Eda Gregr
15.04.2017 um 15:35

 

ALLE Kriege stoppen??
Geht das überhaupt?

Aufhören die Anderen umzubringen. Das ist machbar. Sogar ziemlich schnell. Einfach die Waffen nicht mehr benutzen. Und diese – nur für alle Fälle – in die (dafür vorgesehenen Recycling-)Tonnen werfen. Dafür braucht es keine 365 Tage.
Aufhören die Anderen umbringen zu wollen. Das ist der schwierige Teil.

Selbst wenn wir das Problem, dass womöglich zu viel geschehen ist, um dem Anderen einfach so verzeihen zu können, beiseite lassen, so bleibt doch die Meinungsverschiedenheit bestehen, welche – weil sie nicht auf eine für alle Seiten akzeptable Weise aufgelöst werden konnte – überhaupt erst zum Krieg geführt hat. Die Meinungsverschiedenheit kann darüber bestehen, wem ein gewisser Landstrich gehört, wieviel ein verzweifelt benötigtes Produkt kosten darf, welchen Gott man anbeten soll oder ob man eine unbeliebte Bevölkerungsgruppe einfach eliminieren kann.
Ich will nicht bestreiten, dass man sich in viel zu vielen Fällen nicht genug Mühe gegeben hat, einen Kompromiss zu finden. Manchmal gibt es allerdings auch keinen Raum für Kompromisse. Wenn ein Land alle Juden vernichten will, dann ist auch selbst nur die Hälfte nicht akzeptabel.

Oder vielleicht doch?
Die Organisation, in welcher der Freund, der am 1. Januar auf Facebook den Aufruf alle Kriege zu stoppen gepostet hat, als Funktionär tätig ist, hält beispielsweise den an den Amalekitern verübten Genozid für okay. Und diese Organisation wird gemeinhin als Hüter der Moral des Abendlandes betrachtet! Was dann wohl heisst, dass wenn es darum geht eine verfahrene Meinungsverschiedenheit beizulegen, der moralisch akzeptable Handlungsspielraum erstaunlich gross sein kann…

Wenn wir also den Krieg mit dem IS beenden wollen, welche Kompromisse sind wir bereit dafür einzugehen?
Opfern wir die Frauen- und die Schwulenrechte?
Kein Problem. Die sind dem Hütern der Moral eh schon lange ein Dorn im Auge.
Übernehmen wir Sharia und den Wahabismus?
Sharia okay, schliesslich umfasst sie mehr oder weniger die gleichen Regeln, wie sie auch im Handbuch jener Organisation zu finden sind. Aber zum Islam konvertieren? Ausgeschlossen! Nicht mal wenn sich damit ein Blutbad verhindern liesse! Oder vielleicht sogar eben gerade deshalb nicht, weil es ein Blutbad verhindern würde? Nichts unterstreicht schliesslich Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit besser der geschundene, blutige Körper eines Märtyrers.

Von daher bin ich mir – ehrlich gesagt –  nicht ganz sicher, wie ernst das mit dem Frieden gemeint ist. Getötete Missionare heilig zu sprechen, erscheint mir nicht gerade förderlich für den bitter nötigen Dialog, wenn diese von der anderen Seite als Provokateure betrachtet werden.

Nun ja, vielleicht sollten wir uns lieber nicht an Religionen orientieren, wenn wir Kriege beenden wollen. Schliesslich verdankt sich ihr kompromissloses Einstehen für den Frieden weniger ihrer Menschenliebe, als viel mehr dem Umstand, dass man es ihnen seit der Aufklärung einfach nicht nicht mehr erlaubt, offen zur Gewalt aufzurufen…

 

ALLE Kriege stoppen??
Klar! Aber zu welchem Preis?

Es gibt bekanntlich Dinge, die man nicht tolerieren darf.
Darin sind sich alle einig. Nicht ganz so einig sind sich alle jedoch darin, welche Sachen das konkret sind, die nicht toleriert werden dürfen. Das unterscheidet sich von „Kultur“ zu „Kultur“. Was dem einen bis zum äussersten schützenswert erscheint, mag für den anderen bis zum äussersten nicht tolerierbar sein.
Und da gibt es schnell mal keinen Spielraum für Kompromisse.

