NSA und die Tücken der Modalverben

Kann man es den Regierungen und ihren Geheimdiensten wirklich verdenken, dass sie möglichst alles wissen wollen? Das tun Facebook, Amazon, die Migros und ich ja auch.

Das Problem ist nicht, dass sie es wollen und auch nicht dass sie es können, denn auch das tun Facebook, Amazon, die Migros und ich. Sondern, ob sie es auch dürfen – selbst wenn der eine oder andere Player die Möglichkeit hat, es rechtlich durchwinken zu lassen.

Es gibt da nämlich gewisse Dinge, denen wir übereinstimmend eine höhere Priorität einräumen als anderen und die entsprechend auch beachtet werden wollen. Beispielsweise die Menschenrechte, und hier konkret das lästige  Recht auf Privatsphäre.
Doch wir räumen auch der NATIONALE SICHERHEIT (die muss immer gross geschreiben werden, um keinen Zweifel an ihrer Wichtigkeit aufkommen zu lassen!) und der Forschungsfreiheit eine höhere Priorität ein. Und ich bin überzeugt, dass auch Facebook, Amazon und die Migros eine sehr edle und plausibel klingende Erklärung dafür haben, alles über alle wissen zu müssen.

Unter dem Strich stehlen NSA, Facebook, Amazon, die Migros und ich all die Daten bloss zum Wohl der Bestohlenen. Dass die Bestohlenen das nicht einsehen, heisst nicht, dass auf lange Sicht die Umverteilung der Informationen nicht auch den Bestohlenen zugute kommen. Wenn damit der Terror beendet, die uninteressante Werbung beseitigt, die falschen Bücher nicht gedruckt, weniger abgelaufene Waren anfallen und ich endlich mehr Leser verzeichnen würde, dann hätte sich die Investition doch gelohnt.
Analog könnte man dann aber auch bestimmte Leute zum Wohl der Menschheit töten (und wenn man sich auf die Sophisterei versteht auch zum Wohl des Betroffnen).
Vor genau diesem Problem sieht sich bekanntlich jeder philanthrope Diktator, Kirchenfürst und CEO: Er weiss, was das beste für seine Stakeholder ist, und er muss entscheiden, wieviel er sich das kosten lassen will, kann und darf.

Der Skeptiker wird sich indessen fragen, ob das, was jener Philanthrop für das beste hält, wirklich das beste ist?
Und er wird wohl anführen, dass die Erfahrung zeigt, dass hier bisher immer etwas zu kurz gedacht wurde. Was natürlich nicht heisst, dass dies immer so sein muss. Bloss, dass man bisher wesentlich besser gefahren ist, wenn man sich weniger auf das edle Ziel und mehr auf das Vermeiden von Opfern konzentriert hat.


 

  • Wenn mir ein Langfinger meine Brieftasche klaut, dann kann er sich mit meinem Geld ein Eis kaufen und ich nicht.
  • Wenn mir ein Skimmer meine Kreditkartendaten klaut, dann können wir beide uns von meinem Geld ein Eis kaufen.
  • Wenn mir die NSA meine Kreditkartendaten klaut, dann könnte sie sich mit meinem Geld ein Eis für die ganze Belegschaft kaufen, doch ich bezweifle, dass sie das tut.

 

Mit einer grossen Keule kriegt man automatisch alle Brieftaschen. Mit PRISM automatisch alle Daten.
Die Frage ist, was man mit den Daten alles anfangen kann. Mir persönlich fallen vor allem coole Sachen ein. Allerdings ist diesen Sachen vor allem eins gemeinsam, dass die NSA nicht wirklich dafür prädestiniert genau diese umzusetzen. Die NASA wäre da schon wesentlich geeigneter.

Mir fallen natürlich auch ein paar coole Schurkereien ein, die man mit den Daten anstellen könnte, doch die umzusetzen ist bestenfalls Bad Horse und seine Evil League of Evil fähig.

Bleibt einfach zu hoffen, dass die Server der NSA etwas besser gegen unerlaubten Zugriff geschützt sind als die Server von denen sie die Daten geklaut haben.

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