NZZ – Folio : Atheismus, aus Mangel an Beweisen

Heute widmet sich das NZZ Folio dem Atheismus. Noch habe ich es nicht gelesen, doch es scheint eine interessante Lektüre zu werden.

Ball der verlorenen Seelen

In London versammeln sich sonntags Ungläubige, um zu singen und zu preisen. Nur wen? Und wofür? Eine ethnologische Feldforschung beim Stamm der Gottlosen.
ab Seite 22 von Nigel Barley

Meine persönlichen Gedanken hierzu folgen.

Der barmherzige Atheist

Sind Gläubige tatsächlich die besseren Menschen?
Seit Jahrzehnten nehmen Wissenschaftler die Nächstenliebe unter die Lupe.
ab Seite 28 von Mathias Plüss

In diesem Artikel geht es vor allem um eine kleine Übersicht über die Studienlage zum Thema Verhalten innerhalb von Religion und Atheismus:

Wenn man Umfragen glauben will, dann sind Gläubige nicht nur hilfsbereiter als Atheisten, sondern sie werden von der Bevölkerung auch für hilfsbereiter gehalten.
Wenn man das aber in der Praxis überprüft, dann ist kein signifikanter Unterschied mehr auszumachen. Sprich, Atheisten haben eine weniger bauchpinselnde (realistischere?) Selbsteinschätzung und ein klitzekleines Image-Problem.

„Die Indizien deuten klar darauf hin, dass die Religiöseren nicht mehr Anteilnahme für Menschen in Not zeigen als die weniger Religiösen. Die Religiöseren erwecken bloss den Eindruck, sie nähmen mehr Anteil.“ (Daniel Batson, 1993)

Als Reaktion auf diese skandalöse Entdeckung wurde mit etlichen Studien gezeigt, dass Gläubige doch hilfsbereiter sind als Atheisten. Bloss dass, wenn man etwas genauer hinschaut, sich die Hilfsbereitschaft fast ausschliesslich auf Freunde und Glaubensgenossen beschränkt. Geht es jedoch um Fremde, so wirkt sich die Religiosität gar nicht oder sogar negativ auf die Hilfsbereitschaft aus. (Luke Galen, 2012)

Interessanterweise findet man überdurchschnittlich moralisches Verhalten gleichermassen bei sehr religiösen und sehr atheistischen Menschen, während bei religiös nicht sehr interessierten Menschen eher eine moralische Gleichgültigkeit zu beobachten ist. Das deutet darauf hin, dass nicht die Religion die Menschen moralisch macht, sondern die Bereitschaft für seine Überzeugung auch bei rauem Gegenwind einzustehen. Und der ist ja auch beim Atheismus gegeben.
In viele Situationen, in denen es moralisch zu handeln gilt, muss man sich der Herde entgegenstellen, was in der Regel nicht einfach ist.

Was also bringt die Religiosität einer Gesellschaft?
Es ist unbestritten, dass der Drogenkonsum mit religiöser Frömmigkeit deutlich sinkt. Doch ist Drogenkonsum an sich kein unmoralisches Verhalten und auf echte Formen von Verbrechen hat die Frömmigkeit kaum einen Einfluss – dort ist der Rückgang eindeutig auf die Säkularisierung zurückzuführen.
Wieso also nur bei den Drogen? Könnte die Religion tatsächlich das Opium des Volkes sein? Könnte es sein, dass Religion und Drogen Menschen auf die gleiche Weise ansprechen und die Frömmigkeit lediglich eine Umverteilung vornimmt?

Religiösere Länder haben höhere Verbrechensraten als sekulärere. Wenn man sich die Zahlen aber etwas genauer anschaut, dann erkennt man, dass starke Religiosität durchaus einen moderat dämpfenden Einfluss auf die Kriminalität zu haben scheint. Das wurde aber bisher nur bei Christen beobachtet. Bei Muslimen sieht es eher umgekehrt aus. Allerdings wird dort der Effekt durch das strengere Alkoholverbot offenbar wieder neutralisiert.
Diese Untersuchungen wurden jedoch in Deutschland gemacht und es ist nicht auszuschliessen, dass der Umstand, einer Minderheit in einem feindseligen Umfeld anzugehören, die Menschen radikalisiert und die Ergebnisse verfälscht.
Unter dem Strich scheint sich die Tugendhaftigkeit der Gläubigen also weniger der Transzendenz als viele mehr der schärferen Beobachtung durch die Kirchenmitglieder zu verdanken.

Warum gibt es überhaupt Religionen und wieso sind sie so erfolgreich? Weil sie einen ungeheuren Vorteil bringen: Sie fördern, nicht zuletzt auch durch den Zusammenhalt und die Kooperation innerhalb der Gruppe. Religiöse Gemeinschaften sind tatsächlich produktiver. Doch je grösser der Altruismus innerhalb der Gruppe, desto stärker die Abwehr gegen alles Fremde. So findet sich insbesondere bei Fundamentalisten regelmässig ein Hang zu Ethnozentrismus, Unterwürfigkeit, Nationalismus, Rachegelüsten und Militarismus.

Unter dem Strich hat sich Dostojewskis Warnung „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.“ als falsch erwiesen. Die Religion erzeugt keine besseren Menschen, sie macht sie bestenfalls etwas erfolgreicher.

Besser schwul

Warum in Amerika die Atheisten gehasst werden wie keine andere Minderheit.
ab Seite 37 von Peter Haffner

Meine persönlichen Gedanken hierzu folgen.

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