Exknackies als Nachbarn

„Auge für Auge, Zahn für Zahn“ ist zwar barbarisch und nachweislich nicht besonders effizient in Sachen Verbrechensprävention, eine gewisse naive Eleganz aufgrund der Klarheit im Strafmass kann man einem solchen Rechtssystem aber nicht absprechen. Wenn einem Bürger der Zahn ausgeschlagen wird, sorgt die Gesellschaft dafür, dass dem Übeltäter ebenfalls ein Zahn ausgeschlagen wird. Und die Sache ist geregelt1. Der Trick ist, dass man die Strafe von einer unbeteiligten Drittperson ausführen lässt, wodurch beide Parteien halbwegs überzeugt sein können, dass die Strafe weder zu hart noch zu mild vollstreckt wurde.

Klar, noch besser wäre, wenn das Opfer dem Täter einfach so verzeihen würde. Damit wäre der Welt der Verlust eines weiteren Zahnes erspart geblieben. Das Problem ist aber, dass dies den Täter nicht davon abhalten wird im Bedarfsfall nochmals wem einen Zahn auszuschlagen.
Die Sache sieht jedoch auf einmal anders aus, wenn das Opfer dem Täter auch noch den anderen Zahn zum Ausschlagen anbietet2 3. Wegen dem einen Zahn hat der Täter nämlich noch kein schlechtes Gewissen, schliesslich hat es das Opfer nach seiner Ansicht ja verdient4, doch spätestens nach dem zweiten, dritten Zahn ist die Schuld beglichen und ein ungutes Gefühl macht sich bemerkbar. Von diesem Moment an geht der Täter mit Schuldgefühlen durch die Welt und trachtet danach diese wieder gut zu machen. Beispielsweise indem er dem nächsten, der es verdient einen Zahn ausgeschlagen zu bekommen, keinen Zahn ausschlägt5, was idealerweise ein Glücksgefühl hervorruft, welches ihn veranlasst niemals mehr irgendwem einen Zahn ausschlagen zu wollen.6
Doch selbst wenn die Andere-Zahn-Hinhalten-Strategie tatsächlich den Täter langfristig davon abhält, nochmals gewalttätig zu werden, so bezweifle ich, dass sie das auch bei anderen potentiellen Zahn-Ausschlägern schafft. Die Aussicht7, jemandem auch einen zweiten Zahn ausschlagen zu müssen, wird wohl kaum jemanden davon abhalten den ersten – wohlverdienten – auszuschlagen. Klar, der zweite Zahn wird, wie oben erwähnt, schlussendlich dazu führen, dass dem Täter die Lust vergeht, je wieder einen Zahn ausschlagen zu wollen, doch dieser Effekt ist meines Erachtens nur erfahrbar, nicht aber vermittelbar, weil nicht wirklich abschreckend.
Und auch wenn es die zukünftigen Täter entgegen allen Erwartungen doch überzeugen sollte, dass das schlechte Gewissen hinterher ziemlich übel sein wird, dann werden diese dem einfach dadurch vorbeugen, dass sie erstmal nur einen halben Zahn ausschlagen um sich – als treue Gesetzesbürger – einfach etwas später8 auch noch der zweiten Hälfte des nach ihrer Ansicht völlig begründeten Gewaltausbruchs zu widmen.

Randnotiz: Ist es nicht irgendwie komisch, dass in der Erziehung9 von Fremden auf die Strategie des Verzichts auf Gewalt gesetzt wird („Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses antut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die linke hin.“ Matthäus 5:39), während man dies bei der der eigenen Kinder offenbar tunlichst zu unterlassen hat(„Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.“ Sprüche 13:24)?
Der Schluss liegt daher nahe, dass es bei der anderen Backe gar nicht um die Erziehung des Täters geht, sondern allein um die persönliche Verarbeitung des an einem verübten Unrechts – wobei die Frage, ob es nicht vielleicht ein bisschen „verdient“ war, gänzlich ausgeklammert wird.
Das Argument, dass es bei Kindern einfach einer anderen Art von Erziehung bedürfe als bei Erwachsenen, halte ich für wenig überzeugend, denn die Trennung zwischen Kindheit und Erwachsensein wurde zu jener Zeit noch nicht so gelebt, wie man es heute tut10. Und hinzu kommt noch, dass es Christen gibt, welche die körperliche Züchtigung der Ehefrau für ein von der Bibel gestütztes Erfolgsrezept halten11, was meinen Schluss über den Zweck der anderen Backe klar unterstützt.

Beide Methoden konzentrieren sich auf das Opfer: Im Zahn-für-Zahn Fall wird dessen Rachelust gestillt und im Andere-Backe Fall wird das Leid als willkommene Etappe auf dem Heilsweg verkauft. Beides ziemlich egoistisch, finde ich. Es wird nämlich nirgends das nächste Opfer berücksichtigt. Dabei ist doch eigentlich das das wichtigste. Denn im Gegensatz zu nächsten Opfer ist beim aktuellen der Schaden bereits angerichtet und lässt sich auch nicht mehr rückgängig machen. Damit will ich das Opfer nicht alleine lassen, ganz im Gegenteil, ihm soll jede nur erdenkliche Hilfe zuteil kommen – sofern diese Hilfe das nächste Opfer nicht in Gefahr bringt.
Wenn es das nächste Opfer nicht gäbe (was es nach Ansicht des Endzeitpropheten Jesus wohl nicht mehr tun sollte), wäre es Johannes wie Thaddäus wie man mit den Täter umspringt. Daher ist ein versöhnlicher Ansatz gar keine schlechte Idee. Wenn es aber mehr oder weniger nächste Opfer geben kann, sollte man sich – so finde ich zumindest12 – tunlichst bemühen, es weniger sein zu lassen – selbst wenn das bedeutet, dass der „Gerechtigkeit“ nicht ganz genüge getan wird13.
Und wenn die Zahl der der nächsten Opfer mit der Behandlung der Täter korreliert, so ist das ein vielversprechender Hebel um anzusetzen.

Wieso also den Täter nicht mit den folgenden Worten im Strafvollzug willkommen heissen: „Eines Tages wirst du hier wieder raus kommen und es besteht die Möglichkeit, dass du in meine Nachbarschaft leben wirst. Deshalb tue ich mein Bestes dich zu einem guten Nachbaren zu machen.“14

Ob es Kuscheljustiz ist oder nicht, sollte nicht die Frage sein. Einzig und allein sollte der Erfolg zählen. Und der Erfolg ist weniger nächste Opfer. Und die nächsten Opfer kann man zählen.
Weniger Opfer ist aber nicht gar keine. Deshalb wird man sich bei jedem nächste Opfer fragen, ob es mit einem härteren Strafsystem nicht hätte verhindert werden können? Man hätte natürlich genauso gut auch fragen können, ob es mit einem kuscheligeren Strafsystem nicht hätte verhindert werden können – was sogar naheliegender wäre, wenn man sich die Korrelation zwischen Kuscheljustiz und Kriminalitätsrate anschaut, aber in solchen Situationen fällt einem diese in der Regel nicht auf. Die Antwort auf die Frage könnte dann unter Umständen so lauten: „Ja, mit einem härteren Strafsystem hätte womöglich genau diese eine Tat verhindert werden können, doch wären stattdessen X andere, vielleicht sogar viel schlimmere Verbrechen begangen worden, die uns jetzt aber zum Glück erspart geblieben sind.“
Einem Opfer und dessen Angehörigen spendet das natürlich wenig Trost. Doch darauf dürfen wir als Gesellschaft keine Rücksicht nehmen. Wir müssen so vielen wie möglich ein so sicheres Leben wie möglich garantieren.

