Eda Gregr
09.09.2017 um 19:07

Das Buch der Liebe

Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Wasch dir vor dem Essen die Hände. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich werde dir den Bauch aufschlitzen und dir deine Eingeweide herausreissen, wenn du mich nicht liebst. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich.

Ein Gedankenexperiment: Man lege „Das Buch der Liebe“ (siehe oben) zwei Leuten vor. Nennen wir sie Christian und Christoph. Auf die Frage, ob sie einen repräsentativen Satz nennen können, antworten sie folgendes:

Christian: „Ich liebe dich.“
Christoph: „Ich werde dir den Bauch aufschlitzen und dir deine Eingeweide herausreissen, wenn du mich nicht liebst.“

Welcher der beiden hat recht und wer cherrypickt?

Die überwiegende Mehrheit der Sätze entspricht tatsächlich exakt jenem vom Christian. Allerdings ist der Satz von Christoph nicht einfach ein anderer etwas seltenerer Satz. Er lässt uns alle anderen Sätze auf einmal ganz anders sehen. Es geht im Buch der Liebe zwar immer noch um Liebe, aber ich sollte es vielleicht lieber nicht mehr meiner Liebsten zum Valentinstag schenken…

 

 

Da ist aber noch ein anderer Satz: „Wasch dir vor dem Essen die Hände.“
„Das Buch der Liebe“ muss zwar eindeutig als ein verstörendes Werk betrachtet werden muss, von dem man besser die Hände lässt. Doch das ändert nichts daran, dass es durchaus richtig ist, sich die besagten Hände vor dem Essen zu waschen.
Bedeutet das, dass es doch ein Buch ist, das man verschenken kann? Und sogar nicht nur zum Valentinstag. Ich meine, die Anweisung sich die Hände zu waschen, kann einem schliesslich buchstäblich das Leben retten.
Ist vielleicht dieser Satz der repräsentativste? Weil nützlichste. Und alle anderen die gecherrypickten?

 

 

Vielleicht hilft uns ein Blick in den Kirschbaum aller Bücher weiter:

Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Matthäus 7,15–20

Im „Buch der Liebe“ ist die Liebeserklärung eindeutig das Schafskleid und durch das Bauchaufschlitzen wird der inwendige Wolf entlarvt. Und die Fäule der Frucht ist die Furcht, die einen beschleicht, wenn einem klar wird, dass es sich um eine obsessive Liebe handelt.
Ergo ist das „Buch der Liebe“ ein fauler Baum.
Aber die Sache mit dem Händewaschen ist eindeutig eine gute Frucht.
Also ist es ein guter Baum, weil ein fauler Baum nicht gute Fürchte bringen kann…

Der Rückschluss von der Qualität einer Frucht auf die Qualität des Baumes ist nicht ganz unproblematisch. Wenn alle bisher getesteten Früchte eines Baumes sich als faul erwiesen, erhöht das zwar die Wahrscheinlichkeit, dass auch die nächste zu testende Frucht faul ist, es macht es aber keineswegs notwendig. Das wäre ein Fehlschluss (ein so genanntes argumentum ad arborem).

Was faule Früchte sind, ist klar. Für die kann es aber verschiedene Ursachen haben:
Wenn es eine Baumkrankheit ist, welche alle Früchte faul werden lässt, dann ist es wohl schon ein fauler Baum und der hat dann wohl nur faule Früchte.
Wenn es aber eine Krankheit ist, die nur die Früchte befällt und sich allein über diese ausbreitet, dann ist es trotz der faulen Früchte offensichtlich kein fauler Baum. Denn er wird das nächste Jahr wieder gute Früchte tragen.
Wenn man die Krankheit nicht kennt, kann man aus der blossen Existenz von faulen Früchten keine Rückschlüsse auf die Gesundheit des Baumes ziehen.

Wohlgemerkt, in beiden Fällen kann es Sinn machen, den Baum auszureissen. Selbst dann wenn nur die Früchte faul sind. Dies kann nötig sein um die Fäule daran zu hindern auch noch die Früchte auf anderen Bäumen zu befallen.

Diese Vorstellung, dass ein Baum ausschliesslich gute oder faule Früchte tragen kann, ist absurd. Eine echt faule Frucht.
Da wollen wir lieber nicht der Empfehlung folge leisten, die uns die Bibel gibt für den Fall, wenn wir irgendwo faule Früchte finden…

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Eda Gregr
25.09.2016 um 10:43

Wie schützt man sich vor einer Flut?

Man sorgt dafür, dass das Mobiliar stets über dem Wasser bleibt. Und das schafft man, indem man in einem Boot wohnt oder in einem Appartement, das hoch genug liegt.
In einem Boot zu leben ist zwar romantisch, hat aber auch seine Tücken: Es schaukelt und es ist dauernd feucht.
Dann doch lieber in einer Villa am Zürichberg oder im Penthouse des Prime-Towers.

Eine Sintflut jedoch steigt höher als jeder Berg. Damit bleibt nur noch der Turm von Babylon.

Und tatsächlich war laut Josephus der Schutz vor einer zweiten Sintflut mit einer der wichtigsten Gründe für den Bau des Turms. Kann man das den Menschen verdenken im Angesicht eines jähzornigen Gottes?

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Eda Gregr
30.05.2016 um 00:12

„Wahre Christen“ erkennt man angeblich daran, dass sie versuchen, das gleiche wie Jesus zu tun. Damit ist selbstverständlich nicht das übers Wasser laufen gemeint, was ich jeden Sommer immer mal wieder versuche, ohne damit gleich zu einem Christen zu werden. Auch nicht die wundersame Brot- und Fischvermehrung1, was den überfischten Gewässern zwar eine bitter nötige Verschnaufpause gewähren, andererseits aber wohl die Back- und Fischereiindustrie ruinieren würde. Und auch nicht die ganzen anderen Wunder2. Sondern das Nett- und Hilfsbereitsein zueinander und das Keine Angst vor dem Tod haben müssen.
Dass er nicht immer nett war zu den Leuten, im besonderen zu den Kanaanitern (vgl. Matthäus 15,21ff), und dass er den Leuten mit der Hölle eine Heiden Angst vor dem Tod eingejagt hat, ignorieren wir mal. Wir ignorieren auch, dass er keine Ehe führte und auch nicht Geld verdienen musste. Zwei Aspekte, in denen wir dringend ein taugliches Rollenmodell bräuchten: Wie bewältigt man wie Jesus die täglichen ehelichen Probleme? Wie fest beteiligt mann sich wie Jesus am Haushalt? Wie erzieht man wie Jesus seine Kinder? Wie borgt man sich wie Jesus etwas Mehl vom schwulen Nachbarn? Wie arbeitet man wie Jesus in einer Firma, wo der Chef ein Arsch ist3? Wie führt man wie Jesus eine Firma mit begriffsstutzigen Mitarbeitern/Sklaven? Wie soll man sie entlöhnen? Und wie soll man sich zu überrissenen Lohnvorstellungen und sechs Wochen Urlaub stellen? Wie viel Wert soll man auf Nachhaltigkeit legen? Und wenn das Land von den Kanaanitern angegriffen wird, wie soll man sich wie Jesus verhalten? Wie als Soldat, wenn man eingezogen wird? Wie als Offizier? Und wie soll man wie Jesus abstimmen, wenn die Initiative von der SVP kommt? Und was soll man mit Leuten, die das Gesetz übertreten haben, machen, nachdem man ihnen verziehen hat?…
Wenn Jesus und seine Jünger einen Kibbuz oder sowas gegründet und dort Familien und bescheuerte Nachbaren gehabt hätten, dann könnte man sich sein Leben als Vorbild nehmen. Aber so? Jetzt haben wir nur einen umherziehenden „Philosophen“, bei dessen Ideen sich die Leute nicht einig werden, wie sie konkret im täglichen Leben umgesetzt werden sollen.
Und überhaupt, das Problem ist ja nicht, was man tun soll, wenn man arm ist, denn dann ist der Handlungsspielraum eh sehr begrenzt, sondern was man machen soll, wenn man fähig ist, tatsächlich was zu bewegen. Oder im Sinne von Laotse: Jesus verschenkte Fische, aber er lehrte nicht, wie man sie vermehrt.

Aber egal, ein Christ hofft, dass die Welt eine bessere4 wird, wenn jeder ein Leben führt, wie es Jesus in seiner Situation (ohne die wundersamen Fähigkeiten) gelebt hätte.
Persönlich halte ich das für naiv, denn wenn man sich schon an einem hausierenden Philosophen ein Vorbild nehmen will, dann bitte an Sokrates. Aber sei’s drum.

Doch was zum Teufel soll dann dieses ganze Tamtam rund um seinen Tod?
Inwiefern wird die diesseitige Welt besser, wenn mein Vorbild ans Kreuz genagelt wird?
Auch Sokrates liess man über die Klinge springen, weil er allmählich nervig wurde, doch hatte das keinen Einfluss welcher Art auch immer auf die Gültigkeit seiner Argumente. Der Tod des Sokrates zeigt uns lediglich, dass er seine Contenance auch im Angesicht der Todes nicht verlor. Mehr aber auch nicht. Behaupten zu wollen, dass es der Schierlingsbecher gewesen sei, der die Menschen auch noch nach Jahrtausenden sich mit seinen Ideen beschäftigen lässt, ist absurd. Genauso die Vorstellung, wir täten es aus schlechtem Gewissen, resp. um zu verhindern, dass er nicht umsonst gestorben ist. Es war allein die Qualität der Ideen. Genauso wie bei Aristoteles, Platon und Pythagoras, welche auch ohne spektakulären Tod „unsterblich“ wurden.

