jenem von Gott gleichwertig.
Dass zu morden und zu lügen „böse“ ist, auch wenn es in der entsprechenden Situation praktisch sein kann, weiss ich instinktiv. Dass das gleiche aber auch für Masturbieren und das Tragen von Kleidung aus mehr als einem Stoff gelten solle, kann ich definitiv nicht bestätigen. Doch das müsste ich, wenn es tatsächlich falsch ist und ich über die Fähigkeit verfüge zu erkennen, was gut und was böse ist.

8 Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten.

Wieso haben sie nicht versucht Gott zu täuschen? Sie wussten (jetzt), dass  sie etwas falsches gemacht haben. Doch sie wussten auch, dass sich Gott zuvor nicht an ihrer Nacktheit gestört hat. Wieso also taten sie nicht so, als sei alles in bester Ordnung? Es sieht ja nicht so aus, als ob Gott in den Garten reingestürmt wäre, weil irgendeine Alarmanlage losgegangen ist.
Sicher, früher oder später wäre es raus gekommen, aber wer zieht es nicht vor die Strafe hinauszuzögern? Und es hätte ihnen etwas Zeit gelassen nach der Frucht des Lebens zu suchen…

9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? 

Hört sich so Allwissenheit an?

10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. 

Sie trugen Lendenschurze! Sie waren nicht mehr nackt!
Was hätte er anziehen müssen, um sich vor Gott nicht nackt zu fühlen? Einen Frack?
Oder war es die Ehrfurcht vor Gott? Aber das hat doch nichts mit Gut und Böse zu tun, oder? Man verneigt sich vor einer Königin. Es nicht zu tun, wird als ein Zeichen des mangelnden Respekts verstanden. Etwas böses hat man damit aber nicht gemacht. Respekt ist schliesslich eine Art Geschenk und jemandem kein Geschenk zu machen, kann wohl kaum als ein böser Akt betrachtet werden, oder?

Und warum zum Teufel hat er nicht geblufft???

11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?

Scheint so ein Tick von Gott zu sein, sich all das Offensichtliche (aus der allwissenden Perspektive ist alles offensichtlich!) ganz genau erklären zu lassen.

12 Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. 

Petze!

13 Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß. 

Hat die Schlange sie wirklich betrogen?
Dafür wäre doch eigentlich Betrugsabsicht nötig gewesen. Doch daran, ob diese tatsächlich vorhanden war, bestehen ja berechtigte Zweifel.
Und Adam und Eva leben ja noch. Es hat sich also noch nichts von dem, was die Schlange voraussagte, als unwahr herausgestellt.

Jetzt wird Gott doch sicher auch noch die Schlange ins Kreuzverhör nehmen und sie fragen, warum sie es gemacht hat…

14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang. 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. 

Kein Kreuzverhör. Kein überprüfen, ob es die gleiche Schlange war. Kein Gutachten, ob sie besessen war. Kein Angebot einer Strafmilderung für das Verpfeifen von Komplizen. Nicht mal ein Pflichtverteidiger.
Von der Aussage der falsch zitierenden (!) Zeugin direkt zum Bestrafen der ganzen Sippe.

16 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.

Der Verzehr der Frucht der Erkenntnis führt zum Tod. Ist es da wirklich nötig noch Folter hinzuzufügen? Ist der Tod nicht schlimm genug? (Und vor allem: Davon war zuvor nirgends dir Rede! Man kann doch als Richter nicht einfach nach Gutdünken die vom Gesetz vorgeschrieben Straffe verschärfen!)
Was auch stutzig macht, ist, dass Gott, statt das Todesurteil sofort zu vollstrecken, erst noch Adam und Eva Nachwuchs zeugen lässt, damit er auch diesen noch den Fehler ihrer Eltern nachtragen kann…
Das weckt bei mir den Verdacht, dass der Baum der Erkenntnis (ob er nun funktioniert hat oder nicht) eine von Gott installierte Massnahme gegen die Überbevölkerung im Garten Eden darstellte (eine Alternative zum Konzept des Alterns?). Früher oder später wird schliesslich jeder mal von ihr essen. Dummerweise taten das Adam und Eva aber früher als geplant. Deshalb konnte Gott die angedrohte Todesstrafe nicht sofort vollstrecken und musste stattdessen improvisieren.

Geburten sind bei Menschen schwieriger als bei anderen Tieren, weil das Becken der Frau zu schmal ist. Heisst das, dass Eva vor den Sündenfall eine wesentlich breiteres Becken hatte und dieses dann von Gott geschrumpft wurde? Sind Männer deshalb so von Ärschen besessen? Oder heisst das, dass die Babies mit kleineren Köpfen auf die Welt kommen sollten?
Eva hat, soviel ich weiss, im Garten Eden nie Kinder zur Welt brachten. Woher wissen wir dann, dass die Geburt nicht auch dort schmerzhaft gewesen wäre?
Vielleicht war sich Gott des Design-Fehlers bewusst und veranstaltete mit der Geschichte um den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse auch einfach eine False-Flagg Operation.

 17 Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.

„Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau?“
Irgendwie klingt es so, als ob Gott Adam vor allem vorwirft, dass er der Frau gehorcht hat.

20 Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.

Hat sie erst jetzt einen Namen bekommen?
Wie lange haben sie zusammen im Garten Eden gelebt?
Wie hat er sie da gerufen?
Ej, Alde?

21 Und Gott der HERR machte Adam und seiner Frau Röcke von Fellen und zog sie ihnen an. Gott machte Adam und Eva Röcke aus Fellen?

Also hat Gott mindestens ein Eden-Tier umgebracht um Adam und Eva einzukleiden? Ob das Tier wohl sprechen konnte?
Und bedeutete das das Aussterben dieser Tierart?
Schlangenleder-Röcke hätte ich ja noch verstanden…

22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.

„Der Mensch ist geworden wie unsereiner“?
Klingt das nicht so als gäbe es mehrere seinereiner?
Weiter oben sagt er „von dem ich dir geboten habe“ und nicht „von dem wir dir geboten haben“ – den Pluralis mayestatis können wir hier also ausschliessen.

Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und nehme auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!

„Dass er nicht ausstrecke seine Hand und nehme auch vom Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich“?
Dass ein allmächtiges Wesen kein viereckiges Dreieck machen können muss, verstehe ich, aber dass die Frucht vom Baum des Lebens gegen seinen Willen das Todesurteil aufheben kann?

Und waren Adam und Eva vorher wirklich unsterblich? Oder waren sie es nur, weil sie hie und da zufällig vom Baum des Lebens assen?
Für mich sieht das so aus, als ob die einzige Möglichkeit für Gott das Todesurteil zu vollstrecken darin bestand, sie aus dem Einflussbereich vom Baum des Lebens zu entfernen.

Es scheint also so, dass Gott zwar durchaus allmächtig ist, der Baum des Lebens aber noch etwas allmächtigerer.

btw. Dass Gott einfach einen Zaun um den Baum des Lebens hätte errichten können, fiel ihm offenbar nicht ein. (Einfache Lösungen ohne Kollateralschäden werden allerdings noch lange nicht sein Ding sein.)

23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. 24 Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.

Hört, hört, davon, dass auch die Schlange verbannt worden wäre, kein Wort. Wieso haben dann auch unsere Schlangen keine Beine? Die können dieses  Merkmal ja nicht von ihr geerbt haben.
Oder hat Gott in seiner Allwissenheit die Schlangen ausserhalb des Garten Edens vorausplanend schon beinlos erschaffen?

Epilog : Nochmals kurz Genesis, Kapitel 2

15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. 

Verbannte Gott Adam nicht aus dem Garten Eden, dass er bebaute die Erde, von der er gekommen war? Das sollte er auch schon im Garten Eden tun!

 20 Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen wurde keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach.

Das scheint Gott überrascht zu haben?
Musste er deshalb sein Rezept von Erd- zu Rippenschöpfung ändern?

23 Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist.

Männin?

Und die Moral von der Geschicht…

Der Verzehr der Frucht der Erkenntnis von Gut und Böse bringt also den Tod?
Wenn Adam und Eva es in den Himmel geschafft haben, dann frohlocken sie ewig. Sprich: Kein Tod.
Wenn Adam und Eva es nicht in den Himmel geschafft haben, dann leiden sie ewig. Sprich: Ebenfalls kein Tod.
Hätte es vielleicht so heissen sollen:

„Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn eines Tage, da du von ihm isst, wirst du dir wünschen tot zu sein.

