Eda Gregr
30.11.2016 um 00:11

Das Postfach quillt über und der Chef liegt einem in den Ohren, dass dieses und jenes noch immer nicht fertig ist. Was tun?

Ein Seminar besuchen zum Thema Arbeitsmethodik und Zeitmanagement! Das liegt doch auf der Hand, oder nicht?
Wenn man seine Arbeit effizienter gestaltet, schafft man mehr und alles ist gut!
Und wenn man mehr schaffen will, machen einen die Coaches früher oder später auf das Pareto-Prinzip aufmerksam. Also dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Aufwandes erreicht werden.

Was aber lässt sich aus dem Pareto-Prinzip ableiten? Wie kann man dieses Muster, das man tatsächlich überall im Arbeitsalltag finden kann, zu seinen Gunsten nutzen?

Natürlich darf man das Pareto-Prinzip nicht allzu wörtlich nehmen. Es ist schliesslich lediglich ein Muster unter vielen, denen man in der Arbeitswelt begegnet.
Ein anderes Muster wäre beispielsweise – ich nenne es mal – das Marathon-Prinzip: Für jede aufgegebene Arbeit hat man nur ein beschränktes Pensum am Energie zu Verfügung, welche es weise aufzuteilen gilt. Hie und da ein kurzer Sprint liegt durchaus drin, ob man damit aber schneller im Ziel ist, steht auf einem anderen Blatt. Vor allem kann man aber vergessen die ganze Strecke in diesem Tempo durchhalten wollen.
Aus dieser Metapher lässt sich ableiten, dass der Umstand, dass die Ferienabwesenheit eines Kollegen nicht zu einem Kollaps der Firma führt, noch kein Grund sein kann, dessen Stelle abzubauen. Das leuchtet im Grossen und Ganzen auch jedem ein.

Und was lässt sich dann aus dem Pareto-Prinzip ableiten?

Ist das nicht offensichtlich?

Es ist nicht die unter Managern populäre Strategie, 125% zu den neuen 100% zu erklären. Man könnte zwar meinen, dass man auf diese Weise mit 20% Aufwand die alten 100% erreicht, was eigentlich im Interesse des Arbeiter sein sollte, doch das ist natürlich Blödsinn. Indem man in eine grosse Schüssel Bockmist ein Schild steckt, auf dem „Kleine Schüssel Bockmist!“ steht, löffelt man diese deswegen noch lange nicht schneller aus.

Nein, es ist folgende Strategie: Man erklärt sich mit 80% zufrieden! Und kriegt im Gegenzug 400%. Tadaaa! Man kann nämlich statt einmal 100% auch fünfmal 20% leisten, welche an 5 verschiedenen(!) Projekten je 80% der Ergebnisse liefern. Und wenn man so viel Wert auf die jeweils restlichen 20% legt, dann kann man eine weitere Person einstellen, die dann mit je 20% ihres Aufwands wieder je 80% des Rests erledigt1. Damit wäre man dann schon bei fünfmal 96%, also insgesamt 480%. Damit senkt man zwar die vorher 4-fache Leistung pro Person auf eine 2.4-fache, aber okay, wenn man das unbedingt will… Man kann sich übrigens auf diese Weise beliebig nah an die 100%, resp. 500% herantasten: Mit 1000 Leuten ist die Differenz beispielsweise nur noch 21000*10-1000%, das ist ungefähr ein Zehncentsexdezilliardstel oder ein Irgendwas-mit-700-Nullen-stel, was den meisten Controllern eigentlich nicht mehr auffallen sollte.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob ein Manager, der innerhalb der 80%-sind-genug-Strategie die Perfektion sucht, wirklich seinen Bonus Wert ist…

Mir stellt sich sogar die grundsätzliche Frage, ob es gerechtfertigt ist Boni an Bosse auszuzahlen, wenn diese ihre Angestellten in Kurse zu Arbeitsmethodik und Zeitmanagement schicken? Ist das nicht ein Eingeständnis dafür, dass sie zu knausrig sind um einen weiteren Mitarbeiter einzustellen um die völlig erschöpften zu entlasten? Dass sie ihrer Untergebenen schamlos ausbeuten, weil sie nicht nur keine Rücksicht auf deren Leid nehmen, sondern viel mehr weil sie daraus Profit schlagen?
Dass sich die Überforderten ihre Überforderung selbst zum Vorwurf machen, zeugt zwar von der Brillanz der Vorgesetzten, ändert aber nichts daran, dass ein solches Arbeitsmodell aus ethischer Sicht eigentlich nicht belohnt werden sollte.

Ist diese Haltung, dass der Grund für das Nichterfüllen des Pensums die suboptimale Arbeitsweise ist, nicht Victim-Blaming?
Wenn jemand sein Pensum kaum zu stemmen vermag, wessen Schuld ist das? Und bei wem liegt die Beweislast? Beim Angestellten, der nachweisen muss, dass es unter den gegebenen Umständen tatsächlich physikalisch nicht zu schaffen ist? Oder beim Vorgesetzten, der nachweisen muss, dass der Angestellte2 einfach ein fauler Sack ist?