Allerdings – quasi als Silberstreifen am Horizont – neigen die Menschen im grossen und ganzen zum Prinzip „Leben und Leben Lassen“. Wenn man sie nicht zum Gegenteil anstachelt (sei es aus wirtschaftlichen, folkloristischen oder religiösen Gründen), ist es ihnen eigentlich ziemlich egal, was die Anderen treiben.
Die Anderen sind übrigens alle, die nicht zur Familie gehören. Und das ist im übertragenen Sinn die dunkle Wolke vor dem Silberstreifen am Horizont, denn die Anderen können das eine oder andere moralisch nicht so gefestigte Familienmitglied auf doofe Gedanken bringen. Und in einem solchen Fall muss man aktiv werden. Dass Fremde den Weg zur Hölle beschreiten, ist zwar bedauerlich, aber sie sind frei, es zu tun. Wenn aber einem Schutzbefohlenen eine solche Gefahr droht, sieht die Sache gaaanz anders aus…

Um alle Kriege zu stoppen, muss man alle auf die gleiche Seite kriegen. Man muss dazu nicht in jedem Punkt einer Meinung sein, aber die Spielräume für Kompromisse der Meinungen müssen eine Schnittfläche haben.
Ich mag mich irren, aber mir scheint es plausibel, dass dafür Meinungen prädestiniert sind, die einen grossen Spielraum für Kompromisse haben. Und auch wenn Religionen selbst den Genozid an von Gott gehassten Völkern zu akzeptieren bereit sind, denke ich, dass sie grundsätzlich zu eher engen Spielräumen neigen…

 

ALLE Kriege stoppen??
Indem wir diesen Auftrag nicht nur liken, sondern teilen! ♥♥♥

Ich nehme an, weil einen Facebook-Posts zu teilen wesentlich schneller den Frieden herbeiführt als wenn man ihm bloss likt. Wohl weil Teilen eine christliche Tugend ist?
Ich frage mich, über welchen Mechanismus das funktionieren soll?
Wenn der Post ein simples Rezept für ein waffenzersetzendes Gas enthalten würde, könnte ich es mir vorstellen.
Oder wenn das Bild mittels neurolinguistischer Programmierung die Aggressivität beim Betrachter nachhaltig senken könnte.
Aber einfach durch das Teilen eines Mems, dem wir eh alle eigentlich grundsätzlich zustimmen? Wohlgemerkt, das Mem enthält nicht den geringsten Anhaltspunkt darüber, wie man das konkret bewerkstelligen soll. Auf die übliche Weise, also dass man den Krieg ein für alle Mal zu beenden gedenkt, indem man ihn gewinnt, funktioniert es ja offensichtlich nicht so gut.

Also durchs Teilen/Liken! Was sowas wie Beten ist: Man unterstreicht dadurch seinen dringenden Wunsch und hat das Gefühl etwas Gutes getan zu haben ohne dabei selbst aktiv werden zu müssen.
Allerdings… Teilen/Liken wird im Gegensatz zum Beten nachweislich erhört!
Nicht von den Kriegstreibern (zu denen wir mit unseren wirtschaftlichen Interessen eigentlich auch selbst gehören.) Auch nicht von Gott. Aber durchaus von den Algorithmen… Und die antworten sogar. (Noch) nicht indem sie den gewünschten Frieden herstellen, dafür aber indem sie uns mehr von solchem Zeug und dazu passender Werbungen zeigen…

 

Aber okay, stoppen wir ALLE Kriege!!
Wir haben 365 Tage Zeit dafür.
Wieso nicht 234 Tage?
Oder 42?

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Eda Gregr
19.03.2014 um 15:52

Auf Facebook kriegt man Nachrichten und Sonstiges.
Im Ordner des letzteren habe ich folgendes gefunden:

Zwei „atheistische“ Flöhe Gustav und Adolf streiten miteinander … Gustav ist der felsenfesten Überzeugung dass es Hunde gibt, dies aber bestreitet Adolf in ungebremster Entschiedenheit. Adolf sagt „Hast du Gustav je in deinem ganzen Leben einen lebendigen Hund gesehen ?“ Gustav darauf: „Nein aber dennoch gibt es sie…du musst mir einfach glauben…es gibt wirklich Hunde…viele sogar…“ Adolf wird immer wütener und in seinem Zorn haut er Gustav eine runter…so geht der Streit immer weiter, Hunde selbst haben Gustav und Adolf, die zwei Flöhe im Pelz eine Hundes wirklich noch nicht gesehen, denn dafür sind sie viel zu klein und sehen viel zu schlecht….

Der Physiker Prof. Dr. Hans Peter Dürr, Nachfolger Werner Heisenbergs als Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts, Gewinner des alternativen Nobelpreises und seit 2004 Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, beantwortete die Frage „Was hat die Wissenschaft mit der Wirklichkeit zu tun?“ einmal wie folgt: „Ein Mann sitzt am Ufer eines Flusses und fängt Fische. Ein Wanderer kommt vorbei und fragt ihn, „Was tust Du da?“ „Ich fange Fische.“ „Was kannst Du über die Fische aussagen?“ „Sie sind alle mindestens 5 cm lang.“ Der Wanderer lässt sich das Netz zeigen. Es hat Maschen mit einem Umfang von 5 cm. Daraufhin sagt er: „Wenn es kleinere Fische als 5 cm gäbe – und ich meine, solche gesehen zu haben -, so könntest du sie nicht fangen, sie würden durch dein Netz hindurch schlüpfen.“ Darauf der Fischfänger mit Selbstbewusstsein: „Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch.“ So arbeitet unsere Wissenschaft. (mitdenkend.de)

Blessuall Baba, 22.02.2014 00:43

Da Blessuall Baba den Text genau so, wie er ist, aus dem Blog ohnegottistallessinnlos.de kopiert und an den verschiedensten Orten im Web gepostet hat, halte ich es für gerechtfertigt öffentlich auf ihn zu antworten.