Und dass die Schlange nur der Sündenbock war, erübrigt sich hoffentlich nochmals extra erwähnen zu müssen.

eine dieser Sachen

Wie oft machst du eine dieser Sachen, die in feeernen Ländern unter Todesstrafe stehen? Die hier vor laaanger Zeit unter Todesstrafe standen.
Und die einige nächstenliebende Menschen auch heute noch gern unter Todesstrafe stehen sehen würden – natürlich nur der Abschreckung wegen – also bloss um sicher zu gehen, dass niemand eine dieser Sache aus versehen macht.

„Gott ist blöd!“

Diesen Satz zu schreiben ist eine dieser Sachen.
Diesen Satz zu „besitzen“ ist eine dieser Sachen.1
Diesen Satz zu lesen ist eine dieser Sachen.
Diesen Satz zu denken ist eine dieser Sachen.

Wozu die ganze Verwirrung?

Es steht ausser Frage, dass Jesus Dinge gesagt hat, die es nicht in die Bibel geschafft haben. Und Dinge es in die Bibel geschafft haben, die er nicht gesagt hat.
Nach Ansicht der Gläubigen sorgte aber der heilige Geist dafür, dass dennoch alles für seine Lehren wesentlich rein kam und alles, was von diesen Lehren ablenken könnte, draussen blieb.
Der heilige Geist stellte also irgendwie sicher, dass die Bibel so klar verständlich wie möglich und so verwirrend wie nötig formuliert wurde (und blieb).

Das wirft jetzt aber eine Frage auf: Wozu genau braucht es eigentlich die Verwirrung?1

Wieso kann in der Bibel nicht einfach alles klar sein?
Es geht nicht darum, dass wir mit allem einverstanden sind (schliesslich haben wir ja den freien Willen), es wäre bloss schön sich darin einig zu sein, womit wir einverstanden sind oder eben auch nicht.

Zur Illustration: Wenn Gott gesagt hätte, dass Kirscheis das beste Eis im Universum ist, dann kann man dem entweder zustimmen oder auch nicht. Und man kann darob auch gerne blutige Kriege führen. Doch völlig unabhängig vom Ausgang dieser Kriege sind sich alle darin einig – und das von Anfang an -, welches Eis für Gott die Nummer eins ist. Zu wissen, was Gott tatsächlich will, schränkt uns in unserer Willensfreiheit ja nicht ein.

Was spricht also dagegen, dass jeder einzelne Aspekt vom Willen Gottes so klar wie Kirscheis ist?2

Gott sei es angeblich wichtig, wie ich mich im Bezug auf ihn entscheide. Also ob ich ihn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt liebe3. Das halte ich persönlich zwar für einen seltsamen Charakterzug für einen Gott, aber okay, er macht die Regeln.
Aber ich sehe beim besten Willen nicht ein, warum er es so einrichtet, dass ich ihm nur „persönlich“ begegnen kann, nachdem mir von einem Schadchen von ihm berichtet wurde?

Man darf mich nicht falsch verstehen. Partnervermittlungen können eine wertvolle Hilfe sein. Wenn sich die Beschreibungen der Angepriesenen aber von Agentur zu Agentur massiv unterscheiden, dann macht das die Entscheidung nicht wirklich leichter. Ich meine jetzt nicht, dass der eine die Dame als belesen und der andere als grossbusig beschreibt. Das kriegt man unter einen Hut. Die Abweichungen bewegen sich eher in Charakterbeschreibungen wie „barmherzig, gnädig, geduldig und von grosser Güte“4 vs. „kinder5-, völker6– und süssekätzchenmordend7„.
Beide dieser Eigenschaften können anziehend wirken… irgendwie… aber doch nicht gleichzeitig, oder?8

Okay, Gott wünscht sich, dass wir ihn lieben9 und schenkt uns die Bibel quasi als Kontaktanzeige.
Diese Kontaktanzeige ist ein durchaus beeindruckendes Werk. Denn es beschreibt nicht nur Gottes Vorzüge (und Schattenseiten), sondern es lehrt uns auch, was er von uns in einer Beziehung erwartet. Beispielsweise dass wir unseren Nächsten lieben … und ihn umbringen sollen, wenn er sich am Sabbat mit einer Krabbenschere den Bart rasiert.
Jaja, ich weiss, letzteres entspricht nicht (mehr?) dem „Geist der Bibel“. Das hindert aber einen geschickten Redner nicht daran, seinen Zuhörern weiss zu machen, dass sich Jesus genau das von uns wünscht.
Klar, das gelingt ihm nur dank fiesen Tricks, beispielsweise indem er er die Stellen hervorhebt, die seine Position zu stützen scheinen, und andere unterschlägt, die vielleicht ein anderes Licht auf die Fragestellung werfen könnten10.
Das ändert aber nichts daran, dass sich Gottes Wille in wesentlich mehr Richtungen deuten lässt seine Eis-Präferenz.

Jeder stimmt darin überein, dass etwas krumm ist, wenn ein Kirscheis statt Kirschen Erdbeeren enthält.
Irgendwie scheinen sich Gläubige aber nicht gross daran zu stören, wenn Folter als ein Akt der Liebe und Barmherzigkeit verkauft wird – wenn es Gottes Wille ist.
Nicht, dass das unvereinbar wäre. Irgendwie lässt sich das sicher auflösen.
Der (scheinbare) Widerspruch ist aber auf jeden Fall verwirrend.

Und um nochmals auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Welchen Benefit hat diese bei der Lektüre der Bibel doch sehr präsente Verwirrung? Inwiefern dient es Gottes Heilsplan, wenn das Buch, welches Nächstenliebe predigt, die Leute auch dazu bringen kann, Krieg zu führen?

Oder anders formuliert:
Inwiefern dient es Gottes Heilsplan, wenn man sein Buch benutzen kann um effektiver Krieg zu führen?
So wird ein Schuh draus!
Eine Interpretation, die die Armee stärker macht, entspricht vielleicht nicht dem wahren „Geist der Bibel“, doch erhöht es die Chance auf einen schnellen Sieg, was auf lange Sicht die Opferzahlen tief halten könnte.
Und weniger Opfer bei einem Konflikt sind doch sicher wieder näher am wahren „Geist der Bibel“.

Und inwiefern dient es Gottes Heilsplan, wenn man mit seinem Buch die Sklaverei, Sexismus und Homophobie rechtfertigen kann?
Vielleicht indem man erlebt hat, wie schrecklich diese Dinge sind, dass man nie wieder auf die Idee kommen wird solches praktizieren zu wollen? Also Quasi Entwöhnung durch Überdosis? Wäre möglich, scheint aber aus unserer Perspektive nicht wirklich geklappt zu haben. 

Es gibt da aber noch einen weiteren Benefit der biblischen Verwirrung:
Den IKEA-Effekt!
Die Wertschätzung einer Sache wächst mit der Anstrengung, die man in diese Sache steckt.
In unserem Fall: Je mühsamer es ist, eine biblische Verwirrung aufzulösen, desto mehr ist bin ich davon überzeugt, dass ich mit dieser Interpretation richtig liege.

Eigentlich verblüffend, dass Gott sich lieber auf die Verhaltensökonomie verlässt als auf die Überzeugungskraft seiner Gebote.
Andererseits kann man bei einer Aussage wie „Kirscheis ist das beste Eis im Universum“ leicht nicht zustimmen. Bei einer Aussage, die man erst mühselig aus einem Haufen verwirrender Texte herausdestillieren musste, ist das dagegen wesentlich schwerer.11

Damit gibt es also zwei Wege zu Gott: Jenen der Einfältigen, die ungeachtet aller Verwirrungen einfach glauben, was man ihnen sagt, und jenen der Reichen, die es leisten können, sich so lange mit etwas zu beschäftigen, bis das Gehirn sie glauben lässt, dass das alles Sinn macht, um dadurch die kognitive Dissonanz aufzulösen, dass man so viel Zeit mit so viel Stuss verplempert haben.