Vielleicht liesse sich die 80-zu-20-Regel ja nutzen um festzustellen, ob man dem Angestellten zu viel aufgehalst hat? Wenn dieser nach ungefähr 2 Stunden3 nicht 80% seines Tagessolls erfüllt hat, stimmt das Pensum nicht4. Ich bezweifle jedoch, dass sich ein Vorgesetzter finden lässt, der diesen Indikator akzeptieren würden…

Ganz anders sieht die Situation natürlich aus, wenn man die Leute in diese Kurse schickt um das Defizit an Arbeit auf eine befriedigende Art und Weise über den ganzen Tag zu verteilen, denn auch Langeweile und Unterforderung besitzen Stresspotential, auf welches es zu reagieren gilt.
Jemandem mehr Arbeit zu geben, als er zu erledigen fähig ist, ist ethisch bedenklich. Ihm dagegen weniger zu geben, mag wirtschaftlich uninteressant und psychologisch zersetzend sein, doch daran ist ethisch nichts auszusetzen. Wenn Kurse zu Arbeitsmethodik und Zeitmanagement sich also nicht auf dem gleichen Niveau wie Schmink-Tips für verprügelte Frauen wiederfinden wollen, sollten sie sich das vielleicht zu Herzen nehmen.

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Eda Gregr
08.06.2015 um 18:59

Dass Starbucks, Amazon, Apple und Co. trotz ihres Erfolgs es einfach nicht schaffen genug Gewinn zu erwirtschaften um ihn in der Schweiz versteuern zu dürfen, sollte inzwischen eigentlich hinlänglich bekannt sein.

Dass die genialen buchhalterischen Tricks legal sind, ist mir klar, ich frage mich aber, wieso sie es noch immer sind? Ich meine, wenn ein Radrennfahrer mit einer neuen, noch nicht explizit verbotenen, leistungsverstärkenden Substanz erwischt wird, dauert es nicht lange und die Substanz ist sehr explizit verboten.
Wieso also werden die Schlupflöcher bei den Steuern nicht gestopft, sobald sie entdeckt werden?

Die Antwort liegt natürlich auf der Hand: Lobbyismus und Korruption!!!
Doch ich frage mich, ob das tatsächlich die ganze Antwort ist? Vielleicht gibt es ja wirklich gute Gründe, die Schlupflöcher nicht zu stopfen, und das, was aussieht wie ein grosser Haufen Scheisse, ist das meisterlich geglückte Werk intelligenter, geschickter und herzensguter Entscheidungsträger. Vielleicht wäre die Alternative ja eine Katastrophe epochalen Ausmasses gewesen. Oder vielleicht auch nur ein mimim grösserer Haufen Scheisse.
Doch welche Gründe mögen das wohl sein, die uns davor bewahrten, die schlimmere Variante zu wählen?

Und selbst wenn die Politiker doch korrupt sind und sich den Wünschen bösartiger, multinationaler Konzerne freudig beugen, so gehört es doch zum gute Stil zumindest zu versuchen den Eindruck von Redlichkeit zu erwecken, oder etwa nicht? In diesem Fall sollten Politiker also wenigstens vorgeben gute Gründe für ihr Entscheidungen zu haben.
Und auch hier: Welche Gründe mögen das wohl sein?

Ich vermute also, erstens dass es durchaus Gründe gibt, welche gegen das Stopfen der Steuerlöcher sprechen – ob sie wirklich valide sind, sei mal dahin gestellt -, und zweitens, dass die, die diese haben, nicht zu Wort kommen (wollen) – aus welchen Gründen auch immer.

In der Regel sind Arbeitsplätze bedroht. In der Politik sind immer Arbeitsplätze bedroht. Das wird sicher auch hier der Fall sein.
Und in der Politik verzichtet man lieber auf Steuern als auf die Beschäftigung seiner Bürger! Aus einem politischem Kalkül ist das sicher eine vernünftige Strategie und bis zu einem gewissen Grad, den ich nicht wirklich abzuschätzen vermag, vermutlich auch aus einem wirtschaftlichen.

Doch es sind nicht nur Arbeitsplätze bedroht, wenn die Firmen zu viel Steuern bezahlen müssen – auch das Fehlen von Steuereinnahmen und damit die mangelnde Zurverfügungstellung der nötigen Infrastruktur ist riskant. Das engt den Spielraum schon ein bisschen ein. Ungeschoren kommt da leider keiner davon – ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Deshalb dürfen, nein, sollen Steuern auch ein bisschen weh tun.

Interessanterweise ist geteiltes Leid aber nur dann halbes Leid, wenn man sieht, dass der andere auch leidet. Und im Fall von Starbucks, Amazon, Apple und Co. ist das offensichtlich nicht der Fall. Schön möglich, dass sie insgeheim gar fürchterlich leiden, doch als echte Indianer zeigen sie keinen Schmerz. Und das ist blöd, denn wenn sie es täten, würde sich die Frage, warum die Löcher nicht gestopft werden, gar nicht erst stellen12.

