Tamiflu, der Skandal der Unwirksamkeit

Tamiflu und die Vogelgrippe wird in der Alternativ- und Komplementärmedizin-Szene gern als ein Paradebeispiel für die dunklen Machenschaften der Pharmaindustrie dargestellt: Trotz fehlendem Wirksamkeitsnachweis vertickte die Roche Unmengen von Tamiflu an die verschiedensten Länder, welche damit einer nicht existenten Vogelgrippe-Pandemie vorzubeugen hofften.
Die Regierungen schoben Panik und fürchteten sich vor apokalyptischen Zuständen und die Roche verkaufte ihnen Hoffnung, von der sie eigentlich wusste, dass sie nicht ganz das hielt, was ihre PR-Abteilung versprach. Ein Skandal, wie er im Buche steht. Mit den üblichen Verdächtigen: Naive Beamte und böse Pharma-Multis.

Jedoch eins vorweg, wovor sich die Regierungen fürchteten war kein harmloses Schreckgespengst. Man fürchtete sich nicht vor dem Virus, wie es war, sondern vor jenem, das aus diesem hätte werden können, wenn ein paar wenige Mutationen die Ansteckbarkeit des Influenza-A-Virus H5N1 erleichtert hätten.
Und Tamiflu war nicht als Mittel gegen die Vogelgrippe gedacht, sondern sollte durch die Linderung des Krankheitsverlaufts lediglich die Zeit bis zur Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs überbrücken.

Die Beamten waren also nicht ganz so naiv. Aber doch naiv genug, nicht erst alle nötigen Unterlagen einzufordern um eine optimale Entscheidung zu treffen.
Ironischerweise profitiert aber gerade die Alternativ- und Komplementärmedizin von genau dieser Naivität, denn dort gibt es einer genaueren Überprüfung standhaltende Wirksamkeitsnachweise gar nicht.

Wie, so stellt sich nun die Frage, hätte die Regierung aus Sicht der Alternativ- und Komplementärmedizin denn nun bei der Vogelgrippe handeln sollen?

  • Gar nicht, weil die Vogelgrippe ja harmlos ist, und darauf vertrauen, dass das auch so bleibt?
  • Sich auf Treu und Glauben mit billigerer Alternativ- und Komplementärmedizin eindecken?
  • Zur Hygiene aufrufen und gratis Äpfel zur Stärkung des Immunsystems verteilen?

 

Wäre das nicht der viel grössere Skandal gewesen?

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