Gott ist Liebe

Es ist eigentlich ein interessanter Ansatzpunkt, den Grund für die Entfremdung der Menschen von den Kirchen auch mal in der Sprache zu suchen.
Während Gott=Liebe für viele wahrscheinlich schon Sinn macht, ist es für andere tatsächlich eher eine leere Worthülse… ein netter Kalenderspruch, der einen bestärken soll in der Ansicht, dass am Ende alles gut kommt, welche aber – irgendwie – nicht ganz zu gewissen Ereignissen in der Welt, der Kirche und der Bibel passen will.
Zu viele Naturkatastrophen und Krankheiten haben zu viele Menschen dahingerafft. Zu viele Repräsentanten Gottes haben zu viele Kinder missbraucht. Zu viele Menschen wurden in der Bibel auf Gottes Geheiss umgebracht. Und zu viele Seelen erwartet eine Ewigkeit der Folter1.
Ich will nicht sagen, dass das alles nicht seine Richtigkeit hätte2, ich bestreite lediglich, dass sich das alles allein mit Liebe rechtfertigen lässt.
Die Wege der Liebe sind oft verschlungen und überraschend, aber immer (zumindest im Nachhinein) nachvollziehbar.
Die Wege der Liebe sind nicht unergründlich. Sollten sie zumindest nicht sein, denn bei der Frage, ob etwas ein Akt der Liebe war, sollte doch eigentlich auch das „Opfer“ mitreden können – und dafür muss dieses den Weg nachvollziehen können3.

Gott=Liebe reicht einfach nicht um das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu erklären. Für all das nicht von Menschen verursachte Leid braucht es einfach eine etwas komplexere Erklärung. Ich meine, allein schon mit Gleichungen wie Gott=Liebe+Jähzorn oder Gott=Liebe+Schlafkrankheit scheint man bereits wesentlich weiter zu kommen.

Da ist aber noch ein anderes Problem: es gibt verschiedene Arten der Liebe. Und es wird wahrscheinlich nicht jede davon gemeint sein… Daher müsste es wohl heissen: Gott ist die Liebe, aber nicht die schweinische Sorte4!

Aber egal.
Gott kann machen, was er will, und er kann es benennen, wie er will. Schliesslich ist er ein Gott und niemandem zur Rechenschaft verpflichtet (soweit wir wissen).

Wenn Gott also die Liebe sein will, dann ist er eben das, was zwei sich liebende Menschen verbindet – ausser wenn sie das gleiche Geschlecht haben oder wenn sie geschieden sind (oder einer der beiden ein Kanaaniter ist).
Der Haken ist hier aber, dass man sich nicht für oder gegen die Liebe entscheiden kann. Man kann sie wachsen lassen, das schon, aber wo sie nicht ist, da kann man sie nicht herbeizwingen. Man kann sie ignorieren und verwelken lassen, auch das ist möglich, aber man kann sie nicht einfach verschwinden lassen.
Die Liebe gehorcht nicht unseren Wünschen. Sprich, unser freier Wille hat keine Macht über die Liebe.
Ich dachte, das Respektieren des freien Willens sei Gott so wichtig, dass er dafür noch nicht mal einen Kindesbissbrauch verhindern kann. Aber als Liebe schert er sich nicht darum, welche Entscheidungen die Menschen treffen.
Nebenbei bemerkt: Wenn Gott Wünsche/Gebete erhören würde, so würde das die Willensfreiheit der Menschen nicht einschränken – sofern die sich nicht wünschen jemand anderes die Willensfreiheit einzuschränken – was wahrscheinlich viel häufiger geschehen würde, als man denkt. Das heisst, die Liebe könnte theoretisch dem freien Willen gehorchen. Die würde sich dann zwar wohl ganz anders anfühlen, aber möglich wäre es. Und das wiederum heisst, dass sich Gott ganz bewusst entschieden hat, die Liebe so zu gestalten (resp. zu sein), dass sie keine Rücksicht auf den freien Willen nimmt.

Wie gesagt, Gott=Liebe ist für viele eine leere Worthülse, die weder den Anforderungen genügt, noch den Anschein macht sich überhaupt darum bemüht zu haben. Während eine fehlerhafte Definition, die der Komplexität zumindest zu begegnen versucht, immerhin als ein Beitrag innerhalb eines Diskurses betrachtet werden kann, der uns unserem Ziel hoffentlich näher bringt, vereitelt eine leere Worthülse jegliche weitere Auseinandersetzung mit dem Thema. Und das ist im Zeitalter der Vernunft ein ziemliches No-Go.

Die ganze Welt ist komplexer geworden. Während noch vor hundert Jahren weniger als 5% der Menschen in „kognitiv anspruchsvollen“ Berufen tätig waren, sind es heute mehr als 50%. Die Fähigkeit Hypothetisches ernst zu nehmen, Abstraktionen zu benutzen und diese logisch zu verbinden5 hat sich enorm ausgebreitet und wird sicherlich auch nicht spurlos an der Art und Weise vorbei gegangen sein, wie man über Gott denkt und was man ihm durchgehen lässt.

Wie prüft man Allwissenheit?

Jeder, der allwissend ist, weiss mehr als ich.
Aber nicht jeder, der mehr weiss als ich, ist deshalb zwangsläufig auch gleich allwissend. (So naheliegend das auch erscheinen mag.)

Wie finde ich nun aber mit meinem beschränkten Wissen heraus, ob eine bestimmte Person, die vorgibt allwissend zu sein, es auch tatsächlich ist?

Ich kann ihr Wissen auf einem Gebiet prüfen, auf dem ich ein Experte bin.1
Wenn sie da etwas nicht weiss, ist sie definitiv nicht allwissend.
Doch wenn sie alles weiss, was ich weiss, weiss sie gleich viel oder mehr als ich. Und da ich, wie gesagt, ein Experte auf diesem Gebiet bin, sollte ich eigentlich auch abschätzen können, welches davon der Fall ist.2 (Die Gefahr, dass man Wissen bloss vortäuschen kann, halte ich indessen für vergleichsweise gering.)
Aber selbst von meiner Expertenposition ist ein Alleswisser nicht von einem blossen Besserwisser zu unterscheiden.

Die besagte Person müsste also mächtig aufdrehen und alles in einer Art und Weise bis ins kleinste Detail voraussagen, die keinerlei Raum für Interpretationen lässt.3
Dann weiss sie offenbar alles, was von uns gewusst werden kann. Da wir aber nicht wissen, was wir nicht wissen können, können wir nicht wissen, ob die Person auch das weiss, was wir nicht wissen können, oder ob sie das nur vorgibt zu wissen.

Also müsste diese Person den ultimativen Beweis erbringen und uns mit einer TARDIS zum Anbeginn der Zeit bringen und uns dabei zusehen lassen, wie eine „jüngere“ Version von ihr gerade das Universum erschafft. Dann könnten wir (wohlwollend) eingestehen, dass sie wohl tatsächlich alles über unser Universum weiss. Und dass sie schon irgendwie allwissend ist im Bezug auf unsere Welt. Aber leider noch nicht notwendigerweise auch im Bezug auf beispielsweise die Werkbank, auf der sie die Welt gezimmert hat.

Allwissenheit bezieht sich nicht nur auf etwas – egal wie viel es ist -, sondern schlicht auf alles. Und alles ist einfach zu viel um da noch den Überblick zu behalten. Daher sehe ich leider keine Möglichkeit, wie jemand glaubhaft belegen könnte, allwissend zu sein.

Speck als Lackmustest

Für die Moral braucht es keinen Gott. Und Jesus ist der Beweis dafür.

Wenn ein Christ vor einer Entscheidung steht, fragt er sich, wie sich wohl Jesus an seiner Stelle entschieden hätte, und versucht dann entsprechend zu handeln.

Wenn die Moral in Gott gründete und dieser jene im alten Testament klip und klar formulierte1, dann sollte man doch eigentlich annehmen, dass Jesus sich vor jeder Entscheidung (rhetorisch) fragte, was wohl das alte Testament2 dazu sagt, und dann entsprechend handelte.
Als (Mit-)Autor des alten Testaments verstand er zweifellos besser als jeder andere, warum die Regeln genau so gestaltet waren3, das ändert aber nichts an dem, was geboten und was verboten ist.
Von daher braucht es Jesus als moralischen Kompass eigentlich gar nicht, weil jede seiner Entscheidungen genau dem entspricht, was auch das alte Testament verlangt. Man könnte ihn höchsten in Fällen konsultieren, welche im alten Testament nicht explizit geregelt wurden4.