Vielleicht ist der Grund für das stille Leid der Firmen, dass so gut wie der ganze erwirtschaftete Gewinn für die Lizenzgebühren drauf geht?
Dann wäre es doch eigentlich im Interesse sowohl der Unternehmer wie auch des Staates sich mal anzuschauen, ob da mit den Lizenzen nicht vielleicht Wucher betrieben wird? Ich meine, wie viel kann ich dafür verlangen, wenn jemand Kaffee in Bechern mit meinem Wappen drauf verkaufen will? Dass der andere bereit ist mir dafür jede Summe hinzublättern, sollte die Sache genauso wenig legal machen, wie man bereit ist einem Kredithai jeden beliebigen Zins zu zahlen. Hier wird die Not der Menschen ausgenutzt.
Allerdings sehe ich – ehrlich gesagt – nicht ein, wieso man die Unternehmen zwingen sollte Gewinn zu machen. Wenn sie sich mit Lizenzabgaben um ihren ganzen Gewinn bringen wollen, dann sollen sie nicht daran gehindert werden, doch leer ausgehen sollte der Staat deswegen trotzdem nicht.

Meine Idee: Wenn irgendwo ein Geldstrom fliesst, soll ein bisschen davon an den Fiskus versickern. Bei Elektrizität, Erdöl und Nahrungsmitteln funktioniert das ja auch: verlustfreien Transport gibt es nicht. Wieso soll das dann bei Geld anders sein? Seit wann erwarten wir vom Staat effizienter zu sein als die Physik?
Und wen das nicht überzeugt, soll sich mal einen Geldschein anschauen: Wessen Wappen findet man da drauf? Wenn Starbucks Geld verlangt für das Benutzen von Bechern mit ihrem Wappen, wieso dann nicht auch der Staat für das Benutzen von Geld mit ihrem Siegel drauf?

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Eda Gregr
03.03.2015 um 20:14

Verdienen Impfgegner mit Ihrem Dagegensein Geld? Verdienen die impfbefürwortenden Firmen (Pharma usw.) damit Geld? Wer kann wesentlich mehr Geld für seine Propaganda einsetzen?
irgendwo aus den seichten Tiefen den Internet

Wer Geld an etwas verdient, hat selbstverständlich ein besonderes Interesse an der Sache. Das heisst aber nicht, dass wer weniger Geld an etwas verdient, weniger Interesse daran hätte. Es gibt nämlich noch ganz andere Gründe an etwas Interesse zu haben. Und die können, was die motivierende Wirkung betrifft, die monetären sogar weit hinter sich lassen.

Die Frage ist daher weniger, wie gross das Interesse ist, sondern was es braucht, um es zu verlieren.
Bei finanziellen Interessen verschwinden diese bekanntlich mit schwindendem Profit schnell mal wieder. Bei nicht so einfach quantifizierbaren Interessen neigt man dagegen dazu, sich die Widersprüche recht lang zurecht zu biegen.

Sollten also Impfungen tatsächlich massive Impfschäden verursachen und sollten die Produzenten – wie die Impfleugner beteuern – tatsächlich davon wissen, dann werden diese wohl knallhart kalkulieren, wie sehr teure Vertuschungsaktionen, Wiedergutmachungen aber auch Imageschäden den Gewinn beeinträchtigen können. Und ab einem bestimmten Punkt werden sie die Notbremse ziehen.
Sollten Impfungen jedoch wirklich funktionieren, dann ist es zwar ärgerlich, dass skrupellose Firmen Geld damit verdienen, doch ändern tut es am Verdienst der Impfungen nichts. Dann jedoch stimmen eine ganze Reihe von Überzeugungen der Impfkritiker nicht und ihr Weltbild gerät arg ins Wanken.
Sich eine neue Geldquelle suchen zu müssen, ist doof, doch wesentlich doofer ist es, sich eine neue Weltanschauung zusammenschustern zu müssen.

Wir wollten uns aber nur aufs Geld konzentrieren:

Verdienen die impfbefürwortenden Firmen damit Geld? – Ja.
Verdienen die Impfgegner damit Geld? – Auf den ersten Blick vielleicht nicht. Doch sie propagieren, wie gesagt, mit ihrem Widerstand erfolgreich eine Weltbild, innerhalb dessen, die Produkte, die sie verkaufen, überhaupt erst Sinn machen.

Folgt man dem Geld, gelangt man daher nicht nur zur Pharma1, sondern bald auch mal zur Esoterik2– und die Alternativmedizin3-Szene, aus deren argumentativen Fundus sich die Impfkritik grosszügig bedient und dann ihre eigenen Heilmittel an den Mann bringt. Es ist also nicht so, dass hinter den Impfgegner nicht auch Organisationen mit finanziellen Interessen stehen würden.

Aber vielleicht sind die impfkritischen Interessengruppen ja wirklich ganz im Gegensatz zu den geldgeilen Grosskonzernen allesamt lieb und gegen den bösen Einfluss des Mammon gänzlich immun…

Und apropos Grosskonzerne… wie kommt es eigentlich, dass die böse Pharma4 offenbar genug Geld zusammenkratzen kann um alle Wissenschaftler im Bezug aufs Impfen zu schmieren, die böse Ölindustrie5 aber, welche eigentlich als der einflussreichste Wirtschaftszweig gilt, nicht nicht in der Lage ist die Wissenschaftler im Bezug auf die Klimaerwärmung zum Schweigen zu bringen?

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Eda Gregr
22.10.2014 um 01:04

Ich halte mich selbst eigentlich für einen Feministen, doch damit, was Jane Rayner hier verlangt, schiesst sie nun definitiv den Vogel ab. Dass man Frauen so lange bei der Stellenvergabe an Universitäten und auch anderswo bevorzugt, bis das Geschlechterverhältnis jenem der zur Verfügung stehenden qualifizierten Kandidaten entspricht, halte ich trotz der inherenten Diskriminierung für völlig richtig, Männern aber grundsätzlich nicht gestatten zu wollen, dass sie Lehrstühle und Führungspositionen inne haben können, ist absurd. Dass Männer im Laufe der Geschichte so manchen Blödsinn angestellt haben, mag schon stimmen, ihnen aber daraus eine kategorische Unfähigkeit attestieren zu wollen, geht gar nicht. Selbst wenn die Chance, der der Lehre und Führung innewohnenden Macht zu erliegen, bei Männern um Grössenordnungen ausgeprägter sein mag als bei Frauen, wie Rayner mit Studien zu belegen versucht, so darf man das trotzdem nicht jemandem zum Vorwurf machen, der es sich noch nicht zuschulden gemacht hat. Das mag zwar manchen lästig erscheinen, doch so funktioniert nun mal die Ethik und unser Rechtssystem.

In den Kommentaren versuchen zwar ein paar Verteidiger verzweifelt ihre Forderungen so umzuinterpretieren, dass der Diskriminierungsvorwurf entkräftet wird, doch ich frage mich, wieviel Spielraum so klare Worte lassen?
Ich vertrete hier ja auch immer die Position, dass man von allen möglichen Interpretationen stets die liebste unterstellen soll, doch hier ist der Bogen überspannt.

Ich frage mich, ob es objektive Kriterien gibt, die einem sagen können, ab wann bei einer Interpretation der Bogen überspannt ist und man allgemein akzeptieren muss, dass „sowas“ nun definitiv nicht mehr herausgelesen werden kann?
Allerdings fürchte ich, dass egal, wie grosszügig man die Kriterien formuliert, es wird immer irgendwelche Trottel geben, die auch dann noch das erwähnte „sowas“ drin erkennen werden.

Bisher hätte ich eigentlich alle Ideen Rayners unterschreiben können – insbesondere von ihren religionskritischen Argumenten war ich stets sehr angetan. Doch dass es gerechtfertigt sein soll, „den Fuchs lieber grundsätzlich vom Hühnerstall fernzuhalten“, wie Rayner es formuliert, kann ich – wie übrigens die meisten anderen Kommentatoren – beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Kann es sein, dass Rayner und ich in den Punkten, wo wir uns einig sind, aus völlig unterschiedlichen, womöglich gar einander ausschliessenden Gründen die gleiche Position vertreten?
Soll vorkommen.

Oder hat sie vielleicht doch recht?
Könnte die Diskriminierung im Angesicht einer biologisch bedingten Schwäche doch gerechtfertigt sein?
Wenn man es nicht kategorisch macht, sondern mit einem Test (den durch eine biologisch bedingte Schwäche der Männer nur Frauen bestehen würden), dann würde auch der Vorwurf der Diskriminierung hinfällig.

 

 

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Eda Gregr
30.07.2014 um 22:39

Erfahrung ist das Α und Ω im aktuellen Stellenmarkt. Genauer: Mehr Erfahrung als es vom Alter her überhaupt Sinn macht!

Das ist natürlich verzwickt, aber bei weitem kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen, denn es gibt durchaus eine Möglichkeit dieses scheinbare Paradoxon aufzulösen:

Z E I T R E I S E N

Ob man diese tatsächlich auf sich nimmt oder ob man sich damit begnügt im CV ein klitzekleines bisschen zu flunkern, ist natürlich jedem selbst überlassen. Sollte man sich jedoch für die Flunkerei entscheiden, sollte man lieber ein paar Grundregeln beachten.
Man sollte lieber nicht behaupten, man hätte die Zeitmaschine selbst gebaut, weil der künftige Arbeitgeber womöglich um eine Demonstration bitten würde – und Erklärungen wie Nationale Sicherheit oder Zeitcorps-Direktiven werden nur allzu gern als Ausflüchte interpretiert. Auch Ausserirdische taugen als Erklärung nicht besonders. Die mögen zwar durchaus über die nötige Technologie verfügen, doch so lange die Existenz von extraterrestrischen Besuchern noch nicht offiziell bestätigt ist, neigen HR-Menschen deren Erwähnung als Indiz für einen latenten Hang zu Verschwörungstheorien zu deuten. Eindeutig die besten Chance hat man indessen mit spontanen Wurmlöchern, durch die man unabsichtlich gestolpert ist.  Von denen hat man in der Regel schon gehört und auch davon, dass deren Existenz nicht im Widerspruch zur Physik steht. Wenn man dann noch unauffällig den Begriff Quanten einfliessen lässt, hat man sofort jeden Eso-Affinen auf seiner Seite – und von denen hat’s im HR bekanntlich nicht wenige.
Man sollte lieber auch etwas von der Zeit wissen, in der man angeblich seine Erfahrung gesammelt hat. Nicht unbedingt alles, die Details dürfen gern von der offiziellen Lehrmeinung abweichen. Es macht nämlich sich gut, wenn man bekannte Anekdoten etwas anders erzählt und dann erklärt, wie es dazu kam, dass sich die falsche Version durchgesetzt hat. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber die Sonnen- und Mondfinsternisse jener Zeit zu kennen. Die können die Interviewer nämlich relativ einfach und unauffällig vor Ort überprüfen.
Aus psychologischen Gründen sollte man lieber an Projekte gearbeitet haben, die auch heute noch bekannt sind. Doch das kann ein zweischneidiges Schwert sein. Ingenieure sollten sich beispielsweise lieber zuerst sehr gut überlegen, ob sie am Bau vom schiefen Turm von Pisa beteiligt gewesen sein wollen. Er steht zwar noch und er ist weltberühmt. Aber – nun ja – er ist schief. Oder wenn man Mitte des 14. Jahrhunderts eine pharmakologische Weiterbildung in Konstantinopel machte, wird es schwierig die Leuten davon zu überzeugen, dass man nicht am Ausbruch der Pest Schuld war. Ein Praktikum als Investment Banker bei den Medicis, Fuggers oder Rotschilds wäre sicher eine gute Referenz, doch haben die sich bekanntlich auch Feinde gemacht.
Die Mitarbeit an der chinesischen Mauer, ein Volontariat in Gutenbergs Druckerei oder Schiffsjunge auf der Santa Maria sollten aber eigentlich keine versteckten Stolpersteine beihalten.

Ich persönlich erkläre für gewöhnlich, dass mich das besagte Wurmloch ins Mekka des Jahres 610 verschlagen hat und dass ich dort kurzerhand den Islam gegründet habe. Natürlich stösst das nicht nur auf Sympatien, doch keiner würde wagen mich deswegen nicht einzustellen – das wäre nämlich eine unzulässige religiöse Diskriminierung. Sie können auch nicht die inhaltliche Qualität meiner Arbeit beanstanden –  dafür sind den Leuten die Bilder von den Ausschreitungen als Reaktion auf die Karikaturen von mir noch zu präsent. Alles was bleibt, ist, dass ich mit nichts als einem in einem (versehentlichen) Drogenrausch geschriebenen Buch ausgerüstet eine Organisation aufzog, die fast anderthalb Jahrtausende bestand haben sollte – wenn das mal keine Führungsqualitäten sind.

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Wie mies dürfen die Vorschläge von Amazon höchstens sein, damit das in Big Data gesetzte Misstrauen weiter aufrecht gehalten werden kann?

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Eda Gregr
22.07.2014 um 11:29

Ich bin heute versehentlich schwarz zur Arbeit gefahren1. Und hatte statt der üblichen 45 Minuten nur 30.

Ich finde es völlig in Ordnung, dass der Verkehrsbund im Interesse der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs das bezahlte Fahren gegenüber dem unbezahlten attraktiv zu gestalten versucht, doch ich hege gewisse Zweifel, ob dies im Transportwesens tatsächlich mit längeren Fahrzeiten erreicht werden kann.
Klar, die Menschen bezahlen für Dienstleistungen, die nur 15 Minuten in Anspruch nehmen, nicht gern einen Betrag, den sie liebend gern hingeblättert hätten, wenn er für 15 Stunden gewesen wäre. Und ja, indem man die Fahrzeiten der Schwarzfahrer verkürzt, ist man sie schneller wieder los, was den durch diese verursachten (und nicht finanzierten) Aufwand und Verschleiss sicherlich markant reduziert. Nichtsdestotrotz bezweifle ich, dass das, was auf den ersten Blick nach einer klaren Win-Win-Situation aussieht, wirklich eine ist.


  1. um einer allfälligen nachträglichen Strafverfolgung2 vorzubeugen verschweige ich hier lieber in welcher Stadt das war.
  2. ich bitte noch zu berücksichtigen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch ein gültiges 24-Stunden-Ticket besass, wenn auch für eine andere Zone3.
  3. was, wie ich annehme, keinen signifikaten Einfluss haben sollte, weder auf allfällige Kontrolleure, noch auf meine hier formulierte Vermutung.
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Eda Gregr
21.05.2014 um 10:35

20min fragt, warum die Schweizer auf Mindestlohn und mehr Ferien verzichten?
Und Experten antworten, dass diese offenbar eine gewisse ökonomische Vernunft walten liessen.
Es wird das Bild des arbeitsamen Schweizers heraufbeschworen, der im Interesse der Wirtschaft auch bereit ist auf gewisse Dinge zu verzichten, weil er ja wisse, dass was der Wirtschaft hilft, auch gut für alle sei.

Die Sache ist aber die, dass jeder Mensch seine eigene Position für die vernünftige hält. Und selbst wenn er die Entscheidung per Münzwurf gefällt hat, so ist er immerhin davon überzeugt, dass es sich dabei um eine vernünftige Strategie handelt.
Wenn die Experten also zum Schluss kommen, dass die Schweizer Vernunft walten liessen, dann nicht, weil sie die kognitiven Prozesse der Stimmenden analysiert hätten, sondern allein weil sie das Ergebnis für die vernünftigere Variante halten.
Damit suggerieren sie aber auch, dass das andere Ergebnis der Wirtschaft geschadet hätte. Darin, ob dem wirklich so ist, gehen aber die Meinungen auseinander.
Niemand will der Wirtschaft schaden. Auch die Befürworter von Mindestlohn und mehr Ferien sind überzeugt davon, dass diese Massnahmen der Wirtschaft und damit allen geholfen hätten. Und entsprechend werden diese bei der Einschätzung, wie viel ökonomische Vernunft die Schweizer haben walten lassen, zu einem etwas anderen Ergebnis gelangen.

Aber es stimmt schon, die Schweizer sind ihrer Linie schon treu, doch ich fürchte, die treibende Kraft dahinter ist nicht die Verinnerlichung von vernünftigem, unternehmerischem Handeln.

Die erste Reaktion auf all diese utopisch anmutenden Gedanken ist immer: Wer soll es bezahlen?
Unsere Experten werden darin zweifellos die wirtschaftliche Besorgnis erkennen, doch genauso gut  könnte es die Furcht davor sein, dass sie selbst es tun werden müssen.
Ökonomisch wäre diese Frage allerdings nur, wenn der Fragende es sich nicht leisten könnte.
Wenn aber nur ein moderates Stutzen des eigenen Wohlstandes droht, ist die Frage egoistisch.
Die Schweizer wollen nicht, dass auf ihre Kosten anderen geholfen wird. Diese Einstellung wird auch durch die stets präsente Furcht vor Schmarotzern bestätigt.

Man könnte jetzt daraus schliessen, dass es den Schweizern wichtiger ist, anderen nicht zu helfen, als selbst auch davon zu profitierten. Das würde das Abstimmungsverhalten zwar noch etwas besser beschreiben als der Homo oeconomicus, doch so weit möchte ich nicht gehen. Ich denke, es ist ein Mittelweg. Man weiss, dass man bisweilen dem Erfolg der Wirtschaft etwas opfern muss. Und was liegt da näher als auf Dinge zu verzichten, die man gar nicht hat? Wie beispielsweise die eine zusätzliche Woche Ferien.

Warum die Schweizer auf Mindestlohn und mehr Ferien verzichten?
Weil es mehr schmerzt einen Tag Ferien abzugeben als es freut eine Woche zusätzlich zu bekommen. Dieses emotionale Missverhältnis ist die treibende Kraft und nicht die Vernunft.

Im Interesse eine utopischen Politik sollten wir daher nicht darüber abstimmen, ob wir etwas haben wollen (von dem wir übrigens noch gar nicht mit Sicherheit sagen können, ob es sich bewähren würde), sondern man sollte es einführen und nach einer gewissen Zeit fragen, ob man es lieber wieder abschaffen will, weil es sich nicht bewährt hat.

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Eda Gregr
14.03.2014 um 21:35

Dass Ermotti mit nur 10.6 Millionen statt seinen verdienten 10.7 Millionen  etwas weniger glücklich wäre, ist natürlich unbestritten, doch ist es meines Erachtens nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, wenn man annimmt, dass eine Person, für die mit der Differenz eine Stelle finanziert worden wäre, im Gegenzug dafür mehr glücklich wäre. Und ich denke, dass das „mehr glücklich“ des Neueingestellten das „weniger glücklich“ des Chefs zumindest um einen Hauch überwiegen würde.
Hinzu käme dann natürlich noch, dass sich die anderen Untergebenen wohl kaum beschweren würden, wenn für die Arbeit, die sie aufgrund der Sparwut kaum mehr bewältigen, eine zusätzliche Arbeitskraft abgestellt wird.

Diese Rechnung lässt sich übrigens wiederholen. Wenn auch nicht beliebig oft, denn obwohl das „mehr glücklich“ der Neueingestellten konstant bleibt, wächst das „weniger glücklich“ des Chefs mit jeder Runde mehr, bis das „weniger glücklich„, was ja nicht notwenigderweise „unglücklich“ heissen muss, eben  doch noch ins „unglücklich“ kippt. Und das wollen wir ja nicht.

Ich schätze, Lohngerechtigkeit lässt sich ganz einfach mit einer Zahl ausdrücken: Jener, wie oft man dieses Rechnung wiederholen kann.


Was mir hierbei aber am besten gefällt, ist, dass wenn der Kalkulator – also der, der diese Rechnungen umsetzt – ein guter Verkäufer ist, dann kann der Wert ins unermessliche steigen. Nun ja, zumindest bis die Ehefrau Wind davon bekommt.