  1. Inwiefern ist es von Belang, ob es „atheistische“ Flöhe sind? Wenn sich der Atheismus auf die Existenz Gottes bezieht, dann ist das eine genauso nützliche Information in diesem Zusammenhang, wie dass der eine Floh grüne Socken trägt. Wenn sich der Atheismus jedoch auf die Existenz des Hundes bezieht – dann wären es wohl eher „acanistische“ Flöhe, doch dann stimmt das für den einen Floh, aber offensichtlich nicht für den anderen. (Natürlich immer Vorausgesetzt, dass die beiden Flöhe auch tatsächlich auf einem Hund und nicht auf einem Lama leben.)
    Was also ist die Intention dieser Erwähnung? Aufmerksamkeit unter Atheisten erhaschen? Atheisten zu Flöhen degradieren?
  2. Dazu würde auch passen, dass nur der „acanistische“ Floh gewalttätig wird und dass dieser Adolf heisst und damit Assoziationen weckt, die eine unvoreingenommene Analyse dieser Geschichte weitgehend verunmöglichen.
    Was also ist die Intention den „acanistischen“ Floh Adolf zu nennen und den „canistischen“ nicht Winston?
  3. Beide Flöhe haben auch noch nie ein Einhorn gesehen. Für dieses gibt es ebenso wenig Evidenzen wie für den Hund. Warum ist Gustav dann ein „Canist“ und kein „Unicornist“? Adolf macht da keinen Unterschied.
    1. Ein Atheist sagt nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern er sagt nur, dass er erst dann die Existenz akzeptieren wird, wenn berechtigte Gründe dafür sprechen. Und selbst die Theisten anerkennen, dass es solche Gründe nicht gibt. Deshalb kommt auch der Akt des Glaubens zum Einsatz.
    2. Es liegt nicht am Atheisten die Nichtexistenz zu beweisen. In der Beweispflicht liegt nämlich immer der, der die Existenz von etwas behauptet.
    3. Die Nichtexistenz kann nämlich gar nicht bewiesen werden – zumindest so lange nicht, wie man keine komplette Kenntnis von Allem hat. Daraus, dass ich noch nie ein Einhorn gesehen habe, folgt nicht, dass es keine gibt.
    4. Der Begriff „Beweis“ muss indessen vorsichtig verwendet werden. Es ist eher der Prozess des Nachweisens als das endgültig und unumstössliche Nachweis selbst. Letzteren gibt es in der Wissenschaft nämlich eigentlich gar nicht. Wenn etwas als von der Wissenschaft bewiesen gilt, dann heisst das nur, dass das Modell nicht widersprüchlich ist und dass seine Vorhersagen besser sind als die vergleichbarer Modelle.
      .
  4. Nur zur Klarstellung: Die Parabel, die Dürr erzählt, stammt nicht von ihm, sondern von Arthur Eddington, und Dürr kommentiert sie nur um zu Veranschaulichen, wo die Grenzen der wissenschaftlichen Methode liegen. Darüber hinaus ist der Wortlaut hier so zugespitzt, dass er auf eine dem Autor genehme Art missverstanden wird.
  5. Die bessere Vorhersagekraft eines Modells entspricht gewissermassen der Maschengrösse des Ichthyologen. Und man sollte festhalten, dass jede Theorie sehr genau über ihre Maschengrösse bescheid weiss: Sie gibt sie mit einem Fehlerwert an.
    Und die Theorie, die bestehende dereinst ersetzen wird, wird eine kleinere Maschengrösse haben und dadurch völlig neue Dinge entdecken. Diese neuen Erkenntnisse werden die bereits vorhandenen jedoch nur begrenzt relativieren, denn das kleinmaschige Netz erwischt auch die Sachen, die schon vom grossmaschigen Netz gefangen wurden.
    Doch hier gilt genau wie bei den Flöhen: Was ich nicht fange, darüber darf ich keine Aussagen machen.
    .
  6. By the way: Man sollte sich nicht von Titeln blenden lassen. Es haben auch schon Nobelpreisträger völligen Blödsinn von sich gegeben. Vor allem dann, wenn sie Aussagen zu Themen machen, in denen sie wie ich keinen Nobelpreis gewonnen haben.

 

Unter dem Strich würde ich daher sagen, dass dieser Text weniger überzeugt, als viel mehr die Missverständnisse des Autor offenbart.

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