Erste Randnotiz: Neue moralische Fragestellungen ergeben sich – wie mir scheint – nur im Kontext technischer Entwicklungen5. Ich will die technische Entwicklung der zwölf Jahrhunderte zwischen Moses und Jesus nicht klein reden, aber ich denke nicht, dass die Ausbeute an neuen moralischen Problemen auch nur ein Bruchteil von dem war, mit was wir in den – sagen wir mal – letzten 300, 100 oder auch nur 50 Jahren Jahren konfrontiert worden sind.
Von daher war die Ankunft von Jesus in einer Zeit, wo das meiste noch beim Alten war, vielleicht nicht gerade optimal gewählt um die Moral (zum letzten Mal) klarzustellen, resp. nachzujustieren.

Ausser natürlich, wenn sich Jesus doch nicht an die Regeln des alten Testaments gehalten hat6 und die Moral, die wir von ihm lernen, eine (gänzlich?) andere ist7.

Da Jesus mit Gott irgendwie identisch ist, würde das bedeuten, dass seine Moral („andere Backe“), obwohl es eine andere ist als im alten Testament („Backe um Backe“ 8), das gleiche Fundament hat. Jenes Fundament, welches den Atheisten angeblich fehlt und was dazu führt, dass sie etwas, das sie heute für moralisch richtig halten, morgen vielleicht schon als moralisch verwerflich betrachten9.
Doch wie wir sehen, schützt auch ein stabiles Fundament nicht davor, dass etwas heute gut und morgen böse ist10.

Zweite Randnotiz: Da es offenbar theoretisch möglich ist, dass etwas, wofür man früher in die Hölle kam, einen heute in den Himmel bringt, stellt sich mir die Frage, wie es sich wohl anfühlt, für etwas im Himmel zu sein, für das ein anderer in der Hölle sitzt? Oder noch schlimmer umgekehrt. Ist das vergleichbar erhebend/frustrierend wie wenn man im Flieger sitzt und erfährt, wieviel der Sitznachbar für den gleichen Flug bezahlt hat?

Ein Problem ist das nicht zwingend, denn als Gott hat er jedes Recht, die Regeln, wann immer er will, nach belieben zu ändern ohne sich dafür den Vorwurf der Beliebigkeit gefallen lassen zu müssen11.


Quod licet Iovi, non licet bovi


Okay. Hat was…

Speck

Als Jesus vor dem Frühstück-Buffett stand und überlegte, ob er Speck nehmen soll, was wäre noch mal seine Antwort gewesen?

Das heisst natürlich nicht, dass eine andere Antwort zwingend falsch ist. Nicht alle Fragen haben nur eine richtige Antwort. Aber – nun ja – es ist nicht das, was Jesus gemacht hätte…

Und zu behaupten, dass er es heute so machen würde… Ich weiss nicht. Nimmt man sich da nicht etwas zu viel heraus? Ich meine, er wird sich doch was dabei gedacht haben, als er damals die Gesetze erliess. Und ich wüsste nicht, dass er mal erklärt hätte, was genau. Und ohne das zu wissen, ist es doch eher schwierig zu beurteilen, ob sich die Ausgangssituation wirklich dermassen geändert hat, dass eine Neubeurteilung der Gesetze gerechtfertigt wäre12. Sich einfach darauf zu verlassen, dass er schon widersprechen wird, wenn man etwas falsch angeht, halte ich für ein bisschen riskant. Insbesondere da er nicht gerade bekannt dafür ist, irregeleiteten religiösen Moralvorstellungen öffentlich oder deutlich genug zu widersprechen.13
Dann kann man auch gleich darauf verzichten sich vorzustellen, was Jesus an meiner Stelle getan hätte14.

Und überhaupt, intendierte Moral anhand von gezeigtem Verhalten abzuleiten, ist nicht ganz unproblematisch. Wer weiss, ob man das Augenmerk auf das richtige Detail gewendet hat? Vielleicht wollte Jesus, als er der älteren Dame über die Strasse half, uns nicht zeigen, dass man hilfsbereit sein soll, sondern dass sich bei jeder Gelegenheit in der Nase popeln lässt.

Göttliche Zeichen

Während ich einen Text schreibe, in dem ich mich über Gott und Jesus lustig mache, fällt meine Tochter um und schlägt sich das Knie blutig.
Ist das eins jener Zeichen Gottes, von denen Christen so oft sprechen, weil es sie angeblich wieder auf den rechten Weg führt?
Oder wäre es dann ein Zeichen, wenn sie umgefallen wäre und sich auf wundersame weise nichts getan hätte?1

Hej Eda, besinne dich…
oder deinen Kindern könnte was passieren…
Gott

Egal ob Gott meiner Tochter ein Bein stellt oder sie nicht rettet, wenn er es sonst getan hätte. Es sind Mafia-Methoden.

Und wie geht man damit um?
Man gehorcht natürlich und nennt sie Die Liebe Camorra und verteidigt deren Tugendhaftigkrit gegen jeden Angriff. Vorzugsweise mit Weihwasser.

Lasst sie nach Lourdes pilgern!

80 Schweizer Soldaten als Pilger in Lourdes

Laut KBM pilgern die Soldaten nach Lourdes um dort zu beten,
dass man NIE einen Krieg erleben und NIE töten muss.
IAC fragt, wie oft denn das schon geklappt habe mit dem Beten.
KBM hat bisher nicht geantwortet. Wohl weil sie noch zählt.

 

Wenn das wirklich funktionieren sollte, dann wäre es doch einen Versuch wert? Ich meine, eine Welt OHNE Krieg und OHNE Töten ist doch toll! Oder?

Es wäre denkbar, dass das Pilgern und Beten die Soldaten in einer Art und Weise verändert, dass sie mitten im Schlachtgetümmel ihre Waffen niederlegen um dem sinnlosen Morden ein Ende zu setzen. Das wäre denkbar und sicherlich äusserst christlich.
Auf diese Weise würde zwar tatsächlich weniger getötet, aber leider nicht ein Krieg verhindert. Denn über den entscheiden andere.
Allerdings ist das ohne Zweifel ein sichere Strategie die Schlacht zu verlieren, was wiederum eine bewährte Art ist Kriege zu beenden.
Von daher könnte da tatsächlich was dran sein.

Wenn dieser Ausgang allerdings ein realistischer wäre, bezweifele ich, dass die Generalität die Pilgerfahrt erlauben würde.

Vielleicht kommt der Friede aber auch zustande, weil Gott höchstselbst die Strippen ziehen wird. Nach all den Jahrhunderten der Zurückhaltung bewegen erst die Gebete von 80 Soldaten in Lourdes den Allmächtigen zum Handeln…

Das sind zwar keine 80 Soldaten, sondern etwa 16 Feuerwehrleute, aber man erkennt schon worauf es hinaus läuft… Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn diese Mannsbilder in die Knie gehen und so richtig leidenschaftlich zu beten beginnen, dass dann nie wieder ein Haus brennen wird1.
Das Problem aber ist, dass ich bezweifle, ob es die RICHTIGE Art von Frieden sein wird, wenn Gott sie einführt. Gott hat da nämlich gewisse Vorurteile gegenüber Andersdenkenden und es ist daher anzunehmen, dass der von ihm geschenkte Frieden wohl ein sehr christlicher sein wird, der gänzlich ohne beispielsweise Andersgläubige und Atheisten2 auskommen wird.
Und wollen wir das wirklich? Ist es uns das wirklich wert für den Frieden alle Andersdenkenden zu beseitigen? Wird man diese Art von Frieden nicht im Himmel noch lange genug ertragen müssen?

Okay, okay, es geht nicht darum die Andersdenkenden zu beseitigen, sondern darum sie zu überzeugen. Doch selbst wenn einem das allein mit Argumenten gelingen würde, hätte man dann das Andersdenken nicht dennoch beseitigt? Und würde das nicht zu einer massiven Reduktion der kulturellen Artenvielfalt führen? Man bedenke nur, was Gott im Laufe der Geschichte so alles missfiel und was ihm noch so alles zu missfallen einfallen könnte… Wollen wir das wirklich?

Oder beten die Soldaten dafür, dass Gott sich ändert? Dass er einen Frieden stiftet, wo es keinen Unterschied macht, ob man Jesus als einzigen Weg akzeptiert oder nicht, wo es egal ist, ob jemand sich rasiert, masturbiert oder abortiert?
Ich hege da meinen Zweifel.