Jesus ohne Kreuzigung scheint aber nicht ganz zu funktionieren. Die Qualität seiner Ideen war offenbar nicht überzeugend genug5 um allein durch diese in Erinnerung zu bleiben. Irgendwie sieht das ganze so aus, als ob Jesus ein Strassenkünstler gewesen ist, der sein Publikum mit immer unglaublicheren Tricks und verrückteren Ideen unterhalten hat. Und als ihm dann allmählich das Material ausging, holte er zum spektakulären Finale aus, bei welchem er sich kreuzigen liess und dann drei Tage später wieder auferstand um dann wenig später die Bühne (ziemlich unspektakulär) (mit dem Versprechen eines baldigen Comebacks) für immer zu verlassen.

Es entbehrt übrigens nicht einer gewissen Ironie, dass eine der zentralen Ideen von Jesus jene des ewigen Lebens ist und er diese zu verkaufen versucht, indem er sich umbringen lässt. Wäre einfach ewig weiter zu leben nicht irgendwie naheliegender? Und überzeugender? „Nein Jesus ist nicht gestorben, er lebt noch, einfach in einem anderen Leben.“, finde ich jetzt nicht wirklich überzeugend6.

Tatsächlich geht es bei Jesus nicht primär darum, die Welt besser zu machen. Das ist – wenn überhaupt (!) – nur ein netter Nebeneffekt. Es geht vor allem anderen um das ewige Leben. Und dieses hat er angeblich mit seinem Leiden am Kreuz überhaupt erst möglich gemacht. Das Leiden war also der Schlüssel. Und Leiden ist auch weiterhin der Schlüssel:

Ich nenne dir die wahren Schätze des Menschen auf dieser Erde, damit du sie dir nicht entgehen läßt: Hunger, Durst, Hitze, Kälte, Schmerz, Schande, Armut, Einsamkeit, Verrat, Verleumdung, Gefängnis…
Textabschnitt 194 aus Der Weg vom Heiligen Josemaría Escrivá de Balaguer y Albás, dem Gründer von Opus Dei

Das Problem ist, ich hatte „sie versuchen, das gleiche wie Jesus zu tun“ irrtümlich auf die Taten von Jesus bezogen statt auf sein Leiden!
Wie konnte ich das übersehen? Das Leiden zieht sich schliesslich wie ein roter Faden durch das ganze christliche Denken: von Adam und Eva, die irgendeinen Blödsinn anstellten, für den sie und alle ihre Nachkommen dann zur Strafe Leiden müssen, über Jesus, der die Menschen lehrte auch die andere Wange hin zu halten, wodurch er uns darauf hinwies, dass sich jede Meinungsverschiedenheit auch ohne weitere Gewalt beenden lässt, der dann aber nichtsdestotrotz ans Brett genagelt werden musste um irgendein Karma auszugleichen, bis hin zu den armen Christen, die seelische Höllenqualen durchleiden, wenn sie wissen, dass ihre schwulen Nachbaren nebenan trotz Gottes Abscheu legal Sex miteinander haben.

Das Leiden ist nicht nur eine bedauerliche Konsequenz einer unperfekten Welt, es ist die Bestimmung des Christentums:

Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.
2. Timotheus 3:12

Werden sie verfolgt, weil Satan in seiner Verschlagenheit alle anderen gegen sie aufstachelt hat?
Oder werden sie verfolgt, weil Jesus aus versehen das Schwert statt des von Jesaja versprochenen Friedens mit zur Party brachte?

Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Matthäus 10:34

Nicht so schnell! Die beiden letzten Zitate zusammengenommen, sind doch ganz eindeutig Slapstick! Das ist doch die klassische Szene, wo jemand auf der eigenen Bananenschale ausrutscht und damit allgemeine Heiterkeit provoziert7.

Jesus versuchte den von Jesaja versprochenen Frieden durch Humor herzustellen! Das Schwert ist ein Gag-Schwert, das den Schwertträger schneidet, während er den Gegner umzubringen versucht! Das ist doch zum Schiessen komisch! Und wie wir alle wissen, eint Menschen nichts so sehr wie gemeinsam zu lachen! Das ist doch einfach genial!
Wir werden es gleich sehen, wenn die Spannung sich im nächsten Vers in einer grandiosen Pointe auflöst:

Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert.
Matthäus 10:35-388

Ups… Okay, es war vielleicht doch nicht ironisch gemeint…
Escrivás Lob des Leidens entspringt also weniger seinem Masochismus als viel mehr der göttlichen Kartografie, in welcher der richtige Weg stets gepflastert ist mit Leiden.

Wenn wir leiden, ist das also schon mal ein gutes Zeichen dafür, dass wir sicher nicht auf dem Holzweg sind. Damit kann man arbeiten.

Allerdings… Wie wahrscheinlich ist es, dass der Teufel nicht bemerkt, dass ihm viele Seelen allein deshalb durch die Lappen gehen, weil sie stur immer den steinigsten Weg nehmen? Wie lange würde es da wohl dauern, bis er einen noch viel verlockenderen steinigen Weg errichtet, der an Steinigkeit alles bisher gesteinigte weit hinter sich lässt?
Wie wir in „Die Grosse Verführung“ gesehen haben, brauchen wir uns wegen der guten Gründe, die dafür sprechen, dass auch das Leiden eine Form der Verführung sein könnte, keine Sorgen zu machen, weil Gründe ein Teufelswerk sind und ein wahrer Christ sich von solchen niemals überzeugen lassen sollte. Also pfeif aufs „Allerdings…“

Und selbst wenn Leiden doch noch kein Garant für den Himmel sollte, ist das Wohlbefinden schlussfolgernd aus 2. Timotheus 3:12 auf jeden Fall einer für die Hölle.
Deshalb wird der wahre Christ immer aufs Leiden setzen9. Das macht im Angesicht der Erbsünde durchaus auch Sinn, denn Leiden ist eine Form von Sühne ist und und von dieser kann man entsprechend gar nicht genug haben.
Deshalb interpretiert der wahre Christ zur Sicherheit alles, was sich als Angriff interpretieren lässt, grundsätzlich als Angriff.
Deshalb fühlt sich der wahre Christ als Märtyrer, wenn nebenan seine schwulen Nachbarn poppen.
Deshalb fühlt sich der wahre Christ verfolgt, wenn man ob dieser Bigotterie den Kopf schüttelt.
Und deshalb hat die Bibel auch kein Problem mit Vergewaltigung, Sklaverei und Genozid, dafür aber mit dem Verzehr von Hummer. Weil nur beim Hummer kein Mensch leidet. Denn wo niemand leidet, kommt auch niemand in den Himmel.

Deshalb macht es für einen wahren Christen auch keinen Unterschied, ob sein Mitbruder gefoltern oder nur diskriminiert wird. Klar für den Mitbruder fühlt es sich sehr verschieden an, doch da beides Formen von Verfolgung sind, sind beides klare Hinweise darauf, dass er auf dem richtigen Weg ist10. Und wenn der Mitchrist auf dem gleichen Weg, den ich beschreite, gefoltert wird, dann bin auch ich auf dem richtigen Weg und mein Leid müssen die leidigen schwulen Nachbaren sein.

Randnotiz : Open Doors, die alljährlich den Weltverfolgungsindex herausgeben, welcher dokumentiert, dass das Christentum die am meisten verfolgte Religion ist, unterscheidet in der Beurteilung der Situation tatsächlich nicht zwischen Folter und Diskriminierung, wie Markus Rode, der Vorsitzende von Open Doors Deutschland auf Anfrage von kath.net bestätigt: „Die Grenzen zwischen Verfolgung und Diskriminierung sind fließend. Deshalb haben wir den Begriff «Verfolgung» als Oberbegriff gewählt. Es steht uns nicht zu, Christen per Definition vorzuschreiben, ob sie erst dann als verfolgt gelten, wenn sie gefoltert oder ins Gefängnis geworfen werden, oder bereits wenn ihre Kinder von Ausbildungs- und Berufschancen bewusst ausgeschlossen werden. Verfolgung hat viele Facetten, die auch von den Christen vor Ort subjektiv, und somit unterschiedlich stark erlebt werden.
Der Open Doors Logik folgend, die vor allem auf der schiere Zahl beruht und überhaupt nicht auf Verhältnissen, müsste das Christentum mit 1.9 Milliarden nicht verfolgten Anhängern auch die am wenigsten verfolgte Religion der Welt sein und mit den Einschränkungen, welche das Christentum Frauen angedeihen lässt, die am meisten verfolgende Religion. Für einen Vergleich, der überhaupt erst bestimmen könnte, welche Religion am meisten verfolgt wird, müsste man auch die anderen Religionen auswerten, was Open Doors, wie sie selbst einräumen, kaum tut.
Man muss hier allerdings schon auch erwähnen, dass Open Doors den grossen Kirchen etwas zu weit gehen.
Eine morbide Faszination für Märtyrer teilen sie aber alle.

Wieso diese Besessenheit für Märtyrer?
Dass man für seine Überzeugungen bereit ist ein gewisses Mass an Leid zu ertragen, kann ich nachvollziehen. Dass man womöglich auch das Risiko eingeht zu sterben beim Versuch seine Überzeugungen zu verteidigen oder durchzusetzen, kann ich auch noch verstehen. Doch dass man im Tod für die „richtige“ Sache die bewundernswerte Erfüllung der eigenen Bestimmung sieht, übersteigt meine Vorstellungskraft.
Damit will ich nicht abstreiten, dass der Tod des Märtyrers ein mächtiges Symbol darstellen kann, welches seiner11 Überzeugung zum Durchbruch verhilft12. Ich sage nur, dass jeder Tod eine Tragödie ist und es für alle (und insbesondere für den Märtyrer) besser gewesen wäre, wenn er die Sache auf wundersame Weise (ohne damit die Symbolwirkung zu schmälern) heil überstanden hätte.

Für Christen sieht das allerdings anders aus. Wenn nämlich das Martyrium „das erhabenste Zeugnis [ist], das man für die Wahrheit des Glaubens ablegen kann; es ist ein Zeugnis bis zum Tod“13, dann wäre ein wundersames Weiterleben eine Katastrophe, weil der Märtyrer das ewige Leben später wieder verspielen könnte. Und das würde die Frage aufwerfen, ob die Bewohner des Himmels ihren Einzug nicht bloss dem Umstand verdanken, dass sie zufälligerweise im richtigen Moment mit der richten Einstellung abgetreten sind14. Wie nachhaltig wäre dann das, was man für die richtige Einstellung hält?15

Das Leben für seine Überzeugung zu opfern braucht sicherlich Mut, es mag also durchaus ein erhabenes Vertrauenszeugnis sein, das schwierigste und grösste ist es aber nicht.
Wer beweist mehr Vertrauen in eine Brücke? Der, der sie zuerst selbst ausprobiert, oder der, der einen anderen über sie schickt? Jede halbwegs integre Person wird, bevor sie andere Menschen wissentlich in Gefahr bringt, erst mal selbst herauszufinden versuchen, ob die Brücke sicher ist. Es ist schwieriger die Gesundheit jemandes aufs Spiel zu setzen, für den man die Verantwortung trägt, als seine eigene. Denn was riskiere ich, wenn ich mich zum Schutz anderer in Gefahr bringe? Mein Leben. Was riskiere ich, wenn ich das Leben anderer in Gefahr bringe? Deren Leben und meine Seele. Was ist aus Sicht eines Christen das grössere Risiko? (Was nicht heisst, dass sich in einer solchen Dilemma der Atheist anders entscheiden würde als der Christ!)
Wenn man der Sache aber wirklich vertraut, wird man nicht zögern seinen Schützling über die Brücke zu schicken. Das ist der grösste Vertrauensbeweis: wenn einem nicht mal einfällt, dass man den anderen einer Gefahr aussetzt. Auf Gott umgemünzt heisst das: Das grössere Vertrauen in Gott beweisst der, der die diesseitigen Qualen seines Schützlings im Angesicht des jenseitigen Lohnes genau wie der Doktor, der dem Kind eine schmerzhafte Impfung gibt, guten Gewissens ignoriert.

Wohlgemerkt, von aussen ist ein solcher völlig überzeugter Gläubige, der andere lächelnd16 in den Tod schickt, von einem verschlagenen, machthungrigen Psychopathen kaum zu unterscheiden. An den berühmten Früchten lässt es sich nämlich nicht erkennen, wenn diese nicht die Anzahl älterer Damen sind, welchen man über die Strasse geholfen hat, sondern die Anzahl der Menschen, welchen man zielbewusst zum Eintritt in den Himmel verhalf.17 Man darf mich gern einen Zyniker nennen, denn ein herzensguter, gottesfürchtiger Mensch würde sowas angeblich nie tun. Ausser natürlich Abraham. Er war ein herzensguter, gottesfürchtiger Mensch und er zögerte nicht das Messer zu zücken…
Im Angesicht dieses Dilemmas, welches entsteht, weil wir nicht in die Herzen der Menschen sehen, könnte man vielleicht auf die Idee kommen, dass wir zumindest bei den Märtyrer sicher sein können, dass sie mit ihrer Tat ein unerschütterliches Zeugnis für ihren Glauben ablegen. Doch können wir auch hier von aussen nicht unterscheiden, ob den Märtyrer – ich nenne es mal – „die politische Notwenigkeit“ dazu trieb oder ein Verdruss am Leben, den er mit einer edelmütigen Tat zu kaschieren versuchte, um damit seiner Familie die Schmach zu ersparen.

Fakt ist, wenn man das Martyrium als das erhabendste Zeugnis für die Wahrheit des Glaubens zu Ende denkt, dann ist man, wo man bereit ist für etwas zu sterben, auch schnell mal bereit jemand anders dafür sterben zu lassen. Christen widersprechen dem zwar vehement, doch wo auch immer die Kirchen politisch stark genug waren um damit durchzukommen, da geschah genau das.


Meine Einstellung zum Märtyrerkult:
Schokoladeneis mag so köstlich sein, dass man an einem heissen Tag beim Versuch an eins ran zu kommen ein zu grosses Risiko eingeht und stirbt. Wenn aber jemand mich dadurch zu überzeugen versucht, dass Schokoladeneis das einzig wahre ist, indem er sich anzündet, dann hat er einen an der Waffel!

mmm flambiertes schoko-cornet

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Eda Gregr
25.05.2016 um 22:03

„Auge für Auge, Zahn für Zahn“ ist zwar barbarisch und nachweislich nicht besonders effizient in Sachen Verbrechensprävention, eine gewisse naive Eleganz aufgrund der Klarheit im Strafmass kann man einem solchen Rechtssystem aber nicht absprechen. Wenn einem Bürger der Zahn ausgeschlagen wird, sorgt die Gesellschaft dafür, dass dem Übeltäter ebenfalls ein Zahn ausgeschlagen wird. Und die Sache ist geregelt1. Der Trick ist, dass man die Strafe von einer unbeteiligten Drittperson ausführen lässt, wodurch beide Parteien halbwegs überzeugt sein können, dass die Strafe weder zu hart noch zu mild vollstreckt wurde.

Klar, noch besser wäre, wenn das Opfer dem Täter einfach so verzeihen würde. Damit wäre der Welt der Verlust eines weiteren Zahnes erspart geblieben. Das Problem ist aber, dass dies den Täter nicht davon abhalten wird im Bedarfsfall nochmals wem einen Zahn auszuschlagen.
Die Sache sieht jedoch auf einmal anders aus, wenn das Opfer dem Täter auch noch den anderen Zahn zum Ausschlagen anbietet2 3. Wegen dem einen Zahn hat der Täter nämlich noch kein schlechtes Gewissen, schliesslich hat es das Opfer nach seiner Ansicht ja verdient4, doch spätestens nach dem zweiten, dritten Zahn ist die Schuld beglichen und ein ungutes Gefühl macht sich bemerkbar. Von diesem Moment an geht der Täter mit Schuldgefühlen durch die Welt und trachtet danach diese wieder gut zu machen. Beispielsweise indem er dem nächsten, der es verdient einen Zahn ausgeschlagen zu bekommen, keinen Zahn ausschlägt5, was idealerweise ein Glücksgefühl hervorruft, welches ihn veranlasst niemals mehr irgendwem einen Zahn ausschlagen zu wollen.6
Doch selbst wenn die Andere-Zahn-Hinhalten-Strategie tatsächlich den Täter langfristig davon abhält, nochmals gewalttätig zu werden, so bezweifle ich, dass sie das auch bei anderen potentiellen Zahn-Ausschlägern schafft. Die Aussicht7, jemandem auch einen zweiten Zahn ausschlagen zu müssen, wird wohl kaum jemanden davon abhalten den ersten – wohlverdienten – auszuschlagen. Klar, der zweite Zahn wird, wie oben erwähnt, schlussendlich dazu führen, dass dem Täter die Lust vergeht, je wieder einen Zahn ausschlagen zu wollen, doch dieser Effekt ist meines Erachtens nur erfahrbar, nicht aber vermittelbar, weil nicht wirklich abschreckend.
Und auch wenn es die zukünftigen Täter entgegen allen Erwartungen doch überzeugen sollte, dass das schlechte Gewissen hinterher ziemlich übel sein wird, dann werden diese dem einfach dadurch vorbeugen, dass sie erstmal nur einen halben Zahn ausschlagen um sich – als treue Gesetzesbürger – einfach etwas später8 auch noch der zweiten Hälfte des nach ihrer Ansicht völlig begründeten Gewaltausbruchs zu widmen.

Randnotiz: Ist es nicht irgendwie komisch, dass in der Erziehung9 von Fremden auf die Strategie des Verzichts auf Gewalt gesetzt wird („Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses antut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin.“ Matthäus 5:39), während man dies bei der der eigenen Kinder offenbar tunlichst zu unterlassen hat(„Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.“ Sprüche 13:24)?
Der Schluss liegt daher nahe, dass es bei der anderen Backe gar nicht um die Erziehung des Täters geht, sondern allein um die persönliche Verarbeitung des an einem verübten Unrechts – wobei die Frage, ob es nicht vielleicht ein bisschen „verdient“ war, gänzlich ausgeklammert wird.
Das Argument, dass es bei Kindern einfach einer anderen Art von Erziehung bedürfe als bei Erwachsenen, halte ich für wenig überzeugend, denn die Trennung zwischen Kindheit und Erwachsensein wurde zu jener Zeit noch nicht so gelebt, wie man es heute tut10. Und hinzu kommt noch, dass es Christen gibt, welche die körperliche Züchtigung der Ehefrau für ein von der Bibel gestütztes Erfolgsrezept halten11, was meinen Schluss über den Zweck der anderen Backe klar unterstützt.

Beide Methoden konzentrieren sich auf das Opfer: Im Zahn-für-Zahn Fall wird dessen Rachelust gestillt und im Andere-Backe Fall wird das Leid als willkommene Etappe auf dem Heilsweg verkauft. Beides ziemlich egoistisch, finde ich. Es wird nämlich nirgends das nächste Opfer berücksichtigt. Dabei ist doch eigentlich das das wichtigste. Denn im Gegensatz zu nächsten Opfer ist beim aktuellen der Schaden bereits angerichtet und lässt sich auch nicht mehr rückgängig machen. Damit will ich das Opfer nicht alleine lassen, ganz im Gegenteil, ihm soll jede nur erdenkliche Hilfe zuteil kommen – sofern diese Hilfe das nächste Opfer nicht in Gefahr bringt.
Wenn es das nächste Opfer nicht gäbe (was es nach Ansicht des Endzeitpropheten Jesus wohl nicht mehr tun sollte), wäre es Johannes wie Thaddäus wie man mit den Täter umspringt. Daher ist ein versöhnlicher Ansatz gar keine schlechte Idee. Wenn es aber mehr oder weniger nächste Opfer geben kann, sollte man sich – so finde ich zumindest12 – tunlichst bemühen, es weniger sein zu lassen – selbst wenn das bedeutet, dass der „Gerechtigkeit“ nicht ganz genüge getan wird13.
Und wenn die Zahl der der nächsten Opfer mit der Behandlung der Täter korreliert, so ist das ein vielversprechender Hebel um anzusetzen.

Wieso also den Täter nicht mit den folgenden Worten im Strafvollzug willkommen heissen: „Eines Tages wirst du hier wieder raus kommen und es besteht die Möglichkeit, dass du in meine Nachbarschaft leben wirst. Deshalb tue ich mein Bestes dich zu einem guten Nachbaren zu machen.“14

Ob es Kuscheljustiz ist oder nicht, sollte nicht die Frage sein. Einzig und allein sollte der Erfolg zählen. Und der Erfolg ist weniger nächste Opfer. Und die nächsten Opfer kann man zählen.
Weniger Opfer ist aber nicht gar keine. Deshalb wird man sich bei jedem nächste Opfer fragen, ob es mit einem härteren Strafsystem nicht hätte verhindert werden können? Man hätte natürlich genauso gut auch fragen können, ob es mit einem kuscheligeren Strafsystem nicht hätte verhindert werden können – was sogar naheliegender wäre, wenn man sich die Korrelation zwischen Kuscheljustiz und Kriminalitätsrate anschaut, aber in solchen Situationen fällt einem diese in der Regel nicht auf. Die Antwort auf die Frage könnte dann unter Umständen so lauten: „Ja, mit einem härteren Strafsystem hätte womöglich genau diese eine Tat verhindert werden können, doch wären stattdessen X andere, vielleicht sogar viel schlimmere Verbrechen begangen worden, die uns jetzt aber zum Glück erspart geblieben sind.“
Einem Opfer und dessen Angehörigen spendet das natürlich wenig Trost. Doch darauf dürfen wir als Gesellschaft keine Rücksicht nehmen. Wir müssen so vielen wie möglich ein so sicheres Leben wie möglich garantieren.

Uns stehen verschiedene Strategien zur Verfügung, deren Erfolg wir durch entsprechende Untersuchungen in Pilotprojekten und aus Erfahrungen in anderen Ländern durchaus grob abschätzen können. Manche der Strategien verhindern eine Art von Verbrechen, während sie auf andere Arten kaum einen Einfluss haben. Manche Strategien lassen sich mit anderen kombinieren, mit anderen hingegen nicht. Manche sind intuitiv, andere weniger…
Sich für eine Strategie oder eine Kombination von Strategien zu entscheiden, bedeutet aber immer auch die Opfer, welche eine andere Strategie oder Kombination von Strategien verhindert hätte, in Kauf zu nehmen. Deshalb muss man wirklich sehr gute Gründe haben, warum man sich so und nicht anders entschieden hat. Und „Gott will es so!!!“ ist (trotz der ansonsten durchaus überzeugenden drei Ausrufezeichen) kein wirklich sehr guter Grund. Ein wirklich sehr guter Grund ist einer, den alle (zähneknirschend15) zu akzeptieren bereit sind. Und die Wünsche einer imaginären Gestallt kann ich – wenn ich die Wünsche für verhängnisvoll erachte – nicht mal zähneknirschend akzeptieren.

Das heisst aber, dass selbst wenn luxuriöse Haftbedingungen die Kriminalitätsrate proportional um Luxus senken, so können wir diese Option durchaus über Bord werfen – sofern wir eine andere Strategie zur Verfügung haben, die mindesten die gleiche Erfolgsquote hat. Bloss um unsere Rachelust zu befriedigen – so natürlich diese auch sein mag – dürfen wir aber nicht einfach ein paar Opfer mehr hinnehmen.
Insbesondere da es ja eigentlich nicht mal wirklich unsere Rache ist. Das Opfer ist ein anderer, wir wollen bloss den Täter bestrafen. Klar, so funktioniert soziale Kontrolle: Indem man jemanden der sich gegen die Regeln verhalten hat, kollektiv bestraft: Was du deinem Peiniger antun willst, das füg auch den Peinigern von anderen zu16. Allerdings gibt es, wie wir inzwischen wissen, wesentlich effektivere Methoden jemanden daran zu erinnern sich lieber an die Regeln zu halten und unsere Neigung die Täter zu stigmatisieren – schliesslich wollen wir wissen, ob ein Zahnausschläger in unserer Nachbarschaft wohnt – ist da möglicherweise eher hinderlich dabei ihn zu einem guten Nachbaren zu machen.

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Eda Gregr
20.04.2016 um 13:05

BoobsIst eigentlich ziemlich nett raffiniert vom Teufel, dass er vor allem auf die Verführung setzt, denn im Gegensatz zu anderen Strategien der Herbeiführung von Sinneswandel, wie zum Beispiel Gewaltandrohung oder Gehirnwäsche, ist das „Opfer“ hier wenigstens begeistert/überzeugt/angetan von der Sache. Und sollte es dann zufälligerweise doch gut raus kommen, ist man überzeugt davon, dass man eine gute Intuition hatte, während bei den anderen Methoden – sofern man noch fähig ist, sich daran zu erinnern – das ernüchternde Gefühl zurück bleibt, dass man zu seinem Glück gezwungen wurde.

Es gibt grundsätzlich zwei Formen der Verführung: Argumente (möglicherweise nicht gültige) und Brüste (möglicherweise nicht echte). Da aber weder die Anwesenheit von Argumenten noch die von Brüsten die Korrektheit der Hypothese garantiert, die man ihretwegen akzeptiert hat, kann man die Unterscheidung auch ignorieren.

Wenn ich verführt werde, halte ich das, wozu ich gerade verführt werde, für richtig. Es wird sich erst später herausstellen, dass es doch nicht richtig war und das ich bei sorgfältigerer Überprüfung der „Argumente“ es eigentlich hätte ahnen müssen. Und dass der, der mich verführte, es von vornherein wusste und mich absichtlich von den Unstimmigkeiten in der Argumentationskette abgelenkt hat. (Ein Verführer, der überzeugt ist von der Richtigkeit seines Schlusses und der Gültigkeit der Argumente, die diesen nahe legen, ist kein Verführer.)

Wir gehen hier übrigens mal stillschweigend davon aus, dass das Richtige sich mit der Zeit tatsächlich als richtig herausstellen wird und dass das Falsche als falsch. Und dass es weder falsch positive, noch falsch negativ gibt. Und dass es eine Folge von logischen Schritten gibt, die das erklären kann. Voraussetzung, die im Kontext von religiösen Überzeugungen oft nicht – zumindest nicht im Diesseits – gegeben sind. So wird sich beispielsweise ein homosexueller Lebenswandel im Diesseits nicht als nachteilig erweisen – zumindest nicht, wenn irgendwelche religiösen Fanatiker nicht nachhelfen.

Sagen wir also, dass wir im Nachhinein immer wissen, dass und wie wir verführt wurden.
Wie aber stelle ich als bibelkonformer Christ fest, ob das, was ich gerade prüfe, wirklich gut und behaltenswert ist (vgl. prüft aber alles und behaltet das Gute, 1. Thessalonicher 5:21 ) und das Gefühl, dass es gut und behaltenswert ist, nicht nur ein durch Verführung herbeigeführte Illusion ist, die sich nach einiger Zeit verpuffen wird?

Die Fortsetzung des von der Verfolgungs-Prophezeihung (Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden. 2. Timotheus 3:12) hilft uns weiter:

Böse Menschen aber und Gaukler werden im Bösen fortschreiten, indem sie verführen und verführt werden. Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christo Jesu ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt.
2. Timotheus 3:13-17

Die Prüfung besteht also einzig uns allein im Abgleich mit der Bibel. Selbstständiges Denken ist keine Option – ganz im Gegenteil. Dass die richtige Position auch durch sich selbst überzeugend sein könnte, wird gar nicht erst in Betracht gezogen. Der richtige Weg wird gelernt und befolgt und basta.
Dass es auch gute Gründe für den Weg geben kann, beispielsweise indem Evidenzen für diesen sprechen, ist irrelevant und daher zu ignorieren. Weil Gründe ein Teufelswerk sind.

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Eda Gregr
28.03.2016 um 22:27

Hans ist ein netter Kerl. Er hilft gern anderen Menschen. Deshalb lernte er, wie man Menschen repariert. Insbesondere Beinbrüche. Weil er viel von der Sache versteht und sich mit seinen Kollegen austauscht, weiss er, dass nicht alle Beinbrüche gleich sind. Die meisten sind problemlos und gut behandelbar, bei manchen ist es aber schwieriger. Und hie und da, das lässt sich leider kaum vermeiden, kommt es zu bedauerlichen Komplikationen. Und weil er – wie gesagt – viel von der Sache versteht, kennt er sogar die Wahrscheinlichkeiten der Problemlosen, der Schwierigeren und der Komplikationen. Und diese Wahrscheinlichkeiten werden sich in seinen Akten, die er gewissenhaft führt, wiederspiegeln.
Wenn sich die Erfolgsrate in seinen Akten nicht mit jenen der von ihm angegebenen (und von seinen Kollegen bestätigten) Wahrscheinlichkeiten deckt, dann kriegt er Ärger. Wenn seine Erfolgsrate markant tiefer liegt, mit dem Gesetz, weil er offensichtlich ein Scharlatan ist, wenn markant höher, mit Big Pharma (just kidding).

Auch Fritz, der Autos liebt und repariert, kriegt Ärger mit dem Gesetz, wenn die Rate der nicht korrekt geflickten Autos das von ihm geschätzte Mass nicht erreicht.

Und Sepp ebenfalls, der Menschen bei ihren psychologischen Problemen hilft, wenn seine Patienten nicht die Fortschritte machen, die eigentlich hätten erwartet werden müssen.

Selbst der Schäfer Heini kann Ärger mit dem Gesetz kriegen, wenn seine Schafe sich am Salat des Nachbarn gütlich tun.

Wenn ich nun aber Heini bitte mein Auto zu reparieren, Sepp mir mein Bein zu schienen, Fritz mir bei meinen psychischen Problem zu helfen und Hans sich um die Schafe zu kümmern, dann sind meine rechtlichen Möglichkeiten im Fall von einem katastrophalen Ergebnis eher beschränkt, denn keiner von ihnen bezeichnete sich als Experte in dem Feld, in dem ich mir von ihnen Hilfe erbat.

Man ahnt wohl schon, in welche Richtung es jetzt gehen wird: Auf welchem Feld sind wohl Priester Experten? Zumindest nach ihrer Selbstdeklaration in Sachen Seelsorge und angewandte Moral – deshalb werden sie im Fernsehen auch immer dann zu Rate gezogen, wenn es um moralische Fragestellung geht. Ergo müssten sie dann doch eigentlich auch haftbar sein für die Fehltritte ihrer Schäfchen.
Nach Auffassung so gut wie aller Religionen, ist es Gott, welcher das Fundament der Moral darstellt und die heiligen Bücher unter Anleitung der Priester vermitteln diese den Menschen. Das heisst, nur aufgrund der heiligen Schriften und der helfenden Hand der Schriftgelehrten lernen die Menschen was gut und was böse ist1. Die Hilfe der Experten ist dabei unumgänglich, weil in den heiligen Schriften auch moralische Urteile und Anweisungen zu finden sind, welche inzwischen als obsolet betrachtet werden2 3 4 5 6 7 8 . . . . . . . . . . . . . .. Und deshalb könnte der eifrige Schüler ohne die Hilfe der Experten auf die Idee kommen, diese auch heute noch wortwörtlich umzusetzen.

Was aber, wenn einer der Schüler eines Priester tatsächlich anfängt Schwule, Gotteslästerer und Andersgläubige zu töten? Sollte der Priester dann nicht vor Gericht gestellt werden?

Hat der Priester ihn dazu gebracht?
Wenn ja: ab ins Gefängnis wegen Anstiftung zum Mord (Art. 24 StGB)
Wenn nein: ab ins Gefängnis wegen Unterlassung der Nothilfe (Art. 128 StGB)

Aber man kann doch einen Priester nicht dafür verantwortlich machen wollen, wenn jemand, den er womöglich noch gar nie gesehen hat, der aber zufällig in seiner Gemeinde lebt, ein Verbrechen im Namen seines Gottes verübt. Oder vielleicht doch? Die Kirche kriegt Geld vom Mörder, der Mörder wird in den Akten der Kirche geführt und die Zahl der Akten legitimiert ein besonderes Mitspracherecht bei moralischen Fragestellungen.
Durch das Akzeptieren seines Geldes geht die Kirche einen Vertrag mit dem Mörder ein und übernimmt dadurch Verantwortung für dessen moralische Entwicklung.
Die Kirche kann sich nicht damit brüsten das beste Heilmittel zu besitzen, während sie alle, bei denen es nicht anschlägt, einfach aus der Kartei wirft.
Man hat seine Akten gewissenhaft zu führen und nur das Geld von denen zu akzeptieren, deren Werdegang man auch gewissenhaft betreuen kann!

Ausser natürlich die Kirchen verstehen sich als sowas wie der Touring Club. Man bezahlt ihnen Beträge und wenn man mal vom Weg abkommt, ziehen sie einen wieder aus dem Schlammassel. Und – tadaaa – man ist sie los, die Verantwortung über den Fahrstil seiner Mitglieder. Selbst dann, wenn sich der Täter ganz genau an die Anweisungen im Betriebshandbuches hält und von offizieller Seite her eingeräumt wird, dass die Lektüre alleine zum wahren, friedliebenden Verständnis wohl nicht reicht.

Ja, das juristische Selbstverständnis der Religionen ist inzwischen9 eher jenes von Versicherungen oder Waffenhändlern als das von Ärzten oder Schäfern.

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Eda Gregr
22.01.2016 um 09:26

Adam und Eva lebten nach dem Sündenfall noch gut 1000 Jahre – und das trotz Gottes Zusicherung des unmittelbaren Todes nach dem Verzehr der Frucht vom Baum der Erkenntnis. Hätte Eva sich zurück gehalten, wären sie gar nicht gestorben (und mit ihnen nicht alle Menschen und Tiere und Pflanzen und Pilze und Sterne). Sie hätten statt zu sterben ewig gelebt, so wie es die Bakterien, Archeen und einzelligen Eukarionten hier auf der Erde und Adam und Eva im Paradies 1 (bloss ohne viele der Menschen2 und alle Tiere3 und Pflanzen4 und Pilze5 und Sterne6) noch immer tun.

Folgendes macht mich aber stutzig: Woher wissen wir, dass Adam und Eva nicht von Anfang an sterblich waren? Bei 1000 Jahren Lebenserwartung wird man nach den ersten paar Tagen noch nicht viel von dem langsamen Zerfall bemerken, der am Ende zum Tod führen wird.
Ohne eine gründliche medizinische Untersuchung7 (im Idealfall über einen längeren Zeitraum hinweg), lässt sich so etwas unmöglich bestimmen. Sollen wir also wirklich auf die Selbsteinschätzung von ein paar Teenagern vertrauen? Mit 158 fühlt sich auch heute noch jeder unsterblich – wie muss es da erst gewesen sein, als es noch keine Alten (und Horrorfilme) gab, die einen lästigerweise dauernd daran erinnern, dass es vielleicht doch nicht so ist?

Die Raubtiere waren bis zum Sündenfall Vegetarier! Ja, das deutet tatsächlich darauf hin, dass im Paradies irgendetwas anders lief.
Doch wie lange brauchten Adam und Eva um es zu verkacken? Wenn es ein paar Stunden oder Tage waren9, dann hatten die Raubtiere vielleicht einfach noch keinen grossen Hunger? Die wussten damals ja noch nicht, wie lecker Fleisch ist, und versuchten sich in ihrer Unwissenheit von Pflanzen und Früchten zu ernähren. Das funktioniert durchaus eine Weile lang.
Für eine zuverlässige Analyse braucht es auch in diesem Fall etwas mehr anatomisches Know how und definitiv mehr Zeit.

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Eda Gregr
17.11.2015 um 22:18

Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder das Weib in deinen Armen oder dein Freund, der dir ist wie dein Herz, heimlich überreden würde und sagen: Laß uns gehen und andern Göttern dienen! – die du nicht kennst noch deine Väter, von den Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nahe oder ferne, von einem Ende der Erde bis an das andere, so willige nicht darein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge seiner nicht schonen, und sollst dich seiner nicht erbarmen noch ihn verbergen, sondern sollst ihn erwürgen. Deine Hand soll die erste über ihm sein, daß man ihn töte, und darnach die Hand des ganzen Volks. Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich wollen verführen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthaus, geführt hat, auf daß ganz Israel höre und fürchte sich und man nicht mehr solch Übel vornehme unter euch.
5. Mose 13:6-12

Ein guter Gott würde sagen: „Geh nur mal einen anderen Gott ausprobieren, du wirst schon sehen, dass es dir bei mir wesentlich besser geht. (Pass einfach auf, dass du während dem Schnupperdienst nicht stirbst, weil das wäre leider ziemlich übel. Ach was, ich passe schon auf, dass dir während dieser Zeit nichts passiert.)“
Das gut im „guter Gott“ oben ist natürlich nicht moralisch gemeint, sondern rein qualitativ1. Ein guter Gott, also einer mit einem hervorragenden Portfolio, braucht die Konkurrenz nicht zu fürchten2. Im Gegenteil. Seine Schäfchen werden ihn durch den direkten Vergleich nur noch mehr zu schätzen wissen.

Wie dem auch sei, Gottes Wege sind unergründlich und er wird schon seine Gründe haben, warum er seine Kinder vor der Begegnung mit anderen Göttern abzuschirmen versucht. Und er wird auch seine Gründe haben, warum er ausgerechnet das Steinigen als adäquates pädagogisches Hilfsmittel dafür vorsah.
Eine Person von Gott weg zu führen ist auch heute noch verwerflich, steinigen tut man (zumindest hier) dafür aber  niemanden mehr. Und das finden auch alle völlig in Ordnung – ein Busse in Form einer Spende an ein Waisenhaus würde in den Augen vieler aber schon noch angebracht sein. Mir persönlich ist übrigens nicht wirklich klar, wie das zusammen geht. Ich meine, wenn Gott sagt „Wenn X, dann Y“, dann sehe ich nicht ein, wie man sich dann mit Z statt Y zufrieden geben kann? Aber sei’s drum. Die Leute haben einen direkten Draht zu Gott und werden diese Modifikation wohl abgesegnet bekommen haben.
Und wenn dann irgendein Verrückter tatsächlich Y macht, dann liegt das wohl am fehlenden (oder defekten) direkten Draht3. (Es entbehrt übrigens nicht einer gewissen Komik, dass einer, der genau das tut, was Gott in der Bibel verlangt, einhellig als Verrückter bezeichnet wird. Aber das finden wohl nur Atheisten lustig.)

