Lasst sie nach Lourdes pilgern!

80 Schweizer Soldaten als Pilger in Lourdes

Laut KBM pilgern die Soldaten nach Lourdes um dort zu beten,
dass man NIE einen Krieg erleben und NIE töten muss.
IAC fragt, wie oft denn das schon geklappt habe mit dem Beten.
KBM hat bisher nicht geantwortet. Wohl weil sie noch zählt.

 

Wenn das wirklich funktionieren sollte, dann wäre es doch einen Versuch wert? Ich meine, eine Welt OHNE Krieg und OHNE Töten ist doch toll! Oder?

Es wäre denkbar, dass das Pilgern und Beten die Soldaten in einer Art und Weise verändert, dass sie mitten im Schlachtgetümmel ihre Waffen niederlegen um dem sinnlosen Morden ein Ende zu setzen. Das wäre denkbar und sicherlich äusserst christlich.
Auf diese Weise würde zwar tatsächlich weniger getötet, aber leider nicht ein Krieg verhindert. Denn über den entscheiden andere.
Allerdings ist das ohne Zweifel ein sichere Strategie die Schlacht zu verlieren, was wiederum eine bewährte Art ist Kriege zu beenden.
Von daher könnte da tatsächlich was dran sein.

Wenn dieser Ausgang allerdings ein realistischer wäre, bezweifele ich, dass die Generalität die Pilgerfahrt erlauben würde.

Vielleicht kommt der Friede aber auch zustande, weil Gott höchstselbst die Strippen ziehen wird. Nach all den Jahrhunderten der Zurückhaltung bewegen erst die Gebete von 80 Soldaten in Lourdes den Allmächtigen zum Handeln…

Das sind zwar keine 80 Soldaten, sondern etwa 16 Feuerwehrleute, aber man erkennt schon worauf es hinaus läuft… Ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn diese Mannsbilder in die Knie gehen und so richtig leidenschaftlich zu beten beginnen, dass dann nie wieder ein Haus brennen wird1.
Das Problem aber ist, dass ich bezweifle, ob es die RICHTIGE Art von Frieden sein wird, wenn Gott sie einführt. Gott hat da nämlich gewisse Vorurteile gegenüber Andersdenkenden und es ist daher anzunehmen, dass der von ihm geschenkte Frieden wohl ein sehr christlicher sein wird, der gänzlich ohne beispielsweise Andersgläubige und Atheisten2 auskommen wird.
Und wollen wir das wirklich? Ist es uns das wirklich wert für den Frieden alle Andersdenkenden zu beseitigen? Wird man diese Art von Frieden nicht im Himmel noch lange genug ertragen müssen?

Okay, okay, es geht nicht darum die Andersdenkenden zu beseitigen, sondern darum sie zu überzeugen. Doch selbst wenn einem das allein mit Argumenten gelingen würde, hätte man dann das Andersdenken nicht dennoch beseitigt? Und würde das nicht zu einer massiven Reduktion der kulturellen Artenvielfalt führen? Man bedenke nur, was Gott im Laufe der Geschichte so alles missfiel und was ihm noch so alles zu missfallen einfallen könnte… Wollen wir das wirklich?

Oder beten die Soldaten dafür, dass Gott sich ändert? Dass er einen Frieden stiftet, wo es keinen Unterschied macht, ob man Jesus als einzigen Weg akzeptiert oder nicht, wo es egal ist, ob jemand sich rasiert, masturbiert oder abortiert?
Ich hege da meinen Zweifel.

Grundsätzlich frage ich mich sogar, ob Gottes es überhaupt gutheissen würde, wenn die Menschheit den Weltfrieden hinkriegt3? Als Gott im alten Testament noch wesentlich direkter die Politik seines Volkes mitbestimmte, führte er keine Gesetze ein, die eine friedliebende, gerechte Gesellschaft organisieren sollten, welche nie in irgendwelche Konflikte hineingezogen würde. Und die durch ihr Vorbild auch ihre Nachbaren dazu inspirieren sollte, friedliebende und gerechte Gesellschaften zu werden.
Meines Wissens wird nirgends in der Bibel der andauernde Friede als anzustrebender Idealzustand beschrieben. Das mag ein hübscher Nebeneffekt davon sein, wenn man sich an Gottes Regeln (welche das auch immer sein mögen) hält und Jesus als den einzigen Weg zu Gott akzeptiert, ein offizielles Ziel im Sinne eines göttlichen Auftrags ist es aber nicht.

Ich glaube, die Soldaten sind einfach gerne Christen, die es geniessen zusammen zu pilgern und zu beten. Das kann man ihnen nicht verdenken, manchen Leuten macht sowas wirklich Spass. Und das ist auch okay so.
Klar sie beten für Frieden, aber das ist eher sowas wie ein Mantra das man bei solchen Gegelenheiten eben inbrünstig runterleiert. Wirklich ernst meinen sie es nicht, denn sonst würden sie den Erfolg ihres Handelns evaluieren und wenn nötig modifizieren. Wenn es wirklich darum geht Leute zu retten, reicht es nicht einfach anzunehmen, dass das, was man tut, auch wirklich funktioniert. Man muss schon kontrollieren und optimieren.

Eine Frage ist aber noch offen: Dass die Generalität es nicht verbietet, weil sie nicht befürchten auf einmal Amish-Berserker in ihren Reihen zu haben, wissen wir, doch warum – zum Teufel – erlaubt sie es?

Amisch-Berserker
Ein Amisch-Berserker

Generäle sicherten sich seit jeher die Unterstützung der Religion, denn nichts vertreibt die lästigen Skrupel im Krieg besser als die Gewissheit im Auftrag des Herren unterwegs zu sein.
Und mit so einer Pilgerfahrt nach Lourdes füllt man seine Karma-Reserven üppig auf, so dass man in der nächsten Schlacht so richtig die Sau rauslassen kann. Man hat mit dem Beten schliesslich seine Schuldigkeit für den Weltfrieden getan.

Fun Fact: Der wohl berühmteste Wallfahrtsort der Welt, der am meisten Pilger angezogen hat, war zweifellos Jerusalem.

Warum genau soll man diese 80 Soldaten nicht Kreuzritter nennen?

Noch eine schelmische Frage am Rande:  Wie gehen eigentlich „Wahre Christen“ mit den Wundern von Lourdes um? Ihr wisst schon, jene Christen, die die katholische Kirche mit ihrer Verehrung von Maria für schrecklich irregeleitet halten. Nichts gegen Maria, sie war sicherlich eine tolle Frau, sie ist ihrer Ansicht nach aber einfach kein Weg um sich bei Gott Gehör zu verschaffen. Was also halten „Wahre Christen“ von den Wundern in Lourdes?
Wenn im Namen von Maria Wunder vollbracht werden, dann müsste das sowas wie das Legen einer falschen Fährte sein, die die Menschen auf völlig absurde Ideen bringt, wer im Himmel das letzte Wort hat. Und sowas würde Gott doch niemals tun, oder?
Sind die Wunder in Lourdes nach Ansicht der „Wahren Christen“ dann gar nicht Gotteswerke? Sondern die des Teufels, der mit diesen guten Taten einen Keil in die Christen-Gemeinde rammen will?

Doch keine Bange, liebe „Wahre Christen“, ein edler Ritter in Rollkragenpulli und beigem Sakko eilt zur Hilfe und weist statistisch nach, dass der Teufel, der Meister der Täuschung, selbst hier ohne Nettigkeiten die Leute in die Irre zu führen versteht:

The spontaneous remission rate of all cancers, lumped together, is estimated to be something between one in ten thousand and one in a hundred thousand. If no more than 5 percent of those who come to Lourdes were there to treat their cancers, there should have been something between 50 and 500 ‚miraculous‘ cures of cancer alone. Since only three of the attested 65 cures [accepted by the R C Church as miraculous cures] are of cancer, the rate of spontaneous remission a Lourdes seems to be lower than if the victims had just stayed at home.
Carl Sagan, The Demon-Haunted World p. 221

Lot und seine Töchter

Erst eine kurze Zusammenfassung:

Gott informiert Abraham darüber, dass ihm die Zustände in Sodom und Gomorra nicht gefallen und er also die beiden Städte vom Erdboden tilgen will. Abraham gelingt es darauf in zähen Verhandlungen von Gott die Zusage zu erhalten, dass er die Orte verschonen wird, wenn sich dort 10 gerechte Menschen finden lassen.
Also schickt Gott zwei Engel nach Sodom um sich da mal ein bisschen umzusehen. Lot empfängt die beiden am Tor und komplimentiert sie zu sich nach hause, weil es angeblich für zwei so stattliche Burschen des Nachts in der Stadt nicht sicher sei.
Dort angekommen bewirtet er sie und wäscht ihnen wahrscheinlich auch die Füsse und als es dann Zeit wird ins Bett zu gehen, kommen alle Männer der Stadt zu Lots Haus und fordern von diesem die beiden Gäste zu einem kleinen Fick hinauszuschicken. Lot begibt sich dann vor die Tür und versucht mit dem Mob zu verhandeln. Er bietet ihm statt der Engel seine beiden jungfräulichen Töchter an. Eine Einigung ist nicht möglich und es kommt zu einem Handgemenge, aus dem Lot nur dank der Hilfe der beiden Engel entkommt, die dazu kurzerhand alle Anwesenden blenden.
Die beiden Engel informieren darauf Lot, dass er seine Sachen packen und mit allen, die zu ihm gehören, die Stadt verlassen soll, weil sie diese zerstören werden. Also begibt sich Lot zu den Verlobten seiner Töchter und erklärt ihnen den Sachverhalt, diese glauben es ihm aber nicht nicht.
Am nächsten Morgen drängen die beiden Engel die Familie zum Aufbruch. Doch da Lot zu zögern scheint, packen sie die Eltern und die Töchter und werfen sie eigenhändig aus der Stadt. Zum Abschied erklären sie ihnen, sie sollen unbedingt so schnell wie möglich ins Gebirge gehen und auf dem Weg dorthin aber auf gar keinen Fall stehen zu bleiben oder sich umzudrehen.
Lot wendet ein, dass er aber statt ins Gebirge viel lieber in die Stadt Zoar gehen möchte. Die Engel gewähren ihm den Wunsch.
Und tatsächlich, sobald Lot die Stadt betritt, lässt Gott Feuer und Schwefel über Sodom und Gomorra regnen und vernichtet die ganzen Städte und das umliegende Land und alles was drauf kreucht und fleucht.