Grundsätzlich frage ich mich sogar, ob Gottes es überhaupt gutheissen würde, wenn die Menschheit den Weltfrieden hinkriegt3? Als Gott im alten Testament noch wesentlich direkter die Politik seines Volkes mitbestimmte, führte er keine Gesetze ein, die eine friedliebende, gerechte Gesellschaft organisieren sollten, welche nie in irgendwelche Konflikte hineingezogen würde. Und die durch ihr Vorbild auch ihre Nachbaren dazu inspirieren sollte, friedliebende und gerechte Gesellschaften zu werden.
Meines Wissens wird nirgends in der Bibel der andauernde Friede als anzustrebender Idealzustand beschrieben. Das mag ein hübscher Nebeneffekt davon sein, wenn man sich an Gottes Regeln (welche das auch immer sein mögen) hält und Jesus als den einzigen Weg zu Gott akzeptiert, ein offizielles Ziel im Sinne eines göttlichen Auftrags ist es aber nicht.

Ich glaube, die Soldaten sind einfach gerne Christen, die es geniessen zusammen zu pilgern und zu beten. Das kann man ihnen nicht verdenken, manchen Leuten macht sowas wirklich Spass. Und das ist auch okay so.
Klar sie beten für Frieden, aber das ist eher sowas wie ein Mantra das man bei solchen Gegelenheiten eben inbrünstig runterleiert. Wirklich ernst meinen sie es nicht, denn sonst würden sie den Erfolg ihres Handelns evaluieren und wenn nötig modifizieren. Wenn es wirklich darum geht Leute zu retten, reicht es nicht einfach anzunehmen, dass das, was man tut, auch wirklich funktioniert. Man muss schon kontrollieren und optimieren.

Eine Frage ist aber noch offen: Dass die Generalität es nicht verbietet, weil sie nicht befürchten auf einmal Amish-Berserker in ihren Reihen zu haben, wissen wir, doch warum – zum Teufel – erlaubt sie es?

Amisch-Berserker
Ein Amisch-Berserker

Generäle sicherten sich seit jeher die Unterstützung der Religion, denn nichts vertreibt die lästigen Skrupel im Krieg besser als die Gewissheit im Auftrag des Herren unterwegs zu sein.
Und mit so einer Pilgerfahrt nach Lourdes füllt man seine Karma-Reserven üppig auf, so dass man in der nächsten Schlacht so richtig die Sau rauslassen kann. Man hat mit dem Beten schliesslich seine Schuldigkeit für den Weltfrieden getan.

Fun Fact: Der wohl berühmteste Wallfahrtsort der Welt, der am meisten Pilger angezogen hat, war zweifellos Jerusalem.

Warum genau soll man diese 80 Soldaten nicht Kreuzritter nennen?

Noch eine schelmische Frage am Rande:  Wie gehen eigentlich „Wahre Christen“ mit den Wundern von Lourdes um? Ihr wisst schon, jene Christen, die die katholische Kirche mit ihrer Verehrung von Maria für schrecklich irregeleitet halten. Nichts gegen Maria, sie war sicherlich eine tolle Frau, sie ist ihrer Ansicht nach aber einfach kein Weg um sich bei Gott Gehör zu verschaffen. Was also halten „Wahre Christen“ von den Wundern in Lourdes?
Wenn im Namen von Maria Wunder vollbracht werden, dann müsste das sowas wie das Legen einer falschen Fährte sein, die die Menschen auf völlig absurde Ideen bringt, wer im Himmel das letzte Wort hat. Und sowas würde Gott doch niemals tun, oder?
Sind die Wunder in Lourdes nach Ansicht der „Wahren Christen“ dann gar nicht Gotteswerke? Sondern die des Teufels, der mit diesen guten Taten einen Keil in die Christen-Gemeinde rammen will?

Doch keine Bange, liebe „Wahre Christen“, ein edler Ritter in Rollkragenpulli und beigem Sakko eilt zur Hilfe und weist statistisch nach, dass der Teufel, der Meister der Täuschung, selbst hier ohne Nettigkeiten die Leute in die Irre zu führen versteht:

The spontaneous remission rate of all cancers, lumped together, is estimated to be something between one in ten thousand and one in a hundred thousand. If no more than 5 percent of those who come to Lourdes were there to treat their cancers, there should have been something between 50 and 500 ‚miraculous‘ cures of cancer alone. Since only three of the attested 65 cures [accepted by the R C Church as miraculous cures] are of cancer, the rate of spontaneous remission a Lourdes seems to be lower than if the victims had just stayed at home.
Carl Sagan, The Demon-Haunted World p. 221

Lot und seine Töchter

Erst eine kurze Zusammenfassung:

Gott informiert Abraham darüber, dass ihm die Zustände in Sodom und Gomorra nicht gefallen und er also die beiden Städte vom Erdboden tilgen will. Abraham gelingt es darauf in zähen Verhandlungen von Gott die Zusage zu erhalten, dass er die Orte verschonen wird, wenn sich dort 10 gerechte Menschen finden lassen.
Also schickt Gott zwei Engel nach Sodom um sich da mal ein bisschen umzusehen. Lot empfängt die beiden am Tor und komplimentiert sie zu sich nach hause, weil es angeblich für zwei so stattliche Burschen des Nachts in der Stadt nicht sicher sei.
Dort angekommen bewirtet er sie und wäscht ihnen wahrscheinlich auch die Füsse und als es dann Zeit wird ins Bett zu gehen, kommen alle Männer der Stadt zu Lots Haus und fordern von diesem die beiden Gäste zu einem kleinen Fick hinauszuschicken. Lot begibt sich dann vor die Tür und versucht mit dem Mob zu verhandeln. Er bietet ihm statt der Engel seine beiden jungfräulichen Töchter an. Eine Einigung ist nicht möglich und es kommt zu einem Handgemenge, aus dem Lot nur dank der Hilfe der beiden Engel entkommt, die dazu kurzerhand alle Anwesenden blenden.
Die beiden Engel informieren darauf Lot, dass er seine Sachen packen und mit allen, die zu ihm gehören, die Stadt verlassen soll, weil sie diese zerstören werden. Also begibt sich Lot zu den Verlobten seiner Töchter und erklärt ihnen den Sachverhalt, diese glauben es ihm aber nicht nicht.
Am nächsten Morgen drängen die beiden Engel die Familie zum Aufbruch. Doch da Lot zu zögern scheint, packen sie die Eltern und die Töchter und werfen sie eigenhändig aus der Stadt. Zum Abschied erklären sie ihnen, sie sollen unbedingt so schnell wie möglich ins Gebirge gehen und auf dem Weg dorthin aber auf gar keinen Fall stehen zu bleiben oder sich umzudrehen.
Lot wendet ein, dass er aber statt ins Gebirge viel lieber in die Stadt Zoar gehen möchte. Die Engel gewähren ihm den Wunsch.
Und tatsächlich, sobald Lot die Stadt betritt, lässt Gott Feuer und Schwefel über Sodom und Gomorra regnen und vernichtet die ganzen Städte und das umliegende Land und alles was drauf kreucht und fleucht.

Lots Frau aber schaut zurück und erstarrt zur Salzsäule.

Und da es ihm in Zoar irgendwie unheimlich wird, zieht Lot mit seinen beiden Töchtern weiter ins Gebirge, wo sie es sich in einer Höhle gemütlich machen. Weil weit und breit kein anderen Mann zu finden ist, machen die Töchter ihren Vater betrunken und lassen sich von ihm in zwei aufeinanderfolgenden Nächten schwängern.
Und die Ältere gebiert Moab, den Stammvater der Moabiter, und die Jüngere Ben-Ammi, den der Ammoniter.

