Blondinen bevorzugt

Anthropologen schätzen, dass zwischen 20 und 50 Prozent der menschlichen Gesellschaften zur Monogamie neigen. (Die Gesellschaften, wohlgemerkt, nicht deren Angehörige!) Demzufolge ist die Polygamie die am weitesten verbreitete Form des ehelichen Zusammenlebens. (Da „Zerogamien“ selten länger als eine Generation praktiziert werden, fallen sie, global betrachtet, nicht weiter ins Gewicht.)
Die grösste Dichte monogamer Gesellschaften findet man in Europa. Also ausgerechnet in jener Gegend, wo die Blondine herkommt – dieses unangefochten prominenteste Argument für die Polygamie. Wieso diese paradoxe Situation?
Eine mögliche Erklärung bietet der Anthropologe Peter Frost in seinem Paper „European hair and eye color : A case of frequency-dependent sexual selection?„, welches in der letzten Ausgabe des Journals „Evolution and Human Behavior“ (Volume 27, Issue 2) erschienen ist.
Ende der letzten Eiszeit sollen die Jäger und Sammler im Norden und Osten Europas mit einer dermassen unwirtlichen Umwelt konfrontiert worden sein, dass einerseits junge, unerfahrene Männer überdurchschnittlich oft nicht von den langen Jagdausflügen zurückkehrten und andererseits die Frauen die Nahnungsknappheit kaum mit Sammeln wettmachen konnten. Dies führte dazu, dass es einerseits mehr Frauen als Männer gab und andererseits, dass sich die Frauen mehr als anderswo auf die Versorgung der Männer verlassen mussten, was wiederum zu einem Absinken der aus der Männerknappheit resultierenden Polygynie (Vielweiberei) führte. Dies übte einen enormen Selektiondruck auf die europäischen Frauen aus und ein Effekt davon war wohl die ungewöhnliche Vielfalt der Haar- und Augenfarben, sowie ein merklicher Pigmentationsverlust der Haut.
Das erklärt aber natürlich nicht weshalb ausgerechnet die hellhäutigen Blondinen das Rennen vor den beispielsweise langnasigen Dunkelhäutigen machten? Ich persönlich schätze es lag daran, dass die Männer, wie gesagt, oft erst sehr spät von der Jagd zurück kamen und in der Dunkelheit die weissen Hintern nun mal besser zu sehen waren.
Das heisst also, dass Blondinen das Ergebnis einer äusserst harten Zeit sind. Und dass ein wesentlicher Bestandteil dieser unerfreulichen Härte die von der Natur aufgezwungene Monogamie war. Das ist Wissenschaft, nicht meine Meinung!

Ich möchte an dieser Stelle noch eine Illusion der Dunkelhaarigen zerstören. Man liesst immer wieder, dass laut einer WHO-Studie wegen irgendwelchen rezessiven Haargenen voraussichtlich im Jahre 2202 der letzte blonde Mensch geboren werden würde. Das ist insofern kompletter Humbug, als die WHO nie eine solche Studie in Auftrag gegeben hat, noch je von einer solchen gehört hat. Eine nette kleine Urbane Legende…

Eine Antwort auf „Blondinen bevorzugt“

  1. Ein anderer Grund für die Entwicklung des Blondschopfs könnte sein, dass man am hellen Haar besser das Alter einer Frau erkennt als an dunklem, und da aufgrund der Kälte die holde Weiblichkeit immer in Pelzen unterwegs war, waren die anderen Altersindikatoren nicht sichtbar.
    Dann müssten allerdings auch Eskimofrauen blond sein.
    Da aber im hohen Norden die Mitternachtssonne scheint und die Iglus ziemlich lichtdurchlässig sind, ist eher der grössere Kontrast der dunklen Frauen ein Vorteil. Die Blondine könnte demgegenüber mit einem Schneemann verwechselt werden…

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