Lots Frau aber schaut zurück und erstarrt zur Salzsäule.

Und da es ihm in Zoar irgendwie unheimlich wird, zieht Lot mit seinen beiden Töchtern weiter ins Gebirge, wo sie es sich in einer Höhle gemütlich machen. Weil weit und breit kein anderen Mann zu finden ist, machen die Töchter ihren Vater betrunken und lassen sich von ihm in zwei aufeinanderfolgenden Nächten schwängern.
Und die Ältere gebiert Moab, den Stammvater der Moabiter, und die Jüngere Ben-Ammi, den der Ammoniter.

Und jetzt ein paar Fragen:

Ein allmächtiger, allwissender, allgütiger Gott fällt den knallharten Entschluss eine Stadt und alle ihre Bewohner zu vernichten und lässt sich dann von einem Papaschlumpf dergestalt umstimmen, dies nur dann zu tun, wenn sich dort keine 50 Gerechten finden lassen? Und dann lässt er sich von 50 auf 45, dann auf 40, dann auf 30, dann auf 20, dann auf 10 herunterhandeln? Und wer weiss, wie es noch weiter gegangen wäre, wenn Gott da nicht einfach weglaufen wäre.
Dass sich am Ende nur 4 Leute, resp. 3 Leute und eine Salzsäule, finden liessen, die es wert sind gerettet zu werden, lässt es zwar so aussehen, als hätte sich der ursprünglich Wille Gottes am Ende doch durchgesetzt, das ändert aber nichts daran, dass er lausig gefeilscht hat.
Und es wirft die Frage auf, ob das wirklich alle Gerechten von Sodom waren? Man kann nämlich nicht gerade behaupten, die Suche wäre systematisch gewesen.

Und wie kommen eigentlich die Leute von Gomorra dazu umgebracht zu werden, nur weil die beiden Engel in Sodom nicht genug Gerechte fanden?

Die beiden Engel sollten in der Nacht durch Sodom spazieren und nach gerechten Menschen Ausschau halten. Stattdessen verbrachten sie den ganzen Abend bei Lot und schlugen sich die Bäuche voll. Ist das keinem aufgefallen? So findet man keine Gerechten.

Und was haben die Engel eigentlich angestellt, dass die männliche Bevölkerung so scharf auf sie war? Wird da nicht etwas verschwiegen?
Mir kommt da spontan der unwiderstehliche John Travolta alias Michael in den Sinn.

Und was ist das für ein Mensch, der einem Mob seine Töchter anbietet? Einem Mob, der offensichtlich Interesse an Männern hat. Wäre da nicht eine andere Person im Haushalt gewesen, die dem Geschmack der Menge besser entsprochen hätte? Eine, die er sogar rechtmässiger hätte anbieten können?
War das wirklich eine so noble Geste, wenn er wusste, dass seinen Töchtern unter diesen Umständen gar keine Gefahr droht? War es nicht viel mehr leichtsinnig, weil er die Sache mit einem solchen Vorschlag eher eskalieren lässt.

Wie es heisst, ist auch Lot ein Fremder in der Stadt.
Wieso ist er überhaupt in eine solche Stadt gezogen? Wieso hat er sie nicht längst schon wieder verlassen? Und wieso hat es seine Töchter zwei Sodomiten versprochen?
Das alles spricht weniger für einen gerechten, fürsorglichen Vater, als viel mehr für jemanden, der erkannt hat, dass sich in einem Sündenpfuhl bessere Geschäfte machen lassen.

Wenn er neu in der Stadt ist, wie vertraut ist Lot dann wohl mit den örtlichen Gebräuchen? Könnte er versehentlich selbst den ganzen Konflikt entfacht haben, indem er den hiesigen Brauch Gäste mit einem fröhlichen Akt der Kopulation willkommen zu heissen rüde ausgeschlagen hat? Sprich das falsche Gastrecht angewendet hat?
In abgeschiedenen Gemeinschaften kann es Sinn machen, den Gästen die eigene Frau anzubieten um so den Genpool wieder ein bisschen aufzufrischen. Vielleicht verhielt es sich in Sodom ähnlich und ein Ablehnen, was eine potentielle Gefahr für die Gesundheit der Gemeinschaft bedeuten würde, musste als böswilliger Affront interpretiert werden.
Ich unterstütze solche Bräuche nicht. Leute aber, die solche praktizieren, brauchen deswegen aber noch lange nicht böse sein. Schliesslich hegen sie damit keine niederträchtigen Absichten.

Wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, ich solle Zürich verlassen, weil es morgen in einem Feuerregen untergehen wird, dann werde ich auch lachen und es nicht glauben. Wenn ich jedoch ein paar Minuten vorher erblindet wäre, nachdem ich ein bisschen zu frech eine fremde Person angeflirtet habe, dann würde ich sicherlich nicht lachen.
Die Verlobten von Lots Töchtern waren im Mob, weil alle männlichen Bewohner der Stadt in diesem Mob waren,  und mussten demzufolge geblendet worden sein. Wieso glaubten sie Lot also nicht? Und selbst wenn sie ihm nicht glaubten, hätten sie die Schwiegerfamilie in spe dennoch begleiten können – insbesondere da sie ja jetzt blind waren.
Sie wären also gerettet worden, wenn sie nur ein bisschen rationaler gewesen wären. Dann wären also auch Leute aus dem Mob gerettet worden. Also wären sie auch gerecht gewesen? Ist Gerechtigkeit anstecken? Meint hier Gerechtigkeit das gleiche wie heute?
Damit wären es dann 6 Gerechte in Sodom gewesen. Nur eine Verhandlungsrunde von einer General-Amnestie entfernt. Haarscharf würde ich sagen. Kein Präzedenzfall auf den man stolz sein sollte.

Der Vater zieht in eine fragwürdige Nachbarschaft, verlobt seine Töchter mit stadtbekannten Vergewaltigern und bietet sie am Ende sogar dem Mob an und die Töchter, die lieber ihren Vater abfüllen um sich von ihm schwängern zu lassen als als alte Jungfern zu sterben. Sind die wirklich okay in den Augen Gottes? Okay in einer Art und Weise in der die Mutter nicht okay ist?

Erst wird die Mutter gerettet, dann wird sie Opfer von zusätzlich hinzugefügten Regeln. Wie verlässlich ist das Urteil Gottes? Er hat offenbar das Recht jederzeit neue Bedingungen aufzustellen.

Was hat Lots Frau eigentlich gesehen, als sie zurück geschaut hat? Warum war es überhaupt verboten? Wurde sie getötet, weil sie etwas sah, das sie nicht sehen sollte? Welches Geheimnis vertuscht ihr Tod?

Gibt es unabhängige Zeugen, die die in der Bibel beschriebenen Ereignisse bestätigen können?
War vielleicht die Mutter eine Zeugin, die sich nicht einschüchtern liess? Musste sie deshalb eliminiert werden?

Waren zum Zeitpunkt als Sodom zerstört wurden, keine Touristen und Händler zugegen, die es auch verdient hätten gerettet zu werden?

Sollte Sodom nicht auch durch den Regenbogenbund vor Feuer geschützt sein? Das klingt, als habe sich hier Gott aus einem Vertrag gemogelt.

Nicht mal Säuglinge waren unschuldig genug um gerettet zu werden?

Wieso sind Lots Töchter in einer solch verruchten Stadt eigentlich noch Jungfrauen?

Und last but not least: Ist Füssewaschen in Sodom das gleiche wie anderswo?

#IchFragJaNur

oder sonst

Okay, man kann von Jesus nicht verlangen, dass er für uns die Probleme der Welt löst. Das ist unsere Aufgabe…

Moment Mal!

Warum eigentlich können wir nicht erwarten, dass Jesus bei der Lösung unserer Probleme mit anpackt? Ja, wir haben sie uns selbst eingebrockt1. Aber das ist doch kein Grund uns nicht dennoch zu helfen, oder?
Ganze Berufszweige leben davon uns aus dem Schlamassel zu helfen, in das wir uns selbst geritten haben. Zahnärzte zum Beispiel. Oder Schlüsseldienste. Oder Babysitter.
Apropos Babies. Auch als Eltern tun wir nichts anderes. Wir retten die Kinder vor Scheren, Erdnüssen und hungrigen Bären. Und das sogar umsonst. Und wir verlangen noch nicht mal Dankbarkeit. Ja, wir wünschten sie uns schon, aber helfen tun wir auch ohne.
Klar, manchmal lassen wir die Kleinen etwas zappeln. Doch das hat (vom Unterhaltungswert mal abgesehen) stets pädagogische Motive: Wir hoffen, dass sie was draus lernen. Wobei wir es natürlich nicht übertreiben und der Gesundheit des Kindes stets grösseres Gewicht beimessen als dem angestrebten Lerninhalt. Und auch wenn die Probleme die Fähigkeit des Kindes übersteigen, helfen wir. Und auch, wenn es uns ganz lieb drum bittet.
Kurz, wir helfen eigentlich immer.
Und selbst wenn wir nicht direkt helfen, dann weil wir überzeugt sind, dass das Nichthelfen eine indirekte Hilfe ist. Wobei aber schon wichtig ist, dass das Kind das auch weiss. Die Familie zu verlassen und dann 30 Jahre später den Erfolg des Sprösslings sich zuschreiben zu wollen, so funktioniert das nicht.
Aber auch die direkte Hilfe ist eine indirekte Hilfe: Zu wissen, dass einem geholfen wird, wenn man Hilfe benötigt, ist eine wertvolle Erfahrung, die einen lehrt auch anderen zu helfen. Wie sonst sollten die Kleinen lernen, anderen Leuten in schwierigen Situationen beizustehen? Indem man mit guten Beispiel vorangeht.