Und jetzt ein paar Fragen:

Ein allmächtiger, allwissender, allgütiger Gott fällt den knallharten Entschluss eine Stadt und alle ihre Bewohner zu vernichten und lässt sich dann von einem Papaschlumpf dergestalt umstimmen, dies nur dann zu tun, wenn sich dort keine 50 Gerechten finden lassen? Und dann lässt er sich von 50 auf 45, dann auf 40, dann auf 30, dann auf 20, dann auf 10 herunterhandeln? Und wer weiss, wie es noch weiter gegangen wäre, wenn Gott da nicht einfach weglaufen wäre.
Dass sich am Ende nur 4 Leute, resp. 3 Leute und eine Salzsäule, finden liessen, die es wert sind gerettet zu werden, lässt es zwar so aussehen, als hätte sich der ursprünglich Wille Gottes am Ende doch durchgesetzt, das ändert aber nichts daran, dass er lausig gefeilscht hat.
Und es wirft die Frage auf, ob das wirklich alle Gerechten von Sodom waren? Man kann nämlich nicht gerade behaupten, die Suche wäre systematisch gewesen.

Und wie kommen eigentlich die Leute von Gomorra dazu umgebracht zu werden, nur weil die beiden Engel in Sodom nicht genug Gerechte fanden?

Die beiden Engel sollten in der Nacht durch Sodom spazieren und nach gerechten Menschen Ausschau halten. Stattdessen verbrachten sie den ganzen Abend bei Lot und schlugen sich die Bäuche voll. Ist das keinem aufgefallen? So findet man keine Gerechten.

Und was haben die Engel eigentlich angestellt, dass die männliche Bevölkerung so scharf auf sie war? Wird da nicht etwas verschwiegen?
Mir kommt da spontan der unwiderstehliche John Travolta alias Michael in den Sinn.

Und was ist das für ein Mensch, der einem Mob seine Töchter anbietet? Einem Mob, der offensichtlich Interesse an Männern hat. Wäre da nicht eine andere Person im Haushalt gewesen, die dem Geschmack der Menge besser entsprochen hätte? Eine, die er sogar rechtmässiger hätte anbieten können?
War das wirklich eine so noble Geste, wenn er wusste, dass seinen Töchtern unter diesen Umständen gar keine Gefahr droht? War es nicht viel mehr leichtsinnig, weil er die Sache mit einem solchen Vorschlag eher eskalieren lässt.

Wie es heisst, ist auch Lot ein Fremder in der Stadt.
Wieso ist er überhaupt in eine solche Stadt gezogen? Wieso hat er sie nicht längst schon wieder verlassen? Und wieso hat es seine Töchter zwei Sodomiten versprochen?
Das alles spricht weniger für einen gerechten, fürsorglichen Vater, als viel mehr für jemanden, der erkannt hat, dass sich in einem Sündenpfuhl bessere Geschäfte machen lassen.

Wenn er neu in der Stadt ist, wie vertraut ist Lot dann wohl mit den örtlichen Gebräuchen? Könnte er versehentlich selbst den ganzen Konflikt entfacht haben, indem er den hiesigen Brauch Gäste mit einem fröhlichen Akt der Kopulation willkommen zu heissen rüde ausgeschlagen hat? Sprich das falsche Gastrecht angewendet hat?
In abgeschiedenen Gemeinschaften kann es Sinn machen, den Gästen die eigene Frau anzubieten um so den Genpool wieder ein bisschen aufzufrischen. Vielleicht verhielt es sich in Sodom ähnlich und ein Ablehnen, was eine potentielle Gefahr für die Gesundheit der Gemeinschaft bedeuten würde, musste als böswilliger Affront interpretiert werden.
Ich unterstütze solche Bräuche nicht. Leute aber, die solche praktizieren, brauchen deswegen aber noch lange nicht böse sein. Schliesslich hegen sie damit keine niederträchtigen Absichten.

Wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, ich solle Zürich verlassen, weil es morgen in einem Feuerregen untergehen wird, dann werde ich auch lachen und es nicht glauben. Wenn ich jedoch ein paar Minuten vorher erblindet wäre, nachdem ich ein bisschen zu frech eine fremde Person angeflirtet habe, dann würde ich sicherlich nicht lachen.
Die Verlobten von Lots Töchtern waren im Mob, weil alle männlichen Bewohner der Stadt in diesem Mob waren,  und mussten demzufolge geblendet worden sein. Wieso glaubten sie Lot also nicht? Und selbst wenn sie ihm nicht glaubten, hätten sie die Schwiegerfamilie in spe dennoch begleiten können – insbesondere da sie ja jetzt blind waren.
Sie wären also gerettet worden, wenn sie nur ein bisschen rationaler gewesen wären. Dann wären also auch Leute aus dem Mob gerettet worden. Also wären sie auch gerecht gewesen? Ist Gerechtigkeit anstecken? Meint hier Gerechtigkeit das gleiche wie heute?
Damit wären es dann 6 Gerechte in Sodom gewesen. Nur eine Verhandlungsrunde von einer General-Amnestie entfernt. Haarscharf würde ich sagen. Kein Präzedenzfall auf den man stolz sein sollte.

Der Vater zieht in eine fragwürdige Nachbarschaft, verlobt seine Töchter mit stadtbekannten Vergewaltigern und bietet sie am Ende sogar dem Mob an und die Töchter, die lieber ihren Vater abfüllen um sich von ihm schwängern zu lassen als als alte Jungfern zu sterben. Sind die wirklich okay in den Augen Gottes? Okay in einer Art und Weise in der die Mutter nicht okay ist?

Erst wird die Mutter gerettet, dann wird sie Opfer von zusätzlich hinzugefügten Regeln. Wie verlässlich ist das Urteil Gottes? Er hat offenbar das Recht jederzeit neue Bedingungen aufzustellen.

Was hat Lots Frau eigentlich gesehen, als sie zurück geschaut hat? Warum war es überhaupt verboten? Wurde sie getötet, weil sie etwas sah, das sie nicht sehen sollte? Welches Geheimnis vertuscht ihr Tod?

Gibt es unabhängige Zeugen, die die in der Bibel beschriebenen Ereignisse bestätigen können?
War vielleicht die Mutter eine Zeugin, die sich nicht einschüchtern liess? Musste sie deshalb eliminiert werden?

Waren zum Zeitpunkt als Sodom zerstört wurden, keine Touristen und Händler zugegen, die es auch verdient hätten gerettet zu werden?

Sollte Sodom nicht auch durch den Regenbogenbund vor Feuer geschützt sein? Das klingt, als habe sich hier Gott aus einem Vertrag gemogelt.

Nicht mal Säuglinge waren unschuldig genug um gerettet zu werden?

Wieso sind Lots Töchter in einer solch verruchten Stadt eigentlich noch Jungfrauen?

Und last but not least: Ist Füssewaschen in Sodom das gleiche wie anderswo?

#IchFragJaNur

oder sonst

Okay, man kann von Jesus nicht verlangen, dass er für uns die Probleme der Welt löst. Das ist unsere Aufgabe…

Moment Mal!

Warum eigentlich können wir nicht erwarten, dass Jesus bei der Lösung unserer Probleme mit anpackt? Ja, wir haben sie uns selbst eingebrockt1. Aber das ist doch kein Grund uns nicht dennoch zu helfen, oder?
Ganze Berufszweige leben davon uns aus dem Schlamassel zu helfen, in das wir uns selbst geritten haben. Zahnärzte zum Beispiel. Oder Schlüsseldienste. Oder Babysitter.
Apropos Babies. Auch als Eltern tun wir nichts anderes. Wir retten die Kinder vor Scheren, Erdnüssen und hungrigen Bären. Und das sogar umsonst. Und wir verlangen noch nicht mal Dankbarkeit. Ja, wir wünschten sie uns schon, aber helfen tun wir auch ohne.
Klar, manchmal lassen wir die Kleinen etwas zappeln. Doch das hat (vom Unterhaltungswert mal abgesehen) stets pädagogische Motive: Wir hoffen, dass sie was draus lernen. Wobei wir es natürlich nicht übertreiben und der Gesundheit des Kindes stets grösseres Gewicht beimessen als dem angestrebten Lerninhalt. Und auch wenn die Probleme die Fähigkeit des Kindes übersteigen, helfen wir. Und auch, wenn es uns ganz lieb drum bittet.
Kurz, wir helfen eigentlich immer.
Und selbst wenn wir nicht direkt helfen, dann weil wir überzeugt sind, dass das Nichthelfen eine indirekte Hilfe ist. Wobei aber schon wichtig ist, dass das Kind das auch weiss. Die Familie zu verlassen und dann 30 Jahre später den Erfolg des Sprösslings sich zuschreiben zu wollen, so funktioniert das nicht.
Aber auch die direkte Hilfe ist eine indirekte Hilfe: Zu wissen, dass einem geholfen wird, wenn man Hilfe benötigt, ist eine wertvolle Erfahrung, die einen lehrt auch anderen zu helfen. Wie sonst sollten die Kleinen lernen, anderen Leuten in schwierigen Situationen beizustehen? Indem man mit guten Beispiel vorangeht.

