Lot und seine Töchter

Erst eine kurze Zusammenfassung:

Gott informiert Abraham darüber, dass ihm die Zustände in Sodom und Gomorra nicht gefallen und er also die beiden Städte vom Erdboden tilgen will. Abraham gelingt es darauf in zähen Verhandlungen von Gott die Zusage zu erhalten, dass er die Orte verschonen wird, wenn sich dort 10 gerechte Menschen finden lassen.
Also schickt Gott zwei Engel nach Sodom um sich da mal ein bisschen umzusehen. Lot empfängt die beiden am Tor und komplimentiert sie zu sich nach hause, weil es angeblich für zwei so stattliche Burschen des Nachts in der Stadt nicht sicher sei.
Dort angekommen bewirtet er sie und wäscht ihnen wahrscheinlich auch die Füsse und als es dann Zeit wird ins Bett zu gehen, kommen alle Männer der Stadt zu Lots Haus und fordern von diesem die beiden Gäste zu einem kleinen Fick hinauszuschicken. Lot begibt sich dann vor die Tür und versucht mit dem Mob zu verhandeln. Er bietet ihm statt der Engel seine beiden jungfräulichen Töchter an. Eine Einigung ist nicht möglich und es kommt zu einem Handgemenge, aus dem Lot nur dank der Hilfe der beiden Engel entkommt, die dazu kurzerhand alle Anwesenden blenden.
Die beiden Engel informieren darauf Lot, dass er seine Sachen packen und mit allen, die zu ihm gehören, die Stadt verlassen soll, weil sie diese zerstören werden. Also begibt sich Lot zu den Verlobten seiner Töchter und erklärt ihnen den Sachverhalt, diese glauben es ihm aber nicht nicht.
Am nächsten Morgen drängen die beiden Engel die Familie zum Aufbruch. Doch da Lot zu zögern scheint, packen sie die Eltern und die Töchter und werfen sie eigenhändig aus der Stadt. Zum Abschied erklären sie ihnen, sie sollen unbedingt so schnell wie möglich ins Gebirge gehen und auf dem Weg dorthin aber auf gar keinen Fall stehen zu bleiben oder sich umzudrehen.
Lot wendet ein, dass er aber statt ins Gebirge viel lieber in die Stadt Zoar gehen möchte. Die Engel gewähren ihm den Wunsch.
Und tatsächlich, sobald Lot die Stadt betritt, lässt Gott Feuer und Schwefel über Sodom und Gomorra regnen und vernichtet die ganzen Städte und das umliegende Land und alles was drauf kreucht und fleucht.

Lots Frau aber schaut zurück und erstarrt zur Salzsäule.

Und da es ihm in Zoar irgendwie unheimlich wird, zieht Lot mit seinen beiden Töchtern weiter ins Gebirge, wo sie es sich in einer Höhle gemütlich machen. Weil weit und breit kein anderen Mann zu finden ist, machen die Töchter ihren Vater betrunken und lassen sich von ihm in zwei aufeinanderfolgenden Nächten schwängern.
Und die Ältere gebiert Moab, den Stammvater der Moabiter, und die Jüngere Ben-Ammi, den der Ammoniter.

Und jetzt ein paar Fragen:

Ein allmächtiger, allwissender, allgütiger Gott fällt den knallharten Entschluss eine Stadt und alle ihre Bewohner zu vernichten und lässt sich dann von einem Papaschlumpf dergestalt umstimmen, dies nur dann zu tun, wenn sich dort keine 50 Gerechten finden lassen? Und dann lässt er sich von 50 auf 45, dann auf 40, dann auf 30, dann auf 20, dann auf 10 herunterhandeln? Und wer weiss, wie es noch weiter gegangen wäre, wenn Gott da nicht einfach weglaufen wäre.
Dass sich am Ende nur 4 Leute, resp. 3 Leute und eine Salzsäule, finden liessen, die es wert sind gerettet zu werden, lässt es zwar so aussehen, als hätte sich der ursprünglich Wille Gottes am Ende doch durchgesetzt, das ändert aber nichts daran, dass er lausig gefeilscht hat.
Und es wirft die Frage auf, ob das wirklich alle Gerechten von Sodom waren? Man kann nämlich nicht gerade behaupten, die Suche wäre systematisch gewesen.

Und wie kommen eigentlich die Leute von Gomorra dazu umgebracht zu werden, nur weil die beiden Engel in Sodom nicht genug Gerechte fanden?

Die beiden Engel sollten in der Nacht durch Sodom spazieren und nach gerechten Menschen Ausschau halten. Stattdessen verbrachten sie den ganzen Abend bei Lot und schlugen sich die Bäuche voll. Ist das keinem aufgefallen? So findet man keine Gerechten.

Und was haben die Engel eigentlich angestellt, dass die männliche Bevölkerung so scharf auf sie war? Wird da nicht etwas verschwiegen?
Mir kommt da spontan der unwiderstehliche John Travolta alias Michael in den Sinn.

Und was ist das für ein Mensch, der einem Mob seine Töchter anbietet? Einem Mob, der offensichtlich Interesse an Männern hat. Wäre da nicht eine andere Person im Haushalt gewesen, die dem Geschmack der Menge besser entsprochen hätte? Eine, die er sogar rechtmässiger hätte anbieten können?
War das wirklich eine so noble Geste, wenn er wusste, dass seinen Töchtern unter diesen Umständen gar keine Gefahr droht? War es nicht viel mehr leichtsinnig, weil er die Sache mit einem solchen Vorschlag eher eskalieren lässt.

Wie es heisst, ist auch Lot ein Fremder in der Stadt.
Wieso ist er überhaupt in eine solche Stadt gezogen? Wieso hat er sie nicht längst schon wieder verlassen? Und wieso hat es seine Töchter zwei Sodomiten versprochen?
Das alles spricht weniger für einen gerechten, fürsorglichen Vater, als viel mehr für jemanden, der erkannt hat, dass sich in einem Sündenpfuhl bessere Geschäfte machen lassen.

Wenn er neu in der Stadt ist, wie vertraut ist Lot dann wohl mit den örtlichen Gebräuchen? Könnte er versehentlich selbst den ganzen Konflikt entfacht haben, indem er den hiesigen Brauch Gäste mit einem fröhlichen Akt der Kopulation willkommen zu heissen rüde ausgeschlagen hat? Sprich das falsche Gastrecht angewendet hat?
In abgeschiedenen Gemeinschaften kann es Sinn machen, den Gästen die eigene Frau anzubieten um so den Genpool wieder ein bisschen aufzufrischen. Vielleicht verhielt es sich in Sodom ähnlich und ein Ablehnen, was eine potentielle Gefahr für die Gesundheit der Gemeinschaft bedeuten würde, musste als böswilliger Affront interpretiert werden.
Ich unterstütze solche Bräuche nicht. Leute aber, die solche praktizieren, brauchen deswegen aber noch lange nicht böse sein. Schliesslich hegen sie damit keine niederträchtigen Absichten.

Wenn jemand zu mir kommt und mir sagt, ich solle Zürich verlassen, weil es morgen in einem Feuerregen untergehen wird, dann werde ich auch lachen und es nicht glauben. Wenn ich jedoch ein paar Minuten vorher erblindet wäre, nachdem ich ein bisschen zu frech eine fremde Person angeflirtet habe, dann würde ich sicherlich nicht lachen.
Die Verlobten von Lots Töchtern waren im Mob, weil alle männlichen Bewohner der Stadt in diesem Mob waren,  und mussten demzufolge geblendet worden sein. Wieso glaubten sie Lot also nicht? Und selbst wenn sie ihm nicht glaubten, hätten sie die Schwiegerfamilie in spe dennoch begleiten können – insbesondere da sie ja jetzt blind waren.
Sie wären also gerettet worden, wenn sie nur ein bisschen rationaler gewesen wären. Dann wären also auch Leute aus dem Mob gerettet worden. Also wären sie auch gerecht gewesen? Ist Gerechtigkeit anstecken? Meint hier Gerechtigkeit das gleiche wie heute?
Damit wären es dann 6 Gerechte in Sodom gewesen. Nur eine Verhandlungsrunde von einer General-Amnestie entfernt. Haarscharf würde ich sagen. Kein Präzedenzfall auf den man stolz sein sollte.

Der Vater zieht in eine fragwürdige Nachbarschaft, verlobt seine Töchter mit stadtbekannten Vergewaltigern und bietet sie am Ende sogar dem Mob an und die Töchter, die lieber ihren Vater abfüllen um sich von ihm schwängern zu lassen als als alte Jungfern zu sterben. Sind die wirklich okay in den Augen Gottes? Okay in einer Art und Weise in der die Mutter nicht okay ist?

Erst wird die Mutter gerettet, dann wird sie Opfer von zusätzlich hinzugefügten Regeln. Wie verlässlich ist das Urteil Gottes? Er hat offenbar das Recht jederzeit neue Bedingungen aufzustellen.

Was hat Lots Frau eigentlich gesehen, als sie zurück geschaut hat? Warum war es überhaupt verboten? Wurde sie getötet, weil sie etwas sah, das sie nicht sehen sollte? Welches Geheimnis vertuscht ihr Tod?

Gibt es unabhängige Zeugen, die die in der Bibel beschriebenen Ereignisse bestätigen können?
War vielleicht die Mutter eine Zeugin, die sich nicht einschüchtern liess? Musste sie deshalb eliminiert werden?

Waren zum Zeitpunkt als Sodom zerstört wurden, keine Touristen und Händler zugegen, die es auch verdient hätten gerettet zu werden?

Sollte Sodom nicht auch durch den Regenbogenbund vor Feuer geschützt sein? Das klingt, als habe sich hier Gott aus einem Vertrag gemogelt.

Nicht mal Säuglinge waren unschuldig genug um gerettet zu werden?

Wieso sind Lots Töchter in einer solch verruchten Stadt eigentlich noch Jungfrauen?

Und last but not least: Ist Füssewaschen in Sodom das gleiche wie anderswo?

#IchFragJaNur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.