Die Bibel ist inzwischen wirklich nur noch ein moralischer Kompass, der uns sagt, was gut und was böse ist4. Sie ist kein Gesetzbuch mehr, welches das Strafmass festsetzt (auch wenn es in Matthäus 5:17-19 irgendwie anders gedacht war5). Und wenn es uns allen weiterhin gut genug geht, wird es auch so bleiben. Man wird sich je nach politischer Stärke der fundamentalistischen Christen mehr oder weniger nach dem biblischen Kompass ausrichten, nicht jedoch nach den von der Bibel vorgeschriebenen Strafen.
Und wenn es uns so übel geht, dass wir uns genötigt fühlen, die alten Strafen wieder hervorzukramen, dann fürchte ich, haben wir grössere Probleme als diese Strafen. Denn dann leben wir in einer („entmagnetisierten“) postapokalyptischen Mad Max Welt und versuchen mit drakonischen Strafen eine fragile Ordnung aufrecht zu erhalten. Zumindest so lange, bis wir es einfach mal mit einer etwas raffinierteren  Strafe versuchen und – welch Überraschung – bessere Ergebnisse erzielen.

Das Problem ist, wenn man sich mal an die göttlichen Strafen hält (wie zum Beispiel der IS oder Saudi Arabien), dann ist es verdammt schwierig sie zu lockern, weil das gewissermassen ein blasphemischer Akt ist. (Überflüssig zu erwähnen, welche Strafe drauf steht.)
Doch wenn man den ersten Schritt geschafft und ein Y zu einem Z verbogen hat, ist es ganz einfach zu begründen, weshalb das durchaus im Sinne des liebenden Gottes war.
Und dann ist es nur eine Frage der Zeit bis das Z völlig ohne Steine auskommt.

Jetzt muss ich nur noch erklären, warum Strafen mit der Zeit immer ungöttlicher (sprich milder) werden: Der erste Impuls auf Unrecht ist stets der Rachedurst. Und der ist immer blutig. Irgendwann schaut man sich aber das Ergebnis an und das ist bescheiden.
Und man merkt, dass man anders weiter kommt.  Dass man sich nicht vom Rachedurst leiten lassen sollte, sondern lieber von der Frage, wie man das Verbrechen in Zukunft verhindert.


Noch eine Frage am Rand: Wenn ich Pastafarier dritter Generation bin und ein Christ zu mir kommt und mir sagt, ich solle seinem Gott dienen, und ich dem Vorschlag wirklich nachkomme, muss ich ihn dann nach meiner Konversion steinigen (= Spende für ein Waisenhaus einfordern)? Er hat mich schliesslich überredet zu einem Gott zu gehen, den weder ich noch mein Vater kannte. Und was Gott davon hält, ist hinlänglich bekannt…

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Eda Gregr
16.08.2015 um 23:02

Zwischen Genesis und Sintflut liegen kapp 2000 Jahre.
Zwischen Sintflut und Jesus liegen knapp 2000 Jahre.
Zwischen Jesus und heute liegen knapp 2000 Jahre.

6000 Jahre Menschheitsgeschichte, von deren erstem Drittel wir so gut wie nichts wissen.

Im 5. Kapitel der Genesis lernen wir zwar die Namen von etwa zehn Menschen der vorsintflutlichen Äre kennen, doch von der damaligen Kultur, Politik und ihren technischen Errungenschaften erfahren wir nichts. Wir wissen nur, dass „der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar“.

Nun ja, nicht ganz aller Menschen Bosheit war gross. Noah fand Gnade vor dem Herrn. Doch entgegen dem Eindruck, der bei der Lektüre der Bibel vielleicht entstehen könnte, war Noah keine zufällige Person war, der es entgegen aller Wahrscheinlichkeit gelang ein gottgefälliges Leben zu führen. Vielmehr handelte es sich bei ihm um das Endprodukt eines ausgeklügelten göttlichen Zuchtprogramms. Jeder einzelne in der Ahnenlinie, die direkt von Adam zu Noah führte, brachte nämlich locker 500 Jahre auf die Waage, während bei allen anderen schon bald mal die Lebenszeit auf 120 Jahre gestutzt wurde – angeblich weil Gott missfiel, dass sie sich nach Belieben ihre Partner suchten. (Genau betrachtet, heisst das, dass demzufolge nicht Noah das Produkt einer genetischen Optimierung war, sondern alle anderen durch gezielte Pfuscherei disqualifiziert wurden, doch läuft das im Grunde aufs Gleiche hinaus.)

Das erste Drittel hätte dabei eigentlich der reinste Zuckerschlecken sein müssen. Die Gene waren so frisch nach der Schöpfung noch tiptop – die degenerierende Wirkung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik setzte erst almählich ein1. Und die Geschichte von der Verbannung aus dem Paradies kannte man während der ersten Hälft von Adam aus erster Hand und während der zweiten Hälfte von Methusalem aus zweiter Hand. Optimale Voraussetzungen also.
Und es würde mich nicht wundern, wenn Gott auch immer mal wieder vorbei geschaut und die Menschen bei Kaffee und Kuchen mit ein paar hilfreichen Tips unter die Arme gegriffen hätte2.

Und doch fuckten sie es ab. Kolossal sogar.

Wie genau, erfahren wir indessen nicht? Auch nicht, wonach sie trachteten. Was haben sie also bloss angestellt, dass Gott sich gezwungen sah, nicht nur die Schuldigen auszuradieren, sondern auch alles, was im entferntesten Rückschlüsse auf die Art des Verbrechens zulassen würde? Eine globale Sintflut wäscht schliesslich auch das letzte Indiz vom Tatort. 3 4 5

Ich kapier das einfach nicht. Wie konnte man es mit solchen Voraussetzungen bloss verbocken? Sie waren genetisch nicht vorbelastet, waren wahrscheinlich auch geistig noch top drauf, hatten direkte Augenzeugen und wohl auch immer mal wieder direkten Kontakt mit Gott. Was um Himmels Willen konnte da bloss schief gehen?
Nun ja, geistig top drauf zu sein, ist eigentlich auch heute noch in Sachen Gottgläubigkeit eher ein Hindernis… Luzifer war schliesslich auch der intelligenteste Engel und der kannte Gott sogar persönlich… Es scheint fast so, als ob es die Persönlichkeit Gottes ist, die die meisten vergrault…

Dazu passt auch, dass die Leute irgendwie besser zu wissen scheinen, was Gott will, seit er es ihnen nicht mehr persönlich sagt.

 

Biblische Domino Hypothese

Wussten die kurzlebigen Menschen von der Langlebigkeit der Adam-Noah-Linie? Wussten sie, dass diese Leute im Gegensatz zu ihnen gesegnet waren?

Wenn ja, dann machte sie vielleicht genau das so stinkig. Dann stellt sich aber die Frage, warum sie kein Massaker anrichteten? Respektive wenn doch, wieso die Auserwählten dieses überlebten? Da konnte doch nicht alles mit rechten Dingen zu gehen… Haben sich womöglich die Erben Adams in guter alter Schwarzenegger-Manier aus der Bredouille gemetzelt?
Oder aber sie stellten die Herrscherfamilie dar, wobei das lange Leben gewissermassen die Legitimierung von höchster Stelle darstellte? Doch dann frage ich mich, wieso ihnen, wenn sie so toll waren, die Sache dermassen aus dem Ruder lief? Respektive warum sie für die Verfehlungen ihrer Untertanen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden?

Wenn die Langlebigkeit unbemerkt blieb – und das erscheint mir, obgleich es eine ausgewachsene Verschwörung gewesen wäre, wahrscheinlicher (weil gerechter6) -, dann wirft das eine andere Frage auf: Wodurch unterschied sich Personen in der Adam-Noah-Linie von allen anderen? War es jeweils der älteste Sohn des ältesten Sohnes des ältesten Sohnes (die klassische Erbfolge eben7)? Oder war es jeweils der Spross mit der grössten moralischen Integrität? Sei es nun so oder so, wenn nur die exakte Linie mit der Langlebigkeit gesegnet wurde, bedurfte es dauernder genetischer Justierungen Gottes bei allen anderen Geschwistern8, was diese sicher nicht mit Begeisterung quitiert haben… (ausser natürlich man begnügte sich immer nur mit einem einzigen Nachkommen?)

Unter solchen Voraussetzungen wundert es mich eigentlich nicht wirklich, dass die Kacke da am Dampfen war…

Warum aber bestand Gott trotz all dieses offensichtlichen Konfliktpotentials auf der Langlebigkeit der „Gesegneten“? Dass er sich an ihnen erfreute, ist ja schön und recht, doch wenn er mit der Sonderbehandlung soziale Unruhen in Kauf zu nehmen bereit war, dann sollte er schon wirklich gute Gründe dafür haben. Dass er sich so länger an seinen treuen Schäfchen ergötzen konnte, zählt da sicher nicht dazu.

Hier meine Hypothese: In seiner Allwissenheit wusste Gott, das Leben ist ein Dominospiel (nicht die Lege-, sondern die Umfallvariante). Sowohl Leben wie auch Ideen werden von Generation zu Generation weitergegeben (und ändern sich gelegentlich) und es besteht immer die Gefahr, dass sie irgendwo mal stecken bleiben.9
Wie sorgt man dann dafür, dass das gewünschte Gen/Mem das Ziel erreicht?
Da mit jeder weiteren Generation die Wahrscheinlichkeit steigt, dass was schief geht, sollte man sich lieber auf ein Minimum an Steinen beschränken – was bei einer fixen Distanz bedeutet, dass man sie gross macht. Sprich langlebig.
Das heisst, die Adam-Noah-Ahnenreihe war die redundante Sicherheitslinie, welche dafür sorgte alle nötigen Gene und Meme das Ziel erreichen, selbst wenn der ganze Rest zum Teufel gehen sollte.