Wieso also hilft uns Jesus nicht?

Ich meine deutlich! Beispielsweise indem – Zack! – alle Ebola-Kranke auf wundersame Weise von einem Moment auf den anderen wieder gesund sind. Und nicht bloss durch kryptische Zeichen, die nur ein paar Auserwählte zu lesen verstehen, denen aber ohnehin nie jemand irgendetwas glaubt – und Jesus weiss sehr genau, dass ihnen nie irgendjemand irgendetwas glaubt…

Will er uns damit lehren Verantwortung für unser Tun zu übernehmen? Vielleicht. Doch tastet man sich bei dieser Lektion nicht nach und nach an die Verantwortung heran? Erst lehrt man das Kind Verantwortung für die eigenen Schnürsenkel zu übernehmen. Und erst später… sehr viel später für vollautomatische Waffen und Komplikationen bei der Niederkunft…
Und indem uns Jesus auch dann nicht hilft, wenn wir dabei drauf gehen, geht auch der pädagogischer Effekt flöten. Ausser vielleicht bei den Nächsten, die lernen, dass Jesus nie hilft. Was meines Erachtens nicht wirklich eine gute Lektion von einem liebenden Wesen ist, das sich angeblich Sorgen um mich macht.
Ich hege daher den leisen Verdacht, dass es Gott eher sogar ein Dorn im Auge ist, wenn wir uns gegenseitig helfen. Sich gegenseitig lieben, durchaus, sich gegenseitig helfen, ich weiss nicht. Als die gesamte Menschheit sich das letzte Mal zusammengetan hat um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, stieg Gott vom Himmel herab, schaute sich um und zerstört den Turm von Babel. Und sabotierte ein für alle Mal die Kommunikation zwischen den Menschen – was für die gegenseitige Unterstützung schon ziemlich hinderlich ist.
Ich meine, wo lehrt Gott uns, uns gegenseitig zu helfen? Mit dem barmherzigen Samariter? Jenem Gleichnis, wo ein Priester und ein Levit, welche beide bestens bewandert waren in den Lehren des Herren, an einem Verletzten vorbei liefen und erst der Samariter, der von dem, was Gott von uns will, keine Ahnung hat, sich seiner erbarmte? Ja, mit dieser Geschichte gibt Jesus den Menschen tatsächlich den Auftrag anderen zu helfen, gesteht damit aber auch ein, dass das vorher nirgends erwähnt wurde.
Und selbst hier ist die Hilfe nur ein Mittel zum Zweck. Worum es eigentlich ging, ist zu klären, wer denn gemeint ist mit dem Nächsten in der Nächstenliebe. Deshalb wird auch nicht spezifiziert, wie weit die Hilfe gehen soll – ich meine in der institutionellen Richtung. Was uns Jesus hier gebietet, ist, im übertragenen Sinn, dem Hungernden einen Fisch zu geben, nicht jedoch ihn zu lehren, wie man fischt. Und nur letzteres ist nachhaltige Hilfe. Und wie ich schon sagte, ich argwöhne, dass Gott solche nicht gerne sieht. Jesus hat Leprakranke geheilt, nicht jedoch die Lepra aus der Welt getilgt. Manchmal ist eine kleine Hilfe eigentlich gar keine Hilfe.

Irgendwie passt das alles aber schon zusammen.
Einfach weniger zu der liebenden Vaterfigur, als die er sich gerne in den Werbeprospekten präsentiert. Als solcher würde er uns nämlich durchaus immer mal wieder helfen.
Sondern viel mehr zu einem Klempner, der durch sein Nichts- und Wenigtun nur den Preis in die Höhe zu treiben versucht. Und die Währung ist in diesem Fall Unterwürfigkeit der Anbetung.

Ich will Gott nicht unterstellen, dass es ihm nur um unterwürfige Anbetung geht. Dass das der ganze Grund für die Schöpfung war. Die unterwürfige Anbetung könnte alternativ auch ein Mittel zum Zweck sein:
Jemandem, den man unterwürfig anbeten muss, traut man nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Warum könnte es im Interesse Gottes sein, dass wir ihm nicht auf Augenhöhe begegnen? Klar er ist mächtig und wissend, aber das war Einstein auch. Das ist kein Grund nicht zusammen ein Bier zu trinken und wenigstens für kurze Zeit so zu tun, als sei man ebenbürtig. Nur so macht es Spass. Die ganze Zeit drauf rum zu reiten, wie unwürdig man ist, da kommt doch keine Freude auf (okay, bei manchen vielleicht schon). Vor allem aber, was wirft das für ein Licht auf jemanden, der sowas einfordert? Im Fall der englischen Königin dient das der Machterhaltung, weil wenn man vergisst, dass sie Macht hat, hat sie keine Macht mehr. Wenn man dagegen vergisst, dass Einstein schlau ist, kann er uns jederzeit relativ schnell das Gegenteil berechnen. Wieso verhält sich Gott wie die englische Königin und nicht wie Einstein? Was sagt das über seine Wissen und seine Macht aus?
Jemanden, dem man sich nicht auf Augenhöhe zu begegnen traut, zieht man tendenziell nicht zur Rechenschaft, wenn er was fürchterliches angestellt hat. Man wird viel eher vor sich hinmurmeln, dass das so schon seine Richtigkeit haben wird. Was könnte Gott angestellt haben? Keine Ahnung. Ich hoffe, es ist die Sintflut. Und nicht etwas, das er mit der Sintflut zu vertuschen versucht, denn was immer man zu vertuschen versucht, sollte so als Daumenregel schlimmer sein als das, womit man es vertuscht.
Wäre Gott sowas zuzutrauen? Ein Verlangen nach unterwürfiger Anbetung oder allein auf Illusion basierende Macht oder eine unrühmliche Vergangenheit? Also ich finde, dass die Indizien dafür sprechen… Allerdings ist er nicht von dieser Welt und deshalb ist es prinzipiell nicht möglich, irgend etwas über ihn und sein Motive auszusagen mit Begriffen von dieser Welt.

Oder vielleicht doch?

Das alte Testament lehrt uns, dass Leute – seien sie nun von dieser Welt oder von einer anderen – , die Gott persönlich kennen und tatsächlich das tun, was er will, die grosse Ausnahme sind.
Gläubige schliessen daraus, dass die Welt deshalb in einem so jämmerlichen Zustand ist. Doch übersehen sie dabei, dass viele der Dinge, die Gott von den Menschen damals wollte, – nun ja – sagen wir mal – haarsträubend waren.
Da kann man es niemandem verdenken, wenn er sich weigerte seinen Nachbaren zu töten, nur weil sich dieser rasierte.
Eine naheliegendere Schlussfolgerung wäre daher, dass die persönliche Bekanntschaft mit Gott trotz seiner Göttlichkeit keinen besonders überzeugenden Eindruck hinterlässt. Ich meine gut ein Drittel seiner Engel ist desertiert. Adam und Eva haben in den Apfel gebissen, wohl wissend, dass sie damit ihrem ewigen Aufenthalt im Paradies ein jähes Ende setzen würden. Und die Juden, die mit Moses aus Ägypten flohen und das Wunder des geteilten Meeres hautnah miterlebten, zogen ihm schon bald ein goldene Kalb vor!
Keine Bilanz, auf die ein Chef stolz sein sollte…

Und überhaupt, ich sehe nicht ein, warum man jemandem, der sich nach hiesigen Massstäben lausig verhält, alles durchgehen lassen soll, nur auf sein Versprechen hin, es uns nach unserem Tod zu erklären?
Es ist natürlich durchaus möglich, dass ich dann tatsächlich die versprochene Erklärung bekomme und mich diese auch überzeugt und ich auch einsehe, warum sie mir erst dann und nicht schon vorher gegeben werden könnte, doch ich würde nicht viel drauf wetten.