Uns stehen verschiedene Strategien zur Verfügung, deren Erfolg wir durch entsprechende Untersuchungen in Pilotprojekten und aus Erfahrungen in anderen Ländern durchaus grob abschätzen können. Manche der Strategien verhindern eine Art von Verbrechen, während sie auf andere Arten kaum einen Einfluss haben. Manche Strategien lassen sich mit anderen kombinieren, mit anderen hingegen nicht. Manche sind intuitiv, andere weniger…
Sich für eine Strategie oder eine Kombination von Strategien zu entscheiden, bedeutet aber immer auch die Opfer, welche eine andere Strategie oder Kombination von Strategien verhindert hätte, in Kauf zu nehmen. Deshalb muss man wirklich sehr gute Gründe haben, warum man sich so und nicht anders entschieden hat. Und „Gott will es so!!!“ ist (trotz der ansonsten durchaus überzeugenden drei Ausrufezeichen) kein wirklich sehr guter Grund. Ein wirklich sehr guter Grund ist einer, den alle (zähneknirschend15) zu akzeptieren bereit sind. Und die Wünsche einer imaginären Gestallt kann ich – wenn ich die Wünsche für verhängnisvoll erachte – nicht mal zähneknirschend akzeptieren.

Das heisst aber, dass selbst wenn luxuriöse Haftbedingungen die Kriminalitätsrate proportional um Luxus senken, so können wir diese Option durchaus über Bord werfen – sofern wir eine andere Strategie zur Verfügung haben, die mindesten die gleiche Erfolgsquote hat. Bloss um unsere Rachelust zu befriedigen – so natürlich diese auch sein mag – dürfen wir aber nicht einfach ein paar Opfer mehr hinnehmen.
Insbesondere da es ja eigentlich nicht mal wirklich unsere Rache ist. Das Opfer ist ein anderer, wir wollen bloss den Täter bestrafen. Klar, so funktioniert soziale Kontrolle: Indem man jemanden der sich gegen die Regeln verhalten hat, kollektiv bestraft: Was du deinem Peiniger antun willst, das füg auch den Peinigern von anderen zu16. Allerdings gibt es, wie wir inzwischen wissen, wesentlich effektivere Methoden jemanden daran zu erinnern sich lieber an die Regeln zu halten und unsere Neigung die Täter zu stigmatisieren – schliesslich wollen wir wissen, ob ein Zahnausschläger in unserer Nachbarschaft wohnt – ist da möglicherweise eher hinderlich dabei ihn zu einem guten Nachbaren zu machen.

Zu Gast in unserem Land

Es gibt zwei Arten von Gästen: die, dich ich auch mal besuchen kann, und die, die mich dafür bezahlen, dass ich es nicht tue. Abgesehen davon, gibt es keine Unterschiede. Sie brauchen weder im Haushalt zu helfen, noch sich Sorgen zu machen, dass ich über ihre Witze nicht lache.
Ian Hazelwood

In den Kommentarspalten zu Artikeln über die Durchsetzungsinitiative liest man oft, dass wenn sich ein Gast nicht benimmt, es nur recht und billig sei, ihn vor die Tür zu setzen.

Hm… Ist es nicht in gewissem Sinne die Pflicht der Gäste sich ein bisschen neben der Spur zu bewegen? Schliesslich sind sie ja „Fremde“, was sich eben genau durch ihr anderes Verhalten äussert. Und genau deshalb beherbergen wir sie ja, um ein bisschen mit dem Exotischen konfrontiert zu werden und idealerweise unsere etwas eingefahrene Vorstellungen zu hinterfragen. (Oder einfach um bessere Geschäftsbedingungen zu schaffen…)
Und mal abgesehen davon ermöglicht es uns, wenn wir selbst mal irgendwo Gäste sind, auch etwas neben der Spur zu sein…

Nicht umsonst ist das Gastrecht eines der ältesten Gesetze überhaupt. Und ich würde sogar kühn behaupten, auch eins der effektivsten. Dass man nicht töten oder stehlen soll, braucht man einem nicht erst zu erklären. Das ist selbstredend. Dass es von Vorteil sein kann, einem Fremden sicheres Geleit zu gewähren und ihm gegenüber tolerant zu sein, ist dagegen nicht mehr so intuitiv. Und doch ist genau dies stets der erste Schritt, wenn man sich zusammen setzt und miteinander zu reden beginnt.

Wieviel neben der Spur man sich zu bewegen erlauben darf, ist natürlich eine andere Frage, doch meines Erachtens stellt sich die im Kontext der Durchsetzungsinitiative gar nicht, denn Ausländer, die hier den grössten Teil ihres Lebens verbracht haben, sind nicht mehr wirklich Gäste.

Gehört man nicht irgendwann einmal zum Inventar?

Ich denke, der exakte Zeitpunkt, ab welchem man nicht mehr bloss Gast in einem Land ist, ist, wenn man seinen Wohnsitz nach Art. 23 ZGB in diesem Land bezieht. Je nach Aufenthaltsbewilligung darf man mehr oder weniger arbeiten, Militärdienst leisten und abstimmen, ansonsten aber geniesst man die exakt gleichen Pflichten und Rechte wie jeder andere Schweizer auch.

Man könnte einwenden, dass die Schweiz (wie wohl auch so gut wie jedes andere Land) mit diesen Einschränkungen gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verstosse. Laut Artikel 23 hat nämlich jeder das Recht auf Arbeit, dies beinhaltet keinen individuellen Anspruch auf einen Arbeitsplatz, sondern das Recht auf einen Schutz vor unverschuldeter Arbeitslosigkeit – wie hier aufgrund des fehlenden Schweizer Passes, da man zufälligerweise irgendwo anders zur Welt kam oder Eltern hat, die zufälligerweise irgendwo anders zur Welt kamen. Laut Artikel 21 hat jeder das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken, sprich zu wählen – was Ausländer aber nicht dürfen. Und laut Artikel 20 darf niemand gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören – in diesem Fall wird dies gegenüber den Schweizer Männern verletzt, da diese unter Androhung von Konsequenzen gezwungen werden der Vereinigung Armee anzugehören.
Doch da die Verweigerung der in den Artikeln 23 und 21 erwähnten Rechte offensichtlich durch das exklusive Recht, nicht dem Militärverein angehören zu müssen, kompensiert wird, hat wohl alles schon seine Richtigkeit. Und überhaupt geht es, wie sich kürzlich mal jemand im Zusammenhang mit der Durchsetzungsinitiative geäussert hat, nun langsam wirklich zu weit mit den sich ständig ausweitenden Menschenrechten!

Hört man sich bei den Befürwortern der Durchsetzungsinitative ein bisschen um, so erfährt man, dass abgesehen davon, dass Unschuldigen eh keine Ungemach droht, Ausländer sich auch längst hätten einbürgern lassen können. Und dass sie das nur deshalb nicht tun, weil sie sich vor dem Militärdienst drücken wollen. Und dass wer nicht bereit sei im Notfall Blut für die Schweiz zu vergiessen, nun mal nicht wie ein Schweizer behandelt werden könne.

Das stimmt schon, wenn die Ausländer den Schweizer Pflichten nicht nachkommen, dann müssen sie mit Konsequenzen rechnen genau wie auch jeder Schweizer bei Pflichtverletzung mit Konsequenzen zu rechnen hat. Dass die Ausländer nicht Militärdienst leisten dürfen, spielt hier keine Rolle, denn sie könnten, weil sie müssten, wenn sie Schweizer werden würden, wenn sie wollten.
Und im Moment bestehen diese Konsequenzen eben aus dem Verbot zu wählen und in Zukunft im Falle einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit in besonderem Masse aus einer kompromisslosen Abschiebung1.

Bloss, dass Schweizer Männer, die sich vor derselben Pflicht drücken (die Unfähigen und die Memmen also), weder Stimmverlust noch Landesverweis fürchten müssen. Bei ihnen ist es mit einem Wehrpflichtersatz getan.
Und Frauen müssen gar nicht erst ins Militär2 und brauchen wie die Ausländer auch keinen Wehrpflichtersatz zu zahlen. Ergo haben Ausländerinnen exakt die gleichen Pflichten wie die Schweizerinnen, aber nicht die gleichen Rechte – was, wie mir scheint, irgendwie nicht ganz koscher ist3.
Witziges Detail nebenbei: Während Frauen und Männer in der Schweiz vor dem Gesetz nicht wirklich gleich sind, es sei hier als Beispiel nur die Wehrpflicht angeführt, sind männliche und weibliche Ausländer in der Schweiz vor dem Gesetz zumindest im diesen einen Punkt gleicher, ergo einen Schritt voraus.

Wieso verlangen wir eigentlich nicht von jedem, der nicht Militärdienst leistet, den Wehrpflichtersatz? Egal ob Mann oder Frau oder Schweizer oder Ausländer. Zu diesem Wehrpflichtersatz müsste – schliesslich geht es beim Militär um die Bereitschaft Blut zu vergiessen – natürlich auch noch eine Blutspende-Pflicht hinzu kommen!4

Okay, das nahm jetzt eine selbst für mich überraschende Wendung.

Verhüllte Körper

Als der Iranische Präsident Italien besuchte, verhüllte man die nackten Statuen.

Klingt doof, doch wenn es ein Teil eines Deals ist, bei dem beim Gegenbesuch des italienischen Präsidenten im Iran die Frauen entschleiert werden, dann könnte die Rechnung durchaus aufgehen.
Dann ist der in Italien angerichtete Schade kleiner als der Gewinn im Iran.

Das Boot ist voll

Österreichs Idee die Flüchtlinge auf eine fixe Zahl zu begrenzen ist grandios! Grandios, weil sie ganz offensichtlich aus Literatur/Film übernommen wurde, konkret dem SciFi/Fantasy Genre. Und wenn sich die Politik der Erkenntnisse aus der Science Fiction bedient, dann kann das nur grandios1 sein.

Viele Geschichten spielen mit dieser Thematik, sie laufen aber immer auf die folgenden vier archetypischen Konstellationen hinaus:

  • Auf einem Generationenschiff wie der Yonada hat es nun mal nur eine begrenzte Zahl Kojen.
  • Die Schlumpfmagie lässt nur 100 Schlümpfe zu (jetzt mal von Schlumpfine abgesehen, aber die ist auch eine Blondine und da gelten ganz andere Gesetze).
  • Brigadoon, das aufgrund eines Segens nur alle 100 Jahre für einen Tag erscheint, fehlt die Gelegenheit neue Bewohner aufzunehmen.
  • Die wilde 13, es sind 12 Piratenbrüder und einer von ihnen ist der Kapitän. Also 13.

Immer bedingt durch eine beschränkte Zahl an Ressourcen: Platz, Magie, Zeit und mathematische Kapazitäten.

Interessant auch wie die konstante Zahl bewahrt bleibt. Durch Geburtenkontrolle, kombiniert mit der extensiven Benutzung der Luftschleusen, durch Verstecken, durch Abwesenheit und durch falsch Zählen.

Wie wird man es Österreich umsetzen2? Wenn ein neuer Flüchtling kommt wird der älteste (oder überflüssigste) Österreicher auf der anderen Seite raus geschmissen? Wenn ein paar Flüchtlinge in einen Bezirk einmarschieren, wird dieser dann aus Österreich ausgegliedert? Zählt man falsch? Oder tragen ab heute alle Österreicher blaue Mützen?

Ungewisse Zukunft vs persönliche Vorlieben

Dass man sich gegen die Abschaffung der Sklaverei stellt, kann ich ja noch verstehen. Ich meine, die Wirtschaft hängt von ihr ab und auch die Bibel hat nichts gegen sie einzuwenden. Klar, es gibt da Missstände, aber die lassen sich auch beseitigen ohne gleich alles zu verbieten.
Die Sache ist aber die, dass sobald die Sklaverei abgeschafft ist und es auf der Hand liegt, dass die Entscheidung die Wirtschaft ganz und gar nicht in die Knie gezwungen hat und auch dass der moralische Zerfall in der Gesellschaft mitnichten zugenommen hat, dass dann die ethische Beurteilung der Optionen bei der Frage, ob man die Sklaverei wieder einführen soll, eine ganz andere ist.
Vorher musste man ein funktionierendes System gegen eine ungewisse Zukunft abwiegen. Jetzt eine funktionierende Zukunft gegen eine funktionierende Vergangenheit, wobei bei letzterer Menschen eigentlich unveräusserliche Rechte weggenommen werden. Während vorher die Angst vor dem Ungewissen zugunsten der Sklaverei sprach, tut es jetzt nur noch das Interesse am eigenen Profit und die Abneigung/Gleichgültigkeit den eigentlichen Sklaven (zu erkennen an deren Hautfarbe?) gegenüber.

Das gleiche Gedankenspiel könnte man auch für die Gleichstellung der Frau, die Legalisierung der Abtreibung oder eben auch für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe machen.
Und im Grund auch für die Frage, ob man an einer gefährlichen Kreuzung eine Ampel aufstellen will. Zunächst weiss man nicht, ob die Ampel wirklich die Unfälle senken wird, und in dem Fall fragt man sich schon, ob das Geld nicht an einem anderen Ort besser investiert wäre. Wenn man sie aber erst mal gebaut hat und die Statistiken einen deutlichen Rückgang verzeichnen, dann wird es schwierig, die Ampel wieder abreissen zu wollen. Denn dann ist die Zukunft gewiss. Und es ist allein das Geld, das entscheidet. Und die Hoffnung etwas schneller von A nach B zu gelangen.

Sloweniens Stimmvolk hat sich gestern für die Rücknahme der gleichgeschlechtlichen Ehe ausgesprochen.

Und wie die SVP uns weiszumachen versucht, hat das Volk immer Recht.
Und des Volkes Entscheid hat selbst dann umgesetzt zu werden, wenn er völkerrechtlich umstritten ist und allein auf Phobien gründet.
Phobien, wie sie sich nur allzu leicht schüren lassen.

Eine ungewisse Zukunft kann furchteinflössend sein. In einem solchen Fall kann man dem Stimmvolk seine Vorsicht nicht verübeln. Doch nicht jede Zukunft ist so ungewiss, wie sie auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag.
Wir wissen, dass eine Ampel die Verkehrsunfälle senkt. Wir wissen, dass die Abschaffung der Sklaverei gut für die Wirtschaft ist. Wir wissen, dass da ein Klimawandel im Anmarsch ist. Wir wissen, dass die homosexuelle Ehe nicht die Qualität der heterosexuellen Ehe schmälert.

Und wir wissen, dass man das eigentlich wissen müsste. Dass viele aber lieber ihren persönlichen Vorlieben den Vorrang geben.

Stolz zu sein aufs Vaterland

Mit den Edelweisshemden wollen sie nur zeigen, dass sie stolz sind auf die Schweiz. Und stolz zu sein auf sein Vaterland ist doch nichts schlimmes. Das ist doch kein Rassismus. Sagen die Edelweisshemdträger, die Edelweisshemden tragen um zu zeigen, dass sie stolze Eidgenossen sind.

Eine Frage am Rande:
Wann wäre es denn Rassismus?

Aber sie haben natürlich schon recht, stolz auf sein Vaterland zu sein ist für sich betrachtet nichts schlimmes. Und es braucht schon gar kein Rassismus zu sein.
Es ist aber nichtsdestotrotz etwas fragwürdig. Nicht, weil die Schweiz nicht ein wundervolles Land wäre, dessen Traditionen es nicht zu schützen lohnen würde1. Ganz im Gegenteil. Die Schweiz ist super. Und daran ändert auch nichts, dass gewisse Dinge noch arg verbesserungsbedürftig sind. Aber stolz auf sie zu sein?
Ich kann stolz auf etwas sein, das ich selbst geleistet habe, oder das zumindest durch meine Mithilfe grossartig wurde2. Ohne Blut und/oder Schweiss dafür vergossen zu haben, kann man nicht wirklich stolz auf etwas sein. Ich meine, klingt es nicht seltsam, wenn ich verkünde stolz auf die Relativitätstheorie zu sein? Dass sie von einem Angehörigen der selben Spezies entwickelt wurde, reicht einfach nicht. Es reicht auch nicht, wenn ich im selben Gebäude arbeite, wie Albert Einstein von 1909-1911.
Steuern zu zahlen und ab und zu abzustimmen, reicht ebenfalls nicht. Nicht weil man damit nichts bewirken würde, sondern weil es meine Pflicht ist, das zu tun. Um auf etwas stolz sein zu können, sollte es schon über die normale Pflichterfüllung hinaus gehen.

Es gibt aber durchaus Möglichkeiten etwas für die Schweiz zu leisten, was eine Wirkung zeigt und was einen dann berechtigen würde auf das Ergebnis und die daraus hervorgehende Version der Schweiz stolz zu sein: Etwa indem man durch sein Verhalten ein Klima schafft, welches Ausländer davon abhält in die Schweiz zu kommen. Beispielsweise mit dem provokativen Tragen von Edelweisshemden. Doch das geht bereits deutlich in Richtung Xenophobie und Rassismus.
Das Problem ist einfach, dass ich die Qualitäten der Schweiz nicht im reinen Blut sehe, sondern eher in ihrer humanitären Tradition. Und dazu gehört auch Fremde willkommen zu heissen und sich gemeinsam mit ihnen weiter zu entwickeln. Worauf die Edelweisshemdträger also stolz sind, eine politisch abgeschottete und auf ihr Vermögen und ihre Folklore fixierte Schweiz, halte ich eher für einen Schandfleck eben dieser. Nicht weil ich sie nicht lieben würde, sondern weil ich einfach andere Qualitäten der Schweiz für bewundernswert halte.

Unter dem Strich sind Leute, die unterstreichen stolz auf die Schweiz zu sein, in aller Regel aber eben doch Rassisten. Nicht weil eine Kausalität bestehen würde, sondern weil irgendwie nur Rassisten wert darauf legen zu erwähnen, dass sie stolze Eidgenossen sind.

Über Toleranz und Diskriminierung

A ‘tolerant country’ should allow discrimination based upon ‘religious beliefs’.
Jeb Bush

Meines Erachtens hätte Jeb does statt should sagen sollen. Dann hätte er nämlich durchaus recht gehabt, denn Toleranz ist tatsächlich nichts anderes als über Dinge hinweg zu sehen, die man eigentlich für falsch hält. In der Regel sind es kleine Sachen, wie der falsche Wein zum Fisch oder das Spaghettisieb im Führerschein, in diesem Fall ist es aber die Diskriminierung, welche indessen in jeder Form abzulehnen ist.
Das should dagegen stellt mich vor ein linguistisch-moralisches Dilemma: Wenn zu einer Weltanschauung explizit eine Handlung gehört, die allgemein klar als ein Verbrechen interpretiert wird, kann ich, der ich die Handlung ablehne, dann sagen, dass ein dieser Weltanschauung verschriebenes Land diese Handlungen erlauben soll? Darf ich, während ich aus einer Position argumentiere, die ich nicht teile, überhaupt von sollen sprechen? Sollen impliziert schliesslich immer auch den Wunsch der Umsetzung. Wenn ich die logische (und juristische) Notwenigkeit unterstreichen will ohne damit meine Zustimmung zum Ausdruck zu bringen, dann sollte ich lieber auf müssen zurückgreifen.
Mit should klingt das ja glatt so, als ob Jeb die Diskriminierung gutheissen würde und sie gern noch ausgeweitet sehen möchte. Das tun natürlich ziemlich viele Menschen – bloss nennen sie es dann nicht mehr Diskriminierung, sondern die einzig richtige Ordnung der Dinge.

Diskriminierung ist eine üble Sache, doch es kann sein, dass sie bisweilen leider dennoch notwendig ist. Dann braucht es aber wirklich gute Gründe, die auch von den Diskriminierten mitgetragen werden.
Möglich, dass Jeb im Besitz genau solcher wirklich guten Gründe ist. Doch dann hätte er can oder may sagen sollen.

 

Werde Gott!

godDie Bibel wurde in einer Zeit geschrieben, als sich noch Krethi und Plethi als Götter bezeichnen konnten. Manche Könige waren Götter, verdiente Persönlichkeiten wurden zu Göttern erklärt und irgendwelche Fremde konnten vielleicht Götter auf Durchreise sein.

Zu jener Zeit hat es sogar dermassen von Göttern gewimmelt, dass gewisse Götter sich offenbar genötigt sahen, dem mit speziellen Bestimmungen ein Ende zu setzen. Ich vermute allerdings, dass dies zwar durchaus auch im Interesse der Menschen geschah, doch dass die treibende Kraft für diesen Schritt machtpolitischer Natur war – denn welcher Gott teilt schon gern?

Götter definieren sich zwar gern über Allwissen, Allgüte und ganz besonders Allmacht – insbesondre in moralischen Belangen – , nichtsdestotrotz sind es aber die Ambitionen, die bei ihnen am stärksten ausgeprägt sind.
So kenne ich keinen noch so kleinen Gott der nicht insgeheim an Plänen schmiedet, wie er die anderen Götter unter seine Herrschaft zwingen – oder es zumindest danach aussehen lassen – könnte.
Bescheidenheit ist für Götter ein Fremdwort – was allein deshalb schon nicht einer gewissen Ironie entbehrt, weil sie diese regelmässig von ihren Gläubigen einzufordern pflegen. Davon, dass sie bisweilen ihre Forderungen etwas herunterschrauben, sollten wir uns indessen nicht täuschen lassen. Das hat nichts mit Bescheidenheit zu tun. Damit versuchen sie lediglich konversionsfreudige Andersgläubige abzuwerben oder einer Konversion der eigenen Gläubigen zu einem „billigeren“ Gott zuvor zu kommen.
Alle Götter nehmen stets, was immer gerade noch drin liegt.
Keinem Gott wäre je in den Sinn gekommen, die Vorstellungen der Menschen von ihm etwas nach unten zu schrauben. Kein Gott sagte je: „Ja, schon, ich habe die Welt erschaffen, aber das ist als Gott etwa schwer wie Lokschenkigel zu backen. Keine grosse Sache. Die Entsprechung von Knishes hätte ich dagegen wohl nicht hingekriegt.“ Und man hat auch noch nie einen Gott sagen gehört: „Ehrlich gesagt, hätte ich mir etwas mehr Mühe gegeben, hätte ich es besser hin gekriegt.“ Oder: „So im Nachhinein, muss ich eingestehen, dass ich eigentlich hätte wissen müssen, das Fenchel eine ziemlich blöde Idee war.“ Nein, Götter gestehen keine Fehler ein, sondern sie schmücken sich mit jeder Feder, derer sie habhaft werden.

Als ein kleiner, aber ambitionierter Provinz-Gott ist da der Monotheismus vielleicht gar keine so schlechte Strategie: Indem ein Gott die Menschen glauben lässt, es gäbe keine anderen Götter, übersehen sie vielleicht seine Bedeutungslosigkeit im Angesicht der wirklich mächtigen Hoschis. (Mächtige Götter fürchten nicht den Vergleich. Der Mächtigste ist schliesslich der, der unter Mächtigen herausragt, und nicht der, der einsam auf weiter Flur steht. Der hat sich in der Regel nur verirrt und versucht sich so nur raus zu reden. Glaubt mir, ich weiss, wovon ich spreche!)

Jetzt wird’s etwas spekulativ: Je nach dem wie sich der Erfolg einer Religion auf der Erde auf den Status der entsprechenden Götter im Olymp auswirkt, kann der Monotheismus allerdings tatsächlich eine gewisse Chance für eine göttliche Karriere, im Sinne der Beeinflussung von Sterblichen, bieten, doch ich glaube, dass die Götter den Moden der Menschen nicht allzu viel Gewicht beimessen (wenn sie diese schon auch ein bisschen wurmen können). Chef ist, wer den grössten Hammer hat – was in der Koch-Analogie die Fähigkeit ist, ein Coq au vin auf den Tisch zu zaubern. Dass die grosse Masse der Kunden auf Fritten abfährt, ändert daran rein gar nichts. Die Menschen mögen schon glauben, dass Fritten das ultimativ beste ist und der Fritten-Gott mag ihnen auch einreden, dass diese nur mit absoluter Allmacht herzustellen sind.
Doch insgeheim weiss er es besser…
Eine gewisse Verbitterung ist bei einem solchen Gott durchaus zu erwarten. Und wohl auch die Kompensationsreaktion der Versicherung, wie sehr man doch seine Schäfchen liebt, während man ihnen in Tat und Wahrheit sowohl das Diesseits wie auch das Jenseits zur Hölle macht.

Wie in der Einleitung erwähnt, steht einer göttlichen Karriere selbst einem Sterblichen nichts im Weg. Dass man nie zu einem Götterbankett im Olymp eingeladen wird, braucht ja niemand zu erfahren. Alles worauf es ankommt, ist, ob die Leute einem glauben und die vorgesetzte Moral schlucken.

Viele versuchten diesen Weg zu beschreiten.
Wenige hatten Erfolg damit.
Und nur einer schaffte den Monotheismus. Er hatte aber damit – wie es heisst – zu Lebzeiten ein schweres Kreuz zu tragen.

An einem Ast sägen

Gestern bin ich mit Ava (5 Jahre) an diesem Plakat vorbei gelaufen und sie fand, dass der Mann schon ein bisschen blöd sei.
Und gerade jetzt, als ich die erste Zeile tippe, kam sie, schaute sie und bemerkte trocken, dass er es noch immer auf der falschen Seite mache.

Mir gab das zu denken. Ava weiss nicht, worum es bei der Abstimmung geht, nichtsdestotrotz hat sie eine sehr deutliche Meinung dazu, welches die richtige Entscheidung ist. Ich bin mir nicht sicher, ob das okay ist.

Das Problem ist nämlich auch, dass sich beide Seiten mit einer solchen Grafik bewerben lassen können.
Hier benutzen sie die Gegner der Erbschaftssteuer und versuchen damit zu suggerieren, dass man sich mit der Annahme der Initiative der Existenzgrundlage beraube – wohl weil dann alle reichen Leute und Firmen das Land verlassen werden, was natürlich schlecht für die Schweizer Wirtschaft wäre.
Auch die Befürworter der Erbschaftssteuer hätten die Grafik benutzen können um damit zu veranschaulichen, dass man sich mit der Ablehnung der Existenzgrundlage beraube – wohl weil so auch weiterhin Unmengen an Geld am Fiskus vorbeifliesse und dadurch lebenswichtige Aufgaben des Staates nicht erfüllt werden können. (Wahrscheinlich wäre den Befürwortern allerdings mit einer Grafik besser gedient gewesen, wo der Sägen-Mann auf der richtigen Seite steht und der Ast und die Früchte über ausländischem Boden hängen.)

Während ich das schreibe, fällt mir auf, wie stark das Bild ist. Wenn ich versuche die andere Strategie zu skizzieren, sehe ich mich noch immer wieder unweigerlich auf der falschen Seite. Ich komme fast nicht los von der Metaphorik – was aber nicht heisst, dass sie deshalb besser für die Gegner der Erbschaftssteuer passe, denn das tut sie nicht. Hier gilt, wer zuerst kommt, malt zuerst. Das Bild passt nämlich eigentlich überhaupt nicht als Illustration dieser Initiative, denn die Gegner monieren (völlig zurecht), dass man mit der Erbschaftssteuer versuche den Schweizern eine weitere Steuer auf zu pfropfen (was allerdings nicht zwangsläufig schlecht sein muss). Und sowas illustrieren sie, indem etwas abgeschnitten wird? Ist doch irgendwie widersinnig!

Ein Bild von einem überladenen Weihnachtsbaum, der zu kippen droht, wäre da doch eigentlich wesentlich passender gewesen.
Und die Befürworter hätten gekontert, dass sie mit der zusätzlichen Kugel den Baum wieder ins Gleichgewicht zu bringen versuchen.

Und wenn man schon unbedingt das Bild eines Astes bemüht, der abgesägt werden muss, dann müsste es ehrlicherweise einer zwischen zwei Bäumen sein, von dem man nicht weiss, zu welchem er eigentlich gehört. Auf welche Seite der Schnittstelle sollte man sich da stellen?

ZweiBaume

Starbucks und das liebe Geld

Dass Starbucks, Amazon, Apple und Co. trotz ihres Erfolgs es einfach nicht schaffen genug Gewinn zu erwirtschaften um ihn in der Schweiz versteuern zu dürfen, sollte inzwischen eigentlich hinlänglich bekannt sein.

Dass die genialen buchhalterischen Tricks legal sind, ist mir klar, ich frage mich aber, wieso sie es noch immer sind? Ich meine, wenn ein Radrennfahrer mit einer neuen, noch nicht explizit verbotenen, leistungsverstärkenden Substanz erwischt wird, dauert es nicht lange und die Substanz ist sehr explizit verboten.
Wieso also werden die Schlupflöcher bei den Steuern nicht gestopft, sobald sie entdeckt werden?

Die Antwort liegt natürlich auf der Hand: Lobbyismus und Korruption!!!
Doch ich frage mich, ob das tatsächlich die ganze Antwort ist? Vielleicht gibt es ja wirklich gute Gründe, die Schlupflöcher nicht zu stopfen, und das, was aussieht wie ein grosser Haufen Scheisse, ist das meisterlich geglückte Werk intelligenter, geschickter und herzensguter Entscheidungsträger. Vielleicht wäre die Alternative ja eine Katastrophe epochalen Ausmasses gewesen. Oder vielleicht auch nur ein mimim grösserer Haufen Scheisse.
Doch welche Gründe mögen das wohl sein, die uns davor bewahrten, die schlimmere Variante zu wählen?

Und selbst wenn die Politiker doch korrupt sind und sich den Wünschen bösartiger, multinationaler Konzerne freudig beugen, so gehört es doch zum gute Stil zumindest zu versuchen den Eindruck von Redlichkeit zu erwecken, oder etwa nicht? In diesem Fall sollten Politiker also wenigstens vorgeben gute Gründe für ihr Entscheidungen zu haben.
Und auch hier: Welche Gründe mögen das wohl sein?

Ich vermute also, erstens dass es durchaus Gründe gibt, welche gegen das Stopfen der Steuerlöcher sprechen – ob sie wirklich valide sind, sei mal dahin gestellt -, und zweitens, dass die, die diese haben, nicht zu Wort kommen (wollen) – aus welchen Gründen auch immer.

In der Regel sind Arbeitsplätze bedroht. In der Politik sind immer Arbeitsplätze bedroht. Das wird sicher auch hier der Fall sein.
Und in der Politik verzichtet man lieber auf Steuern als auf die Beschäftigung seiner Bürger! Aus einem politischem Kalkül ist das sicher eine vernünftige Strategie und bis zu einem gewissen Grad, den ich nicht wirklich abzuschätzen vermag, vermutlich auch aus einem wirtschaftlichen.

Doch es sind nicht nur Arbeitsplätze bedroht, wenn die Firmen zu viel Steuern bezahlen müssen – auch das Fehlen von Steuereinnahmen und damit die mangelnde Zurverfügungstellung der nötigen Infrastruktur ist riskant. Das engt den Spielraum schon ein bisschen ein. Ungeschoren kommt da leider keiner davon – ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Deshalb dürfen, nein, sollen Steuern auch ein bisschen weh tun.

Interessanterweise ist geteiltes Leid aber nur dann halbes Leid, wenn man sieht, dass der andere auch leidet. Und im Fall von Starbucks, Amazon, Apple und Co. ist das offensichtlich nicht der Fall. Schön möglich, dass sie insgeheim gar fürchterlich leiden, doch als echte Indianer zeigen sie keinen Schmerz. Und das ist blöd, denn wenn sie es täten, würde sich die Frage, warum die Löcher nicht gestopft werden, gar nicht erst stellen12.

Vielleicht ist der Grund für das stille Leid der Firmen, dass so gut wie der ganze erwirtschaftete Gewinn für die Lizenzgebühren drauf geht?
Dann wäre es doch eigentlich im Interesse sowohl der Unternehmer wie auch des Staates sich mal anzuschauen, ob da mit den Lizenzen nicht vielleicht Wucher betrieben wird? Ich meine, wie viel kann ich dafür verlangen, wenn jemand Kaffee in Bechern mit meinem Wappen drauf verkaufen will? Dass der andere bereit ist mir dafür jede Summe hinzublättern, sollte die Sache genauso wenig legal machen, wie man bereit ist einem Kredithai jeden beliebigen Zins zu zahlen. Hier wird die Not der Menschen ausgenutzt.
Allerdings sehe ich – ehrlich gesagt – nicht ein, wieso man die Unternehmen zwingen sollte Gewinn zu machen. Wenn sie sich mit Lizenzabgaben um ihren ganzen Gewinn bringen wollen, dann sollen sie nicht daran gehindert werden, doch leer ausgehen sollte der Staat deswegen trotzdem nicht.

Meine Idee: Wenn irgendwo ein Geldstrom fliesst, soll ein bisschen davon an den Fiskus versickern. Bei Elektrizität, Erdöl und Nahrungsmitteln funktioniert das ja auch: verlustfreien Transport gibt es nicht. Wieso soll das dann bei Geld anders sein? Seit wann erwarten wir vom Staat effizienter zu sein als die Physik?
Und wen das nicht überzeugt, soll sich mal einen Geldschein anschauen: Wessen Wappen findet man da drauf? Wenn Starbucks Geld verlangt für das Benutzen von Bechern mit ihrem Wappen, wieso dann nicht auch der Staat für das Benutzen von Geld mit ihrem Siegel drauf?

Distanzieren von Chapel Hill?

Die Tötung dreier muslimischer Studenten in der US-Universitätsstadt Chapel Hill hat eine Flut von Spekulationen über die anti-islamischen/anti-theistischen Motive des atheistischen Täters hervorgerufen. Als Reaktion darauf veröffentlichten viele atheistische Gruppierungen Stellungnahmen, in denen sie sich vehement von der Tat distanzierten und bisweilen auch zu erklären versuchten, dass die Tat nichts mit dem Atheismus zu tun habe. Hier muss man aber aufpassen keinen wahren Schotten zu machen.

Wenn der Täter seine Tat aus dem Atheismus ableitet – wie absurd die Logik dahinter auch sein mag – , dann ist es eine vom Atheismus ermöglichte Tat. Daran lässt sich dann nicht rütteln1.
Wenn es aber eine nicht religiös motivierte Tat war, dann ist der Umstand, dass der Täter ein Atheist war, lediglich ein Zufall, dem man nicht zu viel Gewicht beimessen kann. Der Atheismus schaffte es offensichtlich nicht eine solche Taten zu verhindern – allerdings erhebt er, im Gegensatz zum Theismus, eigentlich auch gar nicht den Anspruch sowas verhindern zu können. Der Atheismus ist nämlich nicht in der Lage zu sagen, ob etwas richtig oder falsch ist2. Dafür braucht es schon eine Weltanschauung, wie zum Beispiel den Humanismus.

Ich gehe jetzt mal stillschweigend davon aus, dass der Täter sich als Humanist verstanden hat – weil mich das vor grössere Probleme stellt, als wenn er eine andere Weltanschauung vertreten hätte. Der Humanismus schliesst aber Gewalt gegen andere Menschen nicht kategorisch aus3. Es kann durchaus Situationen geben, in denen Gewalt notwendig sein kann. Ich bezweifle jedoch sehr stark, dass es hier der Fall war. Ich bezweifle sogar, dass der Täter, wenn er es im Nachhinein nüchtern betrachtet, es als notwendig bezeichnen wird. Und selbst wenn dem doch so sein sollte, was dann sicherlich bis zu einem gewissen Grad sein Gewissen beruhigen wird, ob er es für eine gute – im Gegensatz zu: für eine bedauerliche, aber leider notwendige – Tat halten wird. Und genau das ist der entscheidende Punkt: Der Humanismus sollte eigentlich nicht fähig sein den Schaden an einer anderen Person durch den höheren Zweck zu heiligen, sprich diesen zu einer per se guten Tat machen, wie dies in Religionen durchaus der Fall sein kann.

Genauso wenig wie sich die Atheisten hier mit dem Falschen Schotten rausreden sollten, dürfen Muslime und Anti-Atheisten die Sache leichtfertig als ein religiös motiviertes Hassverbrechen oder gar als einen Terrorakt interpretieren und Parallelen zu den Attentaten in Paris ziehen. Es kann schliesslich auch nur ein aus dem Ruder gelaufener Streit gewesen sein, bei dem die Opfer zufälligerweise Muslime waren4. Es wären ja nicht die ersten Todesopfer, die Parkplatzstreitigkeiten zur Folge hatten5.

Auch etwas deplatziert finde ich Kommentare wie jenen von „Eda Greggy ist doof“ alias Rechtsanwaltsanwärter Gregor aus Wien, den ich in der Spambox des DisOrganizers entdeckt habe:

puh, ich hoffe du hast du schon mal von den ta­ten dei­nes athe­is­ti­schen Kol­le­gen von Ca­pi­tol Hill dis­tan­ziert. jo .. seine Pos­tings auf Face­book er­in­nern mich an ir­gend­wen .. an DICH!^^
(Link zur Facebook-Seite des Täters entfernt)

Hier wird nicht nur davon ausgegangen, dass es sich nur um ein atheistisch motiviertes Hassverbrechen handelt, obwohl das noch lange nicht geklärt ist, sondern es wird auch suggeriert, dass Leute, die sich über den Glauben anderer lustig machen, wie dies beispielsweise mit den Postings getan wird, die sich auf der Facebook-Seite des Täters (wie auch so gut wie jedes anderen Atheisten) finden lassen, solche Taten gutheissen oder früher oder später sogar begehen werden.

 

Menschen wollen nach solchen Taten eine deutliche Distanzierung jener hören, die gewisse Gemeinsamkeiten mit den Tätern teilen.
Das Problem ist aber, dass sie mit dieser Forderung deutlich ausdrücken, dass sie genau diese Gemeinsamkeit für die Ursache des Verbrechens halten, was in den meisten Fällen leider ausgesprochen naiv ist.

Was tun mit Zombies?

Je suis CharlieDie Fachliteratur ist sich ziemlich einig (vielleicht mit Ausnahme einiger weniger Autoren1), dass Zombies nicht heilbar sind und dass ein Zusammenleben mit ihnen nicht möglich ist. Diese stellen durch ihren Heisshunger auf Menschenfleisch und die damit verbundene Ansteckung nämlich eine zu grosse Gefahr für die gesamte Zivilisation dar. Und hinzu kommt – und das ist eminent wichtig – , dass jeder Mensch eigentlich lieber tot als ein Zombie sein möchte.

Wenn dem wirklich so ist, ist es dann nicht unsere (auch moralische) Pflicht sie zum Schutz der Menschheit zu eliminieren?

Zum Glück sind das aber nur Phantasien
… oder etwa nicht?

Wir Atheisten machen uns zwar gern darüber lustig, dass der auferstandene Jesus alle Kriterien eines Zombies erfüllt2 und dass das Christentum ein gefährliches Virus ist, das von Hirn zu Hirn springt und die Träger immer mal wieder Massaker anrichten lässt, ohne dabei die geringsten Skrupel zu haben, doch wenigstens glauben wir daran, dass das relativ leicht heilbar ist (mit Humor und Vernunft) und dass man gemeinsam ein harmonisches Leben führen kann (in einem säkularen Staat). Und glücklicherweise bestätigt die Erfahrung uns durchaus in diesem Glauben. Insofern gibt es keinen Grund, gegen die mit dem X-Virus infizierten Menschen direkt vorzugehen, sondern es reicht das allgemeine Klima dadurch, dass man erlaubt sich über das X-Virus lustig machen zu dürfen, so zu verändern, dass die Ansteckungsrate relativ niedrig bleibt.

Aber auch die Theisten leben auch in einer Welt voller Zombies – doch hier sind es wir Atheisten und eine Heilung ist, wie die Erfahrung zeigt, sehr schwer, wenn nicht gar fast unmöglich. Auf jeden Fall ist die Ansteckungsrate um Grössenordnungen höher als die Heilungsrate. Was also tun? Das allgemeine Klima dadurch, dass man sich nicht über das Heilige lustig machen darf, so verändern, dass die Ansteckungsrate wieder tiefer ist als die eigene Wachstumsrate? Genau, aber welche Mittel stehen einem, wenn es auf legalem Weg nicht mehr zu erreichen ist, dann noch zur Verfügung um dies zu erreichen? In den heiligen Schriften finden sich durchaus ein paar garantiert zulässige Vorschläge…

Wenn wir in einer Welt voller Zombies leben und entsetzt ist übe die Taten mancher Menschen, dann finde ich es irgendwie schräg, wenn man an die Liebe appelliert. Denn in gewissem Sinne ist es gerade die Liebe und die Sorge um das Wohl der Nächsten, die diese Menschen die Zombies abschlachten lässt.

Charlie Hebdo

Darf man das dem Islam anlasten?
Es gibt sicherlich wesentlich mehr Muslime, die solche Taten verurteilen, als solche, die sie billigen. Doch beide Seiten unterstellen der jeweils anderen, den Geist des Islam nicht wirklich verstanden zu haben, insofern ist es schwierig zu sagen, was denn der wahre Islam ist. In einem sind sie sich aber dennoch einig, nämlich dass es etwas Heiliges gibt, das über allem anderen steht und über das man sich eigentlich nicht lustig machen sollte.

In diesem Punkt ist sich jedoch nicht nur der Islam einig, sondern alle Religionen. Und keine ist davon ausgenommen.

Nein, man kann das nicht dem Islam anlasten. Sondern man muss es der Religion per se anlasten.
Denn das Heilige ist gewissermassen die ureigenste Definition von Religion.

So lange es Blasphemie gibt, so lange wird man die Sünder ermahnen diese doch lieber zu unterlassen. Sei es durch Worte oder durch Steine.

Als Reaktion auf solche Taten wie am Charlie Hebdo sollten wir nicht die Gläubigen zu überzeugen versuchen, dass sie lieber Worte statt Steine verwenden sollen, denn damit rennt man bei den meisten ohnehin offene Türen ein, sondern dass es so etwas wie Blasphemie gar nicht gibt. Nicht weil es Gott nicht gibt, sondern weil es das unantastbar Heilige nicht geben sollte.

Sexy Jesus

Das Urteil für den Teenager, der Oralsex mit der Jesus-Statue hatte, ist raus:

The boy appeared before Judge Thomas Ling and agreed to a consent decree signed by all parties involved, including the boy, his mother and his attorney, Karen Hickey.
The boy must not use social media during a six-month probation period as well as perform 350 hours of community service.
Among the other punishments, he must obey a curfew of 10 p.m., no alcohol or other controlled substances monitored by random drug testing and stay in school.
District Attorney Bill Higgins presented the decree to the court.
After accepting the agreement and while settling the number of community service hours, Judge Ling focused on the religious rights of Love in the Name of Christ, noting that the juvenile’s actions infringed upon their rights to practice their faith.
Upon successful completion of these terms and conditions, his case will be dismissed and the juvenile will have no criminal record.
WJAC

Zum Grübeln bringt mich der folgende Satz:

„noting that the juvenile’s actions infringed upon their rights to practice their faith“

Ich könnte verstehen, wenn es da heissen würde, dass es die religiösen Gefühle der Gläubigen verletzt – das ist schliesslich das „Verbrechen“, vor dem Blasphemiegesetze schützen sollen – , doch hier wird explizit vom Recht seinen Glauben auszuüben gesprochen. Also von einem (böswilligen) Angriff auf die Religionsfreiheit. Der Richter scheint wohl etwas handfesteres haben zu wollen als als lediglich die mittelalterliche Blasphemie.

Ich frage mich, wie man bemessen kann, ob jemandes Recht zur Ausübung seines Glaubens verletzt wurde?
Wenn die Gläubigen am Ende des Monats weniger Gebets- oder Messestunden auf dem Konto haben, dann natürlich ja. Aber ich bezweifle, dass sowas der Fall ist. Eher im Gegenteil ;)
Oder nimmt sowas den Leuten die Lust am Gebet oder am Gottesdienst? Wegen etwas, was man den Monica Lewinsky Effekt nennen könnte?

Oder lässt es den Zustrom neuer Gemeindemitglieder versiegen?
Dann müssten aber auch all die fundamentalistische Deppen verurteilt werden, deren Position dermassen absurd und lächerlich ist, dass sie mögliche Adepten verschrecken, die sonst sachte und einfühlsam hätten eingeführt werden können.
Und wenn man sich die Biografien vieler Atheisten anschaut und merkt, dass für viele von ihnen der Ausgangspunkt in ihrem Zweifel die tatsächliche Lektüre der Bibel war, dann müsste man wohl zum Schutz einer solchen Religionsfreiheit auch die Bibel selbst auf den Index setzen. (Was laut vielen fundamentalistischen Christen die katholische Kirche während Jahrhunderten tatsächlich getan haben soll. Und damit wohl die Religionsfreiheit gefördert hat ;)

Sexy Jesus im Film Son of God

Andererseits lenken wohl auch der Terror im IS oder auch sexy Jesuse die Konvertitenströme und müssten dann folgerichtig mit 350 Stunden Sozialarbeit und einer halbjährigen Verbannung aus den sozialen Medien bestraft werden. Man darf schliesslich nicht die eine oder andere Seite bevorteiligen. Das würde gegen die Religionsfreiheit verstossen.
Eine Anschlussfrage wäre dann, ob die Medien, die darüber berichten, sich nicht der Beihilfe zum Umleiten der Konvertitenströme schuldig machen und ebenfalls mit Sozialarbeit und einer Verbannung aus den sozialen Medien bestraft werden sollten?

Hier schliesst sich der Kreis. Oralsex mit Jesus sexualisiert den Sohn Gottes. Das ist aber nur fast neu. Schon der Jesus in der 2013 Verfilmung Son of God ist verdammt sexy und ohne Zweifel der feuchte Traum so manch einer heissen Christin. Und wohl auch so manch eines warmen Christen.
Was der Teenager da praktiziert hat, haben wohl viele andere auch schon in ihren Köpfen gemacht. Auf die eine oder andere Weise. Da könnte man sich doch glatt fragen, wieviel von der Empörung einfach nur blanker Neid ist?

 

Mit dem Thema hat das eigentlich nichts zu tun, aber wie haben die Kirchen es nur so lange geschafft, Jesus, den Verkünder der Liebe, so schön und gleichzeitig so bar aller Sexualität zu verkaufen? Ist dieser Umstand nicht ein sehr deutliches Zeichen für die Verachtung der Sexualität?
Dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt…