Bruno ist tot

Dass Braunbären nicht zur Gattung der Teddybären gehören, ist mir bekannt. Dass sie gefährlich sein können, ist unbestritten, aber das sind Autos, Motorsägen und Skinheads ja auch. Zum Abschuss wird von diesen aber trotzdem keiner freigegeben.
Wir stecken hier aber tatsächlich in einem Dilemma, denn in den Zoo kann man ein solches Tier nicht guten Gewissens stecken, da ein Bär nun mal die Weite braucht, und einfach weiter rumlaufen lassen, ist auch problematisch, weil er inzwischen angeblich die natürliche Scheu vor dem Menschen verloren hat. In den Ländern, die eine grössere Bärenpopulation besitzen, wäre ein solcher Problembär längst zum Abschuss freigegeben worden.
Andererseits ist der Schaden an Schafen, Hühnern und womöglich auch an gekidnappten Fahrrädern (Bären lieben bekanntlich das Fahrradfahren) zwar sicherlich beträchtlich, doch lässt sich deswegen der Abschuss nicht ernsthaft mit wirtschaftlichen Argumenten rechtfertigen. Der einzige Grund, den man akzeptieren könnte, ist – wie gesagt – die Gefahr für den Menschen. In Europa kam es während des gesamten 20. Jahrhunderts aber nur zu 36 tödlichen Bärenangriffen auf Menschen, wobei sich 24 davon in Rumänien ereigneten als Folge von Ceaucescus Bestreben der grösste Bärenjäger aller Zeiten zu werden. Ist das nicht eine Zahl, die einen ermutigen könnte einfach mal ein Risiko einzugehen?
Mir gefallen immer die Argumente von der Art, wie der Tierschützer – bitteschon – einer Mutter zu erklären beabsichtige, dass ihr Kind vom Bären gefressen wurde, den er beschützt hat. Das ist die hinterletzte Polemik und widerspricht, wenn mich nicht alles täuscht, sogar unseren grundlegendsten Rechtsgrundsatz: Ein Opfer darf nie und nimmer Richter sein. Und wie die Einleitung erahnen lässt, kann sich der Tierschützer ja immer noch der Floskeln der Auto-, Motorsägen- und Skinheadlobby bedienen.
Bruno stellte also womöglich tatsächlich eine Gefahr für Menschen dar, jedoch bezweifle ich ob wirklich für alle 82 Millionen Deutschen?

Keine 5 Stunden nachdem er in Österreich zum Abschuss freigegeben wurde, lief er in Bayern einem Jäger vor die Flinte, wo ihm eigentlich noch 19 Stunden bleiben sollten um sein Testament in Ordnung zu bringen. Kein ruhmreicher Tag für Europa.

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