Aber vielleicht irre ich mich ja und Jesus will uns helfen mit all seiner Macht. Bloss dass die aus seiner transzendenten Position heraus nicht mehr sehr stark ist. Wer weiss? Oder vielleicht sind seine Kenntnisse über unsere Universum auch nur sehr, sehr beschränkt und die einzige Form der Interaktion mit unserer Welt sind Stimmen im Kopf. Auch darauf würde ich nicht viel wetten, aber möglich wäre es durchaus.
Aber auch in diesem Fall könnte er sich nützlich machen. Beispielsweise indem wir ihn zum Übermitteln von Nachrichten über weite Distanzen einsetzen: „Eda an Jesus. Eda an Jesus. Sag bitte Siggi in seinem nächsten Zwiegespräch mit dir, er solle den roten Draht kappen und auf keinen Fall den blauen.“
Skeptiker würde dies zwar nicht von der Existenz des biblischen Gottes überzeugen. Zurecht, muss man sagen. Aber ist das so wichtig? Ist das Entschärfen einer Bombe, die viele Menschen in den Tod gerissen hätte, nicht wichtiger?

Kommt schon, Christen. Sagt Jesus, dass zu viel auf dem Spiel steht, um sich darüber zu streiten, wer wie und ob an wen glaubt. Sagt ihm, dass er jetzt gefälligst den Arsch in Bewegung setzen soll. Und droht ihm, wenn nötig. Erklärt ihm, dass er euch andernfalls vergessen kann. Ich meine, wenn ihr zwischen der Rettung von einer Million Menschen und eurer Seele entscheiden müsstet, wie würdet ihr euch entscheiden?

Stellt ihm ein Ultimatum!

Zugegeben, eine geliebten Person vor ein Ultimatum zu stellen, ist nie gut. Doch den schlechten Ruf, den das Ultimatum hat, hat es nicht wirklich verdient. Es stellt nämlich die Liebe nicht in Frage. Im Gegenteil, es bestätigt sie sogar. Es nimmt der geliebten Person einfach die Möglichkeit sich weiterhin verschiedene Optionen offen zu halten. Was meist eh unfair dem anderen gegenüber ist. Von daher, ist ein Ultimatum nichts anderes als den gegenüber zu zwingen, das Richtige zu tun. Und das sollte doch eigentlich im Interesse eines aufrichtigen und liebenden Jesus sein.
Zwingt Jesus sich für eine Fussballmannschaft zu entscheiden. Und zwar in einer Art, dass beide Mannschaften seine Entscheidung erfahren. Und wenn ihm beide Schnuppe sind, dann sollen ach das beide Mannschaften wissen.

Beendet daher eure Gebete ab heute nicht mehr mit „Amen“. Sondern mit „oder sonst…“
Ich meine, ihr habt euch ja gut überlegt, wofür ihr betet. Nach eurer Ansicht wäre die Erfüllung eures Gebets völlig im Interesse Gottes.
Einverstanden. Aufgrund unserer Nichtganzallwissenheit, kann das auch mal nach hinten rausgehen, aber das gehört zum Lernprozess.

Vielleicht sollte Gott langsam lernen, uns zu lehren Verantwortung zu übernehmen, wofür wir beten?

Der Friseur der Nachbarin der Schwägerin von Gott

Wie beweise ich die Existenz Gottes?
Wie beweise ich die Existenz einer Person, der du noch nie begegnet bist?

 

Ein weitere Herausforderung, der sich ein Atheist immer wieder stellen muss…

Beantworte mir zunächst die folgenden Fragen:

  • Woher weisst DU, dass er existiert?
  • Dass er in diesem Augenblick noch immer lebt?
  • Hast du ihn mal getroffen?
  • Haben das auch andere?
  • Würden sie ihn wie du beschreiben?

Wenn du ihm nie persönlich begegnet bist, aber jemandem der es tat, wie würde dann diese Person die Fragen oben beantworten?
Und würde die Glaubwürdigkeit darunter leiden, wenn es der Friseur der Nachbarin der Schwägerin gewesen wäre, die ihn getroffen hat?

Vor allem wenn die Beschreibungen von verschiedenen „Zeugen“ sehr weit auseinander gehen, sollte das einen stutzig machen.
Insbesondere, wenn von der Existenz dieser Person politische Programme und sehr viel Geld abhängen.

Der liebe allmächtige liebe Gott und die Katzenlady

Nehmen wir einfach mal an, das Universum wurde von einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen und intelligentem und in keinster Weise eifersüchtigen, kleinlichen, ungerechten, nachtragenden, rachsüchtigen, blutrünstigen, frauenfeindlichen, homophoben, rassistischen, kinds- und völkermörderischen, ekligen, grössenwahnsinnigen, sadomasochistischen, launisch-boshaften Designer erschaffen. Einem lieben Gott also, der wirklich alles in seiner Macht Stehende tut, um seinen Auserwählten den Himmel auf Erden zu bereiten.
Und da dieser Gott allmächtig ist, kriegt er den Himmel auf Erden auch hin. Weil ab einem bestimmten Level an Macht es nicht mehr eine Frage des Versuchens ist, sondern des Tuns oder des nicht Tuns – und im Fall der Allmacht ist dieses Level an Macht sicherlich erreicht.

Ist da aber nicht ein bisschen zu viel Leid und Schmerz für die Menschen in der Welt für einen Himmel auf Erden?
Schwer zu sagen. Vielleicht ist das ja das absolute Minimum an Leid und Schmerz, das überhaupt möglich ist in einer Welt, wo die Menschen einen freien Willen haben.
Die einen sagen, genau so sei es, die anderen sagen „Mumpitz“.

Da uns (zur Zeit noch) die Möglichkeit fehlt das nachzuprüfen1, empfiehlt es sich anders an die Sache ran zu gehen. Und zwar mit der Katzenlady und ihren Büsis.

KatzenladyDie Katzenlady liebt ihre Katzen. Sie tut alles für sie. Sie hegt sie und pflegt sie und füttert sie mit KitKat und leckeren Babies.
Aus der Sicht der Katzen ist die Katzenlady liebevoll und fürsorglich. Dass dafür süsse Babies verfüttert werden, ist zwar traurig, doch leider unumgänglich in der einen Welt, die Katzen ein absolutes Maximum an Genuss und Wohlbefinden ermöglichen soll.
Als liebevoll und fürsorglich werden die Eltern der Babies die Katzenlady wahrscheinlich nicht bezeichnen – auch wenn sie nicht bestreiten können, dass Katzen diese Art von Futter sowohl schmeckt als auch gut bekommt.

Was wenn wir gar nicht die Lieblinge Gottes sind?
Was wenn wir nicht die Katzen sind, sondern die Babies?

Statt uns irgendeinen Grund aus den Fingern zu saugen, der erklären könnte, inwiefern es den Menschen auf lange Sicht zugute kommt, wenn ihre Babies von Katzen verspeist werden, können wir uns auch einfach mal umsehen und schauen, welche Lebewesen frei von Sorgen sind und bereits den Himmel auf Erden geniessen? Und welchen Lebewesen der ganze Ärger, zu dem uns die Katzenlady zum Wohl ihrer Lieblinge angestachelt hat, zugute kommt?

Ratten? Kakerlaken? Bazillen? …

Und erst seit wir entgegen der ausdrücklichen Warnung der Repräsentanten der Katzenlady selbst angefangen haben Katzenlady zu spielen, hat die Glückssträhne der Auserwählten einen Dämpfer erhalten.

 

***

 

 

Wie der Himmel auf Erden aussehen könnte, weiss ich nicht.
Ich weiss nur, das die Welt, wie sie sich uns zeigt, nicht der Himmel auf Erden für die Menschen ist. Dafür hat es hier zu viel Leid und Schmerz.
Ich weiss nicht, ob eine Welt mit Menschen mit freiem Willen und ohne Leid und Schmerz überhaupt möglich ist.
Ich weiss nur, dass uns die Religionen im Jenseits ein Leben ohne Leid und Schmerz in Aussicht stellen. Dass nach ihrer Ansicht eine Welt ohne Leid und Schmerz also möglich sein müsste.
Ob es in jener Welt den freien Willen noch gibt, weiss ich hingegen nicht.
Ich weiss, dass Engel gegen Gott rebelliert haben sollen.

Ich ahne aber, dass man selbst den heiligsten Menschen, um ihn himmeltauglich zu machen, irgendwie körperlich oder geistig kastrieren müsste.