Wieso also hilft uns Jesus nicht?

Ich meine deutlich! Beispielsweise indem – Zack! – alle Ebola-Kranke auf wundersame Weise von einem Moment auf den anderen wieder gesund sind. Und nicht bloss durch kryptische Zeichen, die nur ein paar Auserwählte zu lesen verstehen, denen aber ohnehin nie jemand irgendetwas glaubt – und Jesus weiss sehr genau, dass ihnen nie irgendjemand irgendetwas glaubt…

Will er uns damit lehren Verantwortung für unser Tun zu übernehmen? Vielleicht. Doch tastet man sich bei dieser Lektion nicht nach und nach an die Verantwortung heran? Erst lehrt man das Kind Verantwortung für die eigenen Schnürsenkel zu übernehmen. Und erst später… sehr viel später für vollautomatische Waffen und Komplikationen bei der Niederkunft…
Und indem uns Jesus auch dann nicht hilft, wenn wir dabei drauf gehen, geht auch der pädagogischer Effekt flöten. Ausser vielleicht bei den Nächsten, die lernen, dass Jesus nie hilft. Was meines Erachtens nicht wirklich eine gute Lektion von einem liebenden Wesen ist, das sich angeblich Sorgen um mich macht.
Ich hege daher den leisen Verdacht, dass es Gott eher sogar ein Dorn im Auge ist, wenn wir uns gegenseitig helfen. Sich gegenseitig lieben, durchaus, sich gegenseitig helfen, ich weiss nicht. Als die gesamte Menschheit sich das letzte Mal zusammengetan hat um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, stieg Gott vom Himmel herab, schaute sich um und zerstört den Turm von Babel. Und sabotierte ein für alle Mal die Kommunikation zwischen den Menschen – was für die gegenseitige Unterstützung schon ziemlich hinderlich ist.
Ich meine, wo lehrt Gott uns, uns gegenseitig zu helfen? Mit dem barmherzigen Samariter? Jenem Gleichnis, wo ein Priester und ein Levit, welche beide bestens bewandert waren in den Lehren des Herren, an einem Verletzten vorbei liefen und erst der Samariter, der von dem, was Gott von uns will, keine Ahnung hat, sich seiner erbarmte? Ja, mit dieser Geschichte gibt Jesus den Menschen tatsächlich den Auftrag anderen zu helfen, gesteht damit aber auch ein, dass das vorher nirgends erwähnt wurde.
Und selbst hier ist die Hilfe nur ein Mittel zum Zweck. Worum es eigentlich ging, ist zu klären, wer denn gemeint ist mit dem Nächsten in der Nächstenliebe. Deshalb wird auch nicht spezifiziert, wie weit die Hilfe gehen soll – ich meine in der institutionellen Richtung. Was uns Jesus hier gebietet, ist, im übertragenen Sinn, dem Hungernden einen Fisch zu geben, nicht jedoch ihn zu lehren, wie man fischt. Und nur letzteres ist nachhaltige Hilfe. Und wie ich schon sagte, ich argwöhne, dass Gott solche nicht gerne sieht. Jesus hat Leprakranke geheilt, nicht jedoch die Lepra aus der Welt getilgt. Manchmal ist eine kleine Hilfe eigentlich gar keine Hilfe.

Irgendwie passt das alles aber schon zusammen.
Einfach weniger zu der liebenden Vaterfigur, als die er sich gerne in den Werbeprospekten präsentiert. Als solcher würde er uns nämlich durchaus immer mal wieder helfen.
Sondern viel mehr zu einem Klempner, der durch sein Nichts- und Wenigtun nur den Preis in die Höhe zu treiben versucht. Und die Währung ist in diesem Fall Unterwürfigkeit der Anbetung.

Ich will Gott nicht unterstellen, dass es ihm nur um unterwürfige Anbetung geht. Dass das der ganze Grund für die Schöpfung war. Die unterwürfige Anbetung könnte alternativ auch ein Mittel zum Zweck sein:
Jemandem, den man unterwürfig anbeten muss, traut man nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Warum könnte es im Interesse Gottes sein, dass wir ihm nicht auf Augenhöhe begegnen? Klar er ist mächtig und wissend, aber das war Einstein auch. Das ist kein Grund nicht zusammen ein Bier zu trinken und wenigstens für kurze Zeit so zu tun, als sei man ebenbürtig. Nur so macht es Spass. Die ganze Zeit drauf rum zu reiten, wie unwürdig man ist, da kommt doch keine Freude auf (okay, bei manchen vielleicht schon). Vor allem aber, was wirft das für ein Licht auf jemanden, der sowas einfordert? Im Fall der englischen Königin dient das der Machterhaltung, weil wenn man vergisst, dass sie Macht hat, hat sie keine Macht mehr. Wenn man dagegen vergisst, dass Einstein schlau ist, kann er uns jederzeit relativ schnell das Gegenteil berechnen. Wieso verhält sich Gott wie die englische Königin und nicht wie Einstein? Was sagt das über seine Wissen und seine Macht aus?
Jemanden, dem man sich nicht auf Augenhöhe zu begegnen traut, zieht man tendenziell nicht zur Rechenschaft, wenn er was fürchterliches angestellt hat. Man wird viel eher vor sich hinmurmeln, dass das so schon seine Richtigkeit haben wird. Was könnte Gott angestellt haben? Keine Ahnung. Ich hoffe, es ist die Sintflut. Und nicht etwas, das er mit der Sintflut zu vertuschen versucht, denn was immer man zu vertuschen versucht, sollte so als Daumenregel schlimmer sein als das, womit man es vertuscht.
Wäre Gott sowas zuzutrauen? Ein Verlangen nach unterwürfiger Anbetung oder allein auf Illusion basierende Macht oder eine unrühmliche Vergangenheit? Also ich finde, dass die Indizien dafür sprechen… Allerdings ist er nicht von dieser Welt und deshalb ist es prinzipiell nicht möglich, irgend etwas über ihn und sein Motive auszusagen mit Begriffen von dieser Welt.

Oder vielleicht doch?

Das alte Testament lehrt uns, dass Leute – seien sie nun von dieser Welt oder von einer anderen – , die Gott persönlich kennen und tatsächlich das tun, was er will, die grosse Ausnahme sind.
Gläubige schliessen daraus, dass die Welt deshalb in einem so jämmerlichen Zustand ist. Doch übersehen sie dabei, dass viele der Dinge, die Gott von den Menschen damals wollte, – nun ja – sagen wir mal – haarsträubend waren.
Da kann man es niemandem verdenken, wenn er sich weigerte seinen Nachbaren zu töten, nur weil sich dieser rasierte.
Eine naheliegendere Schlussfolgerung wäre daher, dass die persönliche Bekanntschaft mit Gott trotz seiner Göttlichkeit keinen besonders überzeugenden Eindruck hinterlässt. Ich meine gut ein Drittel seiner Engel ist desertiert. Adam und Eva haben in den Apfel gebissen, wohl wissend, dass sie damit ihrem ewigen Aufenthalt im Paradies ein jähes Ende setzen würden. Und die Juden, die mit Moses aus Ägypten flohen und das Wunder des geteilten Meeres hautnah miterlebten, zogen ihm schon bald ein goldene Kalb vor!
Keine Bilanz, auf die ein Chef stolz sein sollte…

Und überhaupt, ich sehe nicht ein, warum man jemandem, der sich nach hiesigen Massstäben lausig verhält, alles durchgehen lassen soll, nur auf sein Versprechen hin, es uns nach unserem Tod zu erklären?
Es ist natürlich durchaus möglich, dass ich dann tatsächlich die versprochene Erklärung bekomme und mich diese auch überzeugt und ich auch einsehe, warum sie mir erst dann und nicht schon vorher gegeben werden könnte, doch ich würde nicht viel drauf wetten.

Aber vielleicht irre ich mich ja und Jesus will uns helfen mit all seiner Macht. Bloss dass die aus seiner transzendenten Position heraus nicht mehr sehr stark ist. Wer weiss? Oder vielleicht sind seine Kenntnisse über unsere Universum auch nur sehr, sehr beschränkt und die einzige Form der Interaktion mit unserer Welt sind Stimmen im Kopf. Auch darauf würde ich nicht viel wetten, aber möglich wäre es durchaus.
Aber auch in diesem Fall könnte er sich nützlich machen. Beispielsweise indem wir ihn zum Übermitteln von Nachrichten über weite Distanzen einsetzen: „Eda an Jesus. Eda an Jesus. Sag bitte Siggi in seinem nächsten Zwiegespräch mit dir, er solle den roten Draht kappen und auf keinen Fall den blauen.“
Skeptiker würde dies zwar nicht von der Existenz des biblischen Gottes überzeugen. Zurecht, muss man sagen. Aber ist das so wichtig? Ist das Entschärfen einer Bombe, die viele Menschen in den Tod gerissen hätte, nicht wichtiger?

Kommt schon, Christen. Sagt Jesus, dass zu viel auf dem Spiel steht, um sich darüber zu streiten, wer wie und ob an wen glaubt. Sagt ihm, dass er jetzt gefälligst den Arsch in Bewegung setzen soll. Und droht ihm, wenn nötig. Erklärt ihm, dass er euch andernfalls vergessen kann. Ich meine, wenn ihr zwischen der Rettung von einer Million Menschen und eurer Seele entscheiden müsstet, wie würdet ihr euch entscheiden?