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Eda Gregr
27.01.2014 um 11:56

Kommt es nur mir seltsam vor, dass Kurse zur Optimierung der Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgesprächstrainings als Massnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit verstanden werden wollen?
Wenn ich bessere Bewerbungsunterlagen habe und mich besser verkaufen kann als ein anderer, dann kriege ich statt ihm den Job. Für mich ist das toll, für den anderen weniger. Doch ein Arbeitnehmer und ein Arbeitsloser sind es nach wie vor.

Gesenkt werden kann die Arbeitslosigkeit allein durch das Aufstocken von Arbeitsplätzen.
Und wenn man für die Kurse zur Optimierung von Bewerbungsunterlagen und für die Bewerbungsgesprächstrainings keine neuen Lehrer einstellt, dann bleibt die Bilanz die gleiche.

Die durchaus noble Idee solcher Massnahmen ist, dass man den Arbeitssuchenden genau das zu verkaufen lehrt, was er zu leisten fähig ist. Doch was geschieht, wenn er sich noch besser zu verkaufen lernt? Was, wenn diesen durch solche Bootcamps gestählten Arbeitssuchende Stellen angeboten werden, für die sie gar nicht mehr qualifiziert sind?
Ist es für eine Wirtschaft besser, wenn die Stellen mit unter- oder überforderten Mitarbeitern besetzt sind?

Liegt es wirklich in unserem Interesse ein Wettrüsten unter den Stellensuchenden zu betreiben?

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Eda Gregr
22.01.2014 um 01:55

Meine Theorie: Die Gelfrisur hielt mit dem Film Wall Street (1987) Einzug in die Wall Street und die Chefetagen rund um den Globus.

Okay, was den Einfluss von Wall Street Filmen betrifft, gibt es noch ganz andere Theorien.
Beispielsweise die, dass mit diesen unmittelbar ein Kurssturz bevor steht:


oder eben auch nicht (Quelle: bespokeinvest.com)

Oder dass solche Filme das kriminelle Verhalten von Brokern glorifizieren

Das finde ich indessen eine interessante Frage. Denn natürlich wird die Fratze eines solchen Lebens in seiner ganzen abstossenden Hässlichkeit dargestellt, und doch übt es irgendwie eine die Urinstinkte ansprechende, makabre Faszination aus. Vielleicht weil man insgeheim glaubt, man könne das Geile ohne das Niederträchtige haben.
Ich glaube mich erinnern zu können, dass ich mal irgendwo von Marines gelesen habe, die sich jeweils unmittelbar vor den Kampfeinsätzen den Film  Apokalypse Now (1979) reingezogen haben um sich mit dem, was einem eigentlich den Krieg ein für alle Mal verleiden sollte, in eine Art Blutrausch zu versetzen.

Offenbar reagieren Menschen in Extremsituationen anders als man und auch man selbst es für möglich halten würde. Und offenbar sind Krieg und Wall Street Extremsituationen.
Und entsprechend liegt es nicht fern, dass man sich in solchen Jobs beim Betrachten dieser Filme – wenn schon nicht an konkreten Strategien – so doch zumindest am Style orientiert. Und an der Gelfrisur…

Okay, meine Theorie steht auf wackligen Füssen. Doch was wird wohl in nächster Zeit Einzug halten in die Wall Street und die Chefetagen rund um den Globus, wenn ich doch recht haben sollte?

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Eda Gregr
28.11.2013 um 13:23

Gestern zog ich über einen päpstlichen Nächstenliebe-Tweet her. Hier noch ein paar Ergänzungen:

Die Nächstenliebe ist keine Erfindung des Christentums.
Die Christen haben dem Altruismus, einer natürlichen Denk- und Handlungsweise, lediglich einen hippen Namen gegeben und ihn sozial gefördert.

Das ist natürlich okay und durchaus dankenswert. Vor allem dort, wo kein institutionalisiertes soziales Netz vorhanden ist. Wo der Sozialstaat allerdings gut funktioniert, verliert die Nächstenliebe etwas an Dringlichkeit und konzentriert sich auf die menschliche Wärme.
Wenn man heute an einem schwer verletzten Raubopfer vorbei kommt, hilft man ihm mehr, wenn man den Krankenwagen ruft, als wenn man eine Thoraxdrainage legt, die man mal in Greys Anatomy gesehen hat.
Den Krankenwagen als einen Akt der Nächstenliebe zu bezeichnen ist aber etwas absurd, schliesslich ist es meine Bürgerpflicht, der nicht nachzukommen Sanktionen folgen können. Nächstenliebe beweisst man hier eher indem man während man auf den Krankenwagen wartet dem Opfer die Hand hält und ihm Mut zuspricht.

Die Geschichte der Menschlichkeit ist geprägt von ein paar ziemlich wesentlichen zivilisatorischen Fortschritten: der Abschaffung der Sklaverei, der Medizin, der Gleichstellung von Mann und Frau, den Menschenrechte, etc. (vgl. Steven Pinkers Eine Geschichte der Gewalt)
Ich frage mich wieviele davon verdankt sich der Nächstenliebe?
Nichts davon wurde jedenfalls vom Vatikan vorangetrieben.

Mit seiner Nächstenliebe hat Jesus die Sklavenhaltung verbessert, aber nicht abgeschafft. Er hat sich dafür eingesetzt, dass die Hinrichtung einer Ehebrecherin nicht vollstreckt wurde, doch er hat die Rechtmässigkeit einer Bestrafung von Ehebruch nicht in Frage gestellt.

Die Nächstenliebe hat ihn dazu veranlasst es besser zu machen. Nicht aber es zu ändern.

Verdankt sich die Abschaffung der Sklaverei also wirklich der Nächstenliebe? Waren es nicht viel mehr die wirtschaftlichen Anforderungen, die der Sklaverei den Garaus machten?
Die von der Nächstenliebe getriebenen Christen stören sich auch nicht weiter daran, wenn sie Homosexuelle diskriminieren. Natürlich ganz lieb und nur zu deren bestem. Sie verstehen die Diskriminierung viel mehr sogar als einen Akt der Nächstenliebe.

Das Problem ist, dass die christliche Nächstenliebe eingebettet ist in einer Weltanschauung, die weiss, was richtig und was falsch ist, und sich entsprechend schwer damit tut etwas, was früher okay war als falsch zu erklären.

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Eda Gregr
24.11.2013 um 23:37

In der heutigen verdatenbankten Welt sollte es doch eigentlich möglich sein, die ganze Herstellungsgeschichte eines Produkts auszugeben. Nicht nur die Inhaltsstoffe und deren Herkunft, sondern auch die Preise, die jeder einzelne im ganzen Produktionssystem draufgeschlagen hat.

Das bräuchte natürlich nicht alles auf der Verpackung zu stehen. Ein QR-Code würde reichen und jeder könnte alle Daten, die ihn interessieren, problemlos auf seinem Smart-Phone abrufen.

qr-packungsbeilage

Die Vorteile liegen dann auf der Hand: Ökologisch und ethisch nicht zulässige Praktiken wären dann sichtbar.

Was spricht dagegen? Inwiefern wäre es nicht eine bessere Welt, wenn diese totale Transparenz gegeben wäre?
Oder gibt es Gründe, weshalb über gewissen Produktionsschritte der Mantel des Schweigen gelegt werden sollte?

Das hängt wohl davon ab, wie fest der wirtschaftliche Erfolg von der Unwissenheit der Konkurrenz abhängt. Nicht vom Rezept, wohlgemerkt, das kann vorläufig gern weiter geheim gehalten werden, sondern von den Preisen der Rohstoffe und Dienstleistungen.
Mit der heutigen Technologie schwindet dieser Informationsvorsprung aber ohnehin, da könnte man ihn auch gleich völlig beseitigen.

(Kommt nicht mit dem administrativen Aufwand! Mir ist schon klar, dass sich das nicht so ohne weiteres umsetzen lässt, hier geht es lediglich um die Frage: Was spricht dagegen?)

 

ps: Die NSA kann sich diese Packungsbeilagen ohnehin schon längst abrufen.

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Eda Gregr
20.11.2013 um 00:21

Bertrand Russell
der damit nichts zu tun hat

Wenn der Personalvermittler eine Stelle in einer Zeitung ausschreibt und darauf 100 Dossiers bekommt, von denen er 10 auswählt und an seine Auftraggeber weiterreicht, woher wissen wir, dass es die 10 geeignetsten Kandidaten waren?
Sicher, er hat eine Auswahlstrategie, von der er selbst überzeugt ist, dass sie die besten Ergebnisse liefert, doch wenn der Auftraggeber nie die restlichen 90 Kandidaten zu Gesicht bekommt, wird man nie wissen, ob die Strategie und die Auswahl auch wirklich überdurchschnittlich gut sind.
Kandidaten, die den Auftraggeber zufriedenstellen, bestätigen das Vertrauen des Personalvermittlers in seine Strategie. Wenn aber keine zufriedenstellenden Kandidat von der Strategie ans Licht gefördert werden, dann heisst das für dem Personalvermittler nicht notwendigerweise, dass dann wohl die geeigneten Kandidaten im Aussschuss gelandet sind und die Strategie entsprechend nichts taugt, sondern dass es einfach keine geeigneten Kandidaten unter den Einsendungen gab.
Sprich die Strategie wird durch den Erfolg bestätigt und durch den Misserfolgt nicht nur nicht relativiert, sondern tendenziell sogar bestätigt.

Gibt es eine Möglichkeit diesem Bestätigungsfehler (confirmation bias) zu entkommen?

Eine Möglichkeit wäre, wenn der Personalvermittler nur 9 Dossiers entsprechend seiner Strategie auswählt und das letzte als Joker zufällig aus dem Ausschussstapel zieht. Wenn der Auftraggeber beim Verhältnis 9:1 den Joker von 10 Aufträgen mindestens 4 mal entdeckt, macht der Personalvermittler seine Sache gut. Sonst nicht wirklich.

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