Da fragt sich’s natürlich, ob Gott diese Strategie auch im zweiten und dritten Drittel der Menschheitsgeschichte verwendet hat10 und ob es irgendwo eine langlebige Linie gibt, welche als Backup für den Notfall dient11. Das würde dann auch die kryptische Bemerkung von Jesus erklären, dass er wiederkommt noch bevor der letzte Anwesende gestorben sei.

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Eda Gregr
24.06.2015 um 11:49

und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!
Markus 1,15

Wenn ü2000 Jahre nah sein soll, dann kann doch nur von geologischen Zeiträumen die Rede sein, oder? Mitnichten, die Vertreter des Junge-Erde-Kreationismus1 sind überzeugt, dass etwas bereits dann nah ist, wenn etwas anderes (ich schätze mal gleichwertiges) doppelt so weit weg ist:

(1) A&E…………………………………J………………..H

J stellt übrigens die oben zitierte Verkündung von Jesus dar. A&E steht für Adam und Eva, die gelebt haben als die Welt2 erschaffen wurde, und H symbolisiert heute, den frühest möglichen Zeitpunkt des prophezeiten Endes E. Und jeder einzelne Punkt dazwischen ist ein ganzes Jahrhundert.

J ist nach dem Verständnis der Kreationisten also nicht nur näher an H, sondern auch nah an H. Natürlich nur unter der sehr plausiblen Bedingung, dass die Welt noch bis Ende der Woche untergeht (H ≅ E). Andernfalls könnte die Sache irgendwann einmal so aussehen:

(2) A&E _ _ _ _ J _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ E

Ein Strich ist ein Jahrtausend und J zwar nicht mehr näher an E,  nach dem Verständnis der Kreationisten nichtsdestotrotz aber immer noch nahe an E. Wie das sein kann? Weil Bibel!

Aber vielleicht erspart Gott seinen Anhängern ja die Schmach solchen Blödsinn noch länger glauben zu müssen und beruft bereits nächsten Donnerstag das Jüngste Gericht ein. Lassen wir daher die Geschichte der Menschheit lieber noch ein letztes mal Revue passieren. Aufs wesentliche reduziert3. In einer anschaulichen Form:

Um 7 Uhr weckte Gott Adam und Eva.
Adam und Eva toben rum.
Um 12 Uhr versuchte Gott sie zu ersäufen.
Adam und Eva toben rum.
Ab 13 Uhr verstehen sich Adam und Eva nicht mehr.
Adam und Eva toben trotzdem weiter rum.
Um 17 Uhr ermahnte Gott Adam und Eva sich die Zähne zu putzen, weil die Schlafenszeit schon nahe sei.
Adam und Eva toben rum.
Ab 21 Uhr steigt ne Party.
Die Party ufert ein bisschen aus.
Um 22 Uhr werden Adam und Eva eingeschlaft.

Wenn die Eltern um 17 Uhr das Haus verlassen und die Kinder für den Rest des Abends sich selbst überlassen, dann ist es im Hinblick auf die Zahnhygiene vielleicht gar keine so schlechte Idee die Kinder sich die Zähen putzen zu lassen. Zu erwarten, dass sie es den ganzen Abend über tun und dadurch keinen Unsinn anstellen werden, halte ich jedoch für ziemlich blauäugig. Insbesondere wo die Kinder in der gleichen Zeitspanne am Morgen die Eltern dermassen zur Weissglut brachten, dass diese keine andere Lösung sahen, als das Kinderzimmer zu fluten, und sich auch am frühen Nachmittag nicht wirklich vorbildlich benommen haben.
Überhaupt frage ich mich, ob es eine gute Idee ist, solche Kinder so lange allein zu lassen…
Ob Gott tatsächlich das Haus verliess, darüber lässt sich natürlich streiten. Fest steht aber, dass er ab 17 Uhr keine öffentlichen Auftritte mehr hatte, während es diese vorher immer mal wieder gab. Er mag hie und da zu diesem oder jenem gesprochen haben, doch entspricht das eher einem kurzen Telefon-Anruf, welcher den Betroffenen zwar schon, die Umstehenden allerdings so gut wie gar nicht beeindruckte. Eine wilde Bande lässt sich damit sicher nicht zähmen.

Die Party steht übrigens für die Bevölkerungsexplosion der letzten zweihundert Jahre, die – in Anbetracht Gottes Allwissenheit – gewissermassen für diesen durchaus sichtbar auf Facebook angekündigt wurde und die Hoffnung, dass sich die Kinder stattdessen weiter die Zähne putzen werden, wie eine Schneeflocke in der Wüste schmelzen lassen sollte.

 

Damit will ich nicht behaupten, dass man Kindern nicht vertrauen könne. Ich denke einfach, dass sie sich das Vertrauen langsam verdienen müssen. Und ich wüsste kein Ereignis in der Bibel, wo sich die Menschheit als vertrauenswürdig und verantwortungsbewusst erwiesen hätte. Gott gehorcht haben sie eigentlich nur dann, wenn er ihnen befahl irgendein Volk auszurotten.

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Eda Gregr
04.04.2015 um 10:59

Am sechsten Tag erschuf Gott also den Menschen…

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
1. Mose 1;28

Diese Anweisung war das erste, was er zu ihnen sagte. Kann man dann davon ausgehen, dass Gott dem einiges Gewicht beimass?

Wieso? Wieso ist es Gott so wichtig, dass die Menschen sich vermehren? Wäre ein „Seid glücklich und habt Spass!“ nicht ein irgendwie liebenswürdiger Willkommensgruss gewesen? Insbesondere da Adam und Eva zu diesem Zeitpunkt noch unsterblich waren und sich damit, die Welt zu bevölkern, ruhig noch etwas Zeit hätten nehmen können. Wieso von Anfang an diese Fixierung auf die Fortpflanzung?
Wie dem auch sei, Vermehrung ist toll – und nicht nur weil sie Spass macht1 – , hat aber die überraschende Konsequenz, dass es dann immer mehr Menschen gibt. Wieso hat Gott nirgends erwähnt, ab welchem Moment wir das Gebot uns zu mehren „on hold“ stellen sollten? Ich meine, eine Überbevölkerung hat – zumindest aus der postparadiesischen Perspektive – schliesslich auch ihre Schattenseiten.

Aber okay, Gott wird schon seine Gründe dafür gehabt haben.

Warum sollen wir uns die Erde Untertan machen? Warum sollen wir nicht im Einklang mit der Natur leben? Eine solche Lebensform würde ich nicht als Herrschaft bezeichnen. Okay, als derjenige, der in ferner Zukunft vielleicht mal imstande sein wird verletzte Tiere zu heilen2, trägt man schon eine gewisse Verantwortung, doch sie waren im Paradies und da sollten Unfälle eigentlich seltener passiere. Wie legitimiert sich also die Herrschaft der Menschen über die Fische im Meer, über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht? Da die Menschen und alle Tiere und Pflanzen zu jener Zeit Vegetarier waren, gab es abgesehen von einer gelegentlichen Bewunderung eigentlich keinen Grund zur Interaktion. Wieso dann überhaupt Herrschaftsstrukturen. Da hätte Gott auch gleich noch die Wookies auf die Liste setzen können.
Okay, damit gehe ich wohl etwas zu weit. Die Interaktion konnte natürlich auch in Form von gemeinsamem Spiel stattfinden. Und in diesem Fall macht es durchaus Sinn den Menschen quasi als von Gottes gnaden eingesetzten Schiedsrichter zu etablieren – wobei mir nicht ganz klar ist, wieso Gott das mit seinen Allfähigkeiten nicht selbst machen will3. Den Schiri als Herrscher über den Fussballplatz zu bezeichnen finde ich – ehrlich gesagt – aber trotzdem etwas absurd. Insbesondere wenn einer der Spieler Maradona ist.
Ich hätte die Herrschaft wohl je nach Gebiet aufgeteilt. Wenn es ums Postwesen geht, wären wohl Tauben oder Eulen oder Raben besser geeignet gewesen. Was das Transportwesen betrifft Elefanten. Einen kurzbeinigen Menschen zum Vorgesetzten eines Adlers in der Kartografie zu machen ist auch kein sehr schlauer Schachzug, ihr versteht was ich meine?
Und der Chef ist nicht Adam allein, sondern die Menschheit als ganzes, was – nun ja – auch ein gewisses Konfliktpotential beinhaltet 4.
Wenn es nun einen Interessenkonflikt gibt zwischen den Menschen und einer anderen Art und der Mensch der Boss ist, dann wird die andere Art, sofern deren Niederlage dem Menschen auf lange Sicht nicht noch mehr schadet, immer den kürzeren ziehen56.

Aber okay, Gott wird wohl auch hier seine Gründe dafür gehabt haben.
Wobei ich aber wirklich nicht verstehe, wieso er uns diese nicht erklärt. Ich sag ja nur.

Wir sollen uns also mehren. Gut. Als Mann kann und will ich diesem Gebot bis an mein Lebensende nachkommen. Frauen werden aber ab der Menopause in dieser Hinsicht überflüssig. Anders als bei den anderen Tieren sterben die Frauen aber noch nicht gleich, sondern kümmern sich um den Nachwuchs ihres Nachwuchses, wodurch sie ihrem Nachwuchs etwas Freiraum verschaffen, den dieser zur weiteren Fortpflanzung nutzen kann. Die Unfruchtbarkeit ist also keine Bremse für die Vermehrung, sondern bisweilen sogar ein Turbobooster.
Wieso ist das bei Homosexuellen nicht das gleiche? Ihre Effizienz beim Fortpflanzen mag kleiner sein aufgrund ihrer Neigung, welche – wohlgemerkt – keine freie Entscheidung ist, ihr Wunsch sich um Kinder zu kümmern aber ganz und gar nicht. Von daher kann die Erziehung des Nachwuchses genau wie an die Grosseltern auch an Homosexuelle ausgelagert werden7.

