Pontifex-Dialoge: Limonade-Taktik

Seit mir der Papst für ein Twitter-Follow einen Ablass vom Fegefeuer offeriert hat, führe ich von Zeit zu Zeit kleinere Dialoge mit dem Pontifex. Dies ist ein weiterer davon:

23. September

Papst Franziskus @Pontifex_de
Die Kirche hat keinen anderen Sinn und Zweck, als Zeugnis von Jesus Christus zu geben. Vergessen wir das nicht!

Eda Gregr @meskinaw
@Pontifex_de Stimme ich voll und ganz zu (und genug Geld für die PR habt ihr ja). Haltet euch also von nun an raus aus der Moral.

Papst Franziskus ist erstaunlich beliebt bei den Atheisten. Er hat sich nämlich schon an manchen Stellen verblüffend tolerant gegenüber Atheisten, Homosexuellen und anderen traditionellen schwarzen Schafen geäussert. Statt den Moralapostel zu markieren konzentriert er sich aufs Wesentliche, was man im Vergleich zu seinen Vorgängern durchaus als revolutionär bezeichnen kann.
Das Problem ist aber, dass wenn er sagt, er wolle sich aufs Wesentliche konzentrieren und ihm Andersdenkende eigentlich egal sind, dann nimmt er diese zwar für den Moment aus der Schusslinie, jedoch nicht grundsätzlich. Er relativiert nämlich nicht seinen Machtanspruch auf Moralfragen, sondern lockert lediglich die Zügel indem er die Prioritäten anders setzt. Etwas anderes wäre es, wenn er offiziell verkünden würde, dass Schwul sein, voll okay sei.
Ich will ihm nicht unterstellen, dass er hier irgendwelche finsteren Absichten hegt. Ich glaube sogar, dass er dies womöglich sogar tun möchte, doch ist das einfach ein zu grosser Schritt für eine Organisation wie die Kirche. Was man ihm aber nicht verübeln kann.
Dochso lange sie sich nicht offiziell aus unseren Schlafzimmern zurückzieht, kann die Kirche jederzeit – so sie sich wieder stark genug dafür fühlt – erneut ihre alte Position einnehmen. Ohne sich auch nur erklären zu müssen.

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