Stellt ihm ein Ultimatum!

Zugegeben, eine geliebten Person vor ein Ultimatum zu stellen, ist nie gut. Doch den schlechten Ruf, den das Ultimatum hat, hat es nicht wirklich verdient. Es stellt nämlich die Liebe nicht in Frage. Im Gegenteil, es bestätigt sie sogar. Es nimmt der geliebten Person einfach die Möglichkeit sich weiterhin verschiedene Optionen offen zu halten. Was meist eh unfair dem anderen gegenüber ist. Von daher, ist ein Ultimatum nichts anderes als den gegenüber zu zwingen, das Richtige zu tun. Und das sollte doch eigentlich im Interesse eines aufrichtigen und liebenden Jesus sein.
Zwingt Jesus sich für eine Fussballmannschaft zu entscheiden. Und zwar in einer Art, dass beide Mannschaften seine Entscheidung erfahren. Und wenn ihm beide Schnuppe sind, dann sollen ach das beide Mannschaften wissen.

Beendet daher eure Gebete ab heute nicht mehr mit „Amen“. Sondern mit „oder sonst…“
Ich meine, ihr habt euch ja gut überlegt, wofür ihr betet. Nach eurer Ansicht wäre die Erfüllung eures Gebets völlig im Interesse Gottes.
Einverstanden. Aufgrund unserer Nichtganzallwissenheit, kann das auch mal nach hinten rausgehen, aber das gehört zum Lernprozess.

Vielleicht sollte Gott langsam lernen, uns zu lehren Verantwortung zu übernehmen, wofür wir beten?

Der Friseur der Nachbarin der Schwägerin von Gott

Wie beweise ich die Existenz Gottes?
Wie beweise ich die Existenz einer Person, der du noch nie begegnet bist?

 

Ein weitere Herausforderung, der sich ein Atheist immer wieder stellen muss…

Beantworte mir zunächst die folgenden Fragen:

  • Woher weisst DU, dass er existiert?
  • Dass er in diesem Augenblick noch immer lebt?
  • Hast du ihn mal getroffen?
  • Haben das auch andere?
  • Würden sie ihn wie du beschreiben?

Wenn du ihm nie persönlich begegnet bist, aber jemandem der es tat, wie würde dann diese Person die Fragen oben beantworten?
Und würde die Glaubwürdigkeit darunter leiden, wenn es der Friseur der Nachbarin der Schwägerin gewesen wäre, die ihn getroffen hat?

Vor allem wenn die Beschreibungen von verschiedenen „Zeugen“ sehr weit auseinander gehen, sollte das einen stutzig machen.
Insbesondere, wenn von der Existenz dieser Person politische Programme und sehr viel Geld abhängen.

Der liebe allmächtige liebe Gott und die Katzenlady

Nehmen wir einfach mal an, das Universum wurde von einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen und intelligentem und in keinster Weise eifersüchtigen, kleinlichen, ungerechten, nachtragenden, rachsüchtigen, blutrünstigen, frauenfeindlichen, homophoben, rassistischen, kinds- und völkermörderischen, ekligen, grössenwahnsinnigen, sadomasochistischen, launisch-boshaften Designer erschaffen. Einem lieben Gott also, der wirklich alles in seiner Macht Stehende tut, um seinen Auserwählten den Himmel auf Erden zu bereiten.
Und da dieser Gott allmächtig ist, kriegt er den Himmel auf Erden auch hin. Weil ab einem bestimmten Level an Macht es nicht mehr eine Frage des Versuchens ist, sondern des Tuns oder des nicht Tuns – und im Fall der Allmacht ist dieses Level an Macht sicherlich erreicht.

Ist da aber nicht ein bisschen zu viel Leid und Schmerz für die Menschen in der Welt für einen Himmel auf Erden?
Schwer zu sagen. Vielleicht ist das ja das absolute Minimum an Leid und Schmerz, das überhaupt möglich ist in einer Welt, wo die Menschen einen freien Willen haben.
Die einen sagen, genau so sei es, die anderen sagen „Mumpitz“.

Da uns (zur Zeit noch) die Möglichkeit fehlt das nachzuprüfen1, empfiehlt es sich anders an die Sache ran zu gehen. Und zwar mit der Katzenlady und ihren Büsis.

KatzenladyDie Katzenlady liebt ihre Katzen. Sie tut alles für sie. Sie hegt sie und pflegt sie und füttert sie mit KitKat und leckeren Babies.
Aus der Sicht der Katzen ist die Katzenlady liebevoll und fürsorglich. Dass dafür süsse Babies verfüttert werden, ist zwar traurig, doch leider unumgänglich in der einen Welt, die Katzen ein absolutes Maximum an Genuss und Wohlbefinden ermöglichen soll.
Als liebevoll und fürsorglich werden die Eltern der Babies die Katzenlady wahrscheinlich nicht bezeichnen – auch wenn sie nicht bestreiten können, dass Katzen diese Art von Futter sowohl schmeckt als auch gut bekommt.

Was wenn wir gar nicht die Lieblinge Gottes sind?
Was wenn wir nicht die Katzen sind, sondern die Babies?

Statt uns irgendeinen Grund aus den Fingern zu saugen, der erklären könnte, inwiefern es den Menschen auf lange Sicht zugute kommt, wenn ihre Babies von Katzen verspeist werden, können wir uns auch einfach mal umsehen und schauen, welche Lebewesen frei von Sorgen sind und bereits den Himmel auf Erden geniessen? Und welchen Lebewesen der ganze Ärger, zu dem uns die Katzenlady zum Wohl ihrer Lieblinge angestachelt hat, zugute kommt?

Ratten? Kakerlaken? Bazillen? …

Und erst seit wir entgegen der ausdrücklichen Warnung der Repräsentanten der Katzenlady selbst angefangen haben Katzenlady zu spielen, hat die Glückssträhne der Auserwählten einen Dämpfer erhalten.

 

***

 

 

Wie der Himmel auf Erden aussehen könnte, weiss ich nicht.
Ich weiss nur, das die Welt, wie sie sich uns zeigt, nicht der Himmel auf Erden für die Menschen ist. Dafür hat es hier zu viel Leid und Schmerz.
Ich weiss nicht, ob eine Welt mit Menschen mit freiem Willen und ohne Leid und Schmerz überhaupt möglich ist.
Ich weiss nur, dass uns die Religionen im Jenseits ein Leben ohne Leid und Schmerz in Aussicht stellen. Dass nach ihrer Ansicht eine Welt ohne Leid und Schmerz also möglich sein müsste.
Ob es in jener Welt den freien Willen noch gibt, weiss ich hingegen nicht.
Ich weiss, dass Engel gegen Gott rebelliert haben sollen.

Ich ahne aber, dass man selbst den heiligsten Menschen, um ihn himmeltauglich zu machen, irgendwie körperlich oder geistig kastrieren müsste.

Frage(n) an einen Pfarrer

Wirst du im Himmel glücklich sein?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich nicht dort bin?
Wirst du im Himmel glücklich sein, wenn du weisst, dass ich gerade unsagbare Qualen erleide?

Was müsste ich im Leben angestellt haben, damit dir der Umstand, dass ich eine Ewigkeit in der Hölle schmore, nicht den Tag verdirbt?
Jemanden umgebracht? Viele umgebracht? Sehr viele grausam umgebracht? Kinder missbraucht? Etwas gestohlen? Schweinefleisch gegessen? Masturbiert? Mich rasiert? Nicht an die Existenz Gottes geglaubt – sei es aus Trotz oder weil mir einfach die Gründe dafür nicht gut genug erschienen?

Hat Gott hierbei die gleiche Toleranzgrenze wie du?
Und was wenn nicht?

Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel die Fähigkeit genommen wird, dir über mich in der Hölle Gedanken zu machen?
Ist es okay für dich, wenn dir im Himmel egal ist, ob ich in der Hölle bin?
Ist es okay für dich, wenn du nicht weisst, dass ich in der Hölle bin?

Würdest du für mich gegen das Urteil ankämpfen und wenn nötig gegen Gott rebellieren?

Frohe Ostern!

Jesus ist also für unsere Sünden gestorben. Nun ja, nicht so richtig. Er war vielleicht klinisch, aber noch nicht so richtig mause tot. Am Montag kam er ja wieder zurück. Er hat ein Wochenende für unsere Sünden geflatlinert geopfert.
Aber nicht einfach irgendein Wochenende – das muss man ihm schon lassen -, sondern das Osterwochende! Er verzichtete für unsere Sünden auf das Ostereiersuchen1! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das für die Sünden anderer das getan hätte…

Man darf mich nicht falsch verstehen, ich bin gern bereit jemandem seine Sünden zu verzeihen, ich würde es mich lediglich nicht besonders viel kosten lassen, es tun zu dürfen.

Das hängt aber vielleicht auch davon ab, was es zu verzeihen gilt…
Ich habe auf die Schnelle vier(einhalb) Sünde-Archetypen identifiziert:

Typ 1

Wenn einer manchmal masturbiert, sich rasiert oder Helene Fischer hört und jetzt deswegen (mir gegenüber???2) ein schlechtes Gewissen hat, dann werde ich ihm erklären, A) dass ich das nicht wissen will und B) dass man sich dafür nicht zu schämen braucht. Und wenn er dennoch drauf besteht, werde ich es ihm gern verzeihen. Und wenn es ihm nur dann die erwünschte Erleichterung verschafft3, wenn ich das Verzeihen durch ein Opfer besiegle, dann werde ich (stirnrunzelnd) vielleicht auf das Bier verzichten, das ich ohne diese Episode ohnehin nicht getrunken hätte4. Ein grösseres Opfer werde ich aber höchstwahrscheinlich nicht erbringen.
Theoretisch könnte ich natürlich das Trinken des Biers als etwas furchtbares darstellen und den Humpen dann (angeblich) angewidert runterschütten, doch das erscheint mit nicht ganz ehrlich. Nichtsdestotrotz sollte man, wenn jemand „gern“ für die Sünden anderer leidet, vielleicht mal fragen, ob er es nicht auch ohne die Sünden „gerne“ tut.

Typ 2

Wenn einer mich belogen, betrogen oder bestohlen hat und jetzt deswegen mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, so werde ich ihm gern verzeihen, nachdem er alles wieder gut gemacht hat und mich davon zu überzeugen vermochte, dass er so etwas nie wieder weder mir noch irgend jemand anderem antun wird. Dass ich ihm verzeihe, bedeutet, dass ich in Zukunft diese „Jugendsünde“ nicht mehr in meine Erwägungen mit einbeziehen werde – er soll sich aber hüten, sowas nochmals zu tun.
Wenn ich das Verzeihen (ob nun auf sein oder mein Drängen hin) mit einem Opfer meinerseits kombiniere, …

… dann wirft das ein sehr, sehr seltsames Licht auf MICH!

Hier wieso: Man stelle sich vor, ein Kind stellt was an und der Vater bestraft und verzeiht. Unter welchen mysteriösen Umständen könnte es da nötig sein, dass der Vater den Akt des Verzeihens mit einem schmerzlichen Opfer seinerseits kombiniert?
Nur unter denen, dass der Vater traditionell etwas später das Kind für den gleichen Blödsinn nochmals bestraft und ihm danach erneut verzeiht. Und dann etwas später das Kind nochmals für den ursprünglichen Blödsinn bestraft und ihm dann verzeiht…

Das Opfer macht nämlich nur Sinn, wenn ich vergesslich bin und das SM-Ritual dafür sorgen soll, dass ich es ganz sicher nie wieder vergesse!

Typ 2a

Und wenn dieser Kerl von eben (der mir hoch und heilig versprochen hat, nie wieder jemanden zu belügen, zu betrügen oder zu bestühlen) jemanden belügt, betrügt, bestielt oder gar umbringt und mir gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, weil er seinen Eid gebrochen hat, dann werde ich ihm erklären, dass meine Absolution allein nicht ausreicht um wieder ein reines Gewissen zu haben. Dafür braucht es das Okay eines jeden Betroffenen und je nach Art des Verbrechens auch das der Polizei. Und das völlig ungeachtet dessen, ob ich prominent bin oder mir während des Verzeihens in den Finger geschnitten habe.

Nun ja, wenn ich mir in den Finger schneide, fluche ich für gewöhnlich. Wenn ich in einem solchen Moment jemandem grossherzig seine Fehler verzeihe, dann wäre das schon auch denkwürdig.
Andererseits stellt sich hier die alte Frage, wie weit man Aussagen Glauben schenken darf, wenn sie in einem psychologischen Ausnahmezustand formuliert wurden wie jenem, in dem man sich befindet, wenn einem der Finger blutet (geschweige denn wenn man gerade an einem Kreuz hängt)?


Wir wissen, dass Dinge, die unter Folter gesagt werden, weniger der Wahrheit entsprechen als viel mehr dem, was der Folterknecht hören will. Kreuzigung ist Folter. Wie glaubwürdig ist dann wohl das „Ich sterbe für eure Sünden“?

Gibt es nicht einen anderen Weg, als das Okay von allen Betroffenen einzuholen? Das Problem ist, vielleicht ist eins der Opfer ein sturer Bock, der mehr an Wiedergutmachung verlangt als ihm eigentlich zusteht. Kann eine Drittperson hinzugezogen werden? Oder ein Experte?

Ausschliessen möchte ich hier explizit einen naturwissenschaftlichen Experten. Wenn ein Neurochirurg belegen kann, dass eine Handlung beispielsweise allein auf das Vorhandensein eines Tumors zurückzuführen ist, dann kann diese Erkenntnis das „Verbrechen“ durchaus verzeihen. Dass ihm die Opfer böse sind, ist dann in etwa so sinnvoll, wie wenn sie dem Hagelsturm böse sind, der ihnen das Auto perforiert hat.
Natürlich werden die Opfer dennoch rachsüchtig sein und der Täter dennoch ein schlechtes Gewissen haben, von der ethischen und moralischen Seite her ist die Sache aber eigentlich erledigt.

Analog kann man auch überrissene Wiedergutmachungsforderungen zurückweisen, wenn die naturwissenschaftlichen Experten nachweisen können, dass diese pathologische Ursachen haben.

Kann eine Ethikkommission oder ein Priester (oder ein Gott) die Aufgabe des Verzeihens statt der Geschädigten übernehmen?
Ich hege da so meine Zweifel.
Ich will ja nicht bestreiten, dass man Vergebung „outsourcen“ kann, sprich dass man das Urteil eines Pfarrers darüber, ob man jemandem in einem konkreten Fall verzeihen sollte, übernehmen kann. Andererseits hat der Pfarrer aber kein Recht das Verzeihen einzufordern. Er ist also bestenfalls ein Berater.
Wenn ein Übeltäter dank der Absolution eines Pfarrers wieder ein gutes Gewissen hat, obschon die Opfer es ihm noch nicht verziehen haben, dann hat der Pfarrer seine Kompetenz überschritten.

Ich habe mal mit einem Pfarrer gesprochen, der mir erklärte, dass es auch schon vorgekommen sei, dass er beispielsweise das vom reuigen Beichtling entwendete Geld anonym wieder zurück gegeben habe. Für den Pfarrer war das okay. Und der Dieb hat die Absolution erhalten.
Aber ist das wirklich okay?
Ich will ja nicht bestreiten, dass der Beichtling seine Lektion gelernt hat und die Gefahr für alle Zukunft gebannt ist. Ich will auch nicht ausschliessen, dass die ganze Angelegenheit bereinigt werden kann, ohne dass das Opfer überhaupt merkt, dass es ein Opfer war. Doch um das beurteilen zu können, braucht es eine naturwissenschaftliche Expertise im Sinne von, dass sie nachvollzieh- und von Peers bestätigbar ist. In diesem Moment vom heiligen Geist beseelt zu sein, reicht nur, wenn es dafür ein naturwissenschaftliches Attest gibt.

Zurück zu den Leuten, die mir gegenüber ein schlechtes Gewissen haben.

Typ 3

Wenn einer nicht glaubt, was ich behaupte, und es sich dann als wahr erweist, und er jetzt deswegen (mir gegenüber) ein schlechtes Gewissen hat, dann sollte ich ihm ehrlicherweise zugestehen, dass in diesem Fall das schlechte Gewissen wohl eher ich haben sollte, weil ich es nicht geschafft habe, es ihm auf eine für ihn verständliche und nachvollziehbare Weise zu präsentieren. Oder aber dass ich (oder jemand anders) in der Vergangenheit vorsätzlich (!) so viel Mist verzapft habe, dass er es inzwischen für eine sicherere Strategie hält, nichts mehr zu glauben. In diesem Fall ist ein Opfer in Form einer Bestrafung meinerseits und ein Verzeihen ihm gegenüber durchaus angebracht, lediglich sollte nicht der Eindruck entstehen, dass er irgendwas falsch gemacht hat.

Typ 4

Und auch wenn einer das von mir in ihn gesetzte Vertrauen nicht erfüllt und jetzt deswegen (mir gegenüber) ein schlechtes Gewissen hat, ist das eigentlich mein Problem und nicht seins. Vorausgesetzt, dass der Vertrauensmissbrauch nicht von der Art ist, wie es beispielsweise der Fall ist, wenn ich jemandem meine Blumen über die Ferien zum Hüten gebe und er sie jämmerlich vertrocknen lässt – denn das gehört in die Belogen-, Betrogen- und Bestohlen-Kategorie. Sondern ich meine damit das Vertrauen, das ich in einen Pudel beim Hunderennen setze, der dann aber nicht gewinnt und dann, ob meiner Enttäuschung über sein lausiges Abschneiden, ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hat. Dass der Hund ein schlechtes Gewissen mir gegenüber hat, hat in einem solchen Fall aber weniger mit seiner Schuld zu tun als vielmehr mit meiner Fähigkeit ihn zum Sündenbock zu machen. Er konnte ja unmöglich wissen, dass ich wollte, dass ausgerechnet er gewinnt.
Wenn ich es ihm zu verstehen gegeben hätte, hätte er meine Erwartungshaltung richtig stellen (oder mich belügen) können. Aber so ist mein Verzeihen ihm gegenüber schlicht heuchlerisch und mein theatralisches Opfer soll mich insgeheim lehren in Zukunft die Finger von Hunderennen zu lassen.

Fazit

Wenn das Leiden auf Seiten des Vergebenden stattfindet, dann ist was faul. Punkt.
Wenn man masochistische Neigungen hat, darf man es aber gern so praktizieren, besondere Dankbarkeit sollte man für diese Geste aber nicht erwarten.

Ob eine Gesellschaft netter zueinander wird, wenn man sich während dem Akt des Verzeihens in den Finger schneidet, bezweifle ich, möchte es aber ohne eine entsprechende Studie nicht kategorisch ausschliessen. Ansätze für eine Studie in diese Richtung kann man im Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche sehen, wenn dort auch etwas durcheinander kam und der Sünder statt des Jesus-Stellvertreters zur Kasse gebeten wurde.

Ehrlich gesagt, bezweifle ich sogar, dass die noble Geste von Jesus am Kreuz funktioniert hat. Er hat sehr gelitten. Das schon. Es ist aber nicht so, dass uns diese von da an nicht mehr weiter nachgetragen werden. Schliesslich ist die Geburt von Kindern noch immer schmerzhaft – hab ich mir sagen lassen.

Ich meine, wenn ein Kind ungehorsam ist und der Vater zur Strafe seinem Teddybären den Arm ausreisst. Dann kann das eine „gerechte“ Strafe sein5. Und wenn das Kind dem Bären den Arm mühselig wieder annäht, dann kann es noch immer ein Teil der „gerechten“ Strafe sein, wenn er der Vater dem Bären den Arm erneut ausreisst. Zumindest so lange, bis der Vater erklärt, dass die Schuld beglichen und dem Kind vorziehen ist.
Dann wird der Bär gezeichnet sein von der langen Periode der Strafe. Und unter Umständen wird das Spiel mit ihm beeinträchtigt sein. Das sind nun mal die Konsequenzen der Strafe. Doch der Vater sollte dann – verdammt nochmal – nicht damit fortfahren dem Bären den Arm auszureissen!

Eine Frage an Katholiken, Evangeliken und all die anderen Theoliken

Jan Žižka
Jan Žižka z Trocnova, der bedeutendst Heerführer der Hussiten

Hus, Luther, Zwingli, Calvin & Co stänkerten gegen die Kirche und lösten mit der Reformation eine Lawine aus, welche Europa in Schutt und Asche legen sollte.

Die Meinungsverschiedenheiten über das, was die Kirche tun und lassen sollte, führten zu Kriegen und kosteten Millionen von Menschen das Leben. Und selbst wenn man der Meinung sein sollte, dass die Kriege nichts mit der Kirche zu tun hatten, so bleiben noch immer die katholische Inquisition und ihre Pendants der anderen Konfessionen, welche sich zumindest darin einig waren, dass die Anhänger kleinerer Gruppen wie der Täufer konsequent ermordet werden müssen.

War es das wert?
Hat es sich gelohnt, die vielen (oder wenigen) Menschen umzubringen? Sei es um sie am Ausüben ihrer Religion zu hindern oder um selbst nicht deren Religion (oder auch nur Teile davon) übernehmen (oder sehen) zu müssen? Bestand da wirklich kein Raum für Koexistenz und Kompromisse?

Klar, Gott will nicht, dass man anders an ihn glaubt. Aber will er das wirklich sogar noch weniger, als dass Menschen leiden und sterben?

Die Frage geht an alle Anhänger von friedliebenden Religionen.
Wäre es einem friedliebenden Gott nicht lieber, wenn man zu einem falschen Gott betet, als wenn man sich die Köpfe einschlägt, um nicht zum falschen Gott beten zu müssen?

Die heiligen Texte sprechen da eine klare Sprache, aber das ist „natürlich“ nicht das was sie meinen.

Wieso nicht um des Friedens willen einfach die andere Religion übernehmen? Ganz nach dem Motto: Der Klügere gibt nach.
Klar, wenn die andere Religion dann irgendwann doch verlangt, dass ich jemandem den Kopf einschlage, weil er nicht zum gleichen Gott betet wie ich, dann ist es offensichtlich nicht eine friedliebende Religion. Und dann darf ich selbstverständlich gern den Leuten, die mich zwingen, anderen den Kopf einzuschlagen, den Kopf einschlagen, um niemandem den Kopf einschlagen zu müssen.

 

Ich bin Atheist, weil die Christen es mir erlauben.
Wenn sie mich fürs Nichtglauben bestrafen könnten, würde ich alles tun, was sie verlangen – ausser jemanden für Nichtglauben zu bestrafen.
Ich mache mich über das Christentum lustig, weil die Christen es mir erlauben.
Wenn sich mich für meine Spässe bestrafen könnten, würde ich die Klappe halten – ausser wenn sie jemanden für Spässe bestrafen wollen.

Wollen mich die Christen für mein Nichtglauben und meine Spässe bestrafen können?
Sie würden nicht mit der Kalberei ihrer Religion konfrontiert werden und sie bräuchten nicht zu fürchten, dass ihre Kinder die Kalbereien ihrer Religion als solche erkennen würden.
Würde es das wert sein, mich dafür leiden zu lassen?
Findet ein friedliebender Gott es okay, wenn ich nur zwischen schweigen und leiden wählen kann?

Die Sünde, der Hass und der Glaube

Wie Gott und die Gläubigen in seinem Schlepptau den Sünder lieben und die Sünde hassen, so liebe ich die Gläubigen und hasse den Glauben.

Ich bin neugierig, wie Gläubige auf sowas reagieren?
Verstehen sie den Angriff auf das, was sie glauben, auch als Angriff auf die, die sie sind?
Nicht doch, oder?

Wenn einer meinen Atheismus für falsch hält, dann lässt mich das ziemlich kalt. Meine Ansichten über die Existenz Gottes stehen schliesslich zur Diskussion und ich halte es für durchaus möglich (wenn auch nicht für sehr wahrscheinlich), dass sie nicht stimmen. Ich bin also offen für Argumente.
Wenn einer meinen Atheismus sogar hasst, … Kann man eine Idee wie den Atheismus überhaupt hassen? Man kann sie für bescheuert, ja sogar für brandgefährlich halten und man kann ES hassen, wenn sie einem dauernd unter die Nase gerieben wird. Aber die Idee selbst hassen? Wenn sie niemand vertritt, dann könnte sie einem doch eigentlich ziemlich egal sein. Nur indem jemand eine Idee umzusetzen versucht, kann sie überhaupt erst gefährlich werden. Dafür braucht es also erst mal jemanden. Hasse ich dann aber wirklich die Idee? Und nicht viel eher den Menschen, der die Idee vertritt, weil er die Idee vertritt? Ist nicht der Mensch, der versucht die Idee umzusetzen, der eigentliche Gehasste, den ich in meinem Hass als Rache für das zugefügte Leid vernichten will? Natürlich brauche ich die Person deswegen nicht gleich umzubringen. Es reicht sie zu „kastrieren“, sprich ihr die Möglichkeit zu nehmen die verhasste Idee weiter zu verbreiten. Allerdings ist eine um eine Idee beraubte Person nicht mehr die gleiche Person. Unter dem Strich dürfte es also nahezu unmöglich sein, den Hass gegenüber einer Idee von der Person, die diese vertritt, trennen zu wollen. Aber egal. Wir praktizieren Nächstenliebe und mit der ist alles möglich…
Wenn also einer meinen Atheismus hasst, weil er diesen für eine Gefahr für seinen Glauben hält, dann ändert auch das nichts an meiner Haltung. Höchstens, dass ich bei einer Diskussion mit ihm ausserhalb seiner Steinwurfdistanz zu bleiben versuchen werde.
Wenn einer meinen Atheismus hasst, weil ich wegen diesem unschuldige Babies zur Frühstück esse, dann … hm … ernsthaft?

Wenn allerdings einer Doctor Who für Mumpitz hält, dann lässt das – unter der (durchaus plausiblen) Voraussetzung, dass die Qualität von Doctor Who objektiv gegeben ist – nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist er ausgesprochen blöd, weil er die objektive Grandiosität nicht erkennt. Oder ich bin ausgesprochen blöd, weil ich nachweislichen Mumpitz für Grandiosität halte. Meine Überzeugung, dass Doctor Who grandios ist, steht nämlich nicht zur Debatte.
Selbstverständlich fühle ich mich nicht beleidigt, wenn jemand sagt, dass Doctor Who doof sei. Wieso sollte ich, schliesslich ist seine Aussage viel mehr ein Coming-Out in Sachen Blödheit. Und das kann man keinem Menschen übel nehmen.
Anders sähe die Sache vielleicht aus, wenn ich leise(!) Zweifel an der Qualität der Serie hegen würde (welch absurder Gedanke!), dann wäre eine Kritik an ihr selbstverständlich Salz in einer offenen Wunde. Und da könnte man wohl mit der Zeit schon ein bisschen aggressiv werden…
Interessanterweise bräuchte ich mir der Zweifel noch nicht mal wirklich bewusst zu sein. Ich kann überzeugt sein, dass mein Glaube felsenfest sei. Es reicht, wenn meine aus der Serie abgeleiteten Erwartungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Oder nur in mühseliger Interpretation mit ihr in Übereinstimmung gebracht werden können. Allerdings würde die Enttäuschung, dass die Sache nicht von Anfang an so formuliert wurde, wie ich es mit Hilfe von rhetorischen Tricks zum Ausdruck zu bringen versuche, mehr als wett gemacht durch den Effekt, dass die mentale Anstrengung, die ich in diese Verteidigung gesteckt habe, mich umso mehr an deren Wahrheitsgehalt glauben lässt. Vom Zweifeln ist im Fall des nicht bewussten Zweifels also weit und breit nichts zu sehen. Nur die gerechte Wut könnte einen stutzig machen…

Und wenn einer Vanille-Eis besser findet als Schokoladen-Eis, dann ist mir auch das egal, weil es Geschmacksache ist und ich weiss, das Geschmäcker verschieden sein können und folglich zu verschiedenen Priorisierungen von Eissorten führen.

Wir haben es also mit drei Arten von Ideen zu tun:

  1. Ideen, deren objektiver Wahrheitsgehalt noch nicht endgültig bestimmt ist. (z.B. Der gemeinsame Vorfahre von Elefant und Fledermaus lebte vor 90 Millionen Jahren.)
  2. Ideen, deren objektiver Wahrheitsgehalt endgültig bestimmt ist. (z.B. Elefanten sind grösser als Fledermäuse.)
  3. Ideen, die keinen objektiven Wahrheitsgehalt haben. (z.B. Elefanten sind schöner als Fledermäuse.)

Die Wissenschaft macht es sich einfach und steckt alle Ideen in die erste Kategorie.
Die Religion macht es sich auch einfach und steckt alle Ideen in die zweite.

Ich neige natürlich sehr zur Vorgehensweise der Wissenschaft, doch ich muss durchaus eingestehen, dass das nicht immer unproblematisch ist.
Alles für noch offen zu halten, ist nicht ideal, weil es für ein harmonisches Zusammenleben schon etwas Stabilität braucht. Man sollte sich darauf verlassen können, dass Regeln und Werte auch morgen noch gelten. Allerdings ist es schon auch nicht schlecht, wenn nachweislich üble Regeln und Werte es übermorgen nicht mehr tun.
Wenn man stattdessen alles in die zweite Kategorie steckt, dann können Regeln und Werte gar nicht nachweislich übel sein. Denn der einzige Grund, dass sie gerechtfertigterweise in der zweiten Kategorie sind, kann nur sein, dass sie von einem vertrauenswürdigen und unfehlbaren Wesen offenbart wurden1. Und wenn die Regeln und Werte optimal sind, dann werden sie auch das gewünschte Ergebnis 2 herbeiführen. Allerdings nur dann, wenn sich auch wirklich alle dran halten3.
Und wenn man weiss, welches der richtige Weg ist, dann ist kein Opfer zu gross, diesen durchzusetzen, weil egal wie gross das Opfer ist, wenn täglich 380’000 Menschen geboren werden, dann hat man das Leid ziemlich schnell amortisiert. Zur Illustration (und als als Demonstration, dass diese Art von Denken Gott nicht fremd ist): Während der Sintflut sind schätzungsweise 10 Millionen Menschen samt ihrer unverbesserlichen (?) Lasterhaftigkeit von der Erde getilgt worden. Denn ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen und soll abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Damit wird Platz für besseres gemacht. Und die „Verluste“ hätte man heute in knapp einem Monat wieder drin. Und natürlich kann man Menschenleben einfach so gegeneinander abwägen, schliesslich ersetzte Gott die sieben Söhne und drei Töchter von Hiob, die er sterben liess um Satan irgend etwas zu zeigen, durch neue sieben Söhne und drei Töchter.

Das heisst, auch wenn Gott die Sünde hasst und den Sünder liebt, so bekämpft er die Sünde, indem er die Sünder über die Klinge springen lässt, weil damit verhindert wird, dass sie mit der sündigen Idee weitere Menschen zu Sündern machen.

Wie man es auch dreht und wendet, die Deontologie ist eben doch konsequentialistisch – bloss dass man das Abwägen und Beurteilen der Konsequenzen „beyondsourct“.

Grandma accidentally prays to Elrond from Lord of the Rings

Eine Brasilianerin betete jeden Tag inbrünstig zu einer kleinen Elrond-Figur, in der Annahme sie stelle Sankt Antonius dar, den Schutzheiliger der Frauen und Kinder, der Liebenden, der Ehe, der Pferde und Esel.

Eine gewisse Ähnlichkeit ist tatsächlich nicht zu leugnen. Ist sie aber gross genug, dass der heilige Antonius über der Irrtum hinwegsehen und ihre Gebete erhören kann?
Wie tolerant sind die Schutzheiligen eigentlich?
Wie viel Unähnlichkeit lassen sie gerade noch durchgehen?
Ab wann werden sie muffig?

Wäre Pippin auch noch drin gelegen? Ist ja aus dem gleichen Epos und zumindest kein Ork.
Oder Bob Marley? Die Oma war doch Brasilianerin, vielleicht eine Dunkelhäutige, und die Götter und Heiligen werden schliesslich gern hautfarblich angepasst.

Oder dürfte man vielleicht sogar eine Esel-Figur für den heiligen Antonius halten? Immerhin ist er ja auch der Schutzheilige der Esel.

Wenn man sich mit seinen Sorgen an den Antonius wendet, dann sollte es eigentlich egal sein, wessen Bildnis einem dabei hilft sich voll und ganz auf ihn einzustimmen. Sollte er sich durch solche Äusserlichkeiten beleidigt fühlen, dann hat er definitiv Hybris-Issues und wäre wohl kaum des Heiligenscheins würdig.

Wenn es aber die Heiligen den Betenden nicht übel nehmen, dass sie falsche Heiligenfigürchen verwenden, wieso schafft es dann Gott nicht, das Gebet zu einem anderen Gott grosszügig als eigentlich an ihn gerichtet zu verstehen? Genau wie im einen Fall die Betenden Opfer von einem dilettantischen Künstlers wurden, sind sie es im anderen von falsch informierten Erziehern. Man kann den Leuten doch nicht etwas übel nehmen, was sie nicht besser wissen konnten.

 

Ist euch übrigens schon mal aufgefallen, dass der heilige Antonius (von Padua) (* ca. 1195, † 13. Juni 1231) auf Abbildungen oft neben dem Jesuskind auch oft einen Rosenkranz mit einem Kreuz trägt? Ist das nicht makaber? Einem Baby das Werkzeug vor die Nase zu halten, mit dem es dann mal zu Tode gefoltern wird?

Superman als Gott

Wieso wird Superman in Metropolis eigentlich nicht angebetet? Er erfüllt so ziemlich jedes Kriterium um ein Gott zu sein: Er hat Röntgenaugen, ist stark und in seinem Bestreben gut zu sein, nicht besonders effektiv1.

 

 

Mir ist eben aufgefallen, dass die Kombination Allmacht + Allwissen + Allgüte von der Allmacht alleine nicht zu unterscheiden ist.
Schon mit Taschenspielertricks bin ich fähig jeden dazu zu bringen, dass er beschwört, dass ich alles schon vorher wusste.
Und mit genügend Macht bin ich fähig jeden zu zwingen, meinen moralischen Kompass zu übernehmen.
Um den Eindruck von Allwissen und Allgüte zu vermitteln braucht es nicht viel. Nur etwas Macht.

Wie Allmacht sieht es aus, wenn alle Menschen glauben, dass ich Gott bin.2 Dafür braucht es schon etwas mehr Macht – aber auch längst nicht alle.

Definitiv keine echte Allmacht hingegen ist, wenn auch nur ein einziger Mensch entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch nicht glaubt, dass ich Gott bin.

Will Gott, dass ich an ihn glaube?
Kann ich mich von Gott abwenden, wenn ich weiss, wer er ist? So wie Satan und ein Drittel der himmlischen Heerscharen es tat?
Sich mir als Gott zu offenbaren, schränkt meine Willensfreiheit in keinster Weise ein.

Wenn ich (grosszügig) zulasse, dass auch nur ein einziger an meiner Göttlichkeit zweifelt, dann setze ich meine Allmacht nicht ein. Das ist okay. Das darf ist. Allerdings gibt es dann keine Garantie dafür, dass ich tatsächlich über Allmacht verfüge… Es könnten stattdessen auch Taschenspielertricks sein, mit denen ich gerade genug Menschen übers Ohr haue, dass ich mir einen angenehmen Lebensstil leisten kann.

Ausübung des freien Willens

Wenn man Christen fragt, wieso Gott Menschen in Not nicht hilft, dann erklären sie, dass der liebe Gott uns einen freien Willen gegeben hat und er uns so sehr liebt, dass er uns diesen auch lässt. Mit allen – bisweilen traurigen – Konsequenzen.

Wenn also ein Psychopath sein Opfer foltern und umbringen will, dann kann Gott das Opfer leider nicht retten, ohne damit den Peiniger in der Ausübung seines freien Willens zu behindern.

Wenn ich aber mit der Absicht meinem tristen Leben ein jähes Ende zu setzen von einem Kreuzfahrtschiff springe, mir dann aber beim Anblick des unbeirrt weiter tuckernden Dampfers die Sache nochmals überlege, dann würde die von Gott verliehene Fähigkeit übers Wasser laufen zu können mich nicht in der Ausübung meines freien Willens behindern.

Der einzige, dessen freier Wille dadurch vielleicht ein bisschen missachtet würde, ist derjenige, der nicht will, dass es Wunder gibt1. Sein freier Wille würde damit aber genau so fest ignoriert wie meiner, der ich (sehr inbrünstig) nicht will, dass es Fenchel gibt. Ich denke, den kann Gott getrost ignorieren ohne damit gleich den Heilsplan aufs Spiel zu setzen.

Insbesondere da es noch das hier gibt:

atheistpig_freewilly

 

Gottes Liebe

Hier werden manche Christen einwenden, dass Gott ALLE Menschen liebt und damit die Sache als erledigt betrachten. Dabei übersehen sie aber völlig, dass Gottes Liebe tatsächlich wertlos ist, er sich wie eine verzogene High School Tussie benimmt und die Bibel ein beschämendes Zeugnis darüber ist, dass er im Unterricht nicht aufgepasst hat. (Daraus, dass eine Prämisse falsch ist, folgt nicht, dass die Konklusion nicht wahr sein kann. vgl. Fehlschluss-Fehlschluss)

Liebt Gott alle Menschen gleich fest? Und auf die gleich Art?

Wenn er manche Menschen mehr liebt als andere (und die Vorstellung, dass er ein auserwähltes Volk hatte, legt diese Schlussfolgerung zumindest für einen Grossteil der biblischen Menschheitsgeschichte durchaus nahe), dann macht man den Schnitt einfach zwischen mehr lieben und weniger lieber statt zwischen lieben und nicht lieben und schon funktioniert das Argument wieder.

Wenn er aber manche liebt wie ich Erdbeerknödel und andere wie ich die Bücher von Douglas Adams und wieder andere wie ich meinen Bruder und wieder andere wie ich meine Frau und wieder andere wie ich meine Tochter, dann funktioniert das Argument noch immer. Insbesondere, wenn die Entscheidung auf welche Art an Bedingungen geknüpft ist, wie in meinem Fall bei den Erbeerknödeln in deren Knödeligkeit oder bei Douglas Adams an seiner einzigartigen Fantasie.
Wichtig ist hierbei vor allem auch, dass die Liebe es mir im einen Fall erlaubt das Objekt meiner „Begierde“ zu kochen und zu essen, in den anderen Fällen jedoch explizit nicht1. Und selbst wenn mich die Liebe schweren Herzens zwingt, der geliebten Person, weil sie es sich wünscht, Leid zuzufügen, dann werde ich es mir nicht nehmen lassen, immer mal wieder nachzufragen, ob sie es sich inzwischen nicht anders überlegt hat2.
(Hat sich übrigens schon mal einer überlegt, ob Himmel und Hölle nicht einfach nur Zubereitungsarten sind für ein göttliches Gelage, an dem wir nicht als Gäste teilnehmen?)

Oder aber Gott liebt uns in einer allein Gott möglichen Art, die ALLEN Menschen (und Tieren? und Pflanzen? und Pilzen? und Stramenopile? und Protozoen? und Bakterien? und Ausserirdische?) auf die gleiche Weise und mit der gleichen Inbrunst zuteil wird. Eine Art von Liebe, die es ihm ermöglicht die Ewigkeit manchen zum Paradies und anderen zur Hölle zu machen.
Allerdings ist auch hier die Liebe wertlos. Vielleicht sogar noch viel weniger, weil Liebe gewissermassen eine Art von Priorität darstellt3. Und wenn ich allem die gleiche Priorität gebe, dann gibt es keine Prioritäten.

Pontifex-Dialoge: Das Universum

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

20. Juni 2017

Papst Franziskus @Pontifex_de
Das Universum ist mehr als ein wissenschaftliches Problem; es ist ein freudvolles Geheimnis, Ausdruck von Gottes Liebe zu uns.

„Das Universum ist mehr als ein wissenschaftliches Problem“. Damit ist wohl gemeint, dass das Universum mehr zu bieten hat, als die Wissenschaft zu erklären vermag1.
Das Universum ist also die grosse Bühne, auf der sich Wundersames ereignet.

Mit Hilfe der Wissenschaft durchschauen wir indessen nach und nach die Tricks, die dahinter stecken. Vieles von dem, was früher unbegreiflich war, haben wir inzwischen begriffen.
Wie viel von den, was noch immer unbegreiflich ist, auf immer unbegreiflich bleiben wird, wissen wir nicht. Und wir wissen auch nicht, ob der unbegriffene Rest am Ende unbegreiflich bleiben wird aufgrund unserer beschränkten Zeit und Fähigkeiten oder weil es da einfach nicht mit rechten Dingen zugeht, was der einzige Grund ist, warum etwas prinzipiell nicht verstanden werden kann.
Der Papst geht offensichtlich davon aus, dass ein Teil auf ewig2 ein Mysterium bleiben wird. Nicht etwa, weil er Gründe dafür hätte, dass zu glauben, denn wir haben noch nie etwas beobachtet3, was nicht mit rechten Dingen zugegangen wäre, sondern weil er es glauben will.

Hinzu kommt, dass die Religionen eine gewisse Reputation darin haben, Fragestellungen, welche vermeintlich Unbegreifliches begreiflich machen könnten, sicherheitshalber zu unterbinden. Zum Wohl des allgemeinen Seelenheils wohlgemerkt, denn aus dem Verschwinden des Unerklärlichen könnte man nur allzu leicht auf das Nichtvorhandensein des Unerklärlichen schliessen. Und das, obwohl es ja einen sehr überzeugenden Grund dafür gibt, dass es das Unerklärliche tatsächlich gibt: der Papst wünscht es sich so sehr. Und wer sind wir, ihm diesen Wunsch auszuschlagen?
Natürlich verbieten Religionen nicht die Wissenschaft. Es ist nur so, das das Seelenheil Priorität hat. Wenn die Erforschung (und Enträtselung) der Wundersamkeit des Universums den Glauben4 stärkt, sehr gut, wenn es ihn jedoch zersetzt, ist die Ignoranz ein Segen. Zu welcher Kategorie Sie gehören, erfahren Sie bei Ihrem zuständigen Priester5.

Da ist aber noch was anderes. Der Weltraum, aus dem das Universum besteht, versucht uns zu töten!

Und selbst zuhause kommen wir nur mit einer stattlichen Portion Glück über die Runden: wenn Global Killer uns verfehlen, sich keine Supernovas in unserer Nachbarschaft ereignen und wir nicht zufälligerweise einer hypergalaktischen Umgehungsstrasse im Weg stehen.
Das Universum, die freudvolle Bühne, ist ein Minenfeld.
Die hübsche Anordnung von Landminen und deren elegante Bauweise macht sie nicht wirklich zu einem Liebesbeweis.

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Es ist das gleiche Problem wie Krokodile, Vulkane und HIV. Ziemlich tödlich. Ausdruck von Gottes Liebe für uns. Amen?

Der Papst sieht das Universum als eine Herausforderung. Die Konfrontation mit ihm lässt uns gleichermassen intellektuell wie spirituell wachsen. Und eine spannende, knifflige Herausforderung ist durchaus etwas, was ein liebender Vater seinem Kind bieten würde. Bloss dass ein Scheitern lieber nicht den Tod (und ewige Höllenqualen) nach sich ziehen sollte. Und selbst nur so zu tun, als ob ein Scheitern tödlich wäre, ist nicht unproblematisch, wenn man nicht will, dass das Kind ein Trauma davon trägt.
Zur spannenden und kniffligen (und tödlichen) Herausforderung des liebenden Vaters scheinen folgende Extras zu gehören: Man muss sich beim Ergründen der Geheimnisse des Universums gegen die Angriffe der Vertreter des Vaters behaupten, von denen man weiss, dass sie in der Vergangenheit ziemlich grausam mit Leuten umgegangen sind, die sich gegen sie zu behaupten versuchten. Obwohl nur die wissenschaftliche Methode verlässliche Ergebnisse liefert, ist man verpflichtet auch andere Methoden zu benutzen und deren Ergebnisse zu akzeptieren. Man weiss nicht, ob die Vorbilder, die man hat, im Sinne des Vaters erfolgreich waren oder gescheitert sind. Und der Vater schreckt nicht vor Gewalt und Bildern auf Toastbroten zurück um einen gutgemeinte Hinweise zu geben.

Eda Gregr @meskinaw @Pontifex_de Zeitbomben als Ausdruck von Gottes Liebe, auf dass es vielleicht einem von uns gelingt, sie zu entschärfen.

So ein Szenario ist nur dann ein Beweis für die Liebe Gottes, wenn ich allein das Versuchsobjekt bin und alle anderen Statisten. Dann haben die anderen vor mir, die die Zeitbombe zu entschärfen versuchten, nämlich nicht einfach Pech gehabt, sondern sie waren Teil einer Inszenierung, die mich in die richtige „Stimmung“ versetzte innerhalb der Herausforderung, an der ich wachsen soll.

Dies zeigt übrigens wieder einmal, dass Computerspiele in der Theologie noch immer nicht die Beachtung finden, die sie eigentlich verdienen. Computerspiele als ein Abbild dessen, was uns die Religionen als göttlichen Plan verkaufen wollen: Wir werden in eine Welt geschleudert, in der wir uns behaupten und aus der wir erfolgreich entkommen müssen. Und Freud und Leid und Tod im Spiel sind nur zu unserer Unterhaltung ausserhalb des Spiels da. Gruselige Zombies sind ein Liebesbeweis der Entwickler an den Käufer.
Und im Multiplayer-Modus: Indem der Erfolg des einen Spielers den des anderen einschränken kann, entsteht eine Selektion, wo es Gewinner und Verlierer gibt. Und ob es diese Linie gibt und wo sie liegt gänzlich in der Macht des Spiel-Designers. Dieser kann dann gern noch ein Feature einbauen, welches den Spieler, wenn er nicht erfolgreich ist, auch ausserhalb des Spiels tötet. Doch dann sollte er die Entscheidung, ob man das Spiel spielen will, dem Spieler überlassen. Andernfalls kommt er wohl nicht damit durch, dass er das Spiel aus Liebe für die Spieler entwickelt hat:
Wenn du dir wünschst Russisch Roulett zu spielen, dann kann es ein Akt der Liebe sein, dir den Revolver zu geben.
Wenn du es aber nicht spielen willst, dann ist es kein Akt der Liebe, dir den Revolver zu geben und dich zu zwingen abzudrücken.

Mit dem Wechseln von Diesseits- und Jenseitsperspektive machen uns die Apologeten nur kirre. Doch unter dem Strich bleibt, dass entweder die Regeln gelten, die in den heiligen Büchern stehen, dann ist Gott ein alles andere als liebenswürdiger Kerl. Oder es gelten eigentlich andere Regeln, doch dann ist Gott nicht das, was über ihn in den heiligen Büchern steht.

Überlegt euch mal, was Lara Croft über den Designer ihrer liebevoll kreierten Weltdenkt. Ist es das gleiche wie der Tomb Raider Spieler?


Disclaimer: Diesen Artikel habe schneller geschrieben als sonst üblich, deshalb hat’s vielleicht ein paar mehr nicht ganz nachvollziehbare Gedankensprünge. Sollte Klärungsbedarf bestehen, werde ich mich gern nochmal dahinter klemmen.


Kurzer Nachtrag. Als Antwort auf den Tweet den Papst postete Mathilde Hei das Bild einer Galaxie mit dem Kommentar: „Es ist prachtvoll. Gott ist das Zentrum!“

Das Universum hat kein Zentrum.
Das auf dem Bild ist eine Galaxie, von denen es Abermillionen gibt.
Und das in der Mitte der Galaxie ist ein schwarzes Loch.
Soviel zur Freude die Geheimnisse des Universums zu enthüllen.