Wenn sich also Gläubige gegen die Adoption von Kindern durch Homosexuelle aussprechen, dann verstossen sie damit, selbst wenn sie irgendwelche Bibelverse zitieren, gegen das erste und wichtigste Gebot Gottes: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde.

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Eda Gregr
31.03.2015 um 20:34

babelKennt ihr die Geschichte vom Turmbau in Babel? Wo die Menschen gottgleich zu werden versuchten und Gott sie zurechtstutzen musste? Habt ihr euch schon mal die Geschichte in der Bibel selbst angeschaut? Irgendwie klingt es da ganz anders:

  1. Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte.
  2. Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an.
  3. Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel.
  4. Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
  5. Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.
  6. Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.
  7. Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.
  8. Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen.
  9. Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen über die ganze Erde zerstreut.

1. Mose 11,1-9 / Einheitsübersetzung

Die Absicht der Menschen war es, ein Monument ihrer Einheit zu errichten, auf dass sie auch in Zukunft eine Einheit blieben. Eigentlich ein hübsches Unterfangen, finde ich. Kommt dem humanistischen Ideal ziemlich nahe. Ob dieses Monument nun ein Turm, eine Bibliothek oder ein Raumschiff ist, ist zweitrangig. Was zählt, ist das gemeinsam erreichte Ziel to boldly go where no one has gone before.

Und dann steigt Gott herab, um sich die „Sandburg“ mal anzuschauen1. Und Gott sieht, dass der Mensch Potential hat. Und er kriegt es mit der Angst zu tun.

Es passt ihm offensichtlich nicht, dass die Menschen sich verstehen, zusammen arbeiten und „alles“ zu erreichen fähig sind. Wieso nicht?
Fürchtete er, dass wir ihm den Himmel verbauen könnten? Wohl kaum, denn sein Himmel ist ja nicht wirklich in den Wolken2.
Fürchtete er, dass wir damit gottgleich werden könnten? Wäre das so schlecht? Gott ist ja superlieb, oder? Und sollten sich nicht alle Eltern wünschen, dass ihre Kinder sie dereinst überragen werden? Aber besteht überhaupt die Möglichkeit, dass wir gottgleich werden? Gott ist nicht von dieser Welt, wie könnte man dann mit irdischen Mitteln werden wie er?
Was also fürchtete er dermassen, dass es sich genötigt sah, Zwist unter den Menschen zu säen?

Gott verbannte Adam und Eva aus dem Paradies, weil sie ungehorsam waren, und er schickte die Sintflut, weil die Menschen verderbt waren. Ein bisschen drastisch, aber okay. In Babel jedoch bestraft er die Menschen3 nicht für etwas, das sie getan haben, sondern für etwas, das sie womöglich irgendwann man tun könnten. Müsste Gott, wenn er den Freien Willen respektieren will, die Fehlentscheidung der Menschen nicht erst abwarten?

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Eda Gregr
26.11.2014 um 18:46

Ich wette, zu jeder Art von Verbrechen lässt sich eine Stelle in der Bibel finden, wo Gott jemandem befielt genau die Handlung zu vollziehen, welche ohne den direkten Befehl Gottes eben jenes Verbrechen darstellen würde.

Davon ausgeschlossen sind Verbrechen, welche zu jener Zeit aus technischen Gründen nicht hätten begangen werden können. Wie Geschwindigkeitsübertretung auf der Autobahn, Skimming, Mondlandung vortäuschen oder Ausserirdische in der Area 51 quälen.

Wobei man mit dem Talent der Apologeten, auch die haarsträubendsten Dinge ins Gute umzudeuten, das sicher auch für die Verbrechen, die von der Wette ausgenommen sind, hinkriegen würde.

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Eda Gregr
24.10.2014 um 09:22

GottVor 2000 Jahren war es noch einfach zu glauben.

Nicht nur, weil Gott damals dauernd irgendwelchen Menschen erschien und ihnen allerlei Anweisungen gab.
Ich meine, es dürfte einem ziemlich schwer fallen, die Existenz Gottes zu bezweifeln, wenn er einen jeden Samstag morgen aus dem Bett klingelt, oder?

Nein, vor 2000 Jahren war es noch einfach zu glauben, weil man überall das Handeln Gottes sah:
Wenn beim Nachbarn der Blitz einschlug, dann war es klar, dass das die Strafe Gottes war.
Man wusste schliesslich, was der auf dem Kerbholz hatte, und dass es höchste Zeit war, dass er mal seine verdiente Abreibung bekam.
Was man hingegen nicht wusste, war, dass Blitze völlig natürliche und durchaus vorhersagbare Phänomene sind. (Wohlgemerkt vorhersagbar in einem naturphilosophischen Sinn und nicht in einem moralischen!)
Und was man auch nicht wusste, war, dass uns die selektive Wahrnehmung einen Streich spielen kann, wenn wir irgendwo einen Akt der Gerechtigkeit zu entdecken glauben.

Zur Illustration: Wenn sich zwei Pixel zufällig über einen nicht allzu grossen Bildschirm bewegen, dann glauben wir schnell mal zu erkennen, dass der eine dem anderen hinterher jagt. Wir interpretieren das in die Situation hinein und empfinden sogar Empathie für den Verfolgten. Wir können gar nicht anders.
Unser Gehirn wurde im Lauf der Evolution genau darauf optimiert: Muster zu erkennen – und zwar lieber mal eins zu viel als ein zu wenig.

Das heisst, dass wenn ein Blitz ins Nachbarshaus einschlägt, dann hat das nichts damit zu tun, dass dieser eine Woche zuvor meine Katze überfahren hat. Und doch werde ich ein freudiges Gefühl der Genugtuung verspüren. Daran ändert auch nichts, dass ich ganz genau weiss, dass der Blitz den vermeintlichen, karmischen Ausgleich auch dann vollzogen hätte, wenn es jede beliebige andere Person erwischt hätte. Weil ich je nach dem, ob ich der Person was Gutes oder Übles wünsche, nach Guten oder Üblem als Folge des Blitzes Ausschau gehalten hätte. Und irgendwas hätte sich schon finden lassen. Garantiert!

Es gibt also offensichtlich keinen Ort auf der Welt, wo ein Blitz einschlagen könnte, wo er unserem spontanen Instinkt nach nicht etwas zum Guten wenden wird. Wenn das mal kein Beweis für die Liebe Gottes ist…
(Theoretisch wäre natürlich auch möglich, nach Folgen Ausschau zu halten, die das karmischen Ungleichgewicht verstärken und damit die Verschlagenheit des transzendenten Widersachers belegen, doch aus einem unergründlichen Grund zieht man es offenbar vor, diese Variante nur auf Ereignisse zu beschränken, wo Menschen die Finger im Spiel hatten.)

Heute wissen wir, dass wir für eine richtige Einschätzung dessen, ob etwas eine Strafe oder Belohnung ist, dem Ort, wo der Blitz eingeschlagen ist, alle anderen Orte entgegen stellen müssen, wo er genauso gut hätte einschlagen und mindestens genauso viel Gutes hätte verursachen können. Wir wissen, dass der Umstand, dass sich ein Ereignis ereignet, dessen Wahrscheinlichkeit sich ereignen zu können in keinster Weise beeinflusst.
Doch obwohl wir all das heute wissen, leitet uns unser Gefühl trotzdem immer mal wieder in die Irre!
Wohin musste einen das Gefühl erst geführt haben, als man all das noch nicht wusste?

Wenn etwas aussieht, als ob jemand dahinter steckt, man aber keinen blassen Schimmer hat, wie es tatsächlich funktionieren könnte, wie soll man da auf die Idee kommen, dass da doch niemand dahinter steckt?
Ausgeschlossen ist es nicht.
Eine sorgfältige Statistik beispielsweise würde keine Muster erkennen lassen, die man eigentlich erwarten müsste, wenn wirklich jemand dahinter stecken würde.
Oder man könnte auch die Überzeugung auf die Probe stellen, indem man die Lehre, die man aus der vermeintlichen Strafe gezogen hat, umgekehrt umsetzt und das nächste Gewitter abwartet.

Wie gesagt, vor 2000 Jahren war es noch einfach zu glauben.
Man konnte Gott sogar auf die Probe stellen: Man betete mal provokativ zu einem anderen Gott und prompt jagte der einzig wahre Gott einem den Mossad auf den Hals. Oder man konnte das auserwählte Volk in eine ausweglose Situation bringen, aus der Gott es dann mit einem Wunder wieder herausführte.
Heute geht das nicht mehr.

Okay, manche Christen sagen, man könne Gott auch heute noch auf die Probe stellen. Man müsse es sogar. Man müsse sich ihm bloss anvertrauen und man würde die Antwort erkennen.
Erinnert mich an die Sache mit dem Blitz. Bei einem Test sagt man das Ergebnis voraus und schaut, ob es dann auch so rauskommt. Hier schaut man sich die Ergebnisse an und überlegt sich, welches davon den Test beantwortet.
Erinnert mich an Bad Pharma… #AllTrials

 

Eigentlich lustig, dass fundamentale Gläubige sich lieber von der Intuition leiten lassen, die ein Produkt der Evolution ist, und sich gegen die Vernunft auflehnen, die in gewisser Weise die Evolution